Wenn Sie an Diabetes denken, kommen Ihnen wahrscheinlich zuerst Typ-1- und Typ-2-Diabetes in den Sinn. Diese beiden Formen sind tatsächlich mit Abstand am bekanntesten. Es gibt jedoch Menschen, bei denen erhöhte Blutzuckerwerte aus einem ganz anderen Grund entstehen: Ihre Bauchspeicheldrüse wurde durch eine Entzündung, eine Operation, einen Tumor oder eine andere Erkrankung geschädigt und kann deshalb nicht mehr genügend Insulin bereitstellen. Für diese Diabetesform wird häufig der Begriff Typ-3c-Diabetes verwendet. Sie können auch Bezeichnungen wie pankreatogener, pankreopriver oder pankreatischer Diabetes hören. Gemeint ist im Grunde immer ein Diabetes, der im Zusammenhang mit einer Erkrankung oder einem Verlust von funktionsfähigem Gewebe der Bauchspeicheldrüse entstanden ist. Die aktuellen internationalen Diabetesempfehlungen ordnen diese Erkrankung unter den besonderen Diabetesformen ein und verwenden „pankreatischer Diabetes“ zunehmend als übergeordneten Begriff.
Warum ist diese Unterscheidung überhaupt so wichtig? Ein erhöhter Blutzucker sieht auf dem Laborzettel zunächst immer gleich aus. Für die Behandlung macht es jedoch einen erheblichen Unterschied, ob Ihre Körperzellen hauptsächlich schlechter auf Insulin reagieren, wie es bei Typ-2-Diabetes häufig der Fall ist, ob das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen angreift, wie bei Typ-1-Diabetes, oder ob die Bauchspeicheldrüse selbst durch eine andere Erkrankung geschädigt wurde. Beim Typ-3c-Diabetes können nämlich gleich zwei wichtige Aufgaben der Bauchspeicheldrüse betroffen sein: die Steuerung des Blutzuckers und die Verdauung der Nahrung. Genau diese Kombination macht diese Diabetesform besonders und erklärt, warum manche Betroffene nicht nur mit erhöhten Zuckerwerten, sondern gleichzeitig mit Gewichtsverlust, Durchfällen, Blähungen oder fettigem Stuhl zu kämpfen haben. Auch Ihre Ausgangsinformation beschreibt diese doppelte Belastung sehr treffend.
Merkkasten: Typ-3c-Diabetes ist kein „schwererer Typ-2-Diabetes“. Die Ursache liegt in einer Erkrankung oder Schädigung der Bauchspeicheldrüse. Deshalb müssen neben dem Blutzucker häufig auch Verdauung, Gewicht und Nährstoffversorgung behandelt werden.
Die Bauchspeicheldrüse hat zwei völlig unterschiedliche Aufgaben
Die Bauchspeicheldrüse liegt tief im Oberbauch hinter dem Magen. Obwohl sie im Alltag kaum Aufmerksamkeit bekommt, übernimmt sie zwei Aufgaben, die für Ihren Körper ausgesprochen wichtig sind. Zum einen stellt sie Hormone her, die den Blutzucker regulieren. Das bekannteste davon ist Insulin. Es hilft dabei, Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu bringen, damit diese sie als Energie nutzen können. Gleichzeitig bildet die Bauchspeicheldrüse unter anderem Glukagon, das bei sinkenden Blutzuckerwerten dabei hilft, wieder Glukose bereitzustellen. Diese hormonelle Aufgabe wird als endokrine Funktion bezeichnet.
Zum anderen stellt die Bauchspeicheldrüse Verdauungssaft mit verschiedenen Enzymen her. Diese Enzyme gelangen in den Dünndarm und helfen dort dabei, Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate aus der Nahrung in kleinere Bestandteile aufzuspalten. Erst dadurch können diese Nährstoffe richtig aufgenommen werden. Wird diese sogenannte exokrine Funktion eingeschränkt, kann der Körper trotz ausreichendem Essen nicht mehr alle Nährstoffe vernünftig verwerten. Fachleute sprechen dann von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Blähungen, Durchfälle, auffällig fettiger beziehungsweise glänzender Stuhl, Gewichtsverlust und langfristig auch ein Mangel an bestimmten Vitaminen können die Folge sein.
Bei Typ-3c-Diabetes können beide Bereiche gleichzeitig betroffen sein. Genau deshalb reicht es häufig nicht aus, lediglich einen HbA1c zu kontrollieren und ein Diabetesmedikament zu verschreiben. Vielleicht haben Sie gut eingestellte Blutzuckerwerte, verlieren aber trotzdem Gewicht und leiden nach dem Essen ständig unter Durchfällen. Oder Ihre Verdauungsbeschwerden werden mit Pankreasenzymen behandelt, während gleichzeitig immer höhere Blutzuckerwerte auftreten. Beide Entwicklungen können Ausdruck derselben Bauchspeicheldrüsenerkrankung sein.
Wie eine kranke Bauchspeicheldrüse den Blutzucker verändern kann
Die insulinproduzierenden Zellen befinden sich mitten im Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Wird dieses Gewebe durch wiederkehrende Entzündungen, Narbenbildung, eine Operation oder andere Veränderungen geschädigt, kann die Menge funktionsfähiger insulinproduzierender Zellen langsam abnehmen. Solange genügend Reserve vorhanden ist, kann der Blutzucker trotzdem noch normal bleiben. Erst wenn diese Reserve nicht mehr ausreicht, steigen die Werte an.
Das erklärt, warum sich Typ-3c-Diabetes teilweise erst Jahre nach Beginn einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung entwickelt. Bei einer chronischen Pankreatitis wird gesundes Gewebe im Laufe der Zeit zunehmend durch entzündliche und narbige Veränderungen ersetzt. Dadurch können nach und nach sowohl die Produktion der Verdauungsenzyme als auch die Insulinproduktion nachlassen. Die DGVS beschreibt die chronische Pankreatitis entsprechend als fortschreitende Erkrankung, bei der immer mehr funktionsfähiges Pankreasgewebe verloren gehen kann.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Typ-3c-Diabetes ausschließlich nach einer jahrzehntelangen chronischen Pankreatitis entsteht. Heute weiß man, dass sich der Zuckerstoffwechsel auch nach einer akuten Pankreatitis verändern kann. Selbst nach einer einzelnen akuten Entzündung wird deshalb empfohlen, den Zuckerstoffwechsel nach einigen Monaten erneut zu kontrollieren und anschließend regelmäßig weiter zu beobachten. Nach wiederholten Entzündungen steigt das Risiko weiter. Die aktuellen ADA-Standards 2026 empfehlen eine Diabeteskontrolle ungefähr drei bis sechs Monate nach einer akuten Pankreatitis und danach jährlich; bei chronischer Pankreatitis soll ebenfalls jährlich auf Diabetes untersucht werden.
Hatten Sie schon einmal eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und seitdem wurde Ihr Blutzucker nie wieder kontrolliert? Dann ist das eine durchaus sinnvolle Frage für Ihren nächsten Arzttermin.
Chronische Pankreatitis gehört zu den wichtigsten Ursachen
Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung gehört zu den wichtigsten Ursachen eines pankreatischen Diabetes. Dabei entzündet und verändert sich das Organ über längere Zeit. Das Gewebe vernarbt zunehmend und kann seine Aufgaben immer schlechter erfüllen. Betroffene leiden teilweise unter wiederkehrenden oder dauerhaften Oberbauchschmerzen, andere haben überraschend wenig Schmerzen und fallen eher durch Verdauungsprobleme oder Gewichtsverlust auf.
Die Ursachen einer chronischen Pankreatitis sind vielfältig. Alkohol kann eine Rolle spielen, ebenso Rauchen, bestimmte genetische Veränderungen, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder wiederkehrende akute Entzündungen. Bei einem Teil der Menschen lässt sich trotz genauer Untersuchung keine eindeutige Ursache finden. Deshalb sollte niemand automatisch davon ausgehen, eine chronische Pankreatitis müsse durch hohen Alkoholkonsum entstanden sein.
Mit zunehmender Schädigung können zunächst Verdauungsenzyme fehlen und später auch Insulin. Bei anderen Menschen verlaufen beide Veränderungen zeitlich anders. Genau deshalb sollten bei chronischer Pankreatitis nicht nur Schmerzen und Verdauung beobachtet werden, sondern regelmäßig auch die Glukosewerte.
Auch nach einer Operation kann Diabetes entstehen
Vielleicht wurde Ihnen wegen eines Tumors, einer Zyste, einer schweren Entzündung oder Verletzung ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt. Je nachdem, wie viel Organ erhalten werden konnte und wie gesund das verbliebene Gewebe ist, kann die Insulinproduktion anschließend noch ausreichen oder deutlich vermindert sein.
Nach einer Teilentfernung kann sich der Diabetes unmittelbar nach der Operation zeigen oder erst später entwickeln. Nach einer vollständigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse fehlt dagegen die körpereigene Insulinproduktion dauerhaft und eine Insulintherapie ist notwendig. Gleichzeitig fehlen bei einer kompletten Entfernung die Verdauungsenzyme, sodass Pankreasenzyme ersetzt werden müssen. Bei einer vollständigen Entfernung geht außerdem die normale Glukagonproduktion verloren, wodurch die Gegenregulation bei Unterzuckerungen schwächer sein kann. Deshalb brauchen Menschen nach einer vollständigen Pankreasentfernung eine besonders sorgfältig angepasste Insulintherapie und ein gutes Hypoglykämie-Management.
Moderne Glukosesensoren und Insulinpumpen können in dieser Situation eine große Hilfe sein. Sie ersetzen zwar nicht die Schulung, können aber starke Schwankungen schneller sichtbar machen und die Behandlung im Alltag deutlich erleichtern.
Bauchspeicheldrüsenkrebs und neu auftretender Diabetes: wichtig, aber bitte nicht in Panik geraten
Das Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs verdient eine sorgfältige Erklärung, weil schnell unnötige Angst entstehen kann. Ein Tumor der Bauchspeicheldrüse kann tatsächlich einen Diabetes auslösen oder einen bereits bestehenden Diabetes plötzlich deutlich verschlechtern. In manchen Fällen gehört ein neu aufgetretener Diabetes deshalb zu den frühen Hinweisen auf eine Erkrankung des Pankreas. Gleichzeitig gilt jedoch ganz klar: Die überwältigende Mehrheit aller Menschen mit neu diagnostiziertem Diabetes hat keinen Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Deshalb wird nicht jeder Mensch mit neuem Typ-2-Diabetes vorsorglich mit CT oder MRT auf Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei Menschen ohne besonderes Risiko keine allgemeine Screeninguntersuchung auf Pankreaskarzinom.
Genauer hingeschaut werden sollte jedoch, sobald mehrere Dinge ungewöhnlich zusammenkommen. Ein neu auftretender Diabetes in höherem Lebensalter zusammen mit ungewolltem Gewichtsverlust, einem sehr raschen Anstieg der Blutzuckerwerte, neu aufgetretenen Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Appetitverlust, Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin oder auffällig hellem Stuhl verdient eine ärztliche Abklärung. Solche Beschwerden können sehr viele andere und wesentlich harmlosere Ursachen haben, sollten aber nicht einfach mit „Das kommt vom Diabetes“ erklärt werden. Das National Cancer Institute nennt besonders Gewichtsverlust, Schmerzen, Gelbsucht, Appetitverlust und Veränderungen von Urin und Stuhl als mögliche Warnzeichen eines Pankreaskarzinoms.
Merkkasten: Ein neu diagnostizierter Diabetes bedeutet fast nie automatisch Bauchspeicheldrüsenkrebs. Kommen jedoch unerklärlicher Gewichtsverlust, Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Gelbsucht oder eine ungewöhnlich rasche Verschlechterung der Zuckerwerte hinzu, sollte die Ursache genauer abgeklärt werden.
Weitere Erkrankungen können ebenfalls zu pankreatischem Diabetes führen
Neben Pankreatitis, Operationen und Tumoren gibt es weitere Erkrankungen, bei denen die Bauchspeicheldrüse geschädigt werden kann. Dazu gehört beispielsweise die Mukoviszidose. Hier können bereits von jungen Jahren an sowohl die Verdauungsfunktion als auch später die Insulinproduktion betroffen sein. Der Diabetes bei Mukoviszidose wird heute als eigene besondere Form betrachtet und regelmäßig gezielt gesucht. Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen bei Menschen mit Mukoviszidose bereits ab dem Alter von zehn Jahren ein jährliches Diabetes-Screening.
Auch die Hämochromatose, eine Erkrankung mit übermäßiger Eisenspeicherung, kann die Bauchspeicheldrüse schädigen. Schwere Verletzungen des Pankreas, seltene genetische Erkrankungen und bestimmte andere Veränderungen können ebenfalls einen pankreatischen Diabetes verursachen. Die heutigen Diabetesempfehlungen nennen deshalb bewusst eine ganze Gruppe möglicher Ursachen und nicht nur die chronische Pankreatitis.
Für Sie bedeutet das: Die Bezeichnung Typ-3c sagt noch nicht, warum Ihre Bauchspeicheldrüse geschädigt wurde. Die zugrunde liegende Erkrankung bleibt immer ein wichtiger Teil der Diagnose.
Warum Typ-3c-Diabetes leicht mit Typ 2 verwechselt werden kann
Stellen Sie sich vor, Sie sind 58 Jahre alt und bei einer Routineuntersuchung fällt ein erhöhter HbA1c auf. Ein Typ-2-Diabetes wäre in diesem Alter sehr häufig und deshalb zunächst naheliegend. Besteht gleichzeitig eine Insulinresistenz oder Übergewicht, wird diese Erklärung noch plausibler. Vielleicht erhalten Sie Metformin und zunächst funktioniert die Behandlung sogar.
Einige Monate später fällt jedoch auf, dass Sie immer weiter abnehmen, obwohl Sie das gar nicht möchten. Ihr Stuhl ist häufiger weich, glänzend oder schwer aus der Toilette zu spülen. Vielleicht hatten Sie vor mehreren Jahren eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, über die inzwischen kaum noch gesprochen wird. Plötzlich ergibt sich ein anderes Bild.
Genau so kann ein pankreatischer Diabetes übersehen werden. Die aktuellen ADA-Standards weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Diabetesform nicht selten zunächst als Typ-2-Diabetes eingeordnet wird. Hinweise können eine bekannte Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, eine gleichzeitig eingeschränkte Verdauungsfunktion, typische Veränderungen der Bauchspeicheldrüse in Ultraschall, CT oder MRT und eine nicht zu Typ-1-Diabetes passende Immunlage sein.
Dabei können sich Diabetesformen durchaus überschneiden. Ein Mensch mit chronischer Pankreatitis kann zusätzlich Übergewicht und Insulinresistenz haben. Deshalb kann man aus dem Körpergewicht allein nicht ableiten, welcher Diabetes vorliegt. Entscheidend ist die gesamte Krankengeschichte.
Verdauungsprobleme sind ein besonders wichtiger Hinweis
Beim Typ-3c-Diabetes lohnt sich deshalb immer die Frage: Wie funktioniert Ihre Verdauung?
Eine gesunde Bauchspeicheldrüse produziert Enzyme, die insbesondere bei der Fettverdauung eine große Rolle spielen. Fehlen diese Enzyme, kann das Fett aus der Nahrung nicht mehr ausreichend aufgespalten und aufgenommen werden. Dadurch kann der Stuhl voluminös, hell, glänzend, fettig und unangenehm riechend werden. Er kann an der Toilettenschüssel haften oder sich nur schwer wegspülen lassen. Gleichzeitig treten Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe und Durchfälle auf. Manche Menschen reduzieren aus Angst vor diesen Beschwerden immer mehr Lebensmittel und verlieren dadurch zusätzlich Gewicht.
Genau hier besteht die Gefahr einer Mangelernährung. Der Körper bekommt zwar Nahrung, kann aber einen Teil davon nicht richtig verwerten. Langfristig können dadurch nicht nur Gewicht und Muskelmasse abnehmen, sondern auch fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K zu niedrig werden. Eine ausgeprägte exokrine Pankreasinsuffizienz kann außerdem die Knochengesundheit beeinträchtigen und Osteoporose begünstigen.
Das erklärt, warum ungewollter Gewichtsverlust bei einem Menschen mit Diabetes nicht automatisch positiv bewertet werden sollte. Ein Gewichtsverlust kann bei Typ-2-Diabetes Teil einer erfolgreichen Behandlung sein. Er kann aber ebenso ein Zeichen dafür sein, dass Insulin fehlt, Nährstoffe schlecht aufgenommen werden oder eine zugrunde liegende Bauchspeicheldrüsenerkrankung fortschreitet.
Wie untersucht man, ob Verdauungsenzyme fehlen?
Eine häufig verwendete Untersuchung ist die Bestimmung der Pankreas-Elastase im Stuhl. Dabei wird ein Enzym gemessen, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Ein deutlich niedriger Wert kann darauf hinweisen, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Verdauungsenzyme produziert. Die DGVS empfiehlt einen nicht invasiven Funktionstest wie die fäkale Elastase zur Abklärung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz. Besonders bei Menschen mit Diabetes und unerklärlichem Gewichtsverlust oder anderen typischen Verdauungsbeschwerden sollte diese Möglichkeit bedacht werden.
Der Wert allein erzählt allerdings nicht die gesamte Geschichte. Sehr wässriger Durchfall kann beispielsweise die Messung beeinflussen. Deshalb werden Beschwerden, Gewichtsverlauf, Stuhlbeschaffenheit, Bildgebung und Laborwerte gemeinsam beurteilt.
Bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, MRT, CT oder ein spezieller endoskopischer Ultraschall können zusätzlich zeigen, ob die Bauchspeicheldrüse verkleinert, verkalkt, vernarbt, entzündet oder anderweitig verändert ist.
Wie wird der Diabetes selbst festgestellt?
Die eigentliche Diabetesdiagnose wird grundsätzlich anhand derselben Blutzuckerwerte gestellt wie bei anderen Diabetesformen. Nüchternblutzucker, HbA1c oder gegebenenfalls ein Glukosetoleranztest können zeigen, dass der Zuckerstoffwechsel verändert ist.
Die schwierigere Frage lautet anschließend: Warum besteht dieser Diabetes?
Eine bekannte chronische Pankreatitis, eine vorausgegangene Pankreasoperation oder eine andere eindeutige Erkrankung der Bauchspeicheldrüse liefert bereits einen wichtigen Hinweis. Bei unklaren Fällen kann zusätzlich untersucht werden, wie viel körpereigenes Insulin noch vorhanden ist. Ein C-Peptid-Wert kann dafür hilfreich sein. Auch Autoantikörper können bestimmt werden, sobald ein Typ-1-Diabetes als Alternative infrage kommt.
Typ-3c-Diabetes wird deshalb nicht anhand eines einzelnen „Typ-3c-Bluttests“ festgestellt. Es ist die Kombination aus Diabetes, Vorgeschichte, Funktion und Zustand der Bauchspeicheldrüse, die zur richtigen Einordnung führt.
Warum die richtige Diagnose für Ihre Behandlung so wichtig ist
Vielleicht fragen Sie sich: „Ist es nicht egal, wie mein Diabetes heißt, solange der Blutzucker behandelt wird?“
Leider nein.
Wenn eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung hinter dem Diabetes steckt, kann die eigene Insulinproduktion stärker abnehmen als bei einem frühen Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig kann die Nahrungsaufnahme durch Verdauungsprobleme unberechenbarer werden. Dadurch kann sich der Blutzucker anders verhalten als erwartet.
Außerdem braucht ein Mensch mit exokriner Pankreasinsuffizienz zusätzlich Pankreasenzyme. Werden diese nicht ersetzt, kann die beste Diabetesbehandlung das Problem der Mangelernährung nicht lösen. Umgekehrt verbessert die richtige Enzymtherapie die Aufnahme der Nahrung – und dadurch können sich auch die Glukoseverläufe verändern. Eine neue oder besser dosierte Enzymtherapie kann also manchmal dazu führen, dass Insulin oder andere Diabetesmedikamente anschließend erneut angepasst werden müssen.
Die Behandlung besteht deshalb idealerweise nicht aus zwei getrennten Schubladen „Diabetes“ und „Verdauung“. Beide gehören zusammen.
Muss jeder Mensch mit Typ-3c-Diabetes Insulin spritzen?
Nicht zwingend vom ersten Tag an, aber Insulin spielt bei dieser Diabetesform häufig eine besonders wichtige Rolle. Je stärker die insulinproduzierenden Zellen geschädigt sind, desto weniger kann eine Behandlung wirken, die lediglich die körpereigene Insulinwirkung verbessert. Die aktuellen ADA-Standards empfehlen deshalb bei pankreatischem Diabetes eine frühzeitige Erwägung von Insulin, insbesondere sobald die eigene Insulinproduktion nicht mehr ausreicht.
Bei noch ausreichender Insulinreserve können in einzelnen Situationen auch andere Diabetesmedikamente eingesetzt werden. Die Auswahl muss jedoch wesentlich stärker auf die Ursache abgestimmt werden als bei einem gewöhnlichen Typ-2-Diabetes. Bei einer Vorgeschichte mit Pankreatitis empfehlen die aktuellen ADA-Standards beispielsweise, Medikamente aus der sogenannten Inkretin-Gruppe – dazu gehören GLP-1-basierte Medikamente und DPP-4-Hemmer – zu vermeiden.
Das ist wichtig, wenn Sie ursprünglich als Typ-2-Diabetes eingestuft wurden und später festgestellt wird, dass eine chronische Pankreatitis hinter Ihrer Erkrankung steckt. Ihre bisherige Medikamentenliste sollte dann noch einmal bewusst überprüft werden.
Setzen Sie Medikamente allerdings nicht selbst ab. Die richtige Therapie hängt von Ihrer konkreten Vorgeschichte, Nierenfunktion, Ernährung, Insulinreserve und weiteren Erkrankungen ab.
Warum Unterzuckerungen manchmal besonders tückisch sein können
Bei einer stärkeren Schädigung der Bauchspeicheldrüse kann nicht nur die Insulinproduktion betroffen sein. Auch die Bildung von Glukagon kann nachlassen. Glukagon hilft dem Körper normalerweise, einen sinkenden Blutzucker wieder anzuheben. Besonders ausgeprägt ist dieses Problem nach einer vollständigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse. Dadurch können insulinbehandelte Menschen empfindlicher auf zu hohe Insulindosen reagieren und Unterzuckerungen schwieriger selbst ausgleichen.
Hinzu kommt, dass die Verdauung nicht immer gleichmäßig funktioniert. Eine Mahlzeit kann zwar gegessen werden, ihre Nährstoffe werden aber bei unzureichender Enzymwirkung schlechter oder zeitlich verändert aufgenommen. Gleichzeitig wirkt das gespritzte Insulin bereits. Das kann Glukoseverläufe schwieriger vorhersehbar machen.
Deshalb können kontinuierliche Glukosesensoren bei insulinbehandeltem Typ-3c-Diabetes besonders hilfreich sein. Sie zeigen nicht nur einen einzelnen Wert, sondern auch die Richtung, in die sich die Glukose entwickelt, und können vor niedrigen Werten warnen.
Wie bei jedem insulinbehandelten Diabetes sollten schnell wirksame Kohlenhydrate verfügbar sein. Bei hohem Unterzuckerungsrisiko gehört auch ein Glukagon-Notfallpräparat zur Sicherheitsplanung. Die aktuellen Diabetesstandards empfehlen Glukagon grundsätzlich für Menschen unter Insulin beziehungsweise mit relevantem Risiko für schwere Unterzuckerungen und sehen vor, dass Angehörige wissen, wie es angewendet wird.
Pankreasenzyme sind kein Nahrungsergänzungsmittel, sondern Teil der Behandlung
Besteht zusätzlich eine exokrine Pankreasinsuffizienz, werden fehlende Verdauungsenzyme durch Pankreatinpräparateersetzt. Diese Medikamente enthalten Verdauungsenzyme und sorgen dafür, dass Nahrung im Darm wieder besser aufgespalten werden kann. Ziel ist nicht nur, Blähungen oder Durchfälle zu reduzieren. Die Enzyme sollen vor allem dafür sorgen, dass Ihr Körper genügend Energie, Eiweiß, Fett und Vitamine aufnehmen kann und kein weiterer Gewichts- oder Muskelverlust entsteht.
Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt. Pankreasenzyme sollten mit der Mahlzeit eingenommen werden, weil sie sich mit dem Essen vermischen müssen. Müssen mehrere Kapseln verwendet werden, kann ein Teil zu Beginn und der Rest im Verlauf der Mahlzeit eingenommen werden. Genau dieses Vorgehen empfiehlt auch die deutsche DGVS-Leitlinie.
Die benötigte Menge richtet sich unter anderem nach der Größe und Fettmenge einer Mahlzeit und danach, wie stark die Verdauungsfunktion eingeschränkt ist. Ein kleiner Snack braucht möglicherweise weniger Enzym als eine große Hauptmahlzeit. Die richtige Dosis zeigt sich nicht allein auf dem Rezept, sondern auch daran, ob Gewicht, Stuhlgang und Beschwerden sich verbessern.
Haben Sie trotz Pankreasenzymen weiterhin dauerhaft fettigen Stuhl, Durchfälle und Gewichtsverlust? Dann sollten Sie nicht einfach weniger essen. Möglicherweise reicht die Enzymmenge nicht aus oder Einnahmezeitpunkt und Behandlung müssen überprüft werden.
Merkkasten: Pankreasenzyme wirken nur dort sinnvoll, wo sie gebraucht werden – zusammen mit der Nahrung. Sie gehören deshalb zu Mahlzeiten beziehungsweise enzympflichtigen Zwischenmahlzeiten und nicht irgendwann morgens oder abends unabhängig vom Essen.
Eine fettarme „Pankreasdiät“ ist meistens nicht die richtige Lösung
Dieser Punkt ist besonders wichtig, weil viele Menschen mit einer Pankreaserkrankung intuitiv anfangen, Fett fast vollständig aus ihrer Ernährung zu streichen. Das klingt zunächst logisch: Fett ist bei fehlenden Pankreasenzymen schwerer zu verdauen und fettiger Stuhl ist unangenehm. Eine sehr fettarme Ernährung kann jedoch dazu führen, dass die Energiezufuhr noch weiter sinkt und Gewichtsverlust beziehungsweise Mangelernährung sich verschlimmern.
Die deutsche DGVS-Leitlinie empfiehlt deshalb bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz keine allgemeine fettarme Diät. Stattdessen soll grundsätzlich eine normale, ausgewogene und ausreichend energiereiche Ernährung mit passend dosierten Pankreasenzymen ermöglicht werden. Eine Fettmenge wird erst dann individuell angepasst, wenn trotz ausreichender Enzymtherapie weiterhin ausgeprägte Beschwerden durch die Fettverdauung bestehen.
Das bedeutet auch: Typ-3c-Diabetes braucht keine spezielle Internet-„Pankreasdiät“. Entscheidend ist, genügend Energie und Nährstoffe aufzunehmen, den Blutzucker dabei sinnvoll zu behandeln und die Enzymmenge so einzustellen, dass die Nahrung tatsächlich verwertet werden kann.
Mehrere kleinere Mahlzeiten können für manche Menschen angenehmer sein und helfen, ausreichend Energie über den Tag aufzunehmen. Sie sind aber keine zwingende Vorschrift für jeden. Die DGVS nennt vier bis sechs kleinere Mahlzeiten als eine mögliche Strategie, nicht als starres Muss.
Ungewollter Gewichtsverlust ist bei Typ-3c-Diabetes ein Warnsignal und kein Diäterfolg
Bei Typ-2-Diabetes wird Gewichtsabnahme häufig als positives Ziel besprochen. Genau deshalb kann beim Typ-3c-Diabetes etwas Entscheidendes übersehen werden.
Verlieren Sie Gewicht, obwohl Sie das gar nicht beabsichtigen, sollte die Ursache geklärt werden. Ein Insulinmangel kann dazu führen, dass der Körper seine Energie nicht ausreichend nutzen kann. Eine exokrine Pankreasinsuffizienz kann gleichzeitig verhindern, dass Fett und andere Nährstoffe richtig aufgenommen werden. Chronische Schmerzen können außerdem den Appetit reduzieren. Bei einer zugrunde liegenden Tumorerkrankung kann Gewichtsverlust wiederum einen völlig anderen Grund haben.
Schauen Sie deshalb nicht nur auf die Zahl auf der Waage. Verlieren Sie gleichzeitig Muskelkraft? Sitzt die Kleidung plötzlich deutlich weiter? Essen Sie normal und nehmen trotzdem ab? Haben sich Stuhlgang oder Appetit verändert?
Solche Beobachtungen können für die behandelnde Praxis ausgesprochen hilfreich sein.
Vitaminmangel und Knochen sollten mitgedacht werden
Eine ausgeprägte exokrine Pankreasinsuffizienz betrifft besonders die Verdauung von Fett. Damit kann gleichzeitig die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K beeinträchtigt sein. Bei länger bestehenden Problemen können Mangelzustände entstehen. Auch andere Nährstoffe können betroffen sein, insbesondere sobald insgesamt zu wenig Energie aufgenommen oder verwertet wird.
Die Knochengesundheit verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Menschen mit chronischer Pankreatitis und exokriner Pankreasinsuffizienz haben ein erhöhtes Risiko für eine verminderte Knochendichte. Die DGVS empfiehlt deshalb, Ernährungszustand und mögliche Hinweise auf Störungen des Knochenstoffwechsels im Verlauf ernst zu nehmen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch mit Typ-3c-Diabetes wahllos Vitaminpräparate benötigt. Blutwerte, Ernährungszustand und die zugrunde liegende Erkrankung entscheiden darüber, was sinnvoll ergänzt werden sollte. Sehr hohe Vitaminmengen auf eigene Faust sind keine gute Lösung.
Alkohol und Rauchen verdienen besondere Aufmerksamkeit
Bei chronischer Pankreatitis sollte Alkohol grundsätzlich gemieden werden, weil er weitere Entzündungen und eine Verschlechterung der Erkrankung begünstigen kann. Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei chronischer Pankreatitis deshalb einen Verzicht auf Alkohol.
Auch Rauchen ist für die Bauchspeicheldrüse ungünstig. Es ist mit einem höheren Risiko für chronische Pankreatitis und Bauchspeicheldrüsenkrebs verbunden und schadet gleichzeitig Gefäßen, Herz und anderen Organen, die durch Diabetes ohnehin besonders geschützt werden sollten. Das NIDDK nennt Rauchen als Risikofaktor für Pankreatitis; auch die aktuelle deutsche Pankreaskarzinom-Leitlinie empfiehlt den Verzicht auf Tabak.
Ein Rauchstopp oder Alkoholverzicht ist dabei keine Frage von „Willensstärke“. Abhängigkeit ist behandelbar. Ärztliche Unterstützung, Entwöhnungsprogramme und gegebenenfalls geeignete Medikamente können den Ausstieg erleichtern.
Bewegung bleibt wichtig – aber Sie sollten Ihren Ernährungszustand berücksichtigen
Auch Menschen mit Typ-3c-Diabetes profitieren von regelmäßiger Bewegung. Sie unterstützt Herz und Kreislauf, Muskelkraft, Insulinempfindlichkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Gerade bei drohendem Muskelverlust kann angepasstes Krafttraining sinnvoll sein.
Wer jedoch bereits deutlich untergewichtig oder mangelernährt ist, braucht keine zusätzliche Empfehlung, möglichst viele Kalorien „abzutrainieren“. In dieser Situation geht es eher darum, Muskulatur zu erhalten oder wieder aufzubauen und gleichzeitig genügend Energie und Eiweiß aufzunehmen.
Bewegung sollte deshalb genauso individuell angepasst werden wie die Ernährung. Ein Mensch mit gutem Ernährungszustand und stabilem Gewicht hat andere Ziele als jemand, der nach einer schweren Pankreatitis zehn Kilogramm verloren hat.
Kann man Typ-3c-Diabetes durch eine bessere Ernährung wieder heilen?
Ob sich der Diabetes zurückbilden kann, hängt von seiner Ursache ab. Wurde ein großer Teil der insulinproduzierenden Zellen dauerhaft zerstört oder entfernt, lässt sich diese verlorene Zellmasse nicht durch eine Ernährungsumstellung wiederherstellen.
Nach bestimmten akuten Erkrankungen kann sich der Zuckerstoffwechsel teilweise erholen. Auch bei einem durch einen Tumor beeinflussten Diabetes kann sich die Stoffwechsellage nach erfolgreicher Behandlung verändern. Das lässt sich jedoch nicht vorhersagen und ist kein Grund, eine notwendige Diabetesbehandlung hinauszuzögern.
Eine ausgewogene Ernährung bleibt wichtig, weil sie Mangelernährung verhindern, Glukoseverläufe unterstützen und Herz und Gefäße schützen kann. Sie beseitigt jedoch keine vernarbte oder entfernte Bauchspeicheldrüse.
Diabetes nach einer akuten Pankreatitis sollte nicht vergessen werden
Vielleicht hatten Sie vor einem Jahr eine akute Pankreatitis, wurden im Krankenhaus behandelt und danach ging es Ihnen wieder gut. Gerade dann gerät die langfristige Stoffwechselkontrolle leicht aus dem Blick.
Die aktuellen ADA-Standards empfehlen nach einer akuten Pankreatitis eine Untersuchung auf Diabetes nach ungefähr drei bis sechs Monaten und danach jährliche Kontrollen. Auch nach einer einzigen akuten Pankreatitis kann sich ein Diabetes entwickeln; nach wiederholten Episoden steigt das Risiko.
Das bedeutet nicht, dass nach jeder Pankreatitis zwangsläufig Diabetes folgt. Es bedeutet lediglich, dass die Bauchspeicheldrüse nach einer solchen Erkrankung nicht nur hinsichtlich Schmerzen oder Entzündungen beobachtet werden sollte. Ihre hormonelle Funktion gehört ebenfalls dazu.
Auch eine Verdauungsstörung kann erst später entstehen
Dasselbe gilt für die exokrine Funktion. Eine Bauchspeicheldrüse kann nach einer Erkrankung zunächst noch genügend Verdauungsenzyme produzieren und erst später zunehmend an Funktion verlieren.
Deshalb ist ein früher normaler Elastasewert keine lebenslange Garantie. Entwickeln sich später unerklärlicher Gewichtsverlust, Durchfälle, Blähungen oder auffällig fettiger Stuhl, kann eine erneute Untersuchung sinnvoll sein. Die DGVS weist ausdrücklich darauf hin, dass Verlaufskontrollen bei später neu auftretenden Symptomen erforderlich sein können.
Diese Information ist besonders hilfreich, weil Menschen mit einer alten Pankreatitis manchmal jahrelang glauben, aktuelle Verdauungsbeschwerden könnten damit unmöglich noch zusammenhängen.
Folgeerkrankungen des Diabetes bleiben genauso wichtig
Typ-3c-Diabetes schützt nicht vor den bekannten Diabetesfolgen. Dauerhaft erhöhte Glukosewerte können auch hier Augen, Nieren, Nerven und Gefäße belasten. Die aktuellen ADA-Standards gehen davon aus, dass das Risiko für kleine Gefäßschäden grundsätzlich mit anderen Diabetesformen vergleichbar sein kann.
Deshalb gehören je nach Diabetesdauer und persönlicher Situation Augenuntersuchungen, Nierenkontrollen, Fußuntersuchungen sowie Blutdruck- und Blutfettkontrollen genauso zur Betreuung wie bei anderen Diabetesformen.
Es wäre also falsch, sich ausschließlich auf die Bauchspeicheldrüse zu konzentrieren. Die Grunderkrankung des Pankreas braucht Aufmerksamkeit, gleichzeitig sollte der Diabetes langfristig genauso ernst genommen werden.
Die Behandlung sollte mehrere Fachrichtungen verbinden
Typ-3c-Diabetes ist ein gutes Beispiel dafür, warum Medizin nicht immer sauber in einzelne Fachgebiete passt. Die Diabetologie kümmert sich um Glukosewerte, Insulin und Diabetesfolgen. Die Gastroenterologie beurteilt Bauchspeicheldrüse, Verdauungsfunktion und Pankreatitis. Eine Ernährungsfachkraft kann helfen, ausreichend Energie und Nährstoffe aufzunehmen und die Enzymtherapie im Alltag richtig einzusetzen. Nach Operationen oder bei Tumorerkrankungen kommen Chirurgie und Onkologie hinzu.
Bei starken chronischen Schmerzen können außerdem Schmerzmedizin und psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Denn dauerhafte Schmerzen beeinflussen Appetit, Schlaf, Stimmung, Bewegung und damit wiederum den Diabetes.
Eine gute Betreuung versucht deshalb nicht, jeden einzelnen Wert getrennt zu optimieren. Sie schaut darauf, wie die Erkrankungen zusammenwirken.
Was Sie bei einer bekannten Bauchspeicheldrüsenerkrankung selbst beobachten können
Sie müssen Ihren Körper nicht ständig kontrollieren. Einige Veränderungen sind trotzdem hilfreich zu kennen. Dazu gehört ein unerwarteter Anstieg Ihrer Glukosewerte, insbesondere wenn Ihre Werte vorher über längere Zeit stabil waren. Ebenso wichtig sind Veränderungen des Gewichts und des Stuhlgangs.
Vielleicht essen Sie genauso wie immer und verlieren trotzdem kontinuierlich Gewicht. Vielleicht treten neu Blähungen und Durchfälle auf oder der Stuhl wirkt zunehmend fettig und schwer abspülbar. Vielleicht nehmen Sie Pankreasenzyme, haben aber trotzdem nach fast jeder Mahlzeit Beschwerden.
Solche Beobachtungen sollten Sie ansprechen. Sie können darauf hinweisen, dass die Bauchspeicheldrüsenfunktion sich verändert hat oder dass die Enzymtherapie nicht ausreichend eingestellt ist.
Und noch eine Frage lohnt sich: Wurde bei Ihrer Diabetesdiagnose eigentlich berücksichtigt, dass Sie früher eine Pankreatitis oder Pankreasoperation hatten? Manchmal liegt genau dort die Erklärung für einen Diabetes, der nie so recht in das typische Bild eines Typ-2-Diabetes gepasst hat.
Merkkasten: Denken Sie bei einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse nicht nur an Schmerzen. Neue hohe Blutzuckerwerte, Gewichtsverlust, fettiger Stuhl oder anhaltende Verdauungsbeschwerden können zeigen, dass hormonelle oder verdauende Funktionen des Organs nachlassen.
Wann Sie rasch medizinische Hilfe brauchen
Typ-3c-Diabetes entwickelt sich häufig über längere Zeit, dennoch gibt es Situationen, die nicht bis zum nächsten normalen Termin warten sollten. Sehr hohe Glukosewerte zusammen mit starker Schwäche, wiederholtem Erbrechen, deutlicher Austrocknung, Bewusstseinsveränderungen oder einer auffällig tiefen beziehungsweise schnellen Atmung benötigen eine rasche medizinische Beurteilung.
Auch schwere Unterzuckerungen gehören ernst genommen, insbesondere bei insulinbehandelten Menschen mit stark eingeschränkter Pankreasfunktion. Kann eine betroffene Person wegen einer Unterzuckerung nicht mehr sicher schlucken oder wird bewusstlos, dürfen keine Getränke oder Lebensmittel eingeflößt werden. Hier kommen Glukagon beziehungsweise der Rettungsdienst ins Spiel.
Unabhängig vom Blutzucker sollten außerdem eine plötzlich auftretende Gelbfärbung von Haut und Augen, starke oder neue Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, anhaltendes Erbrechen oder ein ausgeprägter ungeklärter Gewichtsverlust ärztlich abgeklärt werden.
Was Sie nach einer Pankreasoperation unbedingt wissen sollten
Nach einer Teil- oder vollständigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse sollten Sie möglichst genau wissen, welcher Organanteil entfernt wurde und ob bereits Hinweise auf eine exokrine Insuffizienz bestehen. Nach einer vollständigen Entfernung sind sowohl Insulin als auch Pankreasenzyme dauerhaft notwendig.
Bei bestimmten Menschen mit schwerer chronischer Pankreatitis wird in spezialisierten Zentren im Zusammenhang mit einer vollständigen Pankreasentfernung eine sogenannte Inselzell-Autotransplantation erwogen. Dabei werden eigene insulinproduzierende Zellen aus dem entfernten Pankreas gewonnen und wieder in den Körper übertragen, um möglichst viel eigene Insulinproduktion zu erhalten. Die aktuellen ADA-Standards nennen diese Möglichkeit für sorgfältig ausgewählte Menschen mit schwer behandelbarer chronischer Pankreatitis.
Das ist allerdings ein hoch spezialisiertes Verfahren und keine Standardtherapie für Typ-3c-Diabetes. Für die meisten Menschen besteht die Behandlung aus einer gut abgestimmten Kombination aus Diabetesmanagement, Enzymersatz und Behandlung der zugrunde liegenden Pankreaserkrankung.
Eine gute Enzymtherapie kann den Alltag erheblich verändern
Viele Betroffene konzentrieren sich verständlicherweise zunächst auf Insulin und Blutzuckerwerte. Dabei kann eine richtig eingestellte Pankreasenzymtherapie die Lebensqualität enorm verbessern. Weniger Durchfälle, weniger Blähungen, bessere Nährstoffaufnahme, stabileres Gewicht und wieder mehr Freude am Essen können einen großen Unterschied machen.
Die Enzyme sollten dabei nicht nur zu besonders fetten Mahlzeiten eingenommen werden. Auch viele ganz normale Mahlzeiten enthalten Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate, für deren Verdauung Pankreasenzyme benötigt werden. Die Dosis wird deshalb an die Mahlzeit und die individuelle Restfunktion angepasst.
Bleiben Beschwerden trotz Therapie bestehen, ist die Lösung nicht automatisch eine immer strengere Diät. Zunächst sollte überprüft werden, ob die Enzyme korrekt und in ausreichender Menge eingenommen werden und ob möglicherweise eine andere Ursache für die Beschwerden vorliegt.
Sie müssen Essen nicht zu Ihrem Gegner machen
Gerade die Kombination aus Diabetes und Pankreasinsuffizienz kann schnell dazu führen, dass immer mehr Lebensmittel als problematisch erscheinen. Kohlenhydrate erhöhen den Blutzucker, Fett verursacht möglicherweise Verdauungsbeschwerden und große Mahlzeiten fühlen sich unangenehm an. Am Ende entsteht leicht eine sehr eingeschränkte Ernährung.
Genau das sollte vermieden werden.
Ihr Körper braucht ausreichend Energie und Nährstoffe. Eine Mangelernährung kann Muskelkraft, Immunsystem, Knochen und Erholung zusätzlich beeinträchtigen. Die DGVS empfiehlt deshalb bei chronischer Pankreatitis und exokriner Insuffizienz ausdrücklich eine normale, ausreichend energiereiche Ernährung mit passender Enzymsubstitution statt einer pauschalen strengen Pankreasdiät.
Diabetes bedeutet ebenfalls nicht, dass Kohlenhydrate verboten sind. Vielmehr muss die Diabetesbehandlung zur aufgenommenen Nahrung passen. Gerade bei Insulintherapie ist eine gute Schulung hilfreich, damit Mahlzeiten nicht ständig mit Angst verbunden sind.
Auch psychisch kann diese Erkrankung anstrengend sein
Typ-3c-Diabetes ist häufig nicht die einzige Diagnose. Vielleicht leben Sie bereits seit Jahren mit chronischen Bauchschmerzen. Vielleicht haben Sie eine große Operation hinter sich oder eine Tumorerkrankung durchgemacht. Vielleicht essen Sie nur noch kleine Portionen, weil Sie ständig mit Verdauungsbeschwerden rechnen, und gleichzeitig müssen Sie nun auch noch den Blutzucker im Blick behalten.
Das kann belastend sein.
Eine psychologische Unterstützung ist deshalb keine Nebensache. Chronische Schmerzen, Gewichtsverlust, Angst vor Unterzuckerungen oder Sorgen nach einer Tumorerkrankung können Stimmung und Lebensqualität erheblich beeinflussen. Gute Behandlung bedeutet auch, diese Belastung ernst zu nehmen.
Sie sind nicht nur eine Bauchspeicheldrüse mit einem HbA1c-Wert.
Was bei einem bislang als Typ 2 behandelten Diabetes aufmerksam machen sollte
Vielleicht leben Sie schon länger mit der Diagnose Typ-2-Diabetes. Trotzdem passt manches nicht richtig. Ihre Insulinproduktion scheint schneller nachzulassen als erwartet, Sie haben eine bekannte Pankreatitis in der Vorgeschichte, leiden unter unerklärlichen Verdauungsproblemen oder verlieren Gewicht, ohne es zu wollen.
In einer solchen Situation kann die Diabetesdiagnose noch einmal überprüft werden.
Das bedeutet nicht, dass jeder ungewöhnliche Typ-2-Diabetes automatisch Typ 3c ist. Aber eine bekannte Erkrankung oder Operation der Bauchspeicheldrüse sollte in die Einordnung einbezogen werden.
Sie können ganz einfach fragen:
„Kann mein Diabetes mit meiner Bauchspeicheldrüsenerkrankung zusammenhängen?“
Für ein gutes medizinisches Gespräch reicht dieser Satz vollkommen aus.
Der Name ist weniger wichtig als die richtige Behandlung
Ob auf Ihrem Arztbrief am Ende „Typ-3c-Diabetes“, „pankreatogener Diabetes“, „pankreatischer Diabetes“ oder „Diabetes bei Erkrankung des exokrinen Pankreas“ steht, ist für Ihren Alltag weniger entscheidend.
Wichtiger ist, dass erkannt wird, warum Ihr Diabetes entstanden ist.
Davon hängt ab, wie stark mit einem weiteren Verlust der Insulinproduktion gerechnet werden muss, ob Insulin früh notwendig ist, ob Pankreasenzyme fehlen, welche Medikamente sinnvoll sind und welche Grunderkrankung behandelt beziehungsweise überwacht werden muss.
Die aktuellen Diabetesstandards bevorzugen deshalb zunehmend den breiteren Begriff pankreatischer Diabetes, weil sehr unterschiedliche Pankreaserkrankungen denselben Stoffwechselweg beeinträchtigen können.
Fazit: Bei Typ-3c-Diabetes müssen Blutzucker und Verdauung gemeinsam betrachtet werden
Typ-3c-Diabetes entsteht nicht in erster Linie durch die typische Insulinresistenz des Typ-2-Diabetes und auch nicht durch den Autoimmunprozess eines Typ-1-Diabetes. Die Ursache liegt in einer Erkrankung, Schädigung oder Entfernung von Gewebe der Bauchspeicheldrüse. Chronische und akute Pankreatitis, Operationen, Pankreastumoren, Mukoviszidose, Hämochromatose, Verletzungen und seltene Erkrankungen können dazugehören.
Das Besondere ist, dass die Bauchspeicheldrüse nicht nur Insulin herstellt. Sie produziert gleichzeitig Verdauungsenzyme. Deshalb können bei einem pankreatischen Diabetes zwei Probleme nebeneinander auftreten: Der Blutzucker steigt, weil zunehmend Insulin fehlt, während gleichzeitig die Nahrung schlechter verdaut wird. Genau dadurch entstehen Beschwerden wie Blähungen, Durchfälle, fettiger Stuhl, Gewichtsverlust und Nährstoffmängel.
Eine sorgfältige Diagnose schaut deshalb nicht nur auf HbA1c und Nüchternblutzucker. Die Vorgeschichte der Bauchspeicheldrüse ist wichtig, ebenso bildgebende Untersuchungen und bei Verdacht auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz beispielsweise die Pankreas-Elastase im Stuhl.
Bei einer chronischen Pankreatitis sollte der Zuckerstoffwechsel regelmäßig kontrolliert werden. Nach einer akuten Pankreatitis empfehlen die aktuellen ADA-Standards eine erste Kontrolle nach ungefähr drei bis sechs Monaten und anschließend jährliche Untersuchungen, weil sich Diabetes auch erst nach der eigentlichen Entzündung entwickeln kann.
Die Behandlung richtet sich danach, wie viel eigene Insulinproduktion noch vorhanden ist. Viele Menschen benötigen im Verlauf Insulin, und die aktuellen Empfehlungen raten dazu, eine Insulintherapie bei pankreatischem Diabetes eher früh in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig muss eine vorhandene exokrine Pankreasinsuffizienz konsequent behandelt werden. Pankreasenzyme werden mit den Mahlzeiten eingenommen und helfen dem Körper, die Nahrung wieder besser zu verwerten.
Bei der Ernährung braucht es normalerweise keine strenge fettarme „Pankreasdiät“. Eine ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr ist besonders wichtig, weil Mangelernährung und Muskelverlust reale Risiken darstellen. Die aktuelle deutsche Leitlinie empfiehlt deshalb grundsätzlich eine normale, ausgewogene und ausreichend energiereiche Ernährung zusammen mit einer passenden Enzymtherapie.
Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit: Ein neu auftretender Diabetes kann in seltenen Fällen im Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsenkrebs stehen. Daraus darf jedoch keine unnötige Angst entstehen. Die meisten neuen Diabetesfälle haben keinen Pankreastumor. Eine genauere Abklärung wird besonders wichtig, wenn gleichzeitig unerklärlicher Gewichtsverlust, ein ungewöhnlich rascher Anstieg der Zuckerwerte, neue Oberbauch- oder Rückenschmerzen oder eine Gelbsucht auftreten. Ein allgemeines Pankreaskrebs-Screening für jeden Menschen mit neuem Diabetes wird derzeit nicht empfohlen.
Vielleicht haben Sie selbst eine chronische Pankreatitis, eine Operation an der Bauchspeicheldrüse hinter sich oder bereits seit Jahren eine Diabetesdiagnose, die nie so richtig gepasst hat. Dann lohnt sich durchaus die Frage:
„Ist mein Diabetes wirklich Typ 2 – oder könnte meine Bauchspeicheldrüse die eigentliche Ursache sein?“
Diese Frage ist nicht nur für den Namen Ihrer Erkrankung wichtig.
Sie kann verändern, wie Ihr Diabetes behandelt wird, wie Ihre Ernährung unterstützt wird und welche Beschwerden endlich eine gemeinsame Erklärung bekommen.
Merkkasten: Bei Typ-3c-Diabetes geht es nicht nur darum, den Blutzucker zu senken. Eine gute Behandlung schützt gleichzeitig vor Unterzuckerungen, behandelt eine mögliche Verdauungsinsuffizienz, verhindert Gewichts- und Muskelverlust und behält die zugrunde liegende Erkrankung der Bauchspeicheldrüse im Blick.
Quellen und medizinische Fachinformationen
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Die aktuellen DDG-Praxisempfehlungen zur Klassifikation und Diagnostik des Diabetes wurden im Januar 2026 veröffentlicht und ordnen besondere Diabetesformen entsprechend ihrer zugrunde liegenden Ursache ein.
American Diabetes Association – Standards of Care in Diabetes 2026: Die aktuellen Standards beschreiben pankreatischen beziehungsweise pankreatogenen Diabetes, seine Ursachen, die Abgrenzung zu Typ-2-Diabetes, das Screening nach akuter und chronischer Pankreatitis sowie wichtige Besonderheiten der Therapie.
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Die deutsche Pankreatitis-Leitlinie beschreibt Diagnostik und Behandlung der exokrinen Pankreasinsuffizienz, Pankreasenzymtherapie und Ernährung bei chronischer Pankreatitis.
Leitlinienprogramm Onkologie – S3-Leitlinie Pankreaskarzinom: Die aktuelle deutsche Leitlinie berücksichtigt Risikofaktoren und Screening und empfiehlt kein allgemeines Screening bei beschwerdefreien Menschen ohne erhöhtes Risiko.
National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Die Patienteninformationen erklären die exokrine Pankreasinsuffizienz und typische Beschwerden wie Blähungen, Durchfall, fettigen Stuhl und Gewichtsverlust.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche ärztliche, diabetologische oder gastroenterologische Untersuchung. Typ-3c-Diabetes beziehungsweise pankreatischer Diabetes kann nicht allein anhand von Verdauungsbeschwerden oder einem erhöhten Blutzucker selbst diagnostiziert werden.
Wenn Sie an einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse leiden und neu erhöhte Glukosewerte entwickeln, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen. Dasselbe gilt bei Diabetes in Verbindung mit unerklärlichem Gewichtsverlust, anhaltendem fettigem Stuhl, Durchfällen oder anderen Hinweisen auf eine eingeschränkte Verdauungsfunktion.
Eine plötzlich auftretende Gelbfärbung von Haut oder Augen, starke neue Oberbauch- oder Rückenschmerzen, wiederholtes Erbrechen oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes gehören zeitnah beziehungsweise bei schweren Beschwerden sofort medizinisch abgeklärt.
Verändern Sie Insulin, Diabetesmedikamente oder Pankreasenzyme nicht eigenständig aufgrund dieses Artikels.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
September 2026

