Wenn Ihnen zum ersten Mal gesagt wird, dass Sie Insulin spritzen müssen, klingt das für viele Menschen zunächst wesentlich schlimmer, als es später im Alltag tatsächlich ist. Vielleicht haben Sie Angst vor der Nadel, stellen sich die Injektion schmerzhaft vor oder sind unsicher, ob Sie überhaupt selbst in der Lage sein werden, sich mehrmals am Tag Insulin zu geben. Gerade wenn Insulin neu zur Behandlung hinzukommt, können außerdem viele kleine Fragen entstehen: Wohin darf ich eigentlich spritzen? Wie tief muss die Nadel hinein? Muss ich eine Hautfalte bilden? Warum soll ich jedes Mal eine neue Nadel benutzen? Und was passiert, wenn nach dem Herausziehen des Pens noch ein Tropfen Insulin auf der Haut liegt?
Die gute Nachricht ist, dass moderne Insulinpens mit sehr kurzen und feinen Nadeln arbeiten und eine richtig durchgeführte Injektion normalerweise kaum oder nur sehr kurz zu spüren ist. Viel wichtiger als Mut oder eine besonders hohe Schmerzgrenze ist deshalb eine gute Technik. Wenn Sie wissen, wie der Pen vorbereitet wird, welche Stellen geeignet sind und warum Sie die Einstichstelle regelmäßig wechseln sollten, wird aus einer zunächst ungewohnten Handlung meistens erstaunlich schnell eine Routine.
Trotzdem lohnt es sich, diese Routine gelegentlich wieder überprüfen zu lassen. Denn gerade bei Dingen, die man jeden Tag macht, schleichen sich kleine Gewohnheiten ein. Vielleicht verwenden Sie die Pen-Nadel irgendwann zweimal, weil es schneller geht, spritzen immer wieder an genau dieselbe Stelle oder ziehen die Nadel unmittelbar nach dem Drücken wieder heraus. Einzelne kleine Fehler erscheinen harmlos, können über längere Zeit jedoch dazu führen, dass Insulin schlechter oder unberechenbarer aufgenommen wird.
Eine gute Injektionstechnik hat deshalb nicht nur damit zu tun, ob das Spritzen weh tut. Sie kann auch dazu beitragen, dass Ihr Insulin möglichst zuverlässig so wirkt, wie es geplant ist. Die Diabetes-Fachinformationen empfehlen deshalb, die eigene Anwendung regelmäßig mit dem Diabetes-Team oder geschultem Fachpersonal durchzugehen.
Warum Insulin überhaupt gespritzt werden muss
Insulin ist ein Hormon, das normalerweise in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und dafür sorgt, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Bei Typ-1-Diabetes produziert der Körper kein oder nicht mehr ausreichend eigenes Insulin, weshalb Insulin von außen zugeführt werden muss. Auch bei Typ-2-Diabetes kann im Laufe der Erkrankung eine Insulintherapie notwendig werden, wenn die körpereigene Insulinproduktion nicht mehr ausreicht.
Insulin kann nicht einfach wie eine normale Tablette geschluckt werden, weil es ein Eiweißstoff ist und im Verdauungssystem weitgehend zerlegt würde. Deshalb muss es über das Unterhautfettgewebe in den Körper gelangen, beispielsweise mithilfe eines Insulinpens oder einer Insulinpumpe.
Der Pen gehört dabei zu den gebräuchlichsten Möglichkeiten. Er sieht eher wie ein dicker Kugelschreiber als wie eine klassische Spritze aus. Je nach Modell enthält er eine austauschbare Insulinpatrone oder wird als vollständig vorgefüllter Einmalpen verwendet. An der Spitze wird für jede Injektion eine kleine Pen-Nadel aufgesetzt und über ein Einstellrad die benötigte Zahl an Insulineinheiten gewählt.
Merkkasten – Insulin spritzen soll keine Mutprobe sein:
Moderne Pen-Nadeln sind sehr dünn und kurz. Wenn eine Injektion regelmäßig deutlich schmerzt, sollten Sie das nicht einfach als unvermeidbar hinnehmen. Häufig lohnt es sich, Nadel, Spritzstelle und Technik gemeinsam mit einer Diabetesberaterin oder einem Diabetesberater noch einmal anzuschauen.
Wo muss das Insulin eigentlich hin?
Insulin soll in das Unterhautfettgewebe gespritzt werden. Damit ist die weiche Fettschicht gemeint, die zwischen Haut und Muskulatur liegt.
Dort wird das Insulin nach und nach in den Blutkreislauf aufgenommen. Genau dieser Weg ist für die Wirkung der Insulinpräparate vorgesehen.
Wird zu oberflächlich gespritzt, kann das Insulin ungünstig im Gewebe landen. Wird dagegen zu tief gestochen und die Nadel erreicht den Muskel, kann Insulin wesentlich schneller aufgenommen werden als geplant. Besonders bei schnell wirkendem Insulin kann dadurch das Risiko für eine Unterzuckerung steigen. Außerdem kann eine Injektion in den Muskel deutlich unangenehmer sein.
Deshalb sind kurze Pen-Nadeln heute so wichtig. Sie erleichtern es, zuverlässig das Unterhautfettgewebe zu erreichen, ohne unnötig tief zu stechen.
Wie lang sollte die Pen-Nadel sein?
Viele Menschen glauben zunächst, dass ein kräftigerer Körper automatisch eine lange Nadel benötigt. Das stimmt so nicht, denn die Haut ist auch bei Menschen mit Übergewicht nicht plötzlich mehrere Zentimeter dick.
Für Erwachsene werden heute häufig kurze Pen-Nadeln von etwa 4 oder 5 Millimetern verwendet. Eine 4-Millimeter-Nadel wird senkrecht in die Haut gestochen und kann bei sehr unterschiedlichen Körperformen eingesetzt werden. Auch bei Übergewicht ist in der Regel keine besonders lange Nadel notwendig. Der VDBD-Leitfaden bewertet die kurze 4-Millimeter-Pen-Nadel als sichere Möglichkeit für Erwachsene und Kinder; bei sehr schlanken Menschen oder kleinen Kindern kann zusätzlich eine Hautfalte sinnvoll sein.
Welche Nadel für Sie persönlich geeignet ist, sollten Sie trotzdem nicht allein anhand Ihrer Körpergröße oder Ihres Gewichtes auswählen. Lassen Sie sich die passende Länge einmal zeigen, besonders wenn Sie sehr schlank sind, wenig Unterhautfettgewebe besitzen oder bisher deutlich längere Nadeln verwendet haben.
Tipp:
Wenn Sie seit vielen Jahren dieselbe Nadellänge verwenden, lohnt sich beim nächsten Termin eine kurze Nachfrage. Moderne Pen-Nadeln sind häufig deutlich kürzer als die Nadeln, mit denen viele Menschen ihre Insulintherapie früher begonnen haben.
Brauchen Sie beim Spritzen eine Hautfalte?
Eine Hautfalte ist nicht bei jeder Injektion notwendig. Gerade bei kurzen Pen-Nadeln können viele Erwachsene senkrecht spritzen, ohne vorher eine Hautfalte anzuheben.
Bei sehr schlanken Menschen, kleinen Kindern oder bei der Verwendung längerer Nadeln kann eine Hautfalte jedoch helfen, den Abstand zum darunterliegenden Muskel zu vergrößern.
Wenn Ihnen eine Hautfalte empfohlen wurde, sollten Sie diese nicht mit der ganzen Hand kräftig zusammendrücken. Meist wird die Haut mit Daumen und Zeigefinger beziehungsweise wenigen Fingern vorsichtig angehoben, sodass hauptsächlich Haut und Unterhautfettgewebe erfasst werden und nicht gleichzeitig der Muskel nach oben gezogen wird.
Lassen Sie sich das am besten einmal direkt zeigen. Eine Hautfalte sieht einfach aus, wird aber erstaunlich häufig unnötig fest oder zu groß gegriffen.
Merkkasten – nicht jeder braucht eine Hautfalte:
Mit einer kurzen Pen-Nadel können viele Erwachsene senkrecht ohne Hautfalte spritzen. Ob Sie eine Hautfalte benötigen, hängt unter anderem von Körperbau, Spritzstelle und Nadellänge ab. Entscheidend ist die Technik, die für Sie geschult wurde.
Bauch oder Oberschenkel – wohin kann Insulin gespritzt werden?
Zu den wichtigsten Spritzbereichen gehören vor allem der Bauch und die Oberschenkel. Je nach Insulin, Therapie und persönlicher Anleitung können auch Gesäß beziehungsweise Hüftbereich verwendet werden. Der Oberarm wird ebenfalls bei manchen Insulinen als mögliche Injektionsregion genannt, ist bei der Selbstinjektion jedoch schwieriger sicher zu treffen, weil dort weniger Unterhautfettgewebe vorhanden sein kann und eine Hautfalte kaum selbst gehalten werden kann. Deshalb sollten Sie den Oberarm nur verwenden, wenn Ihnen diese Stelle ausdrücklich gezeigt wurde.
Dabei spielt nicht nur die Frage eine Rolle, ob eine Stelle geeignet ist. Auch die Geschwindigkeit, mit der Insulin aufgenommen wird, kann je nach Region unterschiedlich sein. Besonders bei Humaninsulin kann die Aufnahme aus dem Bauch schneller erfolgen als aus Oberschenkel oder Gesäß. Deshalb kann es sinnvoll sein, bestimmte Insuline bevorzugt in bestimmte Regionen zu spritzen.
Wechseln Sie solche Gewohnheiten jedoch nicht plötzlich allein, wenn Ihre Therapie bisher gezielt auf eine bestimmte Region abgestimmt wurde. Wenn Sie beispielsweise jahrelang ein bestimmtes Insulin immer in den Oberschenkel gespritzt haben und anschließend konsequent in den Bauch wechseln, kann sich die Geschwindigkeit der Insulinaufnahme verändern.
Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Diabetes-Team, welches Insulin Sie wohin spritzen sollen, und bleiben Sie innerhalb dieses vereinbarten Bereichs bei einem regelmäßigen Rotationsschema.
Warum Sie niemals ständig an dieselbe Stelle spritzen sollten
Viele Menschen entwickeln nach einiger Zeit eine Lieblingsstelle. Vielleicht ist sie besonders gut erreichbar, vielleicht tut es dort kaum weh oder Sie können sie auch unterwegs problemlos nutzen.
Genau daraus kann allerdings ein Problem entstehen.
Wenn Insulin immer wieder in denselben kleinen Bereich gespritzt wird, kann sich das Unterhautfettgewebe verändern. Es können Verdickungen, Knubbel oder gummiartige Bereiche entstehen, die als Lipohypertrophien bezeichnet werden. Umgangssprachlich spricht man häufig von Spritzhügeln.
Das Tückische daran ist, dass manche Menschen gerade deshalb besonders gern in diese Bereiche spritzen, weil sie dort weniger spüren. Das Insulin kann aus verändertem Gewebe jedoch langsamer oder ungleichmäßiger aufgenommen werden, wodurch die Glukosewerte stärker schwanken können.
Schauen Sie Ihre Spritzstellen deshalb nicht nur an, sondern fühlen Sie sie gelegentlich mit den Fingern ab. Wenn sich ein Bereich härter, dicker oder ungewöhnlich gummiartig anfühlt, sollten Sie dort zunächst nicht weiter spritzen und die Stelle beim nächsten Termin zeigen.
Ein einfaches Rotationsschema schützt Ihre Haut
Sie müssen für den Wechsel der Spritzstellen kein kompliziertes System führen. Wichtig ist nur, dass nicht bei jeder Injektion wieder derselbe Punkt getroffen wird.
Sie können den Bauch beispielsweise gedanklich in mehrere Bereiche einteilen und diese nacheinander verwenden. Innerhalb des jeweiligen Bereichs wandern Sie mit jeder Injektion ungefähr einen Fingerbreit weiter. Erst später kehren Sie wieder zur ersten Stelle zurück.
Dasselbe lässt sich am Oberschenkel umsetzen.
Ein solches Schema hat einen großen Vorteil: Sie müssen vor jeder Injektion nicht überlegen, wo Sie gestern gespritzt haben, und trotzdem bekommt jede Hautstelle ausreichend Zeit zur Erholung. Diabinfo empfiehlt ebenfalls, bei neuen Einstichen ungefähr einen Fingerbreit Abstand zur vorherigen Stelle zu halten und die Injektionsregion systematisch aufzuteilen.
Tipp – machen Sie es einfach:
Teilen Sie Ihre bevorzugte Spritzregion gedanklich in vier Bereiche ein und wechseln Sie regelmäßig weiter. Ein einfaches System, das Sie wirklich benutzen, ist besser als ein komplizierter Plan, den Sie nach wenigen Tagen vergessen.
Wenn bereits Spritzhügel entstanden sind
Wenn Sie eine verhärtete oder verdickte Stelle ertasten, sollten Sie dort zunächst nicht weiter spritzen. Solche Gewebeveränderungen können sich langsam zurückbilden, brauchen dafür aber häufig viel Zeit.
Besonders wichtig ist ein Punkt, der leicht übersehen wird: Wenn Sie bisher regelmäßig in eine Lipohypertrophie gespritzt haben und plötzlich wieder gesundes Gewebe verwenden, kann das Insulin dort besser und zuverlässiger aufgenommen werden. Dadurch kann die bisherige Insulindosis plötzlich stärker wirken.
Deshalb sollte ein Wechsel aus stark verändertem Gewebe in normale Spritzstellen gemeinsam mit dem Diabetes-Team begleitet und die Glukose in dieser Zeit besonders aufmerksam beobachtet werden. Manchmal muss die Insulindosis angepasst werden.
Merkkasten – Spritzhügel nicht einfach ignorieren:
Wenn Sie Verdickungen oder gummiartige Stellen spüren, spritzen Sie dort nicht weiter. Zeigen Sie die Bereiche Ihrem Diabetes-Team, besonders wenn Sie dort bisher regelmäßig Insulin gegeben haben. Der Wechsel zurück in gesundes Gewebe kann die Insulinwirkung verändern.
So bereiten Sie den Pen in Ruhe vor
Gerade am Anfang hilft eine feste Reihenfolge. Nach einigen Wochen läuft sie fast automatisch ab und reduziert gleichzeitig die Gefahr, Insuline oder Dosen zu verwechseln.
Waschen Sie zunächst Ihre Hände und kontrollieren Sie den Pen. Prüfen Sie den Namen des Insulins, besonders wenn Sie mehrere verschiedene Pens verwenden. Basal- und Mahlzeiteninsulin können optisch ähnlich aussehen, obwohl ihre Wirkung völlig unterschiedlich ist. Kontrollieren Sie deshalb nicht nur die Farbe des Pens, sondern wirklich den Namen beziehungsweise den Wirkstoff und die Insulinstärke.
Sehen Sie sich anschließend das Insulin an. Ein Insulin, das laut Gebrauchsinformation klar sein soll, sollte auch klar und frei von auffälligen Partikeln sein. Bei trüben Verzögerungs- oder Mischinsulinen können dagegen andere Vorbereitungsschritte notwendig sein, damit sich der Wirkstoff wieder gleichmäßig verteilt. Halten Sie sich hierbei immer an die Gebrauchsinformation Ihres Präparates.
Danach wird eine neue Pen-Nadel aufgesetzt. Vor der eigentlichen Injektion sollte entsprechend der Anleitung Ihres Pens eine Funktions- beziehungsweise Flusskontrolle durchgeführt werden. Dabei wird eine kleine Menge Insulin abgegeben, um zu prüfen, dass der Pen und die Nadel tatsächlich durchgängig sind und Insulin austritt. Herstellerinformationen weisen darauf hin, dass diese Sicherheitsprüfung wichtig ist, weil bei einer blockierten oder nicht richtig vorbereiteten Nadel sonst möglicherweise nicht die vollständige Dosis abgegeben wird.
Erst danach stellen Sie die tatsächlich benötigte Insulinmenge ein.
Die Insulininjektion Schritt für Schritt
Wenn Pen und Dosis vorbereitet sind, wählen Sie eine gesunde Hautstelle innerhalb Ihres vereinbarten Spritzbereiches. Spritzen Sie nicht in verhärtete Stellen, Narben, entzündete Haut, blaue Flecken oder unmittelbar an andere Verletzungen.
Bei einer kurzen Pen-Nadel wird der Pen üblicherweise senkrecht im 90-Grad-Winkel aufgesetzt. Falls Ihnen eine Hautfalte empfohlen wurde, halten Sie diese während der Injektion entsprechend der erlernten Technik.
Stechen Sie die Nadel vollständig ein und drücken Sie den Dosierknopf langsam und gleichmäßig bis zum Anschlag. Lassen Sie die Nadel anschließend noch einige Sekunden in der Haut. Für viele Pens und Schulungsmaterialien werden ungefähr zehn Sekunden empfohlen, damit die eingestellte Insulinmenge vollständig abgegeben werden kann. Einzelne Pen-Systeme können davon abweichende Herstellerangaben haben, deshalb gilt letztlich immer die Gebrauchsanweisung Ihres Pens.
Danach ziehen Sie die Nadel gerade heraus. Falls Sie eine Hautfalte gebildet haben, lassen Sie diese anschließend wieder los.
Sie müssen die Einstichstelle nicht kräftig reiben oder massieren.
Merkkasten – die wichtigsten Schritte:
Prüfen Sie das richtige Insulin, verwenden Sie eine neue Nadel, führen Sie die vorgeschriebene Funktionskontrolle durch, stellen Sie Ihre Dosis ein, wählen Sie eine gesunde und wechselnde Spritzstelle und lassen Sie die Nadel nach vollständigem Drücken noch entsprechend der Pen-Anleitung in der Haut. Diese wenigen Schritte verhindern einen großen Teil der typischen Anwendungsfehler.
Warum Sie nach dem Drücken nicht sofort herausziehen sollten
Wenn Sie die Nadel unmittelbar nach dem vollständigen Drücken des Dosierknopfes wieder herausziehen, kann ein Teil des Insulins noch aus der Einstichstelle oder der Nadel austreten.
Deshalb empfehlen viele Schulungsunterlagen, nach dem vollständigen Herunterdrücken ungefähr zehn Sekunden zu warten. Diese kurze Zeit wirkt im Alltag zunächst erstaunlich lang, verhindert aber häufig genau das hektische Herausziehen, das zu Insulinverlust führen kann.
Zählen Sie ruhig langsam bis zehn, besonders wenn Sie gerade erst mit der Insulintherapie begonnen haben.
Wenn Ihr Pen eine andere Wartezeit vorgibt, halten Sie sich an diese Herstellervorgabe.
Was bedeutet ein kleiner Tropfen Insulin auf der Haut?
Wenn nach dem Herausziehen der Nadel gelegentlich ein winziger Tropfen Insulin an der Einstichstelle zu sehen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass Ihre gesamte Dosis verloren gegangen ist.
Wenn dies allerdings regelmäßig vorkommt, sollten Sie überprüfen, ob Sie die Nadel nach der Injektion lange genug in der Haut lassen, ob die Nadel richtig aufgesetzt ist und ob Sie den Dosierknopf vollständig herunterdrücken.
Besonders wichtig ist: Wenn Sie nicht wissen, wie viel Insulin tatsächlich abgegeben wurde, sollten Sie nicht einfach dieselbe Dosis erneut spritzen. Damit könnten Sie versehentlich zu viel Insulin geben und eine Unterzuckerung verursachen.
Beobachten Sie stattdessen Ihre Glukosewerte und handeln Sie entsprechend Ihrem persönlichen Korrekturplan. Wenn ein Pen immer wieder auffällig funktioniert oder größere Mengen austreten, wenden Sie sich an Ihr Diabetes-Team beziehungsweise die Apotheke oder tauschen Sie das Gerät entsprechend der Herstelleranleitung aus.
Ein kleiner Blutstropfen oder blauer Fleck ist meistens kein Grund zur Sorge
Manchmal erwischt die Pen-Nadel beim Einstich ein kleines Blutgefäß. Dann kann nach der Injektion ein kleiner Blutstropfen entstehen oder sich später ein blauer Fleck bilden.
Das ist in der Regel kein Zeichen dafür, dass Sie grundsätzlich falsch gespritzt haben. Drücken Sie die Stelle bei Bedarf mit einem sauberen Tupfer kurz sanft ab und suchen Sie sich bei der nächsten Injektion einen anderen Bereich.
Wenn ungewöhnlich häufig große Blutergüsse entstehen, die Haut stark blutet oder Sie Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen und zunehmend Probleme mit den Einstichstellen haben, sollten Sie das ansprechen. Kleine Blutergüsse können dagegen gelegentlich trotz korrekter Technik vorkommen.
Warum eine Pen-Nadel wirklich nur einmal benutzt werden sollte
Eine Pen-Nadel sieht nach einer einzigen Injektion häufig noch vollkommen intakt aus. Deshalb erscheint es zunächst verschwenderisch, sie sofort zu entsorgen.
Trotzdem sind Pen-Nadeln für die einmalige Verwendung vorgesehen.
Nach dem ersten Gebrauch ist die Nadel nicht mehr steril. Außerdem kann die feine Oberfläche beschädigt werden, wodurch weitere Injektionen unangenehmer werden können. Wiederverwendung kann außerdem das Risiko für verstopfte Nadeln, Gewebeschäden und eine unzuverlässige Insulinabgabe erhöhen.
Nach der Injektion wird die Nadel deshalb sicher entfernt und entsorgt. Der Pen sollte normalerweise nicht mit aufgesetzter Nadel gelagert werden, weil darüber Insulin austreten, Luft in die Patrone gelangen oder die Nadel verstopfen kann. Auch aktuelle EMA-Gebrauchsinformationen verschiedener Insulinpens weisen ausdrücklich darauf hin, die Nadel nach der Injektion abzunehmen.
Tipp:
Legen Sie sich an den Orten, an denen Sie regelmäßig spritzen, genügend Pen-Nadeln bereit. Wenn neue Nadeln immer griffbereit sind, entsteht weniger Versuchung, die alte „nur noch dieses eine Mal“ weiterzuverwenden.
Den Pen niemals mit anderen Menschen teilen
Ein Insulinpen gehört immer nur einer Person.
Das gilt auch dann, wenn für eine andere Person eine neue Nadel verwendet würde. In Pen-Systemen können sehr kleine Blutspuren zurückgelangen, weshalb Hersteller ausdrücklich davor warnen, einen Pen gemeinsam zu benutzen.
Gerade innerhalb einer Familie mit mehreren Menschen mit Diabetes sollte deshalb jeder Pen eindeutig zugeordnet werden.
Insulin nicht durch die Kleidung spritzen
Vielleicht klingt es unterwegs praktisch, das Insulin einfach durch ein dünnes T-Shirt oder die Hose zu spritzen. Für eine zuverlässige und hygienische Injektion sollten Sie die Haut jedoch direkt sehen können.
Sie müssen erkennen, ob die Stelle gesund ist, ob sich dort bereits eine Verhärtung, ein blauer Fleck oder eine andere Hautveränderung befindet und ob Sie tatsächlich im gewünschten Spritzbereich landen.
Die Diabetes-Schulungsmaterialien empfehlen deshalb, Insulin nicht durch die Kleidung zu injizieren.
Muss die Haut vor jeder Injektion desinfiziert werden?
Im normalen häuslichen Alltag ist bei sauberer, gesunder Haut in der Regel vor allem wichtig, dass die Hände sauber sind und die Injektionsstelle nicht sichtbar verschmutzt ist. Ob und wann ein Hautdesinfektionsmittel eingesetzt werden sollte, kann je nach Situation unterschiedlich sein, beispielsweise im medizinischen Umfeld.
Wenn Ihnen im Rahmen Ihrer Schulung eine bestimmte Vorgehensweise gezeigt wurde, halten Sie sich daran.
Wichtiger als möglichst viel Desinfektionsmittel ist, dass Sie nicht in entzündete, verletzte oder verschmutzte Haut spritzen und immer eine frische Nadel verwenden.
Welches Insulin wohin gehört
Nicht jedes Insulin wirkt gleich schnell. Es gibt sehr schnell beziehungsweise schnell wirkende Mahlzeiteninsuline und lang wirkende Basalinsuline. Daneben existieren unter anderem Humaninsuline und Mischinsuline. Die ergänzende Diabetesinformation unterscheidet entsprechend zwischen kurz- und langwirksamen Insulinen und verschiedenen Formen der Insulintherapie.
Gerade bei älteren Humaninsulinen beziehungsweise NPH-Insulinen kann die Wahl der Spritzregion die Aufnahme beeinflussen. Deshalb findet man beispielsweise häufig die Empfehlung, schnell wirkendes Normalinsulin bevorzugt in den Bauch und NPH-Insulin eher in Oberschenkel oder Gesäß zu spritzen.
Bei modernen Insulinanaloga können sich diese Regeln je nach Präparat unterscheiden.
Deshalb würde ich Ihnen nicht empfehlen, Insuline allein nach einer allgemeinen Internetgrafik unterschiedlichen Körperstellen zuzuordnen. Lassen Sie sich für Ihre konkreten Insuline zeigen, welche Region vorgesehen ist und wie konstant Sie diese verwenden sollten.
Was ist mit Narben, Muttermalen oder gereizter Haut?
Suchen Sie sich für eine Insulininjektion möglichst gesundes, unverändertes Unterhautfettgewebe.
Direkt in Narben, entzündete Haut, offene Stellen, deutlich verhärtete Bereiche oder größere Blutergüsse sollten Sie nicht spritzen. Auch unmittelbar neben einem frischen Sensor- oder Pumpenkatheter sollte genügend Abstand eingehalten werden.
Bei Muttermalen, Operationsnarben oder anderen besonderen Hautveränderungen ist es ebenfalls sinnvoll, einen anderen Punkt zu wählen.
Das klingt zunächst nach vielen Einschränkungen, tatsächlich bietet beispielsweise der Bauch eine große Fläche, wenn er systematisch genutzt wird.
Wenn das Spritzen plötzlich mehr weh tut als früher
Eine Insulininjektion kann gelegentlich kurz pieksen, aber wenn das Spritzen über längere Zeit deutlich unangenehmer wird, lohnt sich eine Überprüfung.
Vielleicht verwenden Sie Nadeln mehrfach, spritzen immer wieder in gereiztes Gewebe oder benutzen eine Nadellänge, die nicht gut zu Ihrer Situation passt. Manchmal wird der Pen auch mit sehr viel Druck auf die Haut gepresst, wodurch die Nadel tiefer eindringen kann.
Auch sehr kaltes Insulin kann sich bei der Injektion unangenehmer anfühlen. Ein bereits in Gebrauch befindlicher Pen wird deshalb bei vielen Präparaten bei Raumtemperatur aufbewahrt, sofern die jeweilige Gebrauchsinformation dies vorsieht.
Schmerzen sind deshalb kein Grund, sich einfach „mehr zusammenzureißen“. Lassen Sie Ihre Technik lieber einmal beobachten.
Angst vor der Nadel ist nichts Ungewöhnliches
Gerade vor der ersten Insulininjektion haben viele Menschen Sorge. Dabei geht es nicht immer ausschließlich um den Einstich. Manchmal steht die Spritze symbolisch für die Diagnose selbst. Plötzlich wird sichtbar, dass Diabetes nun tatsächlich Teil des Alltags ist.
Es kann helfen, sich die Technik in Ruhe zeigen zu lassen und zunächst mit einer Diabetesfachkraft gemeinsam zu üben. Moderne Nadeln sind so kurz und fein, dass viele Menschen nach den ersten Injektionen überrascht sind, wie wenig sie tatsächlich spüren.
Wenn Sie sehr angespannt sind, nehmen Sie sich für die ersten Male bewusst Zeit. Setzen Sie sich hin, legen Sie alles vorher bereit und versuchen Sie nicht, die Nadel minutenlang vor der Haut schweben zu lassen. Häufig macht gerade dieses lange Zögern die Angst größer.
Bei einer ausgeprägten Spritzenphobie, die dazu führt, dass notwendiges Insulin ausgelassen wird, sollte das Diabetes-Team frühzeitig einbezogen werden. In solchen Situationen kann auch psychologische Unterstützung sinnvoll sein.
Tipp bei Spritzenangst:
Lernen Sie zuerst den Pen kennen, ohne sofort spritzen zu müssen. Lassen Sie sich die Nadel zeigen, üben Sie die Bedienung und sprechen Sie offen aus, was Ihnen Angst macht. Die Lösung ist nicht, die Angst zu verstecken, sondern die Technik so vertraut zu machen, dass sie ihren Schrecken verliert.
Kinder und Insulinspritzen
Bei Kindern spielt nicht nur die richtige Technik eine Rolle, sondern auch der Umgang mit Angst und Vertrauen. Ein Kind sollte möglichst früh verstehen, was passiert, ohne unnötig mit medizinischen Einzelheiten überfordert zu werden.
Je nach Alter können Eltern zunächst einen großen Teil der Injektionen übernehmen. Später kann das Kind Schritt für Schritt einbezogen werden und irgendwann selbst spritzen.
Kurze Nadeln sind gerade bei Kindern besonders wichtig, weil ihr Unterhautfettgewebe dünner sein kann. Bei sehr kleinen oder sehr schlanken Kindern kann zusätzlich eine Hautfalte notwendig sein. Die Technik sollte immer im kinderdiabetologischen Team gezeigt und angepasst werden.
Vermeiden Sie dabei möglichst Sätze wie „Das tut überhaupt nicht weh“, wenn Ihr Kind den Einstich durchaus spürt. Ehrlicher und hilfreicher ist beispielsweise: „Du wirst einen kleinen Pieks merken, aber er ist schnell vorbei.“
Das Kind lernt dadurch, dass seine Wahrnehmung ernst genommen wird und die Situation trotzdem gut zu bewältigen ist.
Insulin richtig lagern – der Kühlschrank ist nicht für jeden Pen die richtige Lösung
Insulin reagiert empfindlich auf extreme Temperaturen. Deshalb gehört ungeöffnetes Vorratsinsulin in der Regel in den Kühlschrank, meist bei etwa 2 bis 8 Grad Celsius. Es darf jedoch nicht direkt am Gefrierfach liegen und auf keinen Fall gefrieren, denn gefrorenes Insulin kann seine Wirkung verlieren.
Für einen bereits angebrochenen Pen gelten andere Regeln. Viele Insuline dürfen während der Nutzung bei Raumtemperatur aufbewahrt werden, wobei die zulässige Temperatur und die Nutzungsdauer je nach Präparat unterschiedlich sind. Manche Pens müssen beispielsweise nach vier Wochen verworfen werden, andere Präparate können länger verwendet werden.
Deshalb würde ich die häufig gehörte Regel „angebrochenes Insulin immer genau einen Monat verwenden“ nicht pauschal auf jedes Präparat übertragen.
Schauen Sie auf die Packungsbeilage Ihres Insulins und notieren Sie sich bei Bedarf das Datum der ersten Anwendung.
Ein im Gebrauch befindlicher Pen sollte außerdem nicht in direkter Sonne, auf einer heißen Fensterbank oder im Sommer im Auto liegen. Temperaturen über den für das jeweilige Produkt vorgesehenen Bereich können das Insulin schädigen. Ebenso gehört der Pen nicht ins Gefrierfach oder direkt auf einen Kühlakku.
Merkkasten – Insulin mag weder Sauna noch Gefrierschrank:
Vorräte werden entsprechend der Herstellerangabe meist gekühlt gelagert. Ein angebrochener Pen darf bei vielen Insulinen bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Direkte Sonne, ein heißes Auto und Frost sollten Sie unbedingt vermeiden. Die genaue Haltbarkeit nach Anbruch steht immer in der Gebrauchsinformation Ihres Insulins.
Reisen im Sommer – wie bleibt Insulin geschützt?
Auf Reisen benötigen Sie keine komplizierte medizinische Kühlanlage, sollten Insulin aber vor extremen Temperaturen schützen.
Im Auto gehört es nicht auf das Armaturenbrett oder in ein Handschuhfach, das sich stark aufheizt. Bei Flugreisen sollten Insulin und wichtige Diabetesmaterialien grundsätzlich ins Handgepäck und nicht ausschließlich in den aufgegebenen Koffer, weil dort sowohl Verlust als auch ungünstige Temperaturen zum Problem werden können.
Wenn Sie eine Kühltasche verwenden, achten Sie darauf, dass das Insulin nicht unmittelbar auf einem gefrorenen Kühlakku liegt. Zu starke Kälte kann genauso problematisch sein wie Hitze.
Nehmen Sie auf Reisen außerdem lieber etwas mehr Material mit, als Sie rechnerisch benötigen. Ein Pen kann verloren gehen oder beschädigt werden und eine Nadelpackung kann schneller leer werden als erwartet.
Was tun, wenn der Pen heruntergefallen ist?
Ein Insulinpen ist robust, aber nicht unzerstörbar. Wenn er stark herunterfällt oder sichtbar beschädigt ist, sollten Sie ihn nicht einfach bedenkenlos weiterverwenden.
Kontrollieren Sie Gehäuse und Patrone und führen Sie entsprechend der Herstelleranleitung eine Funktionskontrolle mit einer neuen Nadel durch. Manche Hersteller empfehlen ausdrücklich, nach einem möglichen Schaden den Insulinfluss zu prüfen und bei Zweifel einen Ersatzpen zu verwenden.
Gerade wenn der Pen ungewöhnlich schwer auslöst, sich die Dosis nicht korrekt einstellen lässt oder kein Insulin aus der Nadel austritt, sollten Sie nicht versuchen, das Gerät selbst zu reparieren.
Wenn Sie nicht wissen, ob die komplette Dosis angekommen ist
Vielleicht hat sich die Nadel während der Injektion bewegt, der Dosierknopf ließ sich ungewöhnlich schwer drücken oder der Pen wurde zu früh herausgezogen. Dann entsteht schnell die Frage: Soll ich sicherheitshalber noch einmal etwas Insulin spritzen?
Seien Sie damit vorsichtig.
Wenn nicht klar ist, wie viel Insulin bereits in den Körper gelangt ist, kann eine zusätzliche vollständige Dosis zu einer gefährlichen Unterzuckerung führen.
Kontrollieren Sie Ihre Glukose deshalb entsprechend Ihrer persönlichen Schulung beziehungsweise häufiger und verwenden Sie nur die mit Ihrem Diabetes-Team vereinbarten Korrekturregeln.
Bei wiederkehrenden Problemen mit dem Pen oder Unsicherheit über größere Dosen sollten Sie Kontakt zum Diabetes-Team aufnehmen.
Insulinpens sehen manchmal ähnlich aus – Verwechslungen vermeiden
Wenn Sie sowohl ein Basalinsulin als auch ein Mahlzeiteninsulin mit einem Pen spritzen, können zwei Geräte nebeneinander liegen, deren Unterschied im hektischen Alltag erstaunlich schnell übersehen wird.
Gewöhnen Sie sich deshalb an, vor jeder Injektion den Namen des Insulins zu kontrollieren.
Nur die Farbe des Pens oder der Kappe zu verwenden, ist weniger zuverlässig, besonders wenn Hersteller oder Präparate irgendwann wechseln. Auch EMA-Produktinformationen weisen ausdrücklich darauf hin, vor der Injektion das Etikett zu prüfen, um Verwechslungen unterschiedlicher Insuline zu vermeiden.
Wenn Ihnen Farben im Alltag helfen, können Sie Ihre Aufbewahrung zusätzlich übersichtlich gestalten, aber der Medikamentenname sollte immer die letzte Kontrolle bleiben.
Warum Sie Ihren Pen nicht dauerhaft mit aufgesetzter Nadel liegen lassen sollten
Nach dem Spritzen ist die Versuchung groß, einfach die Schutzkappe aufzusetzen und die Nadel beim nächsten Mal wieder zu verwenden.
Neben der mehrfachen Verwendung der Nadel entsteht dadurch jedoch ein weiteres Problem: Wenn die Nadel am Pen bleibt, kann je nach Temperatur und Druck Insulin austreten oder Luft in die Patrone gelangen. Auch eine Verstopfung der Nadel ist möglich.
Deshalb sollte die gebrauchte Nadel nach der Injektion sicher entfernt werden. Der Pen wird anschließend ohne Nadel und mit seiner vorgesehenen Kappe gelagert.
Wie werden gebrauchte Pen-Nadeln sicher entsorgt?
Eine gebrauchte Pen-Nadel sollte niemals lose im Mülleimer liegen, weil sich andere Menschen daran verletzen können.
Sammeln Sie die Nadeln deshalb direkt nach der Anwendung in einem stich- und bruchfesten, sicher verschließbaren Behälter. Dafür gibt es spezielle Kanülenboxen.
Wie ein voller Behälter anschließend entsorgt werden soll, kann regional unterschiedlich geregelt sein. Die Entsorgung von Haushaltsabfällen liegt in Deutschland bei den örtlichen beziehungsweise kommunalen Entsorgungsträgern. Informieren Sie sich deshalb über die Regeln Ihres Wohnortes, statt einfach davon auszugehen, dass jede Apotheke gebrauchte Nadeln zurücknehmen muss.
Wichtig bleibt unabhängig vom örtlichen Entsorgungsweg: Nadeln niemals lose wegwerfen.
Spritztechnik mindestens gelegentlich kontrollieren lassen
Wenn Sie seit Jahren Insulin spritzen, erscheint eine erneute Kontrolle vielleicht unnötig. Gerade dann kann sie besonders hilfreich sein.
Lassen Sie bei einem Termin ruhig einmal die eigene Technik beobachten. Welche Nadel benutzen Sie? Wechseln Sie die Stelle wirklich regelmäßig? Wie sieht Ihre Haut aus? Warten Sie nach dem Drücken ausreichend lange? Wird der Pen korrekt vorbereitet?
Die ABDA empfiehlt im Rahmen der Beratung zur Insulinanwendung ausdrücklich, die Technik unter Alltagsbedingungen regelmäßig erneut zu überprüfen, weil sich Fehler einschleichen können.
Dabei geht es nicht darum, Sie zu prüfen.
Es geht darum, eine Behandlung, die Sie möglicherweise mehrere tausend Mal im Jahr durchführen, möglichst einfach und zuverlässig zu machen.
Tipp:
Nehmen Sie zum nächsten Diabetes-Termin einmal Ihren eigenen Pen und die Nadeln, die Sie zu Hause tatsächlich benutzen, mit. Eine praktische Demonstration zeigt häufig mehr als zehn theoretische Fragen.
Fazit: Richtig spritzen bedeutet vor allem, eine gute Routine zu entwickeln
Insulin mit einem Pen zu spritzen wirkt vor der ersten Anwendung häufig wesentlich komplizierter und unangenehmer, als es später tatsächlich ist. Mit einer kurzen Pen-Nadel, der richtigen Spritzstelle und etwas Übung wird die Injektion für viele Menschen zu einem normalen Teil des Alltags.
Dabei sind es vor allem die kleinen Gewohnheiten, die langfristig einen Unterschied machen.
Verwenden Sie eine frische Nadel, kontrollieren Sie vor jeder Injektion das richtige Insulin und prüfen Sie den Pen entsprechend seiner Gebrauchsanweisung auf einen freien Insulinfluss. Spritzen Sie in gesundes Unterhautfettgewebe und wechseln Sie die Einstichstelle konsequent, damit sich keine verhärteten oder verdickten Bereiche bilden.
Nehmen Sie sich nach dem Herunterdrücken des Dosierknopfes außerdem die wenigen Sekunden Zeit, die Ihr Pen vorgibt, bevor Sie die Nadel wieder herausziehen. Diese kleine Pause kann helfen, dass die eingestellte Dosis vollständig abgegeben wird.
Besonders wichtig ist mir der Umgang mit den sogenannten Spritzhügeln. Wenn Sie eine Stelle gefunden haben, an der das Spritzen kaum noch zu spüren ist, ist das nicht automatisch die perfekte Stelle. Gerade vermindertes Schmerzempfinden kann ein Hinweis darauf sein, dass das Gewebe durch viele Injektionen verändert wurde. Fühlen Sie deshalb Ihre Spritzbereiche regelmäßig ab und zeigen Sie verdickte oder ungewöhnlich feste Stellen dem Diabetes-Team.
Achten Sie außerdem auf Ihr Insulin. Vorräte gehören entsprechend der Herstellerangaben normalerweise in den Kühlschrank, dürfen aber niemals einfrieren. Ein Pen, der bereits benutzt wird, kann bei vielen Präparaten bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Wie lange das möglich ist und welche Temperaturgrenzen gelten, hängt jedoch vom einzelnen Insulin ab. Deshalb ist die Packungsbeilage hier zuverlässiger als die pauschale Regel „vier Wochen für jedes Insulin“.
Und wenn Sie Angst vor dem Spritzen haben, sprechen Sie darüber. Sie müssen nicht erst wochenlang angespannt vor jeder Injektion sitzen. Oft können eine kürzere Nadel, eine bessere Technik und einige gemeinsam geübte Injektionen bereits viel verändern.
Vor allem sollten Sie sich eines merken:
Insulin richtig zu spritzen bedeutet nicht, möglichst tapfer eine Nadel auszuhalten. Es bedeutet, eine Technik zu finden, bei der das Insulin zuverlässig wirkt, Ihre Haut gesund bleibt und die Injektion im Alltag so selbstverständlich und unkompliziert wie möglich wird.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Aktuelle Praxisempfehlungen zur Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes sowie zum Diabetesmanagement. Die aktuelle Gesamtausgabe der Praxisempfehlungen ist 2026 erschienen.
Diabinfo – Diabetesinformationsportal
Informationen zum richtigen Spritzen mit dem Insulinpen, zur Wahl von Pen-Nadeln, zu Spritzstellen und zur Vermeidung von Lipohypertrophien.
Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD)
Leitfaden zur Injektion bei Diabetes mellitus mit Empfehlungen zu Nadellängen, Hautfalte, Einstichwinkel, Spritzstellen und Lipohypertrophien.
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
Praktische Empfehlungen zur Überprüfung der Insulinanwendung, einschließlich Pen-Vorbereitung, Spritzstellen, Wartezeit, Lagerung und Entsorgung.
European Medicines Agency (EMA)
Aktuelle Gebrauchsinformationen verschiedener Insulinpens zu sicherer Anwendung, Funktionskontrolle, Lagerung, Einmalverwendung der Nadel und Vermeidung von Pen-Sharing.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche Diabetes-Schulung oder die individuelle Anleitung durch Ihr Diabetes-Team. Welche Insulindosis Sie benötigen, welcher Spritzzeitpunkt für Ihr Insulin vorgesehen ist, welche Körperregion Sie verwenden sollten und ob Sie eine Hautfalte benötigen, muss individuell festgelegt werden.
Ändern Sie Ihre Insulindosis nicht allein aufgrund allgemeiner Internetinformationen. Besonders wenn Sie bisher häufig in verhärtete Spritzstellen injiziert haben und nun auf gesundes Gewebe wechseln, sollten Sie Ihre Glukosewerte engmaschig beobachten und die weitere Dosierung mit dem Diabetes-Team abstimmen.
Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen sollte entsprechend dem persönlichen Notfallplan gehandelt und im Zweifel 112 gerufen werden.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Wissenschaftlicher Stand
August 2026

