Die Diagnose Rheuma bringt nicht nur Fragen zur eigenen Gesundheit mit sich. Sobald Kinder da sind oder ein Kinderwunsch besteht, taucht bei vielen Betroffenen irgendwann eine ganz andere Sorge auf: Habe ich meinem Kind die Erkrankung möglicherweise weitergegeben? Vielleicht gibt es sogar mehrere Menschen in Ihrer Familie mit Rheuma, Schuppenflechte, Morbus Bechterew oder einer anderen Autoimmunerkrankung und plötzlich wirkt es so, als müsse dahinter zwangsläufig etwas Vererbtes stecken.
Ganz so einfach ist es zum Glück nicht.
Die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind keine klassischen Erbkrankheiten, die nach einem festen Schema von Mutter oder Vater auf das Kind übertragen werden. Wenn Sie beispielsweise rheumatoide Arthritis haben, bedeutet das keineswegs, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter später ebenfalls rheumatoide Arthritis bekommen wird. Ähnlich ist es bei Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus, Sjögren-Syndrom und vielen anderen rheumatischen Erkrankungen.
Was allerdings durchaus innerhalb einer Familie weitergegeben werden kann, ist eine gewisse Veranlagung. Ihr Kind kann also bestimmte erbliche Voraussetzungen mitbekommen, durch die eine entzündlich-rheumatische oder andere Autoimmunerkrankung etwas wahrscheinlicher wird. Ob daraus tatsächlich irgendwann eine Erkrankung entsteht, lässt sich daraus aber nicht vorhersagen. Bei der rheumatoiden Arthritis gehört die familiäre Veranlagung beispielsweise zu den bekannten Einflussfaktoren, sie allein erklärt die Erkrankung jedoch nicht.
Genau dieser Unterschied zwischen „eine Krankheit vererben“ und „eine Veranlagung weitergeben“ ist beim Thema Rheuma entscheidend.
Merkkasten: Wenn ein Elternteil eine entzündlich-rheumatische Erkrankung hat, bedeutet das nicht, dass das Kind automatisch ebenfalls Rheuma bekommt. Vererbt werden können bestimmte Voraussetzungen, die das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Ob eine Erkrankung tatsächlich entsteht, hängt aber von sehr viel mehr ab als nur von den Genen.
Was bedeutet eigentlich „erblich“, und was bedeutet „familiäre Veranlagung“?
Bei einer klassischen Erbkrankheit gibt es eine Veränderung im Erbgut, die unmittelbar für die jeweilige Erkrankung verantwortlich sein kann und nach bestimmten Regeln innerhalb einer Familie weitergegeben wird.
Bei den meisten rheumatischen Erkrankungen sieht das anders aus. Hier gibt es normalerweise nicht das eine Rheuma-Gen, das eine Mutter oder ein Vater besitzt und anschließend an das Kind weiterreicht.
Vielmehr gibt es verschiedene erbliche Merkmale, die beeinflussen können, wie das Immunsystem reagiert. Manche dieser Merkmale können die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Erkrankung erhöhen. Trotzdem können Menschen mit genau diesen Erbanlagen ihr ganzes Leben gesund bleiben.
Sie können sich eine solche Veranlagung deshalb eher als eine erhöhte Bereitschaft vorstellen und nicht als fertige Diagnose, die bereits im Erbgut festgeschrieben ist.
Ob eine Erkrankung tatsächlich entsteht, hängt offenbar davon ab, wie verschiedene Dinge zusammenspielen. Neben der familiären Veranlagung können unter anderem das Immunsystem, bestimmte äußere Einflüsse, Rauchen und andere Faktoren eine Rolle spielen. Bei der rheumatoiden Arthritis ist beispielsweise bekannt, dass sowohl familiäre Veranlagung als auch Rauchen das Erkrankungsrisiko beeinflussen können.
Deshalb können innerhalb derselben Familie zwei Geschwister dieselben Eltern haben und trotzdem nur eines erkranken.
Warum gibt es trotzdem Familien, in denen Rheuma häufiger vorkommt?
Vielleicht kennen Sie genau so eine Familie: Die Mutter hat rheumatoide Arthritis, eine Schwester Schuppenflechte, eine Tante Sjögren-Syndrom und bei einem Großelternteil wurde irgendwann eine andere rheumatische Erkrankung festgestellt.
Das ist durchaus möglich.
Bestimmte Autoimmunerkrankungen kommen innerhalb von Familien häufiger gemeinsam vor. Dabei muss nicht einmal immer dieselbe Diagnose auftreten. Eine familiäre Veranlagung kann offenbar grundsätzlich dazu beitragen, dass das Immunsystem bei einzelnen Familienmitgliedern eher zu bestimmten Fehlreaktionen neigt.
Deshalb kann beispielsweise ein Elternteil rheumatoide Arthritis haben, während bei einem anderen Familienmitglied eine andere Autoimmunerkrankung entsteht.
Gerade beim Sjögren-Syndrom beschreibt die Deutsche Rheuma-Liga, dass in Familien Betroffener häufiger weitere entzündlich-rheumatische Erkrankungen vorkommen. Dabei wird aber ausdrücklich nicht die Erkrankung selbst wie Augen- oder Haarfarbe weitergegeben, sondern lediglich eine entsprechende Veranlagung.
Das erklärt gleichzeitig, warum ein Stammbaum manchmal mehrere unterschiedliche rheumatische oder autoimmune Erkrankungen enthält, ohne dass alle Familienmitglieder dieselbe Diagnose bekommen.
Rheumatoide Arthritis – kann sie an die Kinder weitergegeben werden?
Bei der rheumatoiden Arthritis spielt eine familiäre Veranlagung tatsächlich eine Rolle.
Das bedeutet: Wenn ein enger Angehöriger rheumatoide Arthritis hat, ist die Wahrscheinlichkeit gegenüber jemandem ohne entsprechende Familiengeschichte erhöht. Trotzdem bleibt die rheumatoide Arthritis keine klassische Erbkrankheit.
Die Erkrankung entsteht dadurch, dass sich das Immunsystem gegen Strukturen des eigenen Körpers richtet und vor allem die Gelenkinnenhaut dauerhaft entzündet. Warum diese Reaktion bei einem bestimmten Menschen beginnt, lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen.
Familiäre Veranlagung gehört dazu, sie ist aber eben nur ein Teil des Puzzles.
Wenn Sie rheumatoide Arthritis haben, bedeutet das deshalb nicht, dass bei Ihren Kindern bereits im Voraus feststeht, dass sie irgendwann dieselbe Krankheit entwickeln.
Und auch ein Gentest kann Ihnen nicht zuverlässig sagen: „Dieses Kind wird später rheumatoide Arthritis bekommen.“
Genau eine solche Vorhersage ist bei den meisten rheumatischen Erkrankungen nicht möglich.
Morbus Bechterew – hier fällt die familiäre Verbindung besonders auf
Bei der axialen Spondyloarthritis, zu deren bekannter Form Morbus Bechterew gehört, ist der Zusammenhang mit bestimmten erblichen Merkmalen besonders auffällig.
Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang schon einmal den Begriff HLA-B27 gehört.
HLA-B27 ist keine Krankheit und auch kein „Bechterew-Gen“. Es handelt sich um ein erbliches Merkmal des Immunsystems, das von Geburt an vorhanden ist und sich im Laufe des Lebens nicht verändert.
Bei Menschen mit Morbus Bechterew findet man dieses Merkmal besonders häufig. Deshalb kann HLA-B27 bei passenden Beschwerden ein wichtiger Hinweis für die Ärztin oder den Arzt sein. Gleichzeitig kommt HLA-B27 aber auch bei vollkommen gesunden Menschen vor. Ein positiver Test bedeutet deshalb ausdrücklich nicht, dass jemand Morbus Bechterew hat oder zwangsläufig irgendwann bekommen wird.
Genau dieser Punkt ist für Familien wichtig.
Ein Elternteil kann HLA-B27 an ein Kind weitergeben. Was dabei vererbt wird, ist jedoch zunächst nur dieses Merkmal und nicht automatisch die Erkrankung.
Das Kind kann HLA-B27 tragen und lebenslang gesund bleiben.
Umgekehrt kann eine entzündliche Erkrankung aus dieser Krankheitsgruppe auch vorkommen, obwohl HLA-B27 nicht nachweisbar ist. Deshalb ist selbst dieser vergleichsweise bekannte erbliche Zusammenhang wesentlich komplizierter, als die Aussage „Bechterew wird vererbt“ vermuten lässt.
Sollte man deshalb bei gesunden Kindern vorsorglich HLA-B27 bestimmen?
Diese Frage liegt natürlich nahe. Wenn ein Elternteil Morbus Bechterew hat und bekannt ist, dass HLA-B27 vererbbar ist, könnte man denken: Dann untersuchen wir das Kind möglichst früh und wissen anschließend Bescheid.
Nur bekommt man genau diese Gewissheit durch den Test nicht.
Ein positives HLA-B27 kann nicht vorhersagen, ob ein beschwerdefreies Kind später tatsächlich erkranken wird. Deshalb wird die Untersuchung vor allem dann eingesetzt, wenn bereits eine konkrete medizinische Fragestellung besteht und das Ergebnis zusammen mit Beschwerden, Untersuchung und anderen Befunden beurteilt werden kann.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie führt HLA-B27 als genetische Untersuchung auf, die in der Rheumatologie für bestimmte diagnostische Fragestellungen verwendet wird.
Ein Gentest ersetzt also weder eine Diagnose noch kann er bei einem gesunden Kind zuverlässig die Zukunft vorhersagen.
Psoriasis-Arthritis – weshalb Schuppenflechte in der Familie ebenfalls wichtig ist
Auch bei der Psoriasis-Arthritis gibt es eine familiäre Veranlagung.
Dabei ist interessant, dass nicht ausschließlich danach gefragt wird, ob in der Familie jemand bereits Psoriasis-Arthritis hat. Auch eine Schuppenflechte ohne bekannte Gelenkbeteiligung kann für die Familiengeschichte wichtig sein.
gesund.bund.de weist ausdrücklich darauf hin, dass Menschen ein erhöhtes Risiko für Psoriasis-Arthritis haben, wenn ein Elternteil oder Geschwister an Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis erkrankt ist.
Das passt zum Charakter dieser Erkrankung: Psoriasis-Arthritis gehört eng zur Schuppenflechte. Manche Menschen entwickeln zunächst viele Jahre lang nur Veränderungen der Haut oder Nägel und bekommen später Gelenkbeschwerden. Bei anderen fällt die Gelenkerkrankung früher auf.
Auch hier wird aber nicht automatisch eine fertige Erkrankung von einer Generation an die nächste weitergegeben.
Eine familiäre Häufung bedeutet lediglich, dass bestimmte Voraussetzungen häufiger gemeinsam vorkommen.
HLA-B27 kann bei Psoriasis-Arthritis ebenfalls eine Rolle spielen, besonders wenn die Wirbelsäule betroffen ist. Aber auch hier ist ein positiver HLA-B27-Wert kein Beweis für eine Erkrankung.
Und wie sieht es bei Lupus aus?
Beim systemischen Lupus erythematodes spielen erbliche Faktoren ebenfalls eine Rolle, trotzdem lässt sich Lupus nicht wie eine klassische Erbkrankheit weitergeben.
Auch hier scheint erst das Zusammenspiel verschiedener Voraussetzungen darüber zu entscheiden, ob die Erkrankung tatsächlich entsteht.
Die Deutsche Rheuma-Liga beschreibt erbliche Faktoren deshalb eher als „Wegbereiter“. Gleichzeitig wird dort deutlich gemacht, dass ihr Einfluss begrenzt ist und weitere Einflüsse hinzukommen müssen.
Für eine Mutter oder einen Vater mit Lupus bedeutet das: Ihre Kinder haben möglicherweise eine gewisse familiäre Veranlagung, aber daraus lässt sich nicht ableiten, dass sie später ebenfalls Lupus bekommen.
Auch hier gibt es keinen einfachen Test bei einem gesunden Kind, der zuverlässig vorhersagen könnte, ob sich irgendwann ein Lupus entwickelt.
Sjögren-Syndrom – familiäre Häufung, aber keine direkte Weitergabe
Auch beim Sjögren-Syndrom beobachtet man familiäre Zusammenhänge.
Das Sjögren-Syndrom gehört zu den Autoimmunerkrankungen und kann unter anderem zu sehr trockenen Augen und einem trockenen Mund führen, zusätzlich aber beispielsweise Erschöpfung, Gelenk- und Muskelbeschwerden verursachen.
In Familien von Betroffenen kommen teilweise weitere entzündlich-rheumatische Erkrankungen vor. Das spricht dafür, dass eine gewisse erbliche Veranlagung vorhanden sein kann.
Entscheidend bleibt aber auch hier: Die Veranlagung ist nicht die Erkrankung.
Die Deutsche Rheuma-Liga bringt diesen Unterschied sehr verständlich auf den Punkt: Vererbt werden können Voraussetzungen für die Erkrankung, aber längst nicht jeder Mensch mit diesen Voraussetzungen wird tatsächlich krank.
Systemische Sklerose – auch hier gibt es keine einfache Vererbungsregel
Die systemische Sklerose, häufig auch Sklerodermie genannt, ist eine seltene rheumatische Erkrankung, bei der unter anderem Haut, Gefäße und verschiedene innere Organe betroffen sein können.
Auch bei dieser Erkrankung wird seit Langem beobachtet, dass familiäre und erbliche Faktoren einen gewissen Einfluss haben können. Trotzdem findet man keine einfache Regel nach dem Muster: Ein Elternteil ist erkrankt, deshalb bekommt ein bestimmter Anteil der Kinder zwangsläufig dieselbe Erkrankung.
Die Ursache der systemischen Sklerose ist nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Das Immunsystem und Veränderungen an Gefäßen und Bindegewebe spielen zusammen.
Für Familien bedeutet auch das: Eine entsprechende Diagnose bei Mutter oder Vater ist keine Vorhersage für die Kinder.
Welche rheumatischen Erkrankungen zeigen besonders häufig eine familiäre Verbindung?
Die Stärke der familiären Veranlagung ist bei den verschiedenen Erkrankungen sehr unterschiedlich. Deshalb sollte man nicht von einem einheitlichen „Rheuma-Erbrisiko“ sprechen.
Gerade diese Tabelle zeigt, weshalb die Frage „Wie viel Prozent Rheuma vererbe ich?“ eigentlich zu einfach gestellt ist. Die einzelnen Erkrankungen unterscheiden sich dafür viel zu stark voneinander.
Kann ein Kind eine andere Rheumaerkrankung bekommen als die Mutter oder der Vater?
Ja, genau das ist grundsätzlich möglich.
Familiäre Veranlagung bedeutet nicht unbedingt, dass sich innerhalb einer Familie immer dieselbe Diagnose wiederholt.
Wenn beispielsweise bei einem Elternteil eine Autoimmunerkrankung vorliegt, können bei anderen Familienmitgliedern andere autoimmune oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen auftreten.
Das bedeutet natürlich nicht, dass dies zwangsläufig passieren wird.
Es erklärt lediglich, weshalb die Ärztin oder der Arzt bei einer rheumatologischen Abklärung nicht nur danach fragt: „Hat jemand genau diese Erkrankung?“
Oft lautet die wesentlich hilfreichere Frage:
„Gibt es in Ihrer Familie Rheuma, Schuppenflechte, entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen oder andere Autoimmunerkrankungen?“
Eine solche Familiengeschichte kann bei der Einordnung von Beschwerden ein zusätzliches Puzzleteil liefern.
Bedeutet Rheuma bei beiden Eltern automatisch ein besonders hohes Risiko?
Auch hier lässt sich keine einfache allgemeine Zahl nennen.
Natürlich kann eine stärkere familiäre Belastung bei bestimmten Erkrankungen bedeuten, dass mehr erbliche Voraussetzungen zusammenkommen. Trotzdem reicht auch das nicht aus, um vorherzusagen, welches Kind tatsächlich erkranken wird.
Rheumatische Erkrankungen sind dafür schlicht zu unterschiedlich.
Bei Schuppenflechte beispielsweise steigt das familiäre Risiko deutlich, wenn ein oder beide Elternteile betroffen sind. Aber selbst dort gibt es keinen Test, der sicher vorhersagen kann, welches Kind tatsächlich eine Psoriasis entwickelt.
Für die gesamte Gruppe entzündlich-rheumatischer Erkrankungen gibt es deshalb keinen seriösen Rechner, in den Sie einfach „Mutter Rheuma + Vater gesund“ eingeben und anschließend eine zuverlässige Prozentzahl für Ihr Kind bekommen.
Ist es entscheidend, ob Mutter oder Vater Rheuma haben?
Für die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen lässt sich nicht einfach sagen, die Erkrankung werde grundsätzlich stärker über die Mutter oder stärker über den Vater weitergegeben.
Entscheidend ist vielmehr, um welche Erkrankung es sich handelt und welche erblichen Voraussetzungen innerhalb der Familie vorhanden sind.
Dass einige rheumatische Erkrankungen häufiger Frauen betreffen als Männer, bedeutet außerdem nicht automatisch, dass Mütter sie deshalb stärker an ihre Kinder weitergeben.
Die Wahrscheinlichkeit, selbst zu erkranken, und die Frage, welche genetischen Merkmale an ein Kind weitergegeben werden, sind zwei unterschiedliche Dinge.
Bedeutet eine Rheumaerkrankung der Mutter ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für das Kind?
Auch diese Sorge begegnet vielen Frauen mit entzündlichem Rheuma.
Eine rheumatische Erkrankung der Mutter bedeutet nicht automatisch, dass das Kind deshalb häufiger mit Fehlbildungen geboren wird. Die Deutsche Rheuma-Liga weist darauf hin, dass die entzündlich-rheumatische Erkrankung selbst nicht als allgemeiner Risikofaktor für eine erhöhte Fehlbildungsrate gilt.
Bei Schwangerschaft und Rheuma gibt es allerdings andere wichtige Punkte, über die Sie frühzeitig mit Ihrer Rheumatologie und Gynäkologie sprechen sollten. Dazu gehören vor allem die Krankheitsaktivität und die Medikamente, denn manche Rheumamedikamente können während einer Schwangerschaft weitergegeben werden, andere müssen rechtzeitig verändert oder abgesetzt werden.
Das ist dann aber eine Frage der Behandlung in der Schwangerschaft und nicht der Vererbung der Rheumaerkrankung.
Kann man verhindern, dass ein Kind später Rheuma bekommt?
Leider gibt es keine Maßnahme, mit der eine vorhandene familiäre Veranlagung einfach ausgeschaltet werden kann.
Sie müssen deshalb während einer Schwangerschaft auch nicht versuchen, durch eine besondere Ernährung, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel oder andere Maßnahmen eine mögliche Rheumaerkrankung Ihres Kindes „zu verhindern“.
Eine Veranlagung ist keine Erkrankung.
Natürlich bleibt ein gesunder Lebensstil für Kinder und Erwachsene wichtig. Besonders Rauchen ist beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis ein bekannter ungünstiger Einflussfaktor. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass ein bestimmtes Verhalten zuverlässig verhindert, dass eine familiär veranlagte Person jemals eine rheumatische Erkrankung entwickelt.
Und genau deshalb sollten Eltern sich auch keine Schuld geben, wenn ein Kind später tatsächlich erkrankt.
Muss man Kinder rheumakranker Eltern regelmäßig vorsorglich untersuchen lassen?
Ein gesundes Kind benötigt allein deshalb, weil ein Elternteil Rheuma hat, normalerweise keine ständigen rheumatologischen Untersuchungen und auch keine regelmäßige Kontrolle sämtlicher „Rheumawerte“.
Die Familiengeschichte ist vielmehr dann besonders hilfreich, wenn irgendwann Beschwerden auftreten, die ärztlich abgeklärt werden müssen.
Dann sollten Sie ruhig erwähnen, welche Erkrankung bei Ihnen oder anderen engen Familienmitgliedern bekannt ist.
Das gilt nicht nur für rheumatoide Arthritis. Eine Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis in der Familie kann bei Gelenkbeschwerden wichtig sein, ebenso Morbus Bechterew oder eine andere Spondyloarthritis.
Die Familiengeschichte ersetzt dabei keine Untersuchung, kann der Ärztin oder dem Arzt aber helfen, einzelne Beschwerden schneller richtig einzuordnen. Bei Psoriasis-Arthritis gehört die Frage nach entsprechenden Erkrankungen in der Familie deshalb beispielsweise ausdrücklich zur Diagnostik.
Ist ein Gentest sinnvoll, wenn in meiner Familie viel Rheuma vorkommt?
Bei den üblichen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist ein breit angelegter Gentest bei gesunden Familienmitgliedern normalerweise keine einfache Möglichkeit, zukünftige Erkrankungen vorherzusagen.
Es gibt einzelne genetische Merkmale wie HLA-B27, die in bestimmten Situationen untersucht werden können. Ihre Aussage ergibt aber erst zusammen mit der Krankengeschichte, Beschwerden und weiteren Untersuchungen einen Sinn.
Ein positiver Wert allein ist keine Diagnose.
Ein negativer Wert schließt eine Erkrankung nicht immer aus.
Und vor allem kann ein solcher Test nicht zuverlässig sagen, ob ein gesunder Mensch in zehn, zwanzig oder vierzig Jahren eine bestimmte rheumatische Erkrankung bekommen wird.
Genetische Untersuchungen werden in der Rheumatologie deshalb gezielt eingesetzt und nicht einfach als allgemeiner „Rheuma-Zukunftstest“. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie weist darauf hin, dass genetische Untersuchungen medizinisch begründet und entsprechend ärztlich begleitet werden sollen.
Warum Sie Rheuma in der Familie beim Arzt trotzdem unbedingt erwähnen sollten
Vielleicht klingt es nach all diesen Erklärungen zunächst widersprüchlich: Einerseits kann man aus der Familiengeschichte keine sichere Erkrankung vorhersagen, andererseits interessiert sich die Rheumatologie sehr genau dafür.
Der Grund ist einfach.
Eine familiäre Veranlagung ist kein Beweis, aber sie kann ein Hinweis sein.
Wenn jemand beispielsweise typische entzündliche Rückenbeschwerden hat und gleichzeitig ein Elternteil an Morbus Bechterew erkrankt ist, ist diese Information für die weitere Abklärung durchaus wichtig.
Wenn Gelenkbeschwerden bestehen und mehrere Familienmitglieder Psoriasis haben, kann dies ebenfalls helfen, an eine Psoriasis-Arthritis zu denken.
Und wenn verschiedene Autoimmunerkrankungen in einer Familie vorkommen, kann auch diese Information bei der Einordnung bestimmter Beschwerden hilfreich sein.
Deshalb gehört die Familiengeschichte in ein gutes Arztgespräch – nicht weil sie die Diagnose bereits festlegt, sondern weil sie ein weiteres Teil des Gesamtbildes liefert.
Was ist mit sehr seltenen erblichen Rheumaerkrankungen?
Eine wichtige Ausnahme sollte man beim Thema „Rheuma und Vererbung“ nicht verschweigen.
Es gibt einige seltene Erkrankungen mit rheumatischen Beschwerden oder wiederkehrenden Entzündungsschüben, bei denen Veränderungen einzelner Gene tatsächlich eine wesentlich direktere Rolle spielen.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte angeborene Fiebersyndrome beziehungsweise autoinflammatorische Erkrankungen.
Diese seltenen Erkrankungen unterscheiden sich jedoch deutlich von den häufigen rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder Morbus Bechterew.
Die Deutsche Rheuma-Liga führt solche genetisch bedingten Erkrankungen deshalb als eigene Gruppe innerhalb der seltenen rheumatischen Erkrankungen auf.
Wenn in einer Familie ungewöhnlich viele sehr frühe Erkrankungen, wiederkehrende unerklärliche Fieberschübe oder eine bekannte seltene genetische Erkrankung auftreten, kann eine spezielle ärztliche oder humangenetische Beratung sinnvoll sein.
Für die überwiegende Mehrheit der Menschen mit den häufigeren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gelten diese besonderen Vererbungsregeln jedoch nicht.
Muss ich wegen meiner Rheumaerkrankung Angst vor einem Kinderwunsch haben?
Eine rheumatische Erkrankung allein ist kein Grund, grundsätzlich auf Kinder zu verzichten.
Die Frage nach der Vererbung ist verständlich, aber sie sollte nicht mit der Vorstellung verbunden werden, dass Sie Ihrem Kind zwangsläufig eine chronische Krankheit mitgeben.
Bei den meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wird eben nicht die fertige Erkrankung vererbt.
Was möglicherweise weitergegeben wird, ist eine bestimmte familiäre Anfälligkeit.
Und eine Anfälligkeit bedeutet noch lange nicht, dass ein Kind tatsächlich krank wird.
Wenn Sie eine Schwangerschaft planen, ist häufig etwas anderes viel wichtiger: Die Rheumaerkrankung sollte möglichst gut eingestellt sein und die Medikamente sollten frühzeitig gemeinsam mit Rheumatologie und Gynäkologie überprüft werden.
Das ist konkret planbar.
Ob ein Kind Jahrzehnte später aufgrund einer familiären Veranlagung eine rheumatische Erkrankung entwickelt, lässt sich dagegen nicht sicher vorhersagen.
Was Sie Ihren Kindern überhaupt sagen müssen
Eltern fragen sich manchmal, ob sie ihren Kindern schon früh erklären sollten, dass in der Familie Rheuma vorkommt.
Das hängt natürlich vom Alter und von Ihrer persönlichen Situation ab. Eine familiäre Rheumaerkrankung sollte aber nicht wie eine drohende Krankheit über einem gesunden Kind schweben.
Ein Kind, das keinerlei Beschwerden hat, muss nicht mit dem Gefühl aufwachsen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis es ebenfalls erkrankt.
Denn genau das stimmt nicht.
Später kann es allerdings sinnvoll sein, die Familiengeschichte zu kennen. So wie man auch weiß, dass in einer Familie beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck oder bestimmte andere Erkrankungen häufiger vorkommen.
Die Information kann bei späteren Arztgesprächen hilfreich sein.
Sie ist aber keine Diagnose.
Rheuma in der Familie bedeutet nicht automatisch Rheuma in der nächsten Generation
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses ganzen Themas.
Wenn Sie eine rheumatoide Arthritis haben, haben Sie Ihrem Kind nicht automatisch rheumatoide Arthritis „vererbt“.
Wenn Sie HLA-B27 positiv sind, kann Ihr Kind dieses Merkmal zwar erben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es Morbus Bechterew entwickeln wird.
Wenn Sie Psoriasis-Arthritis haben, kann innerhalb Ihrer Familie eine erhöhte Veranlagung für Psoriasis und entzündliche Gelenkerkrankungen bestehen. Trotzdem kann Ihr Kind vollkommen gesund bleiben.
Und auch bei Lupus, Sjögren-Syndrom oder anderen systemischen Autoimmunerkrankungen gibt es keinen einfachen Erbgang, der das spätere Leben eines Kindes bereits bei der Geburt festlegt.
Gene beeinflussen die Wahrscheinlichkeit.
Sie bestimmen aber bei diesen Erkrankungen normalerweise nicht allein das Ergebnis.
Fazit: Vererbt werden kann die Bereitschaft – nicht automatisch die Erkrankung
Die Frage „Ist Rheuma vererbbar?“ lässt sich deshalb weder mit einem einfachen Ja noch mit einem einfachen Nein beantworten.
Bei den meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen gibt es eine familiäre Veranlagung. Bestimmte erbliche Eigenschaften können dazu führen, dass eine Erkrankung innerhalb einer Familie häufiger vorkommt.
Das ist aber etwas völlig anderes als eine klassische Erbkrankheit.
Die rheumatoide Arthritis wird nicht einfach von Mutter oder Vater an das Kind weitergereicht.
Bei Morbus Bechterew kann das erbliche Merkmal HLA-B27 eine wichtige Rolle spielen, aber auch ein HLA-B27-positiver Mensch kann sein ganzes Leben gesund bleiben.
Bei Psoriasis-Arthritis sieht man häufiger familiäre Verbindungen zu Schuppenflechte und Gelenkentzündungen.
Auch bei Lupus, Sjögren-Syndrom und anderen Autoimmunerkrankungen können erbliche Voraussetzungen beteiligt sein, ohne dass dadurch bereits feststeht, wer später tatsächlich erkranken wird.
Deshalb sind vorsorgliche Gentests bei gesunden Kindern normalerweise keine Kristallkugel, mit der sich die Zukunft ablesen lässt.
Viel sinnvoller ist es, die eigene Familiengeschichte zu kennen und sie bei einem Arztgespräch zu erwähnen, wenn irgendwann Beschwerden abgeklärt werden müssen.
Und besonders wichtig für Eltern:
Eine rheumatische Erkrankung bedeutet nicht, dass Sie Ihrem Kind zwangsläufig Rheuma mitgeben.
Sie können möglicherweise eine gewisse Veranlagung weitergeben.
Ob daraus jemals eine Erkrankung wird, steht aber nicht bereits bei der Geburt fest.
Quellen und medizinische Informationsseiten
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh): Medizinische Informationen zur Gendiagnostik bei rheumatischen Erkrankungen und zur Bestimmung von HLA-B27.
gesund.bund.de – Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zu rheumatoider Arthritis, familiärer Veranlagung, Psoriasis und Psoriasis-Arthritis.
Deutsche Rheuma-Liga: Medizinische Informationen zu familiärer Veranlagung, Schwangerschaft und Rheuma, HLA-B27, Morbus Bechterew, Lupus, Sjögren-Syndrom und weiteren rheumatischen Erkrankungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche oder humangenetische Beratung. Welche Rolle eine familiäre Veranlagung im persönlichen Fall spielt, hängt unter anderem von der genauen rheumatischen Erkrankung und der Familiengeschichte ab.
Wenn in Ihrer Familie eine sehr seltene genetische Erkrankung bekannt ist oder mehrere Familienmitglieder bereits in sehr jungem Alter ungewöhnliche wiederkehrende Entzündungs- oder Fieberschübe entwickelt haben, kann eine gezielte ärztliche beziehungsweise humangenetische Beratung sinnvoll sein.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.
Stand
September 2026

