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Wenn Diabetes Teil einer seltenen Erbkrankheit ist: Warum manchmal mehr hinter erhöhten Blutzuckerwerten steckt
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Wenn Diabetes Teil einer seltenen Erbkrankheit ist: Warum manchmal mehr hinter erhöhten Blutzuckerwerten steckt

Wer die Diagnose Diabetes erhält, denkt zunächst fast immer an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Diese beiden Formen sind tatsächlich mit Abstand am häufigsten. Trotzdem gibt es Menschen, deren Diabetes nicht so richtig in eine dieser beiden Gruppen passt. Vielleicht beginnt die Erkrankung ungewöhnlich früh, gleichzeitig bestehen Hör- oder Sehprobleme, eine Muskelerkrankung, Veränderungen der Nieren oder eine auffällige Verteilung des Körperfetts. Manchmal ist bereits eine seltene genetische Erkrankung bekannt und im Laufe der Jahre kommen erhöhte Blutzuckerwerte hinzu. In anderen Familien wird erst durch den Diabetes deutlich, dass mehrere gesundheitliche Auffälligkeiten möglicherweise zusammengehören.

Genau hier kommen seltene genetisch bedingte Diabetesformen und genetische Syndrome mit Diabetes ins Spiel. Dabei bedeutet „genetisch“ zunächst nur, dass Veränderungen der Erbinformation einen wesentlichen Anteil an der Erkrankung haben. Bei manchen Erkrankungen steht der Diabetes selbst im Mittelpunkt. Bei anderen ist er nur eines von mehreren möglichen Problemen. Augen, Ohren, Muskeln, Herz, Nieren, Hormone oder die Entwicklung können gleichzeitig betroffen sein.

Das unterscheidet diese Erkrankungen auch von dem MODY-Diabetes, den ich bereits in einem eigenen Artikel erklärt habe. Bei MODY führt eine Veränderung eines einzelnen Gens unmittelbar zu einer Störung der Blutzuckerregulation. Bei den Erkrankungen in diesem Artikel ist das Bild häufig wesentlich breiter: Die genetische Veränderung betrifft mehrere Funktionen des Körpers und Diabetes kann als Teil dieses Gesamtbildes entstehen.

Das klingt zunächst kompliziert. Für Sie als Leser ist jedoch vor allem eines wichtig: Eine seltene genetische Diabetesform ist keine medizinische Spielerei. Die richtige Diagnose kann darüber entscheiden, welche Untersuchungen notwendig sind, welche Behandlung sinnvoll ist, welche anderen Organe regelmäßig kontrolliert werden sollten und ob Angehörige ebenfalls eine Untersuchung benötigen.

Genetisch bedingter Diabetes ist nicht die Folge davon, dass jemand „falsch gelebt“ hat

Gerade bei Diabetes wird leider noch immer sehr schnell über Ernährung, Körpergewicht und Bewegung gesprochen. Bei vielen der Erkrankungen in diesem Artikel greift diese Erklärung viel zu kurz.

Eine genetische Veränderung lässt sich weder durch ein Stück Kuchen verursachen noch durch besonders diszipliniertes Essen verhindern. Sie ist bereits in der Erbinformation vorhanden. Das bedeutet nicht, dass Ernährung, Bewegung und ein gesundheitsförderlicher Alltag unwichtig wären. Sie können den Stoffwechsel, Herz und Gefäße unterstützen und bei einigen Erkrankungen das Risiko eines Typ-2-Diabetes deutlich beeinflussen. Sie sind aber nicht die ursprüngliche Ursache der genetischen Erkrankung.

Das ist besonders bei Familien mit seltenen Syndromen wichtig. Eltern brauchen nicht nach einem Fehler in Schwangerschaft, Ernährung oder Erziehung zu suchen. Ebenso wenig muss sich ein erwachsener Betroffener vorwerfen, er habe seine Erkrankung durch einen „falschen Lebensstil“ verursacht.

Viel sinnvoller ist die Frage: Welche Besonderheit liegt vor und welche Bereiche des Körpers brauchen deshalb besondere Aufmerksamkeit?

Chromosomenveränderungen können das Diabetesrisiko erhöhen

Unsere Erbinformation ist in Chromosomen organisiert. Menschen besitzen normalerweise 46 Chromosomen. Bei einigen genetischen Erkrankungen ist ein Chromosom zusätzlich vorhanden, fehlt teilweise oder liegt in einer anderen Zusammensetzung vor. Solche Veränderungen können Auswirkungen auf verschiedene Organe und auch auf den Zuckerstoffwechsel haben.

Dazu gehören beispielsweise das Down-Syndrom, das Klinefelter-Syndrom und das Turner-Syndrom. Diabetes ist bei diesen Erkrankungen nicht zwangsläufig vorhanden, kommt jedoch häufiger vor als in vergleichbaren Bevölkerungsgruppen. Wichtig ist dabei, dass nicht bei allen drei Syndromen dieselbe Diabetesform im Vordergrund steht.

Down-Syndrom: Auch der Zuckerstoffwechsel verdient Aufmerksamkeit

Beim Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden. Die medizinischen Besonderheiten des Down-Syndroms betreffen viele verschiedene Bereiche, darunter Herz, Schilddrüse, Immunsystem, Gewichtsentwicklung und Stoffwechsel.

Auch Diabetes kommt häufiger vor. Sowohl autoimmune Diabetesformen als auch Typ-2-Diabetes können eine Rolle spielen. Gerade im Erwachsenenalter empfehlen Fachleitlinien deshalb eine frühere und regelmäßigere Kontrolle des Zuckerstoffwechsels als bei Menschen ohne Down-Syndrom, weil Diabetes teilweise früher auftritt.

Für Familien bedeutet das nicht, dass ständig mit einer Diabetesdiagnose gerechnet werden muss. Sinnvoll ist vielmehr, Blutzucker und Stoffwechsel im Rahmen der regulären medizinischen Betreuung nicht aus dem Blick zu verlieren. Starker Durst, deutlich häufigeres Wasserlassen, Gewichtsverlust oder ungewöhnliche Müdigkeit sollten auch bei Menschen mit Down-Syndrom nicht einfach anderen gesundheitlichen Problemen zugeschrieben werden.

Klinefelter-Syndrom: Diabetes hängt nicht allein mit dem Körpergewicht zusammen

Beim Klinefelter-Syndrom besitzen männliche Betroffene zusätzlich zum X- und Y-Chromosom mindestens ein weiteres X-Chromosom. Häufig wird die Erkrankung erst im Jugend- oder Erwachsenenalter entdeckt, beispielsweise wegen einer verzögerten Pubertätsentwicklung, niedriger Testosteronwerte oder unerfülltem Kinderwunsch.

Zusätzlich können sich Körperzusammensetzung und Stoffwechsel verändern. Manche Männer entwickeln mehr Fettgewebe und weniger Muskelmasse, wodurch eine Insulinresistenz begünstigt werden kann. Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselprobleme treten deshalb häufiger auf.

Die europäische Fachleitlinie empfiehlt bei Männern mit Klinefelter-Syndrom eine jährliche Kontrolle von Körpergewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Nüchternblutzucker, HbA1c und Blutfetten. Es geht also nicht nur darum, den Testosteronwert zu behandeln. Die langfristige Betreuung sollte auch Herz und Stoffwechsel berücksichtigen.

Eine Testosterontherapie kann bei bestehendem Hormonmangel aus verschiedenen Gründen wichtig sein. Sie sollte allerdings nicht als Diabetesmedikament verstanden werden. Ein erhöhter Blutzucker braucht genauso wie bei anderen Menschen eine passende eigene Behandlung.

Turner-Syndrom: Blutzucker schon ab Jugendalter regelmäßig kontrollieren

Das Turner-Syndrom betrifft Mädchen und Frauen und entsteht durch eine Veränderung eines X-Chromosoms. Bekannt sind beispielsweise Kleinwuchs, Veränderungen der Eierstockfunktion und Besonderheiten von Herz, Gefäßen oder Schilddrüse. Auch der Zuckerstoffwechsel kann betroffen sein.

Die aktuellen internationalen Empfehlungen raten dazu, ab ungefähr zehn bis zwölf Jahren alle ein bis zwei Jahre HbA1c oder Nüchternblutzucker zu kontrollieren, bei Beschwerden auch früher. Wird tatsächlich Diabetes festgestellt, soll außerdem geprüft werden, um welche Diabetesform es sich handelt, weil die Unterscheidung zwischen Typ 1 und Typ 2 bei Turner-Syndrom nicht immer sofort eindeutig ist.

Für Betroffene ist diese Unterscheidung wichtig. Die Aussage „Turner-Syndrom macht Diabetes“ reicht nämlich nicht aus. Diabetes muss genauso sorgfältig eingeordnet werden wie bei jedem anderen Menschen.

Manche Muskelerkrankungen können ebenfalls mit Diabetes verbunden sein

Bei bestimmten genetischen Erkrankungen stehen zunächst Muskel- oder Nervensymptome im Vordergrund. Erst im Laufe der Zeit zeigt sich, dass auch der Zuckerstoffwechsel beeinträchtigt ist.

Zwei wichtige Beispiele sind die Friedreich-Ataxie und die myotone Dystrophie.

Friedreich-Ataxie: Neben Nerven, Muskeln und Herz gehört auch der Blutzucker kontrolliert

Die Friedreich-Ataxie ist eine seltene erbliche Erkrankung, die vor allem Nerven und Bewegungssteuerung betrifft. Typischerweise entstehen zunehmend Probleme mit Gleichgewicht und Koordination, Muskelschwäche und teilweise Veränderungen des Herzens. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich zusätzlich Diabetes.

Aktuelle Fachleitlinien empfehlen deshalb für Kinder und Erwachsene mit Friedreich-Ataxie eine jährliche Kontrolle des Zuckerstoffwechsels. Dabei werden beispielsweise Nüchternblutzucker und HbA1c bestimmt. Auffällige Werte werden weiter abgeklärt.

Die Diabetesbehandlung wird individuell gewählt. Gerade bei jüngeren Betroffenen und deutlich erhöhten Werten kann Insulin erforderlich sein. Wichtig ist, den Diabetes nicht isoliert zu betrachten. Bewegung, Herzfunktion, Muskelkraft und neurologische Einschränkungen müssen bei der Behandlung gemeinsam berücksichtigt werden.

Myotone Dystrophie: Muskelerkrankung und Stoffwechsel hängen zusammen

Bei der myotonen Dystrophie handelt es sich ebenfalls um eine erbliche Muskelerkrankung. Typisch sind Muskelschwäche und Schwierigkeiten, einen angespannten Muskel sofort wieder zu entspannen. Gleichzeitig können Herz, Atmung, Augen, Hormonsystem und Stoffwechsel betroffen sein.

Viele Betroffene entwickeln eine ausgeprägte Insulinresistenz. Das bedeutet, dass der Körper zwar Insulin produziert, dieses jedoch weniger gut wirkt. Dadurch können im Laufe der Zeit erhöhte Blutzuckerwerte und Typ-2-Diabetes entstehen.

Internationale Empfehlungen raten deshalb auch bei der myotonen Dystrophie zu regelmäßigen Kontrollen von Nüchternblutzucker und HbA1c.

Eine Besonderheit ist, dass Bewegung durch die Muskelerkrankung eingeschränkt sein kann. Der einfache Rat „Sie müssen sich nur mehr bewegen“ hilft hier wenig. Bewegung muss an Kraft, Herzfunktion und körperliche Möglichkeiten angepasst werden. Genau deshalb ist eine Betreuung durch mehrere Fachrichtungen sinnvoll.

Chorea Huntington wird heute nicht mehr als typisches Diabetes-Syndrom betrachtet

In älteren Übersichten wird manchmal auch die Huntington-Erkrankung gemeinsam mit Diabetes genannt. Hier lohnt sich eine wichtige Einordnung.

Neuere Daten zeigen keinen eindeutigen Nachweis, dass Menschen mit Huntington-Erkrankung grundsätzlich häufiger Diabetes entwickeln. Schon deine Ausgangsquelle weist darauf hin, dass neuere Auswertungen den früher vermuteten Zusammenhang nicht bestätigt haben.

Deshalb würde ich Huntington heute nicht als eine der wichtigsten genetischen Erkrankungen darstellen, bei denen Diabetes regelmäßig erwartet werden muss. Ein Diabetes kann natürlich trotzdem unabhängig davon auftreten und wird entsprechend behandelt.

Wolfram-Syndrom: Diabetes kann das erste sichtbare Zeichen sein

Das Wolfram-Syndrom ist besonders wichtig, weil Diabetes häufig schon im Kindesalter auftritt und zunächst einem Typ-1-Diabetes ähneln kann.

Die Erkrankung betrifft jedoch nicht nur den Blutzucker. Typischerweise kommt im Laufe der Zeit eine Schädigung des Sehnervs hinzu, wodurch die Sehfähigkeit abnimmt. Zusätzlich können Hörminderung, Probleme mit der Regulation des Wasserhaushalts, Blasenfunktionsstörungen und neurologische Beschwerden auftreten.

Vielleicht fragen Sie sich, warum diese Unterscheidung überhaupt wichtig ist, wenn das Kind ohnehin Insulin benötigt. Der Grund liegt in den anderen Organen. Bei einem klassischen Wolfram-Syndrom reicht es nicht, nur den HbA1c im Blick zu behalten. Augen, Hörvermögen, Wasserhaushalt, Harnwege, Nervensystem und psychische Gesundheit gehören ebenfalls zur regelmäßigen Betreuung.

Der Diabetes bei klassischem Wolfram-Syndrom benötigt meist Insulin. Er ist jedoch nicht dasselbe wie ein klassischer autoimmuner Typ-1-Diabetes. Die zugrunde liegende Ursache ist genetisch.

Gerade ein Kind oder Jugendlicher mit Diabetes und zunehmender Sehschwäche sollte deshalb nicht automatisch als „Typ 1 plus zufällige Augenerkrankung“ betrachtet werden. Die Kombination kann ein Hinweis auf ein größeres Krankheitsbild sein.

Prader-Willi-Syndrom: Der Umgang mit Hunger ist Teil der Erkrankung

Das Prader-Willi-Syndrom zeigt sehr anschaulich, warum man genetische Erkrankungen nicht mit mangelnder Disziplin erklären darf.

Babys mit Prader-Willi-Syndrom haben zunächst häufig Schwierigkeiten beim Trinken und sind muskulär sehr schwach. Im weiteren Verlauf verändert sich die Regulation von Hunger und Sättigung. Viele Kinder entwickeln ein sehr starkes und dauerhaftes Interesse an Essen und empfinden Sättigung wesentlich schlechter als andere Menschen. Das ist keine Frage der Erziehung oder Willenskraft, sondern gehört zur Erkrankung.

Ohne eine gut strukturierte Umgebung kann dadurch starkes Übergewicht entstehen. Damit steigt auch das Risiko für Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes. Aktuelle GeneReviews-Daten beschreiben Typ-2-Diabetes bei bis zu etwa einem Viertel der erwachsenen Menschen mit Prader-Willi-Syndrom, besonders bei ausgeprägter Adipositas.

Deshalb sollte der Blutzucker bei Jugendlichen und Erwachsenen beziehungsweise bei ausgeprägter Gewichtszunahme regelmäßig kontrolliert werden. Die aktuelle Fachinformation empfiehlt bei Adipositas beziehungsweise ab dem Jugendalter jährliche Kontrollen mit HbA1c und/oder einer entsprechenden Glukoseuntersuchung.

Die Behandlung braucht dabei mehr als den Satz „weniger essen“. Ernährungsstruktur, Bewegung, hormonelle Betreuung, Schlaf, psychologische Unterstützung und eine an die Erkrankung angepasste Umgebung gehören zusammen.

Bardet-Biedl-Syndrom: Augen, Nieren, Gewicht und Blutzucker gemeinsam betrachten

Beim Bardet-Biedl-Syndrom handelt es sich ebenfalls um eine seltene genetische Erkrankung, die mehrere Organe betreffen kann. Typisch sind unter anderem zunehmende Netzhautveränderungen mit Sehproblemen, Gewichtszunahme bereits in jungen Jahren, manchmal zusätzliche Finger oder Zehen, Entwicklungsbesonderheiten sowie Nieren- und Hormonprobleme.

Insulinresistenz, Fettstoffwechselveränderungen und Typ-2-Diabetes kommen ebenfalls vor. Die aktuelle GeneReviews-Empfehlung sieht deshalb bereits ab dem frühen Kindesalter regelmäßige Kontrollen von Nüchternblutzucker, HbA1c und Blutfetten vor. Gleichzeitig müssen Nieren, Augen und weitere betroffene Organe regelmäßig kontrolliert werden.

Gerade hier wird deutlich, warum die Aussage „Das Kind hat Diabetes“ nicht ausreicht. Der Diabetes ist nur ein Teil der Erkrankung und die Behandlung muss in das gesamte medizinische Bild passen.

 

Alström-Syndrom: Diabetes zusammen mit Hör- und Sehproblemen ernst nehmen

Eine weitere wichtige seltene Erkrankung, die in älteren Übersichten zum genetischen Diabetes manchmal fehlt, ist das Alström-Syndrom.

Die Erkrankung kann bereits im Kleinkindalter durch starke Lichtempfindlichkeit und zunehmende Sehprobleme auffallen. Später kommt häufig eine Hörminderung hinzu. Viele Betroffene entwickeln schon früh Übergewicht und eine ausgeprägte Insulinresistenz. Im weiteren Verlauf können Typ-2-Diabetes sowie Veränderungen von Herz, Leber und Nieren auftreten.

Das Besondere ist also die Kombination. Ein Kind mit sehr früher Sehbeeinträchtigung, zunehmender Hörminderung, Insulinresistenz und Stoffwechselproblemen braucht eine andere Abklärung als ein Kind mit einfachem Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Nach gesicherter Diagnose gehören regelmäßige Untersuchungen von Augen, Gehör, Herz, Leber, Nieren und Zuckerstoffwechsel zur Betreuung.

Auch hier steht nicht eine einzelne Diabetesdiät im Mittelpunkt. Die unterschiedlichen Organprobleme müssen gemeinsam behandelt werden.

Lipodystrophie: Sehr wenig Fettgewebe kann ebenfalls Diabetes verursachen

Bei Typ-2-Diabetes wird häufig über zu viel Fettgewebe gesprochen. Deshalb klingt es zunächst paradox, dass auch zu wenig Fettgewebe schwere Stoffwechselprobleme verursachen kann.

Genau das passiert bei einer Lipodystrophie.

Bei diesen seltenen Erkrankungen fehlt Fettgewebe entweder an fast allen Körperregionen oder nur in bestimmten Bereichen. Manche Formen sind genetisch, andere können im Laufe des Lebens erworben werden. Das Problem besteht nicht einfach darin, dass ein Mensch sehr schlank aussieht. Fettgewebe erfüllt wichtige Aufgaben als Energiespeicher und Hormonorgan.

Fehlt geeigneter Speicherplatz, lagert der Körper überschüssige Energie leichter an Stellen ab, an denen sie eigentlich nicht hingehört, beispielsweise in Leber oder Muskeln. Dadurch kann eine sehr starke Insulinresistenz entstehen. Betroffene können ungewöhnlich hohe Triglyceridwerte, eine ausgeprägte Fettleber und Diabetes entwickeln.

Ein wichtiger Hinweis kann deshalb eine ungewöhnliche Kombination sein: sehr wenig Unterhautfettgewebe oder eine auffällige Fettverteilung, aber gleichzeitig eine extrem starke Insulinresistenz. Manche Menschen benötigen sehr hohe Insulinmengen, obwohl sie äußerlich überhaupt nicht zu dem üblichen Bild eines Menschen mit Typ-2-Diabetes passen.

Bei bestätigter Lipodystrophie werden regelmäßig Blutzucker, Blutfette, Leber, Nieren und Herz kontrolliert. Die Behandlung des Diabetes kann Metformin, Insulin und andere geeignete Medikamente umfassen. Bei bestimmten Formen mit ausgeprägtem Leptinmangel steht außerdem mit Metreleptin eine spezielle Behandlung zur Verfügung.

Diese Erkrankungen gehören deshalb in die Betreuung spezialisierter Zentren.

Mitochondrialer Diabetes: Diabetes und Hörverlust können miteinander zusammenhängen

Ein weiterer genetischer Diabetes wird leicht übersehen, weil er zunächst wie Typ-1- oder Typ-2-Diabetes aussehen kann.

Dabei handelt es sich um mitochondrial vererbten Diabetes mit Hörminderung, häufig mit der englischen Abkürzung MIDD bezeichnet.

Mitochondrien sind kleine Bestandteile unserer Zellen, die für die Energiegewinnung wichtig sind. Ein Teil ihrer Erbinformation wird ausschließlich über die Mutter weitergegeben. Deshalb zeigt sich bei dieser Diabetesform häufig ein auffälliges Muster in der Familiengeschichte: Diabetes und/oder Hörprobleme finden sich auf der mütterlichen Seite der Familie.

Die Erkrankung beginnt häufig erst im Erwachsenenalter. Betroffene müssen nicht übergewichtig sein. Eine zunehmende Innenohrschwerhörigkeit kann dem Diabetes vorausgehen oder gleichzeitig auftreten.

Vielleicht haben Sie Diabetes und gleichzeitig eine Hörminderung, und Ihre Mutter, Großmutter oder Geschwister mütterlicherseits haben ähnliche Probleme? Eine solche Kombination beweist keinen mitochondrialen Diabetes, ist aber ein guter Grund, diese Möglichkeit in einer spezialisierten Diabetespraxis anzusprechen.

Die genaue Therapie richtet sich nach dem Verlauf und der noch vorhandenen Insulinproduktion. Manche Menschen benötigen im Laufe der Zeit Insulin. Gleichzeitig können bei mitochondrialen Erkrankungen weitere Organe betroffen sein, sodass die Behandlung nicht nur aus Blutzuckerkontrollen bestehen sollte.

Diabetes im ersten Lebenshalbjahr ist fast nie ein normaler Typ-1-Diabetes

Eine besonders wichtige genetische Diabetesgruppe betrifft Babys.

Diabetes, der bereits in den ersten sechs Lebensmonaten auftritt, wird als neonataler Diabetes bezeichnet. Hier ist ein klassischer autoimmuner Typ-1-Diabetes ausgesprochen ungewöhnlich. Deshalb empfehlen die aktuellen internationalen Diabetesstandards ausdrücklich für jedes Kind mit Diabetesbeginn vor dem sechsten Lebensmonat eine genetische Untersuchung, unabhängig davon, wie alt die betroffene Person heute ist.

Diese genetische Diagnose kann die Behandlung unmittelbar verändern.

Bei bestimmten genetischen Formen funktioniert die Bauchspeicheldrüse nämlich grundsätzlich anders, und manche Kinder beziehungsweise Erwachsene, die seit dem Säuglingsalter Insulin bekommen, können nach gesicherter Diagnose auf bestimmte Tabletten umgestellt werden. Bei einem Teil der sogenannten KATP-Kanal-bedingten Formen lässt sich die Glukosekontrolle mit Sulfonylharnstoffen sogar besser erreichen als mit Insulin.

Bei anderen genetischen Ursachen bleibt Insulin dagegen notwendig.

Deshalb sollte auch ein heute erwachsener Mensch, der bereits vor dem sechsten Lebensmonat Diabetes bekommen hat und nie genetisch untersucht wurde, dieses Thema noch einmal ansprechen.

Nicht jeder genetische Diabetes sieht gleich aus

Vielleicht wird beim Lesen deutlich, warum der Begriff „genetischer Diabetes“ allein kaum ausreicht.

Beim MODY steht die gestörte Insulinfreisetzung im Vordergrund.

Beim Wolfram-Syndrom treten Diabetes und Sehnervschädigung zusammen auf.

Beim mitochondrialen Diabetes ist eine Kombination aus Diabetes und Hörverlust typisch.

Bei Lipodystrophien steht eine schwere Insulinresistenz trotz fehlenden oder ungewöhnlich verteilten Fettgewebes im Vordergrund.

Beim Prader-Willi- und Bardet-Biedl-Syndrom spielen Gewichtsentwicklung, Hormone und weitere Organveränderungen eine große Rolle.

Bei Friedreich-Ataxie und myotoner Dystrophie ist Diabetes Teil einer Erkrankung, bei der eigentlich Nerven und Muskeln im Vordergrund stehen.

Und beim neonatalen Diabetes kann die genetische Diagnose sogar darüber entscheiden, ob langfristig Insulin oder Tabletten die bessere Therapie sind.

Genau deshalb darf die Behandlung nicht nach dem Motto erfolgen: „Hoher Blutzucker ist hoher Blutzucker.“

Wann sollte man überhaupt an eine seltene genetische Ursache denken?

Die allermeisten Menschen mit Diabetes haben Typ 1 oder Typ 2. Niemand braucht deshalb nach einer Diabetesdiagnose automatisch einen umfangreichen Gentest.

Bestimmte Kombinationen können jedoch aufmerksam machen. Ein Diabetesbeginn bereits im Säuglingsalter gehört immer dazu. Auch Diabetes bei einem jungen Menschen ohne typische Zeichen von Typ 1 oder Typ 2, eine auffällige Familiengeschichte, eine Kombination aus Diabetes und Hörverlust oder Sehnervschädigung, ungewöhnliche Nierenveränderungen, eine seltene Muskelerkrankung oder eine auffällige Verteilung des Fettgewebes können Hinweise sein.

Schauen Sie ruhig einmal auf Ihre eigene Geschichte. Passt Ihre bisherige Diabetesdiagnose wirklich gut zu Ihrem gesamten Krankheitsbild oder gibt es seit Jahren Dinge, die niemand so recht erklären konnte?

Vielleicht bestehen bereits seit Kindheit Seh- oder Hörprobleme. Vielleicht braucht Ihr Körper ungewöhnlich hohe Insulindosen, obwohl kaum Unterhautfett vorhanden ist. Vielleicht bekamen Sie bereits als Säugling Diabetes oder auf der mütterlichen Seite Ihrer Familie treten Diabetes und Schwerhörigkeit gemeinsam auf.

Solche Auffälligkeiten sind kein Beweis.

Sie sind ein Grund, genauer hinzusehen.

Wie wird eine seltene genetische Diabetesform festgestellt?

Eine genetische Untersuchung beginnt sinnvollerweise nicht beim Labor, sondern bei der Krankengeschichte.

Eine spezialisierte Ärztin oder ein spezialisierter Arzt schaut zunächst darauf, wann der Diabetes begann, wie er sich entwickelt hat, welche Behandlung bislang notwendig war und welche anderen Erkrankungen bestehen. Auch Eltern, Geschwister, Großeltern und Kinder können wichtige Hinweise liefern.

Danach werden je nach Situation weitere Blutuntersuchungen durchgeführt. Diabetes-Autoantikörper können dabei helfen, einen Typ-1-Diabetes einzuordnen. Ein C-Peptid-Wert zeigt, wie viel eigenes Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert. Bei Verdacht auf bestimmte Syndrome werden Augen, Gehör, Nieren, Herz oder andere Organe genauer untersucht.

Erst danach wird gezielt entschieden, welche genetische Untersuchung sinnvoll ist.

Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen bei begründetem Verdacht eine Betreuung beziehungsweise Beratung durch ein Zentrum mit Erfahrung in Diabetesgenetik.

Das ist besonders wichtig, weil ein Gentest manchmal Ergebnisse liefert, die nicht nur für Sie selbst, sondern auch für andere Familienmitglieder von Bedeutung sind.

Eine genetische Diagnose kann für die ganze Familie wichtig werden

Nicht alle Erkrankungen in diesem Artikel werden auf dieselbe Weise vererbt.

Manche werden direkt von einem betroffenen Elternteil weitergegeben. Bei anderen müssen Mutter und Vater jeweils eine genetische Veränderung tragen. Mitochondriale Erkrankungen werden wiederum über die mütterliche Linie vererbt. Chromosomenveränderungen folgen noch einmal anderen Regeln.

Deshalb ist die Frage „Wie hoch ist das Risiko für meine Kinder?“ nicht mit einer einzigen Prozentzahl zu beantworten.

Eine humangenetische Beratung kann nach einer gesicherten Diagnose erklären, wie die konkrete Erkrankung vererbt wird und ob Untersuchungen bei Geschwistern, Kindern oder anderen Angehörigen sinnvoll sind.

Dabei geht es nicht darum, Familien Angst zu machen.

Im Gegenteil: Eine bekannte genetische Ursache kann verhindern, dass Angehörige jahrelang mit falschen Diagnosen oder unnötigen Behandlungen leben.

Die Ernährung richtet sich nicht nach dem Wort „genetisch“

Es gibt keine einheitliche Ernährung für genetische Diabetesformen.

Bei einem Menschen mit Prader-Willi-Syndrom braucht die Ernährung eine andere Struktur als bei mitochondrialem Diabetes. Ein Mensch mit Lipodystrophie und extrem hohen Triglyceriden benötigt andere Empfehlungen als jemand mit Wolfram-Syndrom. Ein Kind mit Friedreich-Ataxie kann wiederum aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen ganz andere Anforderungen haben.

Genau deshalb sind pauschale Internetpläne wenig hilfreich.

Grundsätzlich bleibt eine ausgewogene Ernährung sinnvoll, aber sie muss zu Erkrankung, Diabetesbehandlung, Körpergewicht, Organfunktion und Alltag passen.

Und noch etwas sollte klar sein:

Eine genetische Erkrankung lässt sich nicht „wegessen“.

Gesunde Ernährung kann den Stoffwechsel unterstützen.

Sie verändert jedoch nicht die zugrunde liegende Erbinformation.

Auch die Diabetesmedikamente müssen zur Ursache passen

Bei vielen seltenen genetischen Erkrankungen wird Diabetes grundsätzlich ähnlich behandelt wie bei anderen Menschen: mit Ernährung, Bewegung soweit möglich, Tabletten, anderen blutzuckersenkenden Medikamenten oder Insulin.

Trotzdem gibt es wichtige Ausnahmen.

Beim neonatalen Diabetes können bestimmte genetische Befunde dazu führen, dass Tabletten anstelle von Insulin eingesetzt werden können. Beim Wolfram-Syndrom wird der Diabetes dagegen meist mit Insulin behandelt. Bei Lipodystrophien können sehr hohe Insulinmengen notwendig sein und bei bestimmten Betroffenen kommt zusätzlich eine Leptin-Ersatztherapie infrage.

Deshalb darf eine Therapie aufgrund des Verdachts auf eine genetische Erkrankung niemals selbst verändert werden.

Erst Diagnose, dann Therapieanpassung.

Regelmäßige Kontrollen gehen häufig weit über den HbA1c hinaus

Bei einem klassischen Diabetes kennen viele Menschen die üblichen Kontrollen: Augen, Nieren, Nerven, Füße, Blutdruck und Blutfette.

Bei syndromalen genetischen Erkrankungen kommen teilweise weitere Untersuchungen hinzu.

Beim Wolfram-Syndrom müssen Sehvermögen, Gehör und Harnwege berücksichtigt werden.

Beim Bardet-Biedl- und Alström-Syndrom spielen Nieren und Augen beziehungsweise Gehör eine besonders große Rolle.

Beim Klinefelter-Syndrom gehören Stoffwechsel, Knochen und Hormonhaushalt in die Betreuung.

Beim Turner-Syndrom sind unter anderem Herz, Gefäße, Schilddrüse und Stoffwechsel wichtig.

Bei Friedreich-Ataxie und myotoner Dystrophie benötigen zusätzlich Herz und Nervensystem beziehungsweise Muskulatur Aufmerksamkeit.

Eine gute Behandlung betrachtet deshalb immer den ganzen Menschen und nicht nur den Zuckerwert.

Neue Beschwerden sollten nicht automatisch dem bekannten Syndrom zugeschrieben werden

Auch bei einer seltenen genetischen Erkrankung kann selbstverständlich eine ganz gewöhnliche zweite Erkrankung auftreten.

Ein Mensch mit Turner-Syndrom kann Typ-1-Diabetes entwickeln.

Ein Mensch mit Down-Syndrom kann einen klassischen Typ-2-Diabetes bekommen.

Ein Mensch mit einer genetischen Muskelerkrankung kann zusätzlich andere Ursachen für erhöhte Blutzuckerwerte haben.

Und ein Mensch mit genetischem Diabetes kann genauso wie jeder andere Bluthochdruck, Schilddrüsenprobleme oder andere Erkrankungen entwickeln.

Deshalb sollte ein bekanntes genetisches Syndrom nicht zur Erklärung für jedes neue Symptom werden.

Die genaue Ursache bleibt wichtig.

Was Sie aus diesem Thema vor allem mitnehmen sollten

Seltene genetische Diabetesformen klingen kompliziert, weil viele ungewöhnliche Namen dazugehören. Für Ihren Alltag lässt sich die wichtigste Botschaft aber sehr einfach zusammenfassen:

Diabetes ist nicht immer eine einzelne Erkrankung.

Manchmal ist er ein Hinweis darauf, dass im Körper noch etwas anderes zusammengehört.

Diabetes zusammen mit Hörverlust kann auf eine mitochondriale Erkrankung aufmerksam machen.

Diabetes zusammen mit einer frühen Schädigung des Sehnervs kann zum Wolfram-Syndrom passen.

Starke Insulinresistenz zusammen mit ungewöhnlich wenig Fettgewebe kann an eine Lipodystrophie denken lassen.

Diabetes zusammen mit bestimmten Muskel- oder Nervenerkrankungen braucht eine andere Betreuung als ein gewöhnlicher Typ-2-Diabetes.

Und Diabetes bereits in den ersten sechs Lebensmonaten sollte immer genetisch abgeklärt werden.

Nicht jede ungewöhnliche Kombination bedeutet automatisch eine seltene Erbkrankheit.

Aber ungewöhnliche Kombinationen verdienen eine Erklärung.

Fazit: Manchmal ist der Blutzucker nur ein Teil der Geschichte

Die meisten Menschen mit Diabetes haben Typ 1 oder Typ 2. Trotzdem gibt es eine kleinere Gruppe, bei der genetische Veränderungen eine ganz besondere Rolle spielen. Diabetes kann dabei das Hauptproblem sein oder nur ein Bestandteil einer Erkrankung, die gleichzeitig Augen, Ohren, Muskeln, Nieren, Herz, Hormone oder andere Organe betrifft.

Genau deshalb ist eine korrekte Diagnose wichtig.

Bei chromosomalen Erkrankungen wie Down-, Klinefelter- oder Turner-Syndrom besteht ein erhöhtes Diabetesrisiko und der Zuckerstoffwechsel sollte entsprechend regelmäßig kontrolliert werden. Beim Friedreich-Ataxie- oder myotonen Dystrophie-Syndrom gehört Diabetes zur umfassenden Betreuung einer Muskel- beziehungsweise Nervenerkrankung.

Beim Wolfram-Syndrom kann ein Diabetes im Kindesalter das erste sichtbare Zeichen einer Erkrankung sein, bei der später auch Sehen, Hören, Wasserhaushalt, Harnwege und Nervensystem betroffen sein können.

Beim Prader-Willi-, Bardet-Biedl- und Alström-Syndrom spielen Stoffwechsel und Gewichtsentwicklung eine große Rolle, gleichzeitig müssen weitere Organe berücksichtigt werden.

Lipodystrophien zeigen wiederum, dass schwere Insulinresistenz nicht nur bei viel Fettgewebe auftreten kann. Ausgerechnet ein ausgeprägter Verlust von Fettgewebe kann zu Diabetes, sehr hohen Blutfetten und einer schweren Fettleber führen.

Mitochondrialer Diabetes verdient besonders dann Aufmerksamkeit, wenn Diabetes und Hörminderung gemeinsam auftreten und sich ähnliche Erkrankungen über die mütterliche Familienlinie ziehen.

Und Diabetes innerhalb der ersten sechs Lebensmonate gehört immer genetisch untersucht. Gerade hier kann die richtige Diagnose sogar unmittelbar bestimmen, ob langfristig Insulin notwendig ist oder bei bestimmten genetischen Formen Tabletten besser geeignet sind.

Vor allem sollten Sie genetisch bedingten Diabetes nicht mit persönlicher Schuld verbinden. Niemand verursacht eine Chromosomenveränderung, eine mitochondriale Erkrankung oder ein seltenes genetisches Syndrom durch falsches Essen oder mangelnde Disziplin.

Eine Diagnose kann dagegen Klarheit schaffen.

Sie kann erklären, warum verschiedene Beschwerden zusammen auftreten.

Sie kann die Behandlung verändern.

Sie kann anderen Familienmitgliedern helfen.

Und sie kann dafür sorgen, dass nicht nur der Blutzucker behandelt wird, sondern genau die Bereiche des Körpers überwacht werden, die bei der jeweiligen Erkrankung wirklich wichtig sind.

Manchmal erzählt ein erhöhter Blutzucker also nur einen kleinen Teil der Geschichte. Die entscheidende Aufgabe besteht darin herauszufinden, ob dahinter noch eine größere Geschichte steckt.

 


Quellen und medizinische Fachinformationen

American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026
Aktuelle Einordnung monogener Diabetesformen, neonataler Diabetesformen und genetisch bedingter Insulinresistenz.

European Academy of Andrology / European Society of Endocrinology – Klinefelter-Syndrom
Empfehlungen zur regelmäßigen Kontrolle von Blutzucker, HbA1c, Blutdruck, Gewicht und Blutfetten.

Internationale Turner-Syndrom-Leitlinie
Aktuelle Empfehlungen zur regelmäßigen Diabeteskontrolle bei Mädchen und Frauen mit Turner-Syndrom.

Global Down Syndrome Foundation – medizinische Leitlinie für Erwachsene mit Down-Syndrom
Empfehlungen zur früheren und regelmäßigen Diabetesvorsorge.

GeneReviews / National Library of Medicine – Prader-Willi-Syndrom
Aktualisierte Fachinformation von Februar 2026 mit Empfehlungen zur Stoffwechselkontrolle.

GeneReviews – Bardet-Biedl-Syndrom
Empfehlungen zur Kontrolle von Diabetes, Nieren, Augen und Stoffwechsel.

GeneReviews und Orphanet – Wolfram-Syndrom
Informationen zu Diabetes, Sehnervschädigung, Hörverlust, Harnwegen und neurologischen Begleiterscheinungen.

GeneReviews und Orphanet – Alström-Syndrom
Informationen zu Insulinresistenz, Diabetes, Hör- und Sehproblemen sowie Herz-, Leber- und Nierenbeteiligung.

Multi-Society Practice Guideline – Lipodystrophie-Syndrome
Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von Diabetes, schweren Fettstoffwechselstörungen und weiteren Stoffwechselproblemen bei Lipodystrophien.

Clinical Management Guidelines – Friedreich-Ataxie
Empfehlungen zur jährlichen Diabetesvorsorge und individuellen Behandlung.

Aktuelle Fachinformation zu mitochondrial vererbtem Diabetes mit Hörminderung (MIDD), 2026
Einordnung von mitochondrialem Diabetes und seiner Behandlung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche diabetologische, endokrinologische oder humangenetische Untersuchung. Eine seltene genetische Diabetesform lässt sich nicht anhand einzelner Beschwerden oder einer Internetrecherche sicher feststellen.

Eine genetische Abklärung ist insbesondere bei ungewöhnlich frühem Diabetesbeginn, Diabetes innerhalb der ersten sechs Lebensmonate, auffälligen Begleiterkrankungen oder einer charakteristischen Familiengeschichte sinnvoll zu prüfen. Insulin und andere Diabetesmedikamente sollten aufgrund eines Verdachts auf eine genetische Erkrankung niemals eigenständig verändert oder abgesetzt werden.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Stand

August 2026

 

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