Physiotherapie gehört bei vielen rheumatischen Erkrankungen fest zur Behandlung, weil Gelenke, Muskeln und Wirbelsäule regelmäßige Bewegung brauchen, um möglichst lange beweglich und belastbar zu bleiben. Schmerzen und Entzündungen führen häufig ganz automatisch dazu, dass bestimmte Bewegungen vorsichtiger ausgeführt werden. Ein schmerzendes Knie wird weniger belastet, eine steife Schulter seltener über den Kopf bewegt und bei Rückenschmerzen verändert sich häufig die Haltung. Hält diese Schonung länger an, verliert die Muskulatur an Kraft, Bewegungen werden schwieriger und der Alltag wird zunehmend anstrengender. Genau deshalb sollte Physiotherapie möglichst früh beginnen und sich nicht nur auf das gerade schmerzende Gelenk beschränken.
Eine gute physiotherapeutische Behandlung verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig. Die vorhandene Beweglichkeit soll erhalten oder verbessert, geschwächte Muskulatur wieder aufgebaut, die Körperhaltung unterstützt und die allgemeine Belastbarkeit gesteigert werden. Zusätzlich können Gleichgewicht und Koordination trainiert werden, damit Sie sich sicherer bewegen und Stürze vermeiden. Wärme, Kälte, manuelle Techniken oder Massagen können ergänzend eingesetzt werden, während die aktive Bewegung den wichtigsten Teil der langfristigen Behandlung bildet.
Besonders hilfreich ist es, wenn Sie bereits während der Physiotherapie lernen, welche Übungen Sie selbst durchführen können. Regelmäßige kurze Einheiten zu Hause bringen langfristig häufig mehr als eine einzelne intensive Behandlung in der Woche. Ihre Übungen sollten deshalb so verständlich und alltagstauglich sein, dass Sie sie auch nach Ende einer Verordnung weiterführen können.
Das Wichtigste vorweg
Bewegen Sie sich bei Rheuma regelmäßig, trainieren Sie Kraft und Beweglichkeit und passen Sie die Belastung an die aktuelle Situation an. Ein akut stark entzündetes Gelenk wird sanfter bewegt, während ruhige Krankheitsphasen genutzt werden können, um Kraft und Ausdauer weiter aufzubauen. Lassen Sie sich Übungen zeigen, die zu Ihrer Rheumaform, Ihren betroffenen Gelenken und Ihrem Alltag passen.
Beginnen Sie mit den Bewegungen, die Ihnen im Alltag fehlen
Eine Physiotherapie sollte sich daran orientieren, was Sie tatsächlich wieder besser können möchten. Probleme beim Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen, Anziehen, Autofahren, längeren Gehen oder beim Drehen des Kopfes sind konkrete Ansatzpunkte für die Behandlung. Solche Alltagssituationen zeigen oft viel besser als eine reine Schmerzangabe, wo Beweglichkeit oder Muskelkraft verloren gegangen sind.
Zu Beginn werden deshalb Bewegungsumfang, Muskelkraft, Haltung, Gangbild und Gleichgewicht beurteilt. Auch geschwollene Gelenke, vorhandene Fehlstellungen, künstliche Gelenke oder eine Osteoporose sollten bekannt sein, damit Übungen sicher angepasst werden können.
Formulieren Sie gemeinsam mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten möglichst konkrete Ziele. „Ich möchte wieder ohne Abstützen vom Stuhl aufstehen können“ oder „Ich möchte beim Autofahren wieder besser über die Schulter schauen können“ lässt sich wesentlich gezielter behandeln als die allgemeine Aussage, dass der Rücken oder das Knie weniger schmerzen soll.
Beweglichkeitsübungen sollten täglich einen festen Platz bekommen
Steife Gelenke profitieren von regelmäßiger Bewegung. Dabei werden die Gelenke langsam durch ihren vorhandenen Bewegungsumfang geführt, ohne sie mit Kraft in eine Richtung zu drücken. Besonders nach längeren Ruhephasen oder morgens können solche Übungen helfen, den Körper wieder in Bewegung zu bringen.
Bei Händen und Fingern können einfache Öffnungs- und Schließbewegungen, vorsichtige Fingerstreckungen und Bewegungen des Handgelenks sinnvoll sein. Knie und Hüften werden durch kontrolliertes Beugen und Strecken mobilisiert, während bei der Wirbelsäule Bewegungen in verschiedene Richtungen wichtig sind.
Führen Sie Beweglichkeitsübungen lieber regelmäßig und ruhig aus als selten und sehr intensiv. Ein leichtes Ziehen kann bei einer Dehnung auftreten, starke stechende Schmerzen sollten dagegen vermieden werden. Wenn ein Gelenk nach einer Übung deutlich stärker anschwillt oder über längere Zeit stärker schmerzt, reduzieren Sie zunächst die Intensität und besprechen Sie die Übung beim nächsten Termin.
Bauen Sie gezielt Muskelkraft auf
Kräftige Muskeln stabilisieren Gelenke und erleichtern viele alltägliche Bewegungen. Gerade nach längeren schmerzhaften Phasen verliert der Körper häufig Muskelkraft, weil bestimmte Bewegungen vermieden werden. Dieser Kraftverlust kann wiederum dazu führen, dass Treppensteigen, längeres Gehen oder Aufstehen schwieriger werden.
Ein regelmäßiges Krafttraining sollte deshalb Teil der Physiotherapie sein. Geeignet sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Therabändern, kleinen Gewichten oder Trainingsgeräten. Wichtig ist eine saubere Ausführung und eine Belastung, die zu Ihrer aktuellen Leistungsfähigkeit passt.
Besonders wichtig sind Bein-, Gesäß- und Rumpfmuskulatur, weil diese Bereiche beim Gehen, Stehen und Aufstehen ständig gebraucht werden. Bei Schulter- oder Armproblemen werden zusätzlich die stabilisierenden Muskeln des Schultergürtels und der Arme trainiert.
Steigern Sie die Belastung schrittweise. Sobald eine Übung problemlos gelingt, können Wiederholungen, Widerstand oder Dauer langsam erhöht werden. So entwickelt sich die Muskulatur weiter, ohne die Gelenke unnötig zu überfordern.
Trainieren Sie auch Ihre Ausdauer
Rheuma kann dazu führen, dass körperliche Aktivität über Monate immer weiter abnimmt. Dadurch wird nicht nur die Muskulatur schwächer, sondern auch die allgemeine Ausdauer. Schon kurze Wege fühlen sich dann anstrengender an, Treppen kosten mehr Kraft und nach normalen Alltagstätigkeiten wird eine längere Pause benötigt.
Planen Sie deshalb regelmäßige Ausdauerbewegung ein. Spaziergänge, Walking, Radfahren, Schwimmen oder Training auf einem Fahrradergometer können gut geeignet sein. Beginnen Sie in einem Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten können, und steigern Sie Dauer und Belastung langsam.
Mehrere kurze Einheiten über die Woche verteilt sind meist leichter durchzuhalten als eine sehr lange Belastung am Wochenende. Auch zehn bis fünfzehn Minuten Bewegung können ein sinnvoller Anfang sein, wenn Sie längere Zeit wenig aktiv waren.
Bei Fatigue helfen kurze, regelmäßige Bewegungseinheiten
Ausgeprägte Erschöpfung gehört für viele Menschen mit Rheuma zu den belastendsten Beschwerden. An solchen Tagen ist ein langes Trainingsprogramm kaum realistisch. Planen Sie deshalb kleinere Bewegungseinheiten, die sich besser in den Tagesablauf integrieren lassen.
Beginnen Sie morgens beispielsweise mit einigen sanften Mobilisationsübungen und verlegen Sie ein kräftigenderes Training auf eine Tageszeit, zu der Sie mehr Energie haben. Auch mehrere kurze Spaziergänge können sinnvoller sein als eine einzige lange Runde.
Behalten Sie gleichzeitig Veränderungen Ihrer Erschöpfung im Blick. Nimmt die Fatigue deutlich zu oder verändert sie sich ohne erkennbaren Grund, sollte dies ärztlich angesprochen werden, weil neben der rheumatischen Erkrankung auch Schlafprobleme, Blutarmut, Schilddrüse oder Medikamente eine Rolle spielen können.
Gleichgewicht und Koordination sollten mittrainiert werden
Bei Schmerzen in Füßen, Knien oder Hüften verändert sich häufig das Gangbild. Manche Menschen gehen langsamer, verkürzen ihre Schritte oder belasten ein Bein weniger. Dadurch können Gleichgewicht und Bewegungssicherheit nachlassen.
Übungen zur Gewichtsverlagerung, kontrolliertes Aufstehen und Hinsetzen, Übungen im sicheren Stand oder verschiedene Schrittfolgen können helfen, wieder mehr Sicherheit zu gewinnen. Gerade bei zusätzlicher Osteoporose ist ein gutes Gleichgewicht besonders wichtig, weil jeder vermiedene Sturz das Risiko eines Knochenbruchs reduziert.
Verbinden Sie Gleichgewichtstraining möglichst mit Kraftübungen für Beine und Rumpf. Diese Kombination unterstützt eine sichere Bewegung im Alltag besonders gut.
Während eines Rheumaschubs sollten Sie die Belastung reduzieren, aber nicht vollständig auf Bewegung verzichten
Ein stark entzündetes Gelenk braucht in einer aktiven Phase weniger Belastung. Bewegen Sie es vorsichtig in einem angenehmen Bereich und vermeiden Sie intensives Krafttraining direkt über das deutlich geschwollene, überwärmte oder stark schmerzhafte Gelenk.
Andere Körperbereiche können häufig weitertrainiert werden. Bei einem entzündeten Handgelenk können Sie beispielsweise weiterhin Beine und Rumpf bewegen. Bei einem entzündeten Knie können Oberkörper und Arme trainiert werden, während das Knie selbst sanfter belastet wird.
Sobald die Entzündung zurückgeht, steigern Sie die Belastung wieder schrittweise. So vermeiden Sie, dass nach jedem Schub größere Mengen Muskelkraft verloren gehen.
Ein plötzlich stark geschwollenes und sehr schmerzhaftes Gelenk sollte bei Bedarf zusätzlich ärztlich beurteilt werden, besonders wenn Fieber oder ein deutliches Krankheitsgefühl hinzukommen.
Nutzen Sie Wärme bei Steifigkeit und Muskelverspannungen
Wärme kann verspannte Muskeln lockern und Steifigkeit angenehmer machen. Warme Duschen, Wärmekissen, warme Bäder oder therapeutische Wärmeanwendungen können besonders bei chronisch verspannten Muskeln und einem steifen Rücken angenehm sein.
Wenden Sie Wärme so an, dass sie sich wohltuend anfühlt und die Haut nicht überhitzt. Bei eingeschränktem Temperaturempfinden oder Durchblutungsstörungen sollte besonders vorsichtig vorgegangen werden.
Ein akut deutlich überwärmtes und stark geschwollenes Gelenk wird meist nicht zusätzlich erwärmt. Hier empfinden viele Menschen Kälte als angenehmer.
Nutzen Sie Kälte bei akut überwärmten und schmerzhaften Gelenken
Kälte kann ein akut entzündetes Gelenk vorübergehend beruhigen und Schmerzen vermindern. Kühlpacks sollten dabei immer in ein Tuch gewickelt werden und nicht direkt auf der Haut liegen.
Kühlen Sie lieber für eine begrenzte Zeit und machen Sie anschließend eine Pause. Sehr lange Kälteanwendungen können die Haut schädigen.
Bei Raynaud-Syndrom, ausgeprägten Durchblutungsstörungen oder vermindertem Hautgefühl sollte Kälte besonders vorsichtig eingesetzt werden.
Wärme und Kälte dürfen deshalb ganz praktisch nach der aktuellen Situation ausgewählt werden: Steifigkeit und Muskelspannung profitieren häufig von Wärme, ein heißes und geschwollenes Gelenk eher von vorsichtiger Kühlung.
Massagen können verspannte Muskulatur ergänzend entlasten
Massagen können bei verspannter Muskulatur angenehm sein und vorübergehend Schmerzen lindern. Besonders Rücken, Nacken oder Schultergürtel reagieren häufig gut auf eine gezielte Lockerung.
Ein akut stark entzündetes Gelenk sollte dagegen nicht kräftig massiert werden. Dort steht zunächst die Behandlung der Entzündung und eine angepasste Bewegung im Vordergrund.
Nutzen Sie Massagen deshalb als Ergänzung zu Bewegungs- und Krafttraining. Besonders sinnvoll ist es, wenn sich nach einer entspannenden Behandlung Bewegungsübungen leichter durchführen lassen.
Elektrotherapie kann Schmerzen lindern und Muskeln unterstützen
Elektrische Reize werden in der Physiotherapie eingesetzt, um Schmerzen zu beeinflussen oder bestimmte Muskeln zu aktivieren. Diese Verfahren können ergänzend hilfreich sein, wenn sie gut vertragen werden.
Informieren Sie Ihre Physiotherapiepraxis über Herzschrittmacher, implantierte elektrische Geräte oder andere relevante Erkrankungen, damit geprüft werden kann, welche Anwendung geeignet ist.
Auch bei Elektrotherapie bleibt aktive Bewegung wichtig. Die Behandlung kann unterstützen, ersetzt aber weder Krafttraining noch Beweglichkeitsübungen.
Wassergymnastik erleichtert Bewegung bei schmerzenden Gelenken
Im Wasser trägt der Körper weniger Eigengewicht, wodurch Knie, Hüften und Füße bei Bewegungen entlastet werden. Deshalb eignet sich Wassergymnastik besonders für Menschen, denen Bewegung an Land noch schwerfällt.
Im Wasser können Beweglichkeit, Koordination und Muskelkraft trainiert werden. Warmes Wasser wird häufig zusätzlich als angenehm empfunden und kann Steifigkeit reduzieren.
Kombinieren Sie Wassergymnastik möglichst mit Bewegung an Land, wenn Ihre körperliche Situation dies erlaubt. Gerade für Knochen und Muskeln sind auch Belastungsreize gegen die Schwerkraft wichtig.
Bei Fieber, akuten Infektionen, offenen Wunden oder bestimmten Hautproblemen sollte das Bewegungsbad vorübergehend ausgesetzt werden.
Manuelle Therapie sollte sanft und gezielt eingesetzt werden
Bei der manuellen Therapie werden Gelenke und umliegende Strukturen mit gezielten Handgriffen mobilisiert. Dadurch können bestimmte Bewegungseinschränkungen gelockert und Bewegungsabläufe erleichtert werden.
Die Behandlung sollte an Ihre genaue Diagnose angepasst sein. Entzündete oder bereits stark geschädigte Gelenke benötigen andere Techniken als ein bewegungseingeschränktes, aber stabiles Gelenk.
Besonders bei Morbus Bechterew oder einer fortgeschrittenen axialen Spondyloarthritis sollten schnelle kräftige Manipulationen an der Wirbelsäule vermieden werden. Eine bereits teilweise versteifte Wirbelsäule kann empfindlicher gegenüber solchen Belastungen sein, insbesondere wenn zusätzlich Osteoporose besteht.
Sanfte Mobilisationen, Dehnungen, aktive Bewegungsübungen und Atemübungen sind hier die sinnvolleren Schwerpunkte.
Bei Morbus Bechterew sollten Sie Wirbelsäule, Brustkorb und Hüften regelmäßig bewegen
Bei axialer Spondyloarthritis und Morbus Bechterew sollte Bewegung möglichst täglich stattfinden. Besonders wichtig sind Bewegungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, eine gute Hüftbeweglichkeit und regelmäßige Übungen zur Aufrichtung.
Trainieren Sie die Wirbelsäule in verschiedene Richtungen, soweit dies angenehm und sicher möglich ist. Drehen, Seitneigen und Aufrichten sollten ebenso dazugehören wie sanfte Streckbewegungen.
Auch der Brustkorb sollte regelmäßig bewegt werden. Die Rippen sind über kleine Gelenke mit der Wirbelsäule verbunden und können bei der Erkrankung steifer werden. Tiefe Atemzüge in Verbindung mit Armbewegungen und Brustkorbmobilisation helfen dabei, die Beweglichkeit beim Atmen möglichst gut zu erhalten.
Achten Sie außerdem auf Ihre Haltung im Alltag. Wechseln Sie beim Sitzen regelmäßig die Position, richten Sie sich immer wieder bewusst auf und vermeiden Sie stundenlanges Sitzen in einer stark gebeugten Haltung.
Bei einer bereits deutlich versteiften Wirbelsäule sollten kräftige ruckartige Bewegungen und Manipulationen vermieden werden. Nach einem Sturz sollten neue starke Rücken- oder Nackenschmerzen rasch abgeklärt werden.
Bei rheumatoider Arthritis sollten Sie Gelenke beweglich halten und Kraft erhalten
Bei rheumatoider Arthritis sind häufig Hände, Handgelenke, Füße, Knie und Schultern betroffen. Regelmäßige Beweglichkeitsübungen helfen dabei, Gelenke möglichst beweglich zu halten, während Krafttraining die umliegende Muskulatur stärkt.
Bei einem akut entzündeten Gelenk reduzieren Sie die direkte Belastung, bewegen es aber weiterhin vorsichtig. Sobald die Entzündung zurückgeht, wird die Belastung wieder erhöht.
Bei Hand- und Fingerproblemen sollte zusätzlich Ergotherapie eingesetzt werden. Dort lernen Sie unter anderem gelenkschonende Bewegungsabläufe, den sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln und bei Bedarf die Verwendung von Schienen.
Nutzen Sie außerdem Training für Beine und Rumpf. Eine rheumatoide Arthritis betrifft zwar häufig Hände und Füße, trotzdem braucht der gesamte Körper ausreichend Kraft und Ausdauer.
Bei Psoriasis-Arthritis sollten Sie Gelenke und Sehnenansätze unterschiedlich behandeln
Bei Psoriasis-Arthritis können Gelenke, Wirbelsäule und Sehnenansätze betroffen sein. Besonders Fersen und Achillessehnen können empfindlich reagieren.
Bei einem entzündeten Sehnenansatz sollte die Belastung zunächst reduziert und anschließend langsam wieder aufgebaut werden. Vermeiden Sie starkes wiederholtes Dehnen direkt in einen schmerzhaften Sehnenansatz hinein.
Kräftigen Sie stattdessen die umliegende Muskulatur schrittweise und passen Sie Lauf-, Geh- oder Sprungbelastungen an.
Bei einer Beteiligung der Wirbelsäule können zusätzlich Mobilisations-, Haltungs- und Atemübungen ähnlich wie bei axialer Spondyloarthritis sinnvoll sein.
Bei Kinderrheuma sollte Bewegung möglichst normal zum Alltag gehören
Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis brauchen Bewegung für ihre gesamte körperliche Entwicklung. Physiotherapie soll dabei helfen, Gelenke beweglich zu halten, Schonhaltungen zu vermeiden und Muskeln möglichst gleichmäßig zu entwickeln.
Während einer akuten Gelenkentzündung wird die Belastung angepasst. Nach Besserung sollte das Kind schrittweise wieder in normales Spielen, Schulsport und andere Aktivitäten zurückkehren.
Übungen sollten altersgerecht und möglichst spielerisch gestaltet werden. Ein Kind muss nicht jeden Tag das Gefühl haben, ein medizinisches Trainingsprogramm absolvieren zu müssen.
Eltern können die Übungen begleiten und gleichzeitig darauf achten, dass Bewegung weiterhin Freude macht und Teil eines normalen Kinderalltags bleibt.
Bei Fibromyalgie sollten Sie besonders langsam und regelmäßig aufbauen
Beim Fibromyalgiesyndrom können Schmerzen, Schlafprobleme und starke Erschöpfung die körperliche Belastbarkeit erheblich einschränken. Beginnen Sie deshalb mit einer Belastung, die zuverlässig vertragen wird, und steigern Sie langsam.
Spaziergänge, leichtes Radfahren, Bewegung im Wasser und sanftes Krafttraining können gute Einstiege sein. Kurze Einheiten sind am Anfang häufig besser geeignet als lange Trainingseinheiten.
Bleiben Sie möglichst regelmäßig aktiv und vermeiden Sie den Wechsel zwischen völliger Schonung an schlechten Tagen und sehr intensiver Aktivität an guten Tagen. Eine gleichmäßigere Belastung ist häufig besser verträglich.
Wärme und Massagen dürfen ergänzend eingesetzt werden, während regelmäßige aktive Bewegung die langfristige Grundlage bildet.
Bei Osteoporose sollten Kraft, Gleichgewicht und sichere Bewegungen trainiert werden
Bei Osteoporose ist Bewegung besonders wichtig, weil kräftige Muskeln und ein gutes Gleichgewicht das Sturzrisiko senken. Trainieren Sie deshalb Beine, Rumpf und Gleichgewicht regelmäßig.
Bei bereits bestehenden Wirbelkörperbrüchen oder ausgeprägter Osteoporose sollten Übungen an die Knochenstabilität angepasst werden. Vermeiden Sie starke ruckartige Beuge- und Drehbewegungen der Wirbelsäule sowie Übungen mit hohem Sturzrisiko.
Auch das sichere Aufstehen, Hinsetzen und Treppensteigen kann gezielt geübt werden.
Bei rheumatischen Erkrankungen und gleichzeitiger Osteoporose sollte die Physiotherapiepraxis über beide Diagnosen informiert sein.
Bei Arthrose sollten Sie trotz Gelenkverschleiß aktiv bleiben
Bei Knie- oder Hüftarthrose gehören Bewegung und Muskeltraining zu den wichtigsten Maßnahmen. Kräftige Muskeln stabilisieren das Gelenk und können alltägliche Belastungen erleichtern.
Trainieren Sie besonders Bein- und Gesäßmuskulatur und erhalten Sie die Beweglichkeit von Knie und Hüfte. Radfahren, Gehen, Wassergymnastik und angepasstes Krafttraining können gut geeignet sein.
Bei stärkeren Beschwerden kann die Belastung vorübergehend reduziert werden. Eine dauerhafte Schonung sollte jedoch vermieden werden, weil dadurch Muskulatur und Belastbarkeit weiter abnehmen.
Auch vor und nach einem künstlichen Gelenkersatz hilft Physiotherapie dabei, Kraft und Bewegungsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen.
Bei einem akuten Gichtanfall sollte das betroffene Gelenk zunächst entlastet werden
Ein akuter Gichtanfall kann ein Gelenk innerhalb kurzer Zeit sehr stark schmerzhaft und überwärmt machen. In dieser Phase sollten Sie das Gelenk nicht intensiv trainieren.
Die Entzündung wird zunächst medizinisch behandelt und das Gelenk entsprechend entlastet. Vorsichtige Bewegungen können möglich sein, solange sie keine starken Schmerzen verursachen.
Nach Abklingen des Anfalls wird die normale Bewegung wieder aufgebaut. Bestehen zusätzlich längere Bewegungseinschränkungen oder Muskelabbau, kann Physiotherapie diese Bereiche gezielt behandeln.
Bei Lupus und anderen Systemerkrankungen sollte die Belastung an den gesamten Körper angepasst werden
Bei systemischem Lupus, Vaskulitiden oder anderen entzündlichen Systemerkrankungen kann die Belastbarkeit sehr unterschiedlich sein. Gelenke und Muskeln können betroffen sein, gleichzeitig können Herz, Lunge oder andere Organe eine Rolle spielen.
Trainieren Sie deshalb entsprechend Ihrer persönlichen Belastbarkeit und informieren Sie Ihre Physiotherapiepraxis über relevante Organbeteiligungen.
Bei ausgeprägter Muskelschwäche wird Kraft besonders langsam aufgebaut. Bei Herz- oder Lungenbeteiligung kann Ausdauertraining angepasst werden.
Regelmäßige moderate Bewegung kann trotzdem ein wichtiger Bestandteil des Alltags bleiben.
Bei Polymyalgia rheumatica sollten Schulter und Hüfte nach Rückgang der Entzündung wieder aufgebaut werden
Bei Polymyalgia rheumatica sind besonders Schulter- und Beckengürtel schmerzhaft und steif. Nach Beginn der medizinischen Behandlung verbessert sich die Beweglichkeit häufig deutlich.
Nutzen Sie diese Phase, um Schulterbeweglichkeit, Bein- und Hüftkraft wieder aufzubauen. Regelmäßige kontrollierte Bewegungen sind dabei hilfreicher als kräftige aggressive Dehnungen.
Üben Sie auch alltägliche Bewegungen wie Aufstehen, Treppensteigen und das Heben der Arme, damit verloren gegangene Funktionen wieder sicherer werden.
Nach Operationen sollte Physiotherapie früh und gezielt einsetzen
Nach einem Gelenkersatz oder einer anderen orthopädischen Operation unterstützt Physiotherapie den sicheren Wiederaufbau von Bewegung und Belastung.
Bereits vor einer geplanten Operation kann es sinnvoll sein, Muskulatur zu kräftigen und Bewegungsabläufe vorzubereiten. Nach dem Eingriff werden Aufstehen, Gehen, Treppensteigen und Gelenkbeweglichkeit schrittweise wieder aufgebaut.
Halten Sie die vom Operateur vorgegebenen Belastungsgrenzen ein, auch wenn Sie sich früh wieder gut fühlen. Nach größeren Eingriffen kann zusätzlich eine Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll sein.
Heimübungen sollten einfach genug sein, damit Sie sie wirklich durchführen
Lassen Sie sich für zu Hause ein überschaubares Programm zusammenstellen. Wenige Übungen, die Sie korrekt ausführen und regelmäßig wiederholen, sind meist sinnvoller als eine sehr lange Liste.
Zu jeder Übung sollten Sie wissen, wie häufig sie durchgeführt werden soll, wie viele Wiederholungen sinnvoll sind und wie Sie die Belastung an schlechteren Tagen reduzieren können.
Schreiben Sie sich die Übungen auf oder lassen Sie sich Bilder beziehungsweise einen Übungsplan mitgeben. Viele Menschen erinnern sich nach einigen Tagen nicht mehr an jedes Detail einer Behandlung.
Planen Sie Ihre Übungen möglichst zu festen Zeiten. Einige Minuten am Morgen für Beweglichkeit und eine kurze Krafteinheit an mehreren Tagen pro Woche können sich leichter in den Alltag integrieren als ein sehr langes Programm.
Beobachten Sie, wie Ihr Körper auf die Belastung reagiert
Ein leichter Muskelkater nach einem neuen Krafttraining kann auftreten und ist zunächst kein Grund, das Training abzubrechen. Ein Gelenk, das nach der Belastung deutlich stärker anschwillt, heiß wird oder bis zum nächsten Tag erheblich mehr schmerzt, zeigt dagegen, dass die Belastung zu hoch war.
Reduzieren Sie dann zunächst Wiederholungen, Widerstand oder Dauer und besprechen Sie die Reaktion mit Ihrer Physiotherapiepraxis.
Die Belastung sollte so gewählt werden, dass Sie regelmäßig weitertrainieren können.
Nutzen Sie Physiotherapie, um selbstständiger zu werden
Während einer physiotherapeutischen Behandlung sollten Sie zunehmend lernen, Ihren Körper selbst besser einzuschätzen. Dazu gehört, welche Übungen gegen Morgensteifigkeit helfen, wie Sie Ihre Beine kräftigen, welche Bewegung Ihrem Rücken guttut und wie Sie bei einem Schub Belastung reduzieren können.
Wiederholte Behandlungsphasen können bei einer chronischen Erkrankung notwendig sein. Trotzdem sollte jede Behandlungsserie Ihnen neues Wissen und praktische Möglichkeiten für zu Hause vermitteln.
So bleibt Bewegung nicht auf den Zeitraum eines Rezeptes beschränkt.
Verbinden Sie Physiotherapie mit einer Sportart, die Ihnen gefällt
Physiotherapie kann eine gute Grundlage dafür schaffen, wieder mehr normale Bewegung und Sport in den Alltag einzubauen. Geeignet sein können Walking, Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Krafttraining, Wandern oder andere Aktivitäten.
Wählen Sie eine Form der Bewegung, die zu Ihren Gelenken und gleichzeitig zu Ihren persönlichen Vorlieben passt. Eine Sportart, die Ihnen Freude macht, wird wesentlich leichter dauerhaft durchgeführt.
Ihre Physiotherapeutin oder Ihr Physiotherapeut kann Ihnen zeigen, wie Sie einzelne Bewegungen an Ihre Erkrankung anpassen und wie schnell Sie Belastung steigern können.
Funktionstraining kann Bewegung langfristig in den Alltag bringen
Funktionstraining ist speziell auf Menschen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates ausgerichtet und wird häufig bei rheumatischen Erkrankungen genutzt. Es findet als Gruppenangebot in Form von Trocken- oder Wassergymnastik statt und soll Beweglichkeit, Kraft, Koordination und allgemeine Funktion erhalten und verbessern.
Ein besonderer Vorteil liegt in der Regelmäßigkeit. Nach dem Ende einer individuellen Physiotherapieverordnung kann Funktionstraining dazu beitragen, Bewegung dauerhaft fortzuführen.
Die Übungen werden von entsprechend qualifizierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern durchgeführt und an die Möglichkeiten der Teilnehmenden angepasst.
So erhalten Sie Funktionstraining
Funktionstraining kann ärztlich verordnet werden. Bei gesetzlich Versicherten wird dafür normalerweise das Formular 56 verwendet.
Je nach medizinischer Situation wird das Training für einen bestimmten Zeitraum verordnet. Bei rheumatischen Erkrankungen werden häufig Zeiträume von zwölf bis 24 Monaten bewilligt; in besonderen Situationen kann eine längere Versorgung möglich sein.
Während des bewilligten Funktionstrainings dürfen für die verordneten Leistungen keine verpflichtenden zusätzlichen Beiträge verlangt werden. Eine freiwillige Mitgliedschaft in einem Verein oder zusätzlich gebuchte Angebote sind davon getrennt zu betrachten.
Trockengymnastik trainiert besonders alltagsnahe Belastungen
Bei der Trockengymnastik trägt der Körper sein eigenes Gewicht. Dadurch lassen sich Muskelkraft, Gleichgewicht und alltägliche Bewegungen besonders gut trainieren.
Aufstehen, kontrolliertes Hinsetzen, Gewichtsverlagerungen und verschiedene Kraftübungen lassen sich direkt auf den Alltag übertragen.
Gerade bei Osteoporose ist Bewegung gegen die Schwerkraft wichtig für Muskeln und Knochen.
Wassergymnastik erleichtert Bewegung bei stärkeren Gelenkbeschwerden
Wassergymnastik reduziert durch den Auftrieb die Belastung auf schmerzende Gelenke. Dadurch können Bewegungen möglich werden, die an Land zunächst zu anstrengend sind.
Das warme Wasser kann zusätzlich angenehm bei Steifigkeit sein.
Eine Kombination aus Bewegung im Wasser und an Land kann für viele Menschen sinnvoll sein, weil beide Formen unterschiedliche Vorteile haben.
Rehasport und Funktionstraining sollten passend ausgewählt werden
Funktionstraining richtet sich besonders auf Gelenke, Muskeln und Beweglichkeit und wird traditionell häufig bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt.
Rehabilitationssport verfolgt ebenfalls das Ziel, körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, setzt je nach Gruppe aber andere Schwerpunkte und kann stärker auf Ausdauer, Kraft und allgemeine Fitness ausgerichtet sein.
Lassen Sie sich beraten, welches Angebot besser zu Ihren Beschwerden und Ihrem Trainingsziel passt.
Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden
Physiotherapie gehört zu den Heilmitteln und kann bei medizinisch begründeten Funktionseinschränkungen ärztlich verordnet werden.
Welche Behandlung auf dem Rezept steht, richtet sich nach Ihrer Diagnose und den vorhandenen Einschränkungen. Möglich sind beispielsweise Krankengymnastik, manuelle Therapie und bestimmte ergänzende physikalische Anwendungen.
Bei chronischen rheumatischen Erkrankungen und länger bestehenden Funktionsproblemen können auch wiederholte oder längerfristige Verordnungen notwendig sein.
Für bestimmte Erkrankungen gibt es besondere Regelungen zum langfristigen Heilmittelbedarf oder zum besonderen Verordnungsbedarf. Sprechen Sie Ihre behandelnde Praxis darauf an, wenn Sie dauerhaft deutlich in Ihrer Beweglichkeit oder Funktion eingeschränkt sind.
Diese Kosten entstehen bei gesetzlich verordneter Physiotherapie
Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren leisten bei einer normalen Heilmittelverordnung grundsätzlich eine Zuzahlung von zehn Prozent der Behandlungskosten sowie zehn Euro je Verordnung.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von dieser Zuzahlung befreit.
Bei Erwachsenen kann zusätzlich eine Befreiung möglich sein, wenn die persönliche jährliche Belastungsgrenze für gesetzliche Zuzahlungen erreicht wird. Bewahren Sie deshalb entsprechende Belege auf und lassen Sie bei Ihrer Krankenkasse prüfen, ob eine Befreiung infrage kommt.
Funktionstraining folgt anderen Regeln und ist während des bewilligten Zeitraums nicht mit den üblichen Heilmittelzuzahlungen verbunden.
So erkennen Sie eine gute Physiotherapie bei Rheuma
Eine gute physiotherapeutische Behandlung orientiert sich an Ihren tatsächlichen Einschränkungen und setzt gemeinsam mit Ihnen konkrete Ziele. Sie enthält aktive Übungen und erklärt Ihnen, was Sie selbst zu Hause tun können.
Ihre Therapeutin oder Ihr Therapeut sollte die Belastung verändern, wenn ein Gelenk akut entzündet ist, und das Training steigern, sobald Ihre Kraft und Beweglichkeit zunehmen.
Sie sollten außerdem verstehen, warum Sie eine bestimmte Übung machen. Wenn Sie wissen, dass eine Übung beispielsweise Ihre Hüftstreckung für ein besseres Gangbild verbessert oder Ihre Oberschenkel kräftigt, damit das Aufstehen leichter wird, fällt regelmäßiges Üben meist deutlich leichter.
Das Heimprogramm sollte überschaubar und realistisch bleiben.
Bei rheumatischen Erkrankungen mit besonderen Risiken, etwa einer stark versteiften Wirbelsäule oder Osteoporose, sollte die Therapeutin oder der Therapeut diese Diagnose kennen und das Programm entsprechend anpassen.
Bei diesen Beschwerden sollte zuerst medizinisch abgeklärt werden
Ein plötzlich stark geschwollenes, heißes und sehr schmerzhaftes Gelenk zusammen mit Fieber sollte rasch ärztlich untersucht werden.
Neue starke Rücken- oder Nackenschmerzen nach einem Sturz sollten besonders bei Morbus Bechterew oder Osteoporose ebenfalls zeitnah abgeklärt werden.
Neu auftretende Lähmungen, ausgeprägte Muskelschwäche, Taubheitsgefühle, Störungen von Blase oder Darm und starke Atemnot gehören ebenfalls in eine medizinische Abklärung.
Bei Spondyloarthritis sollten ein schmerzhaft gerötetes, lichtempfindliches Auge oder plötzlich verschwommenes Sehen rasch augenärztlich beurteilt werden.
Kompakte Übersicht: Was Sie mit Physiotherapie bei Rheuma tun können
| Maßnahme | Was Sie damit erreichen können | Darauf sollten Sie achten |
| Beweglichkeitsübungen | Gelenke und Wirbelsäule beweglich halten | Regelmäßig und ohne gewaltsames Dehnen |
| Krafttraining | Muskeln stärken und Gelenke stabilisieren | Langsam steigern und aktive Entzündungen berücksichtigen |
| Ausdauertraining | Kondition und Belastbarkeit verbessern | Mit kurzen Einheiten beginnen und regelmäßig trainieren |
| Gleichgewichtstraining | Sicherer gehen und Stürze vermeiden | Besonders wichtig bei Osteoporose und Gangunsicherheit |
| Manuelle Therapie | Bestimmte Bewegungseinschränkungen mobilisieren | Bei versteifter Wirbelsäule keine kräftigen schnellen Manipulationen |
| Wärme | Steifigkeit und Muskelverspannungen lindern | Akut stark überwärmte Gelenke eher nicht zusätzlich erwärmen |
| Kälte | Akute Schmerzen und Überwärmung lindern | Haut schützen und nur zeitlich begrenzt anwenden |
| Massage | Muskelverspannungen entspannen | Als Ergänzung zu aktivem Training nutzen |
| Wassergymnastik | Bewegung bei geringerer Gelenkbelastung ermöglichen | Wenn möglich mit Training an Land kombinieren |
| Atemübungen | Brustkorbbeweglichkeit erhalten | Besonders bei Morbus Bechterew regelmäßig durchführen |
| Heimübungen | Beweglichkeit und Kraft langfristig erhalten | Wenige Übungen regelmäßig durchführen |
| Funktionstraining | Kontinuierlich in der Gruppe trainieren | Ärztlich verordnungsfähig als Trocken- oder Wassergymnastik |
| Ergotherapie | Handfunktion, Gelenkschutz und Alltag verbessern | Besonders bei Problemen mit Händen und Fingern sinnvoll |
Fazit: Nutzen Sie Bewegung regelmäßig und passen Sie sie an Ihre Erkrankung an
Physiotherapie kann Ihnen bei Rheuma dabei helfen, Beweglichkeit zu erhalten, verlorene Kraft wieder aufzubauen, Gelenke besser zu stabilisieren und alltägliche Bewegungen sicherer auszuführen. Besonders wirksam wird sie, wenn Sie die erlernten Übungen regelmäßig selbst weiterführen und Bewegung dauerhaft in Ihren Alltag integrieren.
Trainieren Sie Beweglichkeit, Muskelkraft, Ausdauer und Gleichgewicht entsprechend Ihrer persönlichen Möglichkeiten. Nutzen Sie ruhigere Krankheitsphasen, um Kraft und Belastbarkeit weiter aufzubauen, und reduzieren Sie während eines Schubs vorübergehend die Belastung des akut entzündeten Gelenks, ohne den gesamten Körper stillzulegen.
Wärme eignet sich häufig bei Steifigkeit und Muskelverspannungen, während vorsichtige Kälte bei einem akut überwärmten und schmerzhaften Gelenk angenehmer sein kann. Massagen, Elektrotherapie und manuelle Techniken können ergänzen, während Ihre eigene aktive Bewegung langfristig den größten Stellenwert hat.
Bei Morbus Bechterew sollten Wirbelsäule, Hüften, Körperhaltung und Brustkorbbeweglichkeit regelmäßig trainiert werden. Bei rheumatoider Arthritis stehen Gelenkbeweglichkeit und Muskelkraft im Vordergrund, bei Psoriasis-Arthritis müssen zusätzlich Sehnenansätze berücksichtigt werden und beim Kinderrheuma sollte Bewegung möglichst selbstverständlich Teil der normalen Entwicklung bleiben. Bei Fibromyalgie ist ein langsamer und gleichmäßiger Belastungsaufbau sinnvoll, während bei Osteoporose zusätzlich Gleichgewicht und Sturzvorbeugung besonders wichtig werden.
Funktionstraining kann helfen, Bewegung über einen längeren Zeitraum regelmäßig fortzusetzen und bietet sowohl Trocken- als auch Wassergymnastik an. Eine individuelle Physiotherapie bleibt besonders dann sinnvoll, wenn konkrete Gelenke, Bewegungsabläufe oder Alltagsprobleme gezielt behandelt werden müssen.
Lassen Sie sich deshalb ein Programm zeigen, das Sie verstehen und selbstständig durchführen können. Passen Sie Belastung und Übungen an gute und schlechtere Tage an, bleiben Sie regelmäßig aktiv und steigern Sie Ihre Möglichkeiten Schritt für Schritt.
So wird Physiotherapie zu einer praktischen Unterstützung für das, was im Alltag am wichtigsten ist: sich möglichst frei, sicher und selbstständig bewegen zu können.
Medizinische Informations- und Fachquellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Heilmittel-Richtlinie und Heilmittelkatalog sowie aktuelle Regelungen zur physiotherapeutischen Versorgung und zum langfristigen Heilmittelbedarf.
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Aktuelle Regelungen und Patienteninformationen zur rheumatoiden Arthritis und zur Bedeutung körperlicher Aktivität.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh): Informationen zu Rehabilitation, Bewegung, körperlichem Training und physiotherapeutischer Behandlung rheumatischer Erkrankungen.
- Deutsche Rheuma-Liga: Informationen zu Physiotherapie, Bewegung, Funktionstraining, Trocken- und Wassergymnastik bei rheumatischen Erkrankungen.
- Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR): Rahmenbedingungen für Rehabilitationssport und Funktionstraining.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Informationen zu Heilmittelverordnungen, langfristigem Heilmittelbedarf und besonderem Verordnungsbedarf.
- Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zu gesetzlichen Zuzahlungen bei Heilmitteln.
- de: Patienteninformationen zu Bewegung, Sport und Physiotherapie bei rheumatoider Arthritis.
- Deutsche Rheuma-Liga: Informationen zu Bewegung und Physiotherapie bei Morbus Bechterew, Osteoporose, Fibromyalgie und weiteren rheumatischen Erkrankungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung. Welche Übungen, Belastungen und Anwendungen für Sie geeignet sind, hängt von Ihrer Rheumaform, der aktuellen Entzündungsaktivität, bestehenden Gelenk- und Wirbelsäulenveränderungen, einer möglichen Osteoporose, Operationen und weiteren Erkrankungen ab.
Bei einem plötzlich stark geschwollenen und überwärmten Gelenk mit Fieber, neuen neurologischen Beschwerden, starker Atemnot oder erheblichen Rücken- oder Nackenschmerzen nach einem Sturz sollte zunächst eine medizinische Abklärung erfolgen.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.
Stand
September 2026

