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Meer, Berge oder Süden: Was passt zu Ihrer Gesundheit?
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Gesundheit

Meer, Berge oder Süden: Was passt zu Ihrer Gesundheit?

Urlaub soll Ihnen guttun. Und wenn Sie mit einer chronischen Erkrankung, Allergien, Hautproblemen, Kreislaufbeschwerden oder empfindlichen Gelenken leben, darf bei der Reiseplanung ruhig noch eine zweite Frage neben „Wo ist es schön?“ eine Rolle spielen: Wo findet mein Körper Bedingungen, mit denen er besonders gut zurechtkommt? Denn es kann einen erstaunlichen Unterschied machen, ob Sie Ihren Sommer an der heißen Mittelmeerküste, auf einer windigen Nordseeinsel, an einem finnischen See oder in einem Schweizer Bergort verbringen. Ebenso wichtig ist die Jahreszeit. Derselbe Ort, der Ihnen im Mai hervorragend bekommt, kann im August deutlich anstrengender sein.

Dabei müssen Sie Ihren Urlaub keineswegs in eine medizinische Expedition verwandeln. Es geht vielmehr darum, einige Zusammenhänge zu kennen und daraus eine möglichst einfache Entscheidung abzuleiten. Wenn Pollen Ihre größte Belastung sind, können ausreichend hohe Bergregionen besonders interessant sein. Wenn Neurodermitis oder allergisches Asthma im Vordergrund stehen, lohnt sich ein Blick auf die Nordsee. Wenn Sie Wärme schlecht vertragen, können Norwegen, Schweden, Finnland oder Dänemark im Sommer wesentlich angenehmer sein als der Süden. Und wenn Gelenke und Beweglichkeit die Reiseplanung bestimmen, sind Thermalorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Slowenien oder Ungarn eine spannende Möglichkeit.

Auch das staatliche Gesundheitsportal gesund.bund.de empfiehlt Menschen mit chronischen Erkrankungen, bei der Wahl des Urlaubsortes nicht nur die Unterkunft, sondern unter anderem Klima, medizinische Versorgung, Mobilität und die eigenen gesundheitlichen Bedürfnisse einzubeziehen.

Schauen wir uns deshalb ganz praktisch an, wo Sie sich mit verschiedenen Beschwerden besonders wohlfühlen könnten und welche Jahreszeit dazu am besten passt.

Bei Heuschnupfen und Pollenallergie: Hoch in die Berge kann genau richtig sein

Wenn Sie jedes Frühjahr oder jeden Frühsommer mit tränenden Augen, ständigem Niesen und einer verstopften Nase kämpfen, gehören hoch gelegene Alpenregionen zu den interessantesten Urlaubszielen. Der Allergieinformationsdienst von Helmholtz Munich weist darauf hin, dass sich Pollenbelastung und Blühzeiten regional stark unterscheiden und eine Reise gezielt so geplant werden kann, dass die Belastung durch das persönliche Allergen möglichst gering ausfällt. In größeren Höhen wird die Belastung durch viele Pollenarten geringer.

Besonders interessant sind deshalb Davos und Arosa in der Schweiz, das Engadin mit St. Moritz und Pontresinasowie ausreichend hoch gelegene Regionen in Österreich. Davos liegt beispielsweise auf rund 1.560 Metern, Arosa noch etwas höher. Wer seinen Urlaub mit Spaziergängen, Bergbahnen und leichteren Wanderungen verbinden möchte, findet in diesen Regionen viele Möglichkeiten, die Aktivität an die eigene Belastbarkeit anzupassen. Davos besitzt darüber hinaus eine lange medizinische Tradition im Bereich Allergologie, Asthma und Höhenklimaforschung.

Der beste Zeitpunkt für einen solchen Urlaub ist nicht irgendein bestimmter Monat, sondern Ihre persönliche Hauptpollensaison. Wenn Birkenpollen Ihnen im April und Mai besonders zusetzen, kann genau dann eine Reise in eine geeignete Höhenlage interessant sein. Wenn Gräser Ihr Hauptproblem sind, kann sich der Frühsommer anbieten. Vor der Buchung lohnt sich deshalb ein Blick auf den Pollenkalender des Reiseziels.

Bei Hausstaubmilbenallergie: Das Hochgebirge gehört ganz nach oben auf die Liste

Wenn nicht Pollen, sondern Hausstaubmilben Ihre Beschwerden auslösen, wird die Empfehlung noch klarer. Größere Höhenlagen sind für Milben ungünstiger, weshalb Hochgebirgsregionen seit Langem bei entsprechenden allergischen Erkrankungen genutzt werden. Auch der Allergieinformationsdienst nennt Höhenlagen über etwa 1.500 Metern als interessante Bedingungen, insbesondere wenn gleichzeitig Neurodermitis oder allergische Atemwegsbeschwerden bestehen.

Damit werden erneut Davos, Arosa und das Engadin interessant, ebenso ausreichend hoch gelegene österreichische Alpenregionen. Wer keinen ausgesprochenen Aktivurlaub möchte, muss dort übrigens keineswegs täglich auf einen Gipfel steigen. Ein Hotel oder eine Ferienwohnung in entsprechender Höhenlage, Spaziergänge und viel Zeit im Freien können bereits genau der Urlaub sein, den Sie suchen.

Achten Sie zusätzlich auf eine allergikerfreundliche Unterkunft. Der Allergieinformationsdienst empfiehlt bei Milbenallergie beispielsweise gut lüftbare Zimmer und möglichst wenige schwere Textilien und weist darauf hin, dass eigene milbendichte Bezüge auf Reisen hilfreich sein können.

Bei allergischem Asthma: Nordsee oder Hochgebirge

Wenn Ihr Asthma stark durch Pollen, Hausstaubmilben oder andere Allergene beeinflusst wird, sind zwei Urlaubsregionen besonders interessant: Nordsee und Hochgebirge. Der Lungeninformationsdienst beschreibt, dass Meer- und Höhenklima seit Langem bei allergischen Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Am Meer enthält die Luft mehr Feuchtigkeit und Salz, während in bestimmten Höhenlagen weniger Allergene und Luftschadstoffe vorkommen können. Die Wirkung ist in erster Linie während des Aufenthalts zu erwarten und ersetzt selbstverständlich keine Asthmatherapie.

Wenn Sie Meer lieben, würde ich zuerst an Borkum, Norderney, Föhr oder Sylt denken. Borkum trägt offiziell die Bezeichnung Thalasso-Nordseeheilbad und nutzt Hochseeklima, Meerwasser und weitere Bestandteile der Thalassotherapie. Föhr verbindet Nordseeklima mit einem umfangreichen Gesundheitsangebot, und auf Sylt sind mehrere Einrichtungen gerade auf Atemwegs-, Haut- und allergische Erkrankungen spezialisiert.

Wenn Ihre Asthmabeschwerden besonders eng mit Pollen oder Hausstaubmilben zusammenhängen, kann Davos eine sehr interessante Alternative sein. Für einen unkomplizierten Küstenurlaub eignen sich dagegen Frühjahr, Frühsommer und früher Herbst besonders schön, weil Sie dann viel Zeit draußen verbringen und Spaziergänge am Meer leicht in den Tagesablauf integrieren können.

Auch Bad Reichenhall ist einen Blick wert, wenn Sie eine klassische Kurstadt bevorzugen und Alpenluft mit Soleanwendungen verbinden möchten.

Bei COPD: Flache Küsten und gut erreichbare Urlaubsorte

Bei COPD würde ich die Reiseplanung sehr praktisch angehen. Flache Küstenregionen mit moderaten Temperaturen und guter Infrastruktur sind für viele Betroffene eine besonders angenehme Wahl. Sie können Ihre Spaziergänge an die eigene Belastbarkeit anpassen, müssen nicht ständig größere Steigungen bewältigen und finden in größeren Ferienorten meist Apotheken und medizinische Versorgung in erreichbarer Nähe.

Dafür eignen sich beispielsweise Usedom und Rügen, die deutsche Ostseeküste, Föhr, Teile der dänischen Küste und andere flache Regionen rund um Nord- und Ostsee. Auch die finnische Seenplatte kann interessant sein, wenn Sie eine längere Anreise gut bewältigen können.

Besonders angenehm sind häufig Mai, Juni und September, weil Bewegung im Freien dann leichter fällt als während extremer Hitze. Fachleute weisen darauf hin, dass Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen durch hohe Temperaturen, Luftschadstoffe und Extremwetter stärker belastet werden können.

Wenn Sie Sauerstoff benötigen, sollte die praktische Versorgung stärker gewichtet werden als die Schönheit einer besonders abgelegenen Landschaft. gesund.bund.de weist zudem darauf hin, dass Belastungen in größerer Höhe bei bestehenden Herz- und Lungenerkrankungen Beschwerden verstärken können.

Bei Neurodermitis: Die Nordsee ist eines der interessantesten klassischen Reiseziele

Wenn Sie Neurodermitis haben, würde ich die Nordsee ganz weit oben auf die Liste setzen. Der Allergieinformationsdienst nennt bei Neurodermitis ausdrücklich Reizklima mit viel Wind und nicht zu extremen Temperaturen als günstig und führt dabei unter anderem die Nordsee sowie Höhenlagen über etwa 1.500 Metern an. Sehr trockenes Klima und feucht-warmes Tropenklima werden dagegen als ungünstiger beschrieben.

Besonders interessant sind Borkum, Norderney, Föhr und Sylt. Auf Borkum wird das Hochseeklima gezielt im Rahmen von Thalassoangeboten genutzt, Föhr verbindet ein etwas milderes Nordseeklima mit Kur- und Gesundheitsangeboten und auf Sylt gibt es spezialisierte Einrichtungen für Hauterkrankungen und Allergien.

Auch ein Aufenthalt in Davos oder Arosa kann bei Neurodermitis interessant sein, insbesondere wenn gleichzeitig Allergien eine große Rolle spielen. Wenn Sie dagegen Sonne und Meer lieben und die deutsche Winterkälte Ihrer Haut wenig Freude macht, können Kanaren oder Madeira eine Alternative für die kälteren Monate sein. Dabei sollte weiterhin auf Sonnenschutz und die gewohnte Hautpflege geachtet werden. Die Kanaren besitzen ein ganzjährig mildes Klima, Madeira ebenfalls relativ geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen.

Bei Psoriasis: Meer und gut dosierte Sonne können besonders angenehm sein

Auch bei Psoriasis spielen Meer, Licht und Klima für viele Betroffene eine Rolle. Klimatherapie ist weiterhin Bestandteil dermatologischer Behandlungskonzepte, wobei medizinisch genutzte UV-Therapie natürlich nicht mit einem möglichst langen Sonnenbad verwechselt werden darf.

Für einen gewöhnlichen Erholungsurlaub sind Nordsee und Ostsee besonders interessant. Borkum, Norderney, Sylt und Föhr bieten lange Aufenthalte am Meer, während Usedom und Rügen an der Ostsee ebenfalls sehr schöne Möglichkeiten für Spaziergänge, Baden und viel Aufenthalt draußen bieten.

Wenn Sie gern in den Süden reisen, können Kanaren, Madeira, Mallorca, Menorca oder die Algarve außerhalb des Hochsommers angenehm sein. Die Idee dahinter ist nicht „möglichst viel Sonne“, sondern ein Klima, bei dem Sie viel Zeit draußen verbringen können, ohne den ganzen Tag mit extremer Hitze kämpfen zu müssen. Madeira weist ganzjährig ein mildes Klima auf, die Algarve ebenfalls überwiegend milde Bedingungen.

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Mildes Klima schlägt extreme Temperaturen

Wenn Sie eine stabile Herz-Kreislauf-Erkrankung haben, ist ein mildes Klima mit kurzen Wegen und guter medizinischer Versorgung häufig eine sehr gute Wahl. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, bei der Reiseplanung Klima, Höhenlage und medizinische Versorgung zu berücksichtigen. Als besonders günstige Reisezeiten werden Frühjahr und Herbst genannt, weil große Hitze und starke Klimawechsel leichter vermieden werden können.

Sehr schön können deshalb Bodensee und Chiemsee, gut erschlossene Ostseeregionen oder klassische Kurorte sein. Wenn Sie gerne in einer Umgebung Urlaub machen möchten, die bereits auf Gesundheitsgäste eingestellt ist, kommen beispielsweise Bad Kissingen, Bad Wörishofen oder Bad Steben infrage.

Auch Österreich bietet mit Bad Ischl und dem Salzkammergut eine angenehme Verbindung aus Kurtradition, Seen, Bergen und Spaziermöglichkeiten. Bad Ischl ist ein traditionsreicher Solekurort.

In der Schweiz ist Bad Ragaz interessant, wenn Sie einen Thermal- und Gesundheitsurlaub bevorzugen. Die Tamina Therme gehört zu den bekannten Thermalangeboten der Region.

Wenn Sie ans Mittelmeer möchten, würde ich eher April, Mai, September oder Oktober wählen. So bekommen Sie Sonne und Wärme, ohne Ihren Urlaub mitten in die größte Sommerhitze zu legen.

Bei Venenschwäche und schweren Beinen: Wasser und Bewegung sind eine starke Kombination

Wenn Ihre Beine schnell anschwellen oder sich bei Wärme schwer anfühlen, würde ich einen Urlaubsort wählen, an dem Bewegung im und am Wasser fast automatisch zum Tagesablauf gehört. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie empfiehlt bei Venenerkrankungen unter anderem Schwimmen, Aqua-Jogging, Walking und Radfahren. Besonders Bewegung im Wasser ist interessant, weil der Wasserdruck den venösen Rückfluss unterstützt.

Dafür eignen sich Nordsee, Ostsee und Seenregionen hervorragend. Usedom, Rügen, Föhr und Norderney sind naheliegende deutsche Ziele. Wenn Sie gern Richtung Norden reisen, ist die finnische Saimaa-Seenplatte eine wunderschöne Alternative. Rund um Savonlinna, Mikkeli und Lappeenranta finden Sie eine enorme Seenlandschaft und viele Möglichkeiten für Schwimmen, Spaziergänge und Radfahren.

Auch die Stockholmer Schären, die schwedische Westküste und Dänemark mit Fanø oder Rømø passen wunderbar zu einem bewegungsreichen Urlaub ohne mediterrane Hochsommerhitze. Dänemark besitzt ein gemäßigtes maritimes Klima, und Fanø und Rømø gehören zu den bekannten dänischen Nordseeinseln.

Denken Sie bei Venenerkrankungen auch an die Anreise. Die Fachgesellschaft empfiehlt bei längeren Reisen regelmäßige Bewegungspausen und Bewegung der Beine.

Bei Rheuma, Arthrose und chronischen Gelenkbeschwerden: Thermalorte sind besonders interessant

Wenn Ihre Gelenke und Ihre Beweglichkeit im Mittelpunkt stehen, lohnt sich ein genauer Blick auf Thermal- und Kurorte. Die Deutsche Rheuma-Liga beschreibt unter anderem Thermal- und Heilwasser, Moor, Kneippanwendungen und Bewegungsangebote als Bestandteile von Kurkonzepten und empfiehlt, gezielt Einrichtungen auszuwählen, die zu den eigenen rheumatischen Beschwerden passen.

In Deutschland gehört Bad Füssing zu den bekanntesten Möglichkeiten. Auch Bad Griesbach, Bad Endorf, Bad Steben und Bad Wörishofen sind interessante Kurorte, wenn Sie kurze Wege, Bewegungsangebote und eine medizinisch geprägte Infrastruktur schätzen. Deutschland besitzt insgesamt mehr als 350 staatlich anerkannte Heilbäder und Kurorte, sodass Sie dafür keineswegs weit reisen müssen.

In Österreich sind Bad Gastein und Bad Hofgastein besonders interessant. Das Gasteinertal verbindet Berglandschaft mit Thermalwasser, Felsentherme und Alpentherme. Auch Bad Ischl und Bad Kleinkirchheim kommen infrage, wenn Sie Thermalbad und Urlaub in der Natur miteinander verbinden möchten.

In der Schweiz gehören Leukerbad und Bad Ragaz zu den bekanntesten Thermalorten. Leukerbad ist von Bergen umgeben und verfügt über eine ausgeprägte Thermalbadkultur, während Bad Ragaz durch die Tamina-Therme bekannt ist.

Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums gibt es eine erstaunliche Auswahl. Hévíz in Ungarn ist für seinen natürlichen Thermalsee bekannt. In Tschechien finden Sie mit Karlovy Vary, Mariánské Lázně, Františkovy Lázně und Jáchymov einige der traditionsreichsten Kurorte Europas. Slowenien besitzt zahlreiche staatlich anerkannte Naturheilbäder, darunter Strunjan, Rogaška Slatina und verschiedene Thermalorte, wobei viele Einrichtungen Angebote für Erkrankungen des Bewegungsapparates führen.

Wenn Ihnen milde Wärme persönlich besonders guttut, kann außerdem ein Urlaub am Mittelmeer im Frühjahr oder Herbst angenehm sein. Mallorca, Menorca, Kreta, die Algarve oder die Kanaren ermöglichen dann häufig viel Bewegung draußen, ohne dass Sie den heißesten Teil des Jahres wählen müssen.

Bei Multipler Sklerose und Hitzeempfindlichkeit: Im Sommer nach Norden

Wenn Sie Multiple Sklerose haben und Wärme Ihre Beschwerden verstärkt, ist die Empfehlung besonders klar: Schauen Sie im Hochsommer nach Norden. Bei vielen Menschen mit MS können hohe Temperaturen bereits bestehende neurologische Beschwerden wie Fatigue, Konzentrationsprobleme, Sehstörungen oder eine geringere körperliche Belastbarkeit vorübergehend verstärken. Die DMSG beschreibt dieses Uhthoff-Phänomen ausdrücklich und empfiehlt eine individuelle Anpassung an Wärme sowie Kühlstrategien.

Damit werden Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark im Juli und August besonders interessant.

In Norwegen sind die Lofoten, Tromsø, Senja und Vesterålen wunderschöne Möglichkeiten. Nordnorwegen besitzt im Sommer ein vergleichsweise kühles Küstenklima, wobei der Golfstrom die Temperaturen zugleich milder hält, als die nördliche Lage zunächst vermuten lässt. Lofoten und Senja verbinden Meer und Berge, während Tromsø den Vorteil einer größeren Stadt mit entsprechender Infrastruktur bietet.

Wenn Sie Schweden bevorzugen, sind Kiruna und Abisko für einen ausgesprochen nördlichen Sommer interessant. Wer weniger abgeschieden reisen möchte, kann nach Dalarna, an die schwedische Westküste oder in die Stockholmer Schären fahren. In Abisko und Kiruna erleben Sie im Frühsommer sogar die Mitternachtssonne.

In Finnland gefallen mir besonders Rovaniemi, Saariselkä und Inari, wenn Sie einen kühleren Lapplandurlaub suchen. In Rovaniemi liegen durchschnittliche Sommertemperaturen laut Visit Finland ungefähr zwischen 15 und 22 Grad. Wenn Sie lieber Wasser als Tundra vor dem Fenster haben, ist die Saimaa-Seenplatte eine wunderbare Alternative.

Und wenn Ihnen Nordnorwegen oder Lappland zu weit sind, ist Dänemark eine sehr unkomplizierte Zwischenlösung. Rømø, Fanø, Bornholm und die Küsten Jütlands bieten echten Sommerurlaub am Wasser, ohne dass Sie dafür automatisch extreme Hitze brauchen.

Bei Migräne: Ruhig, mild und ohne komplizierten Tagesrhythmus

Bei Migräne gibt es keinen Urlaubsort, der sich seriös als medizinisch bester Migräneort bezeichnen ließe. Wenn Sie eine klare Reiseorientierung möchten, würde ich jedoch ruhige, gemäßigte Ziele mit unkomplizierter Anreise und vielen Möglichkeiten für einen regelmäßigen Tagesablauf bevorzugen.

Nord- und Ostsee, Bodensee, Chiemsee, Dänemark oder eine ruhige Seenregion können dafür sehr angenehm sein. Der große Vorteil liegt weniger in einem bestimmten Heilklima, sondern darin, dass Sie Schlaf, Mahlzeiten, Bewegung und Erholung leichter regelmäßig gestalten können. Wenn Sie wissen, dass Hitze zu Ihren persönlichen Auslösern gehört, sind kühle Küstenregionen im Hochsommer besonders naheliegend.

Ein Fernziel mit großer Zeitverschiebung ist dagegen nicht notwendig, um einen erholsamen Urlaub zu verbringen. Manchmal ist eine ruhige Woche an einem See zwei Stunden von zu Hause entfernt genau das, was Ihrem Kopf besser bekommt.

Bei Diabetes, Nierenerkrankungen und anderen chronischen Erkrankungen entscheidet oft die Infrastruktur

Nicht jede Erkrankung lässt sich sinnvoll einem bestimmten Klima zuordnen. Bei Diabetes, chronischen Nierenerkrankungen oder Erkrankungen, bei denen regelmäßig Medikamente, Hilfsmittel oder medizinische Behandlungen benötigt werden, ist häufig ein gut erschlossener Ferienort wichtiger als die Frage, ob vor dem Fenster Meer oder Berge liegen.

gesund.bund.de empfiehlt bei chronischen Erkrankungen unter anderem, Medikamente in ausreichender Menge mitzunehmen, wichtige medizinische Unterlagen vorzubereiten und vorab zu klären, welche Versorgung am Reiseziel zur Verfügung steht. Temperaturempfindliche Medikamente müssen außerdem vor Hitze und Frost geschützt werden. Bei Dialysepflicht sollte die Versorgung am Reiseziel entsprechend organisiert werden.

Für solche Reisen können größere Kurorte und gut erschlossene Ferienregionen besonders praktisch sein. Bad Füssing, Bad Kissingen, Bad Reichenhall, Sylt, Usedom, Rügen, Bad Ischl, Bad Ragaz, Tromsø oder Rovaniemi bieten beispielsweise mehr Infrastruktur als eine abgelegene Berghütte oder eine sehr kleine Insel.

Norwegen, Schweden und Finnland verdienen einen festen Platz in der Reiseplanung

Skandinavien und Finnland sind nicht nur Alternativen für Menschen mit MS. Sie sind generell interessant für alle, die große Sommerhitze vermeiden und trotzdem viel Zeit draußen verbringen möchten.

Norwegen: Meer, Inseln und ein kühlerer Sommer

Die Lofoten verbinden dramatische Berge mit kleinen Fischerdörfern und Meer. Wer medizinische oder touristische Infrastruktur wichtiger findet, ist in Tromsø häufig besser aufgehoben. Senja ist ruhiger, Vesterålen ebenfalls landschaftlich reizvoll, und kleinere Inseln rund um Tromsø können wunderbar sein, wenn Sie vor allem Erholung suchen. Das nordnorwegische Küstenklima sorgt für relativ kühle Sommer, während der Golfstrom die Region gleichzeitig vergleichsweise mild hält.

Für Menschen mit deutlichen gesundheitlichen Einschränkungen würde ich Tromsø oder einen größeren Ort auf den Lofoten eher wählen als eine ganz abgelegene Unterkunft. Sie können dann Natur genießen, ohne bei jedem Einkauf oder Arztbesuch eine halbe Tagesreise einplanen zu müssen.

Schweden: Lappland oder lieber Seen und Schären

Wenn Ihnen ein richtig kühler Sommer gefällt, schauen Sie sich Kiruna und Abisko an. Wenn Sie dagegen Wald, Seen und kleine Orte bevorzugen, ist Dalarna wunderschön. Für einen Urlaub am Wasser sind die Stockholmer Schären oder die Westküste rund um Bohuslän besonders interessant.

So bietet Schweden gewissermaßen zwei Gesundheitsurlaube in einem Land: ganz weit im Norden einen ausgesprochen kühlen Sommer, weiter südlich einen gemäßigten Urlaub mit Seen, Radwegen und Küstenlandschaft.

Finnland: Lappland oder die Saimaa-Seenplatte

Rovaniemi ist für einen Lapplandurlaub besonders praktisch, weil die Stadt gut erreichbar ist und trotzdem sehr schnell Natur erreichbar wird. Wer es ruhiger möchte, kann weiter nach Saariselkä oder Inari fahren. Das offizielle finnische Tourismusportal hebt diese Orte ausdrücklich als Sommerziele in Lappland hervor.

Wenn Sie nicht unbedingt bis zum Polarkreis möchten, ist die Saimaa-Seenplatte vielleicht sogar die angenehmere Wahl. Rund um Savonlinna, Mikkeli oder Lappeenranta können Sie schwimmen, Boot fahren, spazieren und Rad fahren und befinden sich trotzdem in Regionen mit einer gewissen Infrastruktur.

Die deutschen Nordseeinseln: Welche passt zu Ihnen?

Wenn Sie nicht weit reisen möchten, haben Sie mit den deutschen Nordseeinseln bereits eine erstaunlich große Auswahl.

Borkum ist besonders interessant, wenn Sie echtes Hochseeklima und ein ausgeprägtes Thalassoangebot suchen. Die Insel trägt seit 2014 den offiziellen Titel Thalasso-Nordseeheilbad.

Norderney verbindet Nordseeurlaub ebenfalls mit Thalasso und Gesundheitsangeboten. Wer Strand, Bewegung und ein größeres Inselzentrum miteinander verbinden möchte, findet hier eine gute Mischung.

Föhr besitzt ein etwas milder empfundenes Reizklima und ein umfangreiches Angebot rund um Kur, Gesundheit und Thalasso. Die Insel nennt insbesondere Atemwegs- und Hautprobleme sowie Allergien als klassische Bereiche ihrer Kurangebote.

Sylt wiederum besitzt eine besonders breite medizinische Infrastruktur. Die dortigen Kurkliniken haben Schwerpunkte unter anderem bei Haut-, Atemwegs- und allergischen Erkrankungen.

Wenn Sie also auswählen möchten, können Sie sich grob merken: Borkum für ausgeprägtes Hochseeklima, Norderney für Thalasso und einen lebhafteren Inselurlaub, Föhr für etwas ruhigere und mildere Bedingungen und Sylt für eine besonders umfangreiche Gesundheitsinfrastruktur.

Auch die Ostsee hat gesundheitlich viel zu bieten

Die Ostsee wird manchmal ein wenig übersehen, wenn von Gesundheitsurlaub am Meer gesprochen wird. Dabei können Usedom und Rügen gerade für Menschen interessant sein, die Küstenurlaub und gute Erreichbarkeit miteinander verbinden möchten.

Lange Strandpromenaden, viele flachere Wege, größere Badeorte und eine umfangreiche touristische Infrastruktur machen beide Inseln besonders praktisch bei eingeschränkter Belastbarkeit. Für COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Venenschwäche oder einfach den Wunsch nach einem moderaten Sommerklima können sie deshalb attraktive Ziele sein.

Österreich: Kurorte, Thermalwasser und Berge in einer Reise

Österreich bietet eine enorme Auswahl, wenn Sie Gesundheitsurlaub und klassische Ferien miteinander verbinden möchten.

Bad Gastein und Bad Hofgastein gehören dabei zu den interessantesten Orten. Beide liegen im Gasteinertal und bieten Thermalwasser, Thermen und eine ausgeprägte Kurtradition. In Bad Gastein befindet sich die Felsentherme, in Bad Hofgastein die Alpentherme.

Bad Ischl ist eine schöne Wahl, wenn Sie Seen und Berge lieben, aber keinen hochalpinen Urlaub möchten. Der traditionsreiche Solekurort liegt mitten im Salzkammergut.

Weitere österreichische Kur- und Luftkurorte bieten Kombinationen aus Thermalwasser, Heilklima und Bewegungsmöglichkeiten. Die offizielle österreichische Tourismusorganisation führt eine ganze Reihe solcher Orte.

Schweiz: Höhenklima oder Thermalwasser

Die Schweiz ist besonders interessant, weil sie zwei ganz unterschiedliche Möglichkeiten bietet.

Wenn Allergien, Pollen oder Höhenklima im Vordergrund stehen, sind Davos, Arosa und das Engadin besonders spannend.

Wenn dagegen Thermalwasser, Gelenke und Entspannung wichtiger sind, sollten Sie sich Leukerbad und Bad Ragazanschauen. Leukerbad verbindet Thermalbäder mit alpiner Berglandschaft, während Bad Ragaz durch die Tamina-Therme geprägt ist.

Damit lässt sich die Schweiz erstaunlich einfach einordnen: Davos und Arosa für Höhenklima, Leukerbad und Bad Ragaz für Thermalurlaub.

Kanaren und Madeira: Wenn Sie im Winter milde Temperaturen suchen

Wenn Kälte Ihnen körperlich wenig Freude macht, gehören Kanaren und Madeira zu den interessantesten europäischen Winterzielen.

Auf den Kanaren finden Sie Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera und El Hierro. Die Inselgruppe weist relativ gleichmäßige Temperaturen über das Jahr auf. Die offiziellen Tourismusinformationen nennen im Mittel ungefähr 22 Grad im Winter und 26 Grad im Sommer, wobei zwischen den einzelnen Inseln und Höhenlagen deutliche Unterschiede bestehen.

Für Menschen, die möglichst flache Landschaften bevorzugen, können Lanzarote oder Fuerteventura interessant sein. Wer mehr Infrastruktur möchte, findet auf Teneriffa und Gran Canaria besonders viele Angebote. Wenn Sie gerne wandern und Höhenunterschiede gut bewältigen können, sind La Palma und La Gomera reizvoll.

Madeira besitzt ebenfalls ein ganzjährig mildes Klima, ist allerdings deutlich bergiger. Wenn Ihre Mobilität eingeschränkt ist, ist eine Unterkunft rund um Funchal oder in einer gut erschlossenen Küstenregion häufig praktischer als ein abgelegener Bergort.

Tschechien, Ungarn und Slowenien: Eine überraschend große Auswahl an Kurorten

Wenn Sie klassische Kurorte mögen, müssen Sie nicht ausschließlich nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz schauen.

In Tschechien gehören Karlovy Vary, Mariánské Lázně und Františkovy Lázně zu den traditionsreichsten Kurorten. Gemeinsam bilden sie einen Teil der UNESCO-Welterbestätte „Great Spa Towns of Europe“. Hinzu kommen Orte wie Jáchymov und Karlova Studánka.

In Ungarn ist vor allem Hévíz bekannt. Der Ort besitzt einen großen natürlichen Thermalsee und ist eine klassische Adresse für Thermalurlaub.

In Slowenien finden Sie eine ganze Reihe natürlicher Heilbäder. Besonders interessant ist Strunjan, weil dort Meer und Thalassotherapie zusammenkommen. Rogaška Slatina wiederum ist ein traditionsreicher Kurort mit Mineralwasserangeboten. Viele slowenische Kurorte führen außerdem Programme für rheumatische und andere Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Damit haben Sie gerade bei Rheuma, Arthrose und chronischen Gelenkbeschwerden eine viel größere Auswahl, als es zunächst scheint.

Die große Übersicht: Welche Orte passen zu welchen Beschwerden?

Jetzt haben Sie die einzelnen Zusammenhänge kennengelernt. Wenn Sie einfach schnell nachschauen möchten, welche Länder, Inseln und Kurorte für Ihre Beschwerden besonders interessant sind, hilft diese Übersicht:

Die medizinische Grundlage hinter dieser Übersicht sind nicht einzelne „Wunderorte“, sondern die jeweiligen Bedingungen. Bei Allergien sind Pollenbelastung und Höhe entscheidend, bei Neurodermitis spielt beispielsweise Reizklima eine Rolle, Menschen mit bestimmten Lungenerkrankungen können von gemäßigten Temperaturen profitieren, bei Venenerkrankungen ist regelmäßige Bewegung besonders wichtig und bei wärmeempfindlicher MS kann ein kühleres Umfeld den Alltag deutlich angenehmer machen.

Frühling: Süden, Kurorte und bei Allergien die Berge

Der April und Mai sind besonders schöne Monate, wenn Sie Wärme mögen, aber extreme Temperaturen vermeiden möchten. Für Rheuma oder Gelenkbeschwerden können Mallorca, Menorca, Algarve, Madeira oder südliche Regionen Italiens und Griechenlands reizvoll sein, weil Spaziergänge und Bewegung draußen angenehm möglich sind.

Auch Bad Gastein, Bad Hofgastein, Bad Ischl, Bad Füssing, Bad Griesbach, Leukerbad und Bad Ragaz sind jetzt eine schöne Wahl, weil Sie Thermalangebote mit Bewegung im Freien verbinden können.

Für Pollenallergiker sieht die Planung anders aus. Wenn ausgerechnet der Frühling zu Hause Ihre schwierigste Zeit ist, sind Davos, Arosa und andere hoch gelegene Alpenorte besonders interessant. Der Allergieinformationsdienst empfiehlt ausdrücklich, die Reise an der persönlichen Pollensaison auszurichten.

Sommer: Jetzt schlägt die Stunde des Nordens

Wenn Sie große Hitze gut vertragen, können Sie im Sommer selbstverständlich auch nach Süden reisen. Wenn Wärme Ihnen gesundheitlich zu schaffen macht, bietet Europa aber eine beeindruckende Alternative: Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark.

Für Menschen mit wärmeempfindlicher MS gehören Tromsø, Lofoten, Senja, Kiruna, Abisko, Rovaniemi, Saariselkä und Inari zu den interessantesten Reisezielen. In Rovaniemi liegen die durchschnittlichen Sommertemperaturen deutlich niedriger als in Südeuropa.

Wenn Ihnen Lappland zu weit ist, sind Dänemark, die Stockholmer Schären, Saimaa, Nordsee und Ostsee wunderbare Möglichkeiten. Sie bekommen Wasser, lange Tage und viel Natur, ohne zwangsläufig bei 35 Grad auf dem Balkon zu sitzen und darauf zu warten, dass es endlich Abend wird.

Herbst: Für viele Beschwerden eine besonders angenehme Reisezeit

September und Oktober sind gesundheitlich ausgesprochen interessante Reisemonate. Jetzt wird der Süden wieder angenehm, während viele Kur- und Küstenregionen noch hervorragend bereist werden können.

Wenn Ihnen milde Wärme bei Rheuma oder Gelenkbeschwerden guttut, können Mallorca, Menorca, Kreta, Algarve, Madeira oder die Kanaren interessant sein. Für Thermalurlaub bieten sich Bad Füssing, Bad Gastein, Leukerbad, Bad Ragaz oder Hévíz an.

Auch Menschen mit stabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen finden im Herbst häufig angenehmere Bedingungen. Die Deutsche Herzstiftung nennt Frühjahr und Herbst ausdrücklich als besonders geeignete Reisezeiten für viele Herzpatientinnen und Herzpatienten.

Winter: Wärme auf den Inseln oder Thermalwasser vor der Haustür

Wenn Sie Kälte schlecht vertragen, müssen Sie im Winter nicht bis in die Tropen fliegen. Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura und Madeira bieten vergleichsweise milde Bedingungen und erlauben auch in den Wintermonaten viel Aufenthalt im Freien.

Wer nicht fliegen möchte, kann den Winter für einen Thermalurlaub nutzen. Bad Füssing, Bad Griesbach, Bad Gastein, Bad Hofgastein, Bad Ischl, Leukerbad oder Bad Ragaz funktionieren unabhängig davon, ob draußen Sonnenschein oder Schneeregen herrscht.

Bei einer Hausstaubmilbenallergie ist wiederum ein Winterurlaub in Davos oder Arosa eine völlig andere, aber interessante Möglichkeit.

Ein Kurort kann praktischer sein als ein vermeintlich perfekter Ferienort

Ein klassischer Kurort wirkt auf den ersten Blick vielleicht weniger aufregend als eine kleine Insel irgendwo im Nordatlantik. Bei einer chronischen Erkrankung kann er aber einen entscheidenden Vorteil haben: Viele Dinge sind bereits auf Menschen mit gesundheitlichen Bedürfnissen ausgerichtet.

Deutschland hat mehr als 350 staatlich anerkannte Heilbäder und Kurorte. Dort treffen natürliche Heilmittel wie Thermalwasser, Sole, Moor oder Heilklima auf medizinische und therapeutische Einrichtungen sowie eine entsprechend ausgebaute Infrastruktur.

Das bedeutet nicht, dass Sie automatisch eine medizinische Kur machen müssen. Sie können genauso gut zehn Tage in Bad Füssing wohnen, morgens spazieren gehen, nachmittags ins Thermalbad und abends ganz normal essen gehen. Oder Sie verbringen eine Woche auf Norderney und nutzen nur die Angebote, die Ihnen guttun.

Gesundheitsurlaub darf sich immer noch nach Urlaub anfühlen.

Schauen Sie bei eingeschränkter Mobilität nicht nur auf das Klima

Ein perfektes Klima hilft Ihnen wenig, wenn Sie Ihr Hotel nur über zahlreiche Treppen erreichen oder jede kleine Besorgung mit einer steilen Bergstraße beginnt. Gerade bei Rheuma, Arthrose, MS, COPD oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte deshalb auch die Topografie des Urlaubsortes berücksichtigt werden.

Flache Inseln und Küstenregionen wie Föhr, Usedom, Rømø oder Fanø können dann besonders angenehm sein. Auch Bad Füssing und andere klassische Kurorte sind häufig auf Gäste mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen eingestellt.

Madeira, Lofoten, Senja und alpine Orte können ebenfalls wunderschön sein, erfordern aber eine sorgfältigere Auswahl der Unterkunft und der täglichen Wege. Hier lohnt es sich, vor der Buchung genau zu prüfen, wie steil die Umgebung ist und wie gut Sie Restaurants, Geschäfte oder öffentliche Verkehrsmittel erreichen können.

gesund.bund.de empfiehlt Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ausdrücklich, Infrastruktur, Mobilität und die körperlichen Anforderungen von Aktivitäten bereits vor der Reise zu prüfen.

Ihre Medikamente brauchen ebenfalls eine gute Reiseplanung

Gerade wenn Sie regelmäßig Medikamente benötigen, sollte die Reiseapotheke nicht erst am Abend vor der Abfahrt gepackt werden. Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit und planen Sie eine Reserve ein. Wichtige Arzneimittel und Hilfsmittel gehören bei Flugreisen ins Handgepäck. Temperaturempfindliche Präparate müssen vor Hitze und Frost geschützt werden. gesund.bund.de nennt beispielsweise Insulin ausdrücklich als Medikament, bei dem die richtige Temperatur während der Reise beachtet werden muss.

Bei Sauerstofftherapie, Dialyse, schweren Allergien oder anderen besonderen Anforderungen sollten Sie frühzeitig klären, wie die Versorgung am Urlaubsort funktioniert. Auch ein aktueller Medikationsplan und wichtige Informationen zu Ihrer Erkrankung können hilfreich sein.

Das klingt zunächst nach zusätzlicher Arbeit, sorgt aber genau dafür, dass Sie während des Urlaubs weniger organisieren müssen.

Nehmen Sie Ihre eigenen Erfahrungen ernst

Vielleicht wissen Sie längst, welches Klima Ihnen guttut. Möglicherweise schläft Ihre Haut an der Nordsee förmlich auf, Ihre Gelenke mögen den milden Süden im Oktober oder Sie stellen jedes Jahr fest, dass Ihnen Hochsommerhitze überhaupt nicht bekommt.

Solche Erfahrungen sind wertvoll. Selbst innerhalb derselben Erkrankung reagieren Menschen unterschiedlich. Die DMSG betont beispielsweise ausdrücklich, dass Wärmeempfindlichkeit bei MS individuell ausgeprägt ist. Auch bei rheumatischen Erkrankungen empfiehlt die Rheuma-Liga, Klima und Reiseform an die persönliche Situation anzupassen.

Wenn Sie möchten, können Sie nach dem Urlaub sogar kurz notieren, wie es Ihnen ging: Wie waren Temperatur und Luft? Konnten Sie sich gut bewegen? Haben Sie besser geschlafen? Waren Haut, Gelenke oder Atemwege ruhiger als zu Hause?

Nach einigen Reisen entsteht daraus Ihr ganz persönlicher Gesundheits-Reiseführer.

Fazit: Das passende Klima kann aus einem schönen Urlaub einen wirklich erholsamen machen

Wenn Sie Pollen oder Hausstaubmilben plagen, schauen Sie zuerst in ausreichend hoch gelegene Alpenregionen wie Davos oder Arosa. Bei Neurodermitis und allergischem Asthma gehören die deutschen Nordseeinseln zu den interessantesten klassischen Reisezielen. Bei COPD sind flache, gut erschlossene Küstenregionen besonders praktisch. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sprechen viele Gründe für ein mildes Klima im Frühjahr oder Herbst.

Wenn Venen und schwere Beine das Problem sind, sind Küsten und Seen mit viel Bewegung im Wasser eine hervorragende Wahl. Bei Rheuma, Arthrose oder chronischen Gelenkbeschwerden eröffnet sich eine riesige Auswahl an Thermal- und Kurorten von Bad Füssing über Bad Gastein und Leukerbad bis Hévíz. Wer mit MS oder einer anderen ausgeprägten Hitzeempfindlichkeit lebt, sollte im Hochsommer Norwegen, Schweden, Finnland oder Dänemark ruhig weit nach oben auf die Wunschliste setzen.

Und wenn Sie im Winter milde Wärme suchen, warten Kanaren und Madeira auf Sie, ohne dass Sie dafür gleich in tropische Hitze reisen müssen.

Sie müssen also nicht nach dem einen „gesündesten Urlaubsort der Welt“ suchen. Viel sinnvoller ist es, die Region zu wählen, die Ihrem Körper die Bedingungen bietet, mit denen er besonders gut zurechtkommt.

Vielleicht heißt das für Sie Nordseewind statt Mittelmeerhitze, finnischer See statt voller Strandpromenade, Thermalwasser statt Berggipfel oder ein milder Oktober auf einer Insel statt August bei 38 Grad.

Der beste Urlaubsort ist am Ende der Ort, an dem Ihre Erkrankung möglichst wenig bestimmt, wie Ihr Tag aussehen darf.

Quellen und weiterführende Fachinformationen

Für die medizinischen Grundlagen dieses Beitrags wurden vor allem Informationen des staatlichen Gesundheitsportals gesund.bund.de, des Allergieinformationsdienstes und Lungeninformationsdienstes von Helmholtz Munich, der Deutschen Herzstiftung, der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, der Deutschen Rheuma-Liga, der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie sowie des Deutschen Heilbäderverbandes berücksichtigt.

Informationen zu einzelnen Kurorten und Reisezielen wurden zusätzlich mit offiziellen Informationsseiten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Portugal, Spanien, Tschechien, Ungarn und Slowenien abgeglichen.

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Reiseorientierung. Ein bestimmter Urlaubsort oder ein bestimmtes Klima ersetzt keine medizinische Behandlung und kann nicht garantieren, dass sich Beschwerden bessern. Bei einer schweren oder instabilen Herz- oder Lungenerkrankung, Sauerstofftherapie, kürzlich erfolgten Operation, Dialysepflicht, ausgeprägter Mobilitätseinschränkung oder anderen erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen sollten Sie Ihre konkrete Reise vorher mit Ihrer behandelnden Praxis besprechen.

Medizinische Einordnung

Wie angenehm ein Klima für Sie ist, hängt nicht allein von Ihrer Diagnose ab. Auch der Schweregrad der Erkrankung, Ihre Medikamente, Ihre körperliche Belastbarkeit, persönliche Erfahrungen, Alter, Begleiterkrankungen und die medizinische Versorgung am Urlaubsort spielen eine Rolle. Die genannten Reiseziele sollen Ihnen deshalb eine verständliche und praktische Orientierung geben und sind keine pauschalen Therapieempfehlungen.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell ausgewählt beziehungsweise bearbeitet.

Stand

August 2026

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