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Wenn der Zucker plötzlich fällt: Unterzuckerungen früh erkennen und richtig handeln
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Diabetes Mellitus Gesundheit

Wenn der Zucker plötzlich fällt: Unterzuckerungen früh erkennen und richtig handeln

Eine Unterzuckerung kann sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln und fühlt sich nicht bei jedem Menschen gleich an. Vielleicht merken Sie zuerst ein leichtes Zittern in den Händen, beginnen plötzlich zu schwitzen oder bekommen einen ungewöhnlich starken Hunger. Andere Menschen werden unruhig, können sich schlechter konzentrieren oder bemerken, dass ihnen beim Sprechen oder Denken kleine Fehler passieren. Gerade wenn Sie Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, ist es deshalb wichtig, Ihre persönlichen Warnzeichen zu kennen und rechtzeitig zu reagieren, bevor aus einer leichten Unterzuckerung eine Situation wird, in der Sie auf Hilfe angewiesen sind.

Medizinisch spricht man von einer Hypoglykämie, häufig einfach „Hypo“ genannt. Als wichtiger Warnbereich gilt eine Glukose unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l. Unterhalb von 54 mg/dl beziehungsweise 3,0 mmol/l wird die Unterzuckerung deutlich ernster, weil Denken, Sehen, Koordination und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt werden können. Von einer schweren Unterzuckerung spricht man unabhängig von der gemessenen Zahl dann, wenn die betroffene Person die Situation nicht mehr selbst behandeln kann und Hilfe von einer anderen Person benötigt. Diese Einteilung wird auch in den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft verwendet.
Eine Unterzuckerung ist deshalb nicht einfach nur „ein etwas niedriger Wert“. Gleichzeitig müssen Sie nicht vor jeder kleineren Abwärtsbewegung Ihrer Sensorkurve Angst haben. Wenn Sie Ihre Warnzeichen kennen, schnell wirksame Kohlenhydrate griffbereit haben und wissen, wie Sie auf verschiedene Situationen reagieren sollen, lassen sich die meisten leichten Unterzuckerungen gut behandeln. Gerade Menschen mit Typ-1-Diabetes erleben solche niedrigeren Werte gelegentlich, und wenn sie früh erkannt werden, können sie in der Regel selbstständig behandelt werden.

Merkkasten – unter 70 sollten Sie aufmerksam werden:
Ein Glukosewert unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l ist ein Warnsignal. Warten Sie nicht darauf, bis Sie sich deutlich schlecht fühlen. Besonders wenn Sie Insulin oder Medikamente mit Unterzuckerungsrisiko verwenden, sollten Sie nach Ihrem persönlichen Schulungs- und Behandlungsplan reagieren.

Warum sinkt der Blutzucker überhaupt zu stark ab?

Unser Körper versucht normalerweise, die Glukose im Blut innerhalb eines bestimmten Bereichs zu halten. Wenn der Wert sinkt, reagiert der Organismus mit verschiedenen Gegenmaßnahmen. Hormone sorgen unter anderem dafür, dass gespeicherte Glukose aus der Leber freigesetzt wird. Bei Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte Medikamente einnehmen, kann diese körpereigene Regulation jedoch manchmal nicht schnell genug gegensteuern.

Eine Unterzuckerung entsteht vereinfacht gesagt dann, wenn im Verhältnis zur verfügbaren Glukose zu viel blutzuckersenkende Wirkung vorhanden ist. Das kann beispielsweise passieren, wenn Sie Insulin für eine Mahlzeit gespritzt haben und anschließend weniger essen als geplant. Vielleicht haben Sie das Insulin korrekt berechnet, entscheiden sich dann aber doch gegen den Nachtisch oder können wegen Übelkeit nicht aufessen. Das Insulin wirkt trotzdem weiter und der Glukosewert kann sinken.

Ein weiterer sehr häufiger Grund ist Bewegung. Muskeln benötigen während körperlicher Aktivität Energie und nehmen dafür verstärkt Glukose auf. Wenn gleichzeitig Insulin wirkt, kann der Wert stärker sinken als erwartet. Das betrifft nicht nur Sport im Fitnessstudio. Auch Gartenarbeit, ein langer Spaziergang, Fahrradfahren, Hausarbeit oder ein ungewohnt aktiver Urlaubstag können erheblich mehr Bewegung bedeuten als ein normaler Alltag. Besonders wichtig ist dabei, dass sich die Wirkung körperlicher Aktivität noch mehrere Stunden später bemerkbar machen kann.

Auch eine versehentlich zu hohe Insulindosis, die Verwechslung zweier Insuline, Alkohol, Hitze oder eine veränderte Insulinempfindlichkeit können eine Rolle spielen. Wenn Sie Gewicht verlieren, eine Krankheit überstanden haben oder sich Ihre Lebenssituation deutlich verändert, kann eine bisher passende Insulindosis plötzlich zu hoch sein.

Deshalb sollte eine Unterzuckerung nicht nur behandelt, sondern anschließend auch kurz hinterfragt werden: Was könnte diesmal dazu geführt haben? Wenn Sie die Ursache erkennen, können Sie ähnliche Situationen beim nächsten Mal häufig besser vorbereiten.

So kann sich eine Unterzuckerung bemerkbar machen

Die ersten Warnzeichen entstehen häufig dadurch, dass der Körper versucht, den fallenden Glukosewert auszugleichen. Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet, die Sie beispielsweise als Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen wahrnehmen können. Genau diese frühen Zeichen sind hilfreich, weil sie Ihnen die Gelegenheit geben, rechtzeitig zu reagieren.

Sinkt die Glukose weiter, bekommt insbesondere das Gehirn zunehmend zu wenig Energie. Dann können Konzentration, Sprache, Orientierung und Koordination beeinträchtigt werden. Ein Mensch, der eigentlich nur unterzuckert ist, kann plötzlich verwirrt wirken, ungewöhnlich gereizt reagieren oder sich verhalten, als hätte er Alkohol getrunken.

Typische Beschwerden sind unter anderem Schwitzen, Zittern, Heißhunger, Herzklopfen, Blässe, Unruhe und ein plötzlich unangenehmes Körpergefühl. Bei stärkeren Unterzuckerungen können Schwindel, Sehprobleme, verwaschene Sprache, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit und Koordinationsprobleme hinzukommen. Bei sehr schweren Verläufen sind Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit möglich. Die aktuellen DDG-Empfehlungen unterscheiden ebenfalls zwischen diesen frühen körperlichen Warnzeichen und Beschwerden, die entstehen, wenn das Gehirn zunehmend von der Unterzuckerung betroffen ist.

Dabei muss Ihre persönliche Unterzuckerung nicht aussehen wie die eines anderen Menschen. Manche spüren als Erstes einen starken Hunger, andere bemerken feuchte Hände und wieder andere werden ungewöhnlich still oder reizbar. Gerade deshalb lohnt es sich, die eigenen typischen Zeichen kennenzulernen.

Tipp:
Fragen Sie auch Ihren Partner, Ihre Familie oder enge Freunde, was ihnen bei Ihnen während einer Unterzuckerung auffällt. Angehörige bemerken manchmal Veränderungen der Sprache, Stimmung oder Konzentration, bevor die betroffene Person selbst erkennt, dass etwas nicht stimmt.

Nicht nur die Zahl zählt – Ihre Beschwerden gehören dazu

Ein Glukosewert von 68 mg/dl kann sich bei einem Menschen bereits sehr deutlich bemerkbar machen, während jemand anderes zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Beschwerden wahrnimmt. Auch die Geschwindigkeit, mit der der Wert fällt, spielt eine Rolle. Wer beispielsweise innerhalb kurzer Zeit von einem sehr hohen Wert in einen deutlich niedrigeren Bereich kommt, kann sich bereits „unterzuckert“ fühlen, obwohl der Sensor noch nicht unter 70 mg/dl zeigt.

Umgekehrt gibt es Menschen, die selbst bei deutlich niedrigeren Werten kaum noch Warnzeichen wahrnehmen. Das ist wesentlich problematischer, weil eine Unterzuckerung dadurch erst spät erkannt wird.

Deshalb ist die Grenze von 70 mg/dl vor allem ein wichtiger Alarmwert, bei dem Sie aufmerksam werden und je nach Situation handeln sollten. Unterhalb von 54 mg/dl wird eine Hypoglykämie klinisch besonders relevant und sollte sofort behandelt werden.

Was sollten Sie bei einer leichten Unterzuckerung tun?

Wenn Sie wach und sicher schluckfähig sind, benötigen Sie schnell wirksame Kohlenhydrate. Geeignet sind beispielsweise Glukose beziehungsweise Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk wie Saft oder normale Limonade. Diese Kohlenhydrate werden schnell aufgenommen und können den Glukosewert wieder anheben.

Für Erwachsene werden in aktuellen DDG-Empfehlungen bei einer selbstständig behandelbaren Unterzuckerung häufig etwa 20 Gramm schnell wirksame Kohlenhydrate genannt. Nach ungefähr 15 Minuten sollte der Wert erneut kontrolliert und die Behandlung bei weiterhin zu niedriger Glukose entsprechend dem persönlichen Schulungsplan wiederholt werden.

Bei Kindern sollte die Kohlenhydratmenge dagegen nicht einfach aus einer Erwachsenenempfehlung übernommen werden, sondern alters- beziehungsweise gewichtsbezogen mit dem Kinderdiabetes-Team festgelegt werden. Je kleiner ein Kind ist, desto eher kann eine pauschale große Menge unnötig sein.

Wenn Sie einen CGM-Sensor tragen, schauen Sie nach der Behandlung nicht alle zwei Minuten nervös auf die Anzeige. Der Sensor misst im Unterhautfettgewebe und kann gerade bei einer schnellen Veränderung zeitlich etwas hinter dem tatsächlichen Blutwert liegen. Wenn die Situation unklar ist oder die Beschwerden nicht zum Sensor passen, kann eine zusätzliche Messung aus der Fingerbeere sinnvoll sein.

Merkkasten – für Erwachsene als einfache Orientierung:
Bei einer selbst behandelbaren Unterzuckerung werden häufig etwa 20 Gramm schnell wirksame Kohlenhydrate verwendet. Kontrollieren Sie nach ungefähr 15 Minuten erneut. Für Kinder, besondere Situationen und Ihre persönliche Therapie gilt der individuell geschulte Plan Ihres Diabetes-Teams.

Warum Schokolade für den ersten Moment keine gute Wahl ist

Wenn Sie unterzuckert sind, klingt etwas Süßes zunächst immer richtig. Trotzdem wirken Süßigkeiten nicht alle gleich schnell.

Schokolade enthält neben Zucker relativ viel Fett. Dieses Fett verlangsamt die Magenentleerung und damit die Aufnahme der Kohlenhydrate. Die Glukose gelangt deshalb langsamer ins Blut, als Sie es bei einer akuten Unterzuckerung benötigen.

Traubenzucker, Glukosegel oder zuckerhaltige Getränke sind für die erste Behandlung deshalb meist geeigneter. Auch der Ausgangstext weist ausdrücklich darauf hin, dass Schokolade als erste Maßnahme wegen ihres Fettgehaltes ungünstig ist.

Das bedeutet nicht, dass Schokolade bei Diabetes verboten wäre. Sie ist einfach kein besonders gutes Notfallmedikament gegen eine akute Hypo.

Tipp für Ihre Tasche:
Traubenzucker funktioniert nur dann als Notfallhilfe, wenn Sie ihn tatsächlich dabeihaben. Verteilen Sie deshalb kleine Vorräte dort, wo Sie sie brauchen: Handtasche, Rucksack, Arbeitsplatz, Sporttasche und Auto. Kontrollieren Sie diese Vorräte gelegentlich – Notfall-Traubenzucker hat die erstaunliche Angewohnheit, irgendwann verschwunden zu sein.

Nicht jede Unterzuckerung braucht anschließend automatisch eine große Mahlzeit

Nach einer Hypo entsteht häufig ein enormer Hunger. Dann passiert leicht Folgendes: Erst werden Traubenzucker und Saft genommen, anschließend Brot, Kekse und vielleicht noch Schokolade, weil man verständlicherweise verhindern möchte, dass der Wert noch einmal fällt. Eine halbe Stunde später ist aus der Unterzuckerung eine deutliche Überzuckerung geworden.

Deshalb sollten Sie nicht versuchen, einen niedrigen Wert möglichst schnell mit „so viel Zucker wie möglich“ zu bekämpfen.

Nehmen Sie zunächst die für Sie vorgesehene Menge schnell wirksamer Kohlenhydrate und kontrollieren Sie anschließend den Verlauf. Ob danach langsamere Kohlenhydrate notwendig sind, hängt unter anderem davon ab, warum die Unterzuckerung entstanden ist und welches Insulin noch wirkt. Nach einer längeren sportlichen Belastung oder bei weiterwirkendem Insulin kann beispielsweise zusätzlicher Schutz sinnvoll sein, während er in einer anderen Situation nicht notwendig sein muss.

Genau diese Unterschiede sollten Bestandteil Ihrer persönlichen Diabetes-Schulung sein.

Wenn jemand nicht mehr selbst behandeln kann, wird die Unterzuckerung ernst

Von einer schweren Unterzuckerung spricht man heute nicht ausschließlich aufgrund einer bestimmten Zahl. Entscheidend ist, dass die Person aufgrund ihrer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung Hilfe von jemand anderem benötigt.

Vielleicht ist die Person noch wach, aber bereits so verwirrt, dass sie die Situation nicht mehr selbstständig behandeln kann. Bei einer weiteren Verschlechterung können Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit auftreten.

Gerade Angehörige sollten deshalb wissen, dass ungewöhnliches Verhalten bei einem Menschen mit insulinbehandeltem Diabetes eine Unterzuckerung sein kann. Wer plötzlich nicht mehr sinnvoll antwortet, stark schwitzt, orientierungslos wirkt oder ungewöhnlich aggressiv beziehungsweise verwirrt reagiert, braucht möglicherweise Hilfe und keine Diskussion darüber, warum er sich gerade so merkwürdig verhält.

Bei Bewusstlosigkeit niemals etwas in den Mund geben

Das gehört zu den wichtigsten Erste-Hilfe-Regeln bei Diabetes überhaupt.

Wenn eine Person bewusstlos oder nicht mehr sicher schluckfähig ist, dürfen Sie weder Saft noch Traubenzucker, Honig oder andere Lebensmittel in den Mund geben. Es besteht die Gefahr, dass die Person sich verschluckt und Nahrung beziehungsweise Flüssigkeit in die Atemwege gelangt.

Rufen Sie 112, bringen Sie die Person entsprechend Ihrer Erste-Hilfe-Kenntnisse in eine sichere Position und verwenden Sie vorhandenes Glukagon nach dem geschulten Notfallplan. Auch die bereitgestellten Patienteninformationen nennen Bewusstlosigkeit ausdrücklich als Situation, in der nichts oral gegeben werden darf und der Rettungsdienst verständigt werden soll.

Merkkasten – Bewusstlosigkeit bedeutet Notfall:
Nichts essen oder trinken lassen. 112 rufen. Wenn ein verordnetes Glukagon-Notfallpräparat vorhanden ist und Sie in der Anwendung geschult sind, kann es entsprechend der Gebrauchsanweisung eingesetzt werden.

Glukagon – das Notfallmedikament für eine schwere Unterzuckerung

Glukagon ist ein körpereigenes Hormon und wirkt gewissermaßen als Gegenspieler des Insulins. Es signalisiert der Leber, gespeicherte Glukose freizusetzen und dadurch den Glukosespiegel wieder anzuheben.

Für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Unterzuckerungen kann Glukagon als Notfallmedikament verordnet werden. Heute stehen dafür je nach Alter und Präparat unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, darunter injizierbares Glukagon sowie fertige Systeme und Glukagon als Nasenpulver.

Das Nasenpräparat Baqsimi ist in der Europäischen Union für die Behandlung schwerer Hypoglykämien bei Menschen mit Diabetes zugelassen und wird als Einzeldosis in ein Nasenloch gegeben. Es muss nicht eingeatmet werden, was gerade bei einer bewusstlosen Person wichtig ist. Die EMA betont außerdem, dass Angehörige oder andere vertraute Personen vorher wissen sollten, wie das Präparat angewendet wird, und nach der Gabe medizinische Hilfe verständigt werden soll.

Welches Glukagonpräparat für Sie oder Ihr Kind geeignet ist und ab welchem Alter es verwendet werden darf, richtet sich nach dem konkreten Produkt. Kontrollieren Sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Diabetes-Team regelmäßig, welches Präparat Sie besitzen, wie es angewendet wird und wann es ersetzt werden muss.

Tipp für Angehörige:
Es hilft wenig, wenn das Glukagon zwar im Küchenschrank liegt, aber niemand weiß, was im Ernstfall damit zu tun ist. Lassen Sie sich die Anwendung gemeinsam zeigen und erklären Sie auch Großeltern, Partnern oder anderen wichtigen Betreuungspersonen, wo sich das Notfallmedikament befindet.

Alkohol und Unterzuckerung – die Gefahr kann erst Stunden später kommen

Alkohol ist bei einer Insulintherapie besonders tückisch, weil das Risiko einer Unterzuckerung nicht unbedingt während des Trinkens am größten ist.

Die Leber hat unter anderem die Aufgabe, bei sinkender Glukose gespeicherten Zucker freizusetzen. Wenn sie gleichzeitig mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt ist, kann diese Gegenregulation eingeschränkt sein. Dadurch können Unterzuckerungen auch mehrere Stunden nach dem Alkoholkonsum auftreten, beispielsweise während der Nacht.

Gerade Alkohol am Abend kann deshalb problematisch werden, weil die betroffene Person schläft und frühe Warnzeichen nicht bemerkt. Außerdem können Symptome einer Unterzuckerung wie unsicheres Verhalten, Sprachprobleme oder Verwirrtheit fälschlicherweise für Betrunkenheit gehalten werden. Alkohol gehört deshalb zu den bekannten Auslösern beziehungsweise Verstärkern von Hypoglykämien.

Wenn Sie Alkohol trinken und eine Therapie mit Unterzuckerungsrisiko verwenden, sollten Sie dafür einen persönlichen Plan mit Ihrem Diabetes-Team haben. Insulindosis, Essen, Menge und Art des Alkohols sowie der Zeitpunkt spielen dabei eine Rolle.

Und noch etwas ist wichtig: Die Wirkung von Glukagon kann eingeschränkt sein, wenn die Glukosespeicher der Leber beispielsweise nach starkem Alkoholkonsum weitgehend erschöpft sind. In einer schweren Situation sollte deshalb unabhängig davon der Rettungsdienst gerufen werden.

Bewegung kann noch lange nach dem Sport wirken

Viele Unterzuckerungen entstehen nicht während des Sports, sondern später.

Ihre Muskeln verbrauchen während Bewegung Energie und füllen ihre Energiespeicher anschließend wieder auf. Gleichzeitig kann der Körper nach körperlicher Aktivität empfindlicher auf Insulin reagieren. Deshalb kann die Glukose auch Stunden nach dem Training noch stärker sinken.

Wenn Sie abends Sport treiben, kann sich diese Wirkung bis in die Nacht hinein bemerkbar machen. Besonders nach ungewohnt langen oder intensiven Aktivitäten sollten Sie Ihren Verlauf deshalb auch nach dem eigentlichen Training im Blick behalten.

Der Ausgangstext weist darauf hin, dass Bewegung und Sport auch noch Stunden später eine Unterzuckerung begünstigen können. Für Kinder und Jugendliche beschreibt die aktuelle DDG-Leitlinie ein erhöhtes Hypoglykämierisiko während und bis zu 24 Stunden nach körperlicher Aktivität.

Tipp für neue Sportarten:
Wenn Sie eine Sportart neu beginnen oder plötzlich deutlich länger trainieren als gewöhnlich, beobachten Sie Ihre Glukose anfangs etwas genauer. So lernen Sie, ob Sie bereits vor dem Sport, währenddessen oder erst mehrere Stunden später stärker reagieren.

Nächtliche Unterzuckerungen verdienen besondere Aufmerksamkeit

Eine Unterzuckerung während des Schlafs ist für viele Menschen mit Diabetes und besonders für Eltern eines Kindes mit Typ-1-Diabetes beunruhigend. Schließlich kann man Warnzeichen wie Zittern oder ein beginnendes Konzentrationsproblem im Schlaf kaum wahrnehmen.

Moderne CGM-Systeme mit Alarmfunktion haben hier einen großen Sicherheitsgewinn gebracht. Sie können vor niedrigen beziehungsweise schnell fallenden Werten warnen und bei AID-Systemen teilweise sogar die Insulinabgabe automatisch reduzieren oder unterbrechen.

Wenn nächtliche Unterzuckerungen wiederholt auftreten, sollte die Lösung jedoch nicht einfach darin bestehen, jeden Abend vorsorglich mit einem deutlich zu hohen Glukosewert ins Bett zu gehen oder grundsätzlich zusätzliche Kohlenhydrate zu essen. Viel sinnvoller ist es, gemeinsam mit dem Diabetes-Team nach der Ursache zu suchen. Vielleicht passt das Basalinsulin beziehungsweise die nächtliche Basalrate nicht mehr, vielleicht spielt abendlicher Sport eine Rolle oder eine Korrekturdosis war zu stark.

Wiederholte nächtliche Hypoglykämien sind deshalb vor allem ein Anlass, die Therapie zu überprüfen, statt sie einfach jeden Abend mit zusätzlichen Snacks auszugleichen.

Wenn der Sensor nachts Alarm schlägt und Sie sich vollkommen normal fühlen

CGM-Systeme messen die Glukose nicht direkt im Blut, sondern im Unterhautfettgewebe. Dadurch können Sensorwerte bei schnellen Veränderungen etwas zeitversetzt sein.

Zusätzlich können bestimmte Situationen zu auffälligen Sensorkurven führen. Wenn Sie beispielsweise direkt auf dem Sensor liegen, kann durch den Druck bei manchen Systemen ein scheinbar zu niedriger Wert entstehen.

Das bedeutet nicht, dass Sie einen nächtlichen Alarm ignorieren sollten.

Wenn der Wert jedoch überhaupt nicht zum Befinden passt oder ungewöhnlich aussieht, kann eine Kontrollmessung aus der Fingerbeere sinnvoll sein. Gerade bei schnellen Glukoseveränderungen weist auch das Diabetesinformationsportal auf die mögliche zeitliche Verzögerung von CGM-Werten hin.

Was ist eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung?

Wer häufiger unterzuckert, kann erleben, dass die typischen Warnzeichen immer später auftreten. Das Zittern, Schwitzen oder Herzklopfen fehlt dann vielleicht, während der Glukosewert bereits deutlich zu niedrig ist.

Das wird als Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung bezeichnet und sollte ernst genommen werden.

Gerade Menschen, die sehr niedrige Werte „gut vertragen“, sollten deshalb nicht stolz darauf sein, bei 45 mg/dl noch kaum etwas zu merken. Fehlende Warnzeichen erhöhen vielmehr das Risiko, dass eine Hypoglykämie erst erkannt wird, wenn Denken und Handlungsfähigkeit bereits beeinträchtigt sind. Die aktuellen DDG-Empfehlungen weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine Unterzuckerung unter 54 mg/dl ohne entsprechende Warnzeichen auf eine gestörte Wahrnehmung hinweisen kann.

Wenn Sie häufig niedrige Werte haben oder Ihre Warnzeichen kaum noch spüren, sprechen Sie mit Ihrem Diabetes-Team. Es gibt spezielle Schulungs- und Wahrnehmungstrainings, und häufig hilft bereits eine konsequente Phase, in der Unterzuckerungen möglichst vermieden werden.

Merkkasten – „Ich merke meine Hypos nie“ ist kein Vorteil:
Fehlende Warnzeichen machen eine Unterzuckerung nicht harmloser, sondern gefährlicher. Wenn Sie erst sehr spät bemerken, dass Ihre Glukose zu niedrig ist, sollte Ihre Therapie gezielt überprüft werden.

Besonders ältere Menschen sollten niedrige Werte ernst nehmen

Bei älteren Menschen kann sich eine Unterzuckerung anders zeigen als bei jüngeren. Statt deutlichem Zittern oder Heißhunger stehen möglicherweise Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit oder Gangunsicherheit im Vordergrund.

Dadurch kann eine Hypoglykämie leicht mit anderen Problemen verwechselt werden. Gleichzeitig erhöht sie das Risiko für Stürze und Verletzungen.

Gerade bei älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen wird deshalb häufig bewusst ein etwas großzügigeres persönliches Glukoseziel gewählt, wenn dadurch schwere Unterzuckerungen vermieden werden können. Eine Diabetestherapie sollte schließlich nicht nur möglichst niedrige Werte erzeugen, sondern vor allem sicher zum jeweiligen Menschen passen.

Unterzuckerung beim Autofahren – hier wird aus einem niedrigen Wert schnell ein Risiko für andere

Beim Autofahren brauchen Sie Konzentration, schnelle Reaktionen, gutes Sehvermögen und die Fähigkeit, Situationen richtig einzuschätzen. Genau diese Fähigkeiten können während einer Unterzuckerung beeinträchtigt werden.

Die aktuelle DDG-Leitlinie zum Diabetes im Straßenverkehr empfiehlt bei Menschen mit relevantem Hypoglykämierisiko, den Glukosewert vor dem Fahrtantritt zu überprüfen und einen persönlichen sicheren Startbereich festzulegen. Für viele Menschen wird als Orientierung ein Wert von mindestens 90 mg/dl beziehungsweise 5,0 mmol/lvor Fahrtantritt genannt. Bei einer bestehenden oder vermuteten Unterzuckerung dürfen Sie nicht losfahren.

Wenn während der Fahrt Symptome auftreten, halten Sie sofort an einem sicheren Ort an und behandeln Sie die Unterzuckerung. Schnell wirksame Kohlenhydrate gehören deshalb nicht in den Kofferraum unter drei Reisetaschen, sondern griffbereit in den Innenraum.

Nach einer Hypoglykämie reicht es außerdem nicht, nur so lange zu warten, bis der Sensor wieder 71 mg/dl zeigt. Die geistige Leistungsfähigkeit kann noch eine Weile beeinträchtigt sein. Die aktuelle DDG-Empfehlung nennt einen erneuten Fahrtantritt frühestens nach etwa 20 Minuten und erst dann, wenn die Unterzuckerung vollständig überwunden und die Leistungsfähigkeit wiederhergestellt ist.

Tipp fürs Auto:
Bewahren Sie Traubenzucker oder ein geeignetes zuckerhaltiges Getränk im Fahrzeuginnenraum auf und nehmen Sie auch bei CGM-Nutzung ein funktionierendes Blutzuckermessgerät mit. Kontrollieren Sie bei längeren Fahrten regelmäßig Ihren Verlauf und warten Sie nach einer Hypo wirklich ab, bis Sie wieder sicher fahrtüchtig sind.

Unterzuckerungen bei Kindern können ganz anders aussehen

Kleine Kinder können häufig noch nicht sagen: „Ich glaube, mein Zucker fällt.“ Stattdessen verändert sich ihr Verhalten.

Ein Kind wird vielleicht plötzlich quengelig, ungewöhnlich still oder sehr anhänglich. Manche Kinder werden blass, beginnen zu schwitzen oder wirken müde. Andere reagieren gereizt oder aggressiv.

Eltern lernen mit der Zeit häufig sehr genau, welche Veränderungen für ihr eigenes Kind typisch sind.

Trotzdem sollten auch Kindergarten, Schule, Großeltern und andere Betreuungspersonen wissen, welche Warnzeichen auftreten können und was zu tun ist. Schnell wirksame Kohlenhydrate und gegebenenfalls das verordnete Glukagon müssen dort verfügbar sein, wo sich das Kind tatsächlich aufhält.

Bei Kindern sollten Kohlenhydratmengen zur Hypobehandlung alters- und gewichtsbezogen festgelegt werden. Eine pauschale Erwachsenendosis sollte deshalb nicht einfach übernommen werden.

Ein Kind darf trotz Hypoglykämierisiko Sport treiben

Die Angst vor einer Unterzuckerung sollte nicht dazu führen, dass ein Kind vom Sportunterricht, Fußballverein oder Schwimmen ausgeschlossen wird.

Viel wichtiger ist eine gute Vorbereitung. Das Kind sollte entsprechend seinem Alter lernen, auf Sensortrends und Körpersignale zu achten, und Betreuungspersonen müssen wissen, wo schnell wirksame Kohlenhydrate liegen.

Bei neuen Aktivitäten lohnt es sich, den Verlauf zunächst etwas genauer zu beobachten. So entsteht mit der Zeit Erfahrung darüber, welche Sportart wie stark auf die Glukose wirkt.

Der Diabetes soll dabei mitspielen dürfen – aber nicht entscheiden, ob Ihr Kind überhaupt mitspielen darf.

Ein Diabetes-Notfallausweis kann fremden Helfern wichtige Informationen geben

Nicht jede schwere Unterzuckerung passiert zu Hause im Beisein einer Person, die Sie kennt.

Ein Diabetes-Notfallausweis oder eine entsprechende medizinische Information auf dem Smartphone beziehungsweise als Armband kann in einer solchen Situation hilfreich sein. Dadurch können Rettungskräfte oder andere Helfer schneller erkennen, dass Diabetes vorliegt und bestimmte Medikamente verwendet werden.

Der Ausgangstext empfiehlt ebenfalls einen Diabetes-Notfallausweis, um Helfer im Ernstfall über die bestehende Erkrankung und die Behandlung zu informieren.

Besonders wenn Sie Insulin verwenden und allein unterwegs sind, kann eine solche Information sinnvoll sein.

Was gehört in ein gutes Hypo-Notfallset?

Ein Notfallset muss nicht groß sein. Es sollte vor allem tatsächlich vollständig und erreichbar sein.

Wenn Sie Glukagon besitzen, kontrollieren Sie regelmäßig das Haltbarkeitsdatum. Auch schnell wirksame Kohlenhydrate sollten nach Verbrauch wieder aufgefüllt werden.

Tipp:
Packen Sie nicht nur ein Notfallset. Ein kleines Set im Rucksack, eines bei der Arbeit und eines an einem festen Ort zu Hause erspart Ihnen das ständige Umräumen.

Häufige Unterzuckerungen sollten nicht einfach als „normal bei Diabetes“ akzeptiert werden

Eine gelegentliche leichte Unterzuckerung kann trotz sorgfältiger Therapie vorkommen. Wenn niedrige Werte jedoch regelmäßig auftreten, nachts häufig Alarme auslösen oder bereits Fremdhilfe notwendig war, sollte die Behandlung überprüft werden.

Möglicherweise passt die Insulindosis nicht mehr zu Ihrem Alltag, ein Korrekturfaktor ist zu stark eingestellt oder Bewegung wird noch nicht ausreichend berücksichtigt. Auch Nierenfunktion, Gewichtsveränderungen oder andere Medikamente können Einfluss haben.

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes können CGM-Systeme und moderne AID-Systeme helfen, Unterzuckerungen zu reduzieren, indem sie fallende Werte früher erkennen beziehungsweise die Insulinabgabe anpassen. Die aktuelle DDG-Praxisempfehlung und die Leitlinie für Kinder und Jugendliche berücksichtigen solche Systeme ausdrücklich als Teil einer modernen Strategie zur Vermeidung von Hypoglykämien.

Die Lösung sollte deshalb nicht dauerhaft lauten: „Dann esse ich eben jedes Mal vorsorglich mehr.“

Die bessere Frage ist: Warum passiert es so häufig und was können wir an der Therapie verändern?

Können auch Menschen ohne Diabetes unterzuckern?

Menschen ohne Diabetes können ebenfalls Beschwerden erleben, die sich wie eine Unterzuckerung anfühlen. Nach langem Fasten, sehr anstrengender körperlicher Aktivität oder Alkohol kann die Glukose beispielsweise vorübergehend niedriger sein.

Eine echte wiederkehrende Hypoglykämie bei einem Menschen ohne Diabetes ist allerdings wesentlich seltener als bei einer Behandlung mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Medikamenten.

Wenn Sie keinen Diabetes haben und immer wieder Zittern, Schweißausbrüche, Schwäche oder Heißhungerattacken entwickeln, sollten Sie deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass Sie „Unterzucker haben“ und den ganzen Tag vorsorglich Süßigkeiten essen.

Sinnvoller ist es, während einer solchen Episode tatsächlich einen niedrigen Glukosewert nachzuweisen und bei wiederholten Beschwerden ärztlich nach möglichen Ursachen zu suchen. Auch der Ausgangstext weist darauf hin, dass bei wiederkehrenden Beschwerden ohne Diabetes andere gesundheitliche Ursachen abgeklärt werden sollten.

So können Sie Unterzuckerungen im Alltag besser vermeiden

Eine hundertprozentige Garantie gibt es bei einer Insulintherapie nicht, trotzdem können Sie das Risiko deutlich reduzieren.

Lernen Sie Ihre persönlichen Warnzeichen kennen und beobachten Sie wiederkehrende Muster. Wenn Sie nach einer bestimmten Sporteinheit regelmäßig niedrig werden, nehmen Sie das nicht jedes Mal überrascht hin, sondern besprechen Sie eine passende Strategie. Wenn nachts immer zur gleichen Uhrzeit Alarme auftreten, sollte die Insulinversorgung überprüft werden.

Tragen Sie schnell wirksame Kohlenhydrate immer bei sich und informieren Sie Menschen in Ihrem Umfeld darüber, was bei einer schweren Unterzuckerung zu tun ist.

Kontrollieren Sie außerdem Medikamente und Insuline sorgfältig. Eine Verwechslung von Basal- und Mahlzeiteninsulin kann eine schwere Hypoglykämie auslösen. Gerade wenn mehrere Pens ähnlich aussehen, sollten Sie vor jeder Injektion wirklich den Namen prüfen.

Bei Alkohol, längeren sportlichen Aktivitäten, Reisen oder einem veränderten Tagesablauf kann etwas mehr Aufmerksamkeit sinnvoll sein.

Und vor allem: Versuchen Sie nicht, häufige Unterzuckerungen einfach auszuhalten.

Merkkasten – eine gute Diabetesbehandlung soll Hypos vermeiden:
Wiederholte Unterzuckerungen sind kein Beweis dafür, dass Ihr Diabetes besonders „streng“ oder „gut“ eingestellt ist. Eine gute Therapie soll möglichst stabile Glukosewerte erreichen, ohne Sie ständig in gefährlich niedrige Bereiche zu bringen.

Fazit: Eine Unterzuckerung sollte ernst genommen werden – aber sie muss Ihnen nicht ständig Angst machen

Eine Hypoglykämie gehört zu den wichtigsten akuten Situationen, die Menschen mit einer Insulintherapie oder bestimmten blutzuckersenkenden Medikamenten kennen sollten. Sie kann unangenehm sein und in schweren Fällen gefährlich werden, doch wenn die ersten Warnzeichen erkannt und richtig behandelt werden, lässt sich eine leichte Unterzuckerung meistens schnell auffangen.

Der wichtigste Orientierungspunkt ist ein Glukosewert unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l. Spätestens dann sollten Sie aufmerksam werden und entsprechend Ihrem persönlichen Behandlungsplan handeln. Unter 54 mg/dl beziehungsweise 3,0 mmol/l wird die Situation deutlich ernster, weil auch Gehirn und Reaktionsfähigkeit stärker beeinträchtigt werden können. Eine schwere Hypoglykämie liegt schließlich dann vor, wenn Sie die Situation nicht mehr selbst behandeln können und eine andere Person eingreifen muss.

Wenn Sie noch wach und sicher schluckfähig sind, helfen schnell wirksame Kohlenhydrate. Traubenzucker, Glukose oder ein geeignetes zuckerhaltiges Getränk sind dafür wesentlich besser geeignet als Schokolade, weil Fett die Aufnahme des Zuckers verzögert.

Bei Bewusstlosigkeit gilt dagegen eine vollkommen andere Regel: Niemals etwas in den Mund geben. Verständigen Sie den Rettungsdienst über 112 und setzen Sie ein vorhandenes Glukagon-Notfallpräparat entsprechend der erlernten Anwendung ein.

Besonders wichtig ist mir aber noch ein anderer Punkt: Unterzuckerungen sollten Sie nicht nur behandeln, sondern auch verstehen.

Wenn Sie regelmäßig nachts niedrig werden, bei jeder Sporteinheit in eine Hypo geraten oder Ihre Warnzeichen kaum noch spüren, ist das kein Problem, das Sie einfach hinnehmen müssen. Ihre Insulintherapie, Sensoralarme oder andere Behandlungsfaktoren können überprüft und angepasst werden.

Moderne CGM- und AID-Systeme können dabei zusätzliche Sicherheit geben, aber auch mit der besten Technik bleibt Ihr eigenes Wissen entscheidend. Sie sollten wissen, wie sich eine Unterzuckerung bei Ihnen persönlich anfühlt, was Sie griffbereit haben müssen und wie Ihr Umfeld im Notfall helfen kann.

Vor allem aber sollte die Angst vor niedrigen Werten nicht dazu führen, dass Sie Sport vermeiden, nicht mehr verreisen oder sich im Alltag ständig vorsorglich zu hohe Glukosewerte wünschen.

Eine gute Diabetesbehandlung bedeutet nicht, möglichst niedrige Werte zu erreichen. Sie bedeutet, möglichst sicher im persönlichen Zielbereich zu leben und Unterzuckerungen so selten und so wenig gefährlich wie möglich werden zu lassen.

 


Quellen und weiterführende Informationen

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Die DDG veröffentlicht aktuelle Praxisempfehlungen zur Diabetesbehandlung und verwendet die international etablierte Einteilung von Hypoglykämien in verschiedene Schweregrade. Die aktuelle Gesamtausgabe der Praxisempfehlungen ist im Januar 2026 erschienen.

DDG – S2e-Leitlinie Diabetes und Straßenverkehr, Version 2.0
Aktuelle Empfehlungen zur Einordnung von Unterzuckerungen, zur Fahrsicherheit und zum Verhalten vor und während einer Autofahrt bei erhöhtem Hypoglykämierisiko.

S3-Leitlinie Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter
Aktuelle Empfehlungen zu Warnzeichen, Unterzuckerungen, Sport und Diabetesbehandlung bei Kindern und Jugendlichen.

Diabinfo – Diabetesinformationsportal
Verständliche Informationen zu Hypoglykämien, Ursachen, Behandlung, Glukagon, nächtlichen Unterzuckerungen und Notfallmaßnahmen.

European Medicines Agency (EMA)
Aktuelle Arzneimittelinformationen zu Glukagon-Nasenpulver zur Behandlung schwerer Hypoglykämien.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle Diabetes-Schulung oder medizinische Beratung. Welche Menge schnell wirksamer Kohlenhydrate bei einer Unterzuckerung für Sie beziehungsweise Ihr Kind geeignet ist, wann Insulin angepasst werden muss und welches persönliche Vorgehen bei Sport, Alkohol, Autofahren oder nächtlichen Unterzuckerungen gilt, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Diabetes-Team festgelegt werden.

Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder einer schweren Unterzuckerung, bei der die betroffene Person nicht mehr selbstständig behandelt werden kann, sollte entsprechend dem persönlichen Notfallplan gehandelt und 112 verständigt werden. Einer bewusstlosen oder nicht sicher schluckfähigen Person dürfen keine Getränke oder Lebensmittel in den Mund gegeben werden.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Wissenschaftlicher Stand

August 2026

 

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