Wenn draußen die ersten Herbstblätter fallen, kleine Nasen laufen oder der Bauch nach einem aufregenden Tag etwas zwickt, denken viele Eltern ganz automatisch an Tee. Kaum ein Getränk wird so häufig mit Geborgenheit, Wärme und Fürsorge verbunden wie eine frisch aufgebrühte Tasse Tee. Gleichzeitig begegnet mir in meiner Ernährungsberatung immer wieder die Frage, welcher Tee für Kinder eigentlich geeignet ist und ob Babys und Kleinkinder überhaupt Tee trinken sollten.
Vielleicht haben auch Sie schon vor dem Teeregal gestanden und sich gefragt, welche Sorte sinnvoll ist. Kamille? Früchtetee? Fenchel? Pfefferminze? Oder doch lieber spezieller Kindertee?
Die gute Nachricht vorweg: Tee kann für Kinder eine schöne Ergänzung sein. Er kann wärmen, erfrischen, bei manchen Beschwerden angenehm sein und für Abwechslung sorgen. Gleichzeitig ist Tee kein Wundermittel und nicht jede Sorte eignet sich für kleine Kinder.
Gerade in den ersten Lebensjahren lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen.
Brauchen Babys und Kleinkinder überhaupt Tee?
Eine der häufigsten Fragen von Eltern lautet: Braucht mein Baby zusätzlich Tee?
Für gesunde Säuglinge, die ausschließlich gestillt werden oder Säuglingsnahrung erhalten, lautet die Antwort zunächst ganz klar: Nein.
Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung decken den Flüssigkeitsbedarf eines Babys vollständig ab. Zusätzliche Getränke sind in den ersten Lebensmonaten normalerweise nicht notwendig.
Erst wenn mit der Beikost begonnen wird, verändert sich die Situation langsam. Mit zunehmender Menge fester Nahrung steigt auch der Bedarf an zusätzlichen Getränken. Wasser bleibt dabei die erste Wahl. Tee kann jedoch eine gelegentliche Ergänzung sein.
Nach den Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und vieler Kinderärzte sollten Getränke im ersten Lebensjahr grundsätzlich möglichst einfach gehalten werden. Wasser genügt vollkommen.
Dennoch spricht bei älteren Babys und Kleinkindern in kleinen Mengen nichts gegen geeignete Teesorten.
Warum Tee für Kinder so beliebt ist
Tee erfüllt häufig mehr als nur eine Funktion als Getränk.
Er kann Rituale schaffen. Er kann beruhigen. Er kann an kalten Tagen wärmen oder im Sommer gekühlt für Erfrischung sorgen.
Viele Kinder lieben außerdem den milden Geschmack bestimmter Teesorten. Gerade Früchtetees werden oft gerne angenommen, weil sie von Natur aus leicht süßlich schmecken.
Als Ernährungsberaterin beobachte ich außerdem häufig, dass Tee Kindern helfen kann, ihren Flüssigkeitsbedarf besser zu decken. Besonders Kinder, die Wasser eher langweilig finden, trinken manchmal etwas mehr, wenn gelegentlich eine geeignete Teesorte angeboten wird.
Trotzdem gilt ein wichtiger Grundsatz:
Tee ist eine Ergänzung. Wasser bleibt das Hauptgetränk.
Welche Teesorten eignen sich für Kleinkinder?
Nicht jeder Tee, den Erwachsene gerne trinken, ist automatisch auch für Kinder geeignet.
Gerade im Kleinkindalter sollten Tees möglichst mild, koffeinfrei und frei von stark wirksamen Kräutern sein.
Besonders bewährt haben sich folgende Sorten:
Kamillentee – der Klassiker für kleine Bäuche
Kamillentee gehört seit Generationen zu den bekanntesten Kindertees überhaupt.
Die Kamille enthält natürliche Pflanzenstoffe, die traditionell bei leichten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt werden. Gleichzeitig wird ihr eine beruhigende Wirkung zugeschrieben.
Viele Kinder mögen den milden Geschmack, weshalb Kamillentee oft gut akzeptiert wird.
Wichtig ist jedoch auch hier: Tee ersetzt keine ärztliche Behandlung. Wenn Beschwerden länger anhalten oder stärker werden, sollte immer eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt hinzugezogen werden.
Früchtetee – die beliebte Alltagsvariante
Früchtetees gehören zu den beliebtesten Teesorten bei Kindern.
Durch Apfelstücke, Hagebutte oder Beeren entsteht oft eine angenehme natürliche Süße, ohne dass Zucker zugesetzt werden muss.
Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Idealerweise enthält der Tee möglichst wenige künstliche Aromen oder Zusätze.
Besonders empfehlenswert sind hochwertige Bio-Produkte.
Rooibostee – mild und koffeinfrei
Rooibostee stammt ursprünglich aus Südafrika und erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit.
Er enthält kein Koffein, keine Gerbstoffe wie Schwarztee und wird von vielen Kindern gut vertragen.
Sein leicht süßlicher Geschmack macht ihn zu einer beliebten Alternative für Familien.
Darüber hinaus enthält Rooibos verschiedene Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.
Lindenblüten- und Melissentee
Auch Lindenblüten- oder Melissentee gehören zu den milden Kräutertees, die häufig gut vertragen werden.
Gerade am Abend werden diese Tees traditionell wegen ihrer angenehm beruhigenden Eigenschaften geschätzt.
Viele Eltern berichten, dass eine warme Tasse Tee am Abend Teil eines ruhigen Abendrituals werden kann.
Kindertee – was steckt eigentlich dahinter?
Im Handel finden sich zahlreiche Produkte mit der Bezeichnung „Kindertee“ oder „Babytee“.
Viele Eltern gehen automatisch davon aus, dass diese Produkte grundsätzlich besser sind.
Tatsächlich lohnt sich auch hier ein genauer Blick.
Positiv ist, dass spezielle Kindertees häufig besonders streng auf Schadstoffe kontrolliert werden und meist altersgerechte Rezepturen enthalten.
Dennoch enthalten manche Produkte Zucker, Maltodextrin oder unnötige Zusätze.
Mein Rat lautet deshalb:
Nicht die Verpackung entscheidet über die Qualität, sondern die Zutatenliste.
Je kürzer und natürlicher diese ausfällt, desto besser.
Welche Teesorten sollten Kinder besser nicht trinken?
Neben geeigneten Sorten gibt es einige Tees, die für Kinder nicht oder nur eingeschränkt empfohlen werden.
Schwarzer Tee und grüner Tee
Schwarzer Tee und grüner Tee enthalten Koffein.
Kinder reagieren deutlich empfindlicher auf Koffein als Erwachsene. Bereits kleine Mengen können zu Unruhe, Nervosität, Herzklopfen oder Schlafproblemen führen.
Zusätzlich enthalten diese Tees Gerbstoffe, die die Aufnahme von Eisen beeinträchtigen können.
Deshalb sollten sie im Kleinkindalter vermieden werden.
Pfefferminztee
Pfefferminztee wird von Erwachsenen häufig als wohltuend empfunden.
Für kleine Kinder können die enthaltenen ätherischen Öle jedoch zu intensiv sein.
Besonders bei Säuglingen und jüngeren Kleinkindern wird Pfefferminztee daher meist nicht empfohlen.
Fencheltee – warum sich die Empfehlungen verändert haben
Viele Eltern kennen Fencheltee noch als klassisches Hausmittel gegen Bauchschmerzen.
In den vergangenen Jahren haben sich die Empfehlungen hierzu jedoch verändert.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) weist darauf hin, dass Fenchel natürliche Bestandteile enthält, darunter Estragol. Für Säuglinge und Kleinkinder liegen derzeit nicht genügend Daten vor, um eine langfristige Sicherheit eindeutig zu bestätigen.
Deshalb empfehlen viele Fachgesellschaften heute Zurückhaltung bei regelmäßigem Fenchelteekonsum im frühen Kindesalter.
Wie viel Tee darf ein Kind trinken?
Diese Frage höre ich besonders häufig.
Die Antwort überrascht viele Eltern:
Gar nicht so viel.
Tee sollte im Kleinkindalter eher als gelegentliche Ergänzung betrachtet werden.
Kleine Mengen von etwa 50 bis 200 Millilitern pro Tag reichen in der Regel völlig aus.
Der größte Teil der Flüssigkeitszufuhr sollte weiterhin über Wasser erfolgen.
Tee bitte immer ungesüßt
Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen.
Kinder brauchen keinen Zucker im Tee.
Auch Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup oder andere Süßungsmittel sind nicht notwendig.
Kinder entwickeln ihre Geschmacksvorlieben früh. Je natürlicher Getränke angeboten werden, desto selbstverständlicher wird Wasser oder ungesüßter Tee später akzeptiert.
Das richtige Trinkgefäß ist oft wichtiger als der Tee selbst
In vielen Familien liegt der Fokus stark auf dem Getränk. Dabei spielt häufig das Trinkgefäß eine größere Rolle.
Kinder lernen das Trinken am besten aus offenen Bechern, kleinen Gläsern oder kindgerechten Tassen.
Dauernuckeln aus Trinkflaschen kann das Risiko für Karies erhöhen und sollte vermieden werden.
Mein persönlicher Rat an Eltern
Wenn ich Familien berate, sage ich oft: Tee darf ein schöner Begleiter sein, aber er muss kein tägliches Muss werden.
Eine warme Tasse Tee kann Trost spenden, ein Ritual schaffen oder einfach gemütlich sein. Gleichzeitig brauchen Kinder keine besonderen Getränke, um gesund aufzuwachsen.
Wasser bleibt die beste Wahl.
Wenn Sie Tee anbieten möchten, wählen Sie milde, koffeinfreie Sorten, verzichten Sie auf Zucker und betrachten Sie Tee als das, was er sein darf: eine kleine Abwechslung im Alltag.
Fazit
Tee kann für Babys ab Beikostbeginn und für Kleinkinder eine angenehme Ergänzung sein, wenn die richtige Sorte gewählt wird. Besonders Kamille, Rooibos, milde Früchtetees sowie Lindenblüten- oder Melissentee gelten als gut geeignet.
Wichtig ist jedoch, dass Tee Wasser nicht ersetzt und grundsätzlich ungesüßt angeboten wird. Koffeinhaltige Tees wie Schwarztee oder Grüntee sowie stark wirksame Kräutertees gehören nicht in die Kindertasse.
Denn oft braucht es gar nicht viel: etwas Wasser, gelegentlich eine warme Tasse Tee und die gemeinsame Zeit, die daraus entsteht.
Wissenschaftliche Quellen
- Netzwerk Gesund ins Leben – Getränke im Säuglings- und Kleinkindalter: https://www.gesund-ins-leben.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Trinken im Kindesalter: https://www.dge.de
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) – Kindergetränke und Flüssigkeitszufuhr: https://www.bzfe.de
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): https://www.kinderaerzte-im-netz.de
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): https://www.dgkj.de
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) – Fenchel und Estragol: https://www.ema.europa.eu
- World Health Organization (WHO) – Infant and Young Child Feeding: https://www.who.int
- European Food Safety Authority (EFSA): https://www.efsa.europa.eu
Hinweis
Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und Gesundheitsbildung. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Ernährung Ihres Kindes wenden Sie sich bitte an Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt oder eine qualifizierte Ernährungsfachkraft.
Bildquelle
Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Wissenschaftlicher Stand
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen führender Fachgesellschaften, Kinderärzteverbände, Ernährungsorganisationen und Gesundheitsinstitutionen.
Stand: Juli 2026

