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Diabetes erst im Erwachsenenalter – und trotzdem Typ 1? Was Sie über LADA wissen sollten
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Diabetes erst im Erwachsenenalter – und trotzdem Typ 1? Was Sie über LADA wissen sollten

Sie erhalten im Erwachsenenalter die Diagnose Diabetes. Vielleicht sind Sie 35, 50 oder sogar 65 Jahre alt. Da liegt zunächst der Gedanke an einen Typ-2-Diabetes nahe, denn diese Diabetesform kommt bei Erwachsenen mit Abstand am häufigsten vor. Vielleicht bekommen Sie zunächst Empfehlungen zu Ernährung und Bewegung, später Tabletten und die Werte sehen eine Zeit lang sogar recht ordentlich aus. Doch irgendwann verändert sich etwas. Der Blutzucker steigt stärker an, obwohl Sie Ihre Behandlung zuverlässig umsetzen, Medikamente wirken nicht mehr so gut wie erwartet oder Sie verlieren Gewicht, ohne es zu wollen. Vielleicht wundert sich auch Ihre Ärztin oder Ihr Arzt darüber, dass Ihr Diabetes deutlich schneller eine Insulinbehandlung benötigt als ursprünglich angenommen.

Hinter einem solchen Verlauf kann LADA stecken. Der Begriff steht für „Latent Autoimmune Diabetes in Adults“ und bezeichnet einen langsam verlaufenden autoimmunen Diabetes, der im Erwachsenenalter auftritt. Viel wichtiger als diese englische Bezeichnung ist jedoch, was tatsächlich dahintersteckt: LADA gehört nach heutiger Einordnung zum autoimmunen Typ-1-Diabetes. Das körpereigene Abwehrsystem richtet sich gegen die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Dieser Vorgang läuft bei vielen Erwachsenen langsamer ab als bei einem klassischen Typ-1-Diabetes im Kindes- oder Jugendalter. Deshalb kann die Bauchspeicheldrüse zu Beginn noch eine beträchtliche Menge eigenes Insulin herstellen und genau deshalb sieht die Erkrankung zunächst häufig wie ein Typ-2-Diabetes aus.

Die aktuellen internationalen Diabetesstandards ordnen LADA ausdrücklich dem Typ-1-Diabetes zu. Gleichzeitig wird der Begriff im medizinischen Alltag weiterhin verwendet, weil er sehr gut darauf aufmerksam macht, dass Typ-1-Diabetes nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft und im Erwachsenenalter wesentlich langsamer beginnen kann.

Für Sie bedeutet das vor allem: Eine Diabetesdiagnose im Erwachsenenalter sagt noch nicht automatisch, welche Diabetesform tatsächlich vorliegt. Das Alter allein entscheidet nicht darüber, ob es Typ 1 oder Typ 2 ist.

Typ-1-Diabetes kann in jedem Lebensalter beginnen

Noch immer hält sich die Vorstellung, Typ-1-Diabetes sei eine Erkrankung von Kindern und Typ-2-Diabetes eine Erkrankung von Erwachsenen. Diese einfache Aufteilung stimmt nicht.

Typ-1-Diabetes kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Bei Kindern und Jugendlichen schreitet der Verlust der eigenen Insulinproduktion häufig schneller voran. Dadurch entstehen innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich erhöhte Blutzuckerwerte, starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und manchmal bereits eine gefährliche Übersäuerung des Körpers, die sogenannte Ketoazidose.

Bei Erwachsenen kann derselbe autoimmune Vorgang wesentlich langsamer ablaufen. Die Bauchspeicheldrüse verliert ihre Fähigkeit zur Insulinproduktion nicht unbedingt innerhalb weniger Wochen. Sie kann über Monate oder sogar Jahre noch genug eigenes Insulin bereitstellen, um einen schweren Insulinmangel zunächst zu verhindern. Genau diese langsamere Entwicklung wird häufig als LADA bezeichnet.

Das erklärt auch eine Situation, die Betroffene häufig verwirrt: Die Diagnose lautet zunächst Typ-2-Diabetes, obwohl später Typ-1-Diabetes beziehungsweise LADA festgestellt wird. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass bei der ersten Untersuchung schlecht gearbeitet wurde. Zu Beginn können beide Erkrankungen tatsächlich sehr ähnlich aussehen. Erst der weitere Verlauf oder zusätzliche Blutuntersuchungen zeigen manchmal, dass hinter dem Diabetes eine Autoimmunerkrankung steckt.

Was passiert bei LADA eigentlich im Körper?

Ihre Bauchspeicheldrüse liegt im oberen Bauchraum und erfüllt verschiedene wichtige Aufgaben. Eine davon ist die Herstellung des Hormons Insulin. Dafür sind kleine Zellgruppen zuständig, zu denen die sogenannten Betazellen gehören.

Insulin können Sie sich vereinfacht wie einen Türöffner vorstellen. Nach einer Mahlzeit gelangt Glukose aus der Nahrung ins Blut. Insulin hilft dabei, diese Glukose aus dem Blut in Körperzellen aufzunehmen, wo sie als Energie genutzt oder gespeichert werden kann.

Bei einem autoimmunen Typ-1-Diabetes erkennt das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen fälschlicherweise als Ziel und greift sie an. Nach und nach gehen immer mehr dieser Zellen verloren. Die Bauchspeicheldrüse kann dadurch immer weniger Insulin produzieren.

Beim klassischen Typ-1-Diabetes kann dieser Prozess relativ schnell sichtbar werden. Beim LADA verläuft er oft wesentlich langsamer. Zu Beginn reicht die eigene Insulinproduktion möglicherweise noch aus, um starke Stoffwechselentgleisungen zu verhindern. Im Laufe der Zeit nimmt diese Reserve jedoch ab.

Genau deshalb können Sie anfangs beispielsweise mit einer Ernährungsanpassung und bestimmten Medikamenten akzeptable Blutzuckerwerte erreichen und später trotzdem Insulin benötigen.

Das ist kein Zeichen dafür, dass Sie bei Ihrer Behandlung versagt haben.

Es gehört zur Erkrankung.

LADA entsteht nicht durch Zucker, Übergewicht oder zu wenig Bewegung

Dieser Punkt verdient eine klare Erklärung. LADA ist eine Autoimmunerkrankung. Sie bekommen LADA nicht, weil Sie zu viel Süßes gegessen haben, zu wenig Sport gemacht haben oder einige Kilogramm zugenommen haben.

Warum das Immunsystem bei einem Menschen beginnt, die eigenen Betazellen anzugreifen, lässt sich bis heute nicht auf einen einzelnen Auslöser zurückführen. Eine gewisse erbliche Veranlagung spielt eine Rolle und wahrscheinlich kommen weitere Einflüsse hinzu. Für Ihren Alltag ist jedoch vor allem wichtig zu wissen, dass Sie diese Autoimmunreaktion nicht durch ein bestimmtes Lebensmittel ausgelöst haben. Typ-1-Diabetes und damit auch LADA gelten nicht als lebensstilbedingte Erkrankungen.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass Ernährung und Bewegung bei LADA unwichtig sind. Sie beeinflussen den Glukosebedarf, die Insulinempfindlichkeit, das Körpergewicht, Blutdruck, Blutfette und damit langfristig auch Herz und Gefäße. Ein Mensch kann außerdem gleichzeitig einen autoimmunen Diabetes und eine Insulinresistenz haben.

Deshalb ist auch eine andere verbreitete Vorstellung falsch: Menschen mit LADA müssten grundsätzlich schlank sein.

Auch Menschen mit Übergewicht können LADA haben

Früher wurde LADA häufig mit einem ziemlich typischen Bild beschrieben: eher schlank, relativ jung, keine klassischen Merkmale eines Typ-2-Diabetes. Dieses Bild kann Hinweise liefern, reicht für die Diagnose aber längst nicht aus.

Übergewicht ist heute in allen Bevölkerungsgruppen häufig. Natürlich können deshalb auch Menschen mit Typ-1-Diabetes oder LADA Übergewicht oder Adipositas entwickeln. Ein höheres Körpergewicht schließt einen autoimmunen Diabetes nicht aus.

Gleichzeitig kann ein Mensch mit LADA zusätzlich eine Insulinresistenz haben. Dann bestehen gewissermaßen zwei Herausforderungen: Die Bauchspeicheldrüse produziert durch die Autoimmunerkrankung zunehmend weniger Insulin und gleichzeitig reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf das noch vorhandene oder gespritzte Insulin.

Die aktuellen Diabetesstandards weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Körpergewicht und äußeres Erscheinungsbild allein nicht zur Unterscheidung von Typ 1 und Typ 2 geeignet sind.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten: „Sehe ich aus wie jemand mit Typ-1-Diabetes?“

Eine Diabetesform kann man niemandem ansehen.

Warum LADA so leicht wie Typ-2-Diabetes aussehen kann

Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zu Beginn häufig noch viel Insulin. Das Hauptproblem besteht zunächst darin, dass die Körperzellen weniger empfindlich darauf reagieren. Man spricht von einer Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies über längere Zeit durch eine höhere Insulinproduktion auszugleichen.

Beim LADA liegt die Ursache anders. Hier zerstört das Immunsystem nach und nach die insulinproduzierenden Zellen.

Das Ergebnis kann anfangs trotzdem ähnlich aussehen: Der Blutzucker ist erhöht und gleichzeitig ist noch eigenes Insulin vorhanden.

Ein normaler Blutzuckerwert oder HbA1c sagt deshalb zwar, dass eine Zuckerstoffwechselstörung besteht, aber nicht automatisch, warum sie besteht.

Der Unterschied wird häufig erst im Verlauf deutlicher. Bei LADA nimmt die eigene Insulinproduktion zunehmend ab. Die bisherige Behandlung reicht plötzlich nicht mehr aus und die Werte verschlechtern sich schneller, als man es für die bisher vermutete Situation erwartet hätte.

Haben Sie beispielsweise die Diagnose Typ-2-Diabetes bekommen und Ihre Werte steigen trotz konsequenter Behandlung innerhalb relativ kurzer Zeit immer weiter? Genau eine solche Entwicklung kann Anlass sein, die ursprüngliche Einordnung noch einmal zu überprüfen.

Das bedeutet nicht, dass hinter jeder schwierig einzustellenden Typ-2-Erkrankung LADA steckt. Es bedeutet nur, dass bei einem ungewöhnlichen Verlauf genauer hingeschaut werden sollte.

 

Welche Hinweise machen eine genauere Abklärung sinnvoll?

LADA hat kein einzelnes äußeres Kennzeichen. Es gibt jedoch Situationen, in denen Ärztinnen und Ärzte besonders aufmerksam werden.

Dazu gehört ein Diabetesbeginn in jüngeren oder mittleren Erwachsenenalter, insbesondere in Verbindung mit einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust oder schnell zunehmenden Blutzuckerwerten. Auch eine ungewöhnlich kurze Zeit von der Diabetesdiagnose bis zur notwendigen Insulinbehandlung kann ein Hinweis sein.

Interessant ist außerdem Ihre persönliche und familiäre Krankengeschichte. Typ-1-Diabetes gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Andere Autoimmunerkrankungen können deshalb häufiger gemeinsam auftreten. Dazu gehören beispielsweise autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Zöliakie oder bestimmte Formen eines Vitamin-B12-Mangels.

Vielleicht haben Sie selbst Hashimoto-Thyreoiditis und bekommen später Diabetes. Oder mehrere Menschen in Ihrer Familie haben Typ-1-Diabetes oder andere Autoimmunerkrankungen. Auch solche Informationen können für die Einordnung wichtig sein.

Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen bei Erwachsenen vor allem dann die Untersuchung auf Autoantikörper, sobald Merkmale vorhanden sind, die sowohl zu Typ 1 als auch zu Typ 2 passen – beispielsweise ein jüngeres Erkrankungsalter, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, eine Ketoazidose oder eine ungewöhnlich schnelle Notwendigkeit einer Insulintherapie.

Welche Beschwerden kann LADA verursachen?

Die Beschwerden unterscheiden sich grundsätzlich nicht von anderen Diabetesformen. Und genau deshalb kann man anhand der Symptome nicht erkennen, ob Typ 1, Typ 2 oder LADA vorliegt.

Bei nur leicht erhöhten Werten merken Sie möglicherweise zunächst überhaupt nichts.

Steigt der Blutzucker weiter an, können stärkerer Durst und häufigeres Wasserlassen auftreten. Manche Menschen fühlen sich ungewöhnlich müde oder erschöpft, obwohl sie ausreichend schlafen. Konzentration und Leistungsfähigkeit können nachlassen, die Sicht kann zeitweise verschwommen sein und manche Betroffene verlieren Gewicht, obwohl sie ihre Ernährung nicht bewusst verändert haben.

Das geschieht, weil der Körper Glukose bei zunehmendem Insulinmangel immer schlechter als Energie nutzen kann.

Gerade ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust bei gleichzeitig zunehmendem Blutzucker sollte deshalb ernst genommen werden.

Im weiteren Verlauf kann ein immer stärkerer Insulinmangel entstehen. Genau hier wird eine rechtzeitige Diagnose besonders wichtig.

Warum eine falsche Einordnung irgendwann gefährlich werden kann

Zu Beginn eines LADA reicht die noch vorhandene eigene Insulinproduktion häufig aus, um eine schwere Stoffwechselentgleisung zu verhindern. Darauf sollte man sich jedoch nicht dauerhaft verlassen.

Mit zunehmendem Verlust der Betazellen kann irgendwann so wenig Insulin vorhanden sein, dass der Körper nicht mehr ausreichend Glukose verwerten kann. Er beginnt verstärkt Fett abzubauen und dabei entstehen sogenannte Ketonkörper.

Eine starke Anhäufung dieser Ketonkörper kann zu einer diabetischen Ketoazidose, kurz DKA, führen. Dabei übersäuert der Körper. Das ist ein medizinischer Notfall.

Starker Durst und sehr häufiges Wasserlassen können erste Warnzeichen sein. Hinzukommen können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, eine auffällig tiefe oder angestrengte Atmung, starke Schwäche, Benommenheit und manchmal ein auffällig fruchtig oder nach Aceton riechender Atem.

Eine solche Situation gehört sofort medizinisch behandelt.

Die aktuellen Diabetesstandards betonen gerade deshalb den Nutzen der LADA-Bezeichnung: Sie erinnert daran, dass ein scheinbar langsam verlaufender Diabetes bei Erwachsenen zu einem ausgeprägten Insulinmangel fortschreiten kann und Insulin rechtzeitig begonnen werden muss, bevor die Stoffwechsellage entgleist.

Merkkasten

Sehr hohe Glukosewerte zusammen mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, ungewöhnlich tiefer Atmung oder starker Benommenheit können auf eine Ketoazidose hinweisen. Das ist keine Situation zum Abwarten oder für eine zusätzliche Tablette zu Hause, sondern ein medizinischer Notfall.

Mit dem normalen Blutzuckertest lässt sich LADA nicht erkennen

Nüchternblutzucker, HbA1c oder Glukosetoleranztest können zeigen, dass Diabetes vorliegt. Sie sagen jedoch nicht sicher, welche Diabetesform die Ursache ist.

Für die Unterscheidung sind deshalb weitere Untersuchungen notwendig.

Besonders wichtig sind Autoantikörper. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um Spuren der fehlgeleiteten Immunreaktion gegen die insulinproduzierenden Zellen.

Am häufigsten wird zunächst nach sogenannten GAD-Antikörpern gesucht. GAD ist Bestandteil der Betazellen, gegen den sich das Immunsystem bei vielen Erwachsenen mit langsam verlaufendem autoimmunem Diabetes richtet. Sind GAD-Antikörper vorhanden und passt das übrige Krankheitsbild dazu, spricht dies für einen autoimmunen Diabetes.

Die aktuellen Standards empfehlen GAD als ersten Autoantikörpertest bei Erwachsenen mit Verdacht auf Typ-1-Diabetes. Bleibt dieser Test negativ und besteht weiterhin ein begründeter Verdacht, können weitere Antikörper wie IA-2- oder ZnT8-Antikörper untersucht werden.

Sie müssen sich diese Abkürzungen nicht merken. Entscheidend ist lediglich zu verstehen: Es gibt mehrere Marker der Autoimmunreaktion, und ein negativer einzelner Test beendet die Diagnostik nicht automatisch.

Ein negativer Antikörpertest schließt Typ-1-Diabetes nicht vollständig aus

Das ist eine wichtige Ergänzung, die in vereinfachten LADA-Erklärungen häufig fehlt.

Die meisten Menschen mit autoimmunem Typ-1-Diabetes haben nachweisbare Autoantikörper. Bei einem kleinen Teil lassen sie sich jedoch nicht finden. Deshalb bedeutet ein negativer GAD-Antikörpertest nicht automatisch: „Dann kann es kein Typ 1 sein.“

Die aktuellen Diabetesstandards gehen davon aus, dass bei etwa fünf bis zehn Prozent der Menschen mit klinischem Typ-1-Diabetes keine entsprechenden Antikörper nachweisbar sind. Die gesamte Krankheitsgeschichte bleibt deshalb wichtig.

Umgekehrt kann auch ein einzelner schwach positiver Antikörpertest nicht ohne weiteres jede Typ-2-Diagnose in LADA verwandeln. Antikörpertests müssen zuverlässig durchgeführt und immer zusammen mit dem gesamten klinischen Bild beurteilt werden.

Das ist ein guter Grund, die Einordnung einer unklaren Diabetesform in einer diabetologischen Fachpraxis vornehmen zu lassen.

Was das C-Peptid über Ihre eigene Insulinproduktion verraten kann

Neben den Autoantikörpern begegnet Ihnen bei der Abklärung möglicherweise ein weiterer Begriff: C-Peptid.

Der klingt kompliziert, lässt sich jedoch leicht erklären.

Immer wenn Ihre Bauchspeicheldrüse eigenes Insulin produziert, entsteht gleichzeitig C-Peptid. Deshalb kann die Menge des C-Peptids im Blut Hinweise darauf geben, wie viel eigenes Insulin Ihr Körper noch herstellen kann.

Bei einem frühen LADA kann der Wert noch relativ gut erhalten sein. Im Laufe der Erkrankung nimmt er häufig ab, weil immer weniger funktionsfähige Betazellen vorhanden sind.

Gerade bei Menschen, die bereits Insulin spritzen, kann dieser Test bei der Einordnung hilfreich sein. Das gespritzte Insulin erzeugt nämlich kein menschliches C-Peptid. Der Wert zeigt deshalb weiterhin die körpereigene Insulinproduktion.

Allerdings ist auch C-Peptid keine Zahl, die man allein interpretieren sollte. Der gleichzeitig gemessene Glukosewert, Zeitpunkt der Untersuchung, Krankheitsdauer und eine kürzlich aufgetretene schwere Stoffwechselentgleisung spielen eine Rolle. Die aktuellen Standards empfehlen außerdem, C-Peptid nach einer schweren Überzuckerung beziehungsweise Ketoazidose nicht unmittelbar zur Klassifikation heranzuziehen.

Für Sie reicht die einfache Botschaft:

Autoantikörper zeigen, ob eine Autoimmunreaktion wahrscheinlich ist. C-Peptid hilft einzuschätzen, wie viel eigenes Insulin noch vorhanden ist.

LADA hat keine feste Altersgrenze

Vielleicht lesen Sie an anderer Stelle, LADA beginne „ab 30“ oder „zwischen 30 und 60 Jahren“. Solche Angaben stammen aus früheren Definitionen und helfen bei der Orientierung, sind aber keine Naturgesetze.

Autoimmuner Typ-1-Diabetes kann in jedem Erwachsenenalter beginnen.

Ein 28-Jähriger kann einen langsam verlaufenden autoimmunen Diabetes entwickeln.

Ebenso kann eine 65-jährige Person erstmals Typ-1-Diabetes bekommen.

Die aktuellen Diabetesstandards ordnen den autoimmunen Diabetes deshalb unabhängig vom Lebensalter als Typ 1 ein. Der Begriff LADA wird weiterhin verwendet, weil er den besonders langsamen Verlauf bei Erwachsenen beschreibt.

Das Alter ist also ein Hinweis.

Es ist kein Diagnosekriterium, das alle anderen Befunde überstimmt.

LADA ist keine Mischung aus Typ 1 und Typ 2

Der Begriff „Mischdiabetes“ taucht immer wieder auf und wirkt auf den ersten Blick logisch. Schließlich können Menschen mit LADA Merkmale beider Diabetesformen haben.

Trotzdem ist diese Bezeichnung missverständlich.

Der grundlegende Vorgang beim LADA ist die autoimmune Zerstörung der Betazellen. Genau deshalb wird die Erkrankung dem Typ-1-Diabetes zugeordnet.

Ein Mensch mit LADA kann zusätzlich Insulinresistenz, Übergewicht, Bluthochdruck oder ungünstige Blutfette haben – genauso wie ein Mensch mit klassischem Typ-1-Diabetes diese Probleme entwickeln kann.

Das macht aus der Autoimmunerkrankung jedoch keinen neuen Diabetes „halb Typ 1, halb Typ 2“.

Für die Behandlung ist es vielmehr sinnvoll, beide Seiten zu berücksichtigen: den zunehmenden Insulinmangel und gleichzeitig eventuell vorhandene Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken.

Welche Behandlung braucht ein Mensch mit LADA?

Hier gibt es keine einzige Therapie, die für jeden Menschen ab dem Tag der Diagnose gleichermaßen gilt.

Entscheidend ist, wie viel eigenes Insulin noch vorhanden ist, wie hoch die Glukosewerte sind, ob Beschwerden bestehen und ob zusätzlich eine Insulinresistenz oder andere Erkrankungen vorliegen.

Bei deutlichem Insulinmangel ist Insulin notwendig. Darüber gibt es nichts „wegzuernähren“ und auch keine Tablette kann fehlendes lebensnotwendiges Insulin vollständig ersetzen.

In einer frühen Phase kann die Bauchspeicheldrüse jedoch noch genügend eigenes Insulin produzieren. Manche Menschen benötigen deshalb zunächst keine sofortige intensive Insulintherapie und können zeitweise auch mit anderen Maßnahmen behandelt werden. Gerade in dieser Phase ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig, damit ein zunehmender Insulinmangel nicht übersehen wird.

Die älteren Vorstellungen, jeder LADA müsse entweder sofort wie Typ 1 oder zunächst vollständig wie Typ 2 behandelt werden, greifen deshalb zu kurz.

Die Behandlung richtet sich nach dem tatsächlichen Stadium der Erkrankung.

Insulin ist bei LADA keine Niederlage

Vielleicht haben Sie zunächst die Diagnose Typ-2-Diabetes bekommen und konnten Ihren Blutzucker eine Zeit lang ohne Insulin behandeln. Einige Jahre später empfiehlt Ihr Diabetes-Team Insulin.

Gerade dann entsteht leicht der Gedanke: „Ich habe es nicht geschafft.“

Bei LADA wäre diese Schlussfolgerung vollkommen falsch.

Die Autoimmunerkrankung zerstört nach und nach insulinproduzierende Zellen. Irgendwann reicht die eigene Produktion nicht mehr. Eine Insulinbehandlung ersetzt schlicht das Hormon, das Ihr Körper zunehmend nicht mehr selbst herstellen kann.

Sie hätten diesen Vorgang nicht durch strengere Ernährung oder mehr Bewegung verhindern können.

Insulin ist deshalb kein letzter Ausweg und keine Strafe für schlechte Werte.

Es ersetzt eine Körperfunktion, die verloren gegangen ist.

Muss bei LADA möglichst früh Insulin gegeben werden, um die Bauchspeicheldrüse „zu retten“?

Diese Aussage begegnet Betroffenen immer wieder. Sie klingt überzeugend, ist aber zu einfach.

Insulin wird bei LADA eingesetzt, sobald die Stoffwechselsituation und die vorhandene Insulinproduktion dies erfordern. Es gibt keine gesicherte Regel, nach der jeder erwachsene Mensch mit LADA unmittelbar nach dem ersten positiven Antikörpertest Insulin spritzen muss, nur damit die verbliebenen Betazellen sicher länger erhalten bleiben.

Die Behandlung sollte deshalb nicht nach einem starren Kalender erfolgen.

Ein deutlich reduzierter C-Peptid-Wert, hohe Glukosewerte, Beschwerden oder eine beginnende Stoffwechselentgleisung sprechen klar für Insulin. Bei noch guter eigener Insulinproduktion kann die Behandlung anders aussehen und wird individuell festgelegt. Die Fachinformationen betonen gerade diese Anpassung an die noch vorhandene Betazellfunktion.

Wichtig ist vor allem, Insulin nicht zu spät einzusetzen, sobald der Körper es tatsächlich benötigt.

Welche Rolle spielt Metformin?

Einige Menschen mit LADA bekommen zunächst Metformin, weil ursprünglich Typ-2-Diabetes angenommen wurde. Das muss nicht automatisch eine falsche Behandlung gewesen sein.

Metformin verbessert vor allem die Insulinwirkung und kann bei vorhandener Insulinresistenz sinnvoll sein. Gerade ein Mensch mit LADA und gleichzeitigem Übergewicht oder ausgeprägter Insulinresistenz kann davon profitieren.

Metformin stoppt allerdings nicht die autoimmune Zerstörung der Betazellen.

Es ersetzt auch kein Insulin, sobald ein ausgeprägter Insulinmangel entstanden ist.

Deshalb muss die Behandlung im Verlauf immer wieder neu beurteilt werden. Ein Medikament, das im ersten Jahr gut funktioniert, muss nicht zwangsläufig fünf Jahre später noch ausreichen.

Nicht jedes Typ-2-Diabetesmedikament passt automatisch zu LADA

Das ist ebenfalls wichtig. Nachdem LADA zu Beginn häufig wie Typ-2-Diabetes aussieht, könnte man versucht sein, einfach Schritt für Schritt die üblichen Typ-2-Medikamente hinzuzufügen.

So einfach ist es nicht.

Die Grundlage der Erkrankung ist ein zunehmender Insulinmangel. Medikamente müssen deshalb danach ausgewählt werden, wie viel eigene Insulinproduktion noch vorhanden ist, welche Begleiterkrankungen bestehen und welches Risiko für eine Ketoazidose vorliegt.

Insbesondere Medikamente, die die Glukoseausscheidung über die Nieren steigern, können bei Menschen mit starkem Insulinmangel das Risiko einer Ketoazidose erhöhen. Eine solche Behandlung gehört deshalb nicht eigenständig begonnen oder einfach aus einem allgemeinen Typ-2-Schema übernommen.

Auch bestimmte ältere Medikamente, die die Bauchspeicheldrüse zu zusätzlicher Insulinausschüttung anregen, werden bei LADA zurückhaltend beurteilt. Die Therapie sollte deshalb durch ein Diabetes-Team festgelegt werden, das weiß, dass eine autoimmune Diabetesform vorliegt.

CGM, Insulinpens und Pumpen können den Alltag erleichtern

Sobald Insulin notwendig ist, stehen Menschen mit LADA grundsätzlich dieselben modernen Möglichkeiten zur Verfügung wie anderen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes.

Ein kontinuierliches Glukosemesssystem, kurz CGM, zeigt die Glukoseentwicklung über den gesamten Tag und kann vor zu niedrigen oder zu hohen Werten warnen. Dadurch müssen Sie den Glukoseverlauf nicht nur aus einzelnen Fingerstichmessungen zusammensetzen.

Insulin kann mit einem Pen gespritzt oder über eine Insulinpumpe abgegeben werden. Moderne automatisierte Insulindosierungssysteme verbinden Pumpe und Glukosesensor miteinander und können die Insulinabgabe teilweise automatisch anpassen.

Welche Technik zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Insulintherapie, Ihren persönlichen Bedürfnissen und der individuellen Versorgung ab.

LADA ist jedenfalls kein Grund, auf moderne Typ-1-Diabetestechnik verzichten zu müssen, sobald eine entsprechende Insulintherapie notwendig ist.

Ernährung bei LADA: Es gibt keine spezielle LADA-Diät

Vielleicht suchen Sie nach der Diagnose sofort nach Lebensmitteln, die die Autoimmunerkrankung stoppen könnten.

Eine solche Ernährung gibt es nicht.

Kein Lebensmittel kann die fehlgeleitete Immunreaktion zuverlässig abschalten oder bereits zerstörte Betazellen zurückbringen.

Eine ausgewogene Ernährung bleibt trotzdem ein wichtiger Teil der Behandlung. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, geeignete Eiweißquellen, Nüsse und pflanzliche Öle passen gut in einen gesundheitsförderlichen Alltag. Stark zuckerhaltige Getränke lassen den Blutzucker schnell ansteigen und sollten eher die Ausnahme sein.

Kohlenhydrate sind jedoch nicht grundsätzlich verboten.

Bei einer Insulintherapie wird vielmehr wichtig, Kohlenhydratmengen einschätzen zu lernen und Insulin, Mahlzeiten und Bewegung aufeinander abzustimmen.

Eine Diabetes-Schulung kann Ihnen dabei wesentlich mehr helfen als eine lange Liste angeblich „verbotener“ Lebensmittel.

Bewegung bleibt wichtig – auch wenn sie die Autoimmunerkrankung nicht heilt

Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit, unterstützt Herz und Gefäße, erhält Muskulatur und kann Stimmung und Schlaf positiv beeinflussen.

Sie stoppt jedoch nicht die autoimmune Zerstörung der Betazellen.

Sobald Sie Insulin verwenden, kommt ein neuer Punkt hinzu: Bewegung kann den Glukosewert deutlich beeinflussen. Je nach Sportart, Dauer, Intensität und Insulinmenge kann der Wert fallen oder manchmal sogar zunächst steigen.

Sie lernen deshalb im Rahmen Ihrer Diabetesbehandlung, Insulin, Kohlenhydrate und Bewegung aufeinander abzustimmen.

Das Ziel lautet nicht, möglichst viel Sport zu treiben.

Das Ziel ist eine Form von Bewegung, die zu Ihnen passt und sicher in Ihren Alltag integriert werden kann.

Unterzuckerungen werden mit Beginn der Insulintherapie ein neues Thema

LADA selbst verursacht nicht automatisch Unterzuckerungen. Mit einer Insulintherapie kann der Blutzucker jedoch zu stark sinken, beispielsweise durch eine zu hohe Insulindosis, ungeplante Bewegung, eine ausgelassene Mahlzeit oder Alkohol.

Deshalb gehört zu einer guten Insulineinstellung immer auch eine Schulung zum Thema Hypoglykämie.

Sie sollten wissen, wie sich niedrige Werte bei Ihnen bemerkbar machen, schnell wirksame Kohlenhydrate dabeihaben und wissen, wie Sie reagieren. Bei einem hohen Risiko für schwere Unterzuckerungen kann auch ein Glukagon-Notfallpräparat wichtig sein.

Ein CGM kann zusätzliche Sicherheit geben, weil es vor fallenden Glukosewerten warnen kann.

Auch andere Autoimmunerkrankungen verdienen Aufmerksamkeit

Ein autoimmuner Typ-1-Diabetes tritt häufiger gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.

Besonders wichtig ist die Schilddrüse. Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow kommen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes häufiger vor. Deshalb empfiehlt die aktuelle Diabetesleitlinie, die Schilddrüse nach der Diagnose und später abhängig von der persönlichen Situation erneut zu kontrollieren.

Auch Zöliakie kommt häufiger vor. Dabei reagiert das Immunsystem auf Gluten und schädigt die Dünndarmschleimhaut. Bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes wird insbesondere bei passenden Beschwerden oder anderen Hinweisen eine Untersuchung empfohlen.

Ein Vitamin-B12-Mangel durch autoimmune Veränderungen der Magenschleimhaut kann ebenfalls häufiger auftreten. Weitere Autoimmunerkrankungen wie Vitiligo oder Morbus Addison sind möglich, aber deutlich seltener.

Das bedeutet nicht, dass Sie nun ständig nach neuen Erkrankungen suchen müssen.

Es bedeutet lediglich, dass bestimmte Beschwerden bei bekanntem autoimmunem Diabetes etwas gezielter eingeordnet werden können.

LADA ist nicht dasselbe wie MODY

Gerade weil beide Begriffe zu den weniger bekannten Diabetesformen gehören und häufiger bei jüngeren Erwachsenen diskutiert werden, werden sie manchmal verwechselt.

LADA und MODY haben jedoch völlig unterschiedliche Ursachen.

LADA ist ein Autoimmundiabetes. Das Immunsystem greift die insulinproduzierenden Zellen an.

MODY ist dagegen eine genetische Diabetesform, bei der eine bestimmte Veränderung der Erbinformation die Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinflusst. Es findet dabei nicht derselbe autoimmune Angriff statt.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil auch die Behandlung vollkommen unterschiedlich sein kann. Manche MODY-Formen benötigen gar keine Medikamente, andere sprechen besonders gut auf bestimmte Tabletten an. Beim LADA nimmt die eigene Insulinproduktion aufgrund der Autoimmunerkrankung dagegen mit der Zeit ab.

Ein Antikörpertest, die eigene Insulinproduktion, die Familiengeschichte und bei begründetem Verdacht eine genetische Untersuchung können helfen, solche unklaren Fälle voneinander zu unterscheiden.

LADA wird nicht einfach wie ein Gen von Eltern an Kinder weitergegeben

Auch dieser Unterschied zum MODY ist wichtig.

Bei einigen MODY-Formen kann eine bestimmte Genveränderung mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent an ein Kind weitergegeben werden.

Bei Typ-1-Diabetes beziehungsweise LADA funktioniert Vererbung nicht so einfach.

Es gibt eine genetische Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen, sodass Typ-1-Diabetes in manchen Familien häufiger vorkommt. Das bedeutet aber nicht, dass ein Kind eines Elternteils mit LADA automatisch eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für dieselbe Erkrankung hat.

Gene sind nur ein Teil des Risikos.

Deshalb braucht eine LADA-Diagnose nicht dieselbe Art von genetischer Familienuntersuchung wie ein bestätigter MODY.

Schwangerschaft mit LADA ist möglich und sollte gut vorbereitet werden

Eine LADA-Diagnose steht einer Schwangerschaft grundsätzlich nicht im Weg.

Sobald eine Frau mit LADA Insulin benötigt beziehungsweise einen autoimmunen Typ-1-Diabetes hat, gelten für Kinderwunsch und Schwangerschaft im Wesentlichen die Grundsätze der Betreuung bei Typ-1-Diabetes.

Eine geplante Schwangerschaft bietet die Möglichkeit, Glukosewerte, Medikamente, Folsäureversorgung und eventuell bestehende Folgeerkrankungen bereits vor der Empfängnis zu überprüfen. Während der Schwangerschaft werden Glukosewerte und Wachstum des Kindes engmaschiger begleitet.

Besonders wichtig ist, Medikamente nicht erst nach einem positiven Schwangerschaftstest eigenständig abzusetzen oder umzustellen. Ein Diabetes-Team und die Frauenarztpraxis können die Behandlung vorher gemeinsam planen.

Kann LADA verhindert werden?

Für einen Menschen, der bereits LADA entwickelt hat, gibt es derzeit keine Lebensstilmaßnahme, die die Autoimmunreaktion zuverlässig wieder rückgängig macht.

Sie hätten die Erkrankung also nicht durch eine andere Ernährung oder mehr Sport sicher verhindern können.

Das ist etwas anderes als die Frage, ob Herz-Kreislauf-Risiken oder eine zusätzliche Insulinresistenz beeinflusst werden können. Genau hier können Sie sehr wohl viel tun.

Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und eine gute Behandlung von Blutdruck und Blutfetten helfen dabei, den gesamten Körper langfristig zu schützen.

Der Sinn dieser Maßnahmen besteht nicht darin, sich die Verantwortung für die Entstehung von LADA aufzubürden.

Es geht darum, mit einer vorhandenen Erkrankung möglichst gesund zu leben.

Was ist mit neuen Therapien, die Typ-1-Diabetes verzögern können?

Vielleicht haben Sie bereits von Medikamenten gehört, die den Ausbruch eines Typ-1-Diabetes verzögern können.

Solche Behandlungen richten sich an ausgewählte Menschen, bei denen eine Autoimmunreaktion gegen die Betazellen bereits nachgewiesen wurde, bevor ein behandlungsbedürftiger Typ-1-Diabetes ausgebrochen ist.

Das ist eine andere Situation als ein bereits diagnostizierter LADA mit erhöhten Blutzuckerwerten.

Eine solche Therapie ersetzt bei bereits bestehendem Insulinmangel nicht die notwendige Insulinbehandlung.

Sie sollten deshalb Werbung oder Nachrichten über neue „Typ-1-Diabetes-Medikamente“ nicht automatisch als Behandlungsmöglichkeit für einen bereits vorhandenen LADA verstehen.

Welche Folgeerkrankungen können bei LADA entstehen?

Sobald Diabetes besteht, können langfristig dieselben Organe betroffen sein wie bei anderen Diabetesformen. Dauerhaft ungünstige Glukosewerte können kleine und große Blutgefäße belasten.

Dazu gehören Veränderungen an Augen, Nieren und Nerven. Auch Füße können durch Nervenschäden und Durchblutungsprobleme gefährdet werden. Gleichzeitig spielen Blutdruck und Blutfette eine große Rolle für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

LADA schützt also nicht deshalb vor Folgeerkrankungen, weil die Erkrankung langsam begonnen hat.

Andererseits bedeutet die Diagnose keineswegs, dass Folgeerkrankungen zwangsläufig entstehen.

Moderne Glukosemessung, Insulintherapie, Blutdruck- und Lipidbehandlung, regelmäßige Vorsorge und Nichtrauchen können das Risiko deutlich beeinflussen.

Gerade deshalb lohnt sich die korrekte Diagnose. Eine Behandlung, die zur tatsächlichen Diabetesform passt, schafft bessere Voraussetzungen für eine langfristig gute Einstellung.

Diabetes-Schulung ist gerade bei einem Wechsel der Diagnose besonders wichtig

Stellen Sie sich vor, Sie leben seit drei Jahren mit der Diagnose Typ-2-Diabetes. Sie kennen Ihre Tabletten, haben Ernährungsberatung erhalten und vielleicht nie intensiv über Insulin nachgedacht.

Nun lautet die Diagnose plötzlich LADA und eine Insulintherapie wird notwendig.

Das ist mehr als nur ein Medikamentenwechsel.

Sie müssen lernen, Insulin richtig zu dosieren, Glukosewerte zu beurteilen, Unterzuckerungen zu behandeln, Bewegung einzuplanen und gegebenenfalls Kohlenhydrate einzuschätzen. Vielleicht kommt ein Glukosesensor hinzu und Sie müssen sich zunächst an Alarme, Trendpfeile und neue Zahlen gewöhnen.

Eine strukturierte Diabetes-Schulung ist deshalb kein Zeichen dafür, dass Sie vorher etwas nicht verstanden haben.

Ihre Erkrankung hat eine neue Phase erreicht und Ihre Behandlung verändert sich.

Dafür dürfen Sie neue Unterstützung bekommen.

Vielleicht lohnt sich ein zweiter Blick auf Ihre bisherige Typ-2-Diagnose

Nicht jeder Erwachsene mit Typ-2-Diabetes braucht einen Antikörpertest.

Typ-2-Diabetes ist sehr häufig und in den meisten Fällen stimmt die Diagnose.

Ein genauerer Blick kann jedoch sinnvoll werden, sobald mehrere Dinge nicht richtig zusammenpassen.

Vielleicht wurde der Diabetes in relativ jungen Jahren festgestellt und Sie verloren gleichzeitig unbeabsichtigt Gewicht. Vielleicht gibt es persönliche oder familiäre Autoimmunerkrankungen. Vielleicht waren Sie bei der Diagnose nicht typisch insulinresistent. Vielleicht verschlechterten sich die Glukosewerte ungewöhnlich schnell oder eine ursprünglich gut funktionierende Behandlung reicht nach kurzer Zeit nicht mehr aus.

Auch Ketone oder eine Ketoazidose bei einem vermeintlichen Typ-2-Diabetes sollten die Diabetesform erneut auf den Prüfstand stellen.

Die aktuellen internationalen Empfehlungen nennen genau solche Überschneidungen als Anlass, bei Erwachsenen Autoantikörper zur Einordnung der Diabetesform zu bestimmen.

Eine sehr einfache Frage in Ihrer Diabetespraxis kann deshalb lauten:

„Passt mein Verlauf wirklich zu Typ-2-Diabetes oder sollte man einmal überprüfen, ob ein autoimmuner Diabetes vorliegt?“

Was Sie nach einer LADA-Diagnose nicht tun sollten

Eine neue Diagnose kann dazu verleiten, alles sofort verändern zu wollen.

Bitte setzen Sie Diabetesmedikamente nicht selbst ab und verändern Sie eine Insulindosis nicht aufgrund eines Internetartikels.

Auch der Gedanke „Jetzt weiß ich, dass es Typ 1 ist, also brauche ich sofort sehr viel Insulin“ wäre falsch. Die benötigte Behandlung hängt davon ab, wie viel eigenes Insulin noch vorhanden ist und wie sich Ihre Werte entwickeln.

Ebenso sollten Sie nicht versuchen, die Autoimmunerkrankung mit extremen Diäten, Nahrungsergänzungsmitteln oder angeblichen „Beta-Zell-Kuren“ selbst zu behandeln.

Für solche Versprechen gibt es keine zuverlässige Grundlage.

Eine gute LADA-Behandlung ist häufig erstaunlich unspektakulär: die Diabetesform richtig erkennen, die eigene Insulinproduktion sinnvoll beobachten, Insulin zum richtigen Zeitpunkt einsetzen, moderne Technik nutzen, Risikofaktoren behandeln und regelmäßige Vorsorge wahrnehmen.

Wann Sie schnell medizinische Hilfe brauchen

Ein langsam verlaufender LADA kann irgendwann in einen deutlichen Insulinmangel übergehen. Deshalb sollten bestimmte Veränderungen nicht bis zum nächsten regulären Kontrolltermin warten.

Stark zunehmender Durst, sehr häufiges Wasserlassen, deutlicher unbeabsichtigter Gewichtsverlust und anhaltend sehr hohe Glukosewerte können anzeigen, dass die vorhandene Insulinmenge nicht mehr ausreicht.

Übelkeit, wiederholtes Erbrechen, Bauchschmerzen, ungewöhnlich tiefe Atmung, starke Schwäche, Benommenheit oder ein auffällig fruchtig beziehungsweise acetonartig riechender Atem können auf eine Ketoazidose hinweisen.

Das braucht eine sofortige medizinische Abklärung.

Gerade eine Person mit vermeintlichem Typ-2-Diabetes und plötzlich rascher Verschlechterung sollte nicht einfach mehrere Tage darauf warten, ob eine höhere Tablettendosis noch Wirkung zeigt.

LADA kann auch nach vielen Jahren noch erkannt werden

Vielleicht denken Sie: „Meine Typ-2-Diagnose ist schon zehn Jahre alt. Jetzt lohnt sich die Frage doch nicht mehr.“

Doch, sie kann sich durchaus noch lohnen.

Die richtige Klassifikation kann beeinflussen, welche Medikamente sinnvoll sind, wie hoch das Risiko eines Insulinmangels eingeschätzt wird und welche Schulung beziehungsweise Diabetestechnik infrage kommt.

Bei bereits insulinbehandelten Menschen kann das C-Peptid zusätzlich Hinweise auf die noch vorhandene Eigenproduktion liefern. Vor einem möglichen Absetzen von Insulin bei unklarer Diabetesform muss eine schwere Insulinunterversorgung ausgeschlossen werden. Genau darauf weisen die aktuellen Standards ausdrücklich hin.

Auch nach Jahren darf also die Frage gestellt werden, ob eine alte Diabetesdiagnose noch zum heutigen Krankheitsverlauf passt.

Fazit: Ein Diabetes im Erwachsenenalter ist nicht automatisch Typ 2

LADA zeigt sehr deutlich, warum Diabetes nicht allein nach dem Lebensalter eingeordnet werden sollte. Typ-1-Diabetes kann auch mit 30, 50 oder 70 Jahren beginnen. Bei Erwachsenen verläuft die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen teilweise so langsam, dass zunächst noch ausreichend eigenes Insulin vorhanden ist. Genau dadurch kann die Erkrankung über Monate oder Jahre wie ein Typ-2-Diabetes aussehen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Ursache. Beim LADA richtet sich das Immunsystem gegen die insulinproduzierenden Betazellen. Die eigene Insulinproduktion nimmt dadurch mit der Zeit ab. Beim klassischen Typ-2-Diabetes stehen dagegen zunächst meist Insulinresistenz und eine allmählich unzureichende Insulinbereitstellung ohne diesen typischen Autoimmunprozess im Vordergrund.

LADA können Sie niemandem ansehen. Schlanke Menschen können betroffen sein, aber ebenso Menschen mit Übergewicht. Auch Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder eine zusätzliche Insulinresistenz schließen LADA nicht aus.

Ein ungewöhnlicher Verlauf darf deshalb genauer untersucht werden.

Autoantikörper können Hinweise auf die Autoimmunreaktion geben. Besonders GAD-Antikörper werden bei Erwachsenen zuerst untersucht. Weitere Antikörpertests können bei weiterhin bestehendem Verdacht folgen. Ein C-Peptid-Test hilft bei geeigneter Fragestellung einzuschätzen, wie viel körpereigenes Insulin noch vorhanden ist. Kein einzelner dieser Werte sollte isoliert betrachtet werden.

Auch die Behandlung richtet sich nach dem tatsächlichen Verlauf. Insulin ist notwendig, sobald der eigene Körper nicht mehr genügend davon bereitstellt. Eine anfängliche Behandlung ohne Insulin kann bei ausreichend vorhandener Eigenproduktion möglich sein, bedeutet jedoch nicht, dass die Autoimmunerkrankung verschwunden ist.

Vor allem ist eine spätere Insulintherapie kein Zeichen dafür, dass Sie zuvor schlecht gegessen oder sich zu wenig bewegt haben.

Die Bauchspeicheldrüse produziert zunehmend weniger Insulin.

Sie ersetzen mit der Behandlung lediglich das, was Ihr Körper nicht mehr ausreichend selbst herstellen kann.

Ernährung, Bewegung, Schlaf und Nichtrauchen bleiben trotzdem wertvoll. Sie unterstützen Herz, Gefäße, Gewicht, Insulinwirkung und die allgemeine Gesundheit. Eine besondere „LADA-Diät“, mit der sich die Autoimmunerkrankung stoppen lässt, gibt es jedoch nicht.

Achten sollten Sie außerdem auf andere Autoimmunerkrankungen, besonders Veränderungen der Schilddrüse. Auch Zöliakie oder ein bestimmter Vitamin-B12-Mangel kommen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes häufiger vor und werden bei entsprechenden Beschwerden gezielt abgeklärt.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft:

Ein Diabetes, der im Erwachsenenalter beginnt, verdient genauso eine genaue Einordnung wie ein Diabetes bei einem Kind.

Haben Sie die Diagnose Typ-2-Diabetes bekommen und irgendetwas passt seit Jahren nicht so recht dazu, dürfen Sie das ansprechen. Ein ungewöhnlich schneller Verlust der Blutzuckerkontrolle, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, andere Autoimmunerkrankungen, Ketone oder eine frühe Notwendigkeit von Insulin sind gute Gründe, noch einmal genauer hinzuschauen.

Denn eine Diabetesdiagnose beantwortet zunächst nur die Frage, dass Ihr Zuckerstoffwechsel verändert ist.

Für die richtige Behandlung ist manchmal eine zweite Frage genauso wichtig:

Warum ist er verändert?

 


Quellen und medizinische Fachinformationen

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Die aktuellen Praxisempfehlungen der DDG wurden im Januar 2026 veröffentlicht. Sie behandeln Klassifikation, Diagnostik und Therapie der verschiedenen Diabetesformen und bilden zusammen mit der deutschen S3-Leitlinie die wesentliche Grundlage für die Versorgung von Menschen mit Typ-1-Diabetes.

Deutsche S3-Leitlinie zur Therapie des Typ-1-Diabetes: Die Leitlinie ordnet LADA ausdrücklich in den Typ-1-Diabetes ein und weist darauf hin, dass sich der autoimmune Insulinmangel bei Erwachsenen über Monate bis Jahre entwickeln kann.

American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Die aktuellen Standards ordnen LADA dem autoimmunen Typ-1-Diabetes zu und beschreiben das Vorgehen bei unklarer Diabetesform im Erwachsenenalter mit Autoantikörper- und C-Peptid-Diagnostik.

Diabinfo – Deutsches Diabetes-Zentrum, Helmholtz Munich und Deutsches Zentrum für Diabetesforschung: Die Fachinformation beschreibt LADA als verzögert einsetzenden autoimmunen Diabetes im Erwachsenenalter und erklärt Diagnostik und Behandlung für Patientinnen und Patienten verständlich.

ADA – Begleiterkrankungen bei Typ-1-Diabetes: Die aktuellen Empfehlungen berücksichtigen insbesondere autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Zöliakie und weitere Autoimmunerkrankungen, die bei Typ-1-Diabetes häufiger auftreten können.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle diabetologische Untersuchung oder Behandlung. LADA kann nicht anhand des Körpergewichts, des Alters oder eines einzelnen Blutzuckerwertes sicher festgestellt werden. Zur Einordnung gehören die gesamte Krankheitsgeschichte und bei begründetem Verdacht spezielle Laboruntersuchungen.

Verändern Sie Insulin oder andere Diabetesmedikamente nicht eigenständig aufgrund eines LADA-Verdachts. Eine rasche Verschlechterung der Glukosewerte, ausgeprägter Durst, häufiges Wasserlassen und deutlicher Gewichtsverlust sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, auffällig tiefe Atmung, starke Benommenheit oder andere Hinweise auf eine mögliche Ketoazidose benötigen sofortige medizinische Hilfe.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Stand

August 2026

 

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