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Fieber bei Kindern richtig messen
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Fieber bei Kindern richtig messen

Wenn Ihr Kind plötzlich krank wirkt

Es gibt Momente, die fast alle Eltern kennen. Ihr Kind wirkt plötzlich ungewöhnlich müde, möchte nur noch kuscheln, die Wangen sind gerötet und die kleine Stirn fühlt sich deutlich wärmer an als sonst. Sofort schießen unzählige Gedanken durch den Kopf. Hat mein Kind Fieber? Muss ich jetzt sofort zum Arzt? Welches Thermometer liefert überhaupt ein zuverlässiges Ergebnis? Und ab welcher Temperatur wird es wirklich gefährlich?

Gerade wenn Babys oder kleine Kinder krank werden, fühlen sich viele Eltern zunächst unsicher. Das ist völlig verständlich, denn Kinder können sich oft noch nicht mitteilen, was ihnen fehlt. Stattdessen beobachten Sie Veränderungen im Verhalten. Ihr Kind spielt nicht mehr, trinkt schlechter, schläft ungewöhnlich viel oder wirkt plötzlich gereizt und weinerlich. Spätestens jetzt greifen die meisten Eltern zum Fieberthermometer. Doch auch das wirft häufig neue Fragen auf.

Fieber ist zunächst eine natürliche Schutzreaktion

Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen ist Fieber kein Grund zur Panik. Ganz im Gegenteil. Eine erhöhte Körpertemperatur zeigt häufig, dass das Immunsystem Ihres Kindes aktiv arbeitet und Krankheitserreger bekämpft. Besonders Babys und Kleinkinder entwickeln deutlich häufiger Fieber als Erwachsene, weil ihr Abwehrsystem täglich neue Viren und Bakterien kennenlernt. Dieser Lernprozess gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu und stärkt langfristig die körpereigene Immunabwehr.

Dennoch sollten Sie Fieber niemals einfach ignorieren. Entscheidend ist nicht nur der Wert auf dem Thermometer, sondern immer das gesamte Erscheinungsbild Ihres Kindes. Manche Kinder spielen trotz 39 Grad noch erstaunlich munter weiter, während andere bereits bei einer leicht erhöhten Temperatur erschöpft wirken. Deshalb ist es wichtig, die Körpertemperatur richtig zu messen, die Ergebnisse richtig einzuordnen und Warnzeichen frühzeitig zu erkennen.

Dieser Ratgeber begleitet Sie Schritt für Schritt

In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie, welche Messmethode in welchem Alter die zuverlässigsten Ergebnisse liefert, wie Sie Ihr Kind beim Fiebermessen möglichst stressfrei begleiten und welche Maßnahmen bei erhöhter Temperatur wirklich sinnvoll sind. Außerdem erhalten Sie praktische Anleitungen, hilfreiche Tipps aus der Kinderheilkunde und Naturheilkunde sowie Informationen darüber, wann Sie unbedingt eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt aufsuchen sollten. So können Sie auch in einer ungewohnten Situation ruhig bleiben und Ihrem Kind genau die Unterstützung geben, die es jetzt braucht.

Welche Körpertemperatur ist bei Kindern eigentlich normal?

Bevor Sie beurteilen können, ob Ihr Kind Fieber hat, lohnt sich ein Blick auf die normalen Körpertemperaturen. Viele Eltern erschrecken bereits, wenn das Thermometer 37,8 Grad Celsius anzeigt. Tatsächlich schwankt die Körpertemperatur jedoch ganz natürlich im Laufe des Tages. Nach dem Aufstehen ist sie meist etwas niedriger als am Abend. Auch ausgiebiges Spielen, Toben, warme Kleidung oder hohe Außentemperaturen können den Messwert vorübergehend ansteigen lassen, ohne dass Ihr Kind krank ist.

Bei den meisten Kindern liegt die normale Körpertemperatur zwischen etwa 36,5 und 37,5 Grad Celsius. Werte darüber bedeuten nicht automatisch Fieber. Erst wenn die Körpertemperatur dauerhaft ansteigt und weitere Beschwerden hinzukommen, spricht man von einer erhöhten Temperatur oder von Fieber.

Zur Orientierung gelten bei einer rektalen Messung folgende Werte:

  • bis 37,5 °C: normale Körpertemperatur
  • 37,6 bis 38,4 °C: erhöhte Temperatur
  • ab 38,5 °C: Fieber
  • ab 39,0 °C: hohes Fieber
  • ab 40,0 °C: sehr hohes Fieber

Besonders vorsichtig sollten Sie bei Säuglingen unter drei Monaten sein. Bereits eine Körpertemperatur ab 38,0 Grad Celsius gilt in diesem Alter als medizinischer Notfall und sollte möglichst noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden. Das Immunsystem eines Neugeborenen befindet sich noch in der Entwicklung und kann auf Infektionen anders reagieren als bei älteren Kindern.

Nicht nur der Messwert zählt

Viele Eltern konzentrieren sich verständlicherweise auf die Zahl, die auf dem Thermometer erscheint. Kinderärztinnen und Kinderärzte achten jedoch häufig auf etwas anderes: den Allgemeinzustand des Kindes.

Fragen Sie sich deshalb nicht nur, wie hoch das Fieber ist, sondern beobachten Sie Ihr Kind ganz bewusst. Trinkt es ausreichend? Reagiert es auf Ansprache? Lässt es sich beruhigen? Spielt es zwischendurch oder wirkt es völlig teilnahmslos? Atmet es ruhig oder angestrengt?

Ein Kind mit 39 Grad Celsius kann durchaus wach, aufmerksam und relativ fit wirken. Gleichzeitig kann ein anderes Kind bereits bei einer leicht erhöhten Temperatur sehr erschöpft erscheinen. Deshalb sollte niemals ausschließlich der Temperaturwert darüber entscheiden, wie Sie handeln. Ihr Eindruck als Mutter oder Vater ist mindestens genauso wichtig.

Woran Sie Fieber häufig schon erkennen können

Oft kündigt sich Fieber bereits an, bevor Sie überhaupt zum Thermometer greifen. Viele Kinder verändern plötzlich ihr Verhalten und wirken einfach „anders“. Genau dieses Bauchgefühl der Eltern ist häufig der erste Hinweis darauf, dass sich eine Infektion entwickelt.

Zu den typischen Anzeichen gehören gerötete Wangen, warme Haut, glasige Augen oder ein ungewöhnlich ruhiges Verhalten. Manche Kinder möchten ständig getragen werden, schlafen deutlich mehr oder verlieren ihren Appetit. Andere trinken weniger oder sind besonders anhänglich und weinerlich. Wieder andere reagieren gereizt oder unruhig und finden kaum zur Ruhe.

Während das Fieber weiter ansteigt, können zusätzlich kalte Hände und Füße auftreten. Viele Eltern wundern sich darüber, weil die Stirn gleichzeitig sehr heiß wirkt. Dieses Phänomen ist völlig normal. Der Körper versucht zunächst, seine Kerntemperatur zu erhöhen, indem sich die Blutgefäße in Händen und Füßen zusammenziehen. Erst wenn die gewünschte Temperatur erreicht ist, fühlt sich der gesamte Körper warm an.

All diese Anzeichen können auf Fieber hinweisen, ersetzen jedoch niemals eine zuverlässige Temperaturmessung. Erst das Thermometer zeigt Ihnen, ob tatsächlich Fieber vorliegt und wie hoch die Körpertemperatur wirklich ist.

Welches Fieberthermometer eignet sich am besten?

Die Auswahl an Fieberthermometern ist heute größer denn je. Digitale Kontaktthermometer, Ohrthermometer, Stirnthermometer oder berührungslose Infrarotgeräte versprechen schnelle und präzise Ergebnisse. Doch nicht jede Messmethode ist für jedes Alter gleichermaßen geeignet.

Kinderärztinnen und Kinderärzte empfehlen insbesondere bei Babys weiterhin digitale Kontaktthermometer. Sie liefern die zuverlässigsten Werte und sind unkompliziert in der Anwendung. Besonders bei Säuglingen gilt die rektale Messung als Goldstandard, weil sie die Körperkerntemperatur besonders genau erfasst.

Ohrthermometer bieten den Vorteil, dass sie innerhalb weniger Sekunden messen und viele Kinder die Untersuchung als angenehmer empfinden. Voraussetzung ist allerdings die richtige Anwendung und ein ausreichend entwickelter Gehörgang. Deshalb eignen sie sich meist erst ab einem Alter von etwa sechs Monaten.

Stirnthermometer sind besonders praktisch, wenn Ihr Kind schläft oder sich nur schwer beruhigen lässt. Sie ermöglichen eine schnelle und kontaktarme Messung. Allerdings reagieren sie empfindlicher auf äußere Einflüsse wie Schweiß, Raumtemperatur oder eine falsche Positionierung. Deshalb können die Ergebnisse etwas stärker schwanken als bei einer rektalen Messung.

Ältere Glasthermometer mit Quecksilber sollten heute nicht mehr verwendet werden. Quecksilber ist gesundheitsschädlich und darf seit vielen Jahren in der Europäischen Union nicht mehr in neuen Fieberthermometern verkauft werden. Falls sich noch ein solches Modell in Ihrem Haushalt befindet, sollte es fachgerecht entsorgt werden.

Warum die richtige Messmethode so wichtig ist

Ein Thermometer kann nur dann zuverlässige Werte liefern, wenn es korrekt angewendet wird. Schon kleine Fehler können dazu führen, dass die gemessene Temperatur deutlich von der tatsächlichen Körpertemperatur abweicht. Das kann Eltern unnötig beunruhigen oder im schlimmsten Fall dazu führen, dass eine ernsthafte Erkrankung unterschätzt wird.

Im nächsten Abschnitt erfahren Sie deshalb Schritt für Schritt, wie Sie die Temperatur im Po, im Ohr, an der Stirn, im Mund und unter der Achsel richtig messen, welche Methode sich für welches Alter eignet und welche typischen Fehler Sie dabei vermeiden sollten.

Fieber richtig messen: Welche Methode ist für Ihr Kind am besten geeignet?

Nicht jedes Thermometer liefert automatisch ein exaktes Ergebnis. Entscheidend ist vor allem, an welcher Körperstelle Sie messen und wie alt Ihr Kind ist. Während ältere Kinder meist problemlos im Mund oder Ohr gemessen werden können, gelten bei Babys andere Empfehlungen. Je jünger Ihr Kind ist, desto wichtiger ist eine möglichst genaue Messung, damit Sie die Körpertemperatur richtig einschätzen können.

Kinderärztinnen und Kinderärzte empfehlen deshalb bei Säuglingen und kleinen Kindern weiterhin die rektale Messung. Sie gilt als die zuverlässigste Methode, weil dabei die Körperkerntemperatur bestimmt wird. Andere Messverfahren können zwar angenehmer sein, reagieren jedoch empfindlicher auf äußere Einflüsse und liefern deshalb teilweise niedrigere oder schwankende Werte.

Welche Messmethode für Ihre Familie am besten geeignet ist, hängt deshalb nicht nur vom Alter Ihres Kindes ab, sondern auch davon, wie ruhig Ihr Kind während der Messung bleibt und welches Thermometer Sie verwenden.

Fieber im Po messen: Die genaueste Methode

Auch wenn viele Eltern anfangs etwas Respekt vor dieser Messmethode haben, ist sie deutlich einfacher als häufig vermutet wird. Gerade bei Babys und Kleinkindern liefert die rektale Messung die zuverlässigsten Ergebnisse und wird deshalb von medizinischen Fachgesellschaften weiterhin empfohlen.

Verwenden Sie am besten ein digitales Thermometer mit einer weichen oder flexiblen Messspitze. Reinigen Sie das Thermometer vor jeder Anwendung gründlich und tragen Sie anschließend etwas Vaseline oder ein hautfreundliches Gleitgel auf die Spitze auf. Dadurch lässt sich das Thermometer wesentlich angenehmer einführen.

Legen Sie Ihr Baby vorsichtig auf den Rücken und heben Sie die Beine leicht an, ähnlich wie beim Wickeln. Alternativ können Sie Ihr Kind auch seitlich lagern und die Beine leicht anwinkeln. Führen Sie die Thermometerspitze anschließend langsam nur etwa ein bis zwei Zentimeter in den After ein. Mehr ist nicht erforderlich. Halten Sie das Thermometer während der gesamten Messung ruhig fest, bis das Signal ertönt.

Versuchen Sie dabei möglichst gelassen zu bleiben. Ihr Kind spürt Ihre Ruhe und entspannt sich meist schneller. Nach der Messung reinigen Sie das Thermometer sorgfältig mit warmem Wasser und einem geeigneten Desinfektionsmittel oder einer milden Seife.

Vorteile der rektalen Messung

Der größte Vorteil dieser Methode liegt in ihrer hohen Genauigkeit. Da direkt die Körperkerntemperatur gemessen wird, müssen Sie keine Temperaturdifferenzen berücksichtigen oder Werte umrechnen. Gerade bei Säuglingen, Neugeborenen und kranken Kleinkindern bietet diese Messmethode deshalb die höchste Sicherheit.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass digitale Thermometer bereits nach wenigen Sekunden ein zuverlässiges Ergebnis liefern und vergleichsweise preiswert erhältlich sind.

Darauf sollten Sie achten

Auch wenn die rektale Messung sehr sicher ist, sollten Sie niemals Gewalt anwenden. Bewegt sich Ihr Kind stark oder spannt sich an, warten Sie lieber einen kurzen Moment ab. Das Thermometer sollte stets vorsichtig eingeführt und während der gesamten Messung festgehalten werden. So vermeiden Sie Verletzungen und sorgen gleichzeitig für ein möglichst genaues Ergebnis.

Fieber im Ohr messen: Schnell und angenehm

Viele Eltern greifen im Alltag gern zum Ohrthermometer, weil die Messung nur wenige Sekunden dauert und das Kind kaum belastet wird. Gerade nachts ist diese Methode besonders praktisch, da schlafende Kinder häufig gar nicht aufwachen.

Ohrthermometer arbeiten mit Infrarottechnik. Sie messen die Wärmestrahlung des Trommelfells, das sehr gut durchblutet ist und deshalb Rückschlüsse auf die Körpertemperatur zulässt.

Damit die Messung zuverlässig funktioniert, muss der Sensor jedoch richtig im Gehörgang positioniert werden. Ziehen Sie bei älteren Babys und Kindern die Ohrmuschel leicht nach hinten und oben, damit sich der Gehörgang etwas streckt. Erst dann kann das Thermometer das Trommelfell korrekt erfassen.

Für Neugeborene und sehr junge Säuglinge eignet sich diese Methode dagegen weniger gut. Der Gehörgang ist noch sehr klein, sodass Messfehler häufiger auftreten können. Aus diesem Grund empfehlen viele Kinderärztinnen und Kinderärzte Ohrthermometer erst ab etwa sechs Monaten.

Auch bei einer Mittelohrentzündung oder starken Ohrenschmerzen sollten Sie lieber auf eine andere Messmethode ausweichen, da die Werte verfälscht sein können und die Untersuchung für Ihr Kind unangenehm wäre.

Stirnthermometer: Ideal für zwischendurch

Moderne Stirnthermometer erfreuen sich großer Beliebtheit. Kein Wunder, denn sie ermöglichen eine schnelle und nahezu berührungslose Temperaturmessung. Besonders praktisch ist dies bei schlafenden Kindern oder wenn Ihr Baby sich nur schwer beruhigen lässt.

Das Gerät misst die Wärmestrahlung der Haut über der Schläfenarterie oder der Stirn. Je nach Modell wird das Thermometer direkt aufgesetzt oder in geringem Abstand über die Stirn geführt.

Für eine möglichst genaue Messung sollte die Haut trocken sein. Schweiß, Haare oder eine direkte Sonneneinstrahlung können das Messergebnis beeinflussen. Auch unmittelbar nach dem Spielen oder wenn Ihr Kind gerade aus einem warmen Bett kommt, empfiehlt es sich, einige Minuten zu warten.

Stirnthermometer eignen sich hervorragend als erste Orientierung. Zeigt das Gerät erhöhte Temperaturen an oder wirkt Ihr Kind deutlich krank, sollten Sie das Ergebnis insbesondere bei Babys zusätzlich mit einer rektalen Messung kontrollieren.

Welche Messmethode ist die beste?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Für Säuglinge und kleine Kinder bleibt die rektale Messung die sicherste und genaueste Methode. Mit zunehmendem Alter können Ohrthermometer eine komfortable Alternative darstellen, sofern sie korrekt angewendet werden. Stirnthermometer überzeugen vor allem durch ihre einfache Handhabung und eignen sich gut für Kontrollmessungen oder unterwegs.

Wichtig ist vor allem eines: Bleiben Sie möglichst immer bei derselben Messmethode. Nur so lassen sich Temperaturverläufe zuverlässig vergleichen und Veränderungen richtig beurteilen. Wechseln Sie ständig zwischen unterschiedlichen Thermometern oder Messorten, können bereits allein dadurch Unterschiede von mehreren Zehntelgraden entstehen, obwohl sich die Körpertemperatur Ihres Kindes gar nicht verändert hat.

Fieber im Mund messen: Für ältere Kinder eine gute Alternative

Sobald Ihr Kind etwas älter ist und Anweisungen gut befolgen kann, kommt auch die Temperaturmessung im Mund infrage. Diese Methode liefert bei richtiger Anwendung recht zuverlässige Ergebnisse und ist für viele Kinder deutlich angenehmer als die rektale Messung. Voraussetzung ist allerdings, dass Ihr Kind während der gesamten Messzeit ruhig sitzt, den Mund geschlossen hält und das Thermometer nicht mit den Zähnen bewegt.

Legen Sie die Messspitze unter die Zunge, möglichst weit hinten links oder rechts neben das Zungenbändchen. Während der Messung sollte Ihr Kind ausschließlich durch die Nase atmen. Bereits ein kurzer Blick oder ein Gespräch mit geöffnetem Mund kann den Messwert verfälschen.

Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Kind mindestens 20 bis 30 Minuten vor der Messung keine heißen oder kalten Getränke sowie keine Mahlzeiten zu sich genommen hat. Auch intensives Toben unmittelbar vor der Messung kann das Ergebnis beeinflussen. Aus diesem Grund eignet sich die orale Messung meist erst ab einem Alter von vier bis fünf Jahren.

Temperatur unter der Achsel messen

Viele Eltern entscheiden sich für die Messung unter der Achsel, weil sie unkompliziert erscheint. Tatsächlich gehört sie jedoch zu den ungenauesten Messmethoden. Gemessen wird lediglich die Hauttemperatur und nicht die eigentliche Körperkerntemperatur. Schon eine leicht feuchte Haut, eine falsche Position des Thermometers oder Bewegungen während der Messung können das Ergebnis deutlich verändern.

Wenn Sie diese Methode dennoch verwenden möchten, sollte die Achsel trocken sein. Platzieren Sie die Messspitze mittig in der Achselhöhle und legen Sie den Arm eng an den Körper. Während der gesamten Messdauer sollte Ihr Kind möglichst ruhig sitzen oder liegen bleiben.

Gerade bei kleinen Kindern gelingt das jedoch nicht immer. Deshalb eignet sich diese Methode eher für ältere Kinder oder Erwachsene. Zeigt das Thermometer unter der Achsel erhöhte Werte an oder wirkt Ihr Kind deutlich krank, empfiehlt sich zur Sicherheit eine Kontrollmessung im Po oder gegebenenfalls im Ohr.

Häufige Fehler beim Fiebermessen

Selbst mit einem hochwertigen Thermometer können Messfehler entstehen. Oft sind es kleine Details, die einen überraschend großen Einfluss auf das Ergebnis haben. Deshalb lohnt es sich, einige typische Fehler zu kennen.

Viele Eltern messen beispielsweise direkt nach dem Toben, nach einem warmen Bad oder unmittelbar nachdem das Kind unter einer dicken Decke gelegen hat. In all diesen Situationen kann die Körpertemperatur kurzfristig erhöht sein, ohne dass tatsächlich Fieber vorliegt. Warten Sie deshalb möglichst etwa 15 bis 30 Minuten, bevor Sie die Temperatur kontrollieren.

Auch unterschiedliche Messorte liefern naturgemäß unterschiedliche Werte. Ein Wechsel zwischen Stirn-, Ohr- und rektaler Messung erschwert deshalb die Beurteilung des Fieberverlaufs. Verwenden Sie möglichst immer dieselbe Methode und möglichst auch dasselbe Thermometer. So lassen sich Veränderungen wesentlich besser vergleichen.

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, sich ausschließlich auf die Temperatur zu konzentrieren. Das Thermometer liefert zwar wichtige Informationen, ersetzt aber niemals die Beobachtung Ihres Kindes. Achten Sie immer darauf, wie es Ihrem Kind insgesamt geht. Trinkt es ausreichend? Reagiert es auf Sie? Ist es ansprechbar oder ungewöhnlich schläfrig? Gerade diese Beobachtungen helfen Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt später oft mehr als ein einzelner Messwert.

Wie oft sollten Sie Fieber messen?

Sobald Ihr Kind Fieber entwickelt, möchten viele Eltern die Temperatur ständig kontrollieren. Das ist verständlich, führt jedoch häufig zu unnötiger Unruhe. In den meisten Fällen genügt es, die Körpertemperatur alle vier bis sechs Stunden zu messen, solange sich der Allgemeinzustand Ihres Kindes nicht verändert.

Steigt das Fieber deutlich an oder wirkt Ihr Kind zunehmend abgeschlagen, können Sie natürlich auch häufiger kontrollieren. Besonders nach der Gabe eines fiebersenkenden Medikaments ist eine erneute Messung nach etwa einer Stunde sinnvoll, um zu überprüfen, ob die Behandlung wirkt.

Hilfreich ist es außerdem, die gemessenen Temperaturen zusammen mit der Uhrzeit zu notieren. So erkennen Sie leichter, wie sich das Fieber entwickelt und können Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt bei Bedarf einen genauen Verlauf schildern.

Warum Fieber bei Kindern häufiger vorkommt als bei Erwachsenen

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Kinder deutlich häufiger Fieber bekommen als Erwachsene. Der Grund liegt im Immunsystem. Während Erwachsene im Laufe ihres Lebens bereits mit unzähligen Viren und Bakterien in Kontakt gekommen sind, muss das Abwehrsystem eines Kindes viele Krankheitserreger erst kennenlernen.

Jede Infektion trainiert das Immunsystem und trägt dazu bei, dass Ihr Kind langfristig widerstandsfähiger wird. Fieber ist dabei ein natürlicher Bestandteil dieser Immunreaktion. Durch die erhöhte Körpertemperatur können sich viele Krankheitserreger schlechter vermehren, während gleichzeitig die körpereigenen Abwehrzellen besonders aktiv arbeiten.

Deshalb gilt Fieber heute nicht als Krankheit, sondern als sinnvolle Schutzreaktion des Körpers. Ziel ist es nicht, jede Temperatur sofort zu senken, sondern Ihr Kind während der Erkrankung gut zu begleiten und aufmerksam zu beobachten. Entscheidend ist immer, wie es Ihrem Kind insgesamt geht und ob Warnzeichen auftreten, die eine ärztliche Untersuchung erforderlich machen.

Was Sie bei Fieber zu Hause tun können

Wenn Ihr Kind Fieber hat, steht nicht automatisch das Senken der Körpertemperatur im Vordergrund. Viel wichtiger ist es zunächst, Ihrem Kind Ruhe zu ermöglichen und den Körper bei seiner natürlichen Immunreaktion zu unterstützen. Viele Infekte heilen innerhalb weniger Tage von selbst aus. Während dieser Zeit braucht Ihr Kind vor allem ausreichend Schlaf, Geborgenheit und eine gute Flüssigkeitsversorgung.

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind regelmäßig trinkt. Durch das Fieber verliert der Körper mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Besonders Wasser, ungesüßter Tee oder bei größeren Kindern stark verdünnte Fruchtsaftschorlen eignen sich gut. Stillen Sie Ihr Baby weiterhin nach Bedarf, da Muttermilch nicht nur Flüssigkeit liefert, sondern gleichzeitig wertvolle Antikörper enthält.

Beim Essen gilt: Zwingen Sie Ihr Kind nicht. Viele Kinder haben während einer Infektion weniger Appetit. Das ist völlig normal. Leicht verdauliche Speisen wie Gemüsebrühe, Kartoffeln, Reis, Zwieback, Bananen oder Apfelmus reichen in den ersten Tagen meist vollkommen aus. Sobald sich Ihr Kind besser fühlt, kehrt der Appetit in der Regel von selbst zurück.

Ebenso wichtig ist die richtige Kleidung. Ziehen Sie Ihr Kind weder zu warm noch zu dünn an. Lockere Kleidung und eine angenehme Raumtemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius helfen dem Körper dabei, seine Temperatur selbst zu regulieren.

Naturheilkundliche Unterstützung bei Fieber

Naturheilkundliche Maßnahmen können Ihr Kind während einer fieberhaften Erkrankung begleiten, ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung. Besonders bei Säuglingen oder schwer kranken Kindern sollten Hausmittel immer mit Bedacht eingesetzt werden.

Ein bewährtes Hausmittel sind lauwarme Wadenwickel. Sie können angenehm kühlen und das Wohlbefinden verbessern, wenn Ihr Kind warme Beine und Füße hat und sich trotz des Fiebers unwohl fühlt. Kalte Wickel sind dagegen ungeeignet und können den Kreislauf zusätzlich belasten. Verwenden Sie deshalb lediglich handwarmes Wasser und beenden Sie die Anwendung sofort, wenn Ihr Kind friert oder die Wickel als unangenehm empfindet.

Auch verschiedene Heilpflanzen werden seit vielen Jahren traditionell eingesetzt. Lindenblüten- und Holunderblütentee fördern das Schwitzen und unterstützen die natürliche Temperaturregulation des Körpers. Fencheltee eignet sich insbesondere dann, wenn zusätzlich Bauchbeschwerden auftreten. Achten Sie jedoch darauf, Kräutertees bei Babys nur nach Rücksprache mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt anzuwenden.

Rezept: Wohltuender Lindenblütentee

Für größere Kinder können Sie einen milden Lindenblütentee zubereiten.

Zutaten:

  • 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Lindenblüten
  • 250 Milliliter heißes Wasser

Übergießen Sie die Lindenblüten mit heißem Wasser und lassen Sie den Tee etwa zehn Minuten ziehen. Anschließend abseihen und etwas abkühlen lassen. Trinken sollte Ihr Kind den Tee nur lauwarm.

Rezept: Holunderblütentee

Holunderblüten werden traditionell bei Erkältungen und fieberhaften Infekten eingesetzt.

Zutaten:

  • 2 Teelöffel getrocknete Holunderblüten
  • 250 Milliliter heißes Wasser

Die Blüten zehn Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen. Der Tee sollte angenehm warm getrunken werden. Für Kinder unter einem Jahr sollte kein Honig zugesetzt werden.

Wann sollten Sie unbedingt zum Kinderarzt?

Auch wenn Fieber häufig harmlos verläuft, gibt es Situationen, in denen Sie nicht abwarten sollten.

Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf, wenn

  • Ihr Baby jünger als drei Monate ist und mindestens 38 Grad Celsius Fieber hat.
  • Ihr Kind ungewöhnlich schläfrig, apathisch oder kaum ansprechbar wirkt.
  • Atemnot oder starke Atembeschwerden auftreten.
  • Ihr Kind wiederholt erbricht oder kaum noch trinkt.
  • das Fieber länger als zwei bis drei Tage anhält oder immer weiter ansteigt.
  • Hautausschläge auftreten, die sich nicht wegdrücken lassen.
  • ein Fieberkrampf auftritt.
  • Ihr Kind starke Schmerzen, Nackensteifigkeit oder Krampfanfälle entwickelt.

Vertrauen Sie außerdem immer Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie den Eindruck haben, dass mit Ihrem Kind etwas nicht stimmt, sollten Sie lieber einmal mehr ärztlichen Rat einholen.

Fieber senken: Wann sind Medikamente sinnvoll?

Nicht jedes Fieber muss sofort behandelt werden. Viele Kinder kommen mit leichtem oder mäßigem Fieber gut zurecht und benötigen keine Medikamente. Entscheidend ist vielmehr, wie stark sich Ihr Kind beeinträchtigt fühlt.

Leidet Ihr Kind unter starken Schmerzen, wirkt es sehr erschöpft oder steigt die Körpertemperatur deutlich an, können fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sinnvoll sein. Beide Wirkstoffe sollten ausschließlich entsprechend der alters- und gewichtsgerechten Dosierung angewendet werden. Acetylsalicylsäure (ASS) sollte Kindern wegen des Risikos eines Reye-Syndroms grundsätzlich nicht gegeben werden.

Fazit: Ruhe bewahren und Ihr Kind aufmerksam begleiten

Fieber gehört zu den häufigsten Begleiterscheinungen von Infektionen im Kindesalter und ist in den meisten Fällen eine normale Reaktion des Immunsystems. Entscheidend ist nicht allein die Temperatur auf dem Thermometer, sondern vor allem der Allgemeinzustand Ihres Kindes. Mit einer zuverlässigen Messmethode, ausreichend Flüssigkeit, viel Ruhe und einer aufmerksamen Beobachtung schaffen Sie die besten Voraussetzungen dafür, dass Ihr Kind die Erkrankung gut übersteht.

Scheuen Sie sich jedoch niemals, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie unsicher sind oder Warnzeichen auftreten. Gerade bei kleinen Babys gilt: Lieber einmal zu viel untersuchen lassen als eine ernsthafte Erkrankung zu übersehen.

Quellenverzeichnis

Hinweis

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder individuelle medizinische Beratung. Insbesondere bei Säuglingen, anhaltendem Fieber oder einem schlechten Allgemeinzustand sollte immer eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Wissenschaftlicher Stand

Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf den aktuellen Empfehlungen deutscher und internationaler Fachgesellschaften sowie auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus der Kinderheilkunde und Infektiologie.

Stand: Juli 2026

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