Die meisten Menschen mit Diabetes erleben im Laufe ihres Alltags immer wieder Glukosewerte, die einmal niedriger oder höher liegen als geplant. Ein solcher Wert ist nicht automatisch ein Notfall. Wer seinen Diabetes kennt, Insulin oder Medikamente richtig anpasst und weiß, wie auf Veränderungen reagiert werden soll, kann viele dieser Situationen selbst gut auffangen.
Trotzdem gibt es Momente, in denen aus einer Stoffwechselentgleisung eine ernste Situation werden kann. Besonders eine schwere Unterzuckerung kann innerhalb kurzer Zeit dazu führen, dass ein Mensch verwirrt wird, nicht mehr richtig reagieren kann oder das Bewusstsein verliert. Eine starke Überzuckerung entwickelt sich häufig langsamer, kann aber ebenfalls lebensbedrohlich werden, wenn ein ausgeprägter Insulinmangel, eine diabetische Ketoazidose oder bei Typ-2-Diabetes eine schwere Austrocknung hinzukommt.
Für Angehörige, Freunde, Kolleginnen und Kollegen ist das oft besonders beängstigend. Vielleicht wissen Sie, dass die betroffene Person Diabetes hat, sehen aber plötzlich Zittern, starkes Schwitzen, ungewöhnliches Verhalten oder eine zunehmende Benommenheit und fragen sich: Ist der Zucker jetzt zu niedrig oder zu hoch? Soll ich etwas Süßes geben? Darf ich Insulin spritzen? Wo finde ich den Glukosewert? Und wann muss ich 112 rufen?
Genau dafür ist es hilfreich, einige wenige Grundregeln zu kennen.
Wenn ein Mensch mit Diabetes noch ansprechbar ist, können Sie versuchen herauszufinden, ob eine Unter- oder Überzuckerung vorliegt. Wenn die Person jedoch bewusstlos ist oder nicht mehr normal atmet, hat die allgemeine Erste Hilfe immer Vorrang vor der Diabetesbehandlung.
Dann geht es zunächst nicht mehr um Sensorwerte, Insulin oder Kohlenhydrate, sondern um Atmung, Bewusstsein und den Rettungsdienst. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt bei einer bewusstlosen Person zuerst die Atmung zu überprüfen. Ist eine normale Atmung vorhanden, wird die Person in die stabile Seitenlage gebracht und der Rettungsdienst über 112verständigt. Ist keine normale Atmung vorhanden oder bestehen Zweifel daran, muss mit der Wiederbelebung begonnen werden.
Merkkasten – die wichtigste Regel zuerst:
Bewusstlosigkeit ist immer ein Notfall. Prüfen Sie die Atmung und rufen Sie 112. Eine bewusstlose Person darf nichts essen und nichts trinken. Atmet sie normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal, beginnen Sie mit der Wiederbelebung und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle.
Zwei sehr unterschiedliche Diabetes-Notfälle
Die beiden wichtigsten akuten Stoffwechselprobleme bei Diabetes sind die Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt, und die Überzuckerung, die als Hyperglykämie bezeichnet wird.
Das klingt zunächst einfach, doch beide Situationen können sich im fortgeschrittenen Stadium teilweise ähnlich zeigen. Ein Mensch kann schwach, verwirrt oder benommen wirken und irgendwann das Bewusstsein verlieren. Gerade deshalb ist es sinnvoll, wenn möglich einen Glukosewert zu überprüfen, bevor jemand aufgrund einer Vermutung Medikamente gibt.
Bei einer Unterzuckerung ist zu wenig Glukose im Blut vorhanden. Besonders gefährdet sind Menschen, die Insulin verwenden oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnehmen. Bewegung, zu wenig Essen, eine zu hohe Insulindosis oder Alkohol können dazu führen, dass der Wert zu stark absinkt.
Bei einer Überzuckerung befindet sich dagegen zu viel Glukose im Blut. Gerade bei Typ-1-Diabetes kann ein ausgeprägter Insulinmangel zusätzlich dazu führen, dass der Körper Ketone bildet und eine diabetische Ketoazidoseentsteht. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann sich bei extrem hohen Werten und starkem Flüssigkeitsverlust ein anderer lebensbedrohlicher Zustand entwickeln, das hyperglykämische hyperosmolare Syndrom, kurz HHS.
Diese Begriffe müssen Sie im Notfall nicht auswendig erklären können.
Viel wichtiger ist, dass Sie die typischen Warnzeichen erkennen.
Wenn sich jemand plötzlich „komisch“ verhält, denken Sie bei Diabetes auch an den Zucker
Eine Unterzuckerung kündigt sich häufig durch deutliche körperliche Veränderungen an. Die Person kann plötzlich zittern, stark schwitzen, blass werden oder Herzklopfen bekommen. Manche Menschen entwickeln Heißhunger, fühlen sich schwach oder werden unruhig.
Sinkt die Glukose weiter, kann sich das Verhalten verändern. Die betroffene Person findet vielleicht die richtigen Wörter nicht mehr, wirkt gereizt oder verwirrt, kann nicht mehr sicher gehen oder reagiert ungewöhnlich langsam.
Gerade dieses Verhalten wird manchmal falsch eingeschätzt. Eine stärkere Unterzuckerung kann beispielsweise aussehen, als sei jemand betrunken. Statt die Person wegen ihres merkwürdigen Verhaltens zu kritisieren, sollte bei einem bekannten Diabetes deshalb früh an einen niedrigen Glukosewert gedacht werden.
Bei einer Überzuckerung entwickeln sich die Beschwerden häufig langsamer. Typisch sind ein ungewöhnlich starker Durst, ein trockener Mund und häufiges Wasserlassen. Die Person wird zunehmend müde und kraftlos, möglicherweise treten Sehstörungen, Übelkeit oder Bauchbeschwerden hinzu.
Bei einer beginnenden Ketoazidose können sich die Beschwerden deutlich verschärfen. Besonders auffällig sind Erbrechen, Bauchschmerzen, eine ungewöhnlich tiefe Atmung und zunehmende Schläfrigkeit oder Verwirrtheit. Manche Menschen haben einen auffälligen süßlichen beziehungsweise acetonartigen Atem.
Unterzuckerung und Überzuckerung lassen sich häufig schon am Gesamtbild unterscheiden
Diese Übersicht hilft bei der Orientierung, ersetzt aber keine Messung, wenn diese möglich ist.
Wenn die Person ansprechbar ist, hilft der Glukosewert bei der Einordnung
Wenn die betroffene Person noch ansprechbar ist, fragen Sie zunächst, wie sie sich fühlt und ob sie ihren aktuellen Glukosewert kennt.
Viele Menschen mit Diabetes tragen heute einen Sensor. Der aktuelle Wert kann möglicherweise auf dem Smartphone, einem separaten Lesegerät, einer Insulinpumpe oder einer Smartwatch angezeigt werden.
Wenn ein klassisches Blutzuckermessgerät vorhanden ist und Sie wissen, wie es verwendet wird, kann auch eine Messung an der Fingerbeere hilfreich sein.
Dabei sollten Sie bedenken, dass Sensorwerte bei sehr schnellen Glukoseveränderungen etwas zeitversetzt sein können. Wenn die Anzeige überhaupt nicht zu den Beschwerden passt, kann eine Fingerblutzuckermessung zusätzliche Sicherheit geben.
Wenn Sie den Wert nicht feststellen können und die Person zunehmend verwirrt, schläfrig oder nicht mehr sicher schluckfähig wird, sollten Sie nicht lange versuchen, selbst eine Diagnose zu stellen.
Dann gehört medizinische Hilfe dazu.
Tipp für Angehörige:
Lassen Sie sich nicht erst im Notfall erklären, wo Sensor, Messgerät oder Glukagon liegen. Wenn Sie regelmäßig mit einem Menschen zusammenleben, der Insulin verwendet, lassen Sie sich einmal in Ruhe zeigen, wo die Notfallmaterialien aufbewahrt werden und was im Ernstfall vorgesehen ist.
Unter 70 mg/dl beginnt der wichtige Warnbereich
Bei einer Glukose unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l spricht man von einer Unterzuckerung beziehungsweise von einem Bereich, in dem Gegenmaßnahmen notwendig werden können.
Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Beschwerden nicht bei jedem Menschen bei exakt derselben Zahl beginnen. Manche merken eine Unterzuckerung bereits früh durch Zittern oder Schwitzen, während andere ihre Warnzeichen erst bei deutlich niedrigeren Werten wahrnehmen.
Je weiter die Glukose fällt, desto stärker kann auch das Gehirn betroffen sein. Sprache, Konzentration, Koordination und Urteilsvermögen verschlechtern sich. Im schlimmsten Fall kann die Person krampfen oder bewusstlos werden.
Eine schwere Unterzuckerung sollte deshalb nicht daran festgemacht werden, ob auf dem Sensor eine bestimmte besonders niedrige Zahl steht. Entscheidend ist vor allem, ob die Person noch in der Lage ist, sich selbst zu helfen.
Wenn die Person wach ist und schlucken kann, braucht sie schnell verfügbaren Zucker
Eine beginnende Unterzuckerung sollte nicht erst minutenlang diskutiert werden.
Wenn die Person wach, ansprechbar und sicher schluckfähig ist, benötigt sie schnell wirksame Kohlenhydrate. Geeignet sind beispielsweise Traubenzucker, Glukose oder ein zuckerhaltiges Getränk wie Saft oder normale Limonade.
Light- und Zero-Getränke helfen hier nicht, weil sie praktisch keinen Zucker enthalten.
Auch Schokolade ist als erste Hilfe weniger geeignet. Sie enthält zwar Zucker, gleichzeitig aber relativ viel Fett. Dadurch wird der Zucker langsamer aufgenommen und steht nicht so schnell zur Verfügung wie bei Traubenzucker oder einem zuckerhaltigen Getränk.
Für Erwachsene werden häufig ungefähr 15 bis 20 Gramm schnell wirksame Kohlenhydrate verwendet. Bei Kindern richtet sich die notwendige Menge stärker nach Alter, Körpergewicht und persönlicher Schulung. Deshalb sollte jedes Kind mit Diabetes einen eigenen Hypo-Plan besitzen.
Nach ungefähr 15 Minuten wird erneut kontrolliert, wie sich Glukose und Befinden entwickelt haben. Ist die Glukose weiterhin zu niedrig, wird entsprechend dem persönlichen Notfallplan erneut behandelt.
Merkkasten – wenn die Person wach ist:
Bei einer Unterzuckerung helfen schnell verfügbare Kohlenhydrate. Geben Sie Traubenzucker, Glukose oder ein zuckerhaltiges Getränk, sofern die Person sicher schlucken kann. Lassen Sie sie anschließend nicht einfach allein weitergehen, sondern beobachten Sie, ob sie sich wieder vollständig erholt.
Eine bewusstlose Person bekommt niemals Saft, Traubenzucker oder Honig in den Mund
Diese Regel ist so wichtig, dass sie jeder Angehörige eines Menschen mit Diabetes kennen sollte.
Wenn eine Person bewusstlos ist oder nicht mehr sicher schlucken kann, dürfen Sie nichts in den Mund geben.
Keinen Saft.
Kein Wasser.
Keinen Traubenzucker.
Keinen Honig.
Der Grund ist einfach: Bei Bewusstlosigkeit funktionieren die Schutzreflexe nicht mehr zuverlässig. Flüssigkeit oder Nahrung kann in die Atemwege gelangen und zum Ersticken führen. Das DRK weist deshalb bei bewusstlosen Menschen ausdrücklich auf die Gefahr hin, dass Erbrochenes oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen kann.
Prüfen Sie stattdessen die Atmung und rufen Sie 112.
Glukagon kann bei einer schweren Unterzuckerung Leben retten
Für Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Unterzuckerungen kann ein Glukagon-Notfallmedikament verordnet werden.
Glukagon ist ein Hormon, das dafür sorgt, dass die Leber gespeicherte Glukose freisetzt und dadurch der Glukosespiegel wieder steigt.
Heute gibt es verschiedene Glukagonpräparate. Dazu gehören Injektionssysteme und Glukagon als Nasenpulver.
Ein Beispiel ist Baqsimi, das als Einzeldosis über die Nase gegeben wird. Nach den aktuellen Arzneimittelinformationen der Europäischen Arzneimittel-Agentur ist es für die Behandlung schwerer Hypoglykämien vorgesehen. Das Präparat kann auch einer bewusstlosen Person gegeben werden; danach soll unverzüglich medizinische Hilfe gerufen werden. Sobald die Person wieder ausreichend wach und schluckfähig ist, sollen Kohlenhydrate aufgenommen werden, weil die Glukose erneut absinken kann.
Besonders wichtig ist, dass Angehörige nicht erst im Ernstfall die Packungsbeilage lesen müssen.
Wenn Ihnen oder Ihrem Kind Glukagon verordnet wurde, sollten Partner, Eltern, Großeltern oder andere wichtige Betreuungspersonen vorher wissen, wo es liegt und wie es angewendet wird.
Tipp:
Kontrollieren Sie regelmäßig das Haltbarkeitsdatum Ihres Glukagons und ersetzen Sie verbrauchte oder abgelaufene Präparate. Ein Notfallmedikament hilft nur dann, wenn es im Ernstfall tatsächlich vorhanden und einsatzbereit ist.
Wenn Sie nicht wissen, ob es eine Unter- oder Überzuckerung ist
Gerade bei einer zunehmend benommenen Person kann die Unterscheidung schwierig sein.
Wenn die Person noch ansprechbar ist, versuchen Sie den Glukosewert zu überprüfen.
Ist die Person bewusstlos oder nicht mehr sicher ansprechbar, sollte die allgemeine Erste Hilfe im Vordergrund stehen. Rufen Sie 112, kontrollieren Sie die Atmung und handeln Sie entsprechend.
Spritzen Sie als Helfer nicht einfach Insulin, weil Sie vermuten, der Wert müsse zu hoch sein. Eine falsche Insulingabe kann bei einer bestehenden Unterzuckerung die Situation massiv verschlimmern.
Auch Glukagon sollte als Diabetes-Notfallmedikament für eine bekannte beziehungsweise klar vermutete schwere Unterzuckerung entsprechend dem persönlichen Notfallplan verwendet werden.
Wenn Sie die Situation überhaupt nicht einordnen können, ist der Rettungsdienst die richtige Entscheidung.
Bei Bewusstlosigkeit zuerst die Atmung prüfen
Wenn ein Mensch mit Diabetes bewusstlos vor Ihnen liegt, sollten Sie nicht zuerst nach dem Messgerät suchen.
Sprechen Sie die Person deutlich an und prüfen Sie, ob sie reagiert. Ist keine Reaktion vorhanden, holen Sie Hilfe und kontrollieren Sie die Atmung.
Atmet die Person normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Dadurch bleiben die Atemwege möglichst frei und Erbrochenes kann aus dem Mund abfließen. Veranlassen Sie den Notruf 112 und beobachten Sie Atmung und Zustand bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Wenn Sie keine normale Atmung feststellen oder sich nicht sicher sind, gehen Sie von einem Kreislaufstillstand aus und beginnen Sie mit der Wiederbelebung. Die Leitstelle unter 112 kann Sie dabei telefonisch Schritt für Schritt anleiten.
Merkkasten – bei Bewusstlosigkeit zählt zuerst die Erste Hilfe:
Ansprechen – Atmung prüfen – 112 – bei normaler Atmung stabile Seitenlage – bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung.
Erst danach sind Diabetesinformationen wichtig.
Eine starke Überzuckerung entwickelt sich häufig langsamer
Während eine Unterzuckerung sehr schnell entstehen kann, entwickelt sich eine schwere Überzuckerung häufig über Stunden oder sogar länger.
Der Körper versucht, die überschüssige Glukose über den Urin auszuscheiden. Deshalb muss die betroffene Person immer häufiger zur Toilette und verliert dabei zunehmend Flüssigkeit.
Der Durst wird stärker, der Mund trocken und die Person fühlt sich immer müder und schwächer.
Solange der Mensch ansprechbar ist und seinen persönlichen Behandlungsplan kennt, kann er erhöhte Werte häufig selbst behandeln. Menschen mit Insulintherapie verfügen meist über ein individuelles Korrekturschema.
Ein Angehöriger sollte jedoch nicht anfangen, eigenständig Insulindosen zu berechnen.
Die Insulinempfindlichkeit ist sehr unterschiedlich, und eine falsche Dosis kann anschließend eine schwere Unterzuckerung verursachen.
Die beste Hilfe besteht deshalb darin, die Person bei ihrem bekannten persönlichen Notfallplan zu unterstützen und den Zustand weiter zu beobachten.
Bei Typ-1-Diabetes sind Ketone besonders wichtig
Bei einem ausgeprägten Insulinmangel kann der Körper Glukose nicht mehr ausreichend als Energiequelle nutzen. Er beginnt deshalb vermehrt Fett abzubauen.
Dabei entstehen Ketonkörper.
Wenn sich große Mengen davon im Körper ansammeln, kann das Blut übersäuern. Diese gefährliche Stoffwechselentgleisung wird diabetische Ketoazidose, kurz DKA, genannt.
Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten deshalb bereits in ihrer Diabetes-Schulung lernen, wann sie bei hohen Glukosewerten oder während einer Erkrankung Ketone kontrollieren müssen.
Ketone können je nach Ausstattung im Blut oder im Urin gemessen werden.
Ein positiver Ketonwert bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch sofort bewusstlos wird. Er ist aber ein wichtiges Warnsignal dafür, dass möglicherweise zu wenig Insulin vorhanden ist und die Situation genauer beobachtet beziehungsweise behandelt werden muss.
Die aktuellen deutschen Diabetesprogramme betonen ausdrücklich, dass nach einer Ketoazidose die Ursache geklärt und die Therapie überprüft werden soll, weil solche schweren Stoffwechselentgleisungen erneut auftreten können.
Diese Beschwerden können auf eine Ketoazidose hinweisen
Besonders aufmerksam sollten Sie werden, wenn ein Mensch mit Typ-1-Diabetes hohe oder ungewöhnliche Glukosewerte hat und gleichzeitig Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen entwickelt.
Hinzu können ein ausgeprägter Durst und eine zunehmende Austrocknung kommen.
Besonders charakteristisch ist eine ungewöhnlich tiefe und angestrengte Atmung. Dabei versucht der Körper, die Übersäuerung teilweise über die Atmung auszugleichen.
Manchmal ist außerdem ein süßlicher oder acetonartiger Geruch der Atemluft bemerkbar.
Wird die Stoffwechselentgleisung stärker, kann die Person zunehmend schläfrig, verwirrt und schließlich bewusstlos werden.
Eine ausgeprägte Ketoazidose gehört ins Krankenhaus. Gerade bei Kindern und Jugendlichen wird die Behandlung engmaschig überwacht, weil Flüssigkeit, Insulin und wichtige Salze kontrolliert ersetzt werden müssen. Die aktuelle deutsche Leitlinie beschreibt schwere Ketoazidosen entsprechend als behandlungsbedürftige Stoffwechselnotfälle.
Merkkasten – hier nicht weiter abwarten:
Erbrechen + Bauchschmerzen + Ketone + tiefe Atmung + zunehmende Müdigkeit oder Verwirrtheitsind Warnzeichen, bei denen Sie nicht einfach weitere Stunden zu Hause beobachten sollten. Bei schwerem Zustand, Bewusstseinsstörungen oder deutlicher Verschlechterung rufen Sie 112.
Was Sie bei einer Überzuckerung als Angehöriger sinnvoll tun können
Solange die Person vollständig ansprechbar ist, unterstützen Sie sie dabei, ihren persönlichen Diabetes-Notfallplan umzusetzen.
Helfen Sie gegebenenfalls dabei, Sensor oder Blutzuckermessgerät zu finden und den Glukosewert zu kontrollieren.
Wenn die Person Typ-1-Diabetes hat und ihr Plan bei erhöhten Werten eine Ketonmessung vorsieht, können Sie Testmaterial bereitlegen.
Ist die Person wach, kann trinken und bestehen keine medizinischen Gründe dagegen, kann Wasser helfen, den durch die Überzuckerung verursachten Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Das Wasser ersetzt jedoch kein Insulin, wenn ein Insulinmangel vorliegt.
Wenn die Person einen eigenen Korrekturplan besitzt, sollte sie ihre Korrektur entsprechend diesem Plan selbst durchführen beziehungsweise sich dabei von einer dafür geschulten Betreuungsperson unterstützen lassen.
Bleiben Sie bei ihr und beobachten Sie, ob sich Zustand und Glukosewerte bessern.
Was Sie bei einer Überzuckerung nicht tun sollten
Spritzen Sie nicht einfach nach Gefühl Insulin.
Insulin ist kein Erste-Hilfe-Medikament, bei dem für jeden Menschen dieselbe Dosis verwendet werden könnte. Eine für eine Person passende Korrekturdosis kann bei einem anderen Menschen erheblich zu hoch sein.
Geben Sie außerdem nicht ständig zusätzliche Korrekturen, nur weil der Sensor noch einen hohen Wert zeigt. Insulin benötigt Zeit zum Wirken. Mehrere zu schnell hintereinander gegebene Dosen können sich überlagern und später eine Unterzuckerung verursachen.
Und versuchen Sie bei deutlichen Ketonen beziehungsweise einer möglichen Ketoazidose nicht, den Glukosewert durch Sport „herunterzulaufen“. Bei ausgeprägtem Insulinmangel ist körperliche Belastung keine geeignete Notfallbehandlung.
Merkkasten – als Helfer besonders wichtig:
Keine Insulindosis erraten. Unterstützen Sie die Person bei ihrem bekannten Behandlungsplan. Wenn sie diesen nicht mehr selbst umsetzen kann, zunehmend benommen wird oder Sie unsicher sind, holen Sie medizinische Hilfe.
Pumpenträger brauchen einen besonderen Notfallplan
Wer Insulin mit einer Pumpe bekommt, erhält häufig ausschließlich schnell wirkendes Insulin. Wird die Insulinzufuhr plötzlich unterbrochen, fehlt deshalb die länger wirkende Insulinreserve, die bei einer Pen-Therapie durch Basalinsulin vorhanden sein kann.
Ein abgeknickter Katheter, ein gelöstes Infusionsset, eine leere Insulinpatrone oder ein technisches Problem können daher relativ schnell zu einem deutlichen Insulinmangel führen.
Wenn ein Pumpenträger unerwartet stark erhöhte Werte hat und die Korrektur über die Pumpe keine erkennbare Wirkung zeigt, sollte entsprechend dem persönlichen Pumpen-Notfallplan auch an ein technisches Problem gedacht werden.
Menschen mit einer Pumpentherapie sollten deshalb immer wissen, wie Insulin im Notfall unabhängig von der Pumpe gegeben werden kann, und entsprechendes Ersatzmaterial besitzen.
Krankheit kann die Glukose plötzlich stark verändern
Infekte gehören zu den häufigen Gründen für unerwartet hohe Glukosewerte.
Während einer Erkrankung schüttet der Körper Stresshormone aus, die den Insulinbedarf erhöhen können. Dadurch kann die Glukose steigen, obwohl deutlich weniger gegessen wird als sonst.
Gerade bei Typ-1-Diabetes ist deshalb ein wichtiger Grundsatz zu beachten: Insulin darf während einer Erkrankung nicht einfach vollständig weggelassen werden.
Wie Insulindosen angepasst werden, wann Ketone gemessen werden und ab welchem Punkt medizinische Hilfe benötigt wird, sollte bereits vorher mit dem Diabetes-Team geklärt sein.
Besonders kritisch wird es, wenn die Person wiederholt erbricht und keine Flüssigkeit mehr bei sich behalten kann.
Dann sollte nicht stundenlang weiter versucht werden, die Situation allein zu Hause zu beherrschen.
Wenn jemand SGLT2-Hemmer einnimmt, kann eine Ketoazidose anders aussehen
Ein besonderer Hinweis betrifft Menschen, die bestimmte Medikamente gegen Typ-2-Diabetes beziehungsweise für andere Erkrankungen einnehmen. Dazu gehören Wirkstoffe wie Empagliflozin oder Dapagliflozin aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer.
Unter diesen Medikamenten kann in seltenen Fällen eine Ketoazidose auftreten, obwohl der Glukosewert nicht außergewöhnlich stark erhöht ist.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur weist deshalb darauf hin, dass Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starker Durst, tiefe Atmung, ungewöhnliche Müdigkeit oder Verwirrtheit bei diesen Medikamenten ernst genommen werden müssen, selbst wenn der gemessene Zucker gar nicht extrem hoch erscheint.
Wenn entsprechende Beschwerden auftreten, gehört die Situation schnell medizinisch abgeklärt.
Bei Typ-2-Diabetes kann eine extreme Überzuckerung ebenfalls lebensbedrohlich werden
Eine diabetische Ketoazidose ist besonders mit Typ-1-Diabetes verbunden. Menschen mit Typ-2-Diabetes können jedoch eine andere schwere Stoffwechselentgleisung entwickeln.
Beim hyperglykämischen hyperosmolaren Syndrom, kurz HHS, steigen die Glukosewerte häufig sehr stark an und der Körper verliert enorme Mengen Wasser.
Dieser Zustand entwickelt sich häufig langsamer als eine schwere Unterzuckerung und kann deshalb anfangs unterschätzt werden.
Betroffene haben starken Durst und müssen häufig Wasser lassen. Später nimmt die Austrocknung zu, der Kreislauf wird schwach und es können Schwindel, Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auftreten.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, die möglicherweise ohnehin weniger Durst verspüren oder aufgrund einer Erkrankung nicht ausreichend trinken können.
Die aktuelle deutsche Diabetesleitlinie sieht einen Verdacht auf HHS als Situation an, die stationär in einer entsprechend ausgestatteten Einrichtung behandelt werden muss.
Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen sind immer ernst zu nehmen
Ob eine Person unterzuckert, überzuckert oder aus einem ganz anderen Grund verwirrt ist, lässt sich für einen Laien nicht immer sofort feststellen.
Genau deshalb ist es wichtig, sich nicht zu sehr auf die Diabetesdiagnose zu versteifen.
Ein Mensch mit Diabetes kann schließlich genauso einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt, einen epileptischen Anfall oder eine andere akute Erkrankung bekommen.
Wenn die Person plötzlich deutlich verwirrt ist, nicht mehr richtig sprechen kann, nicht mehr sicher stehen kann, ungewöhnlich schläfrig wird oder das Bewusstsein verliert, sollte medizinische Hilfe nicht unnötig hinausgezögert werden.
Gesundheitsinformation.de empfiehlt bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit im Zusammenhang mit einer möglichen schweren Über- oder Unterzuckerung ebenfalls den Rettungsdienst über 112 zu verständigen.
Bei Kindern können sich Diabetes-Notfälle etwas anders zeigen
Gerade kleine Kinder können häufig noch nicht erklären, dass sie zittern, sich schwindelig fühlen oder bemerken, dass „etwas mit dem Zucker nicht stimmt“.
Bei einer Unterzuckerung kann sich deshalb zuerst das Verhalten verändern. Das Kind wird vielleicht ungewöhnlich still, quengelig, aggressiv oder sehr anhänglich. Blässe, Schwitzen, Zittern oder plötzliche Müdigkeit können hinzukommen.
Bei einer Überzuckerung beziehungsweise Ketoazidose können starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und zunehmende Müdigkeit auffallen. Kommen Erbrechen, Bauchschmerzen, ungewöhnlich tiefe Atmung oder eine zunehmende Schläfrigkeit hinzu, sollte schnell medizinisch gehandelt werden.
Gerade bei einem bisher nicht bekannten Typ-1-Diabetes kann eine Ketoazidose das erste deutliche Krankheitszeichen sein.
Deshalb sollten auch Schule, Kindergarten, Großeltern und andere Betreuungspersonen wissen, was eine Unterzuckerung ist, wo das Glukagon liegt und wann 112 gerufen werden muss.
Angehörige müssen keine Diabetesexperten werden
Wenn Ihr Partner, Ihr Kind oder ein naher Angehöriger Diabetes hat, kann schnell das Gefühl entstehen, Sie müssten sämtliche Insulindosen, Sensorpfeile und Ketonwerte genauso gut beherrschen wie die betroffene Person selbst.
Das ist nicht notwendig.
Viel wichtiger ist, dass Sie einige entscheidende Dinge sicher können.
Sie sollten wissen, wo Traubenzucker und Glukagon liegen, wie Sie eine schwere Unterzuckerung erkennen können, dass einer bewusstlosen Person nichts in den Mund gegeben werden darf und dass Insulin nicht auf Verdacht gespritzt wird.
Sie sollten außerdem wissen, wie Sie 112 erreichen und welche Informationen für die Rettungsleitstelle wichtig sind.
Alles andere kann gemeinsam mit dem Diabetes-Team an die persönliche Situation angepasst werden.
Ein schriftlicher Notfallplan nimmt im Ernstfall viel Unsicherheit
Ein guter Diabetes-Notfallplan sollte nicht nur im Kopf der betroffenen Person existieren.
Besonders bei Kindern, älteren Menschen oder Personen mit einer Vorgeschichte schwerer Unterzuckerungen ist es sinnvoll, die wichtigsten Schritte schriftlich festzuhalten.
Dort kann beispielsweise stehen, welche Anzeichen für eine Unterzuckerung bei dieser Person typisch sind, welche schnell wirksamen Kohlenhydrate verwendet werden sollen, welches Glukagon vorhanden ist und wo es liegt.
Bei Typ-1-Diabetes kann zusätzlich ein persönlicher Keton- beziehungsweise Krankheitstagplan hinterlegt werden.
Bei Pumpenträgern gehört außerdem ein Plan dazu, was bei einem technischen Ausfall zu tun ist.
Der Gemeinsame Bundesausschuss sieht Schulungen und die Vorbeugung sowie Nachbesprechung schwerer hypoglykämischer und ketoazidotischer Ereignisse ausdrücklich als Teil der strukturierten Diabetesversorgung an. Nach einem solchen Notfall soll die Ursache zeitnah geklärt und die Therapie bei Bedarf angepasst werden.
Tipp:
Bewahren Sie den Notfallplan nicht ausschließlich irgendwo in einer Diabetes-App auf, deren Passwort im Ernstfall niemand kennt. Eine einfache ausgedruckte Version im Diabetes-Set, in der Schule oder bei den Großeltern kann ausgesprochen hilfreich sein.
Ein Diabetes-Notfallausweis kann fremden Helfern Orientierung geben
Nicht jeder Diabetes-Notfall passiert zu Hause.
Wenn Sie alleine unterwegs sind und beispielsweise aufgrund einer schweren Unterzuckerung verwirrt oder bewusstlos werden, wissen fremde Helfer zunächst möglicherweise gar nicht, dass Diabetes vorliegt.
Ein Diabetes-Notfallausweis, ein medizinisches Armband oder entsprechende Notfallinformationen auf dem Smartphone können deshalb hilfreich sein.
Dort können beispielsweise Diabetesform, verwendete Medikamente und wichtige Kontaktpersonen hinterlegt werden.
Gerade bei Insulintherapie, Pumpennutzung oder einer Vorgeschichte schwerer Unterzuckerungen kann ein solcher Hinweis zusätzliche Sicherheit geben.
Was gehört in ein gutes Diabetes-Notfallset?
Ein Notfallset muss nicht riesig sein. Viel wichtiger ist, dass es vollständig und schnell erreichbar ist.
| Sinnvoller Inhalt | Warum er hilfreich sein kann |
|---|---|
| Traubenzucker oder Glukose | Für eine beginnende Unterzuckerung |
| Zuckerhaltiges Getränk | Schnelle Kohlenhydrate, wenn Trinken leichter fällt |
| Blutzuckermessgerät und passende Teststreifen | Für Situationen, in denen Sensorwerte unklar sind |
| Glukagon, wenn verordnet | Für eine schwere Unterzuckerung mit notwendiger Fremdhilfe |
| Ketonmessmaterial bei Typ-1-Diabetes, wenn vorgesehen | Zur Einschätzung hoher Werte und möglichem Insulinmangel |
| Ersatz-Pen beziehungsweise Insulinmaterial | Besonders wichtig bei Pumpenausfall oder technischen Problemen |
| Pumpenersatzmaterial | Katheter, Infusionsset oder anderes notwendiges Zubehör |
| Diabetes-Notfallausweis | Informiert fremde Helfer |
| Persönlicher Notfallplan | Zeigt Angehörigen, was in welcher Situation vorgesehen ist |
| Aktuelle Kontaktinformationen | Diabetes-Team und wichtige Angehörige |
Tipp:
Packen Sie nicht nur ein einziges Notfallset, das ständig zwischen Handtasche, Auto und Arbeitsplatz wandert. Ein kleines Set zu Hause, eines für unterwegs und bei Kindern ein eigenes Set für Schule oder Kita macht den Alltag wesentlich einfacher.
Nach einem schweren Notfall sollte nicht einfach zum Alltag übergegangen werden
Wenn ein Mensch aufgrund einer Unterzuckerung bewusstlos geworden ist, Fremdhilfe benötigt hat oder wegen einer Ketoazidose behandelt werden musste, sollte anschließend nach der Ursache gesucht werden.
Vielleicht war eine Insulindosis zu hoch, die Unterzuckerung wurde nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen oder eine Pumpenstörung ist zu spät aufgefallen.
Vielleicht haben sich Körpergewicht, Nierenfunktion oder Alltag verändert.
Vielleicht braucht es eine andere Alarmgrenze am CGM oder eine Anpassung der Insulintherapie.
Der Gemeinsame Bundesausschuss fordert im aktuellen DMP Typ-1-Diabetes nach schweren Hypoglykämien oder Ketoazidosen ausdrücklich eine zeitnahe Ursachenklärung und bei Bedarf eine Anpassung der Behandlung.
Das ist ein wichtiger Gedanke: Ein Notfall sollte nicht nur überstanden werden.
Er sollte möglichst dazu führen, dass das Risiko für den nächsten kleiner wird.
Das Wichtigste im Diabetes-Notfall auf einen Blick
| Situation | Was jetzt wichtig ist |
|---|---|
| Person ist ansprechbar und möglicherweise unterzuckert | Glukose prüfen, wenn möglich, und bei bestätigter beziehungsweise eindeutiger Hypo schnell wirksame Kohlenhydrate geben. |
| Person ist ansprechbar und deutlich überzuckert | Persönlichen Korrektur- und Notfallplan anwenden, bei Typ-1-Diabetes gegebenenfalls Ketone kontrollieren. |
| Person kann nicht mehr sicher schlucken | Nichts essen oder trinken lassen. |
| Person ist bewusstlos und atmet normal | Stabile Seitenlage, 112, Atmung weiter beobachten. |
| Person ist bewusstlos und atmet nicht normal | 112 und sofort Wiederbelebung beginnen. |
| Schwere bekannte Unterzuckerung | Verordnetes Glukagon nach Anleitung anwenden und medizinische Hilfe rufen. |
| Unklar, ob Unter- oder Überzuckerung | Keine Insulindosis erraten; bei Bewusstseinsstörung oder Unsicherheit 112. |
| Hohe Werte mit Ketonen, Erbrechen und Bauchschmerzen | Ketoazidose möglich – dringend medizinisch abklären. |
| Tiefe Atmung, zunehmende Schläfrigkeit oder Bewusstseinsstörung | Medizinischer Notfall – 112. |
| Sehr hohe Werte bei Typ-2-Diabetes mit Austrocknung und Verwirrtheit | HHS möglich – dringender medizinischer Notfall. |
| Pumpenträger mit unerklärlich hohen Werten | Pumpensystem nach persönlichem Notfallplan überprüfen und an unterbrochene Insulinzufuhr denken. |
Fazit: Im Diabetes-Notfall zählt nicht kompliziertes Wissen, sondern ein klarer Plan
Wenn ein Mensch mit Diabetes plötzlich stark unter- oder überzuckert, kann die Situation für Angehörige zunächst erschreckend wirken. Trotzdem müssen Sie im Ernstfall keine medizinische Ausbildung besitzen und auch keine komplizierten Insulinberechnungen durchführen.
Das Wichtigste ist, die Situation nicht unnötig kompliziert zu machen.
Ist die Person ansprechbar, versuchen Sie herauszufinden, wie hoch oder niedrig die Glukose ist. Bei einer Unterzuckerung und sicherer Schluckfähigkeit helfen schnell wirksame Kohlenhydrate. Bei einer Überzuckerung unterstützen Sie die betroffene Person dabei, ihren persönlichen Diabetesplan umzusetzen und achten auf Warnzeichen einer Ketoazidose oder starken Austrocknung.
Wird die Person jedoch zunehmend verwirrt, nicht mehr sicher ansprechbar oder bewusstlos, ändert sich die Situation.
Dann hat die allgemeine Erste Hilfe Vorrang.
Bewusstsein prüfen, Atmung kontrollieren und 112 verständigen. Atmet die Person normal, gehört sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal, beginnen Sie mit der Wiederbelebung und lassen Sie sich von der Rettungsleitstelle anleiten.
Einer bewusstlosen Person wird niemals Saft, Traubenzucker, Honig oder ein anderes Lebensmittel in den Mund gegeben.
Bei einer bekannten schweren Unterzuckerung kann ein dafür verordnetes Glukagon-Notfallmedikament eingesetzt werden. Moderne Glukagonpräparate wie Nasenglukagon wurden ausdrücklich dafür entwickelt, dass Angehörige sie in einer schweren Hypoglykämie anwenden können. Nach der Anwendung soll medizinische Hilfe verständigt werden.
Bei einer schweren Überzuckerung ist dagegen Zurückhaltung mit Insulin wichtig. Angehörige sollten keine Dosis erraten und nicht versuchen, einen bewusstlosen Menschen selbst mit Insulin zu behandeln. Besonders Erbrechen, Bauchschmerzen, Ketone, eine ungewöhnlich tiefe Atmung und zunehmende Schläfrigkeit können auf eine Ketoazidose hinweisen und brauchen schnelle medizinische Hilfe.
Auch Menschen mit Typ-2-Diabetes können bei extrem hohen Werten schwer erkranken, insbesondere wenn sie gleichzeitig stark austrocknen und verwirrt oder benommen werden.
Am besten ist deshalb ein Notfall, auf den man sich vorbereitet hat, bevor er eintritt.
Lassen Sie sich Glukagon zeigen, legen Sie Traubenzucker an feste Orte, schreiben Sie einen persönlichen Notfallplan auf und erklären Sie den wichtigsten Menschen in Ihrem Umfeld, was im Ernstfall zu tun ist.
Denn im Diabetes-Notfall müssen Sie nicht alles wissen. Sie müssen die wenigen richtigen Dinge zur richtigen Zeit tun – und erkennen, wann Sie die Situation nicht mehr allein lösen sollten.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Aktuelle Leitlinien und Praxisempfehlungen zur Behandlung von Diabetes sowie zum Umgang mit akuten Stoffwechselentgleisungen. Die aktuelle Gesamtausgabe der Praxisempfehlungen erschien 2026.
Gemeinsamer Bundesausschuss – DMP Diabetes mellitus Typ 1
Die aktuelle DMP-Regelung sieht nach schweren Unterzuckerungen und Ketoazidosen eine Ursachenklärung und gegebenenfalls Anpassung der Diabetesbehandlung vor. Die aktualisierte Typ-1-Diabetes-Regelung trat am 1. Oktober 2025 in Kraft.
AWMF / Deutsche Diabetes Gesellschaft
Aktuelle S3-Leitlinie zur Diagnostik, Behandlung und Verlaufskontrolle von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen mit Empfehlungen zu Hypoglykämie, Ketoazidose und hyperglykämisch-hyperosmolarem Syndrom.
European Medicines Agency (EMA)
Offizielle Arzneimittelinformationen zu Glukagon-Nasenpulver für die Behandlung schwerer Unterzuckerungen sowie Sicherheitshinweise zur Ketoazidose bei SGLT2-Hemmern.
Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
Erste-Hilfe-Empfehlungen bei Bewusstlosigkeit, stabiler Seitenlage und fehlender normaler Atmung.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine persönliche Diabetes-Schulung, individuelle Notfallanweisung oder einen Erste-Hilfe-Kurs. Insulinkorrekturen, Kohlenhydratmengen bei Unterzuckerungen, Keton-Grenzwerte, Pumpen-Notfallpläne und die Anwendung eines Glukagonpräparates müssen entsprechend der persönlichen Therapie beziehungsweise der jeweiligen Gebrauchsinformation geschult werden.
Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, fehlender normaler Atmung, schweren Bewusstseinsstörungen, einer vermuteten schweren Ketoazidose oder einem deutlich bedrohlichen Allgemeinzustand rufen Sie 112.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
August 2026
