Die Schwangerschaft ist ohnehin eine Zeit, in der sich plötzlich vieles um Untersuchungen, Blutwerte und Vorsorgetermine dreht. Und dann kommt bei einer Routineuntersuchung vielleicht noch der Satz hinzu: „Der Zuckertest war auffällig.“ Viele Frauen sind davon zunächst völlig überrascht. Sie fühlen sich gesund, haben keine Beschwerden und fragen sich, wie sie plötzlich Diabetes haben können. Manche machen sich sofort Sorgen um ihr Baby, andere fragen sich, ob sie in den vergangenen Monaten etwas falsch gegessen haben oder ob sie nun für den Rest ihres Lebens Diabetes haben werden.
Genau diese Sorgen möchte ich Ihnen gleich zu Beginn nehmen. Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht automatisch, dass Sie dauerhaft an Diabetes erkrankt sind, und die Diagnose bedeutet auch nicht, dass mit Ihrem Kind etwas nicht stimmt. Bei den meisten Frauen verläuft die Schwangerschaft trotz Schwangerschaftsdiabetes gut und die Kinder kommen gesund zur Welt. Wichtig ist vor allem, dass die erhöhten Blutzuckerwerte erkannt werden und Sie gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam darauf reagieren. Genau darin liegt der große Vorteil des Zuckertests: Eine Veränderung, die Sie selbst häufig überhaupt nicht spüren würden, wird rechtzeitig entdeckt und kann behandelt werden.
Schwangerschaftsdiabetes wird medizinisch auch Gestationsdiabetes genannt. Gemeint ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die erstmals während der Schwangerschaft festgestellt wird und nicht bereits die Kriterien eines eindeutig bestehenden Diabetes erfüllt. Nach der Geburt normalisieren sich die Werte bei vielen Frauen wieder. Die Diagnose sollte trotzdem ernst genommen werden, weil sie sowohl für die aktuelle Schwangerschaft als auch für Ihre spätere Gesundheit wichtige Informationen liefert.
Warum verändert sich der Blutzucker überhaupt während der Schwangerschaft?
Während einer Schwangerschaft verändert Ihr Körper seinen Stoffwechsel, damit Ihr Baby zuverlässig mit Energie versorgt wird. Ein wichtiger Energielieferant ist Glukose, also Zucker, der über Ihr Blut zur Plazenta und damit zum Kind gelangt. Damit genügend Energie für das wachsende Baby verfügbar bleibt, sorgen Schwangerschaftshormone im Verlauf der Schwangerschaft dafür, dass das körpereigene Insulin nicht mehr ganz so stark wirkt wie zuvor.
Insulin ist ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse. Es hilft dabei, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufzunehmen. Während der Schwangerschaft reagieren die Körperzellen natürlicherweise etwas weniger empfindlich auf Insulin. Dieser Vorgang gehört bis zu einem gewissen Grad zu einer normalen Schwangerschaft und wird besonders in der zweiten Hälfte stärker.
Ihre Bauchspeicheldrüse reagiert darauf normalerweise, indem sie mehr Insulin produziert. Bei manchen Frauen reicht diese zusätzliche Insulinmenge jedoch nicht vollständig aus. Die Glukose wird dadurch langsamer aus dem Blut aufgenommen und der Blutzucker steigt stärker an als vorgesehen. Genau in dieser Situation entsteht ein Schwangerschaftsdiabetes.
Sie haben also nicht plötzlich „zu viel Zucker gegessen und deshalb Diabetes bekommen“. Ernährung kann den Blutzucker natürlich beeinflussen und auch das Körpergewicht spielt für das Risiko eine Rolle, aber die Entstehung ist deutlich komplexer. Schwangerschaftshormone, die persönliche Veranlagung, die Insulinempfindlichkeit und die Leistungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse wirken zusammen.
Vielleicht fragen Sie sich: Warum passiert das meiner Freundin nicht, obwohl sie sich ähnlich ernährt wie ich?Genau deshalb. Zwei Frauen können nahezu gleich essen und sich ähnlich viel bewegen und trotzdem unterschiedlich auf die hormonellen Veränderungen der Schwangerschaft reagieren.
Schwangerschaftsdiabetes kann jede Schwangere betreffen
Es gibt Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Dazu gehören beispielsweise ein bereits früher durchgemachter Schwangerschaftsdiabetes, Diabetes bei nahen Familienangehörigen, höheres Körpergewicht vor der Schwangerschaft, ein höheres mütterliches Alter und bestimmte Stoffwechselerkrankungen. Auch ein sehr großes Kind in einer früheren Schwangerschaft kann ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Schwangerschaftsdiabetes ausschließlich Frauen mit Übergewicht oder über 35 betrifft. Er kann auch bei jungen, schlanken und sportlichen Frauen auftreten.
Umgekehrt entwickelt nicht jede Frau mit mehreren Risikofaktoren einen Schwangerschaftsdiabetes.
Die Diagnose ist deshalb kein Urteil über Ihren Lebensstil.
Aktuelle deutsche Daten zeigen, dass Schwangerschaftsdiabetes keineswegs selten ist. In der Perinatalstatistik wurde er zuletzt bei ungefähr 9,6 Prozent der Schwangerschaften dokumentiert – also grob bei jeder zehnten Schwangeren.
Weshalb Sie Schwangerschaftsdiabetes meistens überhaupt nicht bemerken
Ein gewöhnlicher Typ-1- oder stark ausgeprägter Typ-2-Diabetes kann mit großem Durst, häufigem Wasserlassen, Müdigkeit und Leistungsschwäche auffallen. Beim Schwangerschaftsdiabetes fehlen solche deutlichen Warnzeichen meistens.
Das macht die Erkrankung einerseits harmloser im Alltag, andererseits aber auch schwer zu erkennen. Müdigkeit oder häufigeres Wasserlassen würden während einer Schwangerschaft ohnehin kaum jemanden sofort an Diabetes denken lassen. Erst sehr deutlich erhöhte Werte können stärkeren Durst, Schwäche oder andere Beschwerden hervorrufen.
Deshalb lässt sich Schwangerschaftsdiabetes nicht zuverlässig daran erkennen, wie Sie sich fühlen.
Auch Zucker im Urin reicht nicht für eine sichere Diagnose. Entscheidend ist eine gezielte Untersuchung des Blutzuckers.
Deshalb gibt es den Zuckertest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche
In Deutschland wird jeder Schwangeren ohne bereits bekannten Diabetes eine Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten. Der vorgesehene Zeitraum liegt zwischen 24+0 und 27+6 Schwangerschaftswochen, also ungefähr zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. In der gesetzlichen Vorsorge erfolgt dieses Screening normalerweise in zwei Schritten.
Beim ersten Test müssen Sie nicht nüchtern sein. Sie trinken eine Lösung mit 50 Gramm Glukose. Eine Stunde später wird Blut aus einer Vene abgenommen und die Glukose bestimmt. Ein Wert unter 135 mg/dl gilt bei diesem Suchtest als unauffällig.
Ein Wert ab 135 mg/dl bedeutet noch nicht, dass Sie Schwangerschaftsdiabetes haben. Er bedeutet lediglich, dass genauer hingeschaut werden sollte. Anschließend folgt deshalb der eigentliche diagnostische Test mit 75 Gramm Glukose.
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Ein auffälliger kleiner Zuckertest ist noch keine Diabetesdiagnose. Er zeigt lediglich, dass der genauere 75-Gramm-Zuckertest sinnvoll ist.
Der große Zuckertest entscheidet über die Diagnose
Für den 75-Gramm-Test müssen Sie nüchtern in die Praxis kommen. Das bedeutet normalerweise, mindestens acht Stunden vorher nichts zu essen. Zu Beginn wird Blut aus der Vene abgenommen. Anschließend trinken Sie die Glukoselösung. Nach einer Stunde und nach zwei Stunden wird erneut Blut abgenommen.
Für die Diagnose gelten derzeit folgende Werte:
| Zeitpunkt | Schwangerschaftsdiabetes ab |
|---|---|
| nüchtern | 92 mg/dl (5,1 mmol/l) |
| nach 1 Stunde | 180 mg/dl (10,0 mmol/l) |
| nach 2 Stunden | 153 mg/dl (8,5 mmol/l) |
Bereits einer dieser drei Werte reicht für die Diagnose aus. Die Messungen müssen unter geeigneten Bedingungen aus venösem Blut durchgeführt werden. Ein normales Blutzuckermessgerät für die Selbstmessung zu Hause ist nicht dafür gedacht, diese Diagnose zu stellen.
Sehr viel höhere Werte können außerdem darauf hinweisen, dass nicht nur ein typischer Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, sondern möglicherweise bereits ein anderer Diabetes besteht, der während der Schwangerschaft erstmals entdeckt wurde. Ein Nüchternwert ab 126 mg/dl oder ein Zwei-Stunden-Wert ab 200 mg/dl muss deshalb anders eingeordnet und weiter abgeklärt werden.
Manche Frauen werden bereits zu Beginn der Schwangerschaft genauer untersucht
Bei einem deutlich erhöhten Diabetesrisiko kann eine Untersuchung bereits bei der ersten Vorstellung in der Schwangerschaft sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise ein früherer Schwangerschaftsdiabetes, eine ausgeprägte familiäre Belastung oder andere deutliche Risikofaktoren. Dabei soll vor allem ausgeschlossen werden, dass bereits vor der Schwangerschaft ein bislang unbemerkter Diabetes bestand.
Ein unauffälliger Test zu Beginn der Schwangerschaft ersetzt jedoch nicht automatisch das spätere Screening. Der Stoffwechsel verändert sich während der Schwangerschaft weiter, sodass der reguläre Test zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche trotzdem wichtig bleibt.
Eine Besonderheit besteht nach bestimmten Magenverkleinerungs- beziehungsweise bariatrischen Operationen. Der übliche Glukosebelastungstest kann dort starke Beschwerden durch ein sogenanntes Dumping auslösen und ungeeignet sein. In solchen Situationen werden die Glukosewerte über mehrere Tage zu verschiedenen Zeiten kontrolliert.
Die Diagnose ist da – was passiert jetzt?
Der Begriff Diabetes löst verständlicherweise zunächst Sorgen aus. Viele Frauen denken sofort an Spritzen, strenge Diäten oder eine komplizierte Risikoschwangerschaft.
In der Realität beginnt die Behandlung wesentlich ruhiger.
Zunächst wird gemeinsam geschaut, wie Ihre Blutzuckerwerte im Alltag aussehen, was Sie normalerweise essen, wie Sie sich bewegen, wie sich Ihr Gewicht entwickelt und wie Ihr Baby wächst. Sie lernen, Ihren Blutzucker selbst zu messen. Bei den meisten Frauen lässt sich bereits durch eine angepasste Ernährung und regelmäßige Bewegung eine gute Einstellung erreichen. Nur ein Teil benötigt zusätzlich Insulin. Genau dieses Vorgehen beschreibt auch die aktuelle Patienteninformation: Ernährungsanpassung und schwangerschaftsgerechte Bewegung reichen bei vielen Frauen aus, während eine medikamentöse Behandlung nur bei einem Teil notwendig wird.
Das Ziel besteht nicht darin, Sie mit möglichst vielen Regeln durch die restliche Schwangerschaft zu schicken. Es geht darum, Ihre Werte in einen günstigen Bereich zu bringen und gleichzeitig sicherzustellen, dass Sie und Ihr Baby ausreichend Energie und Nährstoffe erhalten.
Blutzucker messen: Sie brauchen keinen ganzen Tag voller Messungen
Zu Beginn der Behandlung wird häufig für ein bis zwei Wochen ein sogenanntes Vier-Punkte-Profil durchgeführt. Dabei messen Sie morgens nüchtern und nach den drei Hauptmahlzeiten. So lässt sich erkennen, zu welcher Tageszeit Ihre Werte besonders reagieren.
Bei stabil guten Werten kann die Zahl der Messungen anschließend reduziert werden. Die aktuellen Empfehlungen betonen ausdrücklich, dass nur so häufig gemessen werden sollte, wie es für die Therapie tatsächlich notwendig ist. Sie sollen also nicht den gesamten Tag damit verbringen, ständig Ihren Blutzucker zu kontrollieren.
Als Orientierung gelten derzeit meist folgende Behandlungsziele: nüchtern beziehungsweise vor dem Essen höchstens etwa 95 mg/dl, eine Stunde nach Beginn einer Mahlzeit unter 140 mg/dl und zwei Stunden nach Beginn einer Mahlzeit unter 120 mg/dl.
Diese Werte sind trotzdem keine Schulnoten. Einzelne Abweichungen können vorkommen. Entscheidend ist das Muster über mehrere Messungen und gleichzeitig die Entwicklung Ihres Babys. Deshalb sollte nicht aufgrund eines einzelnen etwas höheren Wertes sofort die gesamte Therapie umgestellt werden.
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Ein einzelner erhöhter Wert bedeutet nicht, dass Ihre Behandlung gescheitert ist. Entscheidend ist, wie sich Ihre Werte insgesamt entwickeln und wie Ihr Baby wächst.
Essen bei Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht, dass Kohlenhydrate verboten sind
Nach der Diagnose beginnt häufig die Suche nach Listen: Was darf ich noch essen? Darf ich Brot? Sind Kartoffeln verboten? Was ist mit Obst? Muss ich ab sofort auf Zucker vollkommen verzichten?
So sollte Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes nicht funktionieren.
Ihr Baby braucht Energie und Nährstoffe. Eine Schwangerschaft ist deshalb nicht der richtige Zeitpunkt für eine radikale Diät oder eine extreme kohlenhydratarme Ernährung. Die aktuellen DDG-Empfehlungen betonen ausdrücklich, dass die Ernährung kalorisch ausreichend und an den Nährstoffbedarf der Schwangerschaft angepasst sein muss.
Sinnvoll ist vielmehr, darauf zu achten, wie schnell Kohlenhydrate den Blutzucker ansteigen lassen und wie sie über den Tag verteilt werden. Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Gemüse, Naturjoghurt, Nüsse und andere wenig verarbeitete Lebensmittel passen meist besser in den Alltag als große Mengen Weißmehlprodukte, Süßigkeiten oder zuckerhaltige Getränke.
Besonders Getränke verdienen Aufmerksamkeit. Saft, Limonade, Eistee und andere gesüßte Getränke liefern Zucker in einer Form, die sehr schnell aufgenommen wird. Wasser und ungesüßte Getränke sind deshalb im Alltag die einfachere Wahl.
Obst müssen Sie dagegen nicht grundsätzlich streichen. Es liefert Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe und gehört zu einer ausgewogenen Schwangerschaftsernährung. Menge, Sorte und Kombination mit anderen Lebensmitteln können jedoch beeinflussen, wie stark Ihr Blutzucker darauf reagiert.
Vielleicht merken Sie beispielsweise, dass ein bestimmtes Frühstück Ihre Werte deutlich stärker erhöht als dasselbe Lebensmittel am Nachmittag. Das ist bei Schwangerschaftsdiabetes nicht ungewöhnlich. Gerade morgens reagieren viele Frauen empfindlicher auf größere Kohlenhydratmengen. Eine Ernährungsberatung kann helfen, Ihre Mahlzeiten so anzupassen, dass Sie weiterhin gern essen und trotzdem gute Werte erreichen.
Bitte machen Sie keine Hungerkur
Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes führt gelegentlich dazu, dass Frauen aus Angst vor hohen Werten plötzlich sehr wenig essen oder Kohlenhydrate fast vollständig meiden.
Das ist nicht sinnvoll.
Ihr Körper befindet sich mitten in einer Schwangerschaft und Ihr Baby wächst. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu essen, sondern anders zusammenzustellen und sinnvoll zu verteilen. Zu wenig Energie oder eine sehr starke Kohlenhydratreduktion kann ebenfalls ungünstig sein.
Auch die Gewichtsentwicklung sollte deshalb individuell beurteilt werden. Wie viel Gewicht während einer Schwangerschaft sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Gewicht vor der Schwangerschaft ab. Ihre Frauenärztin, Ihr Frauenarzt oder Ihre Ernährungsberatung kann den Verlauf gemeinsam mit Ihnen einordnen.
Bitte versuchen Sie nicht, nach einer allgemeinen Internet-Tabelle auf eigene Faust möglichst wenig zuzunehmen.
Bewegung kann den Blutzucker erstaunlich schnell beeinflussen
Ihre Muskulatur kann bei Bewegung Glukose aufnehmen. Deshalb kann schon ein Spaziergang nach einer Mahlzeit dazu beitragen, dass der Blutzucker weniger stark steigt.
Sie brauchen dafür kein anstrengendes Trainingsprogramm. Die aktuellen Empfehlungen nennen beispielsweise zügiges Gehen für ungefähr 30 Minuten an mindestens drei Tagen pro Woche als eine einfache Möglichkeit. Auch kleinere Bewegungseinheiten nach Mahlzeiten können günstig sein.
Natürlich muss Bewegung zur Schwangerschaft passen. Blutungen, vorzeitige Wehen, bestimmte Plazentaprobleme und weitere Schwangerschaftskomplikationen können eine Anpassung oder Pause notwendig machen. Ihr frauenärztliches Team sollte deshalb wissen, welche sportlichen Aktivitäten Sie durchführen möchten.
Für viele Frauen funktioniert schon ein ganz praktischer Ansatz: Nach dem Mittag- oder Abendessen nicht sofort auf das Sofa, sondern noch eine kleine Runde spazieren.
Insulin bedeutet nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben
Trotz einer guten Ernährung und regelmäßiger Bewegung bleiben bei manchen Frauen die Werte über dem gewünschten Bereich. Der Grund liegt häufig schlicht darin, dass die Wirkung der Schwangerschaftshormone mit fortschreitender Schwangerschaft zunimmt.
In dieser Situation kann Insulin notwendig werden.
Ungefähr 20 bis 30 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes benötigen nach den aktuellen DDG-Empfehlungen Insulin. Die Entscheidung richtet sich nicht ausschließlich nach einem einzelnen Messwert. Mehrere Werte, die Entwicklung über ein bis zwei Wochen und das Wachstum des Kindes werden gemeinsam berücksichtigt.
Insulin ist ein Hormon, das Ihr Körper ohnehin selbst produziert. Das gespritzte Insulin gelangt nicht in relevanter Weise über die Plazenta zum Kind. Es hilft vielmehr dabei, Ihren Blutzucker zu senken und damit die Menge an Glukose zu reduzieren, die das Baby erreicht.
Manche Frauen benötigen lediglich abends ein lang wirkendes Insulin, weil vor allem der morgendliche Nüchternwert erhöht ist. Andere brauchen zusätzlich ein kurzwirksames Insulin zu einzelnen Mahlzeiten.
Und ganz wichtig: Eine Insulinbehandlung sagt nichts darüber aus, wie „gut“ Sie Ihre Ernährung umgesetzt haben.
Die Bauchspeicheldrüse einer Frau kann die zunehmende Insulinresistenz allein ausgleichen, die einer anderen nicht. Das ist kein Wettbewerb.
Was ist mit Tabletten wie Metformin?
Hier gibt es inzwischen viel Verwirrung, weil häufig zu lesen ist, Metformin sei inzwischen in der Schwangerschaft zugelassen.
Diese Aussage braucht eine wichtige Ergänzung.
Die Zulassung bestimmter Metforminpräparate betrifft die Anwendung bei bereits bestehendem Typ-2-Diabetes, nicht automatisch die Behandlung eines reinen Schwangerschaftsdiabetes. Für Gestationsdiabetes ist Metformin in Deutschland weiterhin keine regulär zugelassene Standardtherapie. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft weist ausdrücklich darauf hin.
In besonderen Situationen kann Metformin nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung eingesetzt werden, beispielsweise bei sehr ausgeprägter Insulinresistenz. Dies geschieht beim Schwangerschaftsdiabetes jedoch als sogenannter Off-Label-Use, über den Sie vorher informiert werden müssen. Metformin kann außerdem die Plazenta passieren, während Insulin dies nicht tut.
Andere moderne Diabetesmedikamente wie GLP-1-Rezeptoragonisten gehören nicht zur Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes.
Warum ein zu hoher Blutzucker das Wachstum des Babys beeinflussen kann
Glukose aus Ihrem Blut kann über die Plazenta zum Baby gelangen. Insulin aus Ihrem Körper gelangt dagegen nicht einfach mit hinüber.
Erhält das Baby dauerhaft mehr Glukose, reagiert seine eigene Bauchspeicheldrüse darauf und produziert mehr Insulin. Insulin senkt beim Baby nicht nur den Blutzucker, sondern unterstützt auch Wachstum und Fettaufbau.
Dadurch kann das Kind stärker zunehmen, besonders im Bereich des Rumpfes und Bauches. Ein sehr großes Kind kann eine vaginale Geburt erschweren und das Risiko erhöhen, dass die Schultern während der Geburt schwieriger durch das Becken gelangen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Kind einer Mutter mit Schwangerschaftsdiabetes zu groß wird. Genau deshalb wird das Wachstum im Ultraschall beobachtet und die Behandlung an die persönliche Entwicklung angepasst.
Was bedeutet die Diagnose für Ihr Baby direkt nach der Geburt?
Während der Schwangerschaft hat sich die Bauchspeicheldrüse des Babys möglicherweise daran gewöhnt, etwas mehr Insulin herzustellen. Nach der Geburt wird die Versorgung über die Plazenta plötzlich beendet. Die hohe Insulinwirkung kann jedoch zunächst noch vorhanden sein.
Dadurch kann der Blutzucker des Babys nach der Geburt zu stark absinken.
Deshalb werden Neugeborene nach Schwangerschaftsdiabetes aufmerksam beobachtet und abhängig von der Situation werden ihre Glukosewerte kontrolliert. Ein früher Stillbeginn beziehungsweise eine frühe Nahrungsaufnahme hilft dabei, die Glukoseversorgung zu stabilisieren.
Bei stärker ausgeprägtem Schwangerschaftsdiabetes können außerdem Atemanpassungsprobleme oder eine stärkere Neugeborenengelbsucht häufiger vorkommen. Trotzdem gilt: Die große Mehrheit der Kinder kommt gesund zur Welt.
Eine gute Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes reduziert die Risiken deutlich.
Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht automatisch Kaiserschnitt
Eine weitere häufige Sorge lautet: „Jetzt muss ich bestimmt einen Kaiserschnitt bekommen.“
Nein. Schwangerschaftsdiabetes allein ist kein Grund für einen automatischen Kaiserschnitt.
Für die Geburtsplanung spielen Ihre Blutzuckerwerte, eine mögliche Insulinbehandlung, weitere Schwangerschaftserkrankungen und besonders das geschätzte Gewicht und die Körperproportionen des Babys eine Rolle. Ultraschallmessungen sind dabei hilfreich, können das tatsächliche Geburtsgewicht jedoch nicht grammgenau vorhersagen.
Bei einem geschätzten Geburtsgewicht ab etwa 4.500 Gramm steigt das Risiko einer Schulterkomplikation so deutlich, dass nach den aktuellen DDG-Empfehlungen ein geplanter Kaiserschnitt empfohlen werden sollte. Zwischen etwa 4.000 und 4.499 Gramm erfolgt eine individuelle Beratung über die Vor- und Nachteile.
Auch der Geburtstermin wird individuell geplant. Eine Einleitung deutlich vor der 39. Schwangerschaftswoche ist allein wegen Schwangerschaftsdiabetes normalerweise nicht das Ziel. Bei insulinpflichtigem Gestationsdiabetes kann eine Einleitung in der 40. Schwangerschaftswoche angeboten werden. Wachstum des Kindes, Blutzuckereinstellung und weitere Befunde können die Planung verändern.
Warum zusätzliche Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein können
Ihr Behandlungsteam interessiert sich nicht nur für Ihre Messwerte. Genauso wichtig ist die Frage, wie Ihr Baby wächst.
Im letzten Schwangerschaftsdrittel wird deshalb je nach Verlauf häufiger kontrolliert, ob das Wachstum zur Schwangerschaftswoche passt und ob insbesondere der Bauchumfang ungewöhnlich stark zunimmt. Auch vor der Geburt kann eine Gewichtsschätzung hilfreich sein.
Das bedeutet nicht, dass bei jeder Frau mit Schwangerschaftsdiabetes ständig zusätzliche Spezialuntersuchungen notwendig sind. Wie engmaschig untersucht wird, richtet sich nach der Stärke der Stoffwechselveränderung, einer möglichen Insulinbehandlung und weiteren Risikofaktoren.
Welche Risiken bestehen für Sie als Mutter?
Die meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes erleben eine normale Schwangerschaft. Bestimmte Probleme treten trotzdem etwas häufiger auf.
Dazu gehört vor allem Schwangerschaftsbluthochdruck und Präeklampsie. Bei einer Präeklampsie steigt der Blutdruck und weitere Veränderungen können hinzukommen. Auch Harnwegs- und vaginale Infektionen sowie Kaiserschnittgeburten kommen häufiger vor. Bei sehr großen Kindern kann außerdem das Risiko für Geburtsverletzungen steigen.
Solche Informationen sollen nicht bedeuten, dass Sie nun mit einer komplizierten Schwangerschaft rechnen müssen. Sie erklären vielmehr, weshalb Ihre Frauenarztpraxis Blutdruck, Urin, Wachstum des Kindes und Blutzucker etwas genauer im Blick behält.
Das spätere Risiko Ihres Kindes sollte nicht als festgeschrieben betrachtet werden
Häufig liest man, Kinder nach Schwangerschaftsdiabetes würden später automatisch häufiger übergewichtig oder an Typ-2-Diabetes erkranken.
Ganz so einfach ist es nicht.
Die aktuellen DDG-Empfehlungen weisen ausdrücklich darauf hin, dass nicht sicher getrennt werden kann, welcher Anteil langfristiger Veränderungen tatsächlich durch den Schwangerschaftsdiabetes selbst entsteht. Auch familiäre Veranlagung, das Körpergewicht von Mutter und Vater sowie gemeinsame Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten spielen eine große Rolle.
Das ist eine wichtige Botschaft.
Die Schwangerschaft schreibt nicht die gesundheitliche Zukunft Ihres Kindes fest.
Ein gesundheitsförderlicher Familienalltag nach der Geburt, normale Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein entspanntes Verhältnis zu Essen sind langfristig wesentlich sinnvoller, als das Kind später als „Diabetes-Risikokind“ zu behandeln.
Nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes meistens – die Geschichte ist trotzdem noch nicht ganz vorbei
Mit der Geburt fällt der Einfluss vieler Schwangerschaftshormone sehr schnell weg. Dadurch verbessert sich die Insulinwirkung wieder deutlich. Eine während der Schwangerschaft begonnene Insulinbehandlung wird bei einem typischen Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt normalerweise beendet.
Das ist für viele Frauen zunächst die erhoffte Nachricht.
Trotzdem sollte die Nachsorge nicht in Windeln, Stillen und schlaflosen Nächten untergehen.
Frauen nach Schwangerschaftsdiabetes haben langfristig ein deutlich höheres Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Die aktuellen DDG-Empfehlungen sprechen von einem ungefähr sieben- bis achtfach erhöhten Risikogegenüber Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Innerhalb von zehn Jahren entwickelt nach den dort zugrunde gelegten Daten etwa ein Drittel bis über die Hälfte der betroffenen Frauen einen Diabetes.
Das bedeutet nicht, dass Sie zwangsläufig Typ-2-Diabetes bekommen werden.
Es bedeutet vielmehr, dass Ihre Schwangerschaft Ihnen sehr früh gezeigt hat, dass Ihr Zuckerstoffwechsel unter stärkerer Belastung empfindlicher reagieren kann.
Der Zuckertest sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ist besonders wichtig
Nach einem Schwangerschaftsdiabetes wird sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ein erneuter 75-Gramm-Glukosetoleranztest empfohlen. Dieser Test kann auch während der Stillzeit durchgeführt werden.
Dabei werden anders als während der Schwangerschaft der Nüchternwert und der Zwei-Stunden-Wert beurteilt.
Ein HbA1c allein ersetzt diesen ersten Nachsorgetest nicht zuverlässig. Auch nur einmal nüchtern den Blutzucker zu messen reicht nach den aktuellen Empfehlungen für diese frühe Nachsorge nicht aus.
Der Termin lässt sich leicht vergessen, weil sechs bis zwölf Wochen nach einer Geburt meistens ganz andere Dinge wichtiger erscheinen. Schreiben Sie ihn deshalb am besten bereits vor der Entbindung in Ihren Kalender oder lassen Sie sich durch Ihre Praxis daran erinnern.
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Der Schwangerschaftsdiabetes endet nicht mit dem letzten Schwangerschaftstermin. Planen Sie den 75-Gramm-Zuckertest sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt bereits vor der Entbindung ein.
Auch Jahre später sollte der Blutzucker gelegentlich kontrolliert werden
Ein normaler Nachsorgetest sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ist sehr erfreulich, bedeutet jedoch nicht, dass das spätere Risiko vollständig verschwunden ist.
Deshalb sollten Blutzucker und HbA1c langfristig weiter kontrolliert werden. Wie häufig das nötig ist, richtet sich nach dem Ergebnis der ersten Nachuntersuchung und Ihren weiteren Risikofaktoren. Die DDG empfiehlt eine kontinuierliche Nachsorge; ein erneuter oGTT kann beispielsweise etwa alle zwei Jahre sinnvoll sein, während bei bereits grenzwertigen Werten engere Kontrollen erforderlich sind.
Auch vor einer weiteren geplanten Schwangerschaft ist es sinnvoll, den Zuckerstoffwechsel noch einmal überprüfen zu lassen.
Schwangerschaftsdiabetes kann in einer weiteren Schwangerschaft wiederkommen
Nach einem Gestationsdiabetes ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, bei einer späteren Schwangerschaft erneut betroffen zu sein. In den aktuellen DDG-Daten liegt das Wiederholungsrisiko bei vielen Frauen ungefähr im Bereich von 35 bis 50 Prozent, abhängig von persönlichen Risikofaktoren kann es auch höher sein.
Deshalb sollte die frühere Diagnose bei einer erneuten Schwangerschaft von Beginn an bekannt sein. In der nächsten Schwangerschaft wird der Zuckerstoffwechsel früher kontrolliert und anschließend trotzdem erneut im üblichen Zeitraum überprüft.
Sie müssen deshalb keineswegs von einer weiteren Schwangerschaft abraten.
Sie starten lediglich mit einer Information mehr in die Schwangerschaft und können entsprechend früher begleitet werden.
Stillen kann für Mutter und Kind zusätzliche Vorteile haben
Nach Schwangerschaftsdiabetes wird Stillen ausdrücklich unterstützt. Neben den allgemeinen Vorteilen des Stillens gibt es Hinweise darauf, dass längeres Stillen auch für den mütterlichen Stoffwechsel günstig sein und das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes verringern kann. Die DDG empfiehlt deshalb, Frauen mit Gestationsdiabetes bereits vor der Geburt beim Stillstart zu beraten und zu unterstützen.
Das sollte trotzdem nicht zu neuem Druck führen.
Stillen klappt nicht bei jeder Mutter und jedem Kind sofort problemlos. Schmerzen, Milchbildungsprobleme, eine schwierige Geburt oder andere medizinische Gründe können den Start erschweren. Gerade deshalb ist Unterstützung durch Hebammen, Stillberatung und das geburtshilfliche Team sinnvoller als der Satz „Sie müssen einfach stillen“.
Nach einer ohnehin stark kontrollierten Schwangerschaft braucht keine Frau auch noch das Gefühl, bei der Ernährung ihres Babys eine weitere Prüfung bestehen zu müssen.
Auch Ihre seelische Gesundheit gehört zur Nachsorge
Schwangerschaftsdiabetes kann emotional belasten. Plötzlich werden Lebensmittel bewertet, mehr Termine stehen im Kalender, mehrmals täglich werden Werte gemessen und möglicherweise muss Insulin gespritzt werden. Gleichzeitig kreist die Sorge ständig um die Frage, ob das Baby gesund ist.
Auch nach der Geburt darf diese Belastung ernst genommen werden.
Die aktuellen DDG-Empfehlungen weisen darauf hin, dass depressive Beschwerden nach einem Schwangerschaftsdiabetes häufiger auftreten können. Der Nachsorgetermin sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt bietet deshalb auch eine gute Gelegenheit, nicht nur über den Zucker zu sprechen, sondern darüber, wie es Ihnen eigentlich geht.
Anhaltende Niedergeschlagenheit, starke Ängste, ungewöhnlich ausgeprägte Schuldgefühle oder das Gefühl, den Alltag mit dem Baby kaum noch bewältigen zu können, gehören angesprochen und nicht still ausgehalten.
Können Sie Schwangerschaftsdiabetes verhindern?
Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein günstiges Körpergewicht bereits vor einer Schwangerschaft können das Risiko beeinflussen, besonders bei vorhandenem Übergewicht.
Eine Garantie gibt es jedoch nicht.
Auch eine Frau, die sich ausgewogen ernährt, regelmäßig Sport macht und normalgewichtig ist, kann Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Die Schwangerschaft selbst verändert schließlich die Insulinwirkung.
Genau deshalb sollte die Diagnose nicht zum Anlass werden, die vergangenen Monate nach vermeintlichen Fehlern abzusuchen.
Sinnvoller ist der Blick nach vorn: Was können Sie jetzt tun, damit Ihre Werte möglichst gut eingestellt sind und Ihre Schwangerschaft ruhig weiterlaufen kann?
Nahrungsergänzungsmittel sollten dabei nicht als vermeintliche Abkürzung betrachtet werden. Für unterschiedliche Präparate wird zwar mit einer möglichen Vorbeugung geworben, doch daraus lässt sich derzeit keine allgemeine Empfehlung ableiten, einfach auf eigene Faust bestimmte Mittel zur Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes einzunehmen. Die aktuelle DDG-Praxisempfehlung sieht weiterhin Ernährung, Bewegung und bei vorhandenem Übergewicht eine möglichst gute Gewichtsentwicklung als die entscheidenden beeinflussbaren Bereiche.
Was Sie nach der Diagnose konkret mitnehmen können
Schwangerschaftsdiabetes verlangt zunächst einige zusätzliche Termine und ein bisschen Aufmerksamkeit. Er sollte aber nicht dazu führen, dass Ihre gesamte Schwangerschaft plötzlich nur noch aus Zahlen besteht.
Lernen Sie, Ihre Werte zu messen und zu verstehen. Lassen Sie sich zur Ernährung beraten, statt selbst immer mehr Lebensmittel zu verbieten. Bewegen Sie sich regelmäßig in einem Umfang, der zu Ihrer Schwangerschaft passt. Besprechen Sie anhaltend erhöhte Werte mit Ihrem Diabetes-Team und betrachten Sie Insulin nicht als Niederlage, sobald es benötigt wird.
Achten Sie gleichzeitig darauf, dass Sie weiterhin schwanger sein dürfen und nicht nur „Patientin mit GDM“ werden.
Sie dürfen essen und genießen.
Sie dürfen sich auf Ihr Baby freuen.
Sie dürfen auch einmal einen einzelnen Wert haben, der nicht perfekt aussieht.
Ihre Behandlung entscheidet sich nicht an einem Frühstück.
Fazit: Schwangerschaftsdiabetes braucht Aufmerksamkeit, aber keine Angst
Schwangerschaftsdiabetes entsteht, weil sich die Wirkung des Insulins im Verlauf einer Schwangerschaft verändert und die Bauchspeicheldrüse den erhöhten Insulinbedarf nicht bei jeder Frau vollständig ausgleichen kann. Der Blutzucker steigt dadurch stärker an. Meist verursacht das überhaupt keine Beschwerden, weshalb der Zuckertest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche so wichtig ist.
Ein auffälliger kleiner Suchtest bedeutet noch keine Diagnose. Erst der große 75-Gramm-Glukosetoleranztest zeigt zuverlässig, ob Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Bereits ein erhöhter Wert kann dafür ausreichen.
Nach der Diagnose reicht bei vielen Frauen eine Anpassung von Ernährung und Bewegung. Eine Schwangerschaft ist dabei keine Zeit für Hungerkuren, extreme Kohlenhydratverbote oder Angst vor jedem Stück Obst. Mutter und Kind benötigen weiterhin eine ausgewogene und ausreichende Nährstoffversorgung.
Ein Teil der Frauen benötigt Insulin. Das ist kein Hinweis auf eine schlechte Ernährung und auch kein Zeichen dafür, dass die Erkrankung besonders „schlimm“ sein muss. Die hormonelle Insulinresistenz nimmt im Verlauf der Schwangerschaft zu und kann irgendwann mehr Insulin erfordern, als der Körper allein bereitstellen kann.
Auch für Ihr Baby bedeutet die Diagnose nicht automatisch eine Komplikation. Gute Blutzuckerwerte verringern das Risiko für ein übermäßiges Wachstum und bestimmte Probleme rund um die Geburt. Die meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes bringen gesunde Kinder zur Welt.
Nach der Geburt normalisieren sich die Werte häufig wieder. Vergessen Sie trotzdem die Nachsorge nicht. Der 75-Gramm-Zuckertest sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt ist einer der wichtigsten Termine nach einer Schwangerschaft mit Gestationsdiabetes. Danach sollten Ihre Werte auch langfristig immer wieder kontrolliert werden.
Vielleicht kann man Schwangerschaftsdiabetes deshalb auch als eine Art frühen Hinweis Ihres Körpers betrachten. Ihre Schwangerschaft hat gezeigt, dass Ihr Zuckerstoffwechsel unter hoher hormoneller Belastung empfindlicher reagieren kann. Dieses Wissen ermöglicht Ihnen, künftig früher auf Blutzucker, Bewegung, Ernährung und andere Risikofaktoren zu achten.
Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes bedeutet also nicht, dass ab jetzt etwas mit Ihnen oder Ihrem Baby nicht stimmt. Sie bedeutet vor allem, dass Ihr Stoffwechsel in dieser besonderen Phase etwas Unterstützung braucht – und genau dafür gibt es heute sehr gute Möglichkeiten.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Deutsche Diabetes Gesellschaft – Gestationsdiabetes mellitus
Die aktuell veröffentlichte DDG-Praxisempfehlung zum Schwangerschaftsdiabetes erschien im Januar 2026 und behandelt Diagnostik, Ernährung, Bewegung, Blutzuckerselbstkontrolle, Insulintherapie, geburtshilfliche Betreuung und Nachsorge.
Gemeinsamer Bundesausschuss – Mutterschafts-Richtlinie
Die Mutterschafts-Richtlinie regelt das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes im Rahmen der gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge.
Deutsche Diabetes Gesellschaft – Metformin in der Schwangerschaft
Die DDG stellt klar, dass die erweiterte Metformin-Zulassung bei Schwangerschaft nicht automatisch für einen reinen Schwangerschaftsdiabetes gilt. Bei Gestationsdiabetes bleibt die Anwendung eine individuelle Off-Label-Entscheidung.
Gesundheitsinformation.de / IQWiG
Unabhängige Patienteninformationen zu Diagnose und Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes sowie zum Ablauf des Glukosetoleranztests.
AWMF – Gestationsdiabetes mellitus
Die S3-Leitlinie zum Gestationsdiabetes befindet sich 2026 in Überarbeitung; im Juni 2026 wurde eine Konsultationsfassung veröffentlicht. Für diesen Artikel wurden deshalb insbesondere die aktuellen DDG-Praxisempfehlungen von Januar 2026 und die geltende Mutterschafts-Richtlinie zugrunde gelegt.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle frauenärztliche oder diabetologische Beratung. Blutzuckerziele, Häufigkeit der Selbstmessungen, Ernährung, Bewegung und eine mögliche Insulinbehandlung werden an Ihre persönliche Schwangerschaft, Ihre Werte und das Wachstum Ihres Kindes angepasst.
Verändern Sie eine verordnete Insulindosis oder andere Medikamente nicht eigenständig. Auch Nahrungsergänzungsmittel oder frei verkäufliche Präparate sollten während der Schwangerschaft nicht ohne Rücksprache eingesetzt werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
August 2026

