Wer an Rheuma denkt, denkt meistens zuerst an schmerzende Hände, geschwollene Finger, steife Knie oder einen entzündeten Rücken. Das ist verständlich, denn gerade die Beschwerden des Bewegungsapparates sind bei vielen rheumatischen Erkrankungen das, was im Alltag zuerst auffällt. Trotzdem erzählt ein entzündetes Gelenk häufig nur einen Teil der Geschichte. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können den ganzen Körper beeinflussen und deshalb können Herz und Gefäße, Knochen, Lunge, Nieren, Augen oder andere Organe im Laufe der Zeit ebenfalls eine Rolle spielen. Hinzu kommen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose oder Depressionen, die bei Menschen mit Rheuma teilweise häufiger vorkommen und die genauso ernst genommen werden sollten wie die eigentliche rheumatische Erkrankung.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie nach einer Rheumadiagnose automatisch eine lange Liste weiterer Krankheiten entwickeln werden. Viele Menschen leben über Jahre mit gut behandeltem Rheuma, ohne dass schwerwiegende zusätzliche Erkrankungen entstehen. Es bedeutet vielmehr, dass man nicht ausschließlich auf Gelenke und Entzündungswerte schauen sollte. Ein gut eingestelltes Rheuma ist wichtig, aber ebenso wichtig sind Blutdruck, Cholesterin, Knochen, Lunge, Nieren, Impfstatus und das eigene seelische Wohlbefinden.
Gerade bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen lohnt sich deshalb ein etwas weiterer Blick auf den Körper.
Merkkasten: Rheuma kann mehr als Gelenke betreffen. Manche Probleme wie eine Lungen- oder Nierenbeteiligung können unmittelbar zur rheumatischen Erkrankung gehören. Andere Erkrankungen wie Bluthochdruck, Osteoporose, Diabetes oder Depression können zusätzlich auftreten. Wieder andere Risiken können durch bestimmte Medikamente beeinflusst werden. Nicht jeder Mensch bekommt diese Probleme, aber sie sollten bei der langfristigen Betreuung mitgedacht werden.
Begleiterkrankung oder Teil des Rheumas – das ist nicht immer dasselbe
Bevor wir die einzelnen Bereiche anschauen, ist diese Unterscheidung wichtig.
Wenn jemand mit rheumatoider Arthritis zusätzlich Bluthochdruck entwickelt, handelt es sich um eine weitere Erkrankung, die neben dem Rheuma besteht. Man spricht dann von einer Begleiterkrankung.
Wenn dagegen bei einem Menschen mit systemischem Lupus die Nieren entzündet sind, sieht die Sache anders aus. Die Nierenentzündung kann unmittelbar Teil des Lupus sein. Die rheumatische Erkrankung hat sich dann nicht nur an Gelenken oder Haut gezeigt, sondern auch an einem inneren Organ. Beim Lupus gehört eine mögliche Nierenbeteiligung deshalb zu den besonders wichtigen Dingen, auf die regelmäßig geachtet wird.
Ähnlich ist es bei der Lunge. Eine Lungenveränderung bei rheumatoider Arthritis, systemischer Sklerose, Sjögren-Syndrom oder bestimmten Muskelentzündungen kann direkt mit der rheumatischen Erkrankung zusammenhängen.
Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Eine zusätzliche Erkrankung kann durch verschiedene Dinge gemeinsam begünstigt werden. Osteoporose ist dafür ein gutes Beispiel. Die Entzündung selbst kann den Knochen belasten, Schmerzen können zu weniger Bewegung führen und eine länger notwendige Kortisonbehandlung kann zusätzlich den Knochenabbau fördern.
Manchmal steckt also nicht eine Ursache hinter einer Begleiterkrankung, sondern mehrere Dinge kommen zusammen.
Warum entzündliches Rheuma den ganzen Körper beeinflussen kann
Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung findet nicht ausschließlich in einem einzelnen schmerzenden Gelenk statt. Das Immunsystem und verschiedene Entzündungsprozesse sind beteiligt und können sich je nach Erkrankung an unterschiedlichen Stellen des Körpers bemerkbar machen.
Bei der rheumatoiden Arthritis stehen die Gelenke sehr stark im Mittelpunkt, trotzdem können beispielsweise Blutgefäße oder Lunge betroffen sein. Beim systemischen Lupus können Gelenke, Haut, Blut, Nieren, Gefäße und andere Organe beteiligt sein. Beim Sjögren-Syndrom denken viele zuerst an trockene Augen und einen trockenen Mund, aber auch hier können weitere Bereiche des Körpers betroffen sein. Bei der systemischen Sklerose spielen unter anderem Haut, Blutgefäße und Lunge eine wichtige Rolle. Bei Morbus Bechterew beziehungsweise axialer Spondyloarthritis können neben der Wirbelsäule beispielsweise auch die Augen betroffen sein.
Deshalb gibt es auch nicht die Begleiterkrankungen bei Rheuma, die bei jedem Menschen gleich wären. Viel hängt davon ab, welche rheumatische Erkrankung Sie überhaupt haben.
Die wichtigsten Bereiche, die bei Rheuma mitgedacht werden sollten
| Bereich | Was kann auftreten? | Warum ist das bei Rheuma wichtig? |
| Herz und Gefäße | Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche | Entzündliches Rheuma kann das Herz-Kreislauf-Risiko zusätzlich beeinflussen |
| Knochen | Osteoporose und erhöhte Knochenbruchgefahr | Entzündung, Bewegungsmangel, Alter und Kortison können zusammenwirken |
| Lunge | Entzündliche Veränderungen, Vernarbung des Lungengewebes, Atemprobleme | Besonders bei bestimmten Rheumaformen kann die Lunge direkt beteiligt sein |
| Nieren | Entzündliche Nierenerkrankungen oder nachlassende Nierenfunktion | Besonders wichtig beispielsweise bei Lupus und verschiedenen Vaskulitiden |
| Augen | Uveitis, trockene Augen, andere Augenentzündungen | Kommt bei bestimmten Rheumaformen häufiger vor |
| Infektionen | Atemwegsinfekte, Gürtelrose und andere Infektionen | Erkrankung und einige Rheumamedikamente können die Infektabwehr beeinflussen |
| Stoffwechsel | Diabetes, erhöhte Blutfette, Übergewicht | Können zusätzlich das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen |
| Magen und Darm | Magenbeschwerden, Schleimhautschäden, entzündliche Darmerkrankungen | Teilweise Begleiterkrankung, teilweise Zusammenhang mit Medikamenten oder bestimmter Rheumaform |
| Psyche | Depressionen, Ängste, Überforderung | Chronische Schmerzen und Einschränkungen können psychisch stark belasten |
| Erschöpfung | Fatigue | Kann unmittelbar zur Rheumaerkrankung gehören und den Alltag erheblich beeinträchtigen |
Herz und Gefäße – ein Bereich, der bei Rheuma leicht in den Hintergrund gerät
Wenn Finger, Knie oder Rücken jeden Tag schmerzen, denkt man verständlicherweise nicht zuerst an die eigenen Blutgefäße. Genau deshalb wird dieser Bereich manchmal unterschätzt.
Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können häufiger Herz-Kreislauf-Probleme entwickeln. Dazu können unter anderem Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche oder bestimmte Herzrhythmusstörungen gehören. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie weist deshalb inzwischen besonders darauf hin, Herz und Gefäße bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mitzudenken.
Dabei wäre es falsch zu sagen: „Rheuma verursacht Bluthochdruck.“
Ganz so einfach ist der Zusammenhang nicht.
Auch bei Menschen mit Rheuma gelten die ganz gewöhnlichen Risikofaktoren, die für jeden Menschen wichtig sind: hoher Blutdruck, ungünstige Blutfettwerte, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und zunehmendes Alter.
Bei entzündlichem Rheuma kommt jedoch noch etwas hinzu. Eine dauerhaft aktive Entzündung kann die Gefäße zusätzlich belasten und Veränderungen der Gefäßwände begünstigen. Bei rheumatoider Arthritis weist auch gesund.bund.de darauf hin, dass die Entzündung im Körper die Blutgefäße betreffen und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen kann.
Deshalb ist es für einen Menschen mit Rheuma besonders ungünstig, wenn mehrere Dinge gleichzeitig zusammenkommen: eine aktive entzündliche Erkrankung, Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhtes Cholesterin und möglicherweise Diabetes.
Blutdruck und Cholesterin gehören deshalb genauso zur Rheumabetreuung
Natürlich muss nicht bei jedem rheumatologischen Termin ein vollständiger Herzcheck gemacht werden. Trotzdem sollte bekannt sein, wie Ihr Blutdruck aussieht und ob weitere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren bestehen.
Bluthochdruck macht nämlich häufig jahrelang überhaupt keine Beschwerden.
Auch erhöhte Blutfette spüren Sie nicht.
Ein Mensch kann sich deshalb vollständig darauf konzentrieren, dass seine Gelenke endlich weniger schmerzen, während gleichzeitig ein anderer wichtiger Gesundheitsbereich unbemerkt aus dem Blick gerät.
Gerade deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Rheumatologie so wichtig. Die Rheumatologie kümmert sich nicht ausschließlich um einen Laborwert und der Hausarzt nicht ausschließlich um den Blutdruck. Beide Bereiche gehören zusammen.
Rauchen ist bei Rheuma gleich mehrfach ungünstig
Rauchen belastet Herz, Blutgefäße und Lunge bereits unabhängig von einer Rheumaerkrankung.
Bei rheumatoider Arthritis kommt hinzu, dass Rauchen nicht nur ein allgemeines Gesundheitsrisiko ist, sondern auch mit der Erkrankung selbst ungünstig zusammenhängt. gesund.bund.de nennt Rauchen ausdrücklich als Faktor, der eine rheumatoide Arthritis begünstigen und ihren Verlauf negativ beeinflussen kann.
Und wenn bei bestimmten rheumatischen Erkrankungen ohnehin ein erhöhtes Risiko für eine Beteiligung der Lunge besteht, bekommt der Rauchstopp noch einmal eine zusätzliche Bedeutung.
Osteoporose – wenn neben den Gelenken auch die Knochen geschützt werden müssen
Bei Rheuma sprechen wir sehr viel über Gelenke. Dabei sollte der Knochen nicht vergessen werden.
Osteoporose bedeutet, dass die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen können. Das Problem daran ist, dass Sie diesen Verlust normalerweise nicht spüren. Ein Knochen wird nicht jeden Monat ein bisschen schmerzhafter, während die Osteoporose zunimmt. Häufig wird die Erkrankung erst entdeckt, wenn bereits ein Knochenbruch aufgetreten ist oder gezielt untersucht wird.
Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können verschiedene Dinge das Osteoporoserisiko erhöhen.
Eine dauerhafte Entzündung kann den Knochenstoffwechsel ungünstig beeinflussen. Schmerzen führen möglicherweise dazu, dass Sie sich weniger bewegen, wodurch der Knochen weniger belastet wird. Zusätzlich steigt das Osteoporoserisiko mit dem Alter und insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren.
Und dann gibt es noch einen wichtigen Punkt: Kortison.
Kortisonpräparate sind sehr wirksame Medikamente und in bestimmten Situationen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unverzichtbar. Sie sollten deshalb nicht pauschal als schlechte Medikamente dargestellt werden. Werden sie jedoch über längere Zeit und in höheren Dosierungen benötigt, können sie unter anderem den Knochenabbau fördern.
Deshalb sollten Rheuma und Knochengesundheit gemeinsam betrachtet werden.
Bewegung schützt nicht nur die Gelenke, sondern auch die Knochen
Dieser Zusammenhang wird manchmal vergessen.
Knochen brauchen Belastung. Bewegung und Muskelarbeit setzen Reize, durch die der Körper Knochenmasse erhalten kann.
Wenn Rheumaschmerzen dazu führen, dass Sie über längere Zeit immer weniger laufen, Treppen vermeiden und körperliche Aktivität einschränken, kann also nicht nur die Muskulatur schwächer werden. Auch für die Knochen ist dauerhafte Inaktivität ungünstig.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Sie mit einem hoch entzündeten Gelenk unter Schmerzen trainieren sollen. Es geht um eine Bewegung, die zu Ihrer Erkrankung und Ihrer aktuellen Situation passt.
Spaziergänge, Kraftübungen, Funktionstraining oder andere geeignete Bewegungsformen können deshalb gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Sie erhalten Muskelkraft, Gelenkfunktion, Gleichgewicht und Knochenbelastung.
Die Lunge – Rheuma kann auch dort Beschwerden machen
Lungenprobleme gehören wahrscheinlich zu den Begleiterscheinungen, die viele Menschen am wenigsten mit Rheuma verbinden.
Dabei kann die Lunge bei verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unmittelbar beteiligt sein. Besonders aufmerksam wird unter anderem bei rheumatoider Arthritis, systemischer Sklerose, Sjögren-Syndrom und bestimmten entzündlichen Muskelerkrankungen hingeschaut.
Dabei kann sich das feine Gewebe zwischen den Lungenbläschen entzünden. Wenn solche Veränderungen über längere Zeit bestehen und fortschreiten, kann Lungengewebe vernarben. Dadurch wird die Lunge steifer und der Sauerstoffaustausch kann schwieriger werden.
Sie müssen sich diese mögliche Lungenbeteiligung nicht merken, indem Sie komplizierte medizinische Begriffe lernen.
Wichtiger ist etwas anderes:
Neu auftretende Atemnot oder ein länger bestehender trockener Husten sollte bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung nicht einfach nur mit schlechter Kondition oder dem Alter erklärt werden.
Natürlich hat nicht jeder Husten bei Rheuma mit der Rheumaerkrankung zu tun. Ein Infekt ist wesentlich häufiger. Gerade deshalb muss bei länger bestehenden oder zunehmenden Beschwerden genauer hingeschaut werden.
Warum die Lunge nicht bei jeder Rheumaform gleich gefährdet ist
Auch hier macht die genaue Diagnose einen großen Unterschied.
Bei einer systemischen Sklerose gehört die Lunge beispielsweise zu den Organen, die besonders sorgfältig beobachtet werden. Beim Sjögren-Syndrom können neben der Trockenheit der Schleimhäute ebenfalls Veränderungen der Lunge auftreten.
Auch bei der rheumatoiden Arthritis ist eine Lungenbeteiligung möglich. Die Deutsche Rheuma-Liga weist darauf hin, dass entzündliche Veränderungen des Lungengewebes bei dieser Erkrankung häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung.
Bei anderen Rheumaformen stehen wiederum ganz andere Organe stärker im Mittelpunkt.
Deshalb ist die Aussage „Ich habe Rheuma“ auch hier zu ungenau. Entscheidend ist immer, welcheRheumaerkrankung vorliegt.
Die Nieren können betroffen sein, ohne dass sie weh tun
Bei den Nieren liegt ein ganz anderes Problem vor: Eine beginnende Nierenbeteiligung verursacht häufig keine Schmerzen.
Genau deshalb kann sie leicht übersehen werden.
Besonders wichtig sind die Nieren beispielsweise beim systemischen Lupus erythematodes. Eine Lupusentzündung der Nieren gehört zu den ernsteren möglichen Organbeteiligungen dieser Erkrankung. Die Betroffenen müssen davon zunächst überhaupt nichts merken. Eiweiß oder Blut im Urin und Veränderungen der Nierenwerte können erste Hinweise liefern.
Auch bei verschiedenen Gefäßentzündungen können die Nieren betroffen sein.
Deshalb gehören Urin und Nierenwerte bei bestimmten Rheumaerkrankungen ganz selbstverständlich zu den Kontrollen.
Dabei wird allerdings nicht nur nach Folgen des Rheumas gesucht. Auch Medikamente, Bluthochdruck oder andere Erkrankungen können die Nieren belasten. Die Deutsche Rheuma-Liga weist deshalb darauf hin, dass Nierenfunktion und Urin sowohl wegen der rheumatischen Erkrankung als auch wegen möglicher Auswirkungen der Behandlung überwacht werden können.
Warum schäumender Urin manchmal eine wichtige Information sein kann
Ein bisschen Schaum im Toilettenwasser bedeutet nicht automatisch eine Nierenerkrankung. Dafür gibt es harmlose Erklärungen.
Wenn Urin jedoch dauerhaft auffällig stark schäumt oder zusätzlich Blut im Urin, plötzlich hoher Blutdruck oder Schwellungen auftreten, sollte das angesprochen werden.
Gerade bei Rheumaformen, bei denen eine Nierenbeteiligung möglich ist, kann eine einfache Urinuntersuchung manchmal sehr wichtige Hinweise liefern.
Der entscheidende Punkt dabei ist wieder: Sie können sich nicht darauf verlassen, dass ein betroffenes Organ immer weh tut.
Die Augen – ein rotes Auge ist bei bestimmten Rheumaformen mehr als eine Kleinigkeit
Auch die Augen können mit rheumatischen Erkrankungen zusammenhängen.
Ein besonders bekanntes Beispiel ist die axiale Spondyloarthritis beziehungsweise Morbus Bechterew. Hier kann eine Augenentzündung auftreten, die als Uveitis oder Iritis bezeichnet wird.
Dabei ist das Auge häufig plötzlich gerötet, schmerzhaft und lichtempfindlich. Sehen kann unscharf werden. Die Deutsche Rheuma-Liga empfiehlt bei solchen Beschwerden ausdrücklich eine augenärztliche Abklärung.
Das ist etwas anderes als ein Auge, das nach einer langen Nacht trocken und gerötet aussieht.
Auch beim Sjögren-Syndrom spielen die Augen eine wichtige Rolle, allerdings aus einem anderen Grund. Hier werden die Tränendrüsen angegriffen und produzieren zu wenig Tränenflüssigkeit. Dadurch können die Augen ständig trocken, gereizt oder brennend sein.
Schon diese beiden Beispiele zeigen wieder, wie unterschiedlich „Augenprobleme bei Rheuma“ sein können.
Rheuma und Infektionen – warum der Impfschutz plötzlich wichtiger wird
Bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird das überaktive Immunsystem mit Medikamenten gebremst.
Genau das ist erwünscht, denn dadurch sollen Entzündungen in Gelenken und Organen gestoppt werden.
Gleichzeitig können einige dieser Medikamente aber auch die Abwehr gegen Krankheitserreger beeinflussen.
Das Infektionsrisiko hängt deshalb sowohl von der jeweiligen Erkrankung als auch von den eingesetzten Medikamenten ab. Die DGRh weist darauf hin, dass Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch Grunderkrankung und Behandlung ein verändertes Infektionsrisiko haben können.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit Rheuma ständig krank sein müssen.
Es bedeutet vielmehr, dass Infektionsschutz stärker mitgedacht werden sollte.
Dazu gehört insbesondere ein sinnvoller Impfschutz.
Welche Impfungen für Sie persönlich wichtig sind und zu welchem Zeitpunkt sie am besten zu Ihrer Behandlung passen, sollte mit dem behandelnden Team besprochen werden. Das ist besonders sinnvoll, bevor bestimmte Medikamente neu begonnen werden.
Gürtelrose gehört ebenfalls zu den Infektionen, die bei Rheuma eine Rolle spielen können
Die Gürtelrose entsteht durch eine erneute Aktivierung des Windpockenvirus, das nach einer früheren Infektion im Körper verbleibt.
Menschen mit bestimmten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und einige Formen der immunhemmenden Behandlung können ein erhöhtes Risiko dafür haben. Gerade bei rheumatoider Arthritis und Lupus wird deshalb besonders auf dieses Thema geachtet.
Auch hier ist der Gedanke nicht: Rheuma bedeutet automatisch Gürtelrose.
Es geht um Vorsorge und darum, vermeidbare zusätzliche Belastungen möglichst zu verhindern.
Diabetes – Rheuma und Zuckerstoffwechsel können sich gegenseitig ungünstig ergänzen
Auch Diabetes kommt bei Menschen mit rheumatischen Erkrankungen vor und sollte nicht als nebensächliche zweite Diagnose behandelt werden.
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt auf Dauer Blutgefäße, Nerven, Augen und Nieren und erhöht ebenfalls das Herz-Kreislauf-Risiko.
Bei Rheuma können mehrere Faktoren zusammenkommen. Weniger Bewegung durch Schmerzen, Übergewicht und bestimmte Medikamente können den Zuckerstoffwechsel beeinflussen. Besonders Kortison kann bei entsprechender Veranlagung den Blutzucker erhöhen.
Deshalb ist eine länger notwendige Kortisontherapie nicht nur wegen der Knochen ein Grund, genauer hinzuschauen.
Das bedeutet wiederum nicht, dass jeder Mensch unter Kortison Diabetes entwickelt. Dosis, Behandlungsdauer, Alter und persönliche Voraussetzungen spielen eine große Rolle.
Übergewicht ist mehr als zusätzliche Belastung für Knie und Hüfte
Übergewicht wird bei Rheuma manchmal nur im Zusammenhang mit den Gelenken erwähnt: Mehr Gewicht bedeutet mehr Belastung.
Das stimmt, ist aber nicht die ganze Geschichte.
Übergewicht kann zusätzlich Bluthochdruck, Diabetes und ungünstige Blutfettwerte fördern. Damit steigen genau die Risiken, die bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ohnehin besonders wichtig sein können.
Deshalb geht es beim Körpergewicht nicht darum, einem Menschen mit Rheuma die Schuld an seiner Erkrankung zu geben.
Es geht um einen gesundheitlichen Bereich, den man im Gegensatz zu Alter oder familiärer Veranlagung zumindest teilweise beeinflussen kann.
Magen und Darm – Beschwerden können verschiedene Ursachen haben
Auch Magen- und Darmprobleme gehören zu den Dingen, die bei Menschen mit Rheuma häufiger vorkommen können. Dabei muss allerdings genau unterschieden werden.
Manche Medikamente können Magen und Darm reizen. Besonders bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel können bei regelmäßiger Einnahme die Magenschleimhaut belasten und das Risiko für Geschwüre oder Blutungen erhöhen.
Auf der anderen Seite können entzündliche Darmerkrankungen selbst mit bestimmten rheumatischen Erkrankungen zusammenhängen. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können beispielsweise mit Gelenk- oder Wirbelsäulenentzündungen aus der Gruppe der Spondyloarthritiden verbunden sein. Die Deutsche Rheuma-Liga zählt Arthritis bei entzündlichen Darmerkrankungen ausdrücklich zu dieser Krankheitsgruppe.
Nicht jedes Bauchweh bei Rheuma ist also eine Medikamentennebenwirkung.
Und nicht jeder Durchfall ist automatisch Teil der rheumatischen Erkrankung.
Auch hier entscheidet der Zusammenhang.
Auch die Leber sollte bei bestimmten Behandlungen mitbeobachtet werden
Die Leber spielt bei Rheuma ebenfalls eine Rolle, weil verschiedene Medikamente über die Leber verarbeitet werden und manche Rheumamedikamente die Leberwerte beeinflussen können.
Gleichzeitig können erhöhte Leberwerte vollkommen andere Ursachen haben, beispielsweise Übergewicht, Diabetes, Alkohol oder andere Erkrankungen.
Deshalb werden bei bestimmten Rheumabehandlungen regelmäßig Blutwerte kontrolliert.
Ein auffälliger Leberwert bedeutet nicht automatisch, dass das Rheumamedikament „die Leber kaputt macht“. Er bedeutet zunächst, dass genauer hingeschaut werden muss, warum sich der Wert verändert hat.
Depressionen und Angst sind keine Nebensache
Eine chronische rheumatische Erkrankung verändert häufig mehr als die Beweglichkeit eines Gelenks.
Schmerzen können über Monate oder Jahre bestehen. Ein Schub kann Pläne durcheinanderbringen. Müdigkeit kann dazu führen, dass Arbeit, Familie und Freizeit plötzlich mehr Kraft kosten. Hinzu kommen Termine, Medikamente und manchmal die Unsicherheit, wie sich die Erkrankung in Zukunft entwickeln wird.
Das kann psychisch sehr belastend sein.
Depressive Beschwerden und Ängste treten deshalb bei Menschen mit chronischen Erkrankungen häufiger auf. Die Rheuma-Liga weist ebenfalls darauf hin, dass rheumatische Erkrankungen und psychische Belastungen eng miteinander verbunden sein können.
Dabei ist mir ein Punkt besonders wichtig:
Eine Depression bei Rheuma bedeutet nicht, dass die rheumatischen Beschwerden psychisch verursacht sind.
Eine entzündliche Gelenkerkrankung bleibt eine körperliche Erkrankung.
Aber ein Mensch kann gleichzeitig körperlich krank und psychisch belastet sein.
Beides verdient Behandlung.
Fatigue – diese Erschöpfung ist mehr als normale Müdigkeit
Viele Menschen mit Rheuma kennen eine Erschöpfung, die Außenstehenden nur schwer zu erklären ist.
Sie haben vielleicht acht Stunden geschlafen und fühlen sich trotzdem, als hätten Sie überhaupt keine Pause gehabt. Selbst kleine Aufgaben brauchen plötzlich viel mehr Kraft. Konzentration fällt schwer, der Kopf fühlt sich langsam an und manchmal muss der Tagesablauf danach geplant werden, wie viel Energie überhaupt zur Verfügung steht.
Diese Form der Erschöpfung wird häufig Fatigue genannt.
Fatigue ist nicht einfach Faulheit und auch kein Hinweis darauf, dass Sie sich nur „ein bisschen zusammenreißen“ müssten.
Sie kann unmittelbar mit der entzündlichen Erkrankung zusammenhängen, gleichzeitig können Schmerzen, schlechter Schlaf, Medikamente, Blutarmut, Depressionen oder andere körperliche Erkrankungen die Erschöpfung verstärken.
Gerade deshalb lohnt es sich, eine ausgeprägte Erschöpfung nicht einfach als unvermeidbaren Teil des Rheumas hinzunehmen.
Nicht jede Müdigkeit kommt automatisch vom Rheuma
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig.
Wer eine chronische Rheumaerkrankung hat, gewöhnt sich manchmal daran, nahezu jedes neue Symptom mit dem Rheuma zu erklären.
„Ich bin eben müde, weil ich Rheuma habe.“
Das kann stimmen.
Es können aber genauso Eisenmangel, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Schlafprobleme, Depressionen, Diabetes, Herzprobleme, Infektionen oder andere Ursachen dahinterstecken.
Die Rheuma-Liga weist deshalb bei ausgeprägter Fatigue ausdrücklich darauf hin, auch nach anderen körperlichen und psychischen Ursachen zu suchen.
Eine bekannte Rheumadiagnose sollte also nicht dazu führen, dass jede weitere Beschwerde automatisch darunter abgelegt wird.
Was ist mit Krebs?
Das Thema Krebs verursacht verständlicherweise schnell Angst und sollte deshalb nicht mit einer pauschalen Aussage wie „Rheuma macht Krebs“ dargestellt werden.
So einfach ist der Zusammenhang nicht.
Bei einzelnen rheumatischen Erkrankungen können bestimmte Krebsarten etwas häufiger vorkommen. Das betrifft beispielsweise bestimmte Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems bei einzelnen Autoimmunerkrankungen. Auch manche Medikamente können bei bestimmten Krebsarten eine Rolle spielen.
Gleichzeitig hängt das persönliche Krebsrisiko von sehr vielen Faktoren ab: Alter, Rauchen, Alkohol, UV-Strahlung, familiäre Veranlagung und viele weitere Einflüsse gehören dazu.
Deshalb gibt es keinen Grund, bei einer Rheumadiagnose automatisch von einem hohen allgemeinen Krebsrisiko auszugehen.
Wichtiger ist, die üblichen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und Veränderungen nicht ausschließlich dem Rheuma zuzuschreiben.
Manche Erkrankungen sind eigentlich keine Begleiterkrankungen, sondern Organbeteiligungen
Dieser Punkt verdient noch einmal einen eigenen Abschnitt, weil er häufig missverstanden wird.
Bei einem Lupus können Nieren, Blut, Haut oder Gefäße Teil derselben Erkrankung sein.
Bei einer systemischen Sklerose kann die Lunge unmittelbar betroffen sein.
Bei einer Vaskulitis können beispielsweise Nieren, Lunge, Haut oder Nerven durch die entzündeten Blutgefäße geschädigt werden.
Bei einer axialen Spondyloarthritis kann eine Uveitis des Auges zur Erkrankungsfamilie gehören.
Beim Sjögren-Syndrom gehören trockene Augen und trockener Mund direkt zum typischen Krankheitsbild.
Bei einer rheumatoiden Arthritis kann die Erkrankung neben den Gelenken unter anderem auch die Lunge betreffen.
Das sind keine zufälligen zweiten Erkrankungen, die einfach zusätzlich auftreten.
Sie zeigen vielmehr, dass einige rheumatische Erkrankungen Systemerkrankungen sind und der gesamte Körper betroffen sein kann.
Welche Rheumaform betrifft besonders welche Bereiche?
| Rheumatische Erkrankung | Bereiche außerhalb der Gelenke, die eine Rolle spielen können |
| Rheumatoide Arthritis | Herz-Kreislauf-System, Lunge, Knochen, teilweise weitere Organe |
| Axiale Spondyloarthritis / Morbus Bechterew | Augen, teilweise Darm und Haut, Knochen |
| Psoriasis-Arthritis | Haut, Nägel, Augen, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Risiken |
| Systemischer Lupus erythematodes | Nieren, Haut, Blut, Gefäße, Herz, Lunge, Nervensystem |
| Sjögren-Syndrom | Tränen- und Speicheldrüsen, Augen, Mund, Lunge, Nerven und weitere Organe |
| Systemische Sklerose | Haut, Gefäße, Lunge, Verdauungstrakt, Herz und Nieren |
| Vaskulitiden | Je nach Form unter anderem Nieren, Lunge, Haut, Augen, Nerven und Herz |
| Polymyalgia rheumatica | Enge Verbindung zur Riesenzellarteriitis; dabei können insbesondere Gefäße und Augen gefährdet sein |
Die Tabelle soll Ihnen nicht vermitteln, dass all diese Organe zwangsläufig erkranken.
Sie zeigt vielmehr, weshalb die Betreuung bei einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung immer von der genauen Diagnose abhängt.
Auch Medikamente können andere Gesundheitsbereiche beeinflussen
Rheumamedikamente haben einen schlechten Ruf, weil oft zuerst über mögliche Nebenwirkungen gesprochen wird.
Dabei sollte man nicht vergessen, warum diese Medikamente überhaupt eingesetzt werden.
Eine ungebremste entzündliche Erkrankung kann Gelenke und Organe dauerhaft schädigen. Eine wirksame Behandlung kann genau diese Schäden verhindern.
Trotzdem muss man natürlich wissen, welche Bereiche unter einer Behandlung beobachtet werden sollten.
Kortison kann bei längerer Anwendung unter anderem Knochen, Blutzucker, Augen und Infektionsrisiko beeinflussen. Bestimmte andere Medikamente können Leberwerte oder Blutbild verändern. Einige immunhemmende Medikamente erhöhen die Anfälligkeit für bestimmte Infektionen.
Deshalb gehören regelmäßige Blutuntersuchungen und andere Kontrollen nicht dazu, weil automatisch mit einem Problem gerechnet wird.
Sie dienen gerade dazu, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Behandlung sicher zu machen.
Medikamente deshalb bitte nicht aus Angst selbst absetzen
Wenn Sie über mögliche Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen lesen, kann schnell der Gedanke entstehen, dass es sicherer wäre, ein Rheumamedikament einfach nicht mehr einzunehmen.
Das kann genau in die falsche Richtung führen.
Eine wieder stärker aktive Entzündung kann den Körper erheblich belasten. Bei manchen Erkrankungen können dadurch Gelenke oder Organe dauerhaft geschädigt werden.
Deshalb sollten Rheumamedikamente nicht eigenständig abgesetzt oder die Dosis verändert werden.
Wenn Sie sich wegen einer möglichen Nebenwirkung Sorgen machen, gehört genau diese Frage in das Gespräch mit Ihrer Rheumatologin oder Ihrem Rheumatologen.
Was Sie selbst dazu beitragen können, Begleiterkrankungen möglichst klein zu halten
Sie können natürlich nicht jede mögliche Begleiterkrankung verhindern.
Trotzdem gibt es einige Dinge, die gleich mehrere Gesundheitsbereiche gleichzeitig unterstützen.
Nicht rauchen schützt Herz, Gefäße und Lunge und ist gerade bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besonders sinnvoll.
Regelmäßige Bewegung unterstützt Gelenke, Muskeln, Knochen, Herz-Kreislauf-System, Blutzucker und auch das psychische Wohlbefinden.
Eine ausgewogene Ernährung hilft dabei, Körpergewicht, Blutzucker und Blutfette günstig zu beeinflussen.
Kontrolluntersuchungen sollten nicht nur dann stattfinden, wenn gerade starke Schmerzen bestehen. Viele Begleiterkrankungen machen lange keine Beschwerden.
Und genauso wichtig ist es, Veränderungen anzusprechen. Neue Atemnot, länger bestehender Husten, plötzlich rote und schmerzhafte Augen, ungewöhnliche Schwellungen, anhaltend starke Erschöpfung oder andere neue Beschwerden sollten nicht automatisch mit „Das ist halt mein Rheuma“ erklärt werden.
Warum Kontrollen gerade dann sinnvoll sind, wenn Sie sich eigentlich gut fühlen
Das klingt zunächst widersprüchlich.
Warum sollte man untersuchen, wenn gerade nichts weh tut?
Weil einige der wichtigsten Begleiterkrankungen lange Zeit kaum Beschwerden verursachen.
Bluthochdruck spürt man häufig nicht.
Erhöhte Cholesterinwerte spürt man nicht.
Eine beginnende Osteoporose spürt man normalerweise nicht.
Eine frühe Nierenbeteiligung kann vollkommen schmerzlos sein.
Auch manche Veränderungen der Lunge beginnen zunächst sehr unauffällig.
Genau deshalb ist Vorsorge sinnvoll, bevor aus einem unbemerkten Problem ein großes Problem geworden ist.
Welche Kontrollen sinnvoll sind, hängt von Ihrer Rheumaform ab
Nicht jeder Mensch mit Rheuma benötigt dieselben Untersuchungen.
Bei einem Lupus kann beispielsweise der Urin besonders wichtig sein, weil Nierenveränderungen früh und ohne Schmerzen auftreten können.
Bei einer systemischen Sklerose kann die Lunge stärker im Mittelpunkt stehen.
Bei Morbus Bechterew gehört ein plötzlich rotes, schmerzendes und lichtempfindliches Auge sofort augenärztlich abgeklärt.
Wer über längere Zeit Kortison benötigt, sollte wiederum den Knochen besonders im Blick behalten.
Bei anderen Medikamenten sind regelmäßige Blutkontrollen wichtig.
Die richtige Vorsorge ist deshalb keine pauschale Liste, die jeder Mensch mit Rheuma komplett abarbeiten muss.
Sie sollte zu Ihrer Erkrankung, Ihrem Alter, Ihren Medikamenten und Ihren persönlichen Risikofaktoren passen.
Hausarzt und Rheumatologie sollten dabei nicht getrennte Welten sein
Bei einer chronischen rheumatischen Erkrankung werden häufig mehrere Ärztinnen und Ärzte beteiligt sein.
Die Rheumatologie kümmert sich um die entzündliche Erkrankung.
Der Hausarzt kennt häufig Blutdruck, Diabetes, Impfstatus und viele andere gesundheitliche Bereiche besonders gut.
Je nach Erkrankung können zusätzlich Augenarzt, Lungenfacharzt, Kardiologie, Nephrologie oder andere Fachrichtungen hinzukommen.
Das klingt zunächst nach vielen Terminen.
Trotzdem liegt darin ein Vorteil: Eine systemische Erkrankung wird aus mehreren Richtungen betrachtet.
Wichtig ist nur, dass nicht jeder ausschließlich seinen kleinen Teil sieht.
Welche Beschwerden sollten Sie nicht einfach dem Rheuma zuschreiben?
Es gibt einige Veränderungen, bei denen es sinnvoll ist, noch einmal genauer hinzuschauen.
Neu auftretende oder zunehmende Atemnot sollte abgeklärt werden, besonders wenn zusätzlich ein länger bestehender trockener Husten vorhanden ist.
Ein plötzlich rotes, schmerzendes und lichtempfindliches Auge gehört insbesondere bei einer Spondyloarthritis rasch zum Augenarzt.
Dauerhaft auffällig schäumender oder blutiger Urin, neue Schwellungen oder plötzlich deutlich veränderter Blutdruck sollten angesprochen werden, besonders bei Erkrankungen mit möglicher Nierenbeteiligung.
Starke anhaltende Erschöpfung verdient ebenfalls eine genauere Betrachtung, weil nicht jede Müdigkeit allein von der Rheumaerkrankung kommt.
Brustschmerzen, starke Atemnot, Lähmungserscheinungen oder plötzlich auftretende Sprachstörungen sind selbstverständlich keine Beschwerden, die auf den nächsten Rheumatologietermin warten sollten, sondern müssen als mögliche Notfallsymptome sofort abgeklärt werden.
Begleiterkrankungen verändern auch die Auswahl der Rheumabehandlung
Ob jemand zusätzlich Herzprobleme, Osteoporose, Diabetes, eine Lungenerkrankung, wiederkehrende Infektionen oder eine eingeschränkte Nierenfunktion hat, kann für die Auswahl eines Rheumamedikaments wichtig sein.
Das ist einer der Gründe, weshalb ein Medikament, das bei einer Person sehr gut passt, für eine andere Person möglicherweise weniger geeignet ist.
Die Behandlung richtet sich deshalb nicht nur nach dem Namen der Rheumaerkrankung.
Der gesamte Mensch zählt.
Alter, andere Erkrankungen, Medikamente, Schwangerschaftswunsch, frühere Infektionen und viele weitere Punkte fließen in die Entscheidung ein.
Rheuma gut behandeln schützt deshalb mehr als nur die Gelenke
Eine wirksame Rheumatherapie verfolgt nicht einfach das Ziel, dass Ihre Finger morgens etwas weniger wehtun.
Bei einer entzündlichen Erkrankung geht es darum, die Entzündungsaktivität so gut wie möglich zu kontrollieren.
Das schützt Gelenke.
Je nach Erkrankung kann es aber genauso bedeuten, andere Organe vor Schäden zu schützen.
Und wenn Schmerzen und Entzündung besser kontrolliert sind, wird häufig wieder mehr Bewegung möglich. Davon profitieren Muskulatur, Knochen, Herz-Kreislauf-System und der gesamte Alltag.
Gute Rheumatherapie und Vorbeugung von Begleiterkrankungen sind deshalb keine zwei völlig getrennten Themen.
Fazit: Bei Rheuma lohnt sich der Blick über das schmerzende Gelenk hinaus
Eine rheumatische Erkrankung kann den Alltag schon durch Schmerzen, Steifigkeit und Erschöpfung erheblich verändern. Deshalb ist es verständlich, wenn sich zunächst fast alles um Gelenke und die eigentliche Rheumatherapie dreht.
Trotzdem sollte genau dort der Blick nicht enden.
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können den ganzen Körper betreffen. Herz und Gefäße verdienen Aufmerksamkeit, weil verschiedene Rheumaformen mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden sein können.
Die Knochen sollten mitgedacht werden, weil Entzündung, Bewegungsmangel, Alter und eine länger notwendige Kortisonbehandlung eine Osteoporose begünstigen können.
Die Lunge kann bei bestimmten Rheumaformen unmittelbar Teil der Erkrankung sein.
Die Nieren verdienen besonders bei Lupus und verschiedenen Gefäßentzündungen Aufmerksamkeit, weil Veränderungen lange unbemerkt bleiben können.
Auch die Augen können beteiligt sein. Ein plötzlich schmerzhaft gerötetes Auge bei Morbus Bechterew ist beispielsweise etwas vollkommen anderes als gewöhnliche trockene Augen.
Infektionsschutz und Impfungen spielen eine größere Rolle, wenn Erkrankung oder Behandlung das Immunsystem beeinflussen.
Und schließlich gehören Depressionen, Ängste und Fatigue genauso ernst genommen wie körperliche Beschwerden. Eine chronische Erkrankung hört schließlich nicht an der Gelenkkapsel auf.
Das alles bedeutet nicht, dass Sie bei Rheuma ständig mit der nächsten Erkrankung rechnen müssen.
Es bedeutet vielmehr:
Rheuma sollte ganzheitlich betreut werden.
Nicht nur das Gelenk gehört auf den Untersuchungsstuhl.
Der Mensch gehört dorthin.
Und genau deshalb sind regelmäßige Kontrollen, eine gut abgestimmte Behandlung, Bewegung, Rauchverzicht, ein sinnvoller Impfschutz und das offene Ansprechen neuer Beschwerden so wichtig.
Je früher eine Begleiterkrankung oder Organbeteiligung erkannt wird, desto besser kann darauf reagiert werden.
Quellen und medizinische Informationsseiten
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh): Medizinische Informationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei entzündlichem Rheuma, Lungenbeteiligungen sowie Infektionen und Impfungen.
gesund.bund.de – Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zur rheumatoiden Arthritis und zu möglichen Auswirkungen der Erkrankung außerhalb der Gelenke.
Deutsche Rheuma-Liga: Informationen zu Rheuma und Organbeteiligungen, Lunge, Nieren, Osteoporose, Morbus Bechterew, Lupus, Sjögren-Syndrom, Fatigue und psychischer Belastung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Welche Begleiterkrankungen und Organbeteiligungen bei Ihnen tatsächlich eine Rolle spielen können, hängt vor allem von Ihrer genauen rheumatischen Erkrankung, Ihrem Alter, Ihren Medikamenten und weiteren persönlichen Risikofaktoren ab.
Neue oder deutlich zunehmende Atemnot, starke Brustschmerzen, plötzlich auftretende Lähmungs- oder Sprachstörungen, ein plötzlicher Verlust des Sehvermögens oder andere schwere akute Beschwerden müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.
Stand
September 2026

