Wenn Sie Diabetes haben, denken Sie wahrscheinlich zuerst an Ihren Blutzucker, Ihre Ernährung, Medikamente oder Insulin. Die Augen stehen dabei oft nicht an erster Stelle. Gerade deshalb ist es wichtig, sie nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn Diabetes kann die feinen Blutgefäße im Auge über längere Zeit verändern, und das geschieht häufig so langsam, dass Sie zunächst überhaupt nichts davon bemerken. Sie können noch problemlos lesen, Auto fahren oder am Bildschirm arbeiten und trotzdem können bereits erste Veränderungen vorhanden sein. Genau deshalb sind regelmäßige Augenuntersuchungen so wichtig: Sie sollen Probleme möglichst entdecken, bevor Ihr Sehen darunter leidet.
Dabei möchte ich Ihnen keine Angst machen. Wenn Sie Diabetes haben, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie später schlecht sehen oder sogar erblinden werden. Es bedeutet vielmehr, dass Ihre Augen ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdienen. Heute können viele Veränderungen früh erkannt und gut behandelt werden. Zusätzlich können Sie selbst viel dafür tun, Ihre Augen zu schützen, indem Sie nicht nur auf Ihren Blutzucker achten, sondern auch Blutdruck, Blutfette und andere Gefäßrisiken gut behandeln lassen.
Warum Diabetes überhaupt Auswirkungen auf die Augen haben kann
Im hinteren Teil Ihres Auges befindet sich die Netzhaut. Sie können sie sich vereinfacht wie die lichtempfindliche Fläche einer Kamera vorstellen. Dort werden die Bilder aufgenommen, die anschließend über den Sehnerv an Ihr Gehirn weitergeleitet werden. Damit diese empfindliche Schicht zuverlässig funktioniert, wird sie von vielen winzigen Blutgefäßen versorgt.
Wenn der Blutzucker über längere Zeit häufig deutlich erhöht ist, können genau diese sehr feinen Gefäße empfindlicher werden. Ihre Wände können sich verändern und mit der Zeit durchlässiger werden, sodass kleine Mengen Flüssigkeit oder Blut austreten können. Anfangs merken Sie davon häufig nichts, weil kleine Veränderungen außerhalb des Bereichs entstehen können, den Sie für das scharfe Sehen benötigen.
Erst wenn die Veränderungen größer werden oder eine besonders wichtige Stelle der Netzhaut betroffen ist, kann das Sehen nachlassen. Deshalb können Sie selbst leider nicht zuverlässig daran erkennen, ob Ihre Netzhaut gesund ist. Eine augenärztliche Untersuchung kann Veränderungen sehen, lange bevor sie Ihnen im Alltag auffallen.
Merkkasten
Wenn Sie noch gut sehen, ist das sehr erfreulich – aber es ersetzt die Augenuntersuchung nicht. Gerade frühe Veränderungen durch Diabetes können vorhanden sein, ohne dass Sie selbst etwas davon bemerken.
Was bedeutet diabetische Retinopathie?
Vielleicht begegnet Ihnen beim Augenarzt der Begriff diabetische Retinopathie. Dahinter steckt nichts anderes als eine durch Diabetes verursachte Veränderung der Netzhaut.
Am Anfang handelt es sich häufig um sehr kleine Veränderungen an den Blutgefäßen. Manche Stellen werden etwas durchlässiger und es können winzige Blutungen entstehen. In dieser Phase bleibt das Sehen häufig noch vollkommen normal.
Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, kann die Netzhaut an manchen Stellen schlechter mit Sauerstoff versorgt werden. Der Körper versucht dann, neue Blutgefäße zu bilden. Diese Gefäße sind jedoch empfindlich und können leichter bluten. In schweren Fällen können dadurch größere Blutungen oder Veränderungen entstehen, die das Sehvermögen deutlich beeinträchtigen.
Sie müssen sich diese verschiedenen Stadien nicht merken. Viel wichtiger ist zu wissen, dass es leichte und schwere Formen gibt und dass ein früher Befund nicht automatisch bedeutet, dass Sie Ihr Sehvermögen verlieren werden.
Auch die Stelle des schärfsten Sehens kann betroffen sein
Mitten in der Netzhaut liegt ein kleiner Bereich, der besonders wichtig ist. Dort sehen Sie besonders scharf. Sie brauchen ihn beispielsweise zum Lesen, zum Erkennen von Gesichtern oder wenn Sie feine Dinge betrachten möchten.
Dieser Bereich wird Makula genannt.
Wenn sich dort aufgrund veränderter Gefäße Flüssigkeit ansammelt, kann das Sehen verschwommen oder verzerrt werden. Manche Menschen merken beim Lesen, dass Buchstaben unscharf erscheinen, Linien plötzlich krumm wirken oder ein grauer Fleck genau dort liegt, wo sie hinschauen möchten.
Auch solche Veränderungen lassen sich heute behandeln. Entscheidend ist allerdings, dass sie erkannt werden.
Wer besonders auf seine Augen achten sollte
Grundsätzlich sollten alle Menschen mit Diabetes ihre Augen entsprechend den empfohlenen Kontrollabständen untersuchen lassen. Manche Menschen haben jedoch ein höheres Risiko für Netzhautveränderungen.
Dazu gehören beispielsweise Menschen, die schon lange Diabetes haben, deren Blutzucker über längere Zeit deutlich erhöht ist oder die zusätzlich Bluthochdruck haben. Auch eine bereits vorhandene Nierenschädigung kann ein Hinweis darauf sein, dass die kleinen Blutgefäße im Körper stärker belastet sind.
Wenn Sie rauchen, kommt eine zusätzliche Belastung für die Gefäße hinzu. Ein Rauchstopp schützt deshalb nicht nur Ihre Lunge und Ihr Herz, sondern kann auch für Ihre Augen und andere diabetesgefährdete Organe wichtig sein.
Das bedeutet nicht, dass automatisch etwas mit Ihren Augen passieren wird. Es bedeutet lediglich, dass regelmäßige Kontrollen besonders wichtig sind und Ihre allgemeinen Gesundheitswerte möglichst gut behandelt werden sollten.
Der Schutz Ihrer Augen beginnt nicht erst beim Augenarzt
Die Augenarztpraxis kann Veränderungen früh erkennen und bei Bedarf behandeln. Ein großer Teil der Vorbeugung findet jedoch jeden Tag in Ihrer normalen Diabetesbehandlung statt.
Wenn Ihre Blutzuckerwerte langfristig möglichst gut zu Ihrem persönlichen Zielbereich passen, schützen Sie damit auch die kleinen Gefäße Ihrer Augen. Dabei müssen Ihre Werte nicht jeden einzelnen Tag perfekt sein. Entscheidend ist die langfristige Entwicklung.
Auch Ihr Blutdruck spielt eine wichtige Rolle. Wenn bei Ihnen Bluthochdruck festgestellt wurde, sollte dieser nicht als vollkommen getrennte Erkrankung betrachtet werden. Diabetes und Bluthochdruck können gemeinsam die kleinen und großen Blutgefäße belasten. Eine gute Blutdruckbehandlung schützt deshalb gleichzeitig Herz, Nieren und Augen.
Ähnliches gilt für die Blutfette. Wenn beispielsweise Ihr LDL-Cholesterin erhöht ist, sollten Sie gemeinsam mit Ihrer behandelnden Praxis besprechen, welcher Zielbereich für Sie sinnvoll ist.
Sie schützen Ihre Augen also nicht mit einem bestimmten Vitamin oder einem besonderen Lebensmittel, sondern vor allem dadurch, dass Sie Ihren gesamten Diabetes und Ihre Gefäßgesundheit gut im Blick behalten.
Ernährung und Bewegung helfen auch Ihren Augen
Sie brauchen keine spezielle Ernährung für Ihre Netzhaut. Eine ausgewogene Ernährung, die Ihren Diabetes und gleichzeitig Ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit unterstützt, ist vollkommen ausreichend.
Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst in passenden Mengen, Nüsse und geeignete pflanzliche Öle können regelmäßig auf Ihrem Speiseplan stehen. Bei stark verarbeiteten Lebensmitteln, großen Mengen Wurst, sehr zuckerreichen Getränken oder stark salzhaltigen Fertigprodukten lohnt es sich, die Menge im Alltag im Blick zu behalten.
Auch regelmäßige Bewegung hilft nicht nur Ihrem Blutzucker. Bewegung unterstützt den Kreislauf, kann den Blutdruck verbessern und trägt dazu bei, dass Ihr Körper besser mit Insulin umgehen kann.
Sie brauchen dafür keinen Leistungssport. Ein Spaziergang, Radfahren, Schwimmen oder eine andere Bewegung, die Ihnen Freude macht und zu Ihrem Körper passt, kann ein guter Anfang sein.
Tipp:
Versuchen Sie nicht, Ihre Augen mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln „vor Diabetes zu schützen“. Viel sinnvoller ist es, Blutzucker, Blutdruck und Blutfette gut behandeln zu lassen, nicht zu rauchen und sich regelmäßig zu bewegen.
Wann sollten Sie Ihre Augen untersuchen lassen?
Wenn bei Ihnen Typ-2-Diabetes neu festgestellt wurde, sollte Ihre Netzhaut zeitnah augenärztlich untersucht werden. Der Grund dafür ist, dass Typ-2-Diabetes oft bereits längere Zeit bestanden haben kann, bevor er überhaupt entdeckt wird.
Wenn bei dieser Untersuchung alles unauffällig ist, hängt der nächste Termin von Ihrem persönlichen Risiko ab. Manche Menschen werden jährlich untersucht, bei anderen kann bei unauffälligem Befund und niedrigem Risiko ein längerer Abstand ausreichen.
Wenn bereits Veränderungen entdeckt wurden, legt Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt fest, wie häufig Sie zur Kontrolle kommen sollten.
Bei Typ-1-Diabetes gelten etwas andere Zeitpunkte. Hier beginnt die regelmäßige Augenvorsorge normalerweise erst nach einigen Jahren Diabetesdauer. Bei Kindern und Jugendlichen wird zusätzlich das Alter berücksichtigt.
Sie müssen diese verschiedenen Abstände nicht selbst auswendig lernen. Wichtig ist vielmehr, dass Sie wissen, wann Ihr persönlicher nächster Termin vorgesehen ist.
Tipp
Wenn Sie Ihren letzten Augenarzttermin nicht mehr genau wissen, schauen Sie in Ihren Gesundheits-Pass Diabetes oder fragen Sie Ihre Hausarzt- oder Diabetespraxis. Gerade Untersuchungen, die nur alle ein oder zwei Jahre stattfinden, werden leicht vergessen.
Was passiert beim Augenarzt?
Viele Menschen schieben die Untersuchung vor sich her, weil sie nicht genau wissen, was sie erwartet. In der Regel ist die Untersuchung unkompliziert.
Zunächst wird geprüft, wie gut Sie sehen. Anschließend schaut sich die Augenärztin oder der Augenarzt Ihre Augen genauer an. Damit die Netzhaut gut beurteilt werden kann, werden häufig Augentropfen verwendet, die die Pupillen erweitern.
Dadurch kann der Augenhintergrund wesentlich besser untersucht werden.
Nach diesen Tropfen können Ihre Augen für einige Stunden lichtempfindlicher sein und Sie sehen möglicherweise etwas verschwommener. Deshalb sollten Sie bei der Terminvereinbarung fragen, ob eine Pupillenerweiterung geplant ist und ob Sie anschließend selbst Auto fahren dürfen.
Wenn bei der Untersuchung etwas Auffälliges gesehen wird, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Dabei können beispielsweise sehr genaue Bilder der Netzhaut gemacht werden. Für Sie bedeutet das zunächst nur, dass genauer hingeschaut wird. Es heißt nicht automatisch, dass eine schwere Erkrankung vorliegt.
Welche Veränderungen sollten Sie selbst ernst nehmen?
Die meisten frühen Netzhautveränderungen machen keine Beschwerden. Trotzdem gibt es Symptome, bei denen Sie nicht bis zum nächsten normalen Kontrolltermin warten sollten.
Wenn Ihr Sehen plötzlich deutlich verschwommener wird, wenn Sie in der Mitte Ihres Blickfeldes einen grauen oder dunklen Bereich bemerken oder wenn gerade Linien plötzlich verzerrt erscheinen, sollten Sie Ihre Augen zeitnah untersuchen lassen.
Besonders dringlich sind plötzlich auftretende Lichtblitze, sehr viele neue schwarze Punkte oder Schlieren, die wie „Rußregen“ wirken, sowie ein dunkler Schatten oder ein Vorhang, der sich über einen Teil des Gesichtsfeldes legt.
Solche Beschwerden können auch andere Ursachen als Diabetes haben, aber sie gehören schnell augenärztlich abgeklärt.
Merkkasten – bitte nicht bis zum nächsten Kontrolltermin warten
Plötzliche Lichtblitze, viele neue schwarze Punkte, „Rußregen“, ein dunkler Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld sowie eine plötzlich starke Sehverschlechterung sollten Sie umgehend augenärztlich abklären lassen.
Verschwommenes Sehen bedeutet nicht immer sofort eine Netzhautschädigung
Wenn Ihre Blutzuckerwerte gerade sehr stark schwanken, kann sich vorübergehend auch Ihre Sehschärfe verändern. Manche Menschen bemerken dann, dass ihre Brille plötzlich nicht mehr richtig zu passen scheint oder dass sie zeitweise unschärfer sehen.
Das kann daran liegen, dass starke Veränderungen des Blutzuckers auch die Verhältnisse im Auge beeinflussen können.
Deshalb ist es manchmal sinnvoll, mit einer neuen Brillenstärke zu warten, bis sich die Stoffwechsellage stabilisiert hat.
Trotzdem sollten Sie eine neu auftretende oder stärkere Sehverschlechterung nicht einfach mit den Worten „Das ist bestimmt nur der Zucker“ abtun. Nur eine augenärztliche Untersuchung kann feststellen, ob die Netzhaut, die Linse oder ein anderer Teil des Auges betroffen ist.
Diabetes kann nämlich nicht nur die Netzhaut beeinflussen. Auch andere Augenprobleme, beispielsweise ein grauer Star, können bei Menschen mit Diabetes häufiger vorkommen.
Was passiert, wenn bereits Veränderungen gefunden werden?
Wenn Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt eine leichte diabetische Netzhautveränderung entdeckt, bedeutet das nicht automatisch, dass sofort behandelt werden muss.
Bei frühen Veränderungen reicht es häufig zunächst aus, die Augen regelmäßiger zu kontrollieren und gleichzeitig Blutzucker, Blutdruck und weitere Risikofaktoren möglichst gut einzustellen.
Die Ärztin oder der Arzt beobachtet dann, ob die Veränderungen stabil bleiben oder stärker werden.
Erst wenn bestimmte Bereiche der Netzhaut deutlicher betroffen sind, können zusätzliche Behandlungen notwendig werden.
Wenn die Makula betroffen ist
Wenn sich Flüssigkeit an der Stelle des schärfsten Sehens ansammelt, können Medikamente direkt ins Auge gegeben werden. Das hört sich für viele Menschen zunächst sehr unangenehm an, weil niemand gern an eine Spritze im Auge denkt.
Die Behandlung wird jedoch örtlich betäubt und gehört in spezialisierten Augenarztpraxen und Kliniken zu den regelmäßig durchgeführten Verfahren.
Die Medikamente sollen dafür sorgen, dass undichte und krankhaft veränderte Blutgefäße weniger Flüssigkeit abgeben und die Schwellung zurückgehen kann.
Häufig sind mehrere Behandlungen notwendig. Deshalb ist es wichtig, die vereinbarten Termine wahrzunehmen, auch wenn Sie nach den ersten Behandlungen bereits besser sehen.
Wann ein Laser eingesetzt werden kann
Bei bestimmten fortgeschritteneren Veränderungen kann eine Laserbehandlung sinnvoll sein. Dabei werden gezielt Bereiche der Netzhaut behandelt, um gefährliche Gefäßveränderungen zu bremsen und das Risiko größerer Blutungen zu verringern.
Das Ziel einer solchen Behandlung besteht vor allem darin, das vorhandene Sehvermögen möglichst zu erhalten und eine weitere Verschlechterung zu verhindern.
Eine Laserbehandlung bedeutet also nicht automatisch, dass Ihre Augen bereits kurz vor einer Erblindung stehen. Sie ist vielmehr eine Möglichkeit, eine fortschreitende Erkrankung zu bremsen.
Manchmal ist eine Operation notwendig
Bei sehr weit fortgeschrittenen Veränderungen können größere Blutungen im Inneren des Auges oder Zugkräfte an der Netzhaut entstehen. In solchen Situationen kann eine Operation notwendig sein.
Das betrifft jedoch schwere Stadien und ist keineswegs die normale Folge jeder diabetischen Netzhautveränderung.
Gerade deshalb sind die Vorsorgeuntersuchungen so wertvoll. Sie sollen möglichst verhindern, dass Veränderungen erst in einem sehr späten Stadium bemerkt werden.
Wenn sich Ihr Blutzucker plötzlich stark verbessert
Eine gute Glukoseeinstellung schützt Ihre Augen langfristig. Wenn Ihre Werte jedoch über längere Zeit sehr hoch waren und anschließend innerhalb kurzer Zeit deutlich verbessert werden, kann es bei bereits vorhandenen Netzhautveränderungen sinnvoll sein, die Augen etwas genauer zu kontrollieren.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihren Blutzucker absichtlich hoch lassen sollten.
Es bedeutet lediglich, dass bei einer größeren Therapieumstellung das Diabetes-Team und die Augenarztpraxis voneinander wissen sollten.
Wenn bei Ihnen bereits eine Retinopathie bekannt ist und Ihre Diabetesbehandlung deutlich verändert wird, sprechen Sie deshalb ruhig an, ob eine zusätzliche Augenkontrolle sinnvoll ist.
Wenn Sie schwanger werden möchten
Wenn Sie bereits vor einer Schwangerschaft Diabetes haben, sollten Ihre Augen ebenfalls in die Planung einbezogen werden.
Eine Schwangerschaft verändert den gesamten Stoffwechsel, und bereits vorhandene Netzhautveränderungen können sich in dieser Zeit verändern. Deshalb werden die Augen bei bestehendem Diabetes während einer Schwangerschaft enger kontrolliert.
Wenn Sie schwanger werden möchten, sprechen Sie am besten schon vorher mit Ihrem Diabetes-Team darüber und prüfen Sie, wann zuletzt Ihre Netzhaut untersucht wurde.
Eine gefundene Retinopathie bedeutet nicht automatisch Blindheit
Vielleicht ist genau das der wichtigste Satz dieses Artikels.
Wenn Ihnen Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt sagt, dass erste diabetesbedingte Veränderungen vorhanden sind, ist es verständlich, wenn Sie erschrecken. Das Wort „Netzhautschaden“ klingt beunruhigend.
Aber es gibt sehr unterschiedliche Formen und Schweregrade.
Kleine Veränderungen können über längere Zeit stabil bleiben und zunächst nur kontrolliert werden. Bei stärkeren Veränderungen stehen heute verschiedene Behandlungen zur Verfügung, die das Fortschreiten bremsen und das Sehvermögen schützen können.
Fragen Sie deshalb nach, was genau gefunden wurde.
Ist die Veränderung leicht oder bereits ausgeprägt?
Ist die Stelle des schärfsten Sehens betroffen?
Brauchen Sie bereits eine Behandlung oder zunächst nur eine Kontrolle?
Wann sollte die nächste Untersuchung stattfinden?
Wenn Sie Ihren Befund verstehen, verliert ein medizinischer Begriff häufig einen Teil seines Schreckens.
Wenn Sie bereits schlechter sehen, sollte auch Ihre Diabetes-Technik zu Ihnen passen
Eine stärkere Sehbehinderung kann die tägliche Diabetesbehandlung schwieriger machen. Kleine Zahlen auf einem Insulinpen, Sensoranzeigen oder Informationen auf einem Messgerät lassen sich möglicherweise nicht mehr zuverlässig erkennen.
Dann sollten Sie nicht versuchen, irgendwie damit zurechtzukommen.
Es gibt Geräte mit großen Anzeigen, Sprachausgabe oder Bedienmöglichkeiten über Smartphones, die Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen unterstützen können. Auch Angehörige oder ambulante Hilfen können je nach Situation einbezogen werden.
Sprechen Sie Schwierigkeiten mit Ihrer Diabetes-Technik offen an. Sie sollen Ihre Behandlung sicher durchführen können und nicht jeden Tag raten müssen, ob Sie eine Zahl richtig gelesen haben.
Was Sie selbst für Ihre Augen tun können
Sie müssen dafür keine komplizierte Augenroutine entwickeln. Vieles von dem, was Ihre Augen schützt, schützt gleichzeitig auch den Rest Ihres Körpers.
Achten Sie gemeinsam mit Ihrem Diabetes-Team auf eine langfristig gute Glukoseeinstellung, lassen Sie einen erhöhten Blutdruck behandeln und behalten Sie Ihre Blutfette im Blick. Wenn Sie rauchen, lohnt sich Unterstützung beim Rauchstopp. Bewegen Sie sich regelmäßig und achten Sie auf eine Ernährung, die nicht aus Verboten besteht, sondern überwiegend aus möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und geeigneten pflanzlichen Fetten.
Und ganz wichtig: Nehmen Sie Ihre Augenarzttermine wahr, auch wenn Sie hervorragend sehen.
Denn die beste Gelegenheit, eine frühe Veränderung zu entdecken, ist genau der Zeitpunkt, an dem Sie selbst noch nichts davon merken.
Fazit: Ihre Augen brauchen keine Angst, sondern Aufmerksamkeit
Diabetes kann die feinen Blutgefäße der Netzhaut verändern. Das passiert häufig langsam und zunächst vollkommen unbemerkt. Deshalb sollten Sie nicht darauf warten, dass Ihr Sehen schlechter wird, bevor Sie Ihre Augen untersuchen lassen.
Wenn Sie Typ-2-Diabetes haben, sollte die Netzhaut bereits zeitnah nach der Diagnose untersucht werden. Danach richtet sich der Abstand der Kontrollen danach, ob Veränderungen vorhanden sind und welche persönlichen Risikofaktoren bestehen. Bei Typ-1-Diabetes beginnt die regelmäßige Vorsorge normalerweise erst nach einigen Jahren Diabetesdauer.
Für Sie ist dabei nicht wichtig, sämtliche medizinischen Zeitpläne auswendig zu kennen. Wichtig ist, dass Sie wissen, wann Ihr nächster persönlicher Termin vorgesehen ist.
Neben den Untersuchungen können Sie Ihre Augen jeden Tag unterstützen, indem Sie Ihren Diabetes insgesamt gut behandeln lassen. Ihr Blutzucker gehört dazu, aber auch Blutdruck, Blutfette, Nichtrauchen, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.
Sollten bei einer Untersuchung bereits Veränderungen gefunden werden, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie schlecht sehen oder später erblinden werden. Je nach Befund kann zunächst eine engere Kontrolle ausreichen. Wenn eine Behandlung notwendig wird, stehen heute verschiedene Möglichkeiten wie Medikamenteninjektionen, Laserbehandlungen und in schweren Fällen operative Verfahren zur Verfügung.
Besonders wichtig ist nur, akute Warnzeichen nicht zu ignorieren. Wenn Sie plötzlich Lichtblitze sehen, viele neue schwarze Punkte oder einen „Rußregen“ bemerken, ein dunkler Schatten oder Vorhang in Ihr Gesichtsfeld zieht oder Ihre Sehkraft plötzlich deutlich schlechter wird, sollten Sie schnell augenärztliche Hilfe suchen.
Sie müssen Ihre Augen bei Diabetes also nicht ständig mit Sorge beobachten. Sie sollten ihnen nur regelmäßig die Aufmerksamkeit geben, die sie brauchen – damit Sie Veränderungen möglichst erkennen, bevor sie Ihr Sehen verändern.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Diabetes Gesellschaft – aktuelle Empfehlungen zur diabetischen Retinopathie und Makulopathie.
Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Empfehlungen zur regelmäßigen Kontrolle der Augen bei Diabetes.
AWMF und augenärztliche Fachgesellschaften – aktuelle Empfehlungen zur Behandlung diabetesbedingter Netzhautveränderungen.
Gemeinsamer Bundesausschuss – Disease-Management-Programm Diabetes mellitus Typ 2.
Diabetesinformationsportal diabinfo – Informationen zu Diabetes und Augen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine Untersuchung bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Wie häufig Ihre Augen kontrolliert werden sollten, hängt unter anderem von Ihrer Diabetesform, der Dauer der Erkrankung, Ihrer Stoffwechseleinstellung und bereits vorhandenen Veränderungen ab.
Wenn Sie plötzlich deutlich schlechter sehen, neu auftretende Lichtblitze, viele schwarze Punkte beziehungsweise „Rußregen“ oder einen dunklen Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld bemerken, sollten Sie schnell augenärztliche Hilfe suchen und nicht auf den nächsten Vorsorgetermin warten.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
August 2026

