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Schlank auf der Waage – aber Fett im Bauchraum? Was hinter TOFI steckt und warum das Gewicht nicht alles über den Stoffwechsel verrät
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Schlank auf der Waage – aber Fett im Bauchraum? Was hinter TOFI steckt und warum das Gewicht nicht alles über den Stoffwechsel verrät

Wer schlank aussieht, einen normalen BMI hat und seit Jahren ungefähr dasselbe Gewicht hält, geht meist selbstverständlich davon aus, dass Übergewicht, Fettleber oder Typ-2-Diabetes kein persönliches Thema sein können. Schließlich zeigt die Waage kein auffälliges Gewicht und von außen ist vielleicht kaum Bauchfett zu erkennen. Genau hier setzt ein Begriff an, der in der Stoffwechselforschung schon länger verwendet wird und inzwischen immer häufiger auftaucht: TOFI. Die Abkürzung steht für „Thin Outside, Fat Inside“, also vereinfacht übersetzt: außen schlank, innen vergleichsweise viel Fett. Gemeint sind Menschen, die äußerlich normalgewichtig oder schlank erscheinen, deren Körper aber verhältnismäßig viel Fett tief im Bauchraum oder an Stellen speichert, an denen Fett für den Stoffwechsel ungünstiger sein kann. Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung von 2026 verwendet den Begriff ausdrücklich für Menschen mit normalem oder beinahe normalem BMI, bei denen trotzdem vermehrtes tiefes Bauchfett vorhanden ist.

Dabei ist gleich zu Beginn eine wichtige Einordnung notwendig: TOFI ist keine eigenständige Krankheit und keine offizielle medizinische Diagnose, die bei einer Blutuntersuchung einfach festgestellt wird. Der Begriff beschreibt vielmehr ein bestimmtes Muster der Körperzusammensetzung. Auch der Ausdruck „Normal Weight Obesity“, also eine Form von Adipositas bei normalem Körpergewicht, wird in diesem Zusammenhang verwendet, ist aber nicht vollkommen dasselbe. Manche Menschen haben bei normalem Gewicht insgesamt einen relativ hohen Körperfettanteil und wenig Muskelmasse, andere speichern vor allem viel Fett im Bauchraum oder in Organen, obwohl der gesamte Körperfettanteil gar nicht außergewöhnlich hoch erscheint. Gemeinsam ist diesen Situationen vor allem eines: Das Körpergewicht allein kann nicht zeigen, wo Fett gespeichert wird und wie viel Muskelmasse gleichzeitig vorhanden ist. Genau diese Begrenzung des BMI wird inzwischen auch in den aktuellen amerikanischen Standards zur Beurteilung von Übergewicht und Adipositas von 2026 ausdrücklich berücksichtigt.

Vielleicht kennen Sie jemanden, der sehr schlank ist, sich kaum bewegt, wenig Muskelmasse besitzt und trotzdem sagt: „Ich kann essen, was ich möchte, ich nehme ja nicht zu.“ Genau an diesem Beispiel wird deutlich, warum Gewicht und Stoffwechselgesundheit nicht dasselbe sind. Dass das Gewicht stabil bleibt, sagt zunächst nur aus, dass sich die gesamte Körpermasse nicht wesentlich verändert. Es sagt nicht, ob ein Mensch viel oder wenig Muskulatur besitzt, ob Fett überwiegend unter der Haut gespeichert wird oder ob sich ein größerer Anteil tief im Bauchraum und in bestimmten Organen befindet.

Merkkasten: Ein normaler BMI bedeutet nicht automatisch, dass im Körper wenig Fett vorhanden ist oder dass dieses Fett günstig verteilt ist. Die Waage zeigt das Gesamtgewicht, aber sie kann weder zwischen Fett und Muskelmasse unterscheiden noch erkennen, ob Fett vorwiegend unter der Haut oder tief im Bauchraum gespeichert ist.

Warum die Waage so wenig über die Fettverteilung verrät

Eine gewöhnliche Waage unterscheidet nicht zwischen Muskeln, Fett, Knochen, Organen und Körperwasser. Zwei Menschen können deshalb beide 70 Kilogramm wiegen und völlig unterschiedlich zusammengesetzt sein. Der eine besitzt viel Muskelmasse und relativ wenig Körperfett, der andere weniger Muskulatur und deutlich mehr Fettmasse. Selbst der BMI kann diesen Unterschied nicht erkennen, denn er wird lediglich aus Körpergewicht und Körpergröße berechnet.

Der BMI ist deshalb keineswegs nutzlos. Für große Bevölkerungsgruppen liefert er eine einfache und brauchbare Orientierung und ein deutlich höherer BMI geht durchschnittlich mit einem höheren Risiko für zahlreiche Erkrankungen einher. Auf Ebene eines einzelnen Menschen hat er aber Grenzen. Er kann beispielsweise bei einem sehr muskulösen Menschen einen hohen Wert anzeigen, obwohl nur wenig überschüssiges Fett vorhanden ist. Umgekehrt kann er bei einem älteren Menschen mit wenig Muskulatur oder bei bestimmten Bevölkerungsgruppen ein gesundheitlich relevantes Maß an Körperfett unterschätzen. Die neuen Standards der American Diabetes Association aus dem Jahr 2026 betonen deshalb ausdrücklich, dass der BMI weder die tatsächliche Körperzusammensetzung noch die Verteilung des Fettgewebes direkt messen kann.

Genau das macht TOFI so interessant. Der betreffende Mensch muss äußerlich überhaupt nicht übergewichtig wirken. Vielleicht passt seit Jahren dieselbe Kleidergröße und der BMI liegt unter 25. Trotzdem kann die Verteilung des vorhandenen Fettgewebes ungünstig sein. Das ist keine seltene medizinische Kuriosität, sondern ein gutes Beispiel dafür, warum man Gesundheit nicht allein nach einer Zahl auf der Waage beurteilen kann.

Fett ist nicht überall im Körper dasselbe

Wenn wir von Körperfett sprechen, klingt es zunächst so, als handele es sich überall um dieselbe Substanz. Tatsächlich unterscheiden sich Fettdepots je nach ihrer Lage und ihrer Funktion deutlich. Ein großer Teil unseres Fettes liegt direkt unter der Haut. Dieses Unterhautfett befindet sich beispielsweise an Bauch, Hüften, Beinen, Armen und Gesäß. Es dient unter anderem als Energiespeicher, Polsterung und Wärmeschutz.

Daneben gibt es das viszerale Fett, also Fett, das tiefer in der Bauchhöhle liegt und sich zwischen beziehungsweise rund um die inneren Organe befindet. Dieses Fett ist von außen weniger gut erkennbar. Ein Mensch kann deshalb nur einen kleinen sichtbaren Bauch besitzen und trotzdem relativ viel Fett im Inneren des Bauchraumes haben.

Unterhautfett und viszerales Fett sind medizinisch nicht gleich zu bewerten. Besonders das tiefer liegende Bauchfett steht enger mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Fettleber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Die aktuellen europäischen Leitlinien zur metabolisch bedingten Fettleber beschreiben die viszerale beziehungsweise abdominale Fettverteilung als einen besonders wichtigen Vermittler des Stoffwechselrisikos.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Unterhautfett grundsätzlich „gut“ und viszerales Fett grundsätzlich „giftig“ wäre. Auch die Gesamtmenge an Körperfett spielt eine Rolle. Der Unterschied besteht vielmehr darin, dass bestimmte Fettdepots stärker mit Stoffwechselstörungen verbunden sind als andere. Deshalb können zwei Menschen mit derselben Fettmasse gesundheitlich sehr unterschiedlich dastehen, wenn das Fett an unterschiedlichen Stellen gespeichert wird.

Noch einmal etwas anderes: Fett, das sich in Organen ansammelt

Neben Unterhautfett und dem Fett zwischen den Organen gibt es noch eine weitere Form, die beim Thema TOFI besonders interessant ist: Fett, das sich in Organen beziehungsweise Geweben ansammelt, die eigentlich keine größeren Fettdepots darstellen sollen. Dafür wird häufig der Begriff „ektopes Fett“ verwendet.

Besonders gut untersucht ist Fett in der Leber. Die Leber besitzt normalerweise nur einen relativ kleinen Fettanteil. Wenn sich dort immer mehr Fett einlagert, kann eine Fettleber entstehen. Heute wird dafür häufig die Bezeichnung MASLD verwendet, also eine durch Stoffwechselprobleme bedingte Fettlebererkrankung.

Das Überraschende ist: Eine solche Fettleber kann auch bei einem Menschen auftreten, dessen BMI vollkommen unauffällig ist. Die europäischen Fachgesellschaften für Lebererkrankungen, Diabetes und Adipositas beschreiben ausdrücklich eine Fettleber bei normalgewichtigen Menschen. Diese Menschen weisen im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen ohne Fettleber häufiger Insulinresistenz, mehr viszerales Fett und weniger Muskelmasse auf.

Ein schlanker Bauch und eine normale Waage schließen eine Fettleber deshalb nicht aus.

Warum sich Fett überhaupt in der Leber ansammeln kann

Die Leber ist eines der wichtigsten Stoffwechselorgane des Körpers. Sie verarbeitet Nährstoffe, speichert Energie und gibt zwischen den Mahlzeiten Glukose ins Blut ab. Gleichzeitig verarbeitet und transportiert sie Fette.

Wenn dem Körper über längere Zeit mehr Energie zur Verfügung steht, als in den üblichen Fettdepots gut gespeichert werden kann, können sich Fettbestandteile zunehmend an anderen Stellen ansammeln. Die Leber gehört zu diesen Stellen. Auch genetische Unterschiede, Ernährung, Bewegung, Insulinempfindlichkeit, Alkohol und weitere Faktoren beeinflussen diesen Prozess.

Eine interessante Vorstellung aus der Diabetesforschung ist dabei die sogenannte persönliche Fettschwelle. Sie beschreibt die Annahme, dass Menschen unterschiedlich viel Fett sicher im normalen Fettgewebe speichern können. Manche Menschen können relativ große Mengen Unterhautfett aufnehmen, bevor relevante Mengen in Leber oder andere Gewebe gelangen. Bei anderen scheint diese Speicherkapazität schon bei einem wesentlich niedrigeren Körpergewicht erreicht zu sein.

Damit lässt sich erklären, warum ein Mensch mit einem BMI von 23 einen Typ-2-Diabetes entwickeln kann, während ein anderer mit einem deutlich höheren BMI noch normale Zuckerwerte besitzt. Diese persönliche Fettschwelle ist allerdings kein Laborwert, den man bestimmen kann, sondern ein Modell, mit dem Forscher solche individuellen Unterschiede erklären. Untersuchungen der Universität Newcastle an Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem BMI unter 27 unterstützen diese Vorstellung: Auch in dieser normal- beziehungsweise niedriggewichtigen Gruppe fanden sich erhöhte Fettmengen in der Leber, die sich durch Gewichtsreduktion verringerten und mit einer deutlichen Verbesserung des Zuckerstoffwechsels verbunden waren.

Wie kann ein schlanker Mensch überhaupt Typ-2-Diabetes bekommen?

Typ-2-Diabetes wird im Alltag häufig so stark mit Übergewicht verbunden, dass manche Menschen überrascht sind, wenn eine schlanke Person die Diagnose erhält. Ein höheres Körpergewicht und insbesondere überschüssiges Bauchfett erhöhen das Risiko zwar deutlich, sie sind aber keine Voraussetzung dafür, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Die Erkrankung entsteht aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören die Wirkung des Insulins in Leber, Muskeln und Fettgewebe sowie die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse, ausreichend Insulin bereitzustellen. Hinzu kommen genetische Veranlagung, Alter, Herkunft, körperliche Aktivität, Muskelmasse und Fettverteilung. Ein Mensch kann deshalb bei einem relativ niedrigen Körpergewicht bereits einen ungünstigen Stoffwechsel entwickeln.

Besonders eindrucksvoll zeigte das die sogenannte ReTUNE-Studie. Dabei wurden Menschen untersucht, die Typ-2-Diabetes hatten, obwohl ihr BMI unter 27 lag. Bei ihnen waren unter anderem Fett in der Leber und Fett im Bereich der Bauchspeicheldrüse erhöht. Nach einer vergleichsweise moderaten Gewichtsreduktion sanken diese Fettmengen, die Insulinverarbeitung verbesserte sich und 14 der nur 20 Studienteilnehmer erreichten eine Remission ihres Diabetes. Die Studie war klein und bedeutet keineswegs, dass jeder normalgewichtige Mensch mit Diabetes durch Abnehmen eine Remission erreicht. Sie zeigte aber sehr deutlich, dass Typ-2-Diabetes nicht allein vom BMI abhängt.

Gerade für das Thema TOFI ist das entscheidend. Ein Mensch kann für seine persönliche Speicherfähigkeit bereits „zu viel“ Fett an ungünstigen Stellen besitzen, obwohl er nach allgemeinen Gewichtstabellen überhaupt nicht übergewichtig ist.

Merkkasten: Typ-2-Diabetes ist keine Erkrankung, die ausschließlich Menschen mit Übergewicht bekommen. Entscheidend ist unter anderem, wie empfindlich der Körper auf Insulin reagiert, wie gut die Bauchspeicheldrüse gegensteuern kann und wo überschüssige Energie gespeichert wird. Ein normaler BMI schließt Typ-2-Diabetes deshalb nicht aus.

Welche Rolle die Bauchspeicheldrüse dabei spielt

Die Bauchspeicheldrüse produziert das Insulin, das nach einer Mahlzeit dafür sorgt, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangen kann. Bei Typ-2-Diabetes passiert häufig über Jahre zweierlei gleichzeitig: Der Körper reagiert schlechter auf Insulin und die insulinproduzierenden Zellen schaffen es irgendwann nicht mehr, diesen höheren Bedarf ausreichend auszugleichen.

In Untersuchungen mit speziellen Magnetresonanzverfahren wurde auch Fett im Bereich der Bauchspeicheldrüse untersucht. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigte sich in mehreren Studien, dass eine Gewichtsabnahme zusammen mit einer Abnahme von Leber- und Pankreasfett und einer Erholung der Insulinproduktion auftreten kann.

Dieser Zusammenhang wird manchmal zu einfach dargestellt, als würde Fett die Bauchspeicheldrüse lediglich „verstopfen“. So funktioniert es nicht. Die Forschung untersucht ein wesentlich komplexeres Zusammenspiel aus Fettstoffwechsel, Insulinproduktion und der Funktion der insulinbildenden Zellen. Besonders gut gesichert ist die Bedeutung von Leberfett und Insulinresistenz; die genaue Rolle des in und um die Bauchspeicheldrüse gemessenen Fettes wird weiterhin erforscht.

Für das Verständnis reicht deshalb eine einfachere Aussage: Auch bei einem schlanken Menschen können sich Stoffwechselprobleme in Organen entwickeln, die von außen überhaupt nicht sichtbar sind.

Eine Fettleber ist deshalb keineswegs nur eine Erkrankung übergewichtiger Menschen

Vielleicht verbinden Sie eine Fettleber automatisch mit einem sehr großen Bauch. Tatsächlich kann eine stoffwechselbedingte Fettleber auch bei normalem Gewicht auftreten. Die aktuellen europäischen Leitlinien sprechen ausdrücklich von „normalgewichtiger MASLD“, wenn eine entsprechende Fettleber bei Menschen mit einem BMI unter 25 vorliegt beziehungsweise bei asiatischer Herkunft unter einem niedrigeren BMI-Grenzwert.

Diese Menschen unterscheiden sich häufig von schlanken Menschen ohne Fettleber. Im Durchschnitt finden sich mehr tiefes Bauchfett, eine stärkere Insulinresistenz und teilweise weniger Muskelmasse. Auch Typ-2-Diabetes, ungünstige Blutfette oder Bluthochdruck können dazugehören.

Das erklärt, warum „Ich bin doch schlank“ keine sichere Antwort auf die Frage ist, ob eine Fettleber möglich ist. Das Körpergewicht kann normal sein, während sich die Fettverteilung und der Stoffwechsel trotzdem deutlich verändert haben.

Ist ein kleiner Bauch also bereits TOFI?

Nein. Ein sichtbarer Bauch bedeutet nicht automatisch, dass viel viszerales Fett vorhanden ist, und ein flacher Bauch beweist nicht das Gegenteil. Der Begriff TOFI lässt sich nicht anhand eines Blicks in den Spiegel diagnostizieren.

Ein Teil des sichtbaren Bauchumfangs besteht aus Unterhautfett. Auch Körperbau, Muskulatur, Haltung, Verdauung und die Form des Brustkorbs spielen eine Rolle. Viszerales Fett liegt dagegen tiefer und kann von außen nur indirekt abgeschätzt werden.

Genau deshalb ist auch der Bauchumfang kein perfektes Messinstrument. Er liefert jedoch zusätzliche Informationen, die die Waage beziehungsweise der BMI allein nicht liefern können. Studien zeigen, dass ein größerer Bauchumfang beziehungsweise ein ungünstiges Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergröße mit Stoffwechselrisiken zusammenhängen kann. Die neuen ADA-Standards von 2026 berücksichtigen deshalb neben dem BMI ausdrücklich auch Bauchumfang und Verhältnis von Taille zu Körpergröße, wenn die Fettverteilung beurteilt wird.

Warum der Bauchumfang manchmal interessanter sein kann als das Gewicht

Stellen Sie sich zwei Menschen vor, die gleich groß sind und beide 75 Kilogramm wiegen. Der erste besitzt relativ viel Muskulatur und verteilt sein Fett überwiegend unter der Haut. Beim zweiten sitzt ein größerer Teil des Fettes tief im Bauchraum und gleichzeitig ist weniger Muskelmasse vorhanden. Die Waage und der BMI sehen bei beiden Menschen identisch aus, ihre Körperzusammensetzung jedoch nicht.

Der Bauchumfang kann in einer solchen Situation zusätzliche Hinweise liefern, weil er eher mit der Fettansammlung im Bauchbereich zusammenhängt als das reine Körpergewicht. Er kann das tatsächliche viszerale Fett aber nicht exakt messen.

Auch die europäischen Leitlinien zur Fettleber verwenden den Bauchumfang als einen einfachen Hinweis auf abdominale Fettansammlung und Stoffwechselrisiko. Für Menschen europäischer Herkunft werden dort bereits ab etwa 80 Zentimetern bei Frauen und 94 Zentimetern bei Männern erhöhte stoffwechselbezogene Risiken berücksichtigt. Andere Fachgesellschaften nutzen für bestimmte Fragestellungen teilweise andere Grenzwerte, und auch Herkunft, Geschlecht und Alter spielen eine Rolle. Deshalb sollte eine einzelne Zentimeterzahl nicht als Diagnose für „gesund“ oder „krank“ verstanden werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Verhältnis von Bauchumfang zur Körpergröße. Dabei wird der Bauchumfang durch die Körpergröße geteilt. Die aktuellen ADA-Standards berücksichtigen einen Wert von ungefähr 0,5 als wichtigen Orientierungspunkt bei der Beurteilung zentraler Fettansammlung in bestimmten BMI-Bereichen. Auch dieser Wert ist eine Orientierung und kein direkter Blick auf das Fett im Inneren des Körpers.

Warum man viszerales Fett nicht einfach mit einer normalen Personenwaage messen kann

Moderne Körperanalysewaagen zeigen häufig Werte wie „Körperfett“, „Muskelmasse“ oder sogar „Viszeralfett“ an. Diese Zahlen wirken ausgesprochen genau, sind aber Schätzungen. Die Geräte schicken einen sehr schwachen elektrischen Strom durch den Körper und errechnen daraus mithilfe von Formeln verschiedene Werte.

Solche Messungen können für Verlaufsbeobachtungen interessant sein, liefern aber kein direktes Bild davon, wie viel Fett tatsächlich zwischen den Organen oder in der Leber gespeichert ist. Ergebnisse können unter anderem durch Flüssigkeitshaushalt, Zeitpunkt der Messung und das jeweilige Gerät beeinflusst werden.

Deutlich genauer kann die Fettverteilung mit Magnetresonanztomografie oder Computertomografie dargestellt werden. Damit lassen sich Unterhautfett und viszerales Fett tatsächlich voneinander unterscheiden. Solche Untersuchungen sind jedoch aufwendig und werden nicht einfach bei jedem schlanken Menschen durchgeführt, nur um festzustellen, wie viel Bauchfett vorhanden ist. Die ADA bezeichnet CT und MRT deshalb zwar als sehr genaue Verfahren zur Beurteilung der Fettverteilung, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sie im Alltag vor allem aus praktischen und finanziellen Gründen überwiegend der Forschung beziehungsweise besonderen medizinischen Fragestellungen vorbehalten bleiben.

Körperanalyseverfahren wie DEXA oder bioelektrische Impedanz können zusätzliche Informationen über die Körperzusammensetzung liefern, haben aber ebenfalls Grenzen. TOFI lässt sich deshalb nicht sinnvoll auf eine einzelne Zahl einer Badezimmerwaage reduzieren.

Warum wenig Muskelmasse beim TOFI-Muster eine wichtige Rolle spielen kann

Beim Blick auf Körpergewicht wird häufig nur über Fett gesprochen. Dabei ist die andere Seite mindestens genauso interessant: Wie viel Muskelmasse besitzt ein Mensch?

Muskeln sind nicht nur für Kraft und Bewegung zuständig. Sie gehören zu den wichtigsten Orten, an denen der Körper Glukose aus dem Blut aufnimmt. Nach einer Mahlzeit gelangt unter dem Einfluss von Insulin ein großer Teil der Glukose in die Muskulatur und kann dort direkt genutzt oder gespeichert werden. Facharbeiten beschreiben die Skelettmuskulatur als den wichtigsten Ort der insulinabhängigen Glukoseaufnahme.

Ein schlanker Mensch mit sehr wenig Muskulatur kann deshalb metabolisch anders aufgestellt sein als ein gleich schwerer Mensch mit deutlich mehr Muskelmasse. Das Gesamtgewicht muss sich kaum unterscheiden, während die Menge an stoffwechselaktivem Muskelgewebe völlig verschieden sein kann.

Genau das findet sich auch bei normalgewichtiger Fettleber. In den europäischen Leitlinien wird beschrieben, dass Menschen mit normalem BMI und MASLD im Durchschnitt weniger Muskelmasse und mehr viszerales Fettaufweisen können als normalgewichtige Menschen ohne Fettleber.

Der Satz „Ich bin schlank, deshalb brauche ich keine Muskeln“ führt deshalb in die falsche Richtung. Schlankheit und Muskelgesundheit sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.

Warum Bewegung auch ohne Gewichtsverlust etwas verändern kann

Bewegung wird oft ausschließlich als Methode zum Abnehmen betrachtet. Wenn nach einigen Wochen Sport das Gewicht gleich bleibt, entsteht deshalb schnell der Eindruck, die Mühe habe nichts gebracht. Für den Stoffwechsel ist diese Sichtweise viel zu eng.

Wenn Muskeln arbeiten, nehmen sie Glukose auf und verändern ihre Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Regelmäßiges Training kann außerdem die Körperzusammensetzung verändern, ohne dass sich das Gesamtgewicht dramatisch bewegt. Ein Mensch kann etwas Fett verlieren und gleichzeitig Muskulatur aufbauen. Auf der Waage sieht diese Veränderung möglicherweise unspektakulär aus, im Körper ist trotzdem etwas anderes passiert.

Eine aktuelle Auswertung aus dem Jahr 2026 hat sich sogar speziell mit normalgewichtigen beziehungsweise nur leicht übergewichtigen Menschen und viszeralem Fett beschäftigt. Die untersuchten Trainingsformen konnten tiefes Bauchfett beeinflussen, obwohl die Personen gar nicht in die klassische Gruppe mit ausgeprägter Adipositas fielen.

Auch bei einer Fettleber kann körperliche Aktivität eine Rolle spielen, selbst wenn sich das Körpergewicht kaum verändert. Das NIDDK weist ausdrücklich darauf hin, dass Bewegung bei einer Fettleber auch unabhängig von einer Gewichtsabnahme Vorteile haben kann.

Das ist gerade beim TOFI-Thema ein wichtiger Gedanke: Wenn das eigentliche Problem nicht unbedingt ein zu hohes Körpergewicht, sondern eine ungünstige Körperzusammensetzung ist, kann die Waage ein denkbar schlechter Maßstab für den Erfolg einer Veränderung sein.

Merkkasten: Bewegung kann den Stoffwechsel und die Körperzusammensetzung verändern, ohne dass auf der Waage viel passiert. Weniger tiefes Bauchfett und mehr beziehungsweise besser erhaltene Muskelmasse können gesundheitlich bedeutsam sein, obwohl das Körpergewicht beinahe gleich bleibt.

Warum jahrelanges Sitzen trotz Normalgewicht eine Rolle spielen kann

Ein Mensch kann sein Leben lang schlank bleiben und trotzdem körperlich sehr inaktiv sein. Vielleicht sitzt er acht oder zehn Stunden im Büro, fährt anschließend mit dem Auto nach Hause und verbringt den Abend auf dem Sofa. Da das Gewicht normal bleibt, entsteht leicht das Gefühl, Bewegung sei hauptsächlich für Menschen notwendig, die abnehmen möchten.

Stoffwechsel und Muskeln reagieren jedoch auf Bewegung unabhängig davon, ob jemand sichtbar übergewichtig ist. Regelmäßige körperliche Aktivität verändert die Art, wie Muskeln Glukose aufnehmen, und beeinflusst Fettstoffwechsel und Insulinempfindlichkeit. Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining können entsprechende Anpassungen hervorrufen.

Ein niedriges Körpergewicht schützt deshalb nicht vor den Folgen eines sehr bewegungsarmen Lebens. Umgekehrt ist ein höheres Körpergewicht nicht automatisch gleichbedeutend mit einer vollkommen schlechten Stoffwechselsituation. Körpergewicht ist nur ein Teil des Bildes.

Warum Alter die Körperzusammensetzung verändern kann, obwohl das Gewicht gleich bleibt

Ein besonders interessantes Beispiel dafür ist das Älterwerden. Viele Menschen berichten stolz, dass sie mit 65 noch ungefähr dasselbe Gewicht haben wie mit 40. Trotzdem kann sich ihre Körperzusammensetzung erheblich verändert haben.

Mit zunehmendem Alter kann Muskelmasse zurückgehen, besonders wenn wenig körperliche Belastung stattfindet. Gleichzeitig kann Fettmasse zunehmen. Wenn beispielsweise fünf Kilogramm Muskulatur verloren gehen und ungefähr dieselbe Menge Fett hinzukommt, zeigt die Waage am Ende exakt denselben Wert wie vorher.

Der Körper ist trotzdem nicht mehr derselbe.

Die aktuellen ADA-Standards von 2026 weisen genau auf dieses Problem hin. Bei älteren Menschen kann der BMI überschüssiges Fett eher unterschätzen, weil der Verlust von Muskelmasse die Aussagekraft des Körpergewichtes verändert.

Das ist einer der Gründe, warum Körperzusammensetzung im höheren Alter zunehmend wichtig wird.

Auch Geschlecht und Hormone beeinflussen, wo Fett gespeichert wird

Männer und Frauen speichern Fett im Durchschnitt unterschiedlich. Frauen lagern vor der Menopause häufig einen größeren Anteil im Bereich von Hüften und Beinen unter der Haut ein, während Männer durchschnittlich stärker zu Fettansammlungen im Bauchbereich neigen.

Mit hormonellen Veränderungen rund um die Wechseljahre kann sich auch bei Frauen die Fettverteilung verändern. Ein größerer Anteil kann sich zunehmend im Bauchraum ansammeln, selbst wenn das Gesamtgewicht gar nicht stark steigt.

Deshalb kann eine Frau feststellen, dass sie mit 55 nur wenige Kilogramm mehr wiegt als mit 40, ihre Taille sich aber deutlich verändert hat. Die Waage zeigt dann nur einen kleinen Unterschied, während die Fettverteilung eine größere Veränderung durchgemacht hat.

Auch hier zeigt sich wieder das Grundproblem des BMI: Er weiß nicht, wo sich ein zusätzliches Kilogramm befindet.

Warum Herkunft beim Diabetesrisiko ebenfalls eine Rolle spielen kann

Nicht alle Menschen entwickeln bei demselben BMI dasselbe Stoffwechselrisiko. Besonders gut untersucht ist dies bei Menschen süd- und ostasiatischer Herkunft. Bei ihnen treten Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselprobleme im Durchschnitt bereits bei niedrigeren BMI-Werten auf als bei Menschen europäischer Herkunft.

Ein Grund dafür liegt in Unterschieden der Körperzusammensetzung und Fettverteilung. Viszerales und ektopes Fett können bei vergleichsweise niedrigem Gesamtgewicht eine größere Rolle spielen. Deshalb verwenden internationale Leitlinien bei asiatischen Bevölkerungsgruppen teilweise niedrigere BMI- und Bauchumfangsgrenzen.

Das ist ein weiteres Beispiel dafür, warum eine allgemeine Tabelle mit Körpergewicht niemals die gesamte individuelle Stoffwechselsituation abbilden kann.

Ist TOFI genetisch bedingt?

Genetik kann eine Rolle spielen, aber TOFI lässt sich nicht auf ein einzelnes „TOFI-Gen“ zurückführen. Menschen unterscheiden sich erblich darin, wie Fett gespeichert wird, wie empfindlich ihre Körperzellen auf Insulin reagieren und wie gut die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zusätzlichen Bedarf ausgleichen können.

Auch die Neigung zu einer Fettleber kann teilweise genetisch beeinflusst werden. Daneben wirken Alter, Geschlecht, Herkunft, Muskelmasse, Ernährung, Bewegung und weitere Lebensumstände.

Es wäre deshalb genauso falsch, TOFI ausschließlich als Ergebnis eines ungünstigen Lebensstils zu betrachten, wie es falsch wäre, die Fettverteilung ausschließlich auf Gene zurückzuführen. Wie bei vielen Stoffwechselproblemen entsteht das sichtbare Ergebnis aus mehreren Faktoren.

Kann ein Mensch TOFI sein und trotzdem einen völlig normalen Bauchumfang haben?

Ja, zumindest grundsätzlich ist das möglich. Der Bauchumfang ist lediglich ein äußerer Hinweis auf Fett im Bauchbereich und kein direktes Messverfahren des viszeralen beziehungsweise ektopen Fettes.

Gerade Fett in der Leber lässt sich nicht zuverlässig an der Taille ablesen. Ebenso kann ein Mensch relativ wenig sichtbares Unterhautfett besitzen und trotzdem einen ungünstig hohen Anteil an innerem Fett aufweisen.

Umgekehrt bedeutet ein größerer Bauchumfang nicht automatisch, dass ein Mensch eine Fettleber oder Diabetes hat.

Genau deshalb sollte man nicht aus einer einzelnen Körpermessung eine umfassende Diagnose ableiten. TOFI beschreibt ein Muster und keine Zentimetergrenze.

Welche Blutwerte können Hinweise auf eine ungünstige Stoffwechselsituation geben?

Da sich inneres Fett nicht von außen sicher erkennen lässt, fallen Stoffwechselprobleme manchmal erstmals bei einer Routineuntersuchung auf. Ein erhöhter Nüchternblutzucker oder HbA1c kann auf Prädiabetes oder Diabetes hinweisen. Erhöhte Triglyzeride, niedriges HDL-Cholesterin, Bluthochdruck oder andere Veränderungen können ebenfalls zu einem ungünstigen Stoffwechselbild gehören.

Auch Leberwerte werden häufig betrachtet. Dabei besteht allerdings ein wichtiger Denkfehler: Normale Leberwerte schließen eine Fettleber nicht sicher aus. Eine Leber kann bereits deutlich verfettet sein, obwohl bestimmte Laborwerte noch im Referenzbereich liegen.

Bei einer bekannten Fettleber ist außerdem nicht nur interessant, wie viel Fett vorhanden ist, sondern ob sich bereits eine Vernarbung des Lebergewebes entwickelt. Die aktuellen europäischen Leitlinien verwenden deshalb bei Menschen mit entsprechenden Risiken schrittweise Blutwerte und bei Bedarf spezielle Ultraschall- beziehungsweise Elastografie-Verfahren, um das Risiko einer fortgeschrittenen Lebererkrankung einzuschätzen.

Ein einzelner Laborwert kann TOFI deshalb genauso wenig diagnostizieren wie eine Waage.

Kann Ultraschall das versteckte Fett erkennen?

Ein normaler Bauchultraschall kann häufig erkennen, wenn die Leber deutlich verfettet ist. Er kann jedoch nicht zuverlässig die gesamte Fettverteilung des Körpers bestimmen und zeigt nicht exakt, wie viel viszerales Fett zwischen den Organen vorhanden ist.

Für bestimmte Fragestellungen gibt es inzwischen zusätzliche Verfahren. Eine sogenannte Elastografie kann beispielsweise Hinweise darauf geben, wie steif das Lebergewebe ist und ob möglicherweise bereits stärkere Veränderungen vorhanden sind. Magnetresonanzverfahren können Leberfett sehr genau bestimmen und werden in Studien auch verwendet, um Fett in anderen Organen zu messen.

Für einen normalen Gesundheitscheck ist eine Ganzkörper-MRT zur Suche nach TOFI jedoch kein Standard. Die Medizin arbeitet deshalb meist mit mehreren Informationen gleichzeitig: Körpermaße, Blutdruck, Blutwerte, persönliche Risiken und gegebenenfalls gezielte Bildgebung.

Warum „dünn“ und „gesund“ genauso wenig dasselbe sind wie „dick“ und „krank“

TOFI ist auch deshalb ein interessantes Thema, weil es ein sehr verbreitetes Schwarz-Weiß-Bild infrage stellt. Körpergewicht wird gesellschaftlich häufig direkt mit Gesundheit gleichgesetzt. Schlank gilt automatisch als gesund und ein höheres Gewicht automatisch als krank.

Der Stoffwechsel ist wesentlich komplizierter.

Ein schlanker Mensch kann eine Fettleber, Bluthochdruck, ungünstige Blutfette oder Typ-2-Diabetes entwickeln. Gleichzeitig kann ein Mensch mit höherem Gewicht relativ viel Unterhautfett, gute Muskelmasse und zunächst noch unauffällige Stoffwechselwerte besitzen.

Das bedeutet nicht, dass ein deutlich höheres Körpergewicht gesundheitlich bedeutungslos wäre. Auf Bevölkerungsebene steigt mit zunehmender Fettmasse das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Die individuelle Gesundheit lässt sich aber nicht zuverlässig aus dem äußeren Erscheinungsbild ablesen.

Der aktuelle medizinische Trend geht genau deshalb zunehmend dahin, neben dem BMI stärker auf Körperfettverteilung, Muskelmasse und bereits vorhandene gesundheitliche Folgen zu schauen.

Warum ein „Skinny Fat“-Körper nicht dasselbe wie TOFI sein muss

Im Internet wird häufig der Begriff „skinny fat“ verwendet. Damit ist meistens ein Mensch gemeint, der schlank aussieht, aber relativ wenig Muskulatur und einen höheren Körperfettanteil besitzt.

Das kann sich mit TOFI überschneiden, ist aber nicht automatisch dasselbe.

Ein Mensch kann wenig Muskelmasse und relativ viel Unterhautfett besitzen, ohne besonders viel viszerales Fett zu haben. Umgekehrt kann jemand einen insgesamt gar nicht außergewöhnlich hohen Körperfettanteil besitzen und trotzdem einen vergleichsweise großen Anteil davon im Bauchraum speichern.

Deshalb lohnt es sich, diese Begriffe nicht wie feste Diagnosen zu verwenden. TOFI, „normal-weight obesity“ und „skinny fat“ beschreiben ähnliche, aber nicht vollkommen identische Vorstellungen.

Für den medizinischen Zusammenhang ist ohnehin weniger der Name entscheidend als die Frage, wie viel Fett vorhanden ist, wo es liegt und wie der Stoffwechsel darauf reagiert.

Warum TOFI häufig lange unbemerkt bleibt

Ein Mensch mit ausgeprägter Adipositas fällt zumindest äußerlich in eine Gruppe, bei der Blutdruck, Blutzucker oder eine Fettleber häufiger mitgedacht werden. Bei einem schlanken Menschen kann genau diese Aufmerksamkeit fehlen.

Wenn jemand seit Jahrzehnten Normalgewicht hat, wird ein erhöhter Nüchternzucker möglicherweise überraschender wahrgenommen. Eine Fettleber wirkt unerwartet und auch der Betroffene selbst hält Diabetes möglicherweise zunächst für unwahrscheinlich.

Der Begriff TOFI macht deshalb auf eine diagnostische Lücke aufmerksam: Ein unauffälliges Körpergewicht kann Stoffwechselrisiken verstecken.

Genau dieses Problem beschreiben Untersuchungen an Menschen mit normalem Gewicht und vermehrtem viszeralem Fett. In einer großen Untersuchung bei Menschen mit Typ-2-Diabetes war viszerales Fett auch bei normalem Körpergewicht mit einem höheren geschätzten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden.

Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass jeder schlanke Mensch heimlich gefährliches Bauchfett besitzt. Sie zeigen vielmehr, dass der BMI allein Menschen mit ungünstiger Fettverteilung übersehen kann.

Warum selbst kleine Gewichtsveränderungen bei normalgewichtigen Menschen etwas über den Stoffwechsel verraten können

Das klingt zunächst widersprüchlich: Warum sollte ein Mensch mit normalem BMI Gewicht verlieren, wenn er doch gar nicht übergewichtig ist?

Genau diese Frage wurde in der ReTUNE-Studie untersucht. Die Teilnehmer hatten Typ-2-Diabetes und einen BMI unter 27. Nach einer Gewichtsabnahme von im Mittel nur einigen Prozent des Ausgangsgewichtes sank das Leberfett deutlich, auch das gemessene Fett der Bauchspeicheldrüse ging zurück und der Zuckerstoffwechsel verbesserte sich. Bei einem erheblichen Teil der kleinen Studiengruppe kam es sogar zu einer Diabetesremission.

Das bedeutet nicht, dass jeder schlanke Mensch noch dünner werden sollte. Ohne vorhandene Stoffwechselerkrankung wäre diese Schlussfolgerung völlig falsch. Die Studie zeigt etwas anderes: Ein „normales“ Gewicht für die Bevölkerung kann für den individuellen Fettstoffwechsel trotzdem oberhalb der persönlichen Verträglichkeitsgrenze liegen.

Die entscheidende Größe war in diesem Forschungsmodell also nicht, ob jemand nach einer BMI-Tabelle übergewichtig war, sondern ob sich Fett bereits an ungünstigen Stellen im Körper angesammelt hatte.

Kann viszerales Fett verschwinden, ohne dass man sehr viel Gewicht verliert?

Viszerales Fett reagiert häufig vergleichsweise gut auf Veränderungen der Energiebilanz und körperliche Aktivität. Deshalb kann sich die Menge an tiefem Bauchfett verändern, obwohl das Körpergewicht weniger stark reagiert.

Auch Leberfett kann relativ rasch zurückgehen. Untersuchungen zur Remission des Typ-2-Diabetes zeigten beispielsweise, dass sich Leberfett bei einer deutlichen negativen Energiebilanz früh verändern kann.

Das macht den Blick auf die Waage erneut problematisch. Wenn ein Mensch zwei Kilogramm Fett verliert und gleichzeitig durch Training Muskelmasse aufbaut, kann das Körpergewicht nahezu unverändert bleiben. Seine Körperzusammensetzung kann sich trotzdem verbessert haben.

Gerade beim TOFI-Muster geht es deshalb weniger um die Frage, möglichst leicht zu werden, sondern um das Verhältnis zwischen Muskelmasse, Unterhautfett, viszeralem Fett und Fett in Organen.

Warum sehr wenig Gewicht nicht automatisch besser ist

Der Begriff TOFI könnte leicht zum Missverständnis führen, dass möglichst wenig Körperfett grundsätzlich am gesündesten sei. Auch das stimmt nicht.

Fettgewebe erfüllt wichtige Aufgaben. Es speichert Energie, bildet Hormone und schützt Organe. Besonders das Unterhautfett stellt einen natürlichen Speicher dar, in dem überschüssige Energie vergleichsweise sicher untergebracht werden kann.

Problematisch kann es werden, wenn diese Speicherkapazität überschritten oder Fett bevorzugt an ungünstigeren Stellen eingelagert wird. Menschen unterscheiden sich dabei erheblich.

Extrem wenig Körperfett oder sehr wenig Muskelmasse ist deshalb keineswegs automatisch gesund. Im höheren Lebensalter kann gerade der Verlust von Muskelmasse zu Schwäche und Problemen im Alltag beitragen.

TOFI bedeutet also nicht: „Dünner ist besser.“

Es bedeutet vielmehr: Körpergewicht allein ist zu einfach, um die Qualität der Körperzusammensetzung zu beschreiben.

Gibt es typische Beschwerden bei TOFI?

TOFI selbst verursacht keine eindeutigen Beschwerden. Genau deshalb kann dieses Stoffwechselmuster lange unbemerkt bleiben.

Eine Fettleber macht häufig überhaupt keine Symptome. Insulinresistenz kann ebenfalls jahrelang bestehen, bevor die Blutzuckerwerte deutlich ansteigen. Bluthochdruck wird häufig nicht gespürt und erhöhte Triglyzeride verursachen normalerweise ebenfalls keine Beschwerden.

Manche Menschen berichten über zunehmende Müdigkeit oder geringere Leistungsfähigkeit, solche Symptome sind jedoch viel zu unspezifisch, um daraus auf viszerales Fett zu schließen.

TOFI lässt sich deshalb nicht daran erkennen, dass jemand sich „anders fühlt“. Häufig wird ein Stoffwechselproblem erst bei Blutwerten, Blutdruckmessungen oder einer aus einem anderen Grund durchgeführten Untersuchung sichtbar.

Merkkasten: Verstecktes Bauch- oder Organfett verursacht nicht automatisch sichtbare Beschwerden. Ein Mensch kann sich vollkommen gesund fühlen und trotzdem eine Fettleber, Insulinresistenz, ungünstige Blutfette oder einen erhöhten Blutdruck haben. Gleichzeitig bedeutet Normalgewicht selbstverständlich nicht, dass solche Veränderungen automatisch vorhanden sind.

Was der Begriff TOFI nicht aussagt

TOFI ist keine Bezeichnung dafür, dass jeder schlanke Mensch eigentlich krank ist. Ebenso bedeutet ein wenig Bauchfett nicht automatisch, dass eine gefährliche Stoffwechselstörung vorliegt.

Der Begriff sollte auch nicht dazu verwendet werden, Menschen nach ihrem Aussehen zu beurteilen. Von außen lässt sich die tatsächliche Fettverteilung nur sehr begrenzt erkennen.

Er beschreibt vielmehr eine medizinisch wichtige Erkenntnis: Die Verteilung von Körperfett kann für den Stoffwechsel mindestens genauso interessant sein wie das Gesamtgewicht.

Ein normaler BMI bleibt eine nützliche Information. Er ist nur nicht die einzige.

Bauchumfang, Körperzusammensetzung, Muskelmasse, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und mögliche Veränderungen der Leber können zusätzliche Teile desselben Bildes liefern.

Warum TOFI gerade für Menschen mit familiärem Diabetesrisiko interessant sein kann

Wenn Eltern oder Geschwister Typ-2-Diabetes haben, kann die eigene genetische Veranlagung erhöht sein. Ein schlankes Körpergewicht hebt diese Veranlagung nicht automatisch auf.

Ein Mensch kann beispielsweise bereits bei relativ wenig überschüssigem Fett eine ausgeprägte Insulinresistenz entwickeln oder eine geringere Fähigkeit besitzen, den zusätzlichen Insulinbedarf über viele Jahre auszugleichen.

Damit erklärt sich auch, warum in manchen Familien mehrere Menschen Typ-2-Diabetes entwickeln, obwohl sie niemals eine ausgeprägte Adipositas hatten.

Die Vorstellung „Solange ich schlank bleibe, kann ich keinen Typ-2-Diabetes bekommen“ ist deshalb medizinisch zu einfach.

Was TOFI über unsere Vorstellung von gesundem Gewicht verrät

Vielleicht ist genau das der interessanteste Teil des gesamten Themas. Über Jahrzehnte wurde Körpergewicht häufig fast ausschließlich über BMI und Waage eingeordnet. Diese Werte sind praktisch und bleiben sinnvoll, aber die Forschung zeigt immer deutlicher, dass sie nur einen Ausschnitt abbilden.

Die Standards zur Beurteilung von Adipositas aus dem Jahr 2026 beziehen inzwischen ausdrücklich zusätzliche Größen wie Bauchumfang, Taille-zu-Größe-Verhältnis und bei Bedarf direkte Verfahren zur Körperzusammensetzung ein. Der Grund dafür ist genau das Problem, das TOFI sichtbar macht: Ein BMI kann überschüssiges oder ungünstig verteiltes Fett bei einzelnen Menschen übersehen.

Auch bei der Fettleber ist dieses Denken inzwischen angekommen. Die europäischen Leitlinien behandeln normalgewichtige Menschen mit MASLD ausdrücklich als eigene klinisch relevante Gruppe und beschreiben bei ihnen häufiger viszerales Fett, Insulinresistenz und reduzierte Muskelmasse.

Der Blick verschiebt sich damit langsam von der einfachen Frage:

„Wie viel wiegen Sie?“

hin zu einer interessanteren Frage:

„Woraus besteht dieses Gewicht und wo speichert Ihr Körper sein Fett?“

Fazit: Schlank aussehen und stoffwechselgesund sein sind zwei verschiedene Dinge

TOFI ist ein anschaulicher Begriff für etwas, das sich auf einer normalen Personenwaage nicht erkennen lässt. Ein Mensch kann äußerlich schlank wirken und einen normalen BMI haben, während sich trotzdem relativ viel Fett tief im Bauchraum oder in bestimmten Organen angesammelt hat. Das bedeutet nicht, dass jeder schlanke Mensch verstecktes Fett oder ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besitzt. Es bedeutet lediglich, dass Körpergewicht und Fettverteilung zwei unterschiedliche Informationen liefern.

Besonders das viszerale Fett im Bauchraum steht enger mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Risiken in Verbindung als das reine Körpergewicht vermuten lässt. Auch Fett in der Leber kann bei normalgewichtigen Menschen vorkommen. Die europäischen Leitlinien erkennen diese sogenannte normalgewichtige MASLD ausdrücklich an und beschreiben bei Betroffenen häufiger eine ungünstigere Fettverteilung und weniger Muskelmasse.

Auch Typ-2-Diabetes ist deshalb keine Erkrankung ausschließlich übergewichtiger Menschen. Die ReTUNE-Untersuchung konnte bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und relativ niedrigem BMI zeigen, dass Fett in der Leber und im Bereich der Bauchspeicheldrüse vorhanden sein kann und sich der Zuckerstoffwechsel zusammen mit einer Verringerung dieser Fettmengen deutlich verändern kann. Die Studie war klein, unterstützt aber die Vorstellung, dass Menschen eine sehr unterschiedliche persönliche Grenze besitzen, bis zu der ihr Körper überschüssige Energie günstig speichern kann.

Genauso wichtig ist die Muskelmasse. Muskeln stellen einen der wichtigsten Orte für die Verarbeitung von Glukose dar. Ein schlanker Mensch mit wenig Muskelmasse und viel innerem Fett kann deshalb eine völlig andere Stoffwechselsituation besitzen als ein gleich schwerer Mensch mit viel Muskulatur und wenig viszeralem Fett.

Auch Bewegung erzählt deshalb eine Geschichte, die auf der Waage nicht unbedingt sichtbar wird. Training kann Insulinempfindlichkeit, Muskelmasse und viszerales Fett beeinflussen, selbst wenn sich das Körpergewicht wenig verändert. Eine aktuelle Analyse aus dem Jahr 2026 untersuchte genau diesen Zusammenhang bei normal- beziehungsweise niedrig übergewichtigen Menschen und zeigte, dass tiefes Bauchfett auch in dieser Gruppe durch Training beeinflusst werden kann.

Der Bauchumfang kann dabei zusätzliche Informationen liefern, weil er stärker mit zentraler Fettansammlung zusammenhängt als das reine Körpergewicht. Trotzdem ist auch er nur ein indirektes Maß. Kein Maßband kann genau zeigen, wie viel Fett in Ihrer Leber oder zwischen Ihren Organen liegt. Für eine genaue Darstellung wären Verfahren wie MRT oder CT notwendig, die aber nicht als allgemeiner TOFI-Test gedacht sind.

Vielleicht stellt TOFI deshalb weniger eine neue Erkrankung dar als vielmehr eine Erinnerung daran, wie unvollständig unser Blick auf Körpergewicht manchmal ist.

Ein Mensch kann leicht sein und trotzdem wenig Muskelmasse besitzen.

Ein anderer kann schwer sein und viel Muskulatur haben.

Ein flacher Bauch kann eine Fettleber nicht sicher ausschließen.

Ein größerer Bauch beweist keine Stoffwechselerkrankung.

Und ein normaler BMI ist eine hilfreiche Zahl, aber kein vollständiger Gesundheitscheck.

Die spannendere Frage lautet deshalb nicht nur:

„Was zeigt meine Waage?“

Sondern:

„Wie ist mein Körper eigentlich zusammengesetzt – und wie geht mein Stoffwechsel mit dieser Zusammensetzung um?“

Genau das macht das Thema TOFI so interessant.

Es verändert den Blick weg von einer einzigen Zahl.

Und hin zu dem, was im Körper tatsächlich passiert.

 


Quellen und medizinische Fachgrundlagen

American Diabetes Association – Standards of Care 2026: Aktuelle Einordnung von BMI, Bauchumfang, Taille-zu-Größe-Verhältnis, Körperzusammensetzung und viszeralem Fett. Die neuen Standards betonen ausdrücklich, dass der BMI weder die tatsächliche Fettmenge noch deren Verteilung vollständig erfassen kann.

EASL, EASD und EASO – europäische Leitlinie zur metabolisch bedingten Fettleber: Fachinformationen zu viszeralem Fett, Bauchumfang und Fettleber bei Menschen mit normalem BMI. Die Leitlinie beschreibt ausdrücklich die normalgewichtige Form der MASLD und deren Zusammenhang mit Insulinresistenz, viszeralem Fett und verringerter Muskelmasse.

ReTUNE-Studie / Newcastle University: Untersuchung von Menschen mit Typ-2-Diabetes und BMI unter 27 mit besonderem Blick auf Leberfett, Fett der Bauchspeicheldrüse und die sogenannte persönliche Fettschwelle.

American Diabetes Association / aktuelle Trainingsanalyse 2026: Untersuchung der Auswirkungen verschiedener Trainingsformen auf viszerales Fett bei Menschen mit normalem beziehungsweise nur leicht erhöhtem Körpergewicht.

National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Medizinische Informationen zum Zusammenhang von Fettleber, Gewichtsveränderungen und körperlicher Aktivität.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und erklärt die Zusammenhänge zwischen Körpergewicht, Fettverteilung, Muskelmasse, Fettleber und Stoffwechsel. Der Begriff TOFI ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Ein normaler BMI bedeutet nicht automatisch, dass eine Stoffwechselerkrankung vorliegt, und ein erhöhter Bauchumfang beweist weder Diabetes noch eine Fettleber.

Typ-2-Diabetes, Fettleber, erhöhte Blutfette und andere Stoffwechselerkrankungen werden anhand der jeweiligen medizinischen Untersuchungen und nicht anhand des äußeren Erscheinungsbildes festgestellt.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.

Stand

September 2026

 

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