Vielleicht haben Sie den Begriff koronare Herzkrankheit, kurz KHK, schon einmal gehört, ohne genau zu wissen, was eigentlich dahintersteckt. Vielleicht betrifft die Erkrankung inzwischen Sie selbst, weil bei einer Untersuchung Veränderungen an den Herzkranzgefäßen festgestellt wurden, oder Sie kennen jemanden in Ihrer Familie, der einen Stent bekommen hat, regelmäßig Herzmedikamente einnimmt oder bereits einen Herzinfarkt erlebt hat. Gerade dann entstehen schnell viele Fragen, denn kaum ein anderes Organ verbinden wir so unmittelbar mit unserem Leben wie das Herz, und entsprechend groß ist die Verunsicherung, wenn plötzlich von verengten Gefäßen, Ablagerungen oder einer möglichen Minderdurchblutung die Rede ist.
Die koronare Herzkrankheit gehört zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und entwickelt sich meistens nicht von heute auf morgen, sondern über viele Jahre. Dabei verändern sich die Blutgefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, nach und nach. Manche Menschen bemerken davon zunächst überhaupt nichts, während andere irgendwann beim Treppensteigen, schnellen Gehen oder bei körperlicher Anstrengung ein unangenehmes Druckgefühl in der Brust, Luftnot oder eine deutlich nachlassende Belastbarkeit feststellen.
Eine KHK sollte ernst genommen werden, aber die Diagnose bedeutet keineswegs, dass Sie von nun an ständig Angst vor einem Herzinfarkt haben müssen oder sich körperlich möglichst wenig belasten dürfen. Im Gegenteil: Heute gibt es viele Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln, Beschwerden zu lindern und das Risiko für einen Herzinfarkt oder andere Folgen deutlich zu senken. Dazu gehören Medikamente ebenso wie regelmäßige Bewegung, eine herzfreundliche Ernährung, ein guter Blutdruck, vernünftige Blutfettwerte, der Verzicht auf Rauchen und regelmäßige Kontrollen.
Besonders wichtig ist, dass Sie verstehen, warum diese einzelnen Maßnahmen notwendig sind. Denn bei einer KHK geht es nicht darum, irgendeinen Laborwert schön aussehen zu lassen oder möglichst viele Tabletten einzunehmen. Es geht darum, Ihre Blutgefäße langfristig zu schützen und Ihrem Herz möglichst gute Bedingungen zu geben.
Was passiert bei einer koronaren Herzkrankheit?
Ihr Herz arbeitet rund um die Uhr und benötigt dafür selbst ständig Sauerstoff und Nährstoffe. Diese Versorgung übernehmen die Herzkranzgefäße, die wie ein Netz auf der Außenseite des Herzens verlaufen und den Herzmuskel mit Blut versorgen.
Bei einer koronaren Herzkrankheit verändern sich die Wände dieser Gefäße. Über viele Jahre können sich dort Ablagerungen entwickeln, die häufig als Plaques bezeichnet werden. Dabei spielen unter anderem Blutfette, insbesondere das LDL-Cholesterin, Veränderungen der Gefäßwand und verschiedene weitere Einflüsse eine Rolle. Umgangssprachlich wird dieser Vorgang oft als „Arterienverkalkung“ bezeichnet.
Solange das Gefäß noch ausreichend weit ist, merken Sie davon möglicherweise gar nichts. Wird der Platz für das Blut jedoch immer enger, kann irgendwann eine Situation entstehen, in der der Herzmuskel bei Belastung mehr Sauerstoff benötigt, als über das verengte Gefäß geliefert werden kann. Genau dann können typische Beschwerden auftreten.
Stellen Sie es sich wie eine Straße vor, auf der der Verkehr normalerweise problemlos fließt. Wird aus mehreren Fahrspuren nach und nach nur noch eine schmale Spur, funktioniert der Verkehr bei wenig Betrieb vielleicht weiterhin gut. Kommen jedoch plötzlich viele Fahrzeuge gleichzeitig, entsteht ein Stau. Beim Herzen ist körperliche Belastung vergleichbar mit diesem stärkeren Verkehr: Das Herz schlägt schneller, benötigt mehr Sauerstoff und macht eine Verengung deshalb häufig erst dann bemerkbar.
Problematisch wird es, wenn eine Ablagerung instabil wird und sich darauf ein Blutgerinnsel bildet. Verschließt dieses Gerinnsel ein Herzkranzgefäß vollständig oder fast vollständig, kann ein Herzinfarkt entstehen. Deshalb zielt die Behandlung einer KHK nicht nur darauf ab, aktuelle Beschwerden zu lindern, sondern auch darauf, genau solche gefährlichen Ereignisse möglichst zu verhindern.
Warum entsteht eine KHK nicht bei jedem Menschen gleich?
Es gibt nicht den einen Grund, warum ein Mensch eine koronare Herzkrankheit entwickelt. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, und manche davon können Sie beeinflussen, während andere einfach zu Ihrer persönlichen Vorgeschichte gehören.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko grundsätzlich, weil auch Blutgefäße über Jahrzehnte Veränderungen entwickeln können. Außerdem spielt die familiäre Veranlagung eine Rolle. Wenn nahe Angehörige bereits in relativ jungen Jahren eine KHK oder einen Herzinfarkt hatten, sollten Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und andere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren besonders aufmerksam beobachtet werden.
Zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren gehört das Rauchen. Tabakrauch schädigt Blutgefäße auf mehreren Ebenen und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und andere Gefäßerkrankungen erheblich. Wenn Sie rauchen und bereits eine KHK haben, gehört ein Rauchstopp deshalb zu den wirksamsten Dingen, die Sie selbst für Ihr Herz tun können. Dabei müssen Sie nicht versuchen, alles allein mit Willenskraft zu schaffen. Ärztliche Unterstützung, Rauchstopp-Programme und gegebenenfalls Medikamente können Ihnen helfen.
Auch Bluthochdruck spielt eine große Rolle, denn dauerhaft hoher Druck belastet die Gefäßwände und das Herz. Besonders tückisch ist, dass man einen erhöhten Blutdruck häufig überhaupt nicht spürt. Ein Wert kann jahrelang zu hoch sein, ohne dass Kopfschmerzen, Schwindel oder andere eindeutige Warnzeichen auftreten. Deshalb sind regelmäßige Messungen wesentlich zuverlässiger als das eigene Gefühl.
Ähnlich wichtig sind die Blutfette, vor allem das LDL-Cholesterin. LDL ist nicht einfach nur irgendeine Zahl auf einem Laborzettel, sondern spielt bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Ablagerungen in den Arterien eine wichtige Rolle. Wenn bereits eine KHK besteht, wird deshalb besonders darauf geachtet, diesen Wert dauerhaft zu senken.
Auch Diabetes mellitus betrifft nicht nur den Blutzucker. Über längere Zeit erhöhte Blutzuckerwerte können die Blutgefäße schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Deshalb gehört bei Menschen mit KHK und Diabetes die gute Behandlung beider Erkrankungen zusammen.
Bewegungsmangel, starkes Übergewicht, besonders im Bauchbereich, ungünstige Ernährungsgewohnheiten und dauerhafte hohe psychische Belastungen können weitere Teile dieses Gesamtbildes sein. Dabei geht es nicht darum, einen einzelnen Menschen für seine Erkrankung verantwortlich zu machen. Eine KHK entsteht über viele Jahre und aus vielen verschiedenen Gründen. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Welche Faktoren können Sie ab heute beeinflussen?
Welche Beschwerden macht eine KHK?
Eine koronare Herzkrankheit kann lange Zeit unbemerkt bleiben. Manche Menschen erfahren erst im Rahmen einer Untersuchung, dass sich ihre Herzkranzgefäße verändert haben, während andere bereits typische Beschwerden entwickeln.
Das bekannteste Symptom ist die Angina pectoris, also eine Brustenge. Dabei muss es sich nicht unbedingt um einen stechenden Schmerz handeln. Viele Betroffene beschreiben vielmehr einen Druck, ein Brennen, eine Enge oder ein schweres Gefühl hinter dem Brustbein. Manche sagen, es fühle sich an, als würde etwas Schweres auf der Brust liegen oder als würde der Brustkorb zusammengedrückt.
Die Beschwerden können in einen oder beide Arme, in Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen. Häufig treten sie auf, wenn das Herz mehr leisten muss, beispielsweise beim schnellen Gehen, Treppensteigen, Tragen schwerer Einkaufstaschen, bei Kälte oder in einer sehr stressigen Situation.
Typisch für eine stabile KHK ist, dass solche Beschwerden bei einer bekannten Belastung auftreten und nach einer Pause wieder verschwinden. Auch ein persönlich verordnetes Nitrospray kann bei manchen Betroffenen die Beschwerden rasch lindern.
Nicht jeder Mensch erlebt jedoch die klassische Brustenge. Atemnot, ungewöhnlich schnelle Erschöpfung, ein deutlicher Leistungsknick oder ein Druckgefühl im Oberbauch können ebenfalls vorkommen. Gerade deshalb sollten Sie neue Belastungsbeschwerden nicht automatisch mit mangelnder Kondition oder dem Alter erklären.
Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes können Beschwerden teilweise weniger eindeutig erscheinen. Trotzdem ist es falsch, davon auszugehen, dass Frauen grundsätzlich keine Brustschmerzen bei einer Herzerkrankung haben. Auch bei ihnen gehören Brustbeschwerden zu den wichtigen Warnzeichen; zusätzlich können Atemnot, Übelkeit, ungewöhnliche Schwäche oder andere weniger eindeutige Beschwerden auftreten.
Wenn sich bekannte Beschwerden plötzlich verändern, sollten Sie aufmerksam werden
Wenn Sie bereits wissen, dass Sie eine KHK haben, kennen Sie vielleicht bestimmte Situationen, in denen gelegentlich eine Brustenge auftritt. Entscheidend ist dann nicht nur, ob Beschwerden auftreten, sondern auch, ob sich das gewohnte Muster verändert.
Wenn Brustenge plötzlich bereits bei viel geringerer Belastung auftritt, deutlich stärker oder länger anhält, erstmals in Ruhe vorkommt oder auf Ihre übliche Notfallmedikation nicht so reagiert wie sonst, darf das nicht einfach abgewartet werden.
Dasselbe gilt für neu auftretenden starken Druck oder Schmerz im Brustkorb, insbesondere wenn gleichzeitig Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, starke Schwäche oder ein sehr schlechtes Allgemeingefühl auftreten.
In einer solchen Situation sollten Sie 112 anrufen und nicht selbst mit dem Auto in eine Praxis oder Klinik fahren. Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt Zeit, und es ist besser, einmal zu früh den Rettungsdienst zu rufen als einmal zu lange abzuwarten.
Wie wird festgestellt, ob die Herzkranzgefäße verengt sind?
Wenn Beschwerden oder Risikofaktoren auf eine KHK hindeuten, beginnt die Untersuchung zunächst mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei geht es nicht nur darum, ob Ihre Brust weh tut, sondern darum, wann Beschwerden auftreten, wie lange sie anhalten, ob sie bei Belastung entstehen und wie sie sich wieder bessern.
Zusätzlich werden Blutdruck und Puls kontrolliert, Herz und Lunge untersucht und wichtige Blutwerte bestimmt. Dazu gehören beispielsweise Blutfette, Blutzucker und häufig auch die Nierenfunktion.
Ein Ruhe-EKG gehört ebenfalls zu den grundlegenden Untersuchungen. Es kann verschiedene Veränderungen des Herzens zeigen, allerdings kann ein Ruhe-EKG bei einer chronischen KHK auch vollkommen unauffällig sein. Ein normales EKG bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Herzkranzgefäße gesund sind.
Ein Herzultraschall kann zeigen, wie gut das Herz pumpt, ob die Herzklappen normal funktionieren und ob bestimmte Bereiche des Herzmuskels auffällig sind.
Wenn genauer untersucht werden soll, ob die Herzkranzgefäße verengt sind, gibt es heute verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist die CT-Untersuchung der Herzkranzgefäße, bei der die Gefäße ohne Herzkatheter dargestellt werden können. Bei anderen Menschen ist eine Untersuchung sinnvoll, bei der geschaut wird, wie das Herz unter Belastung arbeitet und durchblutet wird.
Welche Untersuchung für Sie am besten passt, hängt von Ihren Beschwerden, Ihrem Alter, Ihren Vorerkrankungen und der Wahrscheinlichkeit einer KHK ab. Deshalb bekommt nicht jeder Mensch automatisch dieselbe Untersuchung.
Ein Herzkatheter ist heute bei einer stabilen KHK ebenfalls nicht automatisch der erste Schritt. Er wird insbesondere dann wichtig, wenn der Verdacht auf eine ausgeprägte Erkrankung besteht, Beschwerden trotz Behandlung stark bleiben oder die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass ein Eingriff wahrscheinlich sinnvoll sein könnte. Die aktuellen Empfehlungen legen großen Wert darauf, die Untersuchung passend zum persönlichen Risiko auszuwählen, statt jeden Verdacht sofort invasiv mit einem Herzkatheter abzuklären.
Was bedeutet ein Herzkatheter – und braucht jede Engstelle einen Stent?
Beim Herzkatheter wird ein sehr dünner Katheter über ein Blutgefäß, häufig am Handgelenk oder in der Leiste, bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Mit Kontrastmittel können die Gefäße anschließend sichtbar gemacht und Engstellen genau beurteilt werden.
Wird eine geeignete Engstelle behandelt, kann das Gefäß mit einem kleinen Ballon erweitert werden. Häufig wird anschließend ein Stent eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine kleine Gefäßstütze, die das behandelte Gefäß offen halten soll.
Viele Menschen denken bei der Diagnose KHK automatisch: „Wenn eine Engstelle da ist, muss sie doch geöffnet werden.“ So einfach ist es jedoch nicht.
Bei einer stabilen KHK bildet eine gute medikamentöse Behandlung gemeinsam mit der Behandlung der Risikofaktoren die Grundlage. Wenn Sie trotz dieser Behandlung weiterhin deutliche Angina-pectoris-Beschwerden haben oder bestimmte besonders relevante Gefäßveränderungen vorliegen, kann ein Stent einen wichtigen Nutzen haben.
Der Stent behandelt allerdings nur eine bestimmte Engstelle. Die KHK selbst betrifft die Gefäßerkrankung insgesamt. Deshalb bleiben Medikamente, Bewegung, Rauchstopp, die Behandlung der Blutfette und ein guter Blutdruck auch nach einer erfolgreichen Stentbehandlung wichtig.
Ein Stent bedeutet also nicht: „Die KHK ist jetzt entfernt.“ Er bedeutet vielmehr: Eine bestimmte Engstelle wurde behandelt – die zugrunde liegende Gefäßerkrankung braucht weiterhin Aufmerksamkeit.
Wann kann eine Bypass-Operation sinnvoll sein?
Wenn mehrere Herzkranzgefäße stark verändert sind oder eine Engstelle an einer besonders wichtigen Stelle liegt, kann statt eines Stents eine Bypass-Operation sinnvoller sein.
Bei einer solchen Operation wird die Engstelle nicht direkt entfernt. Stattdessen wird mit einem körpereigenen Blutgefäß eine neue Verbindung geschaffen, über die das Blut die verengte Stelle umgehen kann. Bildlich gesprochen bekommt das Blut eine Umleitung.
Ob ein Stent, eine Bypass-Operation oder zunächst eine Behandlung ohne Eingriff sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören die Anzahl und Lage der Engstellen, Beschwerden, Begleiterkrankungen wie Diabetes, die Pumpfunktion des Herzens, das Alter und natürlich auch Ihre persönlichen Wünsche.
Gerade bei solchen Entscheidungen sollten Sie sich erklären lassen, welches Ziel ein Eingriff bei Ihnen verfolgt. Geht es vor allem darum, Beschwerden zu verbessern, oder besteht aufgrund des Befundes ein zusätzlicher Vorteil für die langfristige Prognose? Diese Fragen dürfen und sollten Sie stellen.
Medikamente bei KHK – warum Sie häufig mehrere verschiedene Tabletten bekommen
Menschen mit KHK erhalten häufig mehrere Medikamente, die auf den ersten Blick alle „fürs Herz“ zu sein scheinen. Tatsächlich haben sie jedoch sehr unterschiedliche Aufgaben. Einige sollen das Risiko für Herzinfarkt und andere Gefäßverschlüsse senken, andere sollen den Herzmuskel entlasten oder Angina-pectoris-Beschwerden verhindern.
Welche dieser Medikamente Sie benötigen, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Nicht jeder Mensch mit KHK braucht automatisch alle genannten Wirkstoffe, und Dosierungen können sich im Verlauf verändern.
Besonders wichtig ist, Medikamente nicht eigenständig abzusetzen, weil Sie sich gerade gut fühlen. Einige der wichtigsten Herzmedikamente merkt man im Alltag kaum, weil sie nicht dafür gedacht sind, innerhalb weniger Minuten ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen. Ihr Nutzen besteht vielmehr darin, Sie langfristig vor Komplikationen zu schützen. Plättchenhemmer und Statine gehören deshalb bei vielen Menschen mit KHK zu den zentralen Bestandteilen der Dauerbehandlung.
Warum Statine auch dann wichtig sein können, wenn Sie „gar nicht so hohes Cholesterin“ haben
Gerade bei Statinen entsteht häufig Unsicherheit. Manche Menschen sagen: „Mein Cholesterin war doch gar nicht so hoch – warum brauche ich dann einen Cholesterinsenker?“
Wenn bereits eine KHK besteht, wird das Risiko anders betrachtet als bei einem ansonsten gesunden Menschen. Die Gefäße haben bereits Veränderungen entwickelt, und deshalb soll das LDL-Cholesterin besonders zuverlässig gesenkt werden.
Wenn unter einem Statin Beschwerden auftreten, beispielsweise Muskelschmerzen, sollten Sie die Tablette nicht einfach selbst absetzen. Besprechen Sie die Beschwerden zunächst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Manchmal steckt eine andere Ursache dahinter, manchmal kann die Dosierung verändert oder ein anderer Wirkstoff ausprobiert werden, und teilweise stehen zusätzliche Medikamente zur Verfügung.
Die aktuelle deutsche Patienteninformation empfiehlt deshalb ausdrücklich, eine vermeintliche Unverträglichkeit gemeinsam zu überprüfen, statt die Behandlung einfach aufzugeben.
Nitrospray – wichtig für manche Menschen, aber nicht einfach irgendein Spray gegen Brustschmerzen
Wenn Ihnen wegen einer Angina pectoris ein Nitrospray verordnet wurde, sollte Ihnen genau erklärt werden, wann und wie Sie es anwenden sollen und wann trotz Spray der Notruf notwendig ist.
Nitrate erweitern Blutgefäße und können dadurch Angina-pectoris-Beschwerden schnell lindern. Gleichzeitig können sie den Blutdruck deutlich senken, weshalb Schwindel auftreten kann und eine Anwendung im Sitzen sinnvoll sein kann.
Besonders wichtig ist eine Wechselwirkung, die leicht übersehen wird: Bestimmte Medikamente gegen Erektionsstörungen, beispielsweise Sildenafil und verwandte Wirkstoffe, dürfen nicht einfach zusammen mit Nitraten angewendet werden, weil der Blutdruck gefährlich stark abfallen kann. Wenn Sie solche Medikamente nutzen oder nutzen möchten, sprechen Sie vorher offen mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Bewegung ist keine Belastung, vor der Sie Ihr Herz grundsätzlich schützen müssen
Nach der Diagnose einer Herzerkrankung entwickeln manche Menschen verständlicherweise Angst vor körperlicher Anstrengung. Vielleicht denken Sie: Wenn bei Belastung das Herz schneller schlägt, sollte ich mich lieber möglichst schonen.
Bei einer stabilen und gut behandelten KHK ist das Gegenteil meist sinnvoll. Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zur Behandlung.
Dabei geht es nicht darum, von heute auf morgen zum Leistungssportler zu werden. Viel hilfreicher ist eine Bewegung, die zu Ihrer Belastbarkeit passt und regelmäßig stattfindet. Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder andere Ausdauerbewegungen können gut geeignet sein.
Die deutsche Patientenleitlinie empfiehlt, sofern medizinisch nichts dagegenspricht, ungefähr zwei Stunden Ausdauerbewegung pro Woche, auf mehrere Tage verteilt. Sie dürfen sich dabei durchaus etwas anstrengen und leicht schwitzen, sollten aber noch in der Lage sein, sich in ganzen Sätzen zu unterhalten. Je nach persönlicher Situation kann auch Krafttraining sinnvoll sein.
Wenn Sie lange keinen Sport gemacht haben, stärkere Beschwerden haben oder gerade einen Herzinfarkt, Stent oder eine Operation hinter sich haben, sollte vorher geklärt werden, welche Belastung für Sie passend ist.
Besonders hilfreich können Herzsportgruppen sein, weil Sie dort unter fachlicher Anleitung trainieren und wieder Vertrauen in Ihren eigenen Körper bekommen können.
Herzfreundliche Ernährung bedeutet nicht, dass Sie ab morgen nur noch Salat essen dürfen
Bei kaum einem Thema entstehen nach einer Herzdiagnose so schnell Verbotslisten wie beim Essen. Plötzlich scheint Butter grundsätzlich verboten, jedes Ei wird kritisch betrachtet und viele Menschen glauben, sie müssten von heute auf morgen eine vollkommen neue Ernährung lernen.
Eine herzfreundliche Ernährung ist zum Glück wesentlich alltagstauglicher.
Im Mittelpunkt stehen vor allem Lebensmittel, die Sie regelmäßig essen können und die gleichzeitig Blutfette, Blutdruck, Blutzucker und Körpergewicht günstig beeinflussen. Dazu gehören Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen sowie pflanzliche Öle.
Bei den Fetten lohnt sich besonders der Blick auf die Qualität. Häufiger Oliven-, Raps- oder andere geeignete pflanzliche Öle zu verwenden und stark gesättigte Fette nicht ständig zum Mittelpunkt der Ernährung zu machen, ist wesentlich sinnvoller als jede Fettquelle grundsätzlich zu verteufeln.
Fisch kann ebenfalls Teil einer herzfreundlichen Ernährung sein. Fleisch und insbesondere stark verarbeitetes Fleisch wie Wurst sollten dagegen nicht täglich selbstverständlich auf dem Teller liegen.
Auch stark verarbeitete Lebensmittel, sehr salzreiche Fertiggerichte, Süßgetränke und große Mengen Süßigkeiten sollten eher die Ausnahme als die Grundlage des Speiseplans sein.
Das bedeutet nicht, dass Sie nie wieder ein Stück Kuchen essen oder mit Ihrer Familie gemütlich essen dürfen. Eine gute Ernährung muss dauerhaft zu Ihrem Leben passen. Für Ihre Herzgesundheit zählt vor allem das Muster Ihrer Ernährung über Wochen, Monate und Jahre und nicht die einzelne Mahlzeit am Geburtstag.
Die aktuelle Patienteninformation zur KHK empfiehlt ebenfalls eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten und betont, dass Ernährung und Bewegung ebenso zur langfristigen Behandlung gehören wie Medikamente.
Cholesterin in Lebensmitteln ist nicht dasselbe wie Cholesterin im Blut
Gerade bei einer KHK hören Menschen häufig den Satz, sie müssten einfach „cholesterinarm essen“. Das greift zu kurz.
Ihr LDL-Cholesterin im Blut wird nicht allein dadurch bestimmt, wie viel Cholesterin ein einzelnes Lebensmittel enthält. Eine wichtige Rolle spielen die gesamte Zusammensetzung der Ernährung, Fettqualität, genetische Faktoren, Körpergewicht, Bewegung und der eigene Stoffwechsel.
Deshalb bringt es wenig, sich ausschließlich auf ein einzelnes Lebensmittel zu konzentrieren und gleichzeitig den restlichen Speiseplan zu ignorieren.
Wenn Ihre LDL-Werte trotz einer guten Ernährung zu hoch bleiben, ist das außerdem kein persönliches Versagen. Gerade bei Menschen mit KHK reichen Ernährung und Bewegung häufig nicht aus, um die notwendigen Werte zu erreichen. Deshalb haben cholesterinsenkende Medikamente einen so wichtigen Platz in der Behandlung.
Salz und Blutdruck – hier kann sich ein genauer Blick lohnen
Wenn Sie zusätzlich zur KHK einen erhöhten Blutdruck haben, lohnt es sich, auf sehr salzreiche Lebensmittel zu achten. Das meiste Salz kommt dabei häufig nicht aus dem Salzstreuer, sondern steckt bereits in Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichten, Snacks und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Sie müssen Ihr Essen deshalb nicht geschmacklos machen. Kräuter, Gewürze, Zitrone, Knoblauch, Zwiebeln und andere Aromen können viel Geschmack bringen, ohne dass jede Mahlzeit stark gesalzen werden muss.
Ein guter Blutdruck ist bei einer KHK besonders wichtig, weil dauerhaft erhöhte Werte sowohl die Gefäße als auch das Herz belasten.
Übergewicht – es geht nicht um eine Zahl auf der Waage allein
Wenn starkes Übergewicht besteht, kann eine Gewichtsabnahme Blutdruck, Blutzucker und Beweglichkeit verbessern. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie nach einer KHK-Diagnose möglichst schnell zehn oder zwanzig Kilogramm abnehmen müssen.
Crash-Diäten, extremes Fasten oder sehr einseitige Programme passen meist schlecht zu einer Erkrankung, die langfristige Veränderungen benötigt.
Viel sinnvoller ist eine Ernährung, die Sie auch in einem Jahr noch umsetzen können, kombiniert mit Bewegung, die Ihnen tatsächlich Freude macht.
Gerade bei älteren Menschen sollte außerdem nicht nur das Gewicht betrachtet werden. Muskelmasse, Kraft, allgemeine Belastbarkeit und ausreichende Nährstoffversorgung sind ebenfalls wichtig. Eine vermeintlich perfekte Zahl auf der Waage nützt wenig, wenn gleichzeitig Muskeln und Kraft verloren gehen.
Rauchen aufgeben – auch nach vielen Jahren lohnt es sich
Manche Menschen denken nach jahrzehntelangem Rauchen: „Jetzt ist es sowieso zu spät.“
Das stimmt nicht.
Auch wenn bereits eine KHK besteht, lohnt sich ein Rauchstopp. Sie können dadurch Ihr weiteres Herz-Kreislauf-Risiko beeinflussen und entlasten gleichzeitig Lunge und Blutgefäße.
Wenn Sie es schon mehrfach versucht haben und wieder angefangen haben, bedeutet das nicht, dass Sie es nicht schaffen können. Nikotin macht abhängig, und viele Menschen benötigen mehrere Anläufe oder zusätzliche Unterstützung.
Lassen Sie sich deshalb helfen, wenn Sie Unterstützung brauchen. Ein Rauchstopp ist keine Frage mangelnder Disziplin, sondern häufig eine Behandlung einer Abhängigkeit.
Stress und das Herz – nicht jede Aufregung macht krank, dauerhafte Belastung sollte trotzdem ernst genommen werden
Stress gehört zum Leben und lässt sich nicht vollständig vermeiden. Problematisch wird es eher, wenn Belastung dauerhaft besteht und Erholung praktisch nicht mehr stattfindet.
Wer ständig unter Spannung steht, schläft häufig schlechter, bewegt sich weniger, raucht möglicherweise mehr, isst unregelmäßiger und hat weniger Energie für die eigene Gesundheit. Auch Blutdruck und Herzfrequenz können in belastenden Situationen steigen.
Stressreduktion bedeutet deshalb nicht, dass Sie von nun an jeden Tag meditieren müssen. Für manche Menschen hilft ein Spaziergang, für andere Gartenarbeit, Musik, Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder einfach ein regelmäßiger Abend ohne berufliche Nachrichten.
Wichtig ist, eine Form der Erholung zu finden, die tatsächlich zu Ihnen passt.
Alkohol ist kein Herzmedikament
Lange hielt sich die Vorstellung, ein tägliches Glas Rotwein sei besonders gut für das Herz. Daraus sollte niemand eine Empfehlung zum Trinken ableiten.
Wenn Sie keinen Alkohol trinken, müssen Sie wegen Ihrer Herzgesundheit selbstverständlich nicht damit anfangen. Wenn Sie Alkohol trinken, sollte dies nicht mit der Vorstellung geschehen, Sie würden damit Ihre Herzkranzgefäße behandeln.
Gerade bei bestimmten Medikamenten, erhöhtem Blutdruck, Leberproblemen, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen kann Alkohol zusätzliche Nachteile haben.
Nach Herzinfarkt, Stent oder Bypass kann eine Reha viel Sicherheit zurückgeben
Nach einem Herzinfarkt oder einer größeren Herzbehandlung verändert sich für viele Menschen plötzlich das Vertrauen in den eigenen Körper. Bewegungen, die früher selbstverständlich waren, machen auf einmal Angst, und selbst ein schnellerer Herzschlag beim Treppensteigen kann verunsichern.
Eine kardiologische Rehabilitation kann deshalb weit mehr sein als ein paar Wochen Training. Sie hilft Ihnen dabei, Ihre Belastbarkeit wieder kennenzulernen, Medikamente zu verstehen, Risikofaktoren zu verbessern und Sicherheit für den Alltag zurückzugewinnen.
Dort können Bewegung, Ernährung, Rauchstopp, Blutdruck und Diabetes ebenso besprochen werden wie Ängste nach einem Herzereignis oder Fragen zur Rückkehr in den Beruf.
Eine Herzsportgruppe kann anschließend helfen, die Bewegung nach der Reha langfristig beizubehalten.
DMP KHK – strukturierte Begleitung für Menschen mit chronischer KHK
Wenn Sie gesetzlich versichert sind und eine chronische KHK haben, kann außerdem ein Disease-Management-Programm, kurz DMP KHK, interessant sein. Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das die regelmäßige Betreuung und Kontrolle einer chronischen Erkrankung unterstützen soll.
Das DMP KHK wurde in Deutschland zuletzt 2025 aktualisiert. Dabei wurden unter anderem Diagnostik, individuelle Therapieplanung und Behandlung an aktuelle Empfehlungen angepasst. Rund 1,9 Millionen gesetzlich Versicherte mit KHK nahmen zum Zeitpunkt der Aktualisierung bereits an einem solchen Programm teil.
Wenn Sie nicht wissen, ob Sie bereits eingeschrieben sind oder ob ein DMP für Sie infrage kommt, können Sie Ihre Hausarzt- oder Kardiologiepraxis beziehungsweise Ihre Krankenkasse darauf ansprechen.
Regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig, auch wenn Sie sich gut fühlen
Eine KHK ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet nicht, dass es Ihnen ständig schlecht gehen muss, sondern dass die Gefäßveränderungen langfristig berücksichtigt werden sollten.
Regelmäßige Kontrollen helfen dabei, Blutdruck, Blutfette und gegebenenfalls Blutzucker im Blick zu behalten, Medikamente anzupassen und Veränderungen früh zu erkennen.
Besprechen Sie bei diesen Terminen auch Beschwerden, die Ihnen vielleicht zunächst nebensächlich erscheinen. Wenn Sie plötzlich weniger belastbar sind, häufiger Luftnot haben, neue Brustbeschwerden auftreten oder Sie Ihre Medikamente nicht gut vertragen, gehört das angesprochen.
Nehmen Sie Ihre Medikamente außerdem nicht nur „bis die Packung leer ist“, wenn eine Dauerbehandlung verordnet wurde. Gerade bei KHK sollen viele Medikamente langfristig schützen und müssen deshalb regelmäßig eingenommen werden.
Ein eigener Medikamentenplan kann im Alltag viel helfen
Wenn mehrere Medikamente morgens, mittags oder abends eingenommen werden sollen, verliert man schnell den Überblick. Ein aktueller Medikamentenplan ist deshalb sehr hilfreich.
Darauf sollten nicht nur Medikamentennamen stehen, sondern möglichst auch Wirkstoff, Dosierung und Einnahmezeit. Nehmen Sie diesen Plan zu Arztterminen und auch bei Krankenhausaufenthalten mit.
Wenn Sie ein Medikament nicht vertragen oder unsicher sind, wofür es gedacht ist, fragen Sie nach. Sie sollten wissen dürfen, warum Sie etwas einnehmen.
Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern erleichtert es auch, eine langfristige Behandlung wirklich konsequent umzusetzen.
Was Sie im Notfall wissen sollten
Wenn bei einer bekannten KHK plötzlich neue oder deutlich stärkere Brustbeschwerden auftreten, sollten Sie nicht lange ausprobieren, ob es vielleicht doch nur der Magen oder eine Muskelverspannung ist.
Besonders ernst sind starke Brustenge oder Druck im Brustkorb, die in Arm, Rücken, Hals, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen können und von Atemnot, Übelkeit, kaltem Schweiß, Schwäche oder einem ausgeprägten Krankheitsgefühl begleitet werden.
Wenn Ihnen ein persönliches Nitrospray für Angina-pectoris-Anfälle verordnet wurde, wenden Sie es entsprechend Ihrer ärztlichen Anleitung an. Bleiben die Beschwerden bestehen, treten sie in Ruhe auf oder sind sie deutlich anders beziehungsweise stärker als gewohnt, sollten Sie 112 rufen.
Fahren Sie bei Verdacht auf einen Herzinfarkt nicht selbst in die Klinik und lassen Sie sich nach Möglichkeit auch nicht von Angehörigen fahren. Der Rettungsdienst kann bereits unterwegs medizinische Maßnahmen durchführen und die geeignete Klinik vorbereiten.
Eine KHK bedeutet nicht, dass Sie Ihr Leben nur noch um Ihr Herz herum planen müssen
Nach der Diagnose neigen manche Menschen dazu, jeden Herzschlag zu beobachten. Ein kleineres Ziehen im Brustkorb wird sofort bedrohlich, körperliche Anstrengung wird möglichst vermieden und Reisen, Sport oder gemeinsame Unternehmungen erscheinen plötzlich riskant.
Natürlich ist es wichtig, Warnzeichen zu kennen. Gleichzeitig sollte die Erkrankung nicht Ihr gesamtes Leben übernehmen.
Eine gut behandelte KHK bedeutet für viele Menschen, dass sie über viele Jahre aktiv bleiben können. Medikamente, Bewegung, Ernährung und Kontrollen sind dabei keine Bestrafung, sondern Werkzeuge, mit denen Sie möglichst viel von Ihrer Lebensqualität erhalten können.
Sie müssen auch nicht jeden Risikofaktor innerhalb weniger Wochen perfekt verändern. Wenn Sie versuchen, gleichzeitig Ihre gesamte Ernährung umzustellen, täglich Sport zu treiben, zehn Kilogramm abzunehmen, nie wieder gestresst zu sein und sämtliche Gewohnheiten zu ändern, wird aus Herzgesundheit schnell ein Vollzeitprojekt.
Beginnen Sie dort, wo eine Veränderung wirklich machbar ist. Vielleicht ist es zunächst der tägliche Spaziergang, vielleicht der Rauchstopp, vielleicht häufiger Gemüse und Hülsenfrüchte statt Fertiggerichte oder die regelmäßige Einnahme eines Medikamentes, das bisher immer wieder vergessen wurde.
Viele kleine Veränderungen, die dauerhaft bleiben, sind für Ihre Herzgesundheit wertvoller als ein perfekter Plan, den Sie nach drei Wochen nicht mehr durchhalten.
Fazit: Ihre Herzgefäße können Sie nicht einfach austauschen – aber Sie können sehr viel für sie tun
Eine koronare Herzkrankheit entsteht meist über viele Jahre und bleibt häufig lange unbemerkt. Wenn die Herzkranzgefäße zunehmend enger werden, kann der Herzmuskel besonders bei Belastung nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Brustenge, Atemnot und eine nachlassende Belastbarkeit können erste Hinweise sein, während ein plötzlicher Gefäßverschluss zu einem Herzinfarkt führen kann.
Die Diagnose sollte deshalb ernst genommen werden, aber sie ist kein Grund, Ihr Leben fortan von Angst bestimmen zu lassen.
Heute besteht die Behandlung aus mehreren Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen. Medikamente wie Plättchenhemmer und Statine schützen langfristig vor gefährlichen Folgeereignissen. Andere Medikamente können das Herz entlasten oder Angina-pectoris-Beschwerden lindern. Bei geeigneten Engstellen kann ein Stent helfen, während bei komplexeren Veränderungen eine Bypass-Operation die bessere Möglichkeit sein kann.
Genauso wichtig bleibt jedoch das, was Sie jeden Tag selbst beeinflussen können. Wenn Sie nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker gut behandeln lassen und eine Ernährung wählen, die überwiegend aus wenig verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und guten Fettquellen besteht, unterstützen Sie Ihre Behandlung jeden Tag ein kleines Stück.
Dabei geht es nicht um Perfektion.
Sie dürfen weiterhin genießen, feiern, verreisen und ein normales Leben führen. Die KHK verlangt nicht, dass Sie fortan nur noch „Patient“ sind.
Was sie verlangt, ist Aufmerksamkeit.
Kennen Sie Ihre Medikamente, nehmen Sie Kontrolltermine wahr, bewegen Sie sich im Rahmen Ihrer persönlichen Belastbarkeit und nehmen Sie Veränderungen Ihrer Beschwerden ernst. Wenn Brustenge plötzlich stärker wird, in Ruhe auftritt oder mit Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit oder deutlicher Schwäche verbunden ist, warten Sie nicht ab, sondern rufen Sie im Zweifel 112.
Eine KHK können Sie nicht ungeschehen machen. Sie können aber sehr viel dazu beitragen, dass Ihre Herzgefäße möglichst lange stabil bleiben und Ihr Herz weiterhin das tun kann, was es seit Ihrem ersten Lebenstag tut: zuverlässig für Sie arbeiten.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Version 7
Die aktuelle deutsche Leitlinie wurde im August 2024 veröffentlicht und ist bis August 2029 gültig. Sie enthält die aktuellen Empfehlungen zu Diagnose, Medikamenten und Versorgung von Menschen mit chronischer KHK.
Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK
Patientenleitlinie Chronische KHK
Die Patientenleitlinie übersetzt die medizinischen Empfehlungen in eine verständliche Form und erklärt unter anderem Medikamente, Untersuchungen sowie Stent- und Bypass-Behandlung.
Patientenleitlinie zur chronischen KHK
Gesundheitsinformation.de – Koronare Herzkrankheit
Unabhängige Patienteninformationen zu Beschwerden, Verlauf, Medikamenten, Herzinfarkt, Herzkatheter, Stent und Bypass.
Koronare Herzkrankheit bei Gesundheitsinformation.de
Gesund.bund.de – Koronare Herzkrankheit
Informationen des Gesundheitsportals des Bundes zur KHK und zu verengten Herzkranzgefäßen.
Gesundheitsportal des Bundes – KHK
Deutsche Herzstiftung
Verständliche Informationen zu Beschwerden und Warnzeichen der koronaren Herzkrankheit.
Deutsche Herzstiftung – KHK
Gemeinsamer Bundesausschuss – DMP KHK
Das strukturierte Behandlungsprogramm für Menschen mit chronischer KHK wurde 2025 aktualisiert und trat in der neuen Fassung am 1. Oktober 2025 in Kraft.
Gemeinsamer Bundesausschuss – DMP koronare Herzkrankheit
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Bei einer bekannten oder vermuteten koronaren Herzkrankheit sollten Medikamente, Belastbarkeit, Blutdruck- und Cholesterinziele sowie weitere Behandlungen individuell festgelegt werden. Herzmedikamente sollten nicht ohne Rücksprache begonnen, verändert oder abgesetzt werden.
Bei neu auftretender oder deutlich stärker werdender Brustenge, starken Brustschmerzen, Beschwerden in Ruhe, ausgeprägter Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit, starker Schwäche oder einem Verdacht auf Herzinfarkt sollte unverzüglich 112 gerufen werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Wissenschaftlicher Stand
August 2026

