Medikamente gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Sie senken den Blutdruck, bremsen Entzündungen, verhindern nach einer Organtransplantation eine Abstoßungsreaktion, behandeln psychische Erkrankungen oder machen moderne Krebstherapien überhaupt erst möglich. Manche Arzneimittel sind lebensrettend und dürfen nicht einfach weggelassen werden. Gleichzeitig gibt es Medikamente, die als Nebenwirkung den Zuckerstoffwechsel verändern können. Der Blutzucker kann dadurch vorübergehend ansteigen, ein bereits bestehender Diabetes kann schwieriger einzustellen sein oder es kann sich in einzelnen Fällen tatsächlich ein neuer Diabetes entwickeln.
Vielleicht überrascht Sie das, weil Diabetes häufig fast ausschließlich mit Ernährung, Übergewicht oder Vererbung in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich ist der Zuckerstoffwechsel jedoch empfindlich und wird von vielen Vorgängen beeinflusst. Bestimmte Medikamente können dazu führen, dass Insulin schlechter wirkt, dass die Leber mehr Glukose ins Blut abgibt oder dass die Bauchspeicheldrüse weniger Insulin produziert. Andere Arzneimittel begünstigen eine deutliche Gewichtszunahme und erhöhen dadurch indirekt das Risiko für eine Insulinresistenz. Die aktuellen Diabetesempfehlungen nennen deshalb unter anderem Glukokortikoide wie Kortison, bestimmte Psychopharmaka, einige HIV-Medikamente, Thiazid-Diuretika, Statine sowie Medikamente nach einer Organtransplantation und bestimmte Krebstherapien als Behandlungen, bei denen der Zuckerstoffwechsel genauer beobachtet werden sollte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie beim Blick auf Ihre Medikamentenliste erschrecken sollten. Ein Arzneimittel kann das Risiko erhöhen und trotzdem für Ihre Gesundheit wesentlich mehr Nutzen als Risiko haben. Ein Statin kann beispielsweise das Diabetesrisiko geringfügig erhöhen und gleichzeitig Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern. Ein Immunsuppressivum kann den Blutzucker ansteigen lassen und gleichzeitig dafür sorgen, dass ein transplantiertes Organ nicht abgestoßen wird. Kortison kann den Zuckerstoffwechsel erheblich beeinflussen und bei einer schweren Autoimmunerkrankung trotzdem unverzichtbar sein.
Die wichtigste Regel lautet deshalb gleich zu Beginn:
Merkkasten: Setzen Sie ein notwendiges Medikament niemals selbst ab, weil Sie gelesen haben, dass es den Blutzucker erhöhen kann. Die richtige Reaktion ist nicht, auf die Behandlung zu verzichten, sondern den Zuckerstoffwechsel rechtzeitig zu kontrollieren und bei Bedarf die Diabetesbehandlung anzupassen.
Medikamentenbedingte Überzuckerung ist nicht immer dasselbe wie ein neuer Diabetes
Wenn der Blutzucker während einer medikamentösen Behandlung steigt, können dahinter verschiedene Situationen stecken. Manchmal bestand vorher überhaupt keine Stoffwechselstörung und das Medikament führt tatsächlich erstmals zu deutlich erhöhten Werten. In anderen Fällen gab es bereits einen Prädiabetes oder eine starke Veranlagung für Typ-2-Diabetes, die bisher unbemerkt geblieben war. Das Medikament erhöht nun die Belastung so weit, dass der Blutzucker erstmals den Diabetesbereich erreicht. Wieder andere Menschen haben bereits Diabetes und bemerken nach Beginn einer neuen Behandlung plötzlich deutlich höhere Werte oder einen stark gestiegenen Insulinbedarf.
Gerade diese Unterschiede erklären, warum sich die Werte nach Beendigung des auslösenden Medikamentes nicht bei allen Menschen gleich entwickeln. Bei manchen normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel vollständig. Bei anderen verbessern sich die Werte zwar, bleiben aber weiterhin im Diabetesbereich, weil das Medikament im Grunde einen bereits vorhandenen Stoffwechseldefekt sichtbar gemacht hat. Und bei wenigen Medikamenten, insbesondere bestimmten modernen Immuntherapien gegen Krebs, kann eine dauerhafte Zerstörung insulinproduzierender Zellen entstehen, sodass Insulin anschließend lebenslang notwendig bleibt.
Deshalb ist der Begriff medikamentenbedingter oder medikamenteninduzierter Diabetes zwar praktisch, aber nicht jede erhöhte Glukose unter Medikamenten gehört automatisch in dieselbe Schublade.
Kortison ist der wichtigste Klassiker – und der Blutzucker steigt häufig genau dann, wenn morgens alles noch gut aussieht
Wenn es um Medikamente und hohe Blutzuckerwerte geht, spielt Kortison die größte Rolle. Zur Gruppe der sogenannten Glukokortikoide gehören unter anderem Prednisolon, Prednison, Dexamethason und Methylprednisolon. Diese Medikamente werden bei zahlreichen Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise bei Rheuma, schweren Allergien, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, entzündlichen Lungenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, nach Organtransplantationen und in der Krebsmedizin.
Kortison wirkt stark entzündungshemmend und kann in vielen Situationen ausgesprochen wichtig oder sogar lebensrettend sein. Gleichzeitig verändert es mehrere Bereiche des Zuckerstoffwechsels. Die Leber gibt mehr Glukose ins Blut ab und die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin. Zusätzlich können Appetit und Nahrungsaufnahme zunehmen. Bei empfindlichen Menschen reichen diese Veränderungen aus, um den Blutzucker deutlich ansteigen zu lassen. Die aktuellen ADA-Standards beschreiben Kortison deshalb als eine der wichtigsten Ursachen medikamentenbedingter Überzuckerungen.
Besonders interessant ist dabei der Tagesverlauf. Nehmen Sie morgens Prednisolon ein, kann Ihr Nüchternblutzucker am frühen Morgen noch vollkommen unauffällig aussehen. Nach dem Frühstück beginnt die Wirkung zunehmend, der Zucker steigt über den Tag und erreicht häufig am Nachmittag oder Abend die höchsten Werte. Am nächsten Morgen kann er wieder deutlich niedriger sein. Wer in dieser Situation ausschließlich morgens nüchtern misst, kann deshalb den eigentlichen Anstieg übersehen. Die ADA weist 2026 ausdrücklich darauf hin, dass bei einer Kortisonbehandlung Messungen nach den Mahlzeiten oder zu anderen Tageszeiten oft aussagekräftiger sind als ausschließlich der Nüchternwert.
Dexamethason wirkt wiederum länger. Hier können erhöhte Werte über wesentlich mehr Stunden anhalten und teilweise auch morgens sichtbar werden. Deshalb gibt es keine einzige „Kortison-Zuckerkurve“, die für jedes Präparat gilt. Entscheidend sind Wirkstoff, Dosis, Einnahmezeitpunkt und Behandlungsdauer.
Vielleicht nehmen Sie Kortison und fragen sich: „Mein Nüchternzucker ist doch immer gut – brauche ich überhaupt weitere Kontrollen?“ Gerade bei längerer oder höher dosierter Behandlung kann die Antwort ja lauten. Sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Praxis darüber, zu welcher Tageszeit eine Messung für Ihr Präparat am sinnvollsten ist.
Merkkasten: Bei morgens eingenommenem Prednisolon kann der Blutzucker vormittags noch relativ normal sein und erst am Nachmittag oder Abend deutlich steigen. Ein guter Nüchternwert schließt deshalb eine Kortison-bedingte Überzuckerung nicht aus.
Wie schnell kann Kortison den Blutzucker erhöhen?
Die Veränderung kann überraschend schnell auftreten. Kortison muss nicht erst monatelang eingenommen werden, bevor sich etwas am Zuckerstoffwechsel zeigt. Bereits innerhalb weniger Stunden nach einer entsprechenden Dosis können die Werte steigen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, unterscheidet sich jedoch erheblich.
Besonders aufmerksam sollte man bei Menschen sein, die bereits Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes haben, übergewichtig sind oder eine starke familiäre Diabetesbelastung besitzen. Auch höheres Lebensalter und die gleichzeitige Einnahme weiterer blutzuckersteigernder Medikamente spielen eine Rolle. Die ADA berichtet, dass unter höher dosierten systemischen Glukokortikoiden ein medikamentenbedingter Diabetes beziehungsweise eine deutliche Überzuckerung keineswegs selten ist.
Auch die Art der Anwendung kann eine Rolle spielen. Tabletten oder intravenös gegebenes Kortison haben im Allgemeinen einen stärkeren Einfluss auf den gesamten Körper. Bei hohen Dosen oder wiederholter Anwendung können aber auch andere Formen relevant werden. Eine Kortisonspritze in ein Gelenk kann beispielsweise bei Menschen mit Diabetes vorübergehend den Blutzucker ansteigen lassen. Inhalatives Kortison bei Asthma wirkt wesentlich stärker lokal und ist deshalb nicht mit einer hoch dosierten Prednisolontherapie gleichzusetzen, sollte bei hohen Dosen und entsprechender Veranlagung aber ebenfalls im Gesamtbild berücksichtigt werden.
Sie sollten notwendiges Kortison deshalb nicht aus Angst vermeiden. Viel sinnvoller ist ein Plan: Wann soll gemessen werden, welche Werte sind noch akzeptabel und ab wann soll die Praxis kontaktiert werden?
Was können Sie bei einer Kortisonbehandlung konkret tun?
Wenn bereits Diabetes besteht, teilen Sie der Praxis, die Ihnen Kortison verschreibt, unbedingt mit, welche Diabetesmedikamente Sie einnehmen und ob Sie Insulin verwenden. Informieren Sie umgekehrt auch Ihr Diabetes-Team darüber, wenn eine länger dauernde oder hoch dosierte Kortisonbehandlung beginnt.
Messen Sie den Blutzucker so, wie es für die konkrete Kortisonbehandlung empfohlen wurde. Bei einem morgens eingenommenen Prednisolon sind Messungen später am Tag häufig besonders aufschlussreich. Nutzen Sie einen Glukosesensor, erkennen Sie häufig sehr gut, wann der typische Anstieg beginnt.
Versuchen Sie nicht, den Kortisoneffekt dadurch auszugleichen, dass Sie fast nichts mehr essen. Das Medikament erhöht den Blutzucker nicht ausschließlich wegen der Nahrung. Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten kann sinnvoll sein, eine radikale Kohlenhydratvermeidung löst das Problem jedoch nicht.
Und ganz wichtig: Ändern Sie Insulindosen nicht ohne einen vorher besprochenen Plan, sofern Sie keine entsprechende Schulung zur selbstständigen Dosisanpassung haben. Besonders gefährlich kann es werden, sobald die Kortisondosis wieder reduziert wird. Dann sinkt auch der zusätzliche Insulinbedarf und eine zuvor passende höhere Insulindosis kann plötzlich Unterzuckerungen verursachen. Die aktuellen Standards empfehlen deshalb eine häufige Neubewertung der Glukosewerte bei jeder Veränderung der Kortisondosis.
Merkkasten – bei Kortison besonders wichtig: Steigt die Kortisondosis, kann auch der Diabetesmedikamenten- oder Insulinbedarf steigen. Wird Kortison reduziert oder beendet, kann dieser Bedarf wieder rasch sinken. Genau in dieser Phase sind Kontrollen besonders wichtig, damit aus der Behandlung einer Überzuckerung keine Unterzuckerung entsteht.
Muss ein Kortison-Diabetes immer mit Insulin behandelt werden?
Nein. Die Behandlung hängt davon ab, wie hoch die Werte sind, wie lange das Kortison benötigt wird, welches Präparat verwendet wird und ob vorher bereits Diabetes bestand.
Bei leichteren und längerfristig stabilen Erhöhungen können manchmal vorhandene Diabetesmedikamente angepasst oder zusätzliche Medikamente eingesetzt werden. Bei deutlich höheren Werten, einer akuten Erkrankung oder einer stationären Behandlung wird häufig Insulin verwendet, weil sich seine Wirkung relativ genau an den Kortisonverlauf anpassen lässt.
Dabei wird die Insulinart teilweise passend zum verwendeten Kortison ausgewählt. Bei morgens verabreichtem Prednisolon kann beispielsweise ein Insulin mit einem dazu passenden Wirkungsverlauf eingesetzt werden. Bei länger wirkendem Dexamethason kann eine andere Strategie notwendig sein. Die ADA betont ausdrücklich, dass die Insulinbehandlung an Wirkstoff, Dosis und zeitlichen Verlauf des Glukokortikoids angepasst werden sollte.
Für Sie als Betroffene oder Betroffenen muss diese pharmakologische Feinabstimmung nicht im Mittelpunkt stehen. Viel wichtiger ist: Eine vorübergehende Insulintherapie unter Kortison bedeutet nicht automatisch, dass Sie ab jetzt lebenslang Insulin spritzen müssen.
Kann ein Kortison-Diabetes wieder verschwinden?
Ja, das ist möglich. Sobald Kortison reduziert oder beendet wird, kann sich die Insulinwirkung wieder verbessern und der Blutzucker normalisieren.
Bei manchen Menschen bleibt der Diabetes jedoch bestehen. Häufig war dann bereits vorher eine Veranlagung oder ein unerkannter Prädiabetes vorhanden, und die Kortisontherapie hat die Stoffwechselstörung gewissermaßen sichtbar gemacht.
Deshalb wird nach Ende einer längeren Kortisonbehandlung nicht nur geschaut, ob die Werte unmittelbar sinken. Auch später kann eine erneute Kontrolle sinnvoll sein.
Und noch einmal: Kortison nach längerer Einnahme niemals plötzlich eigenständig absetzen. Das ist nicht nur wegen des Blutzuckers problematisch, sondern kann aufgrund der körpereigenen Cortisolregulation gefährlich werden.
Nach einer Organtransplantation verändert sich der Zuckerstoffwechsel häufig vorübergehend
Nach einer Organtransplantation muss das Immunsystem gedämpft werden, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird. Diese Behandlung ist unverzichtbar. Gleichzeitig können mehrere Faktoren unmittelbar nach der Operation den Blutzucker erhöhen: die körperliche Belastung durch den Eingriff, Infektionen, Kortison und andere Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems.
Die ADA beschreibt, dass erhöhte Blutzuckerwerte in den ersten Wochen nach einer Nierentransplantation ausgesprochen häufig vorkommen. Das bedeutet aber noch nicht automatisch, dass dauerhaft ein neuer Diabetes entstanden ist. Ein Teil dieser frühen Überzuckerungen verschwindet wieder, sobald sich der Körper stabilisiert und die Medikamentendosen angepasst werden.
Erst wenn die Situation stabiler geworden ist, lässt sich besser beurteilen, ob tatsächlich ein Posttransplantationsdiabetes, kurz PTDM, besteht.
Tacrolimus und andere Immunsuppressiva: Das transplantierte Organ bleibt wichtiger
Besonders Tacrolimus kann den Zuckerstoffwechsel beeinflussen. Es kann die Insulinproduktion beeinträchtigen und gemeinsam mit Kortison und einer bestehenden Insulinresistenz die Entwicklung eines Diabetes begünstigen. Auch andere Immunsuppressiva können beteiligt sein. Deine Ausgangsinformation nennt Tacrolimus und Ciclosporin bereits als wichtige Beispiele.
Das darf jedoch niemals zu der Schlussfolgerung führen: „Dann nehme ich lieber weniger von meinem Immunsuppressivum.“
Die aktuellen Diabetesempfehlungen sind hier sehr klar: Das Immunsuppressionsschema soll in erster Linie so gewählt werden, dass das transplantierte Organ bestmöglich geschützt wird. Das Risiko einer Abstoßungsreaktion wiegt schwerer als der Wunsch, allein durch eine Veränderung dieser Medikamente einen Diabetes zu verhindern. Stattdessen wird der entstandene Diabetes behandelt.
Nach einer Transplantation gehören Transplantationszentrum und Diabetologie deshalb idealerweise eng zusammen. Medikamente, Nierenfunktion, Infektionsrisiko und Diabetesbehandlung beeinflussen sich gegenseitig.
Merkkasten: Nach einer Organtransplantation dürfen Medikamente gegen die Abstoßung niemals wegen erhöhter Blutzuckerwerte eigenständig reduziert werden. Der Schutz des transplantierten Organs hat Vorrang. Der Zuckerstoffwechsel wird parallel behandelt.
Wie wird ein Diabetes nach einer Transplantation erkannt?
Unmittelbar nach einer Operation sind die Werte aufgrund von Stress, Kortison und anderen Einflüssen oft vorübergehend erhöht. Deshalb wird ein dauerhafter Posttransplantationsdiabetes möglichst erst beurteilt, wenn sich die medizinische Situation stabilisiert hat.
Die ADA empfiehlt dafür besonders den oralen Glukosetoleranztest, weil ein Nüchternwert oder HbA1c allein die Störung nach einer Transplantation teilweise übersehen kann.
Falls sich tatsächlich ein dauerhafter Diabetes entwickelt, stehen heute viele Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Direkt nach der Transplantation wird bei stärker erhöhten Werten häufig Insulin eingesetzt. Später können je nach transplantiertem Organ, Nierenfunktion, Herz-Kreislauf-Situation und Immunsuppression auch andere Diabetesmedikamente infrage kommen. Die Behandlung wird individuell mit dem Transplantationszentrum abgestimmt.
Krebsbehandlung und Blutzucker: Hier hat sich in den letzten Jahren besonders viel verändert
Moderne Krebsbehandlungen sind sehr viel gezielter geworden. Dadurch können Tumorerkrankungen behandelt werden, für die es vor einigen Jahren deutlich weniger Möglichkeiten gab. Gleichzeitig greifen einige dieser Therapien in Vorgänge ein, die auch für den Zuckerstoffwechsel wichtig sind.
Die aktuellen ADA-Standards 2026 enthalten deshalb erstmals besonders ausführliche Empfehlungen zum Umgang mit durch Krebstherapien ausgelösten Überzuckerungen und Diabetes. Betroffen sind unter anderem Immuncheckpoint-Hemmer sowie bestimmte PI3K- und mTOR-Hemmer. Auch Kortison, das im Rahmen vieler Krebsbehandlungen eingesetzt wird, trägt häufig zu hohen Werten bei.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch unter einer Krebstherapie Diabetes entwickelt. Es bedeutet vielmehr, dass die behandelnden Teams heute wesentlich genauer wissen, bei welchen Medikamenten der Blutzucker kontrolliert werden muss.
Immuntherapie kann sehr selten einen völlig neuen insulinpflichtigen Diabetes auslösen
Eine besonders wichtige Ausnahme von der üblichen medikamentenbedingten Insulinresistenz sind sogenannte Immuncheckpoint-Hemmer. Dazu gehören beispielsweise Wirkstoffe wie Nivolumab oder Pembrolizumab. Sie helfen dem Immunsystem dabei, Krebszellen stärker anzugreifen.
In seltenen Fällen richtet sich diese Immunreaktion jedoch auch gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Dann kann innerhalb relativ kurzer Zeit ein schwerer Insulinmangel entstehen, ähnlich wie bei Typ-1-Diabetes. Die ADA gibt hierfür eine Häufigkeit von ungefähr 0,6 bis 1,4 Prozent der behandelten Menschen an. Die Erkrankung ist also selten, aber wichtig, weil sie häufig plötzlich auftritt und teilweise bereits mit einer Ketoazidose entdeckt wird.
Deshalb werden bei entsprechenden Immuntherapien die Glukosewerte bereits vor Beginn und bei den weiteren Behandlungsterminen kontrolliert. Die Erkrankung kann während der Behandlung auftreten und ist in seltenen Fällen sogar noch nach Beendigung der Immuntherapie beschrieben worden.
Haben Sie eine solche Therapie und entwickeln plötzlich starken Durst, sehr häufiges Wasserlassen, unerklärlichen Gewichtsverlust, starke Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine auffällig tiefe und schnelle Atmung, sollten Sie Ihr Behandlungsteam rasch kontaktieren.
Merkkasten: Ein durch Immuncheckpoint-Hemmer ausgelöster Diabetes ist selten, kann aber sehr schnell entstehen. Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Erbrechen und deutliche Schwäche während einer Immuntherapie sind deshalb keine Beschwerden, die bis zum nächsten Routinetermin warten sollten.
Warum dieser Diabetes meistens nicht wieder verschwindet
Beim klassischen Kortison-Diabetes wird hauptsächlich die Wirkung des Insulins beeinträchtigt. Nach Reduktion des Kortisons kann sich diese Wirkung wieder normalisieren.
Bei einem durch Checkpoint-Hemmer ausgelösten Diabetes ist die Situation anders. Hier können die insulinproduzierenden Zellen durch eine Immunreaktion stark geschädigt werden. Deshalb benötigen die meisten Betroffenen anschließend dauerhaft Insulin. Die ADA beschreibt diese Form als nahezu immer insulinpflichtig.
Das ist ein entscheidender Unterschied zwischen verschiedenen Formen des medikamentenbedingten Diabetes.
PI3K- und mTOR-Hemmer können den Zucker ebenfalls deutlich erhöhen
Bestimmte moderne Krebsmedikamente blockieren Signalwege, die Tumorzellen zum Wachstum benötigen. Einige dieser Signalwege sind gleichzeitig an der Insulinwirkung beteiligt. Wird beispielsweise der sogenannte PI3K-Signalweg gehemmt, kann sich innerhalb relativ kurzer Zeit eine deutliche Insulinresistenz entwickeln und der Blutzucker stark ansteigen.
Deshalb empfehlen die ADA-Standards 2026 bei entsprechenden PI3K-Hemmern eine Kontrolle von Glukose und HbA1c bereits vor Beginn der Therapie und anschließend besonders zu Beginn engmaschige Messungen. Auch bei mTOR-Hemmern soll der Zuckerstoffwechsel während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.
Für Sie müssen diese komplizierten Medikamentennamen nicht entscheidend sein. Bekommen Sie eine moderne zielgerichtete Krebstherapie, sollte Ihr Onkologie-Team Ihnen sagen, ob Ihr Medikament den Zucker beeinflussen kann und welche Kontrollen vorgesehen sind.
Psychopharmaka: Besonders manche Antipsychotika können den Stoffwechsel verändern
Medikamente gegen schwere psychische Erkrankungen können lebensverändernd und manchmal lebensrettend sein. Gerade deshalb sollte dieses Thema ohne Angst und ohne den Gedanken besprochen werden, ein Medikament müsse wegen möglicher Stoffwechselnebenwirkungen einfach abgesetzt werden.
Bestimmte Antipsychotika der zweiten Generation können Gewicht, Fettstoffwechsel und Blutzucker beeinflussen. Besonders bekannt ist dieser Zusammenhang unter anderem bei Clozapin und Olanzapin. Die Medikamente können den Appetit und das Gewicht erhöhen und gleichzeitig die Insulinempfindlichkeit ungünstig beeinflussen. Deshalb empfehlen die ADA-Standards eine regelmäßige Kontrolle von Körpergewicht, Glukose und Blutfetten bei Menschen, die solche Medikamente erhalten.
Dabei ist wichtig zu verstehen, dass schwere psychische Erkrankungen selbst ebenfalls mit einem höheren Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden sind. Bewegung, Ernährung, Schlaf, soziale Belastungen und weitere Medikamente können zusätzlich hineinspielen. Es wäre deshalb zu einfach, jede Gewichtszunahme oder jeden Diabetes ausschließlich einem einzelnen Psychopharmakon zuzuschreiben.
Haben Sie nach Beginn einer solchen Behandlung deutlich zugenommen oder verändern sich Ihre Blutzuckerwerte, sprechen Sie das offen an. Es kann manchmal alternative Präparate geben, die metabolisch günstiger wirken. Ob ein Wechsel medizinisch vertretbar ist, entscheidet allerdings die behandelnde psychiatrische Fachpraxis.
Merkkasten: Clozapin, Olanzapin und einige andere Antipsychotika können Gewicht und Zuckerstoffwechsel verändern. Das Medikament deshalb selbst abzusetzen, kann jedoch gefährlich sein. Sinnvoll sind regelmäßige Kontrollen und, falls Probleme auftreten, eine gemeinsame Entscheidung von Psychiatrie und hausärztlicher beziehungsweise diabetologischer Betreuung.
Was können Sie unter einer solchen Psychopharmaka-Behandlung selbst tun?
Bevor beziehungsweise zu Beginn einer längerfristigen Behandlung ist es sinnvoll, Gewicht und Stoffwechselwerte zu kennen. Im Verlauf werden Gewicht, Glukose beziehungsweise HbA1c und Blutfette erneut kontrolliert. Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen dieses metabolische Monitoring ausdrücklich.
Im Alltag können regelmäßige Bewegung, eine strukturierte Ernährung und ausreichend Schlaf unterstützen. Solche Maßnahmen sollten jedoch nicht als Botschaft verstanden werden, die Gewichtszunahme sei einfach durch mehr Disziplin zu verhindern. Manche Psychopharmaka verändern Appetit und Stoffwechsel sehr deutlich.
Wenn sich trotz Ihrer Bemühungen Gewicht oder Zuckerwerte stark verändern, ist das ein medizinisches Thema und kein persönliches Versagen.
Statine können das Diabetesrisiko geringfügig erhöhen – sollten deshalb aber nicht abgesetzt werden
Statine gehören zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Gleichzeitig gibt es seit Jahren die Beobachtung, dass sie bei Menschen mit einer bereits hohen Diabetesveranlagung die Wahrscheinlichkeit eines Typ-2-Diabetes etwas erhöhen können.
Das klingt zunächst beunruhigend, muss aber in Relation gesetzt werden. Die aktuellen ADA-Standards 2026 sagen ausdrücklich: Menschen mit hohem Diabetesrisiko sollen unter Statinbehandlung hinsichtlich ihres Zuckerstoffwechsels beobachtet werden, das Statin soll wegen dieses Risikos aber nicht vermieden oder abgesetzt werden. Der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen überwiegt bei den Menschen, für die eine Statintherapie medizinisch angezeigt ist, den vergleichsweise kleinen zusätzlichen Diabetesnachteil deutlich.
Vielleicht nehmen Sie Atorvastatin, Rosuvastatin oder ein anderes Statin und haben gerade einen erhöhten HbA1c bekommen. Daraus dürfen Sie nicht automatisch schließen, dass das Medikament allein Ihren Diabetes verursacht hat. Alter, Gewicht, Familiengeschichte und die eigene Stoffwechselveranlagung spielen eine große Rolle.
Sprechen Sie die Werte an.
Setzen Sie das Statin nicht auf eigene Faust ab.
Merkkasten: Statine können bei Menschen mit hoher Diabetesveranlagung das Risiko etwas erhöhen. Gleichzeitig schützen sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Fachgesellschaften empfehlen ausdrücklich, eine notwendige Statintherapie wegen dieses möglichen Diabetesrisikos nicht einfach abzusetzen.
Entwässernde Medikamente: Thiazide können den Blutzucker beeinflussen
Bestimmte entwässernde Blutdruckmedikamente aus der Gruppe der Thiazide beziehungsweise thiazidartigen Diuretika können den Zuckerstoffwechsel ebenfalls ungünstig beeinflussen. Deshalb zählt die ADA sie zu den Medikamentengruppen, bei denen das Diabetesrisiko bei der Beurteilung mit berücksichtigt werden sollte.
Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Medikamente grundsätzlich schlecht für Menschen mit Diabetes sind. Im Gegenteil: Thiazidartige Diuretika gehören weiterhin zu den bewährten Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck und können dazu beitragen, Herz-Kreislauf-Ereignisse zu verhindern. Sie werden auch in den aktuellen Diabetesempfehlungen weiterhin als geeignete Blutdruckmedikamente aufgeführt.
Auch hier gilt also wieder: Ein kleiner möglicher Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel muss gegen einen großen nachgewiesenen Nutzen für Herz und Gefäße abgewogen werden.
Und Betablocker?
Betablocker werden ebenfalls häufig genannt, sobald es um Medikamente und Diabetes geht. Einige Vertreter können Gewicht und Stoffwechsel beeinflussen, sie gehören aber nicht zu den wichtigsten klassischen Auslösern eines medikamenteninduzierten Diabetes.
Für Menschen mit insulinbehandeltem Diabetes gibt es außerdem einen anderen wichtigen Punkt: Bestimmte Betablocker können typische Warnzeichen einer Unterzuckerung, beispielsweise Herzklopfen oder Zittern, weniger deutlich werden lassen. Das bedeutet nicht, dass Betablocker bei Diabetes verboten sind. Bei bestimmten Herzerkrankungen sind sie ausgesprochen wichtig.
Auch hier muss der Nutzen des Medikaments zur individuellen Erkrankung passen.
HIV-Medikamente: Die moderne Therapie unterscheidet sich deutlich von früher
Ältere HIV-Therapien waren stärker mit Veränderungen von Fettverteilung, Insulinresistenz und Diabetes verbunden. Besonders einige ältere Wirkstoffe hatten deutliche metabolische Nebenwirkungen.
Die heutigen HIV-Therapien sind wesentlich besser verträglich. Trotzdem spielen Gewicht, Fettstoffwechsel und Diabetes in der langfristigen Betreuung weiterhin eine Rolle. Die aktuellen US-amerikanischen HIV-Leitlinien beschreiben metabolische Veränderungen wie Insulinresistenz und Gewichtszunahme weiterhin als relevante Begleitthemen einer HIV-Behandlung. Gleichzeitig betonen sie ausdrücklich, dass eine wirksame antiretrovirale Therapie nicht wegen einer möglichen Gewichtszunahme unterbrochen werden soll.
Bei manchen heute häufig verwendeten Integrasehemmern wird eine stärkere Gewichtszunahme beobachtet als bei einigen älteren Regimen. Ob und in welchem Ausmaß daraus individuell ein Diabetes entsteht, hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren ab. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt deshalb keine willkürlichen Medikamentenwechsel allein zur Vermeidung einer Gewichtszunahme.
Leben Sie mit HIV und entwickeln erhöhte Glukosewerte, gehören HIV-Fachpraxis und Diabetesbehandlung deshalb zusammen. Die antivirale Therapie bleibt dabei selbstverständlich der zentrale Schutz vor den Folgen der HIV-Infektion.
Wachstumshormon und andere Hormonbehandlungen können ebenfalls eine Rolle spielen
Wachstumshormon kann die Wirkung von Insulin abschwächen. Deshalb kann eine medizinisch notwendige Wachstumshormontherapie bei entsprechender Veranlagung den Blutzucker erhöhen. Ein vergleichbarer Zusammenhang besteht auch bei der Erkrankung Akromegalie, bei der der Körper selbst zu viel Wachstumshormon produziert.
Auch manche hormonellen Medikamente können indirekt über Gewicht oder Veränderungen der Insulinempfindlichkeit den Stoffwechsel beeinflussen. Hier sollte jedoch nicht jede Hormontherapie pauschal als „Diabetesauslöser“ dargestellt werden. Dosis, Wirkstoff und persönliche Veranlagung entscheiden.
Dasselbe gilt für Medikamente, die vor allem zu Gewichtszunahme führen. Die ADA nennt beispielsweise bestimmte Antidepressiva, einige Antiepileptika und einige Betablocker als Arzneimittel, die Gewicht fördern können. Eine Gewichtszunahme kann wiederum eine vorhandene Insulinresistenz verstärken, ist aber nicht dasselbe wie ein direkt medikamenteninduzierter Diabetes.
Diese Unterscheidung ist wichtig, damit aus einer langen Medikamentenliste nicht unnötig der Eindruck entsteht, fast jedes Arzneimittel könne Diabetes verursachen.
Nikotinsäure wird heute wesentlich seltener eingesetzt
Hoch dosierte Nikotinsäure beziehungsweise Niacin wurde früher häufiger zur Behandlung bestimmter Fettstoffwechselstörungen eingesetzt. In hohen therapeutischen Dosen kann sie die Glukoseeinstellung verschlechtern. Heute spielt sie in der routinemäßigen Lipidbehandlung allerdings eine wesentlich kleinere Rolle als früher.
Ein normales Vitaminpräparat mit üblichen Mengen Vitamin B3 ist damit nicht gleichzusetzen.
Gerade solche Unterschiede sind wichtig, weil lange Listen von „diabetesauslösenden Medikamenten“ im Internet häufig weder Dosis noch heutige Bedeutung berücksichtigen.
Welche Medikamente sollten Sie sich besonders merken?
Sie müssen sich keine endlose Liste von Wirkstoffen einprägen. Für den Alltag reichen einige besonders wichtige Gruppen:
Kortison beziehungsweise Glukokortikoide können den Blutzucker teilweise sehr deutlich erhöhen.
Bestimmte Antipsychotika können Gewicht und Stoffwechsel verändern.
Immunsuppressiva nach einer Transplantation, insbesondere Tacrolimus, können einen Posttransplantationsdiabetes begünstigen.
Bestimmte moderne Krebstherapien können Überzuckerungen verursachen; Immuncheckpoint-Hemmer können sehr selten einen insulinpflichtigen Diabetes auslösen.
Thiazid-Diuretika und Statine können das Diabetesrisiko etwas erhöhen, haben bei richtiger Anwendung aber wichtige gesundheitliche Vorteile.
Einige HIV-Therapien können Gewicht und Stoffwechsel beeinflussen.
Diese Gruppen werden in den aktuellen Diabetesstandards ausdrücklich bei der Beurteilung des Diabetesrisikos berücksichtigt.
Für alle anderen Medikamente gilt: Im Zweifel fragen, statt selbst abzusetzen.
Wer hat ein besonders hohes Risiko?
Nicht jeder Mensch reagiert gleich. Ein Medikament, das bei einem Patienten den Blutzucker deutlich erhöht, kann bei einem anderen kaum messbare Auswirkungen haben.
Das Risiko steigt beispielsweise, wenn bereits ein Prädiabetes besteht, Typ-2-Diabetes in der Familie häufig vorkommt, deutliches Übergewicht oder eine ausgeprägte Insulinresistenz vorhanden ist oder früher bereits einmal ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde. Auch höheres Lebensalter kann eine Rolle spielen.
Bei Kortison kommen zusätzlich Dosis und Behandlungsdauer hinzu. Je höher und länger die systemische Behandlung, desto größer kann der Effekt sein. Mehrere blutzuckersteigernde Medikamente gleichzeitig können sich ebenfalls ergänzen. Die ADA nennt beispielsweise die Kombination aus Glukokortikoid und Tacrolimus nach Transplantationen als eine Situation, in der mehrere Risikofaktoren zusammenkommen.
Das bedeutet aber nicht, dass Menschen ohne diese Faktoren vollkommen geschützt wären.
Welche Beschwerden können auftreten?
Ein medikamentenbedingter Diabetes macht keine besonderen Symptome, anhand derer er sich sicher von Typ-2- oder Typ-1-Diabetes unterscheiden ließe. Viele Menschen bemerken zunächst überhaupt nichts.
Steigen die Werte stärker an, können Sie ungewöhnlich durstig werden, häufiger Wasser lassen müssen oder sich müde und abgeschlagen fühlen. Verschwommenes Sehen, trockene Schleimhäute und bei ausgeprägtem Insulinmangel auch Gewichtsverlust können hinzukommen.
Gerade bei Kortison ist es jedoch ausgesprochen häufig möglich, dass die Werte bereits deutlich erhöht sind, obwohl Sie keinerlei typische Beschwerden haben.
Deshalb sind Kontrollen wichtiger als das Warten auf Symptome.
Wann sollte der Blutzucker kontrolliert werden?
Die Antwort hängt vom verwendeten Medikament ab. Ein starres Kontrollschema für alle Medikamente wäre nicht sinnvoll.
Bei einer längeren oder wiederholten systemischen Kortisonbehandlung sollte der Zuckerstoffwechsel insbesondere bei vorhandenen Risikofaktoren beobachtet werden. Dabei können Messungen nach dem Essen beziehungsweise am Nachmittag oder Abend wichtiger sein als ausschließlich der Nüchternwert.
Bei bestimmten Antipsychotika werden Gewicht, Glukose und Blutfette vor beziehungsweise im Verlauf der Behandlung kontrolliert.
Nach einer Organtransplantation wird der Blutzucker ohnehin engmaschig überwacht. Ein dauerhafter PTDM wird nach Stabilisierung gezielt diagnostiziert.
Bei Immuncheckpoint-Hemmern soll der Blutzucker vor Beginn und bei den Behandlungsterminen kontrolliert werden. Für bestimmte PI3K- und mTOR-Hemmer gibt es ebenfalls konkrete Überwachungspläne.
Nehmen Sie ein Statin und haben ein erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko, ist eine regelmäßige Glukosekontrolle ebenfalls sinnvoll.
Sie brauchen deshalb keine täglichen Selbstmessungen nur deshalb, weil auf Ihrem Beipackzettel „Hyperglykämie“ steht. Die Häufigkeit sollte zum tatsächlichen Risiko passen.
HbA1c oder Blutzuckermessung – was ist besser?
Auch hier kommt es auf die Situation an. Der HbA1c zeigt ungefähr, wie die Glukosewerte über die letzten zwei bis drei Monate waren. Das ist für länger bestehende Veränderungen sehr hilfreich.
Beginnt ein Medikament jedoch heute und treibt bereits morgen den Blutzucker hoch, kann der HbA1c dies zunächst noch gar nicht vollständig zeigen. In solchen Situationen sind direkte Glukosemessungen wesentlich aussagekräftiger.
Bei Kortison kommt außerdem der besondere Tagesverlauf hinzu. Ein normaler Nüchternwert kann erhöhte Nachmittagswerte übersehen.
Bei einer plötzlich einsetzenden Checkpoint-Inhibitor-bedingten Diabetesform kann sich der Stoffwechsel ebenfalls so rasch verändern, dass aktuelle Glukosewerte und bei schweren Beschwerden Ketone wichtiger sind als ein längerfristiger HbA1c.
Was können Sie selbst tun, wenn Sie ein solches Medikament beginnen?
Zunächst brauchen Sie keine spezielle „Medikamenten-Diabetes-Diät“. Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten, viel Gemüse, geeigneten Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, vernünftigen Eiweißquellen und überwiegend wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln kann den Stoffwechsel unterstützen. Zuckerhaltige Getränke sind besonders leicht vermeidbare Glukosequellen und sollten eher die Ausnahme sein.
Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinwirkung und kann besonders bei Medikamenten hilfreich sein, die eine Insulinresistenz oder Gewichtszunahme begünstigen. Spaziergänge nach Mahlzeiten, Radfahren und regelmäßiges Krafttraining können sinnvolle Bausteine sein, sofern Ihre Grunderkrankung dies erlaubt.
Dabei muss immer die Erkrankung berücksichtigt werden, wegen der Sie das Medikament überhaupt erhalten. Wer hoch dosiertes Kortison wegen eines schweren Rheumaschubs bekommt oder gerade eine Chemotherapie erhält, braucht möglicherweise ein ganz anderes Bewegungsprogramm als ein gesunder Mensch mit leicht erhöhten Zuckerwerten.
Ausreichender Schlaf kann ebenfalls helfen, weil Schlafmangel die Insulinwirkung zusätzlich verschlechtert.
Und vielleicht der wichtigste praktische Punkt: Beobachten Sie Veränderungen, ohne sich ständig selbst zu überwachen. Starker Durst, ungewöhnlich häufiges Wasserlassen, deutliche Gewichtsveränderungen oder neu auftretende hohe Sensor- beziehungsweise Messwerte sind Gründe, die behandelnde Praxis zu informieren.
Ein einfacher Plan für eine neue Behandlung
Wenn Sie erfahren, dass ein neues Medikament Ihren Blutzucker beeinflussen kann, können Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vier einfache Fragen stellen:
„Wie wahrscheinlich ist das bei meinem Medikament?“
„Wann sollte mein Blutzucker kontrolliert werden?“
„Welche Werte sind für mich ein Grund, mich früher zu melden?“
„Was passiert mit meiner Diabetesmedikation, wenn die Dosis dieses Medikaments später wieder reduziert wird?“
Mit diesen vier Fragen haben Sie für den Alltag meist wesentlich mehr gewonnen als durch das Lesen einer langen Nebenwirkungsliste.
Merkkasten – vor Beginn einer risikorelevanten Behandlung: Klären Sie, ob eine Ausgangsmessung sinnvoll ist, wann danach kontrolliert wird, welche Symptome wichtig sind und wer Ihre Diabetesbehandlung anpasst, falls die Werte steigen. Besonders bei Kortison sollte außerdem geklärt sein, was beim späteren Reduzieren der Dosis passiert.
Sollten Sie vorbeugend weniger Kohlenhydrate essen?
Nicht grundsätzlich.
Eine sehr kohlenhydratreiche Ernährung mit vielen zuckerhaltigen Getränken, Süßigkeiten und stark verarbeiteten Lebensmitteln ist für einen ohnehin belasteten Zuckerstoffwechsel natürlich wenig hilfreich. Daraus folgt aber nicht, dass Sie Brot, Kartoffeln, Obst oder andere Kohlenhydratquellen vollständig streichen müssen.
Gerade bei Kortison entsteht ein erheblicher Teil der Überzuckerung dadurch, dass die Leber zusätzlich Glukose freisetzt und Insulin schlechter wirkt. Dieser Effekt lässt sich nicht dadurch „abschalten“, dass Sie kaum noch essen.
Eine extreme Ernährung kann zudem problematisch sein, wenn Sie wegen einer Krebsbehandlung, chronischen Erkrankung oder Transplantation ausreichend Energie und Nährstoffe benötigen.
Das Ziel lautet deshalb: vernünftig essen und die Behandlung anpassen – nicht sich selbst aushungern, um einen Medikamenteneffekt auszugleichen.
Kann Bewegung einen medikamentenbedingten Diabetes verhindern?
Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit und kann das Risiko eines Typ-2-Diabetes reduzieren. Deshalb kann sie besonders bei Medikamenten sinnvoll sein, die über Insulinresistenz oder Gewichtszunahme wirken.
Sie kann jedoch nicht jeden medikamentenbedingten Diabetes verhindern. Eine Checkpoint-Immuntherapie kann beispielsweise insulinproduzierende Zellen durch eine Autoimmunreaktion zerstören. Dagegen schützt kein Spaziergang.
Auch eine stark blutzuckersteigernde Kortisondosis lässt sich nicht einfach „wegtrainieren“.
Bewegung ist ein wichtiger Unterstützer des Stoffwechsels.
Sie ersetzt keine notwendige medizinische Überwachung.
Wann werden Medikamente gegen den erhöhten Blutzucker benötigt?
Ein leicht erhöhter Wert muss nicht immer sofort mit einem zusätzlichen Medikament behandelt werden. Entscheidend sind Höhe und Dauer der Überzuckerung, Beschwerden, Grunderkrankung und die Frage, wie lange das auslösende Medikament verwendet wird.
Bei einer längeren Kortisontherapie können bestehende Diabetesmedikamente angepasst werden. Bei ausgeprägter Überzuckerung ist Insulin häufig besonders gut steuerbar.
Bei einem durch Immuncheckpoint-Hemmer ausgelösten Diabetes wird wegen des starken Insulinmangels Insulin benötigt.
Bei bestimmten PI3K- oder mTOR-Hemmern sieht die Behandlung wiederum anders aus. Die ADA empfiehlt 2026 beispielsweise bei entsprechenden Überzuckerungen häufig zunächst Metformin, während Insulin für schwerere Situationen vorbehalten wird.
Nach einer Organtransplantation wird unmittelbar nach dem Eingriff bei stärkerer Überzuckerung häufig Insulin verwendet, während langfristig auch andere Diabetesmedikamente infrage kommen.
Es gibt deshalb kein universelles „Medikament gegen Medikamenten-Diabetes“.
Warum die Behandlung nach Ende der auslösenden Therapie unbedingt wieder überprüft werden muss
Dieser Punkt wird leicht vergessen. Während einer Kortisonbehandlung wird beispielsweise Insulin erhöht, die Werte stabilisieren sich und alles scheint gut eingestellt. Einige Wochen später wird das Kortison reduziert – die höhere Insulindosis bleibt aber unverändert.
Jetzt kann der Blutzucker plötzlich zu niedrig werden.
Deshalb gehört zur Behandlung immer auch ein Plan für das Ende oder Reduzieren des auslösenden Medikaments. Gerade Glukokortikoide können ihre Wirkung auf den Zuckerstoffwechsel relativ schnell verlieren, sobald die Dosis sinkt. Die ADA empfiehlt deshalb ausdrücklich eine häufige Anpassung der Diabetesbehandlung an Änderungen des Kortisonschemas.
Auch nach einer Krebstherapie oder anderen zeitlich begrenzten Behandlungen sollte geprüft werden, ob der Diabetes bestehen bleibt oder sich wieder zurückbildet.
Wann ist es ein Notfall?
Die meisten medikamentenbedingten Überzuckerungen entwickeln sich ohne akute Gefahr und können geplant behandelt werden. Sehr hohe Werte können jedoch zu einer schweren Stoffwechselentgleisung führen.
Rasche medizinische Hilfe ist notwendig, wenn starke Überzuckerung mit ausgeprägtem Durst, häufigem Wasserlassen, deutlicher Austrocknung, zunehmender Schwäche, Erbrechen, Benommenheit oder Bewusstseinsstörungen einhergeht.
Besonders aufmerksam sollte man während einer Immuncheckpoint-Therapie sein. Entwickeln sich zusätzlich Bauchbeschwerden, Erbrechen oder eine tiefe schnelle Atmung, kann eine Ketoazidose vorliegen. Da diese Form des Diabetes sehr schnell auftreten kann, sollte nicht auf den nächsten Onkologietermin gewartet werden.
Bei einem bereits insulinbehandelten Menschen besteht nach Reduktion von Kortison außerdem das gegenteilige Risiko: Unterzuckerung. Auch deshalb sollten Dosen nicht starr weitergeführt werden.
Muss das auslösende Medikament abgesetzt werden?
Sehr häufig lautet die Antwort: nein.
Das beste Beispiel ist die Organtransplantation. Ein Medikament gegen die Abstoßung wird nicht einfach beendet, nur weil sich ein Diabetes entwickelt.
Auch ein lebenswichtiges Kortisonpräparat wird bei einer schweren Erkrankung nicht allein wegen hoher Blutzuckerwerte gestrichen. Der Blutzucker wird behandelt, während gleichzeitig geprüft wird, ob die niedrigste wirksame Kortisondosis verwendet werden kann.
Bei Psychopharmaka kann unter Umständen ein Wechsel zu einem metabolisch günstigeren Präparat möglich sein. Dieser darf aber nur nach psychiatrischer Abwägung erfolgen.
Bei Statinen ist die Empfehlung sogar besonders eindeutig: Eine medizinisch notwendige Statintherapie soll aufgrund des möglichen zusätzlichen Diabetesrisikos nicht abgesetzt werden.
Die entscheidende Frage lautet also nicht:
„Kann dieses Medikament meinen Zucker erhöhen?“
Sondern:
„Wie groß ist der Nutzen dieses Medikaments für mich – und wie können wir die mögliche Stoffwechselnebenwirkung sicher behandeln?“
Kann der Diabetes später wieder verschwinden?
Bei einer reinen Kortison-bedingten Überzuckerung ist das durchaus möglich. Nach Beendigung der Behandlung normalisieren sich die Werte bei manchen Menschen vollständig.
Bei anderen bleibt ein Typ-2-Diabetes bestehen, weil bereits vorher eine ausgeprägte Stoffwechselveranlagung vorhanden war.
Nach einer Transplantation kann eine frühe Überzuckerung verschwinden, während ein echter PTDM dauerhaft bestehen kann.
Bei einem durch Immuncheckpoint-Hemmer ausgelösten autoimmunen Diabetes ist dagegen meistens eine dauerhafte Insulintherapie erforderlich.
Deshalb sollte nach Ende einer auslösenden Behandlung immer überprüft werden, welche Stoffwechselstörung tatsächlich übrig geblieben ist.
Was Sie über den Begriff „Nebenwirkung“ wissen sollten
Eine Nebenwirkung bedeutet nicht automatisch, dass ein Medikament falsch gewählt wurde.
Wenn Kortison eine schwere Autoimmunentzündung unter Kontrolle bringt und gleichzeitig den Blutzucker erhöht, kann die richtige medizinische Lösung darin bestehen, beides zu behandeln.
Wenn Tacrolimus ein transplantiertes Organ schützt und gleichzeitig Diabetes begünstigt, wird der Diabetes behandelt und das lebenswichtige Immunsuppressivum weitergeführt.
Wenn ein Antipsychotikum eine schwere psychische Erkrankung stabilisiert, werden Gewicht und Stoffwechsel kontrolliert und gemeinsam geprüft, wie sich Nebenwirkungen möglichst gering halten lassen.
Medizin besteht häufig aus solchen Abwägungen.
Die gute Behandlung ist nicht immer diejenige ohne jede Nebenwirkung.
Sie ist diejenige, bei der Nutzen und Risiken für den einzelnen Menschen am besten zusammenpassen.
Was Sie zu jedem Arzttermin mitbringen können
Gerade bei mehreren Erkrankungen ist eine aktuelle Medikamentenliste ausgesprochen hilfreich. Darauf sollten nicht nur verschreibungspflichtige Tabletten stehen, sondern auch Spritzen, Inhalationspräparate, regelmäßige Infusionen und Nahrungsergänzungsmittel.
Schreiben Sie bei Kortison wenn möglich auch Dosis und Einnahmezeitpunkt dazu. Für die Beurteilung des Zuckerprofils macht es einen erheblichen Unterschied, ob morgens 5 mg Prednisolon oder über den Tag verteilt eine wesentlich höhere Dosis beziehungsweise lang wirkendes Dexamethason gegeben wird.
Notieren Sie außerdem größere Veränderungen. Wann wurde das neue Medikament begonnen? Wann stiegen die Zuckerwerte? Wurde gleichzeitig die Dosis erhöht? Haben sich Körpergewicht oder Appetit verändert?
Solche einfachen Informationen können oft wesentlich mehr zur Ursachenfindung beitragen als ein einzelner Laborwert.
Was Sie nicht tun sollten
Setzen Sie ein Medikament nicht selbst ab.
Reduzieren Sie Kortison nicht eigenständig.
Erhöhen Sie Insulin nicht wahllos aufgrund eines einzelnen hohen Wertes.
Versuchen Sie eine ausgeprägte Überzuckerung nicht durch Fasten oder extreme Kohlenhydratvermeidung selbst zu behandeln.
Ignorieren Sie aber auch nicht über Tage deutlich erhöhte Werte mit Beschwerden.
Und verlassen Sie sich bei Kortison nicht ausschließlich auf einen guten Nüchternwert.
Mit diesen wenigen Regeln vermeiden Sie bereits viele typische Probleme.
Fazit: Medikamente können den Blutzucker erhöhen – entscheidend ist, früh hinzusehen und nicht vorschnell abzusetzen
Ein medikamentenbedingter Diabetes zeigt besonders deutlich, wie empfindlich unser Zuckerstoffwechsel auf Veränderungen reagieren kann. Manche Arzneimittel schwächen die Insulinwirkung, andere beeinträchtigen die Insulinproduktion und wieder andere führen indirekt über Gewicht oder andere Stoffwechselveränderungen zu einem höheren Diabetesrisiko. Dein Ausgangstext beschreibt bereits richtig, dass mehrere unterschiedliche Mechanismen dahinterstecken können.
Die wichtigste Medikamentengruppe sind Glukokortikoide wie Prednisolon oder Dexamethason. Sie können den Blutzucker bereits innerhalb kurzer Zeit deutlich erhöhen. Besonders tückisch ist, dass nach morgens eingenommenem Prednisolon der Nüchternwert noch recht gut aussehen kann, während die Werte nachmittags und abends deutlich steigen. Deshalb kann eine ausschließliche Nüchternmessung die Überzuckerung übersehen.
Bei längerer oder höher dosierter Kortisonbehandlung sollten Sie deshalb mit Ihrer behandelnden Praxis klären, wann und wie häufig eine Glukosekontrolle sinnvoll ist. Besteht bereits Diabetes, kann die Behandlung vorübergehend angepasst werden. Wird Kortison später wieder reduziert, muss auch die Diabetesmedikation überprüft werden, weil sonst Unterzuckerungen entstehen können.
Nach Organtransplantationen können Tacrolimus, Kortison und weitere Faktoren ebenfalls zu hohen Werten beitragen. Die Immunsuppression darf deshalb jedoch nicht eigenständig reduziert werden. Die aktuellen Empfehlungen stellen den Schutz des transplantierten Organs klar in den Vordergrund und behandeln den entstandenen Diabetes parallel.
Besonders aufmerksam sollten Menschen während bestimmter Krebstherapien sein. Immuncheckpoint-Hemmer können sehr selten eine rasch einsetzende autoimmune Diabetesform auslösen, die meist dauerhaft Insulin benötigt. Auch PI3K- und mTOR-Hemmer können den Zuckerstoffwechsel deutlich verändern. Deshalb gehören bei diesen Therapien inzwischen gezielte Glukosekontrollen zur Behandlung.
Bestimmte Antipsychotika können Gewicht, Blutfette und Blutzucker beeinflussen. Auch hier lautet die richtige Konsequenz nicht, ein wichtiges psychiatrisches Medikament selbst abzusetzen, sondern Gewicht und Stoffwechsel regelmäßig zu kontrollieren und bei Problemen gemeinsam nach einer geeigneten Lösung zu suchen.
Statine und Thiazid-Diuretika können das Diabetesrisiko ebenfalls etwas beeinflussen. Gerade bei Statinen ist die heutige Empfehlung eindeutig: Bei medizinischer Notwendigkeit überwiegt der Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall den kleinen möglichen Anstieg des Diabetesrisikos deutlich. Das Statin soll deshalb nicht aus Angst vor Diabetes abgesetzt werden.
Auch bei modernen HIV-Therapien werden Gewicht und Stoffwechsel im Verlauf beobachtet. Die heutigen Medikamente sind mit älteren HIV-Therapien nicht einfach gleichzusetzen, und eine wirksame antiretrovirale Behandlung soll nicht aufgrund einer möglichen Gewichtszunahme oder aus Sorge vor Diabetes unterbrochen werden.
Vielleicht beginnen Sie gerade ein neues Medikament und fragen sich:
„Was soll ich jetzt eigentlich konkret tun?“
Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob das Präparat Ihren Blutzucker relevant beeinflussen kann, wann eine erste Kontrolle sinnvoll ist und welche Werte ein Grund sind, sich früher zu melden. Besteht bereits Diabetes, sollte außerdem geklärt werden, wie Medikamente oder Insulin angepasst werden, falls die Werte steigen – und wie die Behandlung wieder zurückgenommen wird, sobald beispielsweise Kortison reduziert wird.
Denn genau darum geht es beim medikamentenbedingten Diabetes:
Nicht ein notwendiges Medikament aus Angst vermeiden, sondern eine mögliche Stoffwechselveränderung früh erkennen und richtig behandeln.
In sehr vielen Fällen lassen sich beide Ziele miteinander vereinbaren.
Quellen und medizinische Fachinformationen
American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Aktuelle Empfehlungen zu medikamentenbedingten Glukosestörungen, Kortison, Statinen, Thiazid-Diuretika, Antipsychotika, Posttransplantationsdiabetes und durch Krebstherapien ausgelöstem Diabetes.
American Diabetes Association – Diabetesversorgung im Krankenhaus 2026: Aktuelle Informationen zum typischen Tagesverlauf der Glukosewerte unter Prednisolon und Dexamethason sowie zur Anpassung einer Insulintherapie an das verwendete Glukokortikoid.
American Diabetes Association – psychische Erkrankungen und Diabetes 2026: Empfehlungen zur Kontrolle von Körpergewicht, Blutzucker und Blutfetten unter Antipsychotika der zweiten Generation.
American Diabetes Association – Diabetesprävention 2026: Einordnung des leicht erhöhten Typ-2-Diabetes-Risikos unter Statintherapie und ausdrückliche Empfehlung, medizinisch notwendige Statine deswegen nicht abzusetzen.
U.S. Department of Health and Human Services / NIH – HIV-Leitlinien: Aktuelle Informationen zu Gewicht und Stoffwechsel unter modernen antiretroviralen Therapien und zur Fortführung einer wirksamen HIV-Behandlung trotz möglicher metabolischer Veränderungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche ärztliche, diabetologische, onkologische, psychiatrische oder transplantationsmedizinische Beratung.
Setzen Sie verordnete Medikamente niemals selbstständig ab oder reduzieren Sie deren Dosis aufgrund möglicher Auswirkungen auf den Blutzucker. Das gilt besonders für Kortison nach längerer Einnahme, Medikamente nach einer Organtransplantation, Krebsmedikamente, Psychopharmaka und eine antiretrovirale HIV-Therapie.
Wenn während einer neuen Behandlung starker Durst, sehr häufiges Wasserlassen, deutliche Schwäche, unerklärlicher Gewichtsverlust oder wiederholt stark erhöhte Blutzuckerwerte auftreten, kontaktieren Sie Ihre behandelnde Praxis. Übelkeit, wiederholtes Erbrechen, zunehmende Benommenheit oder auffällig tiefe und schnelle Atmung bei gleichzeitig hohem Blutzucker können auf eine schwere Stoffwechselentgleisung hinweisen und benötigen rasche medizinische Hilfe.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
September 2026

