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Wenn nicht der Diabetes am Anfang steht: Wie Hormone den Blutzucker aus dem Gleichgewicht bringen können
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Wenn nicht der Diabetes am Anfang steht: Wie Hormone den Blutzucker aus dem Gleichgewicht bringen können

Wenn bei Ihnen erhöhte Blutzuckerwerte festgestellt werden, liegt der Gedanke an Typ-2-Diabetes zunächst nahe. Schließlich ist er mit Abstand die häufigste Diabetesform im Erwachsenenalter. Doch nicht jeder Diabetes entsteht auf dieselbe Weise. In seltenen Fällen steckt hinter den erhöhten Werten eine ganz andere Erkrankung, die zunächst wenig mit der Bauchspeicheldrüse zu tun zu haben scheint. Bestimmte Hormone können nämlich die Wirkung von Insulin so stark beeinflussen, dass der Blutzucker dauerhaft ansteigt und sich schließlich ein Diabetes entwickelt. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem Diabetes aufgrund einer anderen Erkrankung, früher häufig als sekundärer Diabetes bezeichnet.

Gerade diese Diabetesformen sind besonders interessant, weil der erhöhte Blutzucker manchmal nur ein Teil eines größeren Krankheitsbildes ist. Vielleicht behandeln Sie bereits seit einiger Zeit einen vermeintlichen Typ-2-Diabetes und gleichzeitig verändert sich Ihr Körper auf eine ungewöhnliche Weise. Ihre Hände werden größer, obwohl Sie längst ausgewachsen sind. Der Ehering passt plötzlich nicht mehr. Sie schwitzen ungewöhnlich stark oder entwickeln einen schwer einstellbaren Bluthochdruck. Vielleicht nehmen Sie ohne erkennbare Ursache stark am Bauch zu, während Arme und Beine dünner werden, oder Sie bekommen auffällige breite violette Streifen auf der Haut. Solche Veränderungen bedeuten selbstverständlich nicht automatisch, dass eine seltene Hormonkrankheit dahintersteckt. Treten mehrere typische Auffälligkeiten gemeinsam auf, kann es aber sinnvoll sein, genauer hinzuschauen.

Die aktuellen Diabetesempfehlungen unterscheiden neben Typ-1-, Typ-2- und Schwangerschaftsdiabetes ausdrücklich weitere Diabetesformen, die durch andere Erkrankungen oder Medikamente entstehen können. Dazu gehören unter anderem hormonelle Erkrankungen. Für die Behandlung ist diese Unterscheidung wichtig, denn in solchen Fällen reicht es häufig nicht, nur den Blutzucker zu senken. Die eigentliche Hormonstörung muss gefunden und behandelt werden.

Merkkasten: Ein ungewöhnlich verlaufender Diabetes kann manchmal das sichtbare Zeichen einer anderen Erkrankung sein. Besonders auffällige körperliche Veränderungen, schwer einstellbarer Bluthochdruck, ungewöhnliche Muskelschwäche, plötzlich stark veränderte Insulinbedürfnisse oder andere neue Beschwerden sollten deshalb nicht automatisch mit „Das gehört eben zum Diabetes“ erklärt werden.

Warum Hormone überhaupt so viel mit dem Blutzucker zu tun haben

Insulin ist zwar das bekannteste Hormon des Zuckerstoffwechsels, arbeitet aber keineswegs allein. Ihr Körper besitzt ein fein abgestimmtes System aus verschiedenen Hormonen, die dafür sorgen, dass jederzeit genügend Energie zur Verfügung steht. Insulin hilft dabei, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen. Andere Hormone wirken in die entgegengesetzte Richtung und sorgen dafür, dass bei Bedarf wieder mehr Glukose ins Blut gelangt.

Dazu gehören beispielsweise Cortisol, Wachstumshormon, Adrenalin, Noradrenalin und Glukagon. Diese Hormone sind keineswegs schlecht oder krankmachend. Sie sind lebenswichtig. Bei einer Infektion, körperlicher Belastung oder anderen Stresssituationen braucht Ihr Körper beispielsweise kurzfristig mehr Energie. Stresshormone sorgen dann dafür, dass die Leber Glukose freigibt und dass dem Körper schnell Brennstoff zur Verfügung steht. Die Endocrine Society beschreibt genau diesen normalen Mechanismus: Cortisol, Glukagon, Wachstumshormon und Adrenalin können den Blutzucker erhöhen, damit der Körper in Belastungssituationen ausreichend Energie zur Verfügung hat.

Problematisch wird diese eigentlich sinnvolle Reaktion erst, wenn ein Hormon über Wochen, Monate oder Jahre viel zu stark wirkt. Dann befindet sich der Stoffwechsel gewissermaßen dauerhaft im Bereitschaftsmodus. Die Leber gibt immer wieder Glukose ins Blut ab und die Wirkung des Insulins kann gleichzeitig schwächer werden. Irgendwann schafft es die Bauchspeicheldrüse möglicherweise nicht mehr, diesen Zustand durch eine höhere Insulinproduktion auszugleichen. Die Blutzuckerwerte steigen dauerhaft an.

Genau deshalb können Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom oder die Akromegalie einen Diabetes hervorrufen. Bei anderen hormonellen Erkrankungen ist die Situation etwas anders: Sie verursachen nicht zwangsläufig selbst einen Diabetes, können aber einen bereits vorhandenen gestörten Zuckerstoffwechsel deutlich verschlechtern.

Cushing-Syndrom: Wenn zu viel Cortisol den gesamten Körper verändert

Eine der wichtigsten hormonellen Erkrankungen, die einen Diabetes verursachen kann, ist das Cushing-Syndrom. Dabei befindet sich über längere Zeit zu viel Cortisol im Körper. Cortisol kennen viele Menschen als „Stresshormon“, doch diese Bezeichnung greift eigentlich zu kurz. Das Hormon beeinflusst unter anderem Blutdruck, Stoffwechsel, Immunreaktionen, Knochen, Muskeln und den Blutzucker.

In normaler Menge ist Cortisol unverzichtbar. Bei einem dauerhaften Überschuss beginnt sich jedoch der gesamte Stoffwechsel zu verändern. Die Leber stellt mehr Glukose bereit und Muskel- sowie Fettzellen reagieren schlechter auf Insulin. Dadurch muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren. Reicht diese zusätzliche Produktion irgendwann nicht mehr aus, können zunächst erhöhte Blutzuckerwerte und später ein Diabetes entstehen. Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie als auch die Endocrine Society nennen Diabetes ausdrücklich als mögliche Folge eines länger bestehenden Cortisolüberschusses.

Das Schwierige am Cushing-Syndrom ist, dass viele einzelne Beschwerden zunächst völlig alltäglich erscheinen können. Übergewicht, Bluthochdruck, Müdigkeit oder schlechte Stimmung kommen auch bei vielen Menschen ohne Cushing-Syndrom vor. Auffällig wird eher die Kombination mehrerer typischer Veränderungen. Manche Betroffene nehmen besonders am Bauch, im Gesicht und im oberen Körperbereich deutlich zu, während Arme und Beine vergleichsweise dünn bleiben. Gleichzeitig nimmt die Muskelkraft ab. Treppensteigen oder das Aufstehen aus einem tiefen Sessel kann plötzlich überraschend anstrengend werden. Die Haut wird empfindlicher und bekommt leichter blaue Flecken. Charakteristisch können außerdem breite rötlich-violette Dehnungsstreifen sein, die deutlich kräftiger aussehen als gewöhnliche Schwangerschafts- oder Gewichtsstreifen. Bluthochdruck, Osteoporose, Menstruationsveränderungen und psychische Veränderungen können hinzukommen.

Haben Sie Diabetes und gleichzeitig innerhalb relativ kurzer Zeit mehrere solcher Veränderungen entwickelt? Dann bedeutet das nicht, dass Sie automatisch Cushing haben. Es kann aber ein guter Grund sein, die Auffälligkeiten gemeinsam mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer endokrinologischen Fachpraxis anzusprechen.

Merkkasten: Nicht eine einzelne Gewichtszunahme oder ein erhöhter Blutdruck macht ein Cushing-Syndrom. Verdächtig wird eher ein ungewöhnliches Gesamtbild aus mehreren Veränderungen wie deutlicher Stammgewichtszunahme, Muskelschwäche, empfindlicher Haut, breiten violetten Hautstreifen, Bluthochdruck, Osteoporose und gleichzeitig schlechter werdenden Blutzuckerwerten.

Cushing-Syndrom und Kortison sind nicht ganz dasselbe

Beim Cushing-Syndrom muss außerdem zwischen zwei Situationen unterschieden werden. Der Körper kann selbst zu viel Cortisol produzieren, beispielsweise aufgrund eines hormonbildenden Tumors der Hirnanhangsdrüse oder der Nebenniere. Diese Form wird als endogenes Cushing-Syndrom bezeichnet.

Es gibt aber noch eine wesentlich häufigere zweite Möglichkeit: Medikamente mit kortisonähnlicher Wirkung können bei längerer oder hoch dosierter Anwendung ebenfalls typische Cushing-Veränderungen und hohe Blutzuckerwerte verursachen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Behandlungen bei entzündlichen Erkrankungen, Asthma, Autoimmunerkrankungen oder nach Organtransplantationen. Die Endocrine Society bezeichnet diese medikamentös verursachte Form als exogenes Cushing-Syndrom.

Für den Diabetes macht der Unterschied einen wichtigen Punkt deutlich: Ein durch Kortison ausgelöster Diabetes gehört streng genommen eher in die Gruppe des medikamentenbedingten Diabetes. Trotzdem können Beschwerden und Stoffwechselveränderungen sehr ähnlich aussehen.

Nehmen Sie schon länger Prednisolon, Dexamethason oder ein anderes Kortisonpräparat und steigen Ihre Blutzuckerwerte deutlich an, sollten Sie das unbedingt mit Ihrer behandelnden Praxis besprechen. Setzen Sie Kortison niemals plötzlich eigenständig ab. Nach längerer Einnahme kann der Körper seine eigene Cortisolproduktion herunterfahren. Ein plötzliches Absetzen kann deshalb gefährlich sein. Die Dosis wird gegebenenfalls langsam und medizinisch kontrolliert reduziert.

Wie findet man heraus, ob tatsächlich zu viel Cortisol vorhanden ist?

Ein einzelner zufällig gemessener Cortisolwert eignet sich dafür meistens nicht besonders gut. Cortisol schwankt natürlicherweise im Tagesverlauf und steigt beispielsweise auch durch Stress oder Erkrankungen an.

Besteht ein begründeter Verdacht auf Cushing-Syndrom, kommen deshalb spezielle Untersuchungen zum Einsatz. Dabei kann beispielsweise Cortisol spät am Abend im Speichel gemessen werden, weil der Wert zu dieser Tageszeit normalerweise niedrig sein sollte. Eine andere Möglichkeit ist die Sammlung des Urins über 24 Stunden. Außerdem gibt es einen Test, bei dem am Abend eine kleine Menge eines kortisonähnlichen Medikamentes eingenommen und am nächsten Morgen überprüft wird, ob der Körper seine eigene Cortisolproduktion wie erwartet herunterfährt.

Sie müssen sich diese Untersuchungen nicht merken und sollten auch nicht versuchen, selbst einzelne Cortisolwerte zu interpretieren. Wichtig ist vielmehr: Bei begründetem Verdacht gehört die Diagnostik in erfahrene endokrinologische Hände, weil viele andere Situationen Cortisolwerte vorübergehend verändern können.

Was passiert mit dem Diabetes, wenn ein Cushing-Syndrom behandelt wird?

Das wichtigste Therapieziel besteht darin, den Cortisolüberschuss zu beseitigen. Wird das Cushing-Syndrom durch einen hormonproduzierenden Tumor verursacht, ist eine Operation häufig die erste Behandlung. Kann die Ursache nicht vollständig operativ beseitigt werden, stehen zusätzlich Medikamente und in bestimmten Situationen eine Bestrahlung zur Verfügung.

Während der Cortisolüberschuss besteht, müssen hohe Blutzuckerwerte trotzdem behandelt werden. Manche Menschen kommen mit Diabetesmedikamenten aus, andere benötigen vorübergehend oder dauerhaft Insulin.

Nach erfolgreicher Behandlung kann sich die Insulinwirkung deutlich verbessern. Dadurch können Diabetesmedikamente plötzlich stärker wirken als vorher. Deshalb dürfen bestehende Dosen nach einer erfolgreichen Cushing-Behandlung nicht einfach unverändert weiterlaufen, ohne die Glukosewerte zu beobachten. Das Diabetes-Team muss die Therapie gegebenenfalls schrittweise reduzieren.

Bei manchen Menschen normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel vollständig, bei anderen bleibt ein Diabetes zurück. Das hängt unter anderem davon ab, wie lange der Cortisolüberschuss bestand und ob vorher bereits eine Veranlagung für Typ-2-Diabetes vorhanden war.

Akromegalie: Wenn der Ehering plötzlich nicht mehr passt

Eine weitere wichtige hormonelle Ursache für erhöhte Blutzuckerwerte ist die Akromegalie. Dabei produziert die Hirnanhangsdrüse über längere Zeit zu viel Wachstumshormon. Ursache ist fast immer ein gutartiger Tumor der Hypophyse. Wachstumshormon ist im Kindesalter für normales Wachstum notwendig und übernimmt auch im Erwachsenenalter wichtige Aufgaben. Ein dauerhafter Überschuss führt allerdings dazu, dass Gewebe und Knochen langsam weiterwachsen und gleichzeitig die Wirkung von Insulin schlechter wird.

Das Besondere an der Akromegalie ist ihre Langsamkeit. Die Veränderung entwickelt sich häufig über viele Jahre und wird deshalb von Betroffenen selbst kaum bemerkt. Sie sehen sich schließlich jeden Tag im Spiegel. Kleine Veränderungen von Monat zu Monat fallen dabei kaum auf.

Vielleicht passt irgendwann der Ehering nicht mehr. Schuhe müssen plötzlich eine Nummer größer gekauft werden. Die Hände wirken breiter und kräftiger. Gesichtszüge werden gröber, der Unterkiefer kann stärker hervortreten und zwischen den Zähnen können neue Lücken entstehen. Manche Menschen schwitzen ungewöhnlich stark, entwickeln Gelenkbeschwerden oder ein Karpaltunnelsyndrom mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Händen. Laut Endocrine Society gehören außerdem Bluthochdruck, Schlafapnoe, Müdigkeit und erhöhte Blutzuckerwerte zu den möglichen Begleiterscheinungen.

Haben Sie vielleicht alte Fotos von sich und stellen beim Vergleich fest, dass sich Gesicht, Hände oder Kiefer über die Jahre deutlich verändert haben? Genau solche Fotos können bei einer langsam verlaufenden Akromegalie manchmal erstaunlich hilfreich sein.

Warum steigt bei Akromegalie der Blutzucker?

Zu viel Wachstumshormon schwächt die Wirkung von Insulin. Die Bauchspeicheldrüse versucht zunächst, diesen Widerstand auszugleichen und produziert mehr Insulin. Bei manchen Menschen funktioniert das lange genug. Bei anderen reicht die Reserve irgendwann nicht mehr aus und die Glukosewerte steigen.

Die eigentliche Diabetesbehandlung kann dann ähnlich aussehen wie bei anderen Formen erhöhter Glukosewerte, das wichtigste Ziel ist jedoch die Behandlung der Akromegalie. Wird der Wachstumshormonüberschuss erfolgreich reduziert, kann sich auch der Zuckerstoffwechsel deutlich verbessern.

Die erste Untersuchung bei Verdacht ist meistens ein Blutwert namens IGF-1. Er spiegelt die Wirkung des Wachstumshormons besser wider als eine einzelne Wachstumshormonmessung. Ist dieser Wert auffällig, folgen weitere Untersuchungen und gegebenenfalls ein MRT der Hirnanhangsdrüse.

Bei einem operierbaren Hypophysentumor ist die Entfernung des Tumors häufig die wichtigste Behandlung. Zusätzlich stehen Medikamente und in besonderen Situationen eine Bestrahlung zur Verfügung. Wird der Hormonüberschuss ausreichend kontrolliert, können sich viele Begleiterkrankungen verbessern.

Merkkasten: Größer werdende Hände und Füße im Erwachsenenalter sind keine normale Alterserscheinung. Müssen Sie plötzlich größere Schuhe tragen, passen Ringe nicht mehr und kommen gleichzeitig starkes Schwitzen, gröbere Gesichtszüge, Schlafapnoe, Kopfschmerzen oder hohe Blutzuckerwerte hinzu, sollte eine Akromegalie zumindest bedacht werden.

Phäochromozytom: Wenn der Körper ständig auf Alarm geschaltet wird

Ein weiterer sehr seltener hormonproduzierender Tumor ist das Phäochromozytom. Es entsteht meistens im Nebennierenmark. Ähnliche Tumoren außerhalb der Nebenniere werden Paragangliome genannt. Sie können große Mengen von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin bilden.

Vielleicht kennen Sie die Wirkung von Adrenalin aus einer Schrecksituation: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, Sie beginnen zu schwitzen und der Körper stellt innerhalb kürzester Zeit Energie bereit. Bei einem Phäochromozytom können ähnliche Reaktionen wiederholt oder dauerhaft auftreten, obwohl gar keine tatsächliche Gefahr besteht.

Typisch können plötzlich einsetzende starke Kopfschmerzen, heftiges Herzklopfen oder Herzrasen, Schweißausbrüche und hohe Blutdruckwerte sein. Bei manchen Menschen treten solche Beschwerden in Anfällen auf, bei anderen ist der Blutdruck dauerhaft erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie beschreibt Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schwitzen und Herzpochen als besonders häufige Beschwerden.

Die überschüssigen Stresshormone können außerdem dafür sorgen, dass die Leber mehr Glukose freisetzt. Gleichzeitig kann die Insulinfreisetzung beeinträchtigt werden. Dadurch können die Blutzuckerwerte steigen und in einzelnen Fällen ein ausgeprägter Diabetes entstehen. Nach erfolgreicher Behandlung des Tumors kann sich der Zuckerstoffwechsel teilweise erstaunlich stark verbessern. Dass selbst ein insulinpflichtiger Diabetes nach Beseitigung des Hormonüberschusses zurückgehen kann, ist bei entsprechenden Fällen beschrieben worden.

Wie wird ein Phäochromozytom festgestellt?

Bei begründetem Verdacht wird nicht einfach Adrenalin irgendwann im Tagesverlauf gemessen. Stattdessen werden bestimmte Abbauprodukte der Stresshormone – sogenannte Metanephrine – im Blut oder Urin bestimmt. Diese Werte sind für die Diagnostik wesentlich zuverlässiger. Erst wenn die Hormonuntersuchungen einen entsprechenden Verdacht ergeben, wird mit Bildgebung nach dem Tumor gesucht.

Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren. Ein Phäochromozytom wird häufig operiert, aber die Operation braucht eine besondere Vorbereitung, weil die Hormonfreisetzung sonst gefährliche Blutdruckschwankungen verursachen könnte. Deshalb werden Betroffene vor einer geplanten Operation gezielt medikamentös vorbereitet.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum bei seltenen hormonellen Erkrankungen nicht nur die Diagnose, sondern auch die richtige Reihenfolge der Behandlung wichtig ist.

Glukagonom: Wenn der Gegenspieler des Insulins dauerhaft aktiv ist

Glukagon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und ist gewissermaßen ein Gegenspieler des Insulins. Sinkt Ihr Blutzucker, sorgt Glukagon dafür, dass die Leber gespeicherte Glukose freisetzt und bei Bedarf neue Glukose bildet. Damit verhindert der Körper normalerweise, dass der Blutzucker während längerer Essenspausen zu stark sinkt.

Ein Glukagonom ist ein sehr seltener hormonproduzierender Tumor der Bauchspeicheldrüse. Er kann dauerhaft zu viel Glukagon freisetzen. Dadurch wird ständig neue Glukose bereitgestellt und ein Diabetes kann entstehen. Die Endocrine Society beschreibt Diabetes und unerwarteten Gewichtsverlust als mögliche Folgen eines deutlichen Glukagonüberschusses.

Das Glukagonom fällt allerdings häufig nicht allein durch den Blutzucker auf. Viele Betroffene verlieren deutlich Gewicht. Außerdem kann ein charakteristischer Hautausschlag entstehen, der wiederkehrend rötliche, entzündete und teilweise blasige oder schuppende Hautstellen verursacht. Blutarmut, Durchfälle, Entzündungen im Mundbereich und weitere Beschwerden können hinzukommen.

Bei Diabetes zusammen mit ausgeprägtem unerklärlichem Gewichtsverlust und ungewöhnlichen wiederkehrenden Hautveränderungen lohnt sich deshalb eine genauere Abklärung. Trotzdem gilt auch hier: Ein Hautausschlag und Diabetes bedeuten fast nie automatisch Glukagonom. Die Erkrankung ist ausgesprochen selten.

Somatostatinom: eine noch seltenere Ursache

Eine weitere sehr seltene hormonelle Tumorerkrankung kann zu viel Somatostatin produzieren. Dieses Hormon bremst normalerweise verschiedene andere Hormone und Verdauungsvorgänge. Bei einem ausgeprägten Überschuss kann auch die Insulinfreisetzung gehemmt werden, wodurch erhöhte Blutzuckerwerte entstehen können.

Ein Somatostatinom ist allerdings so selten, dass es bei einem gewöhnlichen neu diagnostizierten Diabetes praktisch nie zu den ersten Verdachtsdiagnosen gehört. Andere Beschwerden und Auffälligkeiten führen normalerweise erst zur weiteren Diagnostik.

Für Sie ist deshalb weniger wichtig, sich den Namen zu merken, als zu verstehen, dass es einige sehr seltene hormonproduzierende Tumoren gibt, bei denen ein Diabetes Teil eines größeren Krankheitsbildes sein kann.

Schilddrüsenüberfunktion: Sie kann den Diabetes verschlechtern, verursacht aber nicht automatisch einen eigenen Diabetes

Im Ausgangstext wird auch die Schilddrüsenüberfunktion als hormonelle Diabetesursache beschrieben. Hier ist eine genauere Einordnung wichtig.

Bei einer Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Dadurch läuft der Stoffwechsel schneller. Das Herz schlägt häufiger, viele Menschen schwitzen stärker, schlafen schlechter, sind nervös oder zittrig und verlieren Gewicht, obwohl sie gut oder sogar mehr als sonst essen. Auch häufigerer Stuhlgang beziehungsweise Durchfall kann vorkommen.

Eine deutliche Schilddrüsenüberfunktion kann den Zuckerstoffwechsel ungünstig beeinflussen. Die Leber gibt mehr Glukose ab und die Insulinwirkung kann sich verändern. Bei einem Menschen mit bereits vorhandenem Diabetes können die Werte dadurch schlechter werden und der Insulinbedarf kann steigen.

Sie sollten daraus aber nicht schließen, dass eine Schilddrüsenüberfunktion typischerweise einen eigenständigen sekundären Diabetes erzeugt. Häufiger deckt sie eine bereits vorhandene Veranlagung auf oder erschwert die Behandlung eines bestehenden Diabetes.

Wird die Überfunktion erfolgreich behandelt, stabilisiert sich häufig auch der Zuckerstoffwechsel wieder. Deshalb lohnt sich bei plötzlich unerklärlich steigenden Glukosewerten zusammen mit Herzrasen, Zittern, starkem Schwitzen und Gewichtsverlust durchaus ein Blick auf die Schilddrüse.

Schilddrüsenunterfunktion verursacht normalerweise keinen Diabetes

Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone. Der Stoffwechsel wird langsamer. Müdigkeit, Frieren, Verstopfung, Gewichtszunahme, trockene Haut und Konzentrationsprobleme können auftreten.

Eine Schilddrüsenunterfunktion verursacht normalerweise keinen klassischen sekundären Diabetes. Sie kann allerdings die Stoffwechsellage und bei bereits vorhandenem Diabetes auch den Insulinbedarf verändern.

Besonders wichtig ist ein anderer Zusammenhang: Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickeln häufiger autoimmune Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow. Beide Erkrankungen entstehen wie Typ-1-Diabetes durch eine fehlgeleitete Immunreaktion. Deshalb empfehlen die aktuellen ADA-Standards, Menschen mit Typ-1-Diabetes nach der Diagnose und anschließend bei entsprechender Situation wiederholt auf autoimmune Schilddrüsenerkrankungen zu untersuchen.

Haben Sie Typ-1-Diabetes und plötzlich eine völlig unerklärliche Veränderung Ihres Insulinbedarfs zusammen mit Müdigkeit, Frieren, Herzrasen oder Gewichtsveränderungen, sollte die Schilddrüse deshalb mitgedacht werden.

Merkkasten: Schilddrüsenerkrankungen und Diabetes treten häufig gemeinsam auf, besonders bei Typ-1-Diabetes. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann hohe Zuckerwerte verstärken, eine Unterfunktion verändert ebenfalls den Stoffwechsel. Beide sind aber nicht mit den klassischen hormonellen Diabetesursachen wie Cushing-Syndrom oder Akromegalie gleichzusetzen.

Hyperaldosteronismus: hauptsächlich ein Blutdruckproblem, manchmal aber auch für den Zuckerstoffwechsel interessant

Aldosteron ist ein Hormon der Nebenniere, das vor allem Salzhaushalt, Kalium und Blutdruck beeinflusst. Beim primären Hyperaldosteronismus bildet der Körper zu viel davon. Die wichtigste Folge ist ein oft schwer einstellbarer Bluthochdruck. Bei ausgeprägten Formen kann außerdem der Kaliumwert sinken. Die neue Leitlinie der Endocrine Society von 2025 betont deshalb insbesondere die Verbindung aus Bluthochdruck, überschüssigem Aldosteron und teilweise niedrigem Kalium.

Sehr niedrige Kaliumwerte können auch die Insulinfreisetzung beeinträchtigen und dadurch den Glukosestoffwechsel verschlechtern. Trotzdem sollte der primäre Hyperaldosteronismus nicht so dargestellt werden, als sei Diabetes sein typisches Hauptsymptom.

Wichtiger für Sie ist folgende Kombination: Haben Sie trotz mehrerer Blutdruckmedikamente weiterhin sehr hohe Werte oder gleichzeitig wiederholt niedriges Kalium, kann eine Untersuchung auf einen Aldosteronüberschuss sinnvoll sein. Die Diagnostik erfolgt zunächst über Aldosteron und Renin im Blut.

Die Behandlung richtet sich danach, ob nur eine Nebenniere oder beide betroffen sind. Bei einer einseitigen Ursache kann eine Operation infrage kommen, bei beidseitiger Überproduktion werden meist spezielle Medikamente eingesetzt.

 

Was ist mit Hyperparathyreoidismus?

Auch Erkrankungen der Nebenschilddrüsen werden gelegentlich in langen Listen hormoneller Diabetesursachen aufgeführt. Ein Hyperparathyreoidismus, also eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, verändert vor allem den Kalzium- und Knochenstoffwechsel. Er kann mit Stoffwechselveränderungen zusammen auftreten, gehört aber nicht zu den klassischen wichtigen hormonellen Ursachen eines sekundären Diabetes.

Deshalb wäre es irreführend, ihn mit Cushing-Syndrom, Akromegalie oder einem Glukagonom gleichzustellen.

Bei erhöhtem Kalzium, Nierensteinen, Osteoporose oder anderen passenden Beschwerden wird ein Hyperparathyreoidismus selbstverständlich abgeklärt. Ein gewöhnlicher neu festgestellter Typ-2-Diabetes ist jedoch kein Grund, vorsorglich nach dieser seltenen Erklärung zu suchen.

Auch die Addison-Krankheit gehört zu den Hormonerkrankungen – sie macht aber eher das Gegenteil

Ein weiteres Beispiel zeigt sehr schön, warum nicht jede Hormonerkrankung mit hohen Blutzuckerwerten verbunden ist. Bei einer primären Nebenniereninsuffizienz, häufig Addison-Krankheit genannt, produziert die Nebenniere zu wenig Cortisol.

Da Cortisol normalerweise dabei hilft, Glukose bereitzustellen, kann ein ausgeprägter Mangel den Blutzucker eher absinken lassen. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kann ein plötzlich deutlich niedrigerer Insulinbedarf deshalb in seltenen Fällen ein Hinweis auf eine beginnende Nebenniereninsuffizienz sein, besonders wenn gleichzeitig Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, starke Schwäche, Übelkeit oder eine ungewöhnliche dunkle Hautfärbung auftreten.

Die aktuellen ADA-Standards erinnern daran, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes neben Schilddrüsenerkrankungen auch ein erhöhtes Risiko für andere autoimmune Erkrankungen wie die primäre Nebenniereninsuffizienz haben.

Das zeigt einmal mehr: Hormone können den Blutzucker in beide Richtungen verändern.

Auch PCOS ist hormonell – aber keine klassische Form des sekundären Diabetes

Das polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCOS, ist bei Frauen vergleichsweise häufig und eng mit Insulinresistenz verbunden. Viele Betroffene haben unregelmäßige Monatsblutungen, erhöhte männliche Hormone, stärkere Körperbehaarung oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden.

PCOS erhöht das Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, sollte aber nicht als dieselbe Form des sekundären Diabetes eingeordnet werden wie Cushing-Syndrom oder Akromegalie. Hier spielt vielmehr die ausgeprägte Insulinresistenz eine zentrale Rolle.

Für betroffene Frauen bedeutet das trotzdem, dass der Zuckerstoffwechsel regelmäßig kontrolliert werden sollte.

Wann sollten Sie überhaupt an eine hormonelle Ursache denken?

Weil die beschriebenen Erkrankungen selten sind, wäre es nicht sinnvoll, bei jedem neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes sofort umfangreiche Hormontests durchzuführen. Millionen Menschen hätten auffällige oder schwer interpretierbare Laborwerte, obwohl gar keine seltene Hormonerkrankung dahintersteckt.

Eine gezielte Untersuchung wird interessant, wenn der gesamte Verlauf ungewöhnlich ist.

Vielleicht haben Sie plötzlich sehr hohe Blutzuckerwerte, obwohl Sie normalgewichtig sind und bislang keinerlei typische Hinweise auf Typ-2-Diabetes hatten. Vielleicht steigt Ihr Insulinbedarf innerhalb kurzer Zeit stark an und gleichzeitig entwickeln sich sehr typische körperliche Veränderungen. Oder Ihr Diabetes geht mit einem ungewöhnlich schweren Bluthochdruck, wiederkehrenden Schweiß- und Herzrasenattacken oder deutlich größer werdenden Händen und Füßen einher.

Auffällig kann auch sein, wenn mehrere scheinbar unabhängige Beschwerden plötzlich zusammenpassen.

Fragen Sie sich also nicht:

„Könnte jede meiner Beschwerden eine seltene Hormonkrankheit sein?“

Fragen Sie eher:

„Gibt es mehrere Veränderungen, die zusammen ungewöhnlich wirken und die bisher keine gemeinsame Erklärung haben?“

Genau dann lohnt sich der zweite Blick.

Warum ein großes „Hormonpaket“ auf eigene Faust keine gute Idee ist

Im Internet werden inzwischen zahlreiche Selbsttests und umfangreiche Hormonprofile angeboten. Bei Verdacht auf eine hormonelle Erkrankung klingt das zunächst attraktiv: einmal Blut abnehmen und anschließend weiß man angeblich, was nicht stimmt.

So einfach funktioniert Endokrinologie leider nicht.

Hormone verändern sich teilweise erheblich über den Tagesverlauf, durch Schlaf, Stress, Essen, Medikamente, Zyklus und andere Einflüsse. Einige Werte müssen morgens gemessen werden, andere spät abends. Manche Erkrankungen erkennt man erst daran, wie der Körper auf einen speziellen Test reagiert.

Ein zufälliger Cortisolwert kann deshalb genauso irreführend sein wie eine einzelne Wachstumshormonmessung.

Die bessere Vorgehensweise lautet: Erst Beschwerden und Vorgeschichte anschauen, daraus einen konkreten Verdacht entwickeln und danach gezielt die richtige Untersuchung auswählen.

Wie wird hormonell bedingter Diabetes behandelt?

Bei einem gewöhnlichen Typ-2-Diabetes richtet sich die Therapie nach Blutzucker, Herz- und Nierengesundheit, Gewicht und weiteren Faktoren. Bei einem hormonell ausgelösten Diabetes kommt ein zusätzlicher entscheidender Schritt hinzu: Die Ursache muss behandelt werden.

Beim Cushing-Syndrom bedeutet das, den Cortisolüberschuss zu beseitigen. Bei Akromegalie muss die Wirkung des Wachstumshormons normalisiert werden. Beim Phäochromozytom wird die überschüssige Stresshormonproduktion behandelt und der Tumor häufig operiert. Beim Glukagonom richtet sich die Behandlung ebenfalls gegen den hormonproduzierenden Tumor.

Parallel dazu dürfen hohe Blutzuckerwerte selbstverständlich nicht einfach unbehandelt bleiben. Abhängig von der Höhe der Werte, der Grunderkrankung und der geplanten Behandlung können vorübergehend Diabetesmedikamente oder Insulin erforderlich sein.

Das Ziel besteht nicht darin, auf die Behandlung der Hormonkrankheit zu warten und bis dahin hohe Zuckerwerte zu akzeptieren.

Kann der Diabetes nach Behandlung der Hormonerkrankung wieder verschwinden?

Das ist tatsächlich möglich, aber nicht garantiert.

Stellen Sie sich vor, Ihre Bauchspeicheldrüse konnte grundsätzlich noch genügend Insulin herstellen, musste aber jahrelang gegen einen starken Cortisol- oder Wachstumshormonüberschuss anarbeiten. Wird dieser Hormonüberschuss beseitigt, reagiert der Körper wieder besser auf Insulin und der Blutzucker kann sich deutlich verbessern.

Bei manchen Betroffenen reichen anschließend wesentlich weniger Diabetesmedikamente. Andere können sie sogar vollständig absetzen. Bei wiederum anderen bleibt der Diabetes bestehen, weil bereits vorher eine Typ-2-Diabetes-Veranlagung vorhanden war oder die Insulinproduktion inzwischen dauerhaft eingeschränkt ist.

Deshalb dürfen Diabetesmedikamente nach einer Operation oder erfolgreichen Hormonbehandlung nicht einfach von heute auf morgen eigenständig beendet werden.

Die Werte werden kontrolliert und die Therapie schrittweise angepasst.

Merkkasten: Eine erfolgreiche Behandlung der Hormonstörung kann den Blutzucker deutlich verbessern. Kontrollieren Sie danach die Werte besonders aufmerksam, denn plötzlich kann Ihre bisherige Diabetesmedikation zu stark wirken und Unterzuckerungen verursachen.

Was können Sie selbst tun?

Eine hormonelle Erkrankung lässt sich selbstverständlich nicht durch eine bestimmte Ernährung, Nahrungsergänzung oder mehr Bewegung beseitigen. Ein Hypophysentumor verschwindet nicht durch weniger Zucker und eine hormonproduzierende Nebenniere lässt sich nicht durch einen „Hormondetox“ regulieren.

Sie können trotzdem viel dazu beitragen, dass die Behandlung sicher und erfolgreich verläuft.

Der erste Schritt besteht darin, Veränderungen an Ihrem Körper nicht nur einzeln zu betrachten. Notieren Sie beispielsweise, seit wann bestimmte Beschwerden bestehen und ob sie sich gemeinsam verändert haben. Alte Fotos können bei Verdacht auf Akromegalie hilfreich sein. Bei anfallsartigem Herzrasen oder stark schwankendem Blutdruck können Aufzeichnungen darüber dem Behandlungsteam wichtige Hinweise geben.

Der zweite Schritt ist eine vollständige Medikamentenliste. Besonders Kortison kann den Stoffwechsel stark beeinflussen. Dazu zählen nicht nur Tabletten. Auch Injektionen, bestimmte Inhalationen und andere Präparate können je nach Dosis und Dauer relevant sein. Geben Sie deshalb bei einer endokrinologischen Abklärung möglichst alle Medikamente an.

Der dritte Schritt besteht darin, Ihren Diabetes während der Ursachenabklärung weiterhin normal zu behandeln. Medikamente oder Insulin werden nicht auf Verdacht weggelassen.

Ernährung bleibt wichtig – aber sie behandelt die Hormonursache nicht

Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, starke Glukoseschwankungen zu vermeiden und den Stoffwechsel zu unterstützen. Sie ersetzt aber keine Behandlung der zugrunde liegenden Hormonstörung.

Gerade beim Cushing-Syndrom kann eine starke Gewichtszunahme entstehen, obwohl Betroffene das Gefühl haben, gar nicht wesentlich anders zu essen. Hier wäre es wenig hilfreich, die Erkrankung ausschließlich mit einer strengen Diät zu beantworten.

Bei ausgeprägter Muskelschwäche ist außerdem darauf zu achten, nicht durch radikale Gewichtsreduktion zusätzlich Muskelmasse zu verlieren.

Eine individuell angepasste Ernährung kann deshalb sinnvoll sein, besonders wenn gleichzeitig Diabetes, Bluthochdruck, Osteoporose oder Veränderungen des Körpergewichts bestehen.

Bewegung ist hilfreich, muss aber zur Grunderkrankung passen

Regelmäßige Bewegung verbessert grundsätzlich die Insulinwirkung und hilft, Muskulatur zu erhalten. Bei hormonellen Erkrankungen müssen die Möglichkeiten jedoch an die körperliche Situation angepasst werden.

Ein Mensch mit Cushing-Syndrom und schwerer Muskelschwäche oder Osteoporose sollte nicht plötzlich mit maximalem Krafttraining beginnen. Bei Akromegalie können Gelenkprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt werden müssen. Bei einem unbehandelten Phäochromozytom können starke Belastungen durch die hohen Stresshormonspiegel problematisch sein.

Der Grundsatz lautet deshalb: Bewegen ja – aber nicht blind gegen die Grunderkrankung antrainieren.

Nach erfolgreicher Behandlung kann ein schrittweiser Aufbau von Kraft und Ausdauer ein wichtiger Teil der Erholung sein.

Schlaf gehört ebenfalls zum Stoffwechsel

Schlafprobleme tauchen bei mehreren dieser Erkrankungen auf. Menschen mit Akromegalie entwickeln beispielsweise häufiger eine Schlafapnoe. Beim Cushing-Syndrom können Schlaf, Stimmung und psychische Belastbarkeit beeinträchtigt sein.

Schlechter Schlaf wiederum kann die Insulinwirkung verschlechtern und den Diabetes zusätzlich erschweren.

Starkes Schnarchen, Atempausen, morgendliche Kopfschmerzen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit sollten deshalb nicht automatisch nur dem Diabetes zugeschrieben werden. Besonders bei Akromegalie gehört eine mögliche Schlafapnoe mit in die Betreuung.

Welche Blutzuckerwerte gelten bei hormonell bedingtem Diabetes?

Für die Diagnose eines Diabetes gelten grundsätzlich dieselben Blutzuckergrenzen wie bei anderen Diabetesformen. Ein Diabetes kann beispielsweise über einen entsprechend erhöhten HbA1c, Nüchternblutzucker, einen Zuckerbelastungstest oder einen deutlich erhöhten zufälligen Blutzucker zusammen mit typischen Beschwerden festgestellt werden. Die ADA bestätigt diese diagnostischen Kriterien auch 2026.

Die Behandlung wird anschließend individuell angepasst.

Gerade bei einem sekundären Diabetes muss jedoch regelmäßig überprüft werden, ob sich nach erfolgreicher Behandlung der Hormonstörung der Medikamentenbedarf verändert.

Wer sollte Sie behandeln?

Bei Verdacht auf eine hormonelle Ursache ist eine endokrinologische Fachpraxis die wichtigste Anlaufstelle. Endokrinologinnen und Endokrinologen beschäftigen sich speziell mit Erkrankungen hormonbildender Organe wie Hypophyse, Schilddrüse und Nebennieren.

Je nach Ursache kommen weitere Fachrichtungen hinzu. Bei einem Hypophysentumor können Neurochirurgie und Augenheilkunde beteiligt sein. Beim Phäochromozytom werden Endokrinologie, Radiologie und spezialisierte Chirurgie benötigt. Bei hormonproduzierenden Tumoren der Bauchspeicheldrüse können Gastroenterologie, Endokrinologie, Onkologie und Chirurgie zusammenarbeiten.

Die Diabetesbehandlung sollte dabei nicht getrennt von der Behandlung der Hormonstörung laufen.

Beide gehören zusammen.

Wann sollten Sie schneller ärztliche Hilfe suchen?

Die meisten hormonellen Erkrankungen entwickeln sich langsam und sind kein akuter Notfall. Einzelne Situationen können jedoch dringlich werden.

Sehr hohe Blutzuckerwerte zusammen mit starkem Durst, häufigem Wasserlassen, Erbrechen, deutlicher Austrocknung, zunehmender Benommenheit oder auffällig tiefer und schneller Atmung sollten rasch ärztlich abgeklärt werden.

Auch anfallsweise extrem hohe Blutdruckwerte mit starken Kopfschmerzen, Herzrasen, Brustschmerzen, Atemnot oder neurologischen Beschwerden benötigen eine schnelle medizinische Beurteilung.

Nach erfolgreicher Behandlung eines Hormonüberschusses kann wiederum das gegenteilige Problem entstehen: Ihre bisherige Diabetesmedikation wirkt plötzlich stärker und der Blutzucker sinkt häufiger ab. Besonders bei Insulin oder Medikamenten mit Unterzuckerungsrisiko sollten die Werte deshalb in dieser Phase engmaschiger kontrolliert werden.

Nicht jeder ungewöhnliche Diabetes braucht eine Suche nach einer seltenen Krankheit

Dieser Gedanke ist wichtig, damit der Artikel keine unnötige Angst erzeugt. Typ-2-Diabetes ist sehr häufig. Cushing-Syndrom, Akromegalie, Phäochromozytom und Glukagonom sind dagegen selten oder sogar sehr selten.

Wenn Sie Typ-2-Diabetes haben und ansonsten keinerlei ungewöhnliche Beschwerden bestehen, brauchen Sie nicht vorsorglich CT, MRT oder ein großes Hormonscreening.

Anders sieht es aus, sobald mehrere typische Veränderungen zusammenkommen.

Vielleicht entwickelt sich der Diabetes sehr plötzlich und gleichzeitig verändern sich Hände, Gesicht und Schuhgröße.

Vielleicht steigen Blutzucker und Blutdruck massiv an und Sie bekommen wiederkehrende Attacken aus Herzrasen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüchen.

Vielleicht entstehen deutliche Muskelschwäche, ungewöhnliche Hautveränderungen und eine sehr typische Körperfettverteilung.

Solche Kombinationen rechtfertigen einen zweiten Blick.

Was Sie bei Ihrem nächsten Arzttermin fragen können

Sie brauchen keine komplizierte medizinische Sprache, um das Thema anzusprechen. Ein Satz reicht:

„Mein Diabetes verläuft anders, als ich erwartet habe, und gleichzeitig habe ich diese körperlichen Veränderungen bemerkt. Könnte eine hormonelle Ursache dahinterstecken?“

Oder:

„Mein Blutzucker ist plötzlich deutlich schlechter geworden und gleichzeitig habe ich Herzrasen, Schweißattacken und sehr hohe Blutdruckwerte. Sollten wir das hormonell abklären?“

Oder:

„Meine Hände und Füße sind in den vergangenen Jahren größer geworden und mein Gesicht hat sich verändert. Könnte das etwas mit meinen Hormonen zu tun haben?“

Mit solchen konkreten Beobachtungen kann eine Ärztin oder ein Arzt wesentlich mehr anfangen als mit einem unspezifischen Wunsch nach „allen Hormonen“.

Fazit: Manchmal ist Diabetes nicht die eigentliche Erkrankung, sondern ein Hinweis

Die meisten Menschen mit Diabetes haben Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Trotzdem gibt es seltene Situationen, in denen der erhöhte Blutzucker durch eine andere Erkrankung hervorgerufen oder erheblich verstärkt wird. Gerade hormonelle Erkrankungen zeigen, wie eng der Zuckerstoffwechsel mit dem restlichen Körper verbunden ist.

Besonders Cushing-Syndrom, Akromegalie, Phäochromozytom und Glukagonom können zu einem sekundären Diabetes führen. Ein dauerhafter Überschuss von Cortisol, Wachstumshormon, Stresshormonen oder Glukagon kann die Insulinwirkung schwächen, die Glukosefreisetzung erhöhen oder die Insulinproduktion beeinflussen.

Bei Schilddrüsenerkrankungen ist die Situation anders. Eine ausgeprägte Überfunktion kann einen bestehenden Diabetes deutlich verschlechtern oder eine vorhandene Stoffwechselstörung sichtbar machen. Eine Unterfunktion verursacht dagegen normalerweise keinen eigenen sekundären Diabetes. Besonders bei Typ-1-Diabetes sind autoimmune Schilddrüsenerkrankungen allerdings häufiger, weshalb die Schilddrüsenfunktion regelmäßig berücksichtigt wird.

Ein primärer Hyperaldosteronismus steht wiederum vor allem mit schwer einstellbarem Bluthochdruck und teilweise niedrigem Kalium in Verbindung. Der Zuckerstoffwechsel kann mitbetroffen sein, Diabetes ist aber nicht sein typisches Hauptmerkmal.

Die Behandlung richtet sich immer gegen die eigentliche Ursache. Ein hormonproduzierender Tumor kann möglicherweise operiert werden, andere Erkrankungen benötigen Medikamente oder weitere spezialisierte Therapien. Währenddessen werden erhöhte Glukosewerte selbstverständlich ebenfalls behandelt.

Und genau darin liegt eine Besonderheit dieser Diabetesformen: Wird die Hormonstörung erfolgreich behandelt, kann sich auch der Diabetes deutlich verbessern.

Manche Menschen benötigen anschließend weniger Medikamente.

Bei einigen normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel sogar vollständig.

Bei anderen bleibt der Diabetes bestehen und muss weiter behandelt werden.

Deshalb ist eine sorgfältige Nachkontrolle so wichtig.

Wenn Sie aus diesem Artikel nur eine Sache mitnehmen möchten, dann vielleicht diese Frage:

„Passen meine übrigen Beschwerden eigentlich zu einem ganz gewöhnlichen Typ-2-Diabetes – oder gibt es Veränderungen, die damit nicht richtig erklärt sind?“

Nicht jeder ungewöhnliche Blutzuckerwert braucht eine seltene Diagnose.

Aber ein Diabetes, der gemeinsam mit auffälligen Veränderungen des gesamten Körpers auftritt, verdient manchmal einen genaueren Blick.

Denn gelegentlich ist der erhöhte Blutzucker nicht der Anfang der Erkrankung, sondern der Hinweis darauf, dass an einer anderen Stelle im Hormonsystem etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

 


Quellen und medizinische Fachinformationen

American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Aktuelle Einordnung der verschiedenen Diabetesformen, diagnostische Kriterien und Hinweise auf weitere Erkrankungen, die einen Diabetes verursachen oder beeinflussen können.

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Fach- und Patienteninformationen zu Cushing-Syndrom, Akromegalie und Phäochromozytom sowie aktuelle Informationen zur Versorgung seltener hormoneller Erkrankungen.

Endocrine Society: Aktuelle Fach- und Patienteninformationen zu Cushing-Syndrom, Akromegalie, Glukagon, erhöhten Blutzuckerwerten bei hormonellen Erkrankungen und primärem Hyperaldosteronismus.

American Thyroid Association: Patienteninformationen zur Schilddrüsenüberfunktion und ihren typischen Beschwerden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche ärztliche oder endokrinologische Untersuchung. Die genannten hormonellen Erkrankungen sind teilweise sehr selten und können nicht anhand einzelner Symptome selbst diagnostiziert werden.

Lassen Sie auffällige Kombinationen aus neu auftretendem Diabetes beziehungsweise deutlich schlechteren Glukosewerten und ungewöhnlichen körperlichen Veränderungen ärztlich abklären. Dazu gehören beispielsweise größer werdende Hände oder Füße im Erwachsenenalter, ausgeprägte Muskelschwäche, ungewöhnliche violette Hautstreifen, anfallsartige starke Blutdruckanstiege mit Herzrasen und Schweißausbrüchen oder andere nicht erklärte Veränderungen.

Setzen Sie Kortisonpräparate niemals plötzlich eigenständig ab. Verändern Sie auch Insulin oder andere Diabetesmedikamente nach einer Behandlung der Hormonstörung nicht ohne Rücksprache, da sich der Medikamentenbedarf teilweise rasch verändern kann.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Stand

September 2026

 

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