Ernährungsberatung & Gesundheitsblog
Sie lesen gerade
Wenn Diabetes Herz und Gefäße verändert: Warum Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche häufiger auftreten können
0
Diabetes Mellitus Diagnosen & Therapieunterstützung

Wenn Diabetes Herz und Gefäße verändert: Warum Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche häufiger auftreten können

Wenn von Diabetes gesprochen wird, denken die meisten Menschen zuerst an den Blutzucker. Vielleicht kennen Sie Ihren HbA1c, wissen ungefähr, welche Lebensmittel Ihre Werte verändern, und beschäftigen sich mit Medikamenten oder Glukosemessungen. Diabetes betrifft jedoch nicht nur den Zuckerstoffwechsel. Über viele Jahre kann die Erkrankung auch die Blutgefäße, das Herz, die Nieren und die Nerven beeinflussen. Genau deshalb treten Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Durchblutungsstörungen bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als bei Menschen ohne Diabetes. Das bedeutet keineswegs, dass jeder Mensch mit Diabetes später automatisch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt. Es bedeutet vielmehr, dass zwischen Stoffwechsel und Gefäßgesundheit eine enge Verbindung besteht, die weit über einen einzelnen erhöhten Blutzuckerwert hinausgeht. Die aktuellen Diabetesstandards zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen deshalb zu den wichtigsten gesundheitlichen Begleiterkrankungen des Diabetes.

Der Zusammenhang lässt sich nicht mit dem einfachen Satz erklären, dass „Zucker die Gefäße verstopft“. Tatsächlich kommen bei Diabetes häufig mehrere Veränderungen zusammen. Länger erhöhte Glukosewerte können die Innenwände der Blutgefäße beeinflussen, während gleichzeitig Bluthochdruck, veränderte Cholesterinwerte, überschüssiges Bauchfett, eine Fettleber oder eine chronische Nierenerkrankung vorhanden sein können. Auch Rauchen und zunehmendes Lebensalter verändern das Gefäßrisiko. Mehrere dieser Faktoren wirken über Jahre auf dieselben Gefäße und können sich gegenseitig verstärken. Genau deshalb kann ein Mensch mit Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und hohen LDL-Werten ein deutlich anderes Herz-Kreislauf-Risiko haben als ein gleichaltriger Mensch mit Diabetes, aber ohne diese zusätzlichen Veränderungen.

Merkkasten: Diabetes ist nicht nur eine Erkrankung des Blutzuckers. Herz, Gehirn, Nieren und Blutgefäße gehören zum selben Stoffwechselgeschehen, und verschiedene Risikofaktoren können sich über Jahre gegenseitig verstärken.

Was in den Blutgefäßen geschieht, lange bevor Beschwerden entstehen

Damit Herz, Gehirn, Muskeln und Organe zuverlässig arbeiten können, fließt ständig Blut durch ein weit verzweigtes Netz aus Arterien und kleineren Gefäßen. Die Innenfläche gesunder Arterien ist glatt und kann sich den Bedürfnissen des Körpers anpassen. Bei Bewegung erweitern sich Gefäße, damit mehr Blut zu den Muskeln gelangt, während sie sich in anderen Situationen wieder zusammenziehen. Diese Anpassungsfähigkeit funktioniert nur, wenn die Gefäßwand gesund bleibt.

Bei Diabetes kann sich diese Gefäßwand allmählich verändern. Länger erhöhte Glukosewerte beeinflussen unter anderem die empfindliche innere Schicht des Gefäßes. Gleichzeitig wirken häufig weitere Belastungen auf dieselbe Gefäßwand. Ein erhöhter Blutdruck setzt sie dauerhaft unter stärkeren mechanischen Druck, während bestimmte Blutfette an der Entstehung von Ablagerungen beteiligt sein können. Im Laufe der Jahre können sich dadurch Veränderungen innerhalb der Gefäßwand entwickeln, die zunächst keinerlei Beschwerden verursachen.

Diese Ablagerungen bestehen nicht einfach aus Fett, das wie in einem Abflussrohr an der Gefäßwand klebt. Es handelt sich um einen komplexen Umbau innerhalb der Gefäßwand, an dem Cholesterin, Zellen des Immunsystems und verschiedene Entzündungsprozesse beteiligt sind. Mit der Zeit kann die Wand dicker werden und der Platz für das Blut enger. Dieser Vorgang wird Atherosklerose genannt. Er kann Herzkranzgefäße, die Gefäße zum Gehirn und die Arterien der Beine gleichermaßen betreffen.

Das erklärt eine Besonderheit vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Der eigentliche Prozess entsteht oft über Jahrzehnte, obwohl sich der Mensch vollkommen gesund fühlt. Erst wenn eine Gefäßveränderung stärker ausgeprägt ist oder plötzlich ein Blutgerinnsel entsteht, können innerhalb weniger Minuten deutliche Beschwerden auftreten.

Warum Diabetes die Gefäße zusätzlich belasten kann

Insulin ist nicht nur für den Blutzucker wichtig. Es gehört zu einem ganzen Netzwerk aus Stoffwechselvorgängen, die auch Fettstoffwechsel, Leber und Blutgefäße betreffen. Bei Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen häufig schlechter auf Insulin. Der Körper versucht diese sogenannte Insulinresistenz zunächst durch eine stärkere Insulinproduktion auszugleichen. Gleichzeitig finden sich bei vielen Betroffenen vermehrtes Bauchfett, erhöhte Triglyzeride, niedrigere HDL-Werte, Bluthochdruck oder eine Fettleber.

Dadurch entsteht kein einzelnes Problem, sondern ein Stoffwechselmuster, bei dem mehrere Organsysteme beteiligt sind. Die Leber kann beispielsweise mehr Fett einlagern und gleichzeitig mehr Glukose an das Blut abgeben, obwohl bereits ausreichend Energie vorhanden ist. Fettgewebe im Bauchraum kann Stoffwechselvorgänge beeinflussen, während die Blutgefäße gleichzeitig auf Blutdruck und Blutfette reagieren. Diese Zusammenhänge erklären, warum Typ-2-Diabetes häufig gemeinsam mit anderen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren auftritt.

Bei Typ-1-Diabetes sieht die Entstehung der Erkrankung anders aus, weil hier ein Insulinmangel durch die Zerstörung insulinproduzierender Zellen im Mittelpunkt steht. Auch bei Typ-1-Diabetes können jedoch langjährig erhöhte Glukosewerte Gefäße beeinflussen, weshalb Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Wie aus einer jahrelangen Gefäßveränderung plötzlich ein Herzinfarkt entstehen kann

Das Herz ist ein Muskel, der Tag und Nacht arbeitet und deshalb ständig Sauerstoff benötigt. Diesen Sauerstoff erhält es über die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Wenn sich in diesen Gefäßen über Jahre atherosklerotische Veränderungen entwickeln, kann der Blutfluss zunehmend eingeschränkt werden.

Ein Herzinfarkt entsteht häufig jedoch nicht einfach dadurch, dass ein Gefäß jeden Tag ein wenig enger wird, bis irgendwann gar kein Blut mehr hindurchpasst. Entscheidend kann sein, dass sich eine bereits vorhandene Ablagerung plötzlich verändert. An dieser Stelle kann sich innerhalb kurzer Zeit ein Blutgerinnsel bilden. Wird das Gefäß dadurch stark verengt oder vollständig verschlossen, erhält der dahinterliegende Herzmuskel nicht mehr genügend Sauerstoff.

Die Herzmuskelzellen können ohne Sauerstoff ihre normale Arbeit nicht lange fortsetzen. Je länger die Durchblutung unterbrochen bleibt, desto größer kann der geschädigte Bereich werden. Genau deshalb ist der Herzinfarkt ein plötzliches Ereignis, obwohl die zugrunde liegende Gefäßerkrankung oft schon viele Jahre bestanden hat.

Bei Diabetes kommen solche Veränderungen statistisch häufiger vor. Dafür ist nicht nur die Glukose verantwortlich. Häufig wirken Bluthochdruck, Cholesterinveränderungen, Nierenerkrankungen und andere Faktoren gleichzeitig auf dieselben Gefäße.

Warum ein Herzinfarkt bei Diabetes nicht immer wie im Lehrbuch aussieht

Viele Menschen verbinden einen Herzinfarkt mit einem extrem starken Schmerz mitten im Brustkorb. Tatsächlich können Druck, Enge, Brennen oder Schmerzen im Brustbereich typische Zeichen sein und in Arme, Schultern, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen. Ein Herzinfarkt kann jedoch auch anders auffallen.

Bei länger bestehendem Diabetes können Nervenschäden auftreten. Diese betreffen nicht ausschließlich Füße und Beine, sondern können auch Teile des Nervensystems beeinflussen, die innere Organe und Körperreaktionen steuern. Dadurch können Schmerzsignale bei manchen Menschen verändert wahrgenommen werden. Ein Herzinfarkt kann dann weniger eindeutig durch heftige Brustschmerzen und stärker durch Atemnot, ungewöhnliche Schwäche, Übelkeit, kalten Schweiß, Kreislaufprobleme oder ein ausgeprägtes allgemeines Krankheitsgefühl auffallen.

Der Begriff „stummer Herzinfarkt“ bedeutet dabei nicht unbedingt, dass überhaupt keine Beschwerden vorhanden sind. Häufig sind die Symptome lediglich weniger typisch oder werden zunächst einer anderen Ursache zugeschrieben. Gerade bei Diabetes ist deshalb verständlich, warum Herzprobleme manchmal später erkannt werden.

Merkkasten: Ein Herzinfarkt kann bei Diabetes weniger typisch verlaufen. Neben Brustschmerzen können Atemnot, Schwäche, Schweißausbruch, Übelkeit oder ein ungewöhnliches Druckgefühl stärker im Vordergrund stehen.

Wie ein Schlaganfall entsteht

Beim Schlaganfall liegt das Problem nicht im Herzmuskel, sondern im Gehirn. Das Prinzip kann jedoch ähnlich sein. Gehirnzellen benötigen ständig Sauerstoff und können Energie kaum speichern. Wird ein Blutgefäß im Gehirn plötzlich verschlossen, fällt die Versorgung in dem dahinterliegenden Gebiet innerhalb kürzester Zeit ab.

Welches Symptom entsteht, hängt davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Ein Teil des Gehirns steuert beispielsweise Bewegungen der rechten Körperhälfte, ein anderer ist für Sprache zuständig und wieder andere Bereiche verarbeiten Sehen oder Gleichgewicht. Deshalb kann ein Schlaganfall sehr unterschiedlich aussehen. Eine plötzlich schwache Körperseite, ein hängender Mundwinkel oder eine neue Sprachstörung gehören zu den bekanntesten Erscheinungsformen. Auch Sehstörungen, ausgeprägte Gleichgewichtsprobleme oder andere plötzlich auftretende neurologische Veränderungen sind möglich.

Die meisten Schlaganfälle entstehen durch einen Gefäßverschluss. Ein kleinerer Teil wird durch eine Blutung im Gehirn verursacht. Die Beschwerden können sich dabei ähneln, obwohl die Ursache eine völlig andere ist.

Diabetes erhöht das durchschnittliche Schlaganfallrisiko, insbesondere wenn gleichzeitig Bluthochdruck, Gefäßveränderungen, Nierenerkrankungen oder weitere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren vorhanden sind.

Warum ein Schlaganfall innerhalb von Sekunden auftreten kann, obwohl die Erkrankung schon lange besteht

Die zugrunde liegende Gefäßveränderung kann sich über Jahre entwickelt haben. Der eigentliche Verschluss eines Gefäßes erfolgt jedoch manchmal innerhalb weniger Augenblicke. Genau deshalb kann ein Mensch morgens scheinbar gesund aufstehen und kurze Zeit später plötzlich Schwierigkeiten haben, zu sprechen oder einen Arm zu bewegen.

Manchmal lösen sich solche Beschwerden nach einigen Minuten wieder vollständig auf. Dahinter kann eine sogenannte transitorische ischämische Attacke, kurz TIA, stehen. Dabei war die Blutversorgung eines Gehirnbereiches vorübergehend gestört, normalisiert sich anschließend aber wieder. Obwohl anschließend möglicherweise keine Lähmung oder Sprachstörung mehr vorhanden ist, zeigt eine solche Episode, dass es bereits zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung gekommen ist.

TIA und Schlaganfall gehören deshalb zum selben Gefäßgeschehen, auch wenn die sichtbaren Folgen unterschiedlich lange bestehen.

Vorhofflimmern kann einen Schlaganfall auf einem anderen Weg verursachen

Nicht jeder Schlaganfall entsteht durch Ablagerungen direkt in den Gehirnarterien. Ein Blutgerinnsel kann sich auch im Herzen bilden und anschließend mit dem Blutstrom in Richtung Gehirn wandern. Eine der wichtigsten Erkrankungen in diesem Zusammenhang ist Vorhofflimmern.

Dabei schlagen die Herzvorhöfe nicht mehr regelmäßig, sondern sehr schnell und ungeordnet. Das Blut bewegt sich dadurch in bestimmten Bereichen des Herzens weniger gleichmäßig. Unter diesen Bedingungen kann sich ein Gerinnsel bilden. Löst sich dieses Gerinnsel, kann es über die Blutbahn bis in eine Gehirnarterie gelangen und diese verschließen.

Diabetes gehört zu den Faktoren, die das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern erhöhen. Dadurch verbindet sich eine Stoffwechselerkrankung mit einer Herzrhythmusstörung und schließlich mit einem möglichen Problem im Gehirn.

Vorhofflimmern kann Herzrasen, Herzstolpern, Kurzatmigkeit oder Leistungsminderung verursachen, bei manchen Menschen bleibt es jedoch lange vollkommen unbemerkt.

Warum Bluthochdruck bei Diabetes eine so große Rolle spielt

Blutdruck beschreibt die Kraft, mit der das Blut gegen die Gefäßwände drückt. Während körperlicher Anstrengung steigt dieser Druck normalerweise vorübergehend an. Bei Bluthochdruck bleibt er jedoch auch außerhalb solcher Belastungen dauerhaft erhöht.

Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck treten besonders häufig gemeinsam auf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Übergewicht und Insulinresistenz spielen eine Rolle, ebenso Veränderungen an Nieren und Blutgefäßen. Treffen Bluthochdruck und Diabetes zusammen, entstehen zwei unterschiedliche Belastungen an denselben Gefäßen. Stoffwechselveränderungen wirken von innen auf die Gefäßwand, während der erhöhte Druck sie gleichzeitig mechanisch stärker beansprucht.

Das Besondere am Bluthochdruck ist seine häufige Beschwerdefreiheit. Ein Mensch kann über viele Jahre deutlich erhöhte Werte haben, ohne Kopfschmerzen, Schwindel oder andere eindeutige Zeichen zu bemerken. Trotzdem können sich Herzmuskel und Gefäße allmählich verändern.

Dauerhaft hoher Blutdruck kann den Herzmuskel beispielsweise dazu zwingen, gegen einen größeren Widerstand zu arbeiten. Der Muskel kann dadurch dicker und steifer werden. Gleichzeitig erhöht Bluthochdruck die Belastung kleiner Gefäße in Gehirn und Nieren. So erklärt sich, warum dieselbe Erkrankung Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenprobleme miteinander verbinden kann.

Cholesterin ist nicht grundsätzlich schlecht

Cholesterin hat häufig einen schlechten Ruf, obwohl der Körper es dringend benötigt. Es ist Bestandteil von Zellwänden und Ausgangsstoff für verschiedene Hormone. Problematisch ist weniger das Vorhandensein von Cholesterin als seine Verteilung und der Transport im Blut.

Besonders LDL-Cholesterin spielt bei der Entstehung atherosklerotischer Gefäßveränderungen eine wichtige Rolle. LDL-Partikel können in eine veränderte Gefäßwand gelangen und dort an der Entwicklung einer Ablagerung beteiligt sein. Dieser Vorgang läuft über viele Jahre und hängt zusätzlich von Blutdruck, Entzündungsprozessen, Rauchen, Diabetes und anderen Faktoren ab.

Das erklärt auch, warum der Gesamtcholesterinwert allein wenig über das persönliche Herzrisiko aussagen kann. Ein Mensch mit bereits bestehender Gefäßerkrankung wird anders eingeordnet als ein Mensch ohne bekannte Gefäßveränderungen, selbst wenn beide denselben LDL-Wert haben.

Bei Diabetes wird Cholesterin deshalb immer im Zusammenhang mit dem gesamten Herz-Kreislauf-Risiko betrachtet.

Warum Statine bei Diabetes so häufig auf Medikamentenplänen stehen

Statine verringern die körpereigene Cholesterinbildung und senken dadurch insbesondere den LDL-Wert. Ihre Bedeutung bei Diabetes ergibt sich nicht daraus, dass Diabetes automatisch zu extrem hohen Cholesterinwerten führt, sondern aus dem insgesamt erhöhten Gefäßrisiko vieler Betroffener.

Ein interessanter Zusammenhang besteht darin, dass Statine bei entsprechend veranlagten Menschen den Blutzucker geringfügig beeinflussen und die Wahrscheinlichkeit einer Diabetesdiagnose etwas erhöhen können. Gleichzeitig reduzieren sie bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko die Wahrscheinlichkeit schwerer Gefäßereignisse. Die moderne medizinische Bewertung betrachtet deshalb nicht nur diese mögliche Stoffwechselveränderung, sondern die gesamte Wirkung auf Herz und Gefäße.

Dieser scheinbare Widerspruch zeigt gut, warum Medikamente nicht allein anhand einer einzelnen Laborveränderung beurteilt werden können.

Bauchfett ist mehr als ein Energiespeicher

Fettgewebe ist nicht überall im Körper gleich. Besonders Fett, das sich tief im Bauchraum rund um Leber und andere Organe ansammelt, ist stoffwechselaktiv. Es steht eng mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, erhöhten Triglyzeriden und Fettleber in Verbindung.

Dadurch kann Bauchfett mehrere Bereiche gleichzeitig beeinflussen. Der Körper reagiert schlechter auf Insulin, die Leber verändert ihren Fett- und Zuckerstoffwechsel und gleichzeitig treten häufiger Blutdruck- und Blutfettveränderungen auf. Das Herz-Kreislauf-Risiko entsteht deshalb nicht einfach durch die mechanische Belastung eines höheren Körpergewichtes, sondern durch das gesamte Stoffwechselmilieu.

Ein bloßer Blick auf das Körpergewicht reicht deshalb nicht aus, um diese Zusammenhänge vollständig zu verstehen. Muskelmasse, Fettverteilung und Fett in Organen können bei zwei Menschen mit demselben Gewicht völlig unterschiedlich sein.

Warum eine Fettleber zum Herzthema werden kann

Eine Fettleber wird häufig als reines Leberproblem betrachtet. Bei Typ-2-Diabetes ist sie jedoch Teil eines viel größeren Stoffwechselzusammenhangs. Fett sammelt sich dabei in Leberzellen an und tritt besonders häufig gemeinsam mit Bauchfett, Insulinresistenz, erhöhten Blutfetten und Bluthochdruck auf.

Deshalb überschneiden sich die Risikofaktoren von Fettleber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark. Ein Mensch kann gleichzeitig Typ-2-Diabetes, Fettleber, erhöhten Blutdruck und ungünstige Blutfettwerte haben, ohne dass es sich um vier voneinander unabhängige Erkrankungen handelt. Häufig spiegeln sie verschiedene Seiten derselben Stoffwechselsituation wider.

Die Leber beeinflusst außerdem selbst den Glukose- und Fettstoffwechsel. Eine stark verfettete Leber kann beispielsweise weiterhin Glukose ins Blut abgeben, obwohl bereits ausreichend Energie vorhanden ist. Dadurch wird die Insulinresistenz zusätzlich verstärkt.

Herz und Nieren arbeiten enger zusammen, als es zunächst scheint

Die Nieren filtern Tag und Nacht das Blut, regulieren Flüssigkeit und Salze und beeinflussen verschiedene Hormonsysteme, die wiederum den Blutdruck steuern. Das Herz sorgt gleichzeitig dafür, dass die Nieren ausreichend durchblutet werden. Beide Organe sind deshalb funktionell eng miteinander verbunden.

Diabetes kann die kleinen Gefäße der Nieren verändern. Eines der frühen Zeichen kann darin bestehen, dass Eiweiß, insbesondere Albumin, in den Urin gelangt. Im weiteren Verlauf kann die Filterleistung der Nieren abnehmen.

Eine chronische Nierenerkrankung ist jedoch nicht nur für die Nieren selbst bedeutsam. Sie geht gleichzeitig mit einem deutlich höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher. Dafür spielen Veränderungen von Blutdruck, Flüssigkeitshaushalt, Gefäßfunktion und weitere Stoffwechselprozesse eine Rolle.

Umgekehrt kann eine Herzschwäche wiederum die Durchblutung der Nieren verschlechtern. Dadurch entsteht eine enge Wechselwirkung zwischen Diabetes, Herz und Nieren. Genau deshalb werden diese Organe in der modernen Diabetesmedizin zunehmend gemeinsam betrachtet.

Merkkasten: Eine Nierenerkrankung bei Diabetes ist nicht nur ein Problem der Nieren. Sie kann gleichzeitig Ausdruck eines erhöhten Risikos für Herz und Gefäße sein.

Herzschwäche ist etwas anderes als ein Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt ist ein plötzliches Ereignis, bei dem die Blutversorgung eines Teils des Herzmuskels unterbrochen wird. Eine Herzschwäche entwickelt sich dagegen häufig über einen längeren Zeitraum und beschreibt einen Zustand, in dem das Herz den Körper nicht mehr so leistungsfähig versorgen kann wie früher.

Dabei existieren unterschiedliche Formen. Bei einer Form ist die eigentliche Pumpkraft deutlich reduziert. Bei einer anderen kann die Pumpkraft relativ normal aussehen, während sich der Herzmuskel nicht mehr ausreichend entspannen und mit Blut füllen kann. Diese zweite Form tritt unter anderem häufiger bei Menschen mit Bluthochdruck, Übergewicht und Typ-2-Diabetes auf.

Die Entstehung kann verschiedene Ursachen haben. Ein früherer Herzinfarkt kann einen Teil des Herzmuskels geschädigt haben. Jahrelanger Bluthochdruck kann den Herzmuskel verdicken und steifer machen. Nierenerkrankungen können Flüssigkeitshaushalt und Kreislauf beeinflussen, und auch Veränderungen des Stoffwechsels im Herzmuskel selbst spielen bei Diabetes eine Rolle.

Deshalb kann Herzschwäche bei Diabetes auch ohne vorher bekannten Herzinfarkt auftreten.

Warum Herzschwäche häufig zunächst unscheinbar beginnt

Eine Herzschwäche entwickelt sich häufig nicht innerhalb eines Tages. Viele Menschen bemerken zunächst nur, dass ihre körperliche Belastbarkeit langsam nachlässt. Treppen werden anstrengender, längere Wege führen schneller zu Atemnot oder alltägliche Tätigkeiten kosten mehr Kraft als früher.

Wenn das Herz Blut nicht ausreichend weitertransportieren kann, kann sich Flüssigkeit zurückstauen. Dadurch können Knöchel und Unterschenkel anschwellen. Sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge, kann Atemnot entstehen, die teilweise im Liegen stärker auffällt.

Solche Beschwerden sind allerdings nicht ausschließlich für eine Herzschwäche typisch. Auch Lungenerkrankungen, Blutarmut, starkes Übergewicht oder geringe körperliche Kondition können zu ähnlichen Erscheinungen führen. Gerade deshalb kann eine beginnende Herzschwäche im Alltag lange unspezifisch wirken.

Warum bestimmte Diabetesmedikamente heute auch unter dem Gesichtspunkt Herz betrachtet werden

Früher wurde ein Diabetesmedikament hauptsächlich danach beurteilt, wie stark es den Blutzucker senken kann. Inzwischen ist bekannt, dass manche Wirkstoffe zusätzliche Auswirkungen auf Herz und Nieren haben.

Besonders deutlich wurde das bei SGLT2-Hemmern wie Empagliflozin oder Dapagliflozin. Diese Medikamente sorgen dafür, dass ein Teil der Glukose über den Urin ausgeschieden wird. In großen Untersuchungen zeigte sich jedoch zusätzlich eine Wirkung auf Herzschwäche und chronische Nierenerkrankungen. Dadurch werden diese Medikamente heute nicht nur als reine Blutzuckersenker betrachtet.

Auch bestimmte GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Dulaglutid oder Liraglutid können mehr als den Blutzucker beeinflussen. Neben einer Wirkung auf Gewicht und Glukose wurde bei mehreren Vertretern dieser Gruppe eine Verringerung bestimmter schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse beobachtet.

Das erklärt, warum zwei Menschen mit sehr ähnlichem HbA1c unterschiedliche Diabetesmedikamente erhalten können. Die Entscheidung kann nicht nur vom Blutzucker, sondern ebenso von bereits bestehenden Herz-, Gefäß- oder Nierenproblemen geprägt sein.

Durchblutungsstörungen der Beine gehören zur selben Gefäßerkrankung

Atherosklerose kann nicht nur Herz und Gehirn betreffen. Werden die Arterien der Beine enger, entsteht eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Bei Belastung benötigen die Beinmuskeln mehr Sauerstoff, können durch die verengten Gefäße aber nicht ausreichend versorgt werden.

Typischerweise entstehen deshalb Schmerzen beim Gehen, häufig in der Wade, die nach einer kurzen Pause wieder verschwinden. Bei Diabetes können gleichzeitig Nervenschäden vorhanden sein, sodass solche Schmerzen weniger deutlich wahrgenommen werden.

In stärker ausgeprägten Fällen kann die Durchblutung auch in Ruhe nicht mehr ausreichen. Füße können kälter wirken, kleine Verletzungen können schlechter heilen und in schweren Situationen kann Gewebe geschädigt werden.

Eine solche Gefäßerkrankung ist nicht nur ein lokales Problem der Beine. Sie zeigt, dass Atherosklerose im Körper vorhanden ist. Menschen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit haben deshalb häufig auch ein erhöhtes Risiko für Veränderungen an Herz- und Hirngefäßen.

Rauchen trifft auf dieselben Gefäße, die durch Diabetes bereits belastet sein können

Tabakrauch enthält zahlreiche Stoffe, die Gefäßwände, Blutgerinnung und Sauerstoffversorgung beeinflussen. Rauchen fördert die Entstehung von Atherosklerose und steht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine in Verbindung.

Bei Diabetes wirken Rauchen und Stoffwechselerkrankung auf viele derselben Strukturen. Gefäße, Nerven und kleine Blutgefäße können gleichzeitig betroffen sein. Dadurch erklärt sich, warum die Kombination von Rauchen und Diabetes besonders eng mit Herz-Kreislauf- und Gefäßkomplikationen verbunden ist.

Auch Probleme an Füßen können durch diese Kombination stärker werden, weil sowohl Durchblutung als auch Nervenfunktion betroffen sein können.

Bewegung beeinflusst Herz und Stoffwechsel gleichzeitig

Körperliche Aktivität verändert den Stoffwechsel unmittelbar. Arbeitende Muskeln benötigen Energie und können Glukose aufnehmen. Gleichzeitig steigen Herzschlag und Durchblutung, damit die Muskulatur ausreichend Sauerstoff erhält.

Bei regelmäßiger Bewegung verändern sich diese Anpassungen langfristig. Muskeln können besser auf Insulin reagieren, die körperliche Leistungsfähigkeit steigt und Blutdruck sowie Fettstoffwechsel können ebenfalls beeinflusst werden. Bewegung wirkt deshalb nicht nur über einen einzigen Mechanismus.

Dieser Zusammenhang erklärt auch, warum körperliche Fitness und Körpergewicht nicht dasselbe sind. Ein Mensch kann übergewichtig sein und trotzdem eine gute körperliche Leistungsfähigkeit besitzen, während ein normalgewichtiger Mensch nach jahrelangem Bewegungsmangel wenig Ausdauer haben kann.

Herzgesundheit lässt sich deshalb nicht allein an der Waage erkennen.

Ernährung wirkt nicht nur über den Blutzucker auf das Herz

Lebensmittel beeinflussen gleichzeitig Glukose, Körpergewicht, Blutdruck und Blutfette. Genau deshalb lässt sich eine Ernährung nicht einfach in „gut für Diabetes“ und „gut fürs Herz“ trennen.

Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und pflanzliche Fette besitzen beispielsweise eine völlig andere Nährstoffzusammensetzung als stark verarbeitete Produkte mit viel Salz, Zucker und gesättigten Fetten. Über einzelne Mahlzeiten entscheidet sich jedoch kein Herzinfarkt. Entscheidend ist vielmehr das Ernährungsmuster, das sich über viele Jahre wiederholt.

Auch hier ist der Zusammenhang komplexer als die Vorstellung, dass ein bestimmtes Lebensmittel direkt die Gefäße „verstopft“. Ernährung wirkt über Körpergewicht, Leber, Blutdruck, Blutfette und Stoffwechsel auf viele verschiedene Wege gleichzeitig.

Schlafapnoe passt ebenfalls in das gemeinsame Stoffwechselbild

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe verschließt sich der Rachen während des Schlafes immer wieder teilweise oder vollständig. Die Atmung setzt für kurze Zeit aus, der Sauerstoffgehalt kann absinken und der Körper reagiert mit kleinen Weckreaktionen.

Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht haben häufiger eine Schlafapnoe. Gleichzeitig ist die Erkrankung mit Bluthochdruck und einer zusätzlichen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems verbunden.

Dadurch entsteht erneut eine Verbindung zwischen mehreren Problemen, die zunächst getrennt erscheinen. Übergewicht erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und Schlafapnoe, Schlafapnoe kann den Blutdruck beeinflussen und Bluthochdruck wiederum Herz und Gefäße belasten.

Warum Aspirin beim Thema Diabetes und Herz nicht für jeden dasselbe bedeutet

Acetylsalicylsäure, kurz ASS, hemmt Blutplättchen und erschwert dadurch die Bildung bestimmter Blutgerinnsel. Nach bereits eingetretenen Herzinfarkten oder bei bestimmten bekannten Gefäßerkrankungen kann diese Wirkung eine wichtige Rolle spielen.

Bei Menschen ohne bereits bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung ist die Situation anders. Die Verringerung bestimmter Gefäßereignisse steht hier einem erhöhten Blutungsrisiko gegenüber. Deshalb ist ASS kein allgemeines „Diabetesmedikament“, obwohl es bei vielen Menschen mit Diabetes und bereits vorhandener Gefäßerkrankung auf dem Medikamentenplan auftaucht.

Dieser Unterschied zeigt erneut, dass dieselbe Diagnose nicht automatisch dieselbe Behandlung bedeutet. Entscheidend ist, ob bereits eine Gefäßerkrankung vorhanden ist und wie das persönliche Verhältnis von Gefäß- und Blutungsrisiko aussieht.

Warum nicht jeder Mensch mit Diabetes routinemäßig auf versteckte Herzkranzgefäßverengungen untersucht wird

Diabetes erhöht das durchschnittliche Herz-Kreislauf-Risiko, trotzdem bedeutet dies nicht, dass jeder beschwerdefreie Mensch automatisch eine ausgeprägte koronare Herzkrankheit besitzt. Aufwendige Herzuntersuchungen bei Menschen ohne Beschwerden zeigen deshalb nicht zwangsläufig einen zusätzlichen Nutzen.

Die moderne Medizin unterscheidet zwischen dem statistisch erhöhten Risiko einer Gruppe und dem tatsächlichen Befund bei einem einzelnen Menschen. Ein Mensch kann jahrzehntelang Diabetes haben, ohne eine relevante Verengung der Herzkranzgefäße zu entwickeln, während ein anderer bereits früh deutliche Gefäßveränderungen aufweist.

Alter, Diabetesdauer, Blutdruck, Cholesterin, Nierenfunktion, Rauchen, familiäre Veranlagung und bereits bekannte Gefäßerkrankungen verändern diese Wahrscheinlichkeit.

Warum zwei Menschen mit demselben HbA1c ein völlig unterschiedliches Herzrisiko haben können

Der HbA1c beschreibt vereinfacht den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen. Er ist ein wichtiger Wert, kann aber nur einen Teil der gesundheitlichen Situation abbilden.

Stellen Sie sich zwei Menschen mit einem HbA1c von 6,8 Prozent vor. Der erste hat normale Blutdruckwerte, günstige Blutfette, eine normale Nierenfunktion und keine bekannte Gefäßerkrankung. Der zweite hat zusätzlich Bluthochdruck, eine eingeschränkte Nierenfunktion und bereits einen früheren Herzinfarkt.

Obwohl der HbA1c identisch ist, unterscheiden sich beide Menschen beim Herz-Kreislauf-Risiko erheblich.

Genau deshalb ist die Vorstellung zu einfach, Diabetes sei dann „gut“, wenn lediglich der HbA1c gut aussieht. Der Wert erzählt etwas Wichtiges über den Zuckerstoffwechsel, aber wenig darüber, was bereits in Herz, Nieren und Gefäßen passiert ist.

Merkkasten: Zwei Menschen können denselben HbA1c haben und trotzdem ein völlig unterschiedliches Herz-Kreislauf-Risiko besitzen. Entscheidend ist das gesamte Bild aus Alter, Diabetesdauer, Blutdruck, Cholesterin, Nierenfunktion und bereits vorhandenen Gefäßveränderungen.

Warum Diabetes nicht automatisch zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führt

Bei all diesen Zusammenhängen ist eine wichtige Einordnung notwendig. Diabetes erhöht das durchschnittliche Risiko, sagt aber nicht voraus, was bei einem einzelnen Menschen passieren wird.

Ein jüngerer Mensch mit erst kürzlich festgestelltem Typ-2-Diabetes und ohne weitere Gefäßprobleme befindet sich in einer vollkommen anderen Situation als ein älterer Mensch mit jahrzehntelangem Diabetes, chronischer Nierenerkrankung, Bluthochdruck und bereits früherem Herzinfarkt.

Auch genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Manche Familien sind stärker von früh auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen als andere. Ebenso unterscheiden sich Diabetesdauer, Körpergewicht, Fettverteilung und weitere Stoffwechselmerkmale erheblich.

Die Aussage, Diabetes erhöhe das Herz-Kreislauf-Risiko, beschreibt deshalb eine Wahrscheinlichkeit und kein vorherbestimmtes Schicksal.

Herz, Gehirn, Nieren und Beine sind letztlich verschiedene Orte desselben Gefäßsystems

Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine werden im Alltag häufig als vollkommen unterschiedliche Erkrankungen wahrgenommen. Anatomisch betrifft jedes Ereignis tatsächlich einen anderen Bereich des Körpers. Das zugrunde liegende Gefäßproblem kann jedoch sehr ähnlich sein.

Wird ein Herzkranzgefäß verschlossen, entsteht ein Herzinfarkt. Wird ein Gefäß im Gehirn verschlossen, entsteht ein Schlaganfall. Werden die Beinarterien durch Atherosklerose zunehmend enger, entwickelt sich eine Durchblutungsstörung der Beine.

Die Gefäßwand kennt dabei keine Fachgebietsgrenzen. Ein Mensch kann deshalb Gefäßveränderungen an mehreren Stellen gleichzeitig besitzen.

Diabetes verbindet diese Erkrankungen zusätzlich mit den Nieren und kleinen Blutgefäßen. Dadurch entsteht das Bild einer Erkrankung, die nicht nur einzelne Blutzuckerwerte betrifft, sondern langfristig verschiedene Organsysteme miteinander verbinden kann.

Fazit: Warum Diabetesmedizin heute weit über den Blutzucker hinausgeht

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eng miteinander verbunden, weil dieselben Stoffwechselveränderungen über viele Jahre unterschiedliche Organe beeinflussen können. Länger erhöhte Glukosewerte wirken auf Blutgefäße und Nerven, während bei Typ-2-Diabetes häufig gleichzeitig Bluthochdruck, ungünstige Blutfette, Bauchfett, Fettleber oder eine chronische Nierenerkrankung vorhanden sind. Dadurch entsteht ein Gesamtbild, in dem sich verschiedene Belastungen gegenseitig verstärken können.

Herzinfarkt und Schlaganfall sind dabei nicht einfach zwei zufällig häufiger vorkommende Erkrankungen. Beide können aus Veränderungen desselben Gefäßsystems entstehen. Beim Herzinfarkt verliert ein Teil des Herzmuskels plötzlich seine ausreichende Blutversorgung, beim Schlaganfall betrifft eine solche Störung das Gehirn. Durchblutungsstörungen der Beine gehören ebenfalls zu diesem großen Gefäßgeschehen.

Herzschwäche unterscheidet sich davon, weil sie nicht zwingend durch einen plötzlichen Gefäßverschluss entsteht. Diabetes, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen und Veränderungen des Herzmuskels können über lange Zeit dazu führen, dass sich das Herz nicht mehr ausreichend füllt oder nicht mehr genügend Blut durch den Körper transportiert.

Auch die Nieren sind eng mit diesem Geschehen verbunden. Eine diabetesbedingte Nierenerkrankung verändert nicht nur die Filterfunktion der Nieren, sondern ist gleichzeitig mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko verbunden. Herz und Nieren beeinflussen sich wiederum gegenseitig.

Selbst bei den Diabetesmedikamenten wird diese Verbindung heute sichtbar. Bestimmte SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten werden nicht mehr ausschließlich nach ihrer Wirkung auf den HbA1c beurteilt, weil ihre Auswirkungen auf Herz, Nieren oder Gefäßereignisse ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Damit hat sich das Verständnis des Diabetes deutlich verändert. Ein HbA1c beschreibt einen wichtigen Teil der Erkrankung, aber nicht die gesamte gesundheitliche Situation.

Diabetes betrifft den Stoffwechsel.

Und Stoffwechsel bedeutet weit mehr als Zucker.

Er verbindet Blutgefäße, Herz, Gehirn, Nieren, Leber, Fettgewebe und Muskulatur miteinander.

Genau deshalb gehören Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche zu den wichtigsten Themen, wenn man Diabetes wirklich vollständig verstehen möchte.

 

 


Quellenbasis

American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Aktuelle medizinische Einordnung von Diabetes, Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Blutdruck, Blutfetten, Nierenerkrankungen sowie Diabetesmedikamenten mit Herz- und Nierenwirkung.

European Society of Cardiology: Medizinische Leitlinien zum Zusammenhang zwischen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Atherosklerose, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Nierenerkrankungen.

Deutsche Diabetes Gesellschaft: Aktuelle Praxisempfehlungen zu Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechsel, Nierenerkrankungen und Diabetesmedikamenten.

National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Medizinische Patienteninformationen zu Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfall und Gefäßveränderungen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und erklärt die medizinischen Zusammenhänge zwischen Diabetes, Herz, Gehirn, Nieren und Blutgefäßen. Er ersetzt keine individuelle medizinische Diagnose oder persönliche ärztliche Beurteilung.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell geprüft und überarbeitet.

Stand

September 2026

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

https://www.instagram.com/ernaehrungsberatung.jennyorth/