Wer mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung lebt, beschäftigt sich meistens ausführlich mit Medikamenten, Bewegung, Schmerzen und regelmäßigen Kontrollterminen. Der Impfpass liegt dagegen bei vielen Menschen jahrelang unbeachtet in einer Schublade. Gerade bei Rheuma lohnt sich jedoch ein genauer Blick darauf, denn sowohl die Erkrankung selbst als auch einige Medikamente können beeinflussen, wie gut sich der Körper gegen Infektionen wehren kann. Eine Grippe, eine Lungenentzündung, Gürtelrose oder eine andere Infektion kann dann stärker belasten und teilweise auch schwerer verlaufen als bei einem Menschen ohne zusätzliche gesundheitliche Risiken.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Mensch mit Rheuma automatisch möglichst viele Impfungen benötigt. Entscheidend ist immer die persönliche Situation. Eine gut eingestellte rheumatische Erkrankung ohne stärkere Beeinflussung der Immunabwehr ist anders zu beurteilen als eine Behandlung mit Medikamenten, die bestimmte Teile des Immunsystems deutlich bremsen. Auch Alter, zusätzliche Erkrankungen, Schwangerschaft, Beruf und Reisepläne spielen eine Rolle. Deshalb ist ein persönlicher Impfplan sinnvoller als eine allgemeine Liste, die für jeden Betroffenen gleichermaßen gelten soll.
Besonders günstig ist es, den Impfpass bereits früh nach der Diagnose und vor Beginn einer stärkeren Rheumatherapie einmal vollständig überprüfen zu lassen. Fehlende Impfungen können dann häufig unkompliziert nachgeholt werden, und bei Impfstoffen, die unter einer stärkeren Unterdrückung der Immunabwehr schwieriger einzusetzen sind, bleibt genügend Zeit für eine gute Planung. Auch später sollte der Impfstatus regelmäßig kontrolliert werden, denn manche Impfungen müssen aufgefrischt werden und mit zunehmendem Alter kommen weitere Empfehlungen hinzu.
Das Wichtigste vorweg
Menschen mit Rheuma dürfen grundsätzlich geimpft werden und für viele von ihnen ist ein guter Impfschutz besonders wichtig. Die meisten heute üblichen Impfungen enthalten keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger und können auch während vieler Rheumatherapien gegeben werden. Mehr Aufmerksamkeit brauchen sogenannte Lebendimpfstoffe. Rheumamedikamente sollten wegen einer Impfung niemals eigenständig ausgelassen, verschoben oder abgesetzt werden.
Warum Infektionen bei Rheuma eine größere Rolle spielen können
Bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung funktioniert das Immunsystem nicht einfach zu schwach. Vielmehr reagiert es an bestimmten Stellen fehlgeleitet und verursacht Entzündungen im eigenen Körper. Medikamente sollen diese überschießende Reaktion bremsen und damit Gelenke, Organe und andere betroffene Strukturen schützen. Genau diese gewünschte Wirkung kann aber bei manchen Medikamenten gleichzeitig dazu führen, dass die Abwehr gegen bestimmte Krankheitserreger weniger kräftig arbeitet.
Wie stark dieser Einfluss ist, hängt sehr vom einzelnen Medikament ab. Nicht jede Rheumatherapie schwächt die Immunabwehr im gleichen Ausmaß. Eine Behandlung mit einem milden Medikament ist anders einzuschätzen als eine Therapie mit bestimmten Biologika, JAK-Hemmern, Rituximab oder höheren Kortisondosen. Auch Kombinationen mehrerer Medikamente können eine Rolle spielen.
Deshalb sollte die Lösung nicht darin bestehen, eine notwendige Rheumatherapie aus Angst vor Infektionen möglichst niedrig zu halten. Eine dauerhaft aktive rheumatische Erkrankung belastet den Körper ebenfalls und kann selbst das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen. Sinnvoller ist eine möglichst gut eingestellte Erkrankung zusammen mit einem Impfschutz, der zur persönlichen Behandlung passt.
Zuerst sollte der normale Impfschutz vollständig sein
Bevor über besondere Impfungen für Menschen mit Rheuma gesprochen wird, lohnt sich zuerst ein Blick auf die Impfungen, die ohnehin zum allgemeinen Schutz gehören. Dazu zählen insbesondere Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio. Viele dieser Impfungen wurden bereits in Kindheit und Jugend begonnen, müssen aber teilweise im Erwachsenenalter aufgefrischt oder vervollständigt werden.
Tetanus schützt vor Wundstarrkrampf und Diphtherie vor einer schweren bakteriellen Infektion, die unter anderem die Atemwege betreffen kann. Beide Impfungen werden nach abgeschlossener Grundimmunisierung regelmäßig aufgefrischt. Bei einer fälligen Auffrischung sollte außerdem einmalig im Erwachsenenalter Pertussis, also Keuchhusten, mit berücksichtigt werden, sofern dies noch nicht erfolgt ist.
Auch der Schutz gegen Kinderlähmung sollte vollständig sein. Erwachsene benötigen nach einer vollständigen Grundimmunisierung normalerweise keine ständig wiederkehrenden Polio-Auffrischungen, bei bestimmten Reisen oder besonderen Risiken kann das Thema jedoch wieder wichtig werden.
Bei Masern muss besonders auf das Geburtsjahr und den bisherigen Impfstatus geschaut werden. Für viele nach 1970 geborene Erwachsene wird bei unklarem oder unvollständigem Schutz eine Nachholimpfung empfohlen. Da der verwendete Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff ein Lebendimpfstoff ist, muss bei einer stärkeren Rheumatherapie allerdings vorher geklärt werden, ob und wann diese Impfung durchgeführt werden kann.
Die Grippeimpfung ist für viele Menschen mit Rheuma jedes Jahr sinnvoll
Eine echte Influenza ist keine gewöhnliche Erkältung. Sie kann sehr plötzlich beginnen und mit hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Husten sowie Kopf- und Gliederschmerzen einhergehen. Gerade bei Menschen, deren Immunabwehr durch eine Erkrankung oder Behandlung beeinträchtigt ist, können Komplikationen häufiger auftreten.
Deshalb gehört die Grippeimpfung für viele Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zu den besonders wichtigen Impfungen. Sie wird normalerweise einmal pro Jahr vor beziehungsweise zu Beginn der Grippesaison durchgeführt. Der übliche Grippeimpfstoff, der als Spritze verabreicht wird, enthält keine vermehrungsfähigen Influenzaviren und kann deshalb grundsätzlich auch unter vielen Rheumatherapien verwendet werden.
Ein wichtiger Punkt ist der Zeitpunkt. Bei einzelnen Medikamenten kann es sinnvoll sein, eine Impfung zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb des Behandlungszyklus zu planen, damit der Körper möglichst gut darauf reagieren kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Ihre Medikamente selbst auslassen sollten. Gerade bei stärker wirksamen Therapien sollte diese Planung gemeinsam mit der rheumatologischen Praxis erfolgen.
Auch der Impfschutz enger Familien- und Haushaltsmitglieder kann sinnvoll sein, wenn Ihre Immunabwehr deutlich eingeschränkt ist. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass bestimmte Infektionen überhaupt in den Haushalt getragen werden.
Pneumokokken können mehr verursachen als eine Lungenentzündung
Pneumokokken sind Bakterien, die unter anderem Lungenentzündungen auslösen können. Sie können in schweren Fällen aber auch ins Blut gelangen oder eine Hirnhautentzündung verursachen. Für Menschen mit einer stärkeren Beeinträchtigung der Immunabwehr ist deshalb ein guter Pneumokokkenschutz besonders wichtig.
Die Impfung wird inzwischen generell für ältere Erwachsene empfohlen und kann bei einer relevanten Immunschwäche oder einer entsprechenden Rheumatherapie bereits deutlich früher notwendig werden. Deshalb sollte die Frage nicht nur vom Alter abhängig gemacht werden, sondern auch davon, welche Medikamente Sie einnehmen und welche zusätzlichen Erkrankungen vorliegen.
Heute werden bei Erwachsenen moderne Pneumokokken-Impfstoffe verwendet, die gegen zahlreiche wichtige Pneumokokken-Typen gleichzeitig schützen. Wer bereits vor einigen Jahren gegen Pneumokokken geimpft wurde, sollte den Impfpass mitbringen, denn ältere Impfschemata sahen teilweise andere Impfstoffe und Kombinationen vor. Daraus ergibt sich, ob und wann eine weitere Impfung sinnvoll ist.
Sie müssen diese Abstände nicht selbst berechnen. Für die Praxis reicht es vollkommen aus, Ihren bisherigen Impfpass vorzulegen und überprüfen zu lassen, welcher Schutz bereits vorhanden ist.
Gürtelrose ist bei Rheuma besonders wichtig
Gürtelrose entsteht durch dasselbe Virus, das zunächst Windpocken verursacht. Nach einer Windpockenerkrankung verschwindet das Virus nicht vollständig aus dem Körper, sondern bleibt in bestimmten Nervenzellen zurück. Jahre oder Jahrzehnte später kann es erneut aktiv werden und eine Gürtelrose verursachen.
Typisch sind Schmerzen, Brennen oder Überempfindlichkeit der Haut und anschließend kleine Bläschen, die häufig bandförmig auf einer Körperseite auftreten. Besonders belastend können Nervenschmerzen werden, die nach Abheilung der Hautveränderungen noch lange bestehen bleiben.
Für ältere Erwachsene gehört die Gürtelrose-Impfung bereits seit längerer Zeit zum normalen Impfprogramm. Inzwischen kann sie aber auch für jüngere Erwachsene wichtig sein, wenn durch eine rheumatische Erkrankung oder insbesondere durch bestimmte Medikamente ein erhöhtes Risiko besteht. Dazu gehören beispielsweise einige stärker immunsuppressive Behandlungen und Medikamente, bei denen Gürtelrose häufiger auftreten kann.
Der heutige Gürtelrose-Impfstoff ist kein Lebendimpfstoff. Das ist gerade bei Rheuma ein großer Vorteil, denn er kann auch bei vielen Menschen eingesetzt werden, deren Immunabwehr durch Medikamente beeinflusst wird. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen mit einem bestimmten Abstand.
Auch eine bereits durchgemachte Gürtelrose bedeutet nicht automatisch, dass eine spätere Impfung überflüssig ist. Nach einer akuten Erkrankung wird zunächst die vollständige Abheilung abgewartet und anschließend kann der weitere Schutz besprochen werden.
COVID-19 richtet sich inzwischen stärker nach Alter und persönlichem Risiko
Die Empfehlungen zur COVID-19-Impfung haben sich seit den ersten Pandemie-Jahren deutlich verändert. Heute wird stärker danach unterschieden, wie alt ein Mensch ist und ob besondere gesundheitliche Risiken bestehen.
Für gesunde jüngere Erwachsene ist eine jährliche Impfung nicht mehr grundsätzlich notwendig. Bei älteren Menschen und bei Personen mit bestimmten gesundheitlichen Risiken kann eine regelmäßige saisonale Auffrischung dagegen weiterhin sinnvoll sein. Dazu können auch Menschen gehören, deren Immunabwehr durch eine stärkere Rheumatherapie deutlich beeinflusst wird.
Eine Rheumadiagnose allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jeder Betroffene jedes Jahr gegen COVID-19 geimpft werden muss. Entscheidend ist vor allem die Behandlung. Wer beispielsweise ein Medikament bekommt, das bestimmte Teile der Immunabwehr stark beeinflusst, sollte den persönlichen Impfplan mit seiner rheumatologischen Praxis besprechen.
Gerade bei Medikamenten wie Rituximab kann der Zeitpunkt einer Impfung eine größere Bedeutung haben, weil der Körper in bestimmten Phasen möglicherweise weniger kräftig auf den Impfstoff reagieren kann. Auch hier gilt jedoch: Medikamente werden nicht eigenständig verschoben. Die Behandlung der rheumatischen Erkrankung und der Impfschutz werden gemeinsam geplant.
RSV ist besonders im höheren Lebensalter wichtig geworden
RSV wird oft mit Säuglingen und kleinen Kindern verbunden, kann aber auch bei älteren Erwachsenen schwere Atemwegsinfektionen verursachen. Deshalb gehört inzwischen eine einmalige RSV-Impfung für ältere Menschen zum Impfprogramm.
Bei Menschen im höheren Erwachsenenalter mit schweren Begleiterkrankungen oder einer ausgeprägten Schwächung der Immunabwehr kann sie bereits vor der allgemeinen Altersgrenze sinnvoll werden. Dazu können auch einzelne Menschen mit einer starken immunsuppressiven Rheumatherapie gehören.
Eine gut kontrollierte rheumatische Erkrankung allein bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jeder Mensch ab 60 Jahren sofort gegen RSV geimpft werden muss. Entscheidend sind die Stärke der Immunsuppression, zusätzliche Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen und das allgemeine Risiko für einen schweren Atemwegsinfekt.
Aktuell wird die RSV-Impfung bei Erwachsenen einmalig durchgeführt. Eine jährliche Auffrischung ist derzeit nicht der normale Standard.
HPV ist auch für Jungen wichtig
Humane Papillomviren, kurz HPV, können verschiedene Erkrankungen verursachen und stehen mit mehreren Krebsarten in Zusammenhang. Deshalb gehört die HPV-Impfung bereits seit Jahren zum regulären Impfprogramm für Mädchen und Jungen.
Sie sollte möglichst im Alter zwischen 9 und 14 Jahren durchgeführt werden, also zu einem Zeitpunkt, an dem der Schutz besonders gut aufgebaut werden kann. Versäumte Impfungen können noch später nachgeholt werden.
Gerade bei Jugendlichen mit einer rheumatischen Erkrankung sollte darauf geachtet werden, dass diese Impfung nicht vergessen wird. Auch bei Erwachsenen mit Rheuma kann in bestimmten Situationen geprüft werden, ob eine nachträgliche Impfung noch sinnvoll ist. Das hängt von Alter, bisherigem Impfstatus und persönlicher Situation ab.
HPV ist kein Lebendimpfstoff und kann deshalb grundsätzlich auch unter vielen Rheumatherapien eingesetzt werden.
Hepatitis B gehört nicht automatisch für jeden Erwachsenen mit Rheuma zum Zusatzprogramm
In älteren Rheuma-Ratgebern wird Hepatitis B teilweise pauschal als zusätzliche Rheumaimpfung genannt. Das ist zu allgemein formuliert.
Die Hepatitis-B-Impfung gehört bereits zum normalen Impfprogramm im Kindesalter. Wer vollständig geimpft wurde und kein besonderes Risiko besitzt, benötigt im Erwachsenenalter normalerweise nicht einfach aufgrund der Rheumadiagnose eine neue vollständige Impfserie.
Wichtig wird die Impfung beziehungsweise die Kontrolle des Schutzes aber beispielsweise bei bestimmten beruflichen Risiken, bei Reisen, bei bestimmten medizinischen Behandlungen oder bei zusätzlichen Erkrankungen. Auch vor einzelnen stärker immunsuppressiven Therapien kann es sinnvoll sein, vorhandene Befunde und den bisherigen Schutz zu prüfen.
Deshalb gehört Hepatitis B durchaus in eine sorgfältige Impfpasskontrolle, aber nicht jeder Mensch mit Rheuma braucht automatisch eine zusätzliche Hepatitis-B-Impfung.
Auch Meningokokken werden nicht pauschal jedem Menschen mit Rheuma empfohlen
Meningokokken können schwere Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen. Trotzdem benötigt nicht jeder erwachsene Mensch mit Rheuma automatisch eine zusätzliche Meningokokkenimpfung.
Besonders wichtig wird der Schutz bei bestimmten seltenen Erkrankungen oder Medikamenten, die einen ganz bestimmten Teil des Immunsystems beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise einige sogenannte Komplementhemmer. Bei solchen Behandlungen kann das Risiko für schwere Meningokokkeninfektionen deutlich erhöht sein, sodass ein gezielter Schutz gegen verschiedene Meningokokken-Gruppen notwendig wird.
Auch eine fehlende oder nicht richtig funktionierende Milz, bestimmte andere Immundefekte, das Alter oder Reisen in Länder mit erhöhtem Meningokokkenrisiko können eine Impfung notwendig machen.
Deshalb sollte auch hier nicht allein der Begriff Rheuma darüber entscheiden, sondern die tatsächliche gesundheitliche Situation.
Totimpfstoffe und Lebendimpfstoffe – der Unterschied ist bei Rheumamedikamenten besonders wichtig
Die Begriffe klingen komplizierter, als sie für den Alltag sein müssen. Entscheidend ist im Grunde nur die Frage, ob ein Impfstoff Erreger enthält, die sich noch vermehren können.
Nicht lebende Impfstoffe, oft weiterhin als Totimpfstoffe bezeichnet, enthalten keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger. Dazu gehören beispielsweise die üblichen Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose, HPV und Hepatitis B. Auch die heute verwendeten COVID-Impfstoffe gehören nicht zu den Lebendimpfstoffen.
Diese Impfungen können grundsätzlich auch während vieler Rheumatherapien gegeben werden. Bei einzelnen Medikamenten kann die Impfantwort schwächer ausfallen, die Impfung selbst wird dadurch aber nicht automatisch gefährlich.
Lebendimpfstoffe enthalten dagegen stark abgeschwächte Erreger, die sich noch in begrenztem Umfang vermehren können. Dazu gehören beispielsweise die Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln sowie gegen Windpocken. Auch die Gelbfieberimpfung ist ein Lebendimpfstoff.
Bei einem gesunden Immunsystem ist das normalerweise kein Problem. Wird die Immunabwehr durch Medikamente deutlich unterdrückt, kann der Körper mit solchen Impfstoffen jedoch möglicherweise nicht sicher genug umgehen. Deshalb müssen Lebendimpfungen bei einer stärkeren Immunsuppression besonders sorgfältig geplant werden.
Merkkasten: Nicht jede Impfung ist unter Rheumamedikamenten gleich
Nicht lebende Impfstoffe können auch unter vielen Rheumatherapien eingesetzt werden. Lebendimpfstoffe müssen bei einer stärkeren Immunsuppression dagegen vorher mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden. Deshalb ist es besonders sinnvoll, fehlende Lebendimpfungen nach Möglichkeit bereits vor Beginn einer stärkeren Behandlung zu klären.
Warum der Impfpass vor einer neuen Rheumatherapie besonders wichtig ist
Wird eine neue Behandlung begonnen, die das Immunsystem stärker beeinflusst, ist ein Blick auf den Impfpass besonders sinnvoll. Fehlende Impfungen können dann rechtzeitig nachgeholt werden.
Das ist vor allem bei Lebendimpfstoffen wichtig, denn diese lassen sich vor Beginn einer starken Immunsuppression häufig wesentlich einfacher einsetzen als danach. Zwischen einer Lebendimpfung und dem Beginn einer bestimmten Therapie muss dann ein ausreichender Abstand eingehalten werden.
Nicht lebende Impfstoffe können häufig auch nach Beginn der Therapie noch gegeben werden. Trotzdem kann der Körper vor einer stärkeren Immunsuppression manchmal eine bessere Impfantwort aufbauen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass eine dringend notwendige Rheumatherapie über längere Zeit hinausgezögert werden sollte, nur weil der Impfpass nicht vollständig ist. Behandlung und Impfschutz werden gegeneinander abgewogen und sinnvoll miteinander geplant.
Rheumamedikamente bitte niemals wegen einer Impfung selbst absetzen
Dieser Punkt ist besonders wichtig. Im Internet finden sich viele pauschale Empfehlungen, Methotrexat, Biologika oder andere Medikamente vor einer Impfung für einige Tage oder Wochen auszusetzen. So einfach lässt sich das nicht auf jeden Menschen übertragen.
Bei einigen Medikamenten kann eine gezielte zeitliche Anpassung tatsächlich sinnvoll sein. Bei anderen bringt eine Pause wenig oder kann sogar dazu führen, dass die rheumatische Erkrankung wieder aktiver wird.
Deshalb sollten Sie niemals selbst entscheiden, Methotrexat, Biologika, JAK-Hemmer, Kortison oder andere Rheumamedikamente wegen einer Impfung auszulassen.
Fragen Sie stattdessen konkret:
„Soll ich mein Rheumamedikament rund um diese Impfung genauso weiternehmen wie gewohnt?“
Dann kann die Antwort genau auf Ihr Medikament und Ihre Erkrankung abgestimmt werden.
Auch bei aktiverem Rheuma muss nicht jede Impfung automatisch verschoben werden
Früher wurde häufig sehr allgemein empfohlen, möglichst nur dann zu impfen, wenn die rheumatische Erkrankung vollkommen ruhig ist. Bei den üblichen nicht lebenden Impfstoffen wird das heute weniger streng betrachtet.
Eine höhere Krankheitsaktivität bedeutet nicht automatisch, dass eine notwendige Impfung überhaupt nicht möglich ist. Viel wichtiger ist die persönliche Situation und die Frage, wie dringend der Schutz benötigt wird.
Anders sieht es bei einer akuten stärkeren Infektion aus. Wenn Sie gerade hohes Fieber haben und deutlich krank sind, wird eine planbare Impfung normalerweise verschoben, bis Sie sich wieder erholt haben.
Eine leichte Erkältung ohne Fieber und ohne ausgeprägtes Krankheitsgefühl bedeutet dagegen nicht automatisch, dass ein bereits vereinbarter Impftermin abgesagt werden muss.
Windpocken sollten vor einer stärkeren Behandlung nicht vergessen werden
Bei Windpocken besteht eine besondere Situation, weil der verwendete Impfstoff ein Lebendimpfstoff ist. Wer die Erkrankung bereits sicher durchgemacht hat oder vollständig geimpft wurde, hat normalerweise einen entsprechenden Schutz.
Ist jedoch unklar, ob Windpocken früher aufgetreten sind oder ob ein ausreichender Impfschutz vorhanden ist, sollte dies vor Beginn einer stärkeren Immunsuppression geklärt werden.
Wenn eine Windpockenimpfung notwendig ist, lässt sie sich vor Beginn einer solchen Therapie häufig einfacher durchführen. Während einer ausgeprägten Immunsuppression ist eine Lebendimpfung dagegen nicht ohne Weiteres möglich.
Windpocken und Gürtelrose sollten dabei nicht verwechselt werden. Beide werden vom selben Virus verursacht, aber die Impfstoffe unterscheiden sich. Die heutige Gürtelrose-Impfung ist kein Lebendimpfstoff und kann deshalb auch bei vielen Menschen unter immunsuppressiver Behandlung verwendet werden.
Schwangerschaft und Kinderwunsch gehören ebenfalls zur Impfplanung
Viele rheumatische Erkrankungen beginnen in einem Alter, in dem Familienplanung eine Rolle spielt. Deshalb sollte der Impfstatus möglichst bereits vor einer geplanten Schwangerschaft überprüft werden.
Besonders wichtig ist, fehlende Lebendimpfungen gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken rechtzeitig vor einer Schwangerschaft nachzuholen, wenn dies notwendig und unter der aktuellen Rheumatherapie möglich ist. Während der Schwangerschaft werden diese Lebendimpfstoffe nicht verabreicht.
Die Pertussis-Impfung wird dagegen in jeder Schwangerschaft erneut empfohlen, damit das Baby in seinen ersten Lebensmonaten einen möglichst guten Schutz gegen Keuchhusten erhält.
Auch die Grippeimpfung kann während der Schwangerschaft wichtig sein. Der passende Zeitpunkt richtet sich nach Schwangerschaftswoche und persönlicher gesundheitlicher Situation.
Bei Frauen, die während der Schwangerschaft bestimmte stärkere Rheumamedikamente benötigen, sollte außerdem später der Kinderarzt wissen, welche Medikamente verwendet wurden. Bei einigen Wirkstoffen kann dies beeinflussen, wann das Baby bestimmte Lebendimpfungen erhalten darf.
Bei Kinderrheuma gehört der Impfpass fest zur Behandlung
Kinder und Jugendliche mit juveniler idiopathischer Arthritis sollen grundsätzlich einen möglichst vollständigen altersgerechten Impfschutz bekommen. Gerade bei ihnen lohnt es sich, den Impfpass bereits frühzeitig zu überprüfen, weil manche Impfungen später unter einer stärkeren Therapie schwieriger durchzuführen sind.
Die üblichen nicht lebenden Impfstoffe können auch unter vielen Kinderrheumamedikamenten eingesetzt werden. Bei MMR und Windpocken muss dagegen genauer geschaut werden, weil es sich um Lebendimpfstoffe handelt.
Auch HPV sollte nicht vergessen werden. Die Impfung wird für Mädchen und Jungen empfohlen und sollte möglichst im dafür vorgesehenen Alter abgeschlossen werden.
Eltern sollten deshalb nicht aus Angst vor der Rheumaerkrankung notwendige Impfungen eigenständig auslassen. Sinnvoller ist eine gemeinsame Planung mit Kinderarzt und Kinder- und Jugendrheumatologie.
Reiseimpfungen brauchen bei Rheuma etwas mehr Vorlauf
Eine Fernreise sollte mit einer immunsuppressiven Rheumatherapie möglichst früh geplant werden. Der Grund liegt nicht darin, dass Menschen mit Rheuma grundsätzlich nicht reisen dürfen, sondern darin, dass einige Reiseimpfungen Zeit benötigen und manche davon Lebendimpfstoffe sind.
Hepatitis A und B, Tollwut, Meningokokken, FSME oder andere Impfungen können je nach Reiseziel sinnvoll sein. Besonders wichtig ist die Gelbfieberimpfung, weil sie ein Lebendimpfstoff ist und unter einer stärkeren Immunsuppression problematisch sein kann.
Wenn eine Reise in ein Gebiet geplant ist, für das eine Gelbfieberimpfung notwendig oder vorgeschrieben ist, sollte deshalb frühzeitig eine reisemedizinische Beratung erfolgen. Dann bleibt genug Zeit, Rheumatherapie, Impfungen und Reise miteinander abzustimmen.
Eine Reise sollte möglichst nicht daran scheitern, dass das Thema erst wenige Tage vor dem Abflug angesprochen wird.
Ihr Umfeld kann ebenfalls zum Infektionsschutz beitragen
Gerade bei einer stärkeren Immunsuppression kann es sinnvoll sein, auch den Impfstatus von Menschen im direkten Umfeld im Blick zu behalten. Das bedeutet nicht, dass Ihre Familie aufgrund Ihrer Diagnose ein völlig anderes Impfprogramm benötigt.
Hilfreich ist vielmehr, wenn Partner, Kinder und andere enge Kontaktpersonen den normalen empfohlenen Impfschutz besitzen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass vermeidbare Infektionen in den unmittelbaren Haushalt getragen werden.
Dieser sogenannte Umgebungsschutz wird besonders wichtig, wenn Ihre eigene Immunabwehr stark eingeschränkt ist oder Ihr Körper auf eine Impfung möglicherweise weniger kräftig reagieren kann.
Bei Lebendimpfstoffen enger Kontaktpersonen gibt es einzelne Besonderheiten. Diese können bei sehr stark immungeschwächten Menschen vorher mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Kann eine Impfung einen Rheumaschub verursachen?
Diese Sorge haben viele Menschen. Nach einer Impfung können für einige Stunden oder ein bis zwei Tage Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen oder leichtes Fieber auftreten. Das sind typische Impfreaktionen und bedeuten nicht automatisch, dass die rheumatische Erkrankung wieder aktiver geworden ist.
Die üblichen nicht lebenden Impfstoffe werden bei Menschen mit rheumatischen Erkrankungen grundsätzlich als wichtige Schutzmaßnahme eingesetzt. Eine Infektion wie Influenza, Pneumokokken-Lungenentzündung oder Gürtelrose kann den Körper wesentlich stärker belasten als die üblichen kurzfristigen Impfreaktionen.
Das bedeutet nicht, dass jede Beschwerde nach einer Impfung ignoriert werden sollte. Ausgeprägte oder ungewöhnliche Reaktionen gehören selbstverständlich medizinisch beurteilt. Die normalen kurzfristigen Reaktionen sind jedoch kein Grund, Impfungen grundsätzlich zu vermeiden.
Auch ein schwächerer Impfschutz kann wertvoll sein
Bestimmte Rheumamedikamente können dazu führen, dass der Körper nach einer Impfung weniger Antikörper bildet als ohne diese Behandlung. Das betrifft nicht jedes Medikament in gleichem Maße und bedeutet auch nicht, dass die Impfung wirkungslos ist.
Selbst ein nicht vollständig optimaler Schutz kann dazu beitragen, das Risiko für eine Infektion oder einen schweren Verlauf zu reduzieren. Deshalb sollte eine schwächere mögliche Impfantwort nicht automatisch dazu führen, eine sinnvolle Impfung ganz wegzulassen.
Wenn bekannt ist, dass ein Medikament die Impfantwort besonders stark beeinflusst, kann der Zeitpunkt der Impfung entsprechend geplant werden.
Welche Impfungen Sie beim nächsten Termin ansprechen sollten
Sie müssen keine umfangreichen Impftabellen selbst auswendig lernen. Viel sinnvoller ist es, Ihren Impfpass mit zum nächsten hausärztlichen oder rheumatologischen Termin zu nehmen.
Dabei sollte zunächst überprüft werden, ob der Grundschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliovollständig ist und ob bei Ihnen eine Nachholimpfung gegen Masern oder Windpocken notwendig sein könnte.
Anschließend kann anhand von Alter, Erkrankung und Medikamenten geschaut werden, ob Influenza, Pneumokokken, Gürtelrose, COVID-19 oder RSV für Sie empfohlen sind.
Zusätzlich werden Impfungen wie HPV, Hepatitis A oder B, Meningokokken, FSME oder Reiseimpfungenberücksichtigt, wenn Alter, Beruf, Reiseziel, Begleiterkrankungen oder einzelne Medikamente dafür sprechen.
Besonders sinnvoll ist diese Kontrolle vor dem Beginn einer neuen stärker immunsuppressiven Behandlung. Dadurch können noch fehlende Impfungen rechtzeitig geplant und unnötige Unsicherheiten später vermieden werden.
Fazit: Mit Rheuma dürfen Sie sich impfen lassen – entscheidend ist eine gute Planung
Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ist grundsätzlich kein Grund, Impfungen zu vermeiden. Für viele Menschen mit Rheuma ist ein guter Impfschutz sogar besonders wichtig, weil Erkrankung und Medikamente das Risiko für bestimmte Infektionen erhöhen können.
Die meisten heute üblichen Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger und können deshalb auch während vieler Rheumatherapien eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise die üblichen Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose und HPV.
Besondere Aufmerksamkeit brauchen Lebendimpfstoffe wie Masern-Mumps-Röteln, Windpocken und Gelbfieber. Sie sollten unter einer stärkeren immunsuppressiven Therapie nicht einfach ohne vorherige Abstimmung durchgeführt werden. Deshalb ist es sinnvoll, solche Impfungen möglichst frühzeitig und besonders vor Beginn einer stärkeren Behandlung zu prüfen.
Für viele Menschen mit Rheuma ist die jährliche Grippeimpfung wichtig. Pneumokokken können abhängig von Alter und Immunsuppression ebenfalls dazugehören. Die Gürtelrose-Impfung hat inzwischen auch für jüngere Erwachsene mit erhöhtem Risiko eine größere Bedeutung bekommen. COVID-19 wird heute stärker nach Alter und persönlichem Risiko beurteilt, und RSV ist besonders im höheren Lebensalter sowie bei ausgeprägtem gesundheitlichem Risiko ein zusätzliches Thema.
Hepatitis B und Meningokokken gehören dagegen nicht automatisch allein aufgrund der Rheumadiagnose zu einem zusätzlichen Impfprogramm. Hier entscheiden bereits vorhandener Schutz, Alter, Beruf, Reisen, zusätzliche Erkrankungen und bestimmte Medikamente.
Am wichtigsten ist deshalb nicht, möglichst viele Impfungen auf einmal nachzuholen.
Wichtig ist, dass die richtigen Impfungen zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt werden.
Nehmen Sie Ihren Impfpass deshalb regelmäßig mit zum Hausarzt oder in die rheumatologische Praxis und lassen Sie ihn besonders vor einer neuen stärkeren Behandlung überprüfen. Setzen Sie Medikamente für eine Impfung nicht eigenständig aus und fragen Sie bei Lebendimpfstoffen immer nach, ob diese mit Ihrer aktuellen Behandlung vereinbar sind.
So wird das Thema Impfen bei Rheuma nicht komplizierter als nötig und Sie können einen zusätzlichen Schutz nutzen, ohne Ihre Rheumatherapie unnötig zu verändern.
Medizinische Informations- und Fachquellen
- Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Aktuelle Impfempfehlungen für Deutschland, Stand 2026.
- Robert Koch-Institut: Informationen zu Impfungen bei Immundefizienz und unter immunsuppressiver Behandlung.
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh): Empfehlungen zu Impfungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und unter immunmodulierender beziehungsweise immunsuppressiver Behandlung.
- Robert Koch-Institut: Informationen und Empfehlungen zu Influenza, Pneumokokken, Herpes Zoster, COVID-19, RSV, Masern, Windpocken und Meningokokken.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung / Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit:Patienteninformationen zu Impfungen und Impfpasskontrolle.
- Deutsche Rheuma-Liga: Patienteninformationen zu Impfungen, Infektionsschutz und Rheumamedikamenten.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche Impfberatung. Welche Impfungen für Sie notwendig oder besonders sinnvoll sind, hängt von Ihrem Alter, Ihrer rheumatischen Erkrankung, Ihren Medikamenten, zusätzlichen Erkrankungen, Schwangerschaft und möglichen Reiseplänen ab.
Setzen Sie Rheumamedikamente wegen einer Impfung niemals eigenständig ab oder aus. Besonders vor Lebendimpfungen sollte unter einer laufenden immunmodulierenden oder immunsuppressiven Behandlung immer geklärt werden, ob und zu welchem Zeitpunkt die Impfung möglich ist.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.
Stand
September 2026

