Asthma im Kindesalter – häufig, aber heute gut behandelbar
Wenn die Diagnose Asthma das eigene Kind betrifft, ist das für viele Eltern zunächst ein Schreck. Vielleicht haben Sie schon länger bemerkt, dass Ihr Kind nachts häufiger hustet, nach Erkältungen ungewöhnlich lange mit den Bronchien zu kämpfen hat oder beim Rennen schneller aus der Puste kommt als andere Kinder. Vielleicht gab es auch bereits Situationen, in denen die Atmung plötzlich pfeifend klang oder Ihr Kind beim Spielen stehen bleiben musste, weil es nicht mehr richtig Luft bekam. Trotzdem fühlt sich die Diagnose oft noch einmal ganz anders an, weil aus einzelnen Beobachtungen plötzlich eine chronische Erkrankung wird, über die man sich vorher vielleicht kaum Gedanken gemacht hat.
Dann entstehen schnell viele Fragen. Muss mein Kind nun dauerhaft Medikamente nehmen? Ist ein Kortisonspray auf längere Zeit wirklich in Ordnung? Darf es weiterhin Fußball spielen, schwimmen, mit Freunden toben und auf Klassenfahrt fahren? Muss das Notfallspray überall mit hin? Ist der PariBoy besser als ein normales Asthmaspray? Und warum soll ein Kind ein Medikament bekommen, obwohl es sich gerade vollkommen gesund fühlt und seit Tagen oder Wochen gar keine Beschwerden hat?
Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Je nach Untersuchung sind ungefähr fünf bis zehn Prozent der Kinder betroffen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass all diese Kinder täglich mit Husten und Atemnot leben. Asthma kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Kinder haben nur gelegentlich Beschwerden, bei anderen ist eine regelmäßige Behandlung notwendig, und nur ein kleiner Teil entwickelt ein schweres Asthma, das eine besonders intensive Betreuung benötigt.
Die wichtigste Botschaft für Eltern lautet deshalb: Asthma lässt sich heute in sehr vielen Fällen gut kontrollieren. Ein Kind mit Asthma soll nicht ständig geschont werden, sondern möglichst normal aufwachsen können. Schule, Kindergarten, Sport, Freunde, Urlaube und Klassenfahrten sollen genauso dazugehören wie bei anderen Kindern. Eine gute Behandlung soll deshalb nicht das Leben Ihres Kindes kleiner machen, sondern dafür sorgen, dass die Erkrankung im normalen Alltag möglichst wenig Raum einnimmt.
Je besser Sie verstehen, was bei Asthma in den Bronchien passiert, welche Medikamente welche Aufgabe haben, wie richtig inhaliert wird und woran sich eine Verschlechterung erkennen lässt, desto sicherer können Sie Ihr Kind begleiten. Sie müssen dafür keine medizinischen Fachbegriffe auswendig lernen. Viel wichtiger ist ein verständliches Grundwissen, mit dem Sie im Alltag gute Entscheidungen treffen und in einem Notfall wissen, was zu tun ist.
Was bedeutet Asthma eigentlich?
Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege. Vereinfacht gesagt reagieren die Bronchien eines Kindes mit Asthma empfindlicher als gewöhnlich. Die Bronchien können Sie sich wie ein weit verzweigtes System kleiner Röhren vorstellen, durch das die eingeatmete Luft bis tief in die Lunge gelangt und anschließend wieder hinausströmt.
Bei Asthma sind diese Atemwege besonders reizbar und entzündungsbereit. Treffen bestimmte Auslöser auf die Bronchien, können mehrere Dinge gleichzeitig passieren: Die Schleimhaut im Inneren der Atemwege schwillt an, die Muskulatur rund um die Bronchien zieht sich zusammen und zusätzlich kann mehr zäher Schleim entstehen. Dadurch bleibt weniger Platz für die Luft.
Besonders das Ausatmen wird schwieriger. Genau dadurch kann das typische pfeifende oder brummende Atemgeräusch entstehen, das viele Eltern irgendwann bei ihrem Kind hören. Ältere Kinder beschreiben manchmal zusätzlich ein Gefühl von Druck oder Enge im Brustkorb. Kleinere Kinder können solche Empfindungen häufig noch nicht genau erklären. Sie hören vielleicht plötzlich auf zu spielen, werden unruhig, möchten getragen werden, beginnen stärker zu husten oder suchen verstärkt Ihre Nähe.
Wichtig ist dabei zu verstehen, dass Asthma nicht nur während eines sichtbaren Asthmaanfalls vorhanden ist. Die Entzündungsbereitschaft und Empfindlichkeit der Bronchien kann auch dann bestehen, wenn Ihr Kind gerade vollkommen beschwerdefrei wirkt. Genau dieser Zusammenhang erklärt später auch, warum ein regelmäßig verordnetes entzündungshemmendes Medikament manchmal weitergegeben werden soll, obwohl das Kind im Moment überhaupt nichts von seinem Asthma merkt.
Wie macht sich Asthma bei Kindern bemerkbar?
Nicht jedes Kind mit Asthma hat sofort deutlich sichtbare Atemnot. Gerade am Anfang kann ein immer wiederkehrender Husten das auffälligste Symptom sein. Dieser Husten ist häufig trocken und tritt besonders nachts, am frühen Morgen oder bei körperlicher Belastung auf. Manche Kinder beginnen nach längerem Rennen zu husten, andere reagieren beim starken Lachen oder Weinen, und wieder andere haben vor allem im Zusammenhang mit Erkältungen immer wieder Probleme mit den Bronchien.
Typische Beschwerden sind außerdem pfeifende Atemgeräusche, Kurzatmigkeit und ein Engegefühl im Brustkorb. Gerade kleinere Kinder zeigen ihre Beschwerden allerdings häufig eher durch ihr Verhalten. Ein Kind, das früher begeistert Fußball gespielt hat, möchte plötzlich immer häufiger eine Pause machen. Ein anderes behauptet beim Schulsport, keine Lust zu haben, obwohl es vielleicht längst bemerkt hat, dass Rennen unangenehm wird. Manche Kinder wachen nachts immer wieder durch Husten auf und sind dadurch am nächsten Tag müde und weniger belastbar.
Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelner Husten, sondern das wiederkehrende Muster. Wenn Ihr Kind regelmäßig nachts hustet, nach jedem Infekt wochenlang Beschwerden hat oder beim Sport immer wieder ausgebremst wird, gehört das zur Beurteilung des Asthmas dazu.
Welche Formen von Asthma gibt es bei Kindern?
Asthma sieht nicht bei jedem Kind gleich aus, und oft lassen sich verschiedene Formen nicht eindeutig voneinander trennen. Ein Kind kann beispielsweise allergisch auf Pollen reagieren und gleichzeitig bei Infekten oder kalter Luft Probleme bekommen. Trotzdem hilft eine grobe Einteilung dabei, die persönlichen Auslöser besser zu verstehen.
Für Sie als Eltern ist es allerdings weniger wichtig, Ihr Kind unbedingt einer bestimmten Gruppe zuzuordnen. Im Alltag bringt es wesentlich mehr, die persönlichen Auslöser und Warnzeichen kennenzulernen und zu wissen, wann die Bronchien besonders empfindlich reagieren.
Warum bekommen manche Kinder Asthma?
Eine einzige Ursache für Asthma gibt es nicht. Meist kommen mehrere Dinge zusammen, und diese Mischung sieht bei jedem Kind etwas anders aus. Eine wichtige Rolle spielt die familiäre Veranlagung. Wenn Eltern selbst Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis oder andere allergische Erkrankungen haben, steigt auch beim Kind die Wahrscheinlichkeit für entsprechende Erkrankungen.
Asthma ist trotzdem keine klassische Erbkrankheit, bei der ein bestimmtes Gen automatisch dazu führt, dass ein Kind erkrankt. Vielmehr kann eine Neigung zu empfindlichen Atemwegen oder Allergien weitergegeben werden, während weitere Einflüsse darüber mitentscheiden, ob sich tatsächlich Asthma entwickelt.
Zu den wichtigsten vermeidbaren Belastungen gehört Tabakrauch. Wenn während der Schwangerschaft geraucht wird, ist das Kind bereits vor der Geburt verschiedenen Schadstoffen ausgesetzt. Auch nach der Geburt sollten Kinder möglichst vollständig rauchfrei aufwachsen. Das gilt nicht nur für das direkte Rauchen neben dem Kind, sondern auch für das Rauchen im Auto oder in Räumen, in denen sich das Kind aufhält.
Auch Vapes und E-Zigaretten sollten nicht als harmlose Alternative betrachtet werden. Gerade empfindliche Kinderbronchien brauchen keine zusätzlichen eingeatmeten Reizstoffe.
Luftverschmutzung kann ebenfalls eine Rolle spielen. Eltern können natürlich nicht einfach den Wohnort wechseln, nur weil ihr Kind Asthma hat. Umso sinnvoller ist es, die Dinge zu beeinflussen, die tatsächlich veränderbar sind: eine rauchfreie Wohnung, ein rauchfreies Auto, möglichst wenig unnötige Duftsprays sowie die Beseitigung von Schimmel und dauerhafter Feuchtigkeit.
Auch eine Frühgeburt kann mit empfindlicheren Atemwegen verbunden sein. Das bedeutet keineswegs, dass jedes früh geborene Kind später Asthma entwickelt, gehört aber zu den Faktoren, die bei wiederkehrenden Atemwegsproblemen berücksichtigt werden können.
Bauernhof, Keime und die Frage, ob Kinder heute „zu sauber“ leben
Immer wieder wird beobachtet, dass Allergien und Asthma in verschiedenen Lebensumgebungen unterschiedlich häufig vorkommen. Besonders bekannt ist die Beobachtung, dass manche Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und früh mit einer großen Vielfalt von Mikroorganismen in Kontakt kommen, seltener bestimmte allergische Erkrankungen entwickeln.
Daraus entstand die sogenannte Hygienehypothese. Vereinfacht gesagt geht es um die Vermutung, dass das kindliche Immunsystem durch vielfältige Umweltkontakte lernt, harmlose Stoffe besser von echten Gefahren zu unterscheiden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Eltern weniger sauber sein sollten oder Kinder absichtlich mit Krankheiten in Kontakt bringen müssen. Asthma entsteht nicht deshalb, weil zu Hause zu gründlich geputzt wurde. Die Entwicklung ist wesentlich komplizierter und hängt von Veranlagung, Umwelt, Infekten und zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Für Familien bedeutet das vor allem: normale Hygiene reicht vollkommen aus. Kinder dürfen draußen spielen, im Sand buddeln, Tiere sehen und ein normales Kinderleben führen, ohne dass jeder Kontakt mit Schmutz oder Natur vermieden werden muss.
Warum spielen Infekte bei Asthma eine so große Rolle?
Atemwegsinfekte gehören bei Kindern zu den häufigsten Auslösern einer Asthmaverschlechterung. Viele Eltern erkennen irgendwann einen typischen Ablauf: Zuerst läuft die Nase, das Kind wirkt erkältet, einige Tage später beginnt der Husten und anschließend reagieren auch die Bronchien.
Gerade Kindergarten- und Grundschulkinder bekommen zwangsläufig viele Infekte. Das Ziel kann deshalb nicht sein, Ihr Kind vor jeder Erkältung zu schützen. Viel hilfreicher ist es, mit der Zeit zu erkennen, wie eine gewöhnliche Erkältung bei Ihrem Kind normalerweise verläuft und wann sich zusätzlich das Asthma bemerkbar macht.
Ein Asthma-Aktionsplan kann Ihnen dabei helfen. Darin wird festgehalten, welche Beschwerden auf eine Verschlechterung hinweisen, welches Medikament dann eingesetzt werden soll und wann ärztliche Hilfe notwendig ist. Dadurch müssen Sie nicht bei jedem Infekt von vorne überlegen, sondern haben einen klaren Plan, der zu Ihrem Kind passt.
Allergisches Asthma – wenn Pollen, Hausstaubmilben oder andere Allergene eine Rolle spielen
Bei allergischem Asthma reagiert das Immunsystem auf Stoffe, die für die meisten Menschen harmlos sind. Dazu gehören beispielsweise Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Tierallergene. Viele Kinder mit allergischem Asthma haben zusätzlich Heuschnupfen oder Neurodermitis, weshalb es sinnvoll ist, nicht nur die Bronchien, sondern die gesamte allergische Situation des Kindes zu betrachten.
Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind jedes Frühjahr während des Pollenflugs deutlich mehr Atemwegsbeschwerden entwickelt oder dass Probleme regelmäßig in einer bestimmten Umgebung auftreten, kann eine Allergiediagnostik sinnvoll sein.
Ein positiver Allergietest bedeutet allerdings nicht automatisch, dass genau dieser Stoff im Alltag tatsächlich Beschwerden verursacht. Entscheidend ist immer, ob das Testergebnis zu den Beobachtungen Ihres Kindes passt.
Auch deshalb sollte nicht vorsorglich alles entfernt werden, was theoretisch eine Allergie verursachen könnte. Ein Haustier muss beispielsweise nicht allein aufgrund der Asthmadiagnose abgegeben werden, wenn keine entsprechende Allergie besteht und der Kontakt keine Beschwerden verursacht.
Bei ausgewählten Allergien kann außerdem eine Hyposensibilisierung infrage kommen. Dabei wird das Immunsystem über längere Zeit kontrolliert an ein bestimmtes Allergen gewöhnt. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Allergie und der Kontrolle des Asthmas ab.
Wie wird Asthma bei Kindern festgestellt?
Die Diagnose beginnt meistens mit einem ausführlichen Gespräch. Für die behandelnde Ärztin oder den Arzt ist wichtig zu wissen, wann die Beschwerden auftreten, wie lange sie anhalten und in welchen Situationen sie besonders auffallen. Hustet Ihr Kind nachts? Was passiert beim Sport? Werden die Beschwerden bei Erkältungen stärker? Gibt es Zeiten, in denen Ihr Kind vollkommen beschwerdefrei ist? Bestehen Heuschnupfen oder Neurodermitis? Gibt es Asthma oder Allergien in der Familie?
Bei größeren Kindern kann anschließend eine Lungenfunktion durchgeführt werden. Dabei pustet das Kind nach genauer Anleitung in ein Messgerät, das zeigt, wie gut die Luft durch die Atemwege strömt. Teilweise wird danach ein bronchienerweiterndes Medikament inhaliert und die Messung wiederholt. Wenn sich eine bestehende Verengung deutlich bessert, kann dies die Diagnose unterstützen.
Bei Verdacht auf allergisches Asthma können zusätzlich Allergietests sinnvoll sein. Bei kleineren Kindern ist die Diagnose manchmal schwieriger, weil sie bei einer klassischen Lungenfunktion noch nicht zuverlässig mitarbeiten können. Dann spielen die Beobachtungen der Eltern, der Verlauf der Beschwerden und das Ansprechen auf eine Behandlung eine besonders große Rolle.
Asthma behandeln – damit die Erkrankung möglichst wenig vom Alltag bestimmt
Asthma ist behandelbar, und das Ziel einer guten Therapie besteht nicht nur darin, einen akuten Anfall zu beenden. Viel wichtiger ist, dass Ihr Kind langfristig möglichst wenig Beschwerden hat, nachts ruhig schlafen kann, körperlich belastbar bleibt und möglichst selten Notfallmedikamente benötigt.
Für Eltern ist die Behandlung leichter zu verstehen, wenn man zwei Aufgaben auseinanderhält: Einerseits gibt es Medikamente, die die Entzündung in den Bronchien langfristig kontrollieren sollen, andererseits Medikamente, die bei einer akuten Verengung schnell helfen. Früher wurden dafür häufig die Begriffe Controller und Reliever verwendet.
Diese Unterscheidung ist auch heute sehr hilfreich, denn sie erklärt, warum ein schnell wirkendes Notfallspray nicht dieselbe Aufgabe erfüllt wie ein regelmäßig verwendetes entzündungshemmendes Medikament.
Welche Medikamente können bei Kindern eingesetzt werden?
Sie müssen diese Namen nicht alle auswendig lernen. Wichtig ist vielmehr, dass Sie die Medikamente Ihres eigenen Kindes kennen und wissen, welche Aufgabe sie erfüllen.
Es ist sinnvoll, sich nicht ausschließlich die Farbe oder Form eines Inhalators zu merken, denn nach einem Herstellerwechsel kann dasselbe Medikament plötzlich ganz anders aussehen. Der Wirkstoffname hilft Ihnen wesentlich zuverlässiger dabei, die Medikamente richtig zuzuordnen.
Warum braucht mein Kind ein Dauermedikament, obwohl es ihm gut geht?
Diese Frage stellen sich sehr viele Eltern. Wenn Ihr Kind seit Wochen nicht hustet, beim Sport problemlos mithalten kann und nachts ruhig schläft, erscheint es zunächst unlogisch, weiterhin täglich ein Medikament zu geben.
Gerade bei Asthma kann aber genau diese gute Phase das Ergebnis der Behandlung sein.
Ein entzündungshemmendes Medikament wie Budesonid, Beclometason oder Fluticason soll nicht innerhalb weniger Minuten einen deutlich spürbaren Effekt erzeugen. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, die Entzündung in den Bronchien langfristig ruhig zu halten und damit dafür zu sorgen, dass die Atemwege weniger empfindlich reagieren.
Wird ein regelmäßig verordnetes Dauermedikament immer häufiger ausgelassen, kann die Entzündungsbereitschaft wieder zunehmen. Das zeigt sich nicht unbedingt sofort durch einen dramatischen Asthmaanfall. Viel häufiger beginnt die Verschlechterung schleichend. Der nächtliche Husten kommt zurück, beim Sport werden mehr Pausen benötigt oder das Bedarfsmedikament wird wieder häufiger gebraucht.
Eine einmal vergessene Anwendung ist kein Grund zur Panik. Wenn aus einem gelegentlichen Vergessen aber eine regelmäßige Gewohnheit wird, kann die Kontrolle über das Asthma verloren gehen.
Wenn Ihr Kind über einen längeren Zeitraum stabil ist, kann die Behandlung durchaus reduziert werden. Das sollte jedoch gemeinsam mit der behandelnden Praxis entschieden werden und nicht allein nach dem Prinzip: „Heute geht es gut, also lassen wir es einfach weg.“
Kortisonspray – warum Eltern davor keine unnötige Angst haben müssen
Das Wort Kortison macht vielen Eltern zunächst Sorgen, weil sie dabei an mögliche Nebenwirkungen einer längerfristigen Behandlung mit Tabletten oder Spritzen denken. Ein inhalatives Kortisonspray funktioniert jedoch anders, weil der Wirkstoff gezielt in die Atemwege gelangt und dort die Entzündung behandeln soll.
Natürlich können auch inhalative Medikamente Nebenwirkungen haben. Deshalb wird bei Kindern darauf geachtet, die niedrigste Dosis einzusetzen, mit der das Asthma zuverlässig kontrolliert werden kann. Das Wachstum gehört ohnehin zu den normalen kinderärztlichen Kontrollen.
Gleichzeitig sollte nicht vergessen werden, dass auch ein dauerhaft schlecht kontrolliertes Asthma belastend ist. Wiederholte Asthmaanfälle, schlechter Schlaf, eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und häufig notwendige Kortisonbehandlungen als Saft oder Tablette sind ebenfalls nicht harmlos.
Die Entscheidung lautet deshalb nicht einfach „Kortison oder keine Nebenwirkungen“. Vielmehr geht es darum, mit möglichst wenig Medikament so viel Behandlung wie nötig zu erreichen.
Asthmaspray richtig anwenden – damit das Medikament dort ankommt, wo es wirken soll
Ein Asthmaspray kann nur zuverlässig wirken, wenn genügend Wirkstoff tatsächlich die Bronchien erreicht. Die richtige Inhalation ist deshalb ein wesentlicher Teil der Behandlung.
Bei einem klassischen Dosieraerosol wird das Gerät entsprechend der Gebrauchsanweisung vorbereitet und, wenn dies beim jeweiligen Präparat vorgesehen ist, geschüttelt. Ihr Kind sollte zunächst ruhig ausatmen, anschließend das Mundstück mit den Lippen fest umschließen und langsam sowie möglichst tief einatmen. Während dieser Einatmung wird der Sprühstoß ausgelöst.
Danach sollte Ihr Kind, wenn es bereits alt genug dafür ist, die Luft einige Sekunden anhalten und anschließend langsam wieder ausatmen.
Was sich einfach anhört, ist gerade für kleinere Kinder nicht immer leicht, weil Einatmung und Sprühstoß miteinander abgestimmt werden müssen. Genau hier hilft ein Spacer.
Was ist ein Spacer und warum ist er so hilfreich?
Ein Spacer ist eine Vorschaltkammer, die zwischen das Asthmaspray und den Mund gesetzt wird. Bei kleinen Kindern kann zusätzlich eine Maske verwendet werden, die Mund und Nase möglichst dicht umschließt.
Das Medikament wird zunächst in die Kammer des Spacers abgegeben. Dadurch muss Ihr Kind den Sprühstoß nicht exakt im selben Moment mit der Einatmung koordinieren, sondern kann das Medikament wesentlich ruhiger einatmen.
Wenn mehrere Hübe verordnet wurden, sollten diese nach der individuellen ärztlichen Anweisung und der Gebrauchsanleitung des Gerätes einzeln gegeben werden.
Der Spacer erleichtert nicht nur die Anwendung. Er kann außerdem dazu beitragen, dass weniger Medikament im Mund- und Rachenraum hängen bleibt und mehr Wirkstoff die Atemwege erreicht.
Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen
Eine einzige Erklärung beim ersten Rezept reicht nicht automatisch für die nächsten Jahre. Kinder wachsen, Geräte werden gewechselt und kleine Fehler können sich im Alltag unbemerkt einschleichen.
Vielleicht atmet Ihr Kind irgendwann zu schnell ein, vielleicht sitzt die Maske nicht mehr richtig oder das Dosieraerosol wird anders vorbereitet als ursprünglich erklärt.
Deshalb ist ein sehr einfacher Tipp besonders hilfreich: Nehmen Sie den Inhalator und den Spacer, die Ihr Kind wirklich zu Hause benutzt, gelegentlich zum Kontrolltermin mit. Lassen Sie Ihr Kind dort genauso inhalieren wie zu Hause.
So lassen sich Fehler häufig schnell entdecken und korrigieren. Das ist besonders wichtig, bevor automatisch davon ausgegangen wird, dass ein Medikament nicht mehr ausreichend wirkt und deshalb eine höhere Dosis notwendig ist.
Nach einem Kortisonspray: Mundpflege gehört zur Behandlung
Nach einem kortisonhaltigen Inhalationsmedikament können Wirkstoffreste im Mund und Rachen zurückbleiben. Dadurch können örtliche Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder ein sogenannter Mundsoor begünstigt werden. Mundsoor ist eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut, die sich beispielsweise durch weißliche Beläge, Brennen oder unangenehme Beschwerden im Mund bemerkbar machen kann.
Wenn Ihr Kind alt genug ist, sollte es deshalb nach der Inhalation den Mund gründlich mit Wasser ausspülen, möglichst gurgeln und das Wasser anschließend ausspucken. Danach kann Ihr Kind zusätzlich etwas trinken. Auch Zähneputzen kann nach der Inhalation sinnvoll sein.
Bei kleineren Kindern, die noch nicht zuverlässig gurgeln oder ausspucken können, kann je nach Alter und ärztlicher Empfehlung etwas zu trinken oder zu essen dabei helfen, Medikamentenreste aus dem Mundbereich zu entfernen.
Diese Mundpflege soll keine Angst vor einem notwendigen Kortisonspray machen. Sie gehört einfach zu einer guten Anwendung dazu und hilft dabei, örtliche Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.
PariBoy bei Asthma – wann ist er sinnvoll?
Viele Familien kennen den PariBoy von Erkältungen oder anderen Atemwegserkrankungen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass ein PariBoy kein eigenes Asthmamedikament ist, sondern ein elektrischer Vernebler. Das Gerät verwandelt eine geeignete Flüssigkeit in einen feinen Nebel, der anschließend über Mundstück oder Maske eingeatmet wird.
Je nach ärztlicher Verordnung können damit bestimmte Medikamente vernebelt werden. Gerade bei kleinen Kindern kann diese Art der Inhalation in manchen Situationen hilfreich sein.
Ein größerer Apparat und eine längere Inhalationszeit bedeuten jedoch nicht automatisch, dass die Behandlung stärker oder besser ist. Ein korrekt angewendetes Dosieraerosol mit Spacer kann Asthmamedikamente ebenfalls sehr zuverlässig in die Atemwege transportieren und hat außerdem den Vorteil, dass es schnell eingesetzt und problemlos mitgenommen werden kann.
Welches System für Ihr Kind am besten geeignet ist, hängt deshalb nicht davon ab, welches Gerät beeindruckender aussieht, sondern vom Medikament, vom Alter des Kindes und davon, womit es zuverlässig zurechtkommt.
Kochsalz im PariBoy – angenehm, aber kein Asthmamedikament
Kochsalzlösung kann die Atemwege befeuchten und bei einem zusätzlichen Infekt oder zähem Schleim angenehm sein. Manche Kinder empfinden diese Inhalation als wohltuend, besonders wenn die Schleimhäute trocken und gereizt sind.
Kochsalz behandelt jedoch nicht die zugrunde liegende Asthmaentzündung und öffnet bei einem Asthmaanfall auch nicht zuverlässig die verengten Bronchien. Es ersetzt deshalb weder ein entzündungshemmendes Dauermedikament noch das individuell verordnete Notfallmedikament.
Auch ätherische Öle und intensiv duftende Zusätze sollten nicht einfach in einen Vernebler gegeben werden, weil empfindliche Bronchien auf solche Stoffe zusätzlich reagieren können.
Montelukast – was sollten Eltern darüber wissen?
Montelukast kann bei bestimmten Kindern zusätzlich zur Asthmatherapie eingesetzt werden und ist unter anderem als Kautablette erhältlich. Viele Kinder vertragen das Medikament problemlos.
Eltern sollten trotzdem wissen, dass bei manchen Kindern Veränderungen von Schlaf, Stimmung oder Verhalten auftreten können. Wenn Ihnen nach Beginn der Behandlung auffällt, dass Ihr Kind ungewöhnlich schlecht schläft, deutlich gereizter oder ängstlicher ist oder sich sein Verhalten auffällig verändert, sollte dies mit der behandelnden Praxis besprochen werden.
Das bedeutet nicht, dass jede Stimmungsschwankung automatisch durch Montelukast verursacht wird. Auffällige Veränderungen sollten aber ernst genommen werden.
Wenn die normale Behandlung nicht ausreicht
Die meisten Kinder können mit den üblichen Asthmamedikamenten gut behandelt werden. Bei einem kleinen Teil bleibt die Erkrankung jedoch trotz regelmäßiger und richtig angewendeter Therapie schwierig zu kontrollieren.
Für ausgewählte schwere Asthmaformen stehen inzwischen zusätzliche Medikamente zur Verfügung, sogenannte Biologika. Dazu gehören beispielsweise Omalizumab, Dupilumab oder Mepolizumab.
Diese Medikamente sind keine normalen „stärkeren Sprays“, sondern spezielle Therapien, die gezielt bestimmte Entzündungswege beeinflussen. Bevor ein solches Medikament eingesetzt wird, wird genau überprüft, welche Asthmaform vorliegt und ob die bisherige Behandlung tatsächlich optimal durchgeführt wurde.
Für die meisten Kinder werden solche Medikamente niemals notwendig. Trotzdem ist es beruhigend zu wissen, dass auch für schwerere Verläufe zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind.
Woran erkennen Sie, ob das Asthma gut eingestellt ist?
Ein gut kontrolliertes Asthma erkennt man nicht nur daran, dass längere Zeit kein schwerer Anfall aufgetreten ist. Viel aussagekräftiger ist der Alltag Ihres Kindes.
Schläft es ruhig oder wird es regelmäßig durch Husten geweckt? Kann es beim Sport mit den anderen Kindern mithalten? Muss es Aktivitäten wegen der Atmung abbrechen? Wird das Bedarfsmedikament häufiger benötigt als früher? Gibt es zunehmend Fehltage in Schule oder Kindergarten?
Wenn solche Probleme immer wieder auftreten, sollte das nicht einfach als unvermeidbarer Teil des Asthmas hingenommen werden.
Eine gute Asthmatherapie soll dazu beitragen, dass solche Einschränkungen möglichst selten vorkommen.
Asthma-Tagebuch – Muster sichtbar machen
Ein Asthma-Tagebuch kann besonders dann hilfreich sein, wenn die Beschwerden sehr unterschiedlich auftreten oder Sie noch nicht genau erkennen können, welche Auslöser eine Rolle spielen.
Sie müssen dabei nicht jeden einzelnen Husten dokumentieren. Viel hilfreicher ist es, einige wichtige Punkte über mehrere Wochen festzuhalten: Gab es nächtlichen Husten? Trat beim Sport Atemnot auf? Wurde das Bedarfsmedikament benötigt? Bestand gerade ein Infekt? War starker Pollenflug?
Nach einigen Wochen können daraus Muster entstehen. Vielleicht sehen Sie, dass Beschwerden fast ausschließlich während der Pollensaison auftreten oder dass nach bestimmten Infekten immer wieder dieselben Probleme entstehen.
Auch beim Arzttermin können solche Aufzeichnungen sehr hilfreich sein, weil sie einen längeren Zeitraum abbilden und nicht nur die Erinnerung an die letzten beiden Tage.
Peak-Flow-Meter – nicht für jedes Kind täglich notwendig
Ein Peak-Flow-Meter ist ein kleines Gerät, mit dem gemessen werden kann, wie kräftig Luft ausgeatmet wird. Dadurch lassen sich Veränderungen der Atemwege beobachten.
In manchen Asthmaprogrammen wird regelmäßig mit einem Peak-Flow-Meter gemessen und die Werte werden in einem Asthma-Tagebuch festgehalten. Für bestimmte Kinder kann das sehr hilfreich sein.
Wichtig ist jedoch, dass nicht jedes Kind mit Asthma automatisch morgens und abends messen muss. Ob eine regelmäßige Peak-Flow-Messung sinnvoll ist, hängt vom Alter, vom Verlauf und vom individuellen Behandlungsplan ab.
Wenn ein Peak-Flow-Meter verwendet wird, sollten Kind und Eltern die richtige Technik lernen, denn nur vergleichbar durchgeführte Messungen liefern wirklich hilfreiche Werte.
Bewegung und Sport gehören ausdrücklich dazu
Wenn ein Kind beim Sport einmal Atemnot erlebt hat, werden Eltern verständlicherweise vorsichtig. Schnell entsteht die Idee, körperliche Belastung besser zu reduzieren.
Ein gut eingestelltes Asthma soll aber gerade dafür sorgen, dass Bewegung möglich bleibt.
Fußball, Schwimmen, Fahrradfahren, Tanzen, Wandern und viele andere Sportarten können für Kinder mit Asthma grundsätzlich möglich sein. Sport stärkt den Körper, fördert Selbstvertrauen und gehört zum normalen sozialen Leben eines Kindes.
Wenn Ihr Kind regelmäßig beim Sport hustet, ein Engegefühl bekommt oder abbrechen muss, sollte deshalb nicht automatisch der Sport gestrichen werden. Viel sinnvoller ist es, die Asthmakontrolle und die Behandlung noch einmal zu überprüfen.
Asthma-Aktionsplan – Sicherheit statt hektischem Überlegen
Ein schriftlicher Asthma-Aktionsplan gehört zu den wertvollsten Hilfen für Familien. Darin wird festgehalten, wie sich eine Verschlechterung bei Ihrem Kind typischerweise zeigt, welches Notfallmedikament eingesetzt werden soll, welche individuell verordnete Dosierung gilt und ab welchem Punkt medizinische Hilfe notwendig wird.
Der große Vorteil besteht darin, dass Sie während eines Anfalls nicht erst überlegen müssen, was irgendwann einmal in der Praxis besprochen wurde.
Auch Großeltern, Schule, Kita oder andere Betreuungspersonen können sich an diesem Plan orientieren.
Gerade bei einem chronischen Krankheitsbild ist es wesentlich beruhigender, vorher zu wissen, was zu tun ist, als während einer akuten Situation spontan entscheiden zu müssen.
Wie erkennt man einen Asthmaanfall?
Ein Asthmaanfall muss nicht plötzlich und dramatisch beginnen. Häufig verstärken sich die Beschwerden allmählich. Der Husten wird stärker, die Atmung beginnt zu pfeifen und das Kind benötigt zunehmend mehr Kraft, um die Luft wieder auszuatmen.
Bei stärkeren Beschwerden können sich beim Atmen Bereiche zwischen den Rippen oder am Hals sichtbar einziehen. Manche Kinder können aufgrund der Atemnot nur noch kurze Sätze sprechen.
Besonders ernst ist die Situation, wenn Ihr Kind kaum noch sprechen kann, deutlich erschöpft oder benommen wirkt oder sich Lippen beziehungsweise Haut bläulich oder grau verfärben.
Solche Warnzeichen müssen ernst genommen werden.
Was tun Sie bei einem Asthmaanfall?
Ein Asthmaanfall ist für das Kind und für die Eltern eine belastende Situation. Versuchen Sie trotzdem, möglichst ruhig zu bleiben und Ihrem Kind zu vermitteln, dass Sie bei ihm sind und wissen, was jetzt getan werden muss.
Setzen Sie Ihr Kind möglichst aufrecht hin. Manche Kinder empfinden es als angenehm, die Arme auf den Oberschenkeln, einem Tisch oder einem Kissen abzustützen.
Geben Sie anschließend die individuell verordnete Notfallmedikation entsprechend dem persönlichen Asthma-Aktionsplan. Bei vielen Kindern wird dafür ein Dosieraerosol mit Spacer eingesetzt.
Wie viele Hübe gegeben werden sollen, gehört in den persönlichen Plan Ihres Kindes und sollte nicht pauschal aus einem allgemeinen Internetartikel übernommen werden.
Wenn Ihr Kind schwere Atemnot entwickelt, kaum noch sprechen kann, zunehmend erschöpft oder benommen wirkt, sich Lippen oder Haut bläulich beziehungsweise grau verfärben oder die vorgesehene Notfallmedikation nicht ausreichend hilft, sollte 112 gerufen werden.
Das Notfallmedikament gehört auch in Schule und Kita
Ein Notfallmedikament kann nur helfen, wenn es im entscheidenden Moment erreichbar ist. Deshalb sollten Schule und Kita über die Erkrankung Ihres Kindes informiert sein.
Besonders beim Schulsport sollte das Medikament nicht erst lange gesucht werden müssen. Wie die Medikamentengabe durch Betreuungspersonen organisiert wird, sollte frühzeitig mit der jeweiligen Einrichtung geklärt werden.
Kontrollieren Sie die Notfallmedikation regelmäßig
Warten Sie nicht, bis Ihr Kind Atemnot hat, um festzustellen, dass das Spray leer oder abgelaufen ist.
Schauen Sie von Zeit zu Zeit nach, ob das Notfallmedikament noch haltbar und tatsächlich vorhanden ist. Hat der Inhalator einen Dosiszähler, sollte auch dieser kontrolliert werden.
Wenn Ihr Kind einen Spacer benötigt, gehört dieser ebenfalls zur Notfallausrüstung.
Denken Sie dabei nicht nur an zu Hause, sondern auch an Schule, Kita, Großeltern, Sportverein und Reisen.
Urlaub und Klassenfahrt – mit Vorbereitung meist gut möglich
Ein gut eingestelltes Asthma ist kein Grund, grundsätzlich auf Klassenfahrten, Ferienlager oder Urlaubsreisen zu verzichten.
Dauermedikamente, Notfallmedikation und der benötigte Spacer sollten in ausreichender Menge vorhanden sein. Bei Flugreisen gehören wichtige Asthmamedikamente möglichst ins Handgepäck, damit sie jederzeit erreichbar bleiben.
Bei Klassenfahrten sollten die verantwortlichen Erwachsenen wissen, welche Medikamente Ihr Kind benötigt und wie bei einer Verschlechterung gehandelt werden soll.
Das Ziel ist nicht, Ihrem Kind aus Sorge möglichst viele Erfahrungen zu ersparen. Viel besser ist es, gut vorbereitet zu sein und dadurch möglichst viel normales Leben zu ermöglichen.
Asthmaschulung – wenn Wissen Sicherheit gibt
Eine Asthmaschulung kann für Kinder und Eltern ausgesprochen hilfreich sein. Dort wird nicht nur erklärt, was Asthma eigentlich ist, sondern auch, wie die verschiedenen Medikamente wirken, wie ein Inhalator richtig angewendet wird, woran sich eine Verschlechterung erkennen lässt und wie im Notfall gehandelt werden sollte.
Für Kinder kann es zusätzlich gut tun zu erleben, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht allein sind. Eltern wiederum gewinnen häufig Sicherheit, weil praktische Fragen in Ruhe besprochen und die Inhalation gemeinsam geübt werden kann.
Je besser eine Familie versteht, was beim Asthma passiert, desto weniger muss die Erkrankung mit Unsicherheit und Angst verbunden sein.
Kur, Reha und weitere Unterstützung
Bei manchen Kindern beeinflusst Asthma den Alltag trotz Behandlung stärker. Häufige Fehlzeiten, wiederkehrende Beschwerden, Unsicherheit in der Familie oder zusätzliche Belastungen können dazu führen, dass weitere Unterstützung sinnvoll wird.
Eine Rehabilitationsmaßnahme oder Kur kann beispielsweise medizinische Betreuung, Asthmaschulung, Bewegung, Atemtherapie und weitere Angebote miteinander verbinden.
Auch Physiotherapie, Atemübungen oder Entspannungsverfahren können je nach Kind ergänzend hilfreich sein.
Nicht jede Familie benötigt solche Maßnahmen. Wenn die Erkrankung den Alltag jedoch deutlich belastet, lohnt es sich, mit der behandelnden Praxis über zusätzliche Angebote zu sprechen.
Stress und Angst können den Umgang mit Asthma erschweren
Stress allein verursacht kein Asthma. Trotzdem können starke Aufregung oder Angst die Atmung verändern und bestehende Beschwerden unangenehmer erscheinen lassen.
Besonders nach einem stärkeren Asthmaanfall entwickeln manche Kinder Angst davor, erneut schlecht Luft zu bekommen. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen: Das Kind bemerkt eine kleine Veränderung, bekommt Angst, atmet schneller und empfindet die Atemnot dadurch noch stärker.
Ein klarer Notfallplan, eine gute Asthmaschulung und altersgerechtes Wissen über die Erkrankung können dabei helfen, wieder Sicherheit zu gewinnen.
Regelmäßige Kontrolltermine gehören zur Behandlung
Auch wenn es Ihrem Kind gerade sehr gut geht, sind Kontrolltermine sinnvoll. Gerade eine ruhige Phase eignet sich gut, um ohne akuten Zeitdruck zu überprüfen, ob die Behandlung noch passt.
Dabei können nächtlicher Husten, Sport, Bedarf an Notfallmedikation und die Inhalationstechnik besprochen werden. Bei größeren Kindern kann zusätzlich die Lungenfunktion kontrolliert werden.
Wenn das Asthma über längere Zeit stabil ist, kann gemeinsam entschieden werden, ob eine geringere Behandlung ausreicht.
Asthmatherapie bedeutet also nicht automatisch, dass ein Kind jahrelang unverändert dieselbe Medikamentendosis bekommt. Gute Behandlung wird immer wieder dem tatsächlichen Verlauf angepasst.
Jugendliche mit Asthma – wenn Medikamente plötzlich lästig werden
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Umgang mit der Erkrankung. Jugendliche möchten selbstständiger sein und nicht ständig daran erinnert werden, dass sie Asthma haben. Ein Inhalator vor Freunden kann unangenehm sein, und ein Dauermedikament wird vielleicht immer häufiger vergessen, weil gerade keine Beschwerden bestehen.
Hier hilft Aufklärung meistens mehr als ständige Kontrolle. Jugendliche sollten wissen, welche Medikamente sie verwenden, welcher Wirkstoff enthalten ist und warum das Dauermedikament eine andere Aufgabe erfüllt als das Notfallspray.
Auch Vapes und E-Zigaretten sollten offen angesprochen werden. Gerade empfindliche asthmatische Bronchien brauchen keine zusätzlichen eingeatmeten Reizstoffe, unabhängig davon, ob ein Produkt süß riecht oder ohne Nikotin angeboten wird.
Kinder Schritt für Schritt selbstständig werden lassen
Schon kleine Kinder können lernen, ihre Beschwerden wahrzunehmen und mit einfachen Worten zu beschreiben. Vielleicht sagt ein Kindergartenkind zunächst nur, dass sich seine Brust „komisch“ anfühlt. Ein Schulkind kann bereits wissen, welches Medikament für den Notfall gedacht ist, und ein Jugendlicher sollte später möglichst selbst verstehen, wie sein Asthma-Aktionsplan aussieht.
Das bedeutet nicht, einem kleinen Kind zu früh medizinische Verantwortung zu übertragen. Vielmehr soll das Wissen gemeinsam mit dem Kind wachsen.
So entsteht nach und nach ein sicherer Umgang mit der Erkrankung, ohne dass sich das Kind ständig über sein Asthma definieren muss.
Impfungen bei Asthma
Atemwegsinfekte können Asthmabeschwerden verstärken. Deshalb sollte der Impfstatus regelmäßig in der Kinderarztpraxis überprüft werden.
Für Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen können je nach Alter und individueller Situation zusätzliche Impfempfehlungen bestehen. Dazu kann beispielsweise die jährliche Grippeimpfung gehören.
Welche Impfungen im Einzelfall sinnvoll sind, sollte gemeinsam mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.
Gibt es eine besondere Ernährung gegen Asthma?
Eine Asthma-Diät, die die Erkrankung heilt oder notwendige Medikamente ersetzt, gibt es nicht.
Kinder mit Asthma brauchen grundsätzlich eine abwechslungsreiche und altersgerechte Ernährung wie andere Kinder auch.
Lebensmittel sollten nicht vorsorglich gestrichen werden, nur weil Asthma besteht. Wenn zusätzlich eine nachgewiesene Nahrungsmittelallergie vorliegt, gelten selbstverständlich die entsprechenden individuellen Empfehlungen.
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Wachstum, Entwicklung und allgemeine Gesundheit, ersetzt jedoch keine notwendige Asthmatherapie.
Kann sich Asthma im Laufe der Kindheit wieder bessern?
Diese Frage beschäftigt viele Eltern, und tatsächlich können die Beschwerden bei einem Teil der Kinder mit zunehmendem Alter deutlich schwächer werden. Manche Kinder bleiben später über lange Zeit weitgehend oder vollständig beschwerdefrei.
Trotzdem kann eine gewisse Empfindlichkeit der Atemwege bestehen bleiben und Asthma kann nach einer längeren ruhigen Phase erneut auftreten.
Eine gute Phase ist deshalb ein Anlass, die Behandlung gemeinsam mit der Praxis zu überprüfen. Sie ist aber kein Grund, Medikamente eigenständig abzusetzen.
Wann ist eine Kinder-Lungenfachpraxis sinnvoll?
Viele Kinder mit leichtem und gut kontrolliertem Asthma können sehr gut in der normalen kinderärztlichen Praxis betreut werden.
Wenn die Beschwerden trotz regelmäßiger und korrekt angewendeter Medikamente nicht ausreichend kontrolliert werden, wiederholt stärkere Asthmaanfälle auftreten oder eine intensivere Behandlung notwendig wird, kann eine kinder-pneumologische Mitbetreuung sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht einfach darum, immer stärkere Medikamente zu verschreiben. Zuerst wird genau überprüft, ob die bisherige Therapie regelmäßig angewendet wird, ob das Inhalationsgerät zum Kind passt, ob die Technik stimmt und ob Allergien oder andere Einflussfaktoren ausreichend berücksichtigt wurden.
Das Wichtigste für Eltern auf einen Blick
Fazit: Asthma verstehen nimmt Unsicherheit und gibt Ihrem Kind Freiheit
Die Diagnose Asthma kann zunächst beängstigend sein, weil Atemnot zu den Beschwerden gehört, die Eltern bei ihrem Kind besonders schwer mit ansehen können. Gleichzeitig bedeutet Asthma heute keineswegs automatisch, dass Ihr Kind ständig krank sein wird, keinen Sport treiben darf oder sein gesamter Alltag von Medikamenten bestimmt werden muss.
Mit einer gut abgestimmten Behandlung können viele Kinder weitgehend normal aufwachsen. Entscheidend ist, dass Sie verstehen, welche Aufgabe die einzelnen Medikamente haben und warum nicht jedes Spray dasselbe tut. Ein Wirkstoff wie Budesonid, Beclometason oder Fluticason behandelt die Entzündung in den Bronchien und soll dazu beitragen, dass Beschwerden möglichst selten auftreten. Salbutamol hilft dagegen bei einer akuten Verengung der Atemwege. Kombinationen wie Budesonid/Formoterol können je nach Alter und persönlichem Behandlungsplan ebenfalls zum Einsatz kommen, während spezielle Medikamente wie Biologika ausgewählten schweren Asthmaformen vorbehalten bleiben.
Mindestens genauso wichtig wie das richtige Medikament ist die richtige Anwendung. Ein Inhalator kann nur zuverlässig wirken, wenn genügend Wirkstoff in den Bronchien ankommt. Deshalb sollten Sie sich die Anwendung genau zeigen lassen und die Technik immer wieder überprüfen. Ein Spacer kann besonders kleinen Kindern die Inhalation deutlich erleichtern.
Nach einem kortisonhaltigen Inhalationsmedikament gehört außerdem die Mundpflege dazu. Der Mund sollte gründlich ausgespült, möglichst gegurgelt und das Wasser anschließend ausgespuckt werden; danach kann Ihr Kind zusätzlich etwas trinken. Auf diese Weise lassen sich Medikamentenreste im Mund- und Rachenraum reduzieren.
Auch die regelmäßige Anwendung einer verordneten Dauertherapie ist wichtig. Wenn Ihr Kind nachts ruhig schläft, beim Sport mithalten kann und kaum Beschwerden hat, kann genau das bedeuten, dass die Behandlung zuverlässig funktioniert. Eine gute Phase ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass das Medikament plötzlich überflüssig geworden ist.
Ein Asthma-Tagebuch kann dabei helfen, persönliche Muster zu erkennen, während ein schriftlicher Asthma-Aktionsplan dafür sorgt, dass Sie, Ihr Kind und andere Betreuungspersonen im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Asthmaschulungen können zusätzlich Sicherheit geben und helfen Ihrem Kind dabei, seine Erkrankung mit zunehmendem Alter immer besser selbst zu verstehen.
Vor allem aber sollte Asthma nicht jeden Tag im Mittelpunkt Ihrer Familie stehen. Ihr Kind soll spielen, lachen, Sport treiben, auf Klassenfahrt fahren, Freunde treffen und mit zunehmendem Alter lernen, selbst Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen.
Eine gute Asthmatherapie soll Ihrem Kind nicht ständig zeigen, dass es krank ist. Sie soll dafür sorgen, dass Asthma im normalen Leben möglichst wenig Platz einnimmt.
Quellen und weiterführende Informationen
Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma
Aktuelle deutsche Empfehlungen zu Diagnose, Behandlung, Medikamenten, Inhalation und Verlaufskontrolle bei Asthma.
Deutsche Atemwegsliga
Verständliche Informationen zu Asthma, Inhalationsgeräten, Spacern und der richtigen Inhalation.
Gesundheitsinformation.de
Unabhängige Informationen für Eltern und Familien zum Leben mit Asthma.
Gesund.bund.de
Informationen des Gesundheitsportals des Bundes zu Asthma, Beschwerden und Behandlung.
AWMF
Medizinische Leitlinien zum Asthma im Kindes- und Jugendalter sowie zum schwierigen beziehungsweise schweren Asthma.
Allergieinformationsdienst
Informationen zu allergischem Asthma, Allergiediagnostik und Hyposensibilisierung.
Robert Koch-Institut / STIKO
Informationen zu aktuellen Impfempfehlungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle Untersuchung oder Behandlung durch eine Kinderärztin, einen Kinderarzt oder eine kinder-pneumologische Fachpraxis. Die genannten Medikamente sind Beispiele. Welcher Wirkstoff, welche Dosierung und welches Inhalationssystem für Ihr Kind geeignet sind, muss individuell festgelegt werden. Asthmamedikamente sollten deshalb nicht eigenständig begonnen, reduziert oder abgesetzt werden.
Bei schwerer Atemnot, deutlichen Schwierigkeiten beim Sprechen, starker Erschöpfung oder Benommenheit, bläulichen beziehungsweise grauen Lippen oder fehlender ausreichender Wirkung der persönlich verordneten Notfallmedikation sollte unverzüglich 112 gerufen werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Wissenschaftlicher Stand
August 2026

