Die Nieren gehören zu den Organen, die jeden Tag unglaublich viel leisten, ohne dass wir ihre Arbeit bewusst wahrnehmen. Sie reinigen unser Blut, helfen dabei, überschüssiges Wasser und Abfallstoffe auszuscheiden, halten den Salzhaushalt im Gleichgewicht und beeinflussen sogar den Blutdruck. Solange alles funktioniert, denken die meisten Menschen kaum über ihre Nieren nach. Gerade bei Diabetes lohnt es sich jedoch, diesen beiden kleinen Organen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn erhöhte Blutzuckerwerte können die empfindlichen Blutgefäße der Nieren über viele Jahre belasten. Das Schwierige daran ist: Eine beginnende Nierenschädigung verursacht meistens weder Schmerzen noch andere eindeutige Beschwerden. Sie können sich also vollkommen gesund fühlen, obwohl erste Veränderungen bereits im Blut oder Urin sichtbar sind.
Vielleicht denken Sie bei einer diabetesbedingten Nierenerkrankung sofort an Dialyse. Genau diese Vorstellung macht vielen Menschen Angst. Doch zwischen einer ersten Auffälligkeit im Urin und einem schweren Nierenversagen liegen häufig viele Jahre, und längst nicht jede Nierenveränderung schreitet bis zu einer Dialyse fort. Heute gibt es außerdem wesentlich bessere Möglichkeiten, die Nieren zu schützen als noch vor einigen Jahren. Gute Blutzucker- und Blutdruckwerte bleiben wichtig, gleichzeitig stehen moderne Medikamente zur Verfügung, die bei geeigneten Menschen das Fortschreiten einer Nierenerkrankung bremsen und dabei oft auch Herz und Gefäße schützen können. Deshalb ist die frühe Diagnose so wertvoll: Je früher auffällt, dass die Nieren Unterstützung brauchen, desto mehr Möglichkeiten gibt es, ihre vorhandene Funktion möglichst lange zu erhalten.
Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig übersehen. Nicht jede Nierenerkrankung bei einem Menschen mit Diabetes wird automatisch durch den Diabetes verursacht. Auch Bluthochdruck, andere Gefäßerkrankungen, Entzündungen der Nieren, Medikamente oder ganz andere Nierenerkrankungen können dahinterstecken. Deshalb sprechen Fachleute heute häufig allgemein von einer Nierenerkrankung bei Diabetes oder einer diabetesassoziierten Nierenerkrankung. Die zugrunde liegende Patienteninformation unterscheidet ebenfalls zwischen Nierenschäden, die direkt mit dem Diabetes zusammenhängen, und Nierenerkrankungen mit anderen Ursachen.
Merkkasten: Eine Nierenerkrankung bei Diabetes bedeutet nicht automatisch, dass Ihre Nieren versagen werden. Gerade frühe Veränderungen lassen sich heute oft sehr gut behandeln und über lange Zeit stabil halten. Entscheidend ist, sie überhaupt rechtzeitig zu entdecken.
Was Ihre Nieren eigentlich den ganzen Tag machen
Stellen Sie sich Ihre Nieren vereinfacht wie zwei sehr fein arbeitende Filterstationen vor. Durch diese Filter fließt ständig Blut. Abfallstoffe, überschüssige Salze und Wasser werden herausgefiltert und später mit dem Urin ausgeschieden, während wichtige Bestandteile des Blutes im Körper bleiben. Dazu gehört beispielsweise ein Eiweiß namens Albumin. Eine gesunde Niere hält dieses Eiweiß normalerweise weitgehend im Blut zurück. Wird der Nierenfilter beschädigt und durchlässiger, kann zunehmend Albumin in den Urin gelangen. Genau deshalb ist die Messung von Albumin im Urin heute eine der wichtigsten Möglichkeiten, eine beginnende Nierenschädigung früh zu erkennen. Die Ausgangsinformation beschreibt diese Filterfunktion bereits sehr anschaulich: Kleine Stoffe können ausgeschieden werden, während größere Bestandteile wie Eiweiße normalerweise im Blut bleiben.
Die Niere ist jedoch noch viel mehr als ein Filter. Sie reguliert mit, wie viel Flüssigkeit sich im Körper befindet, beeinflusst die Konzentration wichtiger Mineralstoffe und hilft bei der Steuerung des Blutdrucks. Außerdem produziert beziehungsweise aktiviert sie Stoffe, die für die Bildung roter Blutkörperchen und für den Knochenstoffwechsel wichtig sind. Erst bei stärker nachlassender Nierenfunktion wird deshalb deutlich, wie viele Aufgaben diese Organe tatsächlich übernehmen. Müdigkeit bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kann beispielsweise nicht nur durch die eingeschränkte Filterfunktion entstehen, sondern auch damit zusammenhängen, dass sich eine Blutarmut entwickelt. Wassereinlagerungen können auftreten, weil Flüssigkeit und Salz nicht mehr so gut ausgeschieden werden. Diese Beschwerden entstehen allerdings meist spät – und genau deshalb sollten regelmäßige Kontrollen bereits vorher stattfinden.
Was Diabetes mit diesen feinen Filtern machen kann
Bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten verändert sich über längere Zeit die Belastung der kleinen Blutgefäße in den Nieren. Gleichzeitig kann der Druck innerhalb der feinen Filtereinheiten steigen. Anfangs arbeiten die Nieren dadurch manchmal sogar scheinbar besonders kräftig. Das klingt zunächst positiv, bedeutet aber eher, dass sie unter einer ungewöhnlich hohen Belastung stehen. Im Laufe der Jahre können die empfindlichen Gefäßwände dadurch geschädigt und durchlässiger werden. Albumin gelangt zunehmend in den Urin und die Filterleistung kann langsam abnehmen. Die ursprüngliche Patienteninformation erklärt ebenfalls, dass dauerhaft erhöhte Glukosewerte die feinen Gefäßwände schädigen können und dadurch Eiweiß in den Urin gelangt.
Der Blutzucker ist dabei nicht der einzige Faktor. Der Blutdruck spielt für die Nieren eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Ein hoher Blutdruck belastet die kleinen Nierengefäße zusätzlich, und gleichzeitig kann eine geschädigte Niere selbst dazu beitragen, dass der Blutdruck weiter ansteigt. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen, bei dem sich Bluthochdruck und Nierenschädigung gegenseitig verstärken. Auch Rauchen, erhöhte Blutfette, starkes Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Belastung erhöhen. Daneben gibt es Dinge, auf die Sie keinen Einfluss haben, beispielsweise Ihre genetische Veranlagung, Ihr Alter oder die Dauer des Diabetes.
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Habe ich meine Nieren geschädigt, weil meine Zuckerwerte früher einmal schlechter waren?“ Versuchen Sie, diese Frage nicht als Schuldfrage zu betrachten. Zwei Menschen können über viele Jahre ähnliche Blutzuckerwerte haben und trotzdem völlig unterschiedliche Nierenverläufe entwickeln. Genetik, Blutdruck, Gefäßgesundheit, Alter und viele weitere Faktoren spielen ebenfalls mit hinein. Viel wichtiger als der Blick zurück ist deshalb die Frage: Was kann ich heute tun, damit meine Nieren möglichst lange stabil bleiben?
Warum eine beginnende Nierenerkrankung so leicht übersehen wird
Eine Nierenerkrankung gehört zu den Diabetesfolgen, die sich besonders lange verstecken können. Ihre Nieren können bereits erste Veränderungen zeigen, während Sie keinerlei Schmerzen haben, normal Wasser lassen und sich im Alltag nicht anders fühlen als vorher. Genau deshalb wird die Erkrankung häufig nicht aufgrund von Beschwerden entdeckt, sondern bei einer normalen Diabeteskontrolle durch eine Blut- und Urinuntersuchung. Auch deine Ausgangsquelle weist ausdrücklich darauf hin, dass eine diabetesbedingte Nierenschädigung meistens schleichend und ohne typische Beschwerden beginnt.
Erst bei einer deutlicher eingeschränkten Nierenfunktion können Beschwerden entstehen. Manche Menschen bemerken Wassereinlagerungen an den Beinen, Füßen oder rund um die Augen. Andere fühlen sich zunehmend erschöpft, weniger belastbar oder können sich schlechter konzentrieren. Juckreiz, Muskelkrämpfe, schlechter Appetit, Übelkeit oder Schlafprobleme können ebenfalls vorkommen. Solche Beschwerden sind allerdings nicht typisch genug, um allein daraus eine Nierenerkrankung abzuleiten. Müdigkeit kann unzählige Gründe haben und geschwollene Beine können beispielsweise auch durch Herz- oder Venenerkrankungen entstehen. Deshalb ersetzt die Beobachtung des Körpers niemals die regelmäßige Laborkontrolle.
Auch schaumiger Urin wird häufig als eindeutiges Nierenzeichen dargestellt. Größere Eiweißmengen im Urin können tatsächlich dazu führen, dass der Urin stärker schäumt. Gleichzeitig gibt es viele harmlose Gründe für Schaum in der Toilette. Umgekehrt kann eine Nierenerkrankung bestehen, ohne dass Ihnen am Urin überhaupt etwas auffällt. Der Blick in die Toilette ist deshalb kein Nierentest.
Merkkasten: Nierenschäden können lange vollkommen still verlaufen. Warten Sie deshalb nicht auf Schmerzen, Wassereinlagerungen oder Müdigkeit. Ein einfacher Urin- und Bluttest kann Veränderungen wesentlich früher zeigen.
Zwei Werte sind für Ihre Nieren besonders wichtig
Viele Menschen kennen aus ihren Laborbefunden den Begriff Kreatinin. Dieser Wert wird häufig automatisch mit den Nieren verbunden. Kreatinin entsteht im Muskelstoffwechsel und wird über die Nieren ausgeschieden. Funktionieren die Nieren schlechter, kann der Wert ansteigen. Heute schaut man jedoch nicht nur auf das Kreatinin selbst, sondern berechnet daraus die sogenannte eGFR. Hinter diesem komplizierten Kürzel steckt eine recht einfache Information: Wie gut können Ihre Nieren das Blut noch filtern?
Je niedriger diese geschätzte Filterleistung über längere Zeit wird, desto stärker ist die Nierenfunktion eingeschränkt. Ein einzelner Wert sollte jedoch nicht überbewertet werden. Alter, Muskelmasse, Flüssigkeitshaushalt und andere Faktoren können den Wert beeinflussen. Viel wichtiger ist häufig die Entwicklung: Bleibt die eGFR über Jahre nahezu gleich oder sinkt sie innerhalb kurzer Zeit deutlich? Ein stabiler Verlauf erzählt eine andere Geschichte als ein schneller Verlust.
Der zweite wichtige Wert wird im Urin bestimmt. Dabei geht es um das bereits erwähnte Eiweiß Albumin. Auf Ihrem Laborzettel kann dafür die Bezeichnung Albumin-Kreatinin-Ratio, AKR oder UACR stehen. Sie brauchen sich diese Abkürzungen nicht zu merken. Merken Sie sich einfach: Der Urintest zeigt, ob Ihre Nieren beginnen, mehr Eiweiß durchzulassen, als sie sollten.
Die aktuellen Empfehlungen betonen ausdrücklich, dass beide Werte zusammengehören. Eine normale Filterleistung bedeutet nämlich nicht automatisch, dass alles unauffällig ist. Manche Menschen verlieren bereits Albumin über den Urin, obwohl die eGFR noch gut aussieht. Umgekehrt kann die Filterleistung eingeschränkt sein, obwohl kaum Albumin im Urin gefunden wird. Deshalb wird eine chronische Nierenerkrankung heute nicht anhand einer einzigen Zahl beurteilt.
Ein auffälliger Urinwert ist noch kein Grund zur Panik
Vielleicht sehen Sie in Ihrem Laborbefund zum ersten Mal einen erhöhten Albuminwert und erschrecken. Ein einzelner auffälliger Wert reicht jedoch normalerweise nicht aus, um eine dauerhafte Nierenschädigung festzustellen. Albumin kann vorübergehend im Urin ansteigen, beispielsweise während eines Infekts, nach stärkerer körperlicher Belastung, bei sehr hohen Blutzuckerwerten oder deutlich erhöhtem Blutdruck. Deshalb werden auffällige Ergebnisse häufig kontrolliert und im Zusammenhang mit Ihrer gesamten Situation bewertet.
Als grobe Orientierung gilt eine Albumin-Kreatinin-Ratio ab etwa 30 mg/g als auffällig. Eine deutliche und dauerhaft erhöhte Ausscheidung weist stärker auf eine relevante Nierenschädigung hin. Sie müssen diese Zahlen aber nicht selbst auswerten. Für Sie ist viel wichtiger zu wissen, dass eine Wiederholungsmessung sinnvoll sein kann und dass der Verlaufzählt.
Fragen Sie bei einem auffälligen Befund deshalb ruhig: „War das jetzt nur einmal erhöht oder bestätigt sich der Wert bei der nächsten Kontrolle?“ Genau diese Frage hilft oft mehr als das stundenlange Googeln einzelner Laborzahlen.
Merkkasten: Ein einmal erhöhter Albuminwert bedeutet noch nicht automatisch eine chronische Nierenerkrankung. Auffällige Werte werden normalerweise bestätigt und gemeinsam mit der Filterleistung der Niere beurteilt.
Wie oft sollten die Nieren kontrolliert werden?
Bei Typ-2-Diabetes sollten eGFR und Albumin im Urin grundsätzlich bereits ab der Diagnose regelmäßig kontrolliert werden. Der Grund liegt darin, dass Typ-2-Diabetes häufig schon eine Zeit lang besteht, bevor er entdeckt wird. Veränderungen an den Nieren können deshalb theoretisch bereits bei der ersten Diabetesdiagnose vorhanden sein.
Bei Typ-1-Diabetes wird die jährliche Kontrolle normalerweise spätestens nach etwa fünf Jahren Diabetesdauer begonnen. Besteht bereits eine Nierenerkrankung, erfolgen die Untersuchungen häufiger. Je nach Schweregrad können Kontrollen ein- bis viermal pro Jahr oder bei einer fortgeschrittenen Erkrankung noch öfter notwendig sein.
Vielleicht kennen Sie Ihren HbA1c ganz genau, wissen aber nicht, wann zuletzt Albumin im Urin untersucht wurde. Das geht vielen Menschen so. Fragen Sie beim nächsten Kontrolltermin ruhig einmal nach: „Wie sieht eigentlich meine eGFR aus und wurde mein Urin auf Albumin untersucht?“ Sie müssen die Werte nicht auswendig lernen. Es reicht, zu wissen, ob sie unauffällig und stabil sind oder ob etwas genauer beobachtet werden muss.
Warum die Nieren gleichzeitig etwas über Ihr Herz verraten
Eine Nierenerkrankung ist nicht nur für die Nieren selbst wichtig. Eine erhöhte Albuminausscheidung oder eine eingeschränkte Filterleistung zeigt auch, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sein kann. Herz, Blutgefäße und Nieren gehören sehr eng zusammen. Genau deshalb wird die Behandlung heute nicht mehr getrennt gedacht nach dem Motto: Hier ist der Diabetes, dort der Blutdruck und irgendwo anders die Niere.
Eine moderne Diabetesbehandlung versucht gleichzeitig den Blutzucker vernünftig einzustellen, den Blutdruck zu behandeln, ungünstige Blutfette zu berücksichtigen, Rauchen zu vermeiden und Medikamente auszuwählen, die je nach persönlicher Situation Herz und Nieren zusätzlich schützen. Die aktuellen Diabetesempfehlungen berücksichtigen deshalb bei der Therapie einer chronischen Nierenerkrankung nicht nur die Entwicklung der eGFR, sondern ausdrücklich auch das Herz-Kreislauf-Risiko.
Das ist ein wichtiger Fortschritt. Ein Diabetesmedikament wird heute nicht mehr ausschließlich danach beurteilt, wie viele Punkte es den HbA1c senkt. Bei manchen Menschen ist mindestens genauso wichtig, ob ein Medikament das Risiko einer Herzschwäche verringern oder die Nierenfunktion länger erhalten kann.
Gute Blutzuckerwerte bleiben wichtig – aber Perfektion ist nicht das Ziel
Dauerhaft deutlich erhöhte Blutzuckerwerte belasten die Nieren. Eine gute Diabetesbehandlung gehört deshalb weiterhin zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch mit Nierenerkrankung einen möglichst niedrigen HbA1c erzwingen sollte. Ein 45-jähriger Mensch ohne Unterzuckerungen braucht möglicherweise ein anderes Ziel als eine 82-jährige Person mit mehreren Erkrankungen und häufigen niedrigen Werten.
Mit sinkender Nierenfunktion verändert sich außerdem häufig die Wirkung von Insulin und manchen Diabetesmedikamenten. Die Niere ist an deren Ausscheidung beteiligt. Funktioniert sie deutlich schlechter, können Medikamente länger wirken und Unterzuckerungen wahrscheinlicher werden. Deshalb kann eine Insulindosis, die jahrelang gut gepasst hat, irgendwann zu hoch werden, obwohl Sie weder Ihre Ernährung noch Ihr Gewicht verändert haben.
Genau deshalb sollten Medikamente und Insulin bei einer veränderten Nierenfunktion regelmäßig überprüft werden. Eine gute Diabetesbehandlung ist keine starre Einstellung für den Rest des Lebens. Sie passt sich Ihrem Körper an.
Blutdruck: einer der wichtigsten Schutzfaktoren für Ihre Nieren
Ein erhöhter Blutdruck kann die empfindlichen Filtergefäße der Nieren zusätzlich belasten. Deshalb lohnt es sich, Blutdruckwerte bei einer Nierenerkrankung genauso ernst zu nehmen wie den Blutzucker. Für viele Menschen mit Diabetes und chronischer Nierenerkrankung wird ein Blutdruck unter etwa 130/80 mmHg angestrebt, sofern dieser gut vertragen wird. Ein Mensch, der bei solchen Werten ständig Schwindel bekommt oder stürzt, benötigt selbstverständlich ein anderes individuelles Ziel.
Bei Bluthochdruck und einer erhöhten Albuminausscheidung werden häufig Medikamente aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder AT1-Blocker eingesetzt. Sie senken nicht nur den Blutdruck, sondern können gleichzeitig den ungünstigen Druck innerhalb der Nierenfilter vermindern und dadurch die Nieren schützen. Unter dieser Behandlung werden Nierenwerte und Kalium kontrolliert. Eine leichte Veränderung des Kreatininwertes nach Therapiebeginn bedeutet dabei nicht automatisch, dass das Medikament abgesetzt werden muss. Das Behandlungsteam beurteilt, ob die Veränderung im erwartbaren Bereich liegt.
Bitte nehmen Sie solche Medikamente nicht allein deshalb ein, weil Sie Diabetes haben. Bei normalem Blutdruck, normalem Urinbefund und normaler Nierenfunktion werden sie nicht einfach vorsorglich für jeden Menschen mit Diabetes benötigt.
Moderne Diabetesmedikamente können die Nieren zusätzlich schützen
Hier hat sich die Diabetesbehandlung in den vergangenen Jahren besonders stark verändert. Bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung spielen sogenannte SGLT2-Hemmer heute eine wichtige Rolle. Zu dieser Medikamentengruppe gehören beispielsweise Empagliflozin oder Dapagliflozin. Sie wurden ursprünglich als blutzuckersenkende Medikamente entwickelt, können bei geeigneten Menschen aber zusätzlich das Fortschreiten einer Nierenerkrankung verlangsamen und das Risiko einer Herzschwäche reduzieren. Dieser Schutz besteht teilweise unabhängig davon, wie stark der HbA1c dadurch verändert wird. Die aktuellen Empfehlungen sehen einen SGLT2-Hemmer bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung deshalb als wichtigen Behandlungsbaustein an, sofern keine Gründe dagegensprechen.
Das bedeutet etwas sehr Interessantes: Ihr HbA1c kann bereits recht gut sein und trotzdem kann ein solches Medikament medizinisch sinnvoll sein, weil es nicht nur für den Blutzucker eingesetzt wird. Gerade diese Entwicklung zeigt, warum die heutige Diabetesbehandlung nicht mehr allein nach einer einzigen Zahl beurteilt werden sollte.
Bei Typ-1-Diabetes gelten andere Regeln. Medikamente, die bei Typ-2-Diabetes für die Nieren hilfreich sein können, lassen sich nicht automatisch auf Typ-1-Diabetes übertragen. Besonders das Risiko einer Ketoazidose muss berücksichtigt werden. Deshalb gehört jede solche Behandlung zur individuellen Entscheidung Ihres Diabetes-Teams.
Auch GLP-1-Medikamente spielen inzwischen eine größere Rolle
Viele Menschen kennen GLP-1-Rezeptoragonisten vor allem wegen ihrer Wirkung auf Blutzucker, Appetit und Gewicht. Inzwischen weiß man, dass bestimmte Vertreter dieser Medikamentengruppe bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zusätzlich Vorteile für Herz und Nieren haben können. Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen deshalb bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung GLP-1-basierte Therapien mit nachgewiesenem Nutzen als mögliche beziehungsweise wichtige Behandlung.
Welches Medikament für Sie sinnvoll ist, hängt jedoch von weit mehr als Ihrem Nierenwert ab. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gewicht, bisherige Medikamente, Verträglichkeit, Unterzuckerungsrisiko und Ihre persönlichen Bedürfnisse spielen ebenfalls hinein.
Vielleicht wird dadurch deutlich: Nierenschutz besteht heute nicht aus einem einzelnen Medikament. Die Behandlung wird aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt, die zu Ihrer persönlichen Situation passen.
Finerenon: ein weiterer Schutz bei bestimmten Menschen mit Typ-2-Diabetes
Bei einigen Menschen mit Typ-2-Diabetes bleibt trotz guter Behandlung weiterhin deutlich Albumin im Urin nachweisbar. In einer solchen Situation kann unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich Finerenon infrage kommen. Dieses Medikament beeinflusst Vorgänge, die an Entzündungs- und Umbauprozessen in Herz und Nieren beteiligt sind, und kann bei passenden Patientinnen und Patienten das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion sowie bestimmte Herz-Kreislauf-Risiken reduzieren.
Das Medikament ist jedoch keine allgemeine „Nierentablette für Diabetiker“. Vor und während der Behandlung werden Nierenfunktion und Kaliumwert berücksichtigt. Die Entscheidung gehört deshalb in die ärztliche Therapieplanung.
Merkkasten: Moderne Nierenbehandlung bedeutet heute mehr als „Zucker runter“. Blutzucker, Blutdruck und – bei passender Situation – nierenschützende Medikamente werden gemeinsam betrachtet. Gerade bei Typ-2-Diabetes stehen heute wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als früher.
Muss man mit einer Nierenerkrankung besonders wenig Eiweiß essen?
Bei kaum einem Ernährungsthema gibt es so viele pauschale Ratschläge wie bei Eiweiß und Nierenerkrankungen. Manche Menschen streichen fast alle eiweißreichen Lebensmittel, sobald ihre eGFR leicht vermindert ist. Andere trinken täglich mehrere Proteinshakes, weil sie Muskeln erhalten oder Gewicht reduzieren möchten. Beides kann an Ihrer tatsächlichen Situation vorbeigehen.
Bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung ohne Dialyse wird häufig eine normale bis mäßige Eiweißzufuhr empfohlen und von sehr hohen Eiweißmengen abgeraten. Eine grobe Orientierung liegt bei ungefähr 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, wobei die richtige Menge immer von Ernährungszustand, Alter, Muskelmasse, Nierenfunktion und weiteren Erkrankungen abhängt. Menschen an der Dialyse benötigen wiederum mehr Eiweiß und sollten nicht nach denselben Regeln essen. Deshalb ist eine selbst auferlegte streng eiweißarme Ernährung keine gute Idee.
Gerade ältere Menschen mit Diabetes verlieren ohnehin leichter Muskelmasse. Essen sie zusätzlich zu wenig Eiweiß und zu wenig Energie, kann eine vermeintlich „nierenschonende“ Ernährung am Ende zu Muskelschwäche und Mangelernährung führen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung ist bei stärker eingeschränkter Nierenfunktion deshalb wesentlich sinnvoller als allgemeine Verbotslisten.
Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn sind nicht automatisch verboten
Früher erhielten Menschen mit Nierenerkrankungen teilweise sehr umfangreiche Listen mit verbotenen Lebensmitteln. Heute wird wesentlich individueller beraten. Eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbetonte Ernährung mit Gemüse, geeigneten Obstsorten, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und pflanzlichen Fetten kann grundsätzlich gut passen. Erst bei bestimmten Veränderungen im Blut, beispielsweise einem deutlich erhöhten Kaliumwert, wird gezielt angepasst.
Das bedeutet: Streichen Sie nicht vorsorglich Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte, nur weil Ihre eGFR etwas niedriger geworden ist. Ihre Laborwerte entscheiden mit, ob tatsächlich Einschränkungen notwendig sind.
Auch bei Phosphat gilt dasselbe. Eine fortgeschrittene Nierenerkrankung kann den Phosphathaushalt verändern, trotzdem muss nicht jeder Mensch mit einer leichten Einschränkung sofort eine umfassende Phosphatdiät beginnen.
Essen sollte gerade bei einer chronischen Erkrankung nicht unnötig kompliziert werden.
Salz ist häufig wichtiger als exotische „Nierenverbote“
Ein Bereich verdient tatsächlich früh Aufmerksamkeit: Salz. Viel Salz kann den Blutdruck erhöhen und Wassereinlagerungen begünstigen. Dabei stammt der größte Teil des Salzes häufig nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus Brot, Wurstwaren, Käse, Fertiggerichten, Soßen, Knabbereien und anderen stark verarbeiteten Produkten.
Sie müssen deshalb nicht anfangen, vollkommen geschmacklos zu essen. Kräuter, Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch, Zitronensaft oder Essig bringen viel Geschmack ins Essen. Häufig bringt es mehr, stark verarbeitete Lebensmittel etwas zu reduzieren, als das selbst gekochte Mittagessen krampfhaft vollkommen salzfrei zu lassen.
Muss man bei schlechten Nierenwerten besonders viel trinken?
„Viel trinken spült die Nieren durch“ klingt logisch, ist aber keine allgemeine medizinische Regel.
Bei normaler oder leicht eingeschränkter Nierenfunktion ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie täglich möglichst drei oder vier Liter trinken müssen. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung, Herzschwäche oder deutlichen Wassereinlagerungen kann zu viel Flüssigkeit sogar problematisch sein.
Die richtige Trinkmenge richtet sich deshalb nach Ihrer Nierenfunktion, Herzgesundheit, Medikamenten, Urinmenge und weiteren Erkrankungen.
Haben Sie bisher keine besondere Trinkempfehlung erhalten, brauchen Sie aus Angst um Ihre Nieren keine riesige Wasserflasche nach der anderen zu leeren.
Die Niere ist kein verstopfter Abfluss, den man durch möglichst viel Wasser wieder freispült.
Bewegung tut auch den Nieren gut
Eine chronische Nierenerkrankung bedeutet keineswegs, dass Sie sich schonen und möglichst wenig belasten sollten. Regelmäßige Bewegung unterstützt Blutdruck, Blutzucker, Herz-Kreislauf-System und Muskelkraft. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist der Erhalt der Muskulatur besonders wichtig, weil längere Inaktivität schnell zu Kraftverlust führen kann.
Spazierengehen, Radfahren, angepasstes Krafttraining oder andere moderate Bewegungsformen können grundsätzlich gut geeignet sein. Natürlich muss die Aktivität zu Ihrer gesamten Gesundheit passen. Ein Mensch mit ausgeprägter Herzschwäche, schwerer Blutarmut oder anderen Erkrankungen braucht möglicherweise ein angepasstes Programm.
Bewegung ist also auch hier kein Wettbewerb. Sie soll Ihren Körper unterstützen und nicht erschöpfen.
Warum Rauchen den Nieren besonders schadet
Rauchen schädigt Blutgefäße im gesamten Körper. Die feinen Gefäße der Nieren bilden keine Ausnahme. Bei Diabetes kommen dadurch mehrere Risiken zusammen, denn Rauchen erhöht gleichzeitig das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen und das Fortschreiten einer Nierenerkrankung.
Ein Rauchstopp kann deshalb wesentlich mehr bewirken als viele angebliche „Nierenschutzprodukte“.
Das heißt nicht, dass Aufhören einfach ist. Nikotin macht abhängig, und viele Menschen brauchen mehrere Versuche. Ärztliche Beratung, Nikotinersatz und strukturierte Entwöhnungsprogramme können dabei helfen. Jeder neue Versuch lohnt sich.
Vorsicht mit Schmerzmitteln aus der Hausapotheke
Ibuprofen oder Diclofenac gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich in die Hausapotheke. Bei eingeschränkter Nierenfunktion verdienen solche Medikamente jedoch besondere Aufmerksamkeit, denn diese Wirkstoffgruppe kann die Durchblutung der Nieren verändern und bei gefährdeten Menschen eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion begünstigen.
Das bedeutet nicht, dass Sie bei einer Nierenerkrankung niemals ein solches Schmerzmittel erhalten dürfen. Problematisch ist vor allem die wiederholte oder längerfristige Einnahme auf eigene Faust.
Haben Sie eine chronische Nierenerkrankung und benötigen häufiger Schmerzmittel, fragen Sie deshalb einfach: „Welches Schmerzmittel ist für meine Nieren am günstigsten?“
Diese Frage ist genauso sinnvoll bei pflanzlichen Mitteln und Nahrungsergänzungen. Der Begriff „natürlich“ bedeutet nicht automatisch, dass etwas für eine eingeschränkte Niere harmlos ist.
Nicht jede Nierenschädigung bei Diabetes folgt dem typischen Verlauf
Ein diabetesbedingter Nierenschaden entwickelt sich häufig langsam. Genau deshalb werden Ärztinnen und Ärzte aufmerksam, sobald etwas ungewöhnlich schnell geschieht. Fällt die Nierenfunktion innerhalb kurzer Zeit deutlich ab, steigt die Eiweißausscheidung plötzlich stark an oder findet sich beispielsweise deutlich Blut im Urin, kann eine andere oder zusätzliche Ursache dahinterstecken. Auch die aktuellen Empfehlungen weisen darauf hin, bei solchen ungewöhnlichen Befunden nach anderen Nierenerkrankungen zu suchen.
Eine solche Abklärung kann weitere Blut- und Urinuntersuchungen, einen Ultraschall und in ausgewählten Fällen eine Untersuchung bei einer Nierenfachärztin oder einem Nierenfacharzt umfassen.
Das ist kein Grund zur Panik.
Es ist vielmehr wichtig, weil eine andere Nierenerkrankung möglicherweise auch eine andere Behandlung benötigt.
Wann die Nierenfachpraxis sinnvoll wird
Vielleicht verbinden Sie eine Überweisung zur Nephrologie sofort mit Dialyse. Das ist ein Missverständnis. Eine Nierenfachärztin oder ein Nierenfacharzt wird häufig gerade deshalb früh beteiligt, damit es möglichst nicht so weit kommt.
Eine Mitbetreuung kann sinnvoll werden, sobald die Filterleistung stärker eingeschränkt ist, die Werte relativ schnell schlechter werden, sehr viel Eiweiß im Urin vorhanden ist oder nicht klar ist, wodurch die Nierenerkrankung verursacht wird. Auch komplizierte Blutdruckprobleme, auffällige Kaliumwerte oder andere Folgen einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung können eine Rolle spielen.
Dort wird nicht nur eine mögliche spätere Dialyse besprochen. Häufig geht es zunächst um Medikamentenanpassungen, Blutdruck, Ernährung, Elektrolyte und die Frage, wie die vorhandene Nierenfunktion möglichst lange erhalten werden kann.
Eine eingeschränkte Nierenfunktion verändert manchmal Ihre gesamte Medikamentenliste
Viele Medikamente werden über die Nieren ausgeschieden. Arbeitet die Niere langsamer, kann ein Wirkstoff länger im Körper bleiben. Deshalb müssen manche Medikamente bei einer eingeschränkten Nierenfunktion niedriger dosiert, häufiger kontrolliert oder irgendwann durch andere Präparate ersetzt werden.
Auch Diabetesmedikamente sind davon betroffen. Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung kann insbesondere das Unterzuckerungsrisiko steigen. Vielleicht benötigen Sie plötzlich weniger Insulin als früher oder ein Medikament wird anders dosiert.
Deshalb ist ein aktueller Medikamentenplan so wichtig. Teilen Sie auch anderen Fachärzten mit, dass Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, besonders bevor neue Medikamente verschrieben werden.
Eine niedrigere eGFR bedeutet nicht automatisch Dialyse
Dieser Gedanke ist wahrscheinlich einer der häufigsten Gründe für Angst nach einem auffälligen Laborbefund. Eine eGFR unter 60 bedeutet zunächst, dass die Nierenfunktion über einen längeren Zeitraum eingeschränkt sein kann und genauer beobachtet werden sollte. Das bedeutet keineswegs, dass eine Dialyse kurz bevorsteht.
Viele Menschen leben über viele Jahre mit einer mäßig eingeschränkten, aber stabilen Nierenfunktion. Moderne Medikamente können diesen Verlauf zusätzlich günstig beeinflussen. Erst bei einer sehr schweren Einschränkung und entsprechenden körperlichen Problemen wird eine Nierenersatztherapie notwendig. Dazu gehören verschiedene Formen der Dialyse und bei geeigneten Menschen eine Nierentransplantation.
Der wichtigste Satz lautet deshalb:
Merkkasten: Ein schlechterer Nierenwert ist keine automatische Vorhersage einer Dialyse. Entscheidend sind das Ausmaß der Einschränkung, die Albuminausscheidung, die Geschwindigkeit der Veränderung und wie gut die Ursachen behandelt werden können.
Kann sich eine beginnende Nierenerkrankung wieder verbessern?
Gerade die frühe Phase ist nicht einfach eine Einbahnstraße. Eine erhöhte Albuminausscheidung kann unter einer guten Behandlung wieder deutlich zurückgehen. Blutdruck, Blutzucker und moderne Medikamente können dazu beitragen, die Belastung der Nierenfilter zu reduzieren.
Das bedeutet nicht, dass jede chronische Nierenerkrankung vollständig geheilt werden kann. Bereits deutlich verlorene Filterfunktion lässt sich meistens nicht einfach zurückholen. Das realistische und sehr wichtige Ziel lautet deshalb, die vorhandene Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten.
Und genau hierbei kann ein über Jahre stabiler Verlauf bereits ein großer Behandlungserfolg sein.
Nicht jede erfolgreiche Behandlung macht einen Laborwert plötzlich „normal“.
Manchmal besteht der Erfolg darin, dass er sich über viele Jahre kaum verschlechtert.
Was Sie selbst im Alltag tun können, ohne Ihr Leben zur Nierendiät zu machen
Sie brauchen keinen komplizierten Tagesplan, um Ihre Nieren zu unterstützen. Die wichtigsten Dinge sind erstaunlich unspektakulär: Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente zuverlässig ein, achten Sie auf Ihren Blutdruck und Ihre Diabetesbehandlung, bewegen Sie sich regelmäßig, rauchen Sie möglichst nicht und essen Sie überwiegend abwechslungsreich und wenig stark verarbeitet. Sehr salzreiche Lebensmittel und extrem hohe Eiweißmengen sind bei einer bestehenden Nierenerkrankung nicht ideal, gleichzeitig brauchen Sie keine eigenständige radikale Diät.
Achten Sie außerdem darauf, frei verkäufliche Schmerzmittel nicht dauerhaft ohne Rücksprache einzunehmen. Informieren Sie Ihre behandelnden Praxen über eine eingeschränkte Nierenfunktion und lassen Sie die empfohlenen Blut- und Urinkontrollen durchführen.
Sie benötigen keine „Nierenreinigung“, keinen Entgiftungstee und keine teuren Nahrungsergänzungsmittel.
Ihre Nieren reinigen Ihren Körper bereits selbst.
Die sinnvollste Unterstützung besteht darin, die Bedingungen zu verbessern, unter denen sie arbeiten müssen.
Wann Sie nicht bis zum nächsten Kontrolltermin warten sollten
Eine chronische Nierenerkrankung entwickelt sich meistens langsam. Manche Beschwerden verdienen trotzdem eine zeitnahe oder rasche medizinische Abklärung. Dazu gehören plötzlich starke Wassereinlagerungen, eine deutliche Zunahme des Körpergewichts durch Flüssigkeit innerhalb weniger Tage, deutlich weniger Urin als üblich, starke Atemnot, ausgeprägte Schwäche, wiederholtes Erbrechen oder zunehmende Benommenheit.
Auch sichtbar roter oder blutiger Urin sollte nicht einfach als typische Diabetesfolge betrachtet werden. Er kann viele Ursachen haben und gehört untersucht.
Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung können außerdem Mineralstoffe wie Kalium aus dem Gleichgewicht geraten. Diese Veränderungen merkt man nicht immer zuverlässig. Genau deshalb werden Laborwerte bei fortgeschrittener Erkrankung häufiger kontrolliert.
Schauen Sie beim nächsten Termin einmal über den HbA1c hinaus
Menschen mit Diabetes lernen sehr früh, auf ihren HbA1c zu achten. Dieser Wert ist wichtig, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte Ihrer Gesundheit.
Kennen Sie Ihren Blutdruck?
Wissen Sie ungefähr, wie Ihre Nierenfunktion aussieht?
Wurde Ihr Urin in letzter Zeit auf Albumin untersucht?
Sie müssen daraus keinen neuen Kontrollzwang entwickeln. Ein kurzer Blick auf diese Werte reicht häufig aus, um zu wissen, ob alles stabil ist.
Vielleicht stellen Sie beim nächsten Termin einfach diese Frage:
„Wie geht es eigentlich meinen Nieren?“
Das ist eine erstaunlich einfache Frage.
Und sie kann dafür sorgen, dass eine Veränderung entdeckt wird, lange bevor Ihre Nieren selbst Beschwerden verursachen.
Fazit: Ihre Nieren bleiben lange still – Ihre Laborwerte können trotzdem früh warnen
Eine Nierenerkrankung gehört zu den Diabetesfolgen, bei denen Vorsorge besonders viel bewirken kann. Gerade weil die Nieren lange keine Schmerzen verursachen und frühe Veränderungen meistens unbemerkt bleiben, sollten Sie nicht auf Symptome warten. Die wichtigsten Untersuchungen sind einfach: Im Blut wird die Filterleistung als eGFR beurteilt und im Urin wird kontrolliert, ob vermehrt Albumin verloren geht. Beide Werte gehören zusammen, weil eine beginnende Nierenerkrankung bei noch guter Filterleistung auftreten kann und umgekehrt eine eingeschränkte Filterleistung auch ohne stark erhöhte Albuminausscheidung möglich ist.
Bei Typ-2-Diabetes gehören diese Kontrollen bereits ab der Diagnose zur regelmäßigen Betreuung. Bei Typ-1-Diabetes werden sie nach einigen Jahren Diabetesdauer begonnen. Sobald eine chronische Nierenerkrankung festgestellt wurde, werden die Abstände entsprechend dem persönlichen Risiko verkürzt.
Die Behandlung besteht heute längst nicht mehr nur darin, den Blutzucker zu senken. Blutdruck, Herz-Kreislauf-Risiko und Nieren werden gemeinsam betrachtet. Bei Typ-2-Diabetes können beispielsweise SGLT2-Hemmer und bestimmte GLP-1-basierte Medikamente zusätzlich dazu beitragen, Nieren und Herz zu schützen. Bei manchen Menschen kommt Finerenon als weiterer Baustein infrage. Diese Medikamente werden individuell ausgewählt und sind keine allgemeine Therapie für jeden Menschen mit Diabetes.
Im Alltag helfen Ihnen keine extremen Nierendiäten. Viel wichtiger sind eine vernünftige Ernährung, ein guter Blutdruck, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen und ein bewusster Umgang mit Medikamenten, die die Nieren belasten können. Gerade bei fortgeschrittener Nierenerkrankung sollten Eiweiß-, Salz-, Kalium- und Flüssigkeitsmengen individuell besprochen werden, anstatt pauschale Verbotslisten aus dem Internet zu übernehmen.
Und bitte denken Sie nicht automatisch an Dialyse, sobald ein Nierenwert auffällig ist. Eine frühe Nierenerkrankung kann über viele Jahre stabil bleiben. Heute stehen deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung, eine Verschlechterung zu bremsen als früher.
Ihre Nieren melden sich möglicherweise lange nicht bei Ihnen. Deshalb lohnt es sich, ihnen trotzdem regelmäßig zuzuhören – über Blut- und Urinwerte.
Quellen
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Aktuelle Praxisempfehlungen 2026 zur Diabetesversorgung und Behandlung von Typ-2-Diabetes sowie Empfehlungen zum Umgang mit Nierenerkrankungen bei Diabetes.
American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Aktuelle Empfehlungen zur Kontrolle von eGFR und Albumin im Urin sowie zur Behandlung und zum Nierenschutz bei Diabetes.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle diabetologische oder nephrologische Untersuchung. Nierenwerte müssen immer im Zusammenhang mit Alter, Diabetesform, Blutdruck, Medikamenten und dem bisherigen Verlauf beurteilt werden.
Verändern Sie Ihre Diabetes-, Blutdruck- oder Nierenmedikamente nicht aufgrund einzelner Laborwerte selbstständig. Auch eine starke Einschränkung von Eiweiß, Kalium, Salz oder Trinkmenge sollte bei einer bestehenden Nierenerkrankung individuell besprochen werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
August 2026

