Typ-2-Diabetes wird häufig ganz nebenbei entdeckt. Vielleicht waren Sie zu einer Routineuntersuchung in Ihrer Hausarztpraxis, der Blutzucker war etwas erhöht und einige Tage später kam noch ein auffälliger HbA1c-Wert hinzu. Vielleicht haben Sie sich vorher überhaupt nicht krank gefühlt und fragen sich nun, wie Sie Diabetes haben können, obwohl Sie weder ständig Durst hatten noch besonders häufig zur Toilette mussten. Genau das ist bei Typ-2-Diabetes nicht ungewöhnlich, denn diese Erkrankung entwickelt sich meistens langsam und über viele Jahre. Ihr Körper versucht zunächst lange, Veränderungen im Zuckerstoffwechsel auszugleichen, sodass Sie davon häufig nichts bemerken. Erst wenn dieser Ausgleich zunehmend schwieriger wird, steigen die Glukosewerte deutlicher an und irgendwann wird aus einer zunächst unauffälligen Stoffwechselveränderung ein Typ-2-Diabetes.
Der früher häufig verwendete Begriff „Altersdiabetes“ passt deshalb heute nicht mehr besonders gut. Zwar steigt das Risiko mit zunehmendem Lebensalter, doch Typ-2-Diabetes betrifft längst nicht nur ältere Menschen. Auch jüngere Erwachsene und teilweise Jugendliche können erkranken. Wenn Risikofaktoren vorhanden sind oder Blutwerte auffällig werden, sollte deshalb unabhängig vom Alter genauer hingesehen werden.
Nach der Diagnose entsteht bei vielen Menschen zunächst das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Vielleicht denken Sie sofort an Süßigkeiten, Übergewicht oder zu wenig Bewegung und fragen sich, ob Sie den Diabetes selbst verursacht haben. So einfach ist es jedoch nicht. Typ-2-Diabetes entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören die erbliche Veranlagung, das Alter, das Körpergewicht und besonders Fettgewebe im Bauchbereich, aber auch Bewegung, Ernährungsgewohnheiten, Rauchen, Schlaf, Stress, bestimmte Medikamente und verschiedene Begleiterkrankungen. Manche dieser Faktoren können Sie beeinflussen, andere nicht.
Deshalb hilft es wenig, nach Schuld zu suchen. Viel wichtiger ist die Frage, was sich in Ihrem Körper verändert hat und welche Möglichkeiten Sie ab jetzt haben. Davon gibt es wesentlich mehr, als viele Menschen direkt nach der Diagnose denken.
Was bei Typ-2-Diabetes im Körper passiert
Um Typ-2-Diabetes zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf das Hormon Insulin. Wenn Sie Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Obst, Milchprodukte oder andere kohlenhydrathaltige Lebensmittel essen, wird ein Teil dieser Kohlenhydrate während der Verdauung in Glukose zerlegt. Die Glukose gelangt anschließend ins Blut und dient Ihren Körperzellen als wichtige Energiequelle.
Damit diese Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann, benötigt der Körper Insulin. Das Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und nach einer Mahlzeit passend zum steigenden Glukosewert ausgeschüttet. Vereinfacht kann man sich Insulin wie ein Signal vorstellen, das den Zellen mitteilt, dass nun Energie zur Verfügung steht und Glukose aus dem Blut aufgenommen werden kann.
Bei Typ-2-Diabetes reagieren insbesondere die Zellen von Muskulatur, Leber und Fettgewebe zunehmend schlechter auf dieses Signal. Dieser Zustand wird Insulinresistenz genannt. Das bedeutet nicht, dass zu Beginn der Erkrankung überhaupt kein Insulin vorhanden ist. Häufig geschieht zunächst sogar das Gegenteil: Die Bauchspeicheldrüse versucht, die schwächere Insulinwirkung auszugleichen und produziert immer größere Mengen.
Dieser Ausgleich kann jahrelang funktionieren. Ihre Glukosewerte können in dieser Zeit noch relativ unauffällig sein, obwohl die Bauchspeicheldrüse bereits deutlich mehr leisten muss. Irgendwann reicht die zusätzliche Insulinproduktion jedoch nicht mehr aus. Zunächst steigen möglicherweise besonders die Werte nach den Mahlzeiten, später werden auch die Nüchternwerte höher. Zusätzlich kann die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse, ausreichend Insulin herzustellen, im Laufe der Erkrankung weiter nachlassen.
Genau deshalb entwickelt sich Typ-2-Diabetes normalerweise nicht innerhalb weniger Tage. Der Stoffwechsel verändert sich schrittweise über einen langen Zeitraum.
Merkkasten
Bei Typ-2-Diabetes fehlt am Anfang nicht unbedingt Insulin. Häufig produziert die Bauchspeicheldrüse sogar besonders viel davon, weil die Körperzellen schlechter darauf reagieren. Erst im weiteren Verlauf kann die Insulinproduktion zunehmend nachlassen.
Insulinresistenz können Sie jahrelang haben, ohne etwas davon zu merken
Eine Insulinresistenz verursacht normalerweise keine Schmerzen und häufig überhaupt keine eindeutigen Beschwerden. Sie können deshalb längere Zeit damit leben, ohne zu wissen, dass sich Ihr Zuckerstoffwechsel bereits verändert hat.
Das erklärt, warum viele Menschen von der Diagnose überrascht werden. Aus ihrer Sicht scheint der Diabetes plötzlich da zu sein, obwohl die zugrunde liegenden Stoffwechselveränderungen schon wesentlich früher begonnen haben.
Genau diese lange Entwicklung bietet jedoch auch eine Chance. Wenn ein erhöhtes Risiko oder eine Vorstufe rechtzeitig erkannt wird, können regelmäßige Bewegung, eine geeignete Ernährung und bei bestehendem Übergewicht eine nachhaltige Gewichtsabnahme den Stoffwechsel deutlich entlasten.
Dabei müssen Sie nicht innerhalb weniger Wochen ein vollkommen anderes Leben führen. Kleine Veränderungen, die dauerhaft bleiben, sind für Ihren Stoffwechsel meist wertvoller als eine radikale Umstellung, die nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wird.
Typ-2-Diabetes entsteht nicht einfach, weil jemand zu viele Süßigkeiten gegessen hat
Die Vorstellung, Typ-2-Diabetes sei lediglich die Folge davon, dass jemand zu viel Zucker gegessen hat, greift viel zu kurz. Natürlich können eine dauerhaft sehr energiereiche Ernährung und wenig Bewegung gemeinsam mit einer Gewichtszunahme zur Entwicklung der Erkrankung beitragen, aber Typ-2-Diabetes lässt sich nicht auf eine einzige Gewohnheit reduzieren.
Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise die genetische Veranlagung. Wenn Eltern oder Geschwister Typ-2-Diabetes haben, kann das eigene Risiko erhöht sein. Zusätzlich können Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, eine Fettlebererkrankung, Schlafapnoe, ein früherer Schwangerschaftsdiabetes, Rauchen oder bestimmte Medikamente den Stoffwechsel beeinflussen.
Auch Übergewicht spielt eine Rolle, wobei besonders Fettgewebe im Bauchbereich für den Stoffwechsel relevant sein kann. Dieses Gewebe ist nicht einfach nur ein Speicher für überschüssige Energie, sondern beteiligt sich aktiv an verschiedenen Stoffwechselprozessen und kann die Insulinwirkung ungünstig beeinflussen.
Trotzdem entwickelt nicht jeder Mensch mit Übergewicht Diabetes, und nicht jeder Mensch mit Typ-2-Diabetes ist übergewichtig. Deshalb ist es sinnvoller, Ihre persönliche Situation anzusehen, anstatt sich mit anderen zu vergleichen oder nach einem einzelnen vermeintlichen Fehler zu suchen.
Prädiabetes bedeutet nicht automatisch, dass Sie später Diabetes bekommen
Wenn Ihre Glukosewerte bereits erhöht sind, aber noch nicht im Bereich eines Typ-2-Diabetes liegen, wird häufig von Prädiabetes gesprochen. Das Wort klingt zunächst so, als sei die spätere Erkrankung bereits unvermeidbar. Das ist nicht der Fall.
Prädiabetes bedeutet zunächst, dass der Zuckerstoffwechsel bereits verändert ist und Ihr Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht ist. Gerade in dieser Phase können Veränderungen des Lebensstils besonders wirkungsvoll sein. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und bei vorhandenem Übergewicht eine nachhaltige Gewichtsabnahme können dazu beitragen, den Stoffwechsel zu verbessern und die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes hinauszuzögern oder in manchen Fällen zu verhindern.
Betrachten Sie Prädiabetes deshalb nicht als unausweichliche Vorstufe, sondern als ein deutliches Signal Ihres Körpers, dass es sinnvoll ist, jetzt genauer hinzuschauen.
Tipp
Wenn bei Ihnen Prädiabetes festgestellt wurde, müssen Sie nicht gleichzeitig zehn neue Regeln einführen. Vielleicht beginnen Sie zunächst mit einem täglichen Spaziergang, reduzieren zuckerhaltige Getränke oder verändern eine Mahlzeit am Tag. Wenn dieser Schritt selbstverständlich geworden ist, können Sie den nächsten hinzufügen.
Welche Beschwerden können bei Typ-2-Diabetes auftreten?
Typ-2-Diabetes bleibt besonders am Anfang häufig unbemerkt. Manche Menschen fühlen sich lediglich etwas müder, weniger leistungsfähig oder können sich schlechter konzentrieren. Solche Veränderungen werden leicht mit Stress, schlechtem Schlaf oder dem zunehmenden Alter erklärt.
Wenn die Glukosewerte deutlicher steigen, können typische Beschwerden hinzukommen. Dazu gehören ein ungewöhnlich starker Durst, häufiges Wasserlassen und ein trockener Mund. Manche Betroffene fühlen sich zunehmend erschöpft, haben verschwommenes Sehen oder bemerken, dass kleinere Wunden langsamer heilen. Auch wiederkehrende Infektionen können auftreten.
Das Fehlen solcher Beschwerden bedeutet allerdings nicht, dass die Glukosewerte normal sind. Genau deshalb wird Typ-2-Diabetes häufig bei Vorsorge- oder Routineuntersuchungen entdeckt.
Eine frühe Diagnose ist wichtig, weil dauerhaft erhöhte Glukosewerte über viele Jahre Blutgefäße und Nerven belasten können, auch wenn Sie davon zunächst nichts spüren.
Wie Typ-2-Diabetes festgestellt wird
Für die Diagnose werden verschiedene Blutwerte genutzt. Besonders wichtig sind der Nüchternblutzucker, der HbA1c-Wert und in bestimmten Situationen der orale Glukosetoleranztest, kurz oGTT.
Der Nüchternblutzucker wird morgens bestimmt, nachdem Sie mindestens acht Stunden nichts gegessen haben. Ein Wert unter 100 mg/dl beziehungsweise 5,6 mmol/l gilt als unauffällig. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl liegen in einem erhöhten Bereich. Ab 126 mg/dl beziehungsweise 7,0 mmol/l befindet sich der Nüchternwert im Diabetesbereich und muss entsprechend ärztlich eingeordnet beziehungsweise bestätigt werden.
Der HbA1c wird häufig als Langzeitblutzucker bezeichnet. Er zeigt nicht die Glukose eines einzelnen Tages, sondern gibt einen Eindruck davon, wie hoch Ihre Werte in den vergangenen Wochen durchschnittlich waren. Ein HbA1c ab 6,5 Prozent liegt im Diabetesbereich. Für diese Blutabnahme müssen Sie normalerweise nicht nüchtern sein.
Wenn die Ergebnisse nicht eindeutig sind, kann ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Dabei wird zunächst nüchtern Blut abgenommen. Anschließend trinken Sie eine festgelegte Glukoselösung und zwei Stunden später wird erneut gemessen. Liegt dieser Zwei-Stunden-Wert bei mindestens 200 mg/dl beziehungsweise 11,1 mmol/l, befindet er sich im Diabetesbereich.
Ein einzelner auffälliger Wert aus einem privaten Blutzuckermessgerät reicht jedoch nicht aus, um sich selbst Diabetes zu diagnostizieren. Die Diagnose gehört in eine Arztpraxis und wird mit geeigneten Laboruntersuchungen gestellt.
Warum Bewegung für den Zuckerstoffwechsel so wertvoll ist
Bewegung gehört zu den wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Insulinwirkung zu verbessern. Ihre Muskulatur benötigt während körperlicher Aktivität Energie und kann Glukose aus dem Blut aufnehmen. Regelmäßige Bewegung kann außerdem dazu beitragen, dass die Muskelzellen wieder empfindlicher auf Insulin reagieren.
Dafür müssen Sie keinen Marathon laufen und auch nicht jeden Tag ins Fitnessstudio gehen. Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen, Gartenarbeit oder andere Bewegungsformen können einen wertvollen Beitrag leisten. Auch Krafttraining ist sinnvoll, weil Muskulatur für den Zuckerstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Sie bisher kaum aktiv waren, beginnen Sie nicht mit einem Trainingsplan, der Sie schon beim Lesen erschöpft. Ein Spaziergang nach dem Abendessen kann ein guter Anfang sein. Vielleicht steigern Sie nach einigen Wochen die Dauer oder ergänzen an zwei Tagen einfache Kraftübungen.
Die beste Bewegung ist nicht die theoretisch perfekte Sportart, sondern die, die Sie regelmäßig und langfristig tatsächlich machen können.
Wenn Sie länger keinen Sport betrieben haben oder bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starke Gelenkbeschwerden oder andere gesundheitliche Einschränkungen haben, sollten Sie den Einstieg vorher ärztlich besprechen.
Ernährung bei Typ-2-Diabetes bedeutet nicht, dass Sie ab jetzt alles verbieten müssen
Nach einer Diabetesdiagnose beginnen manche Menschen sofort damit, Lebensmittel aus ihrem Speiseplan zu streichen. Brot wird plötzlich zum Problem, Kartoffeln erscheinen gefährlich und selbst Obst wird kritisch betrachtet, weil darin Zucker enthalten ist.
Eine gute Ernährung bei Typ-2-Diabetes funktioniert jedoch nicht über Angst vor einzelnen Lebensmitteln.
Entscheidend ist vielmehr das gesamte Ernährungsmuster. Eine gute Grundlage bilden viel Gemüse, Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen, Vollkornprodukte, Nüsse und andere möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel. Pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl können häufiger verwendet werden, während stark verarbeitete Fleischprodukte, sehr energiereiche Fertiggerichte und große Mengen Süßigkeiten eher seltener auf dem Speiseplan stehen sollten.
Bei Kohlenhydraten lohnt sich ein Blick auf Qualität und Portionsgröße. Vollkornbrot wirkt anders auf den Stoffwechsel als ein süßes Weißmehlgebäck, und Kartoffeln gemeinsam mit Gemüse und einer Eiweißquelle sind etwas anderes als eine große Portion Pommes mit Limonade.
Besonders zuckerhaltige Getränke sind ungünstig, weil große Mengen Zucker sehr schnell aufgenommen werden und Getränke gleichzeitig kaum sättigen. Wasser, Mineralwasser und ungesüßte Getränke sind deshalb im Alltag meist die bessere Wahl.
Sie müssen trotzdem nicht auf Geburtstagskuchen, ein Eis im Sommer oder ein gemeinsames Essen mit Ihrer Familie verzichten. Ihre Gesundheit entscheidet sich nicht an einer einzelnen Mahlzeit. Entscheidend ist, wie Sie sich über Wochen, Monate und Jahre überwiegend ernähren.
Merkkasten
Sie brauchen keine spezielle „Diabetikerdiät“. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und anderen wenig verarbeiteten Lebensmitteln ist sinnvoller als eine lange Verbotsliste.
Gewichtsabnahme kann helfen, aber die Waage sollte nicht zum Mittelpunkt Ihrer Behandlung werden
Wenn deutliches Übergewicht besteht, kann eine Gewichtsabnahme die Insulinwirkung verbessern und gleichzeitig Blutdruck, Blutfette, Beweglichkeit und andere gesundheitliche Faktoren günstig beeinflussen.
Dabei müssen Sie nicht möglichst schnell ein sogenanntes Idealgewicht erreichen. Häufig können bereits moderate Gewichtsveränderungen gesundheitlich sinnvoll sein.
Entscheidend ist vor allem, dass eine Gewichtsabnahme möglichst langfristig erhalten bleibt.
Crash-Diäten, extreme Fastenprogramme oder sehr einseitige Ernährungsformen können kurzfristig beeindruckende Zahlen auf der Waage erzeugen, passen aber häufig nicht zum dauerhaften Alltag. Wenn danach die alten Gewohnheiten vollständig zurückkehren, steigt das Gewicht oft wieder.
Ein langsamerer Weg wirkt weniger spektakulär, ist jedoch häufig wesentlich nachhaltiger.
Medikamente sind keine Niederlage
Wenn Bewegung, Ernährung und gegebenenfalls eine Gewichtsabnahme nicht ausreichen oder Ihre gesundheitliche Situation bereits früh eine zusätzliche Behandlung erfordert, können Diabetesmedikamente sinnvoll sein.
Das bedeutet nicht, dass Sie sich zu wenig angestrengt haben.
Typ-2-Diabetes kann sich im Laufe der Jahre verändern, weil die körpereigene Insulinproduktion nachlassen kann. Deshalb muss auch die Behandlung manchmal angepasst werden.
Heute wird bei der Auswahl eines Diabetesmedikaments nicht nur gefragt, wie stark es den Glukosewert senken kann. Ebenso wichtig sind Ihre Nierenfunktion, Ihr Körpergewicht, eine mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Herzschwäche und das Risiko für Unterzuckerungen.
Metformin gehört weiterhin zu den häufig verwendeten Medikamenten. Es kann unter anderem die Glukoseproduktion der Leber vermindern und die Insulinwirkung verbessern. Gerade zu Beginn können Magen-Darm-Beschwerden auftreten, weshalb die Behandlung häufig langsam aufgebaut wird.
SGLT2-Hemmer sorgen vereinfacht gesagt dafür, dass ein Teil der überschüssigen Glukose über die Nieren ausgeschieden wird. Bestimmte Wirkstoffe dieser Gruppe spielen heute besonders bei Menschen mit Herzschwäche oder bestimmten Nierenerkrankungen eine wichtige Rolle.
GLP-1-Rezeptoragonisten und verwandte Wirkstoffe beeinflussen unter anderem das Sättigungsgefühl und den Zuckerstoffwechsel. Bei vielen Menschen unterstützen sie zusätzlich eine Gewichtsabnahme. Auch innerhalb dieser Gruppe gibt es Wirkstoffe, die bei bestimmten Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko besonders interessant sein können.
Daneben stehen weitere Medikamente zur Verfügung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, sollte deshalb immer individuell entschieden werden und nicht danach, welches Diabetesmedikament gerade besonders häufig in den Medien vorkommt.
Wenn irgendwann Insulin notwendig wird
Viele Menschen verbinden den Beginn einer Insulintherapie mit dem Gedanken, sie hätten ihren Diabetes nicht gut genug behandelt. Das ist falsch.
Wenn die Bauchspeicheldrüse im Laufe der Erkrankung immer weniger eigenes Insulin produziert, kann irgendwann zusätzliches Insulin notwendig werden. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine mögliche Entwicklung der Erkrankung.
Eine Insulintherapie kann sehr unterschiedlich aussehen. Manche Menschen benötigen zunächst nur ein lang wirkendes Insulin einmal täglich, bei anderen wird eine intensivere Therapie notwendig.
Moderne Insulinpens und sehr kurze Nadeln machen die Anwendung heute wesentlich einfacher, als viele Menschen vor Beginn der Therapie erwarten.
Insulin ist deshalb nicht das „Endstadium“ einer misslungenen Behandlung. Es ist ein Medikament, das dem Körper ein Hormon zur Verfügung stellt, das er nicht mehr in ausreichender Menge selbst herstellen kann.
Typ-2-Diabetes kann bei manchen Menschen in Remission gehen
Bei einigen Menschen können sich die Glukosewerte nach einer deutlichen und dauerhaft gehaltenen Gewichtsabnahme so stark verbessern, dass zeitweise keine blutzuckersenkenden Medikamente mehr notwendig sind und die Werte unterhalb der Diabetesgrenze liegen.
Dieser Zustand wird als Remission bezeichnet.
Eine Remission bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Diabetes dauerhaft geheilt ist. Die Stoffwechselveranlagung bleibt bestehen und die Werte können später wieder ansteigen, beispielsweise wenn deutlich Gewicht zurückkommt oder die körpereigene Insulinproduktion weiter nachlässt.
Deshalb bleiben Kontrollen auch während einer Remission wichtig.
Für manche Menschen ist dieses Ziel erreichbar, für andere nicht. Eine erfolgreiche Diabetesbehandlung sollte deshalb nicht daran gemessen werden, ob jemand ohne Medikamente auskommt. Wenn Medikamente stabile Werte ermöglichen und gleichzeitig Folgeerkrankungen verhindern helfen, ist auch das eine erfolgreiche Behandlung.
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Remission bedeutet, dass die Werte für eine gewisse Zeit ohne blutzuckersenkende Medikamente unterhalb der Diabetesgrenze liegen. Sie bedeutet nicht automatisch, dass die Erkrankung für immer verschwunden ist.
Blutdruck und Cholesterin gehören genauso zur Behandlung wie der Blutzucker
Typ-2-Diabetes ist nicht nur eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels. Für Ihre langfristige Gesundheit spielt das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko eine wichtige Rolle.
Wenn gleichzeitig Bluthochdruck und erhöhte LDL-Cholesterinwerte vorhanden sind, können diese Faktoren gemeinsam das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen erhöhen.
Deshalb kann es für Ihre Gesundheit genauso wichtig sein, Blutdruck und Blutfette gut behandeln zu lassen wie den HbA1c.
Moderne Diabetesbehandlung schaut nicht nur auf den Zuckerwert.
Sie schaut auf Herz, Gefäße, Nieren und Stoffwechsel gemeinsam.
Nieren, Augen und Füße sollten regelmäßig kontrolliert werden
Dauerhaft erhöhte Glukosewerte können über längere Zeit verschiedene Organe belasten. Besonders wichtig sind deshalb regelmäßige Kontrollen von Nieren, Augen und Füßen.
Frühe Veränderungen der Nieren verursachen häufig keine Beschwerden. Deshalb werden Blutwerte kontrolliert und der Urin darauf untersucht, ob vermehrt Eiweiß beziehungsweise Albumin ausgeschieden wird. Wird eine beginnende Nierenschädigung rechtzeitig erkannt, können Blutdruck und Medikamente gezielt angepasst werden.
Auch die feinen Blutgefäße der Netzhaut können durch Diabetes verändert werden, ohne dass Sie anfangs schlechter sehen. Deshalb sind augenärztliche Kontrollen sinnvoll, deren Abstand sich nach Ihrem persönlichen Befund richtet.
Die Füße verdienen ebenfalls Aufmerksamkeit, weil Diabetes langfristig Nerven und Durchblutung beeinträchtigen kann. Dadurch werden kleine Verletzungen oder Druckstellen manchmal weniger deutlich gespürt und können gleichzeitig schlechter heilen.
Wenn bereits eine Nervenschädigung besteht, sollten Sie Ihre Füße regelmäßig auf Rötungen, Blasen, Druckstellen, Risse und kleine Wunden überprüfen. Wenn Sie die Fußsohlen schlecht sehen können, hilft ein Spiegel.
Auffällige oder schlecht heilende Wunden sollten frühzeitig medizinisch beurteilt werden.
Rauchen und Diabetes sind eine besonders ungünstige Kombination
Rauchen belastet die Blutgefäße, und Typ-2-Diabetes kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls erhöhen. Beides zusammen ist deshalb besonders ungünstig.
Wenn Sie rauchen, gehört ein Rauchstopp zu den wirkungsvollsten Veränderungen für Ihre langfristige Gesundheit.
Dabei sollten Sie sich Unterstützung holen, wenn Sie sie brauchen. Nikotin macht abhängig und viele Menschen benötigen mehrere Versuche oder professionelle Hilfe, bevor der Rauchstopp dauerhaft gelingt.
Es geht nicht um fehlende Willenskraft.
Es geht um eine Abhängigkeit, für deren Behandlung verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen.
Eine Diabetes-Schulung kann Ihnen viel Unsicherheit nehmen
Nach der Diagnose entstehen häufig mehr Fragen, als in einem normalen Arzttermin beantwortet werden können. Was sollten Sie essen? Müssen Sie selbst messen? Was bedeutet der HbA1c? Wofür sind die Medikamente gedacht? Wie oft müssen Augen, Füße und Nieren untersucht werden?
Eine strukturierte Diabetes-Schulung kann Ihnen helfen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und die Erkrankung selbstständig in Ihren Alltag einzubauen.
Sie sollen dort nicht zu einer medizinischen Fachkraft ausgebildet werden. Viel wichtiger ist, dass Sie verstehen, welche Dinge für Ihre Behandlung entscheidend sind und was Sie selbst beeinflussen können.
Wenn Ihnen eine Schulung angeboten wird, lohnt es sich deshalb, diese Möglichkeit zu nutzen.
Das DMP Typ-2-Diabetes kann Ihre langfristige Betreuung strukturieren
Viele gesetzlich versicherte Menschen mit Typ-2-Diabetes können an einem sogenannten Disease-Management-Programm, kurz DMP, teilnehmen.
Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Behandlungsprogramm für chronische Erkrankungen. Regelmäßige Kontrollen, Schulungen und die Überprüfung wichtiger Werte und Risikofaktoren sollen dazu beitragen, die Behandlung langfristig gut zu organisieren.
Wenn Sie nicht wissen, ob Sie bereits an einem DMP teilnehmen oder dafür infrage kommen, können Sie Ihre Hausarztpraxis, Diabetespraxis oder Krankenkasse darauf ansprechen.
Sehr hohe Glukosewerte können auch bei Typ-2-Diabetes zum Notfall werden
Typ-2-Diabetes verläuft meistens langsam, trotzdem können extrem hohe Glukosewerte eine akute Stoffwechselentgleisung verursachen.
Besonders gefährlich kann eine Situation werden, in der der Körper aufgrund der hohen Werte große Mengen Flüssigkeit verliert. Die betroffene Person bekommt starken Durst, muss häufig Wasser lassen und wird zunehmend schwächer.
Besonders bei älteren Menschen kann sich daraus ein hyperglykämisches hyperosmolares Syndrom, kurz HHS, entwickeln. Dabei können die Glukosewerte extrem hoch sein und der Körper stark austrocknen.
Wenn zunehmende Verwirrtheit, ausgeprägte Schwäche, Kreislaufprobleme, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auftreten, handelt es sich nicht mehr um einen normalen hohen Diabeteswert.
Bei einem deutlich bedrohlichen Zustand sollte der Rettungsdienst über 112 verständigt werden.
Sie müssen Ihren Diabetes nicht jeden Tag perfekt behandeln
Gerade nach der Diagnose beginnen manche Menschen, jeden Bissen zu analysieren, jeden Laborwert als persönliche Bewertung zu betrachten und jede Abweichung vom neuen Gesundheitsplan als Fehler zu empfinden.
Das hält auf Dauer kaum jemand durch.
Eine chronische Erkrankung braucht eine Behandlung, die in das wirkliche Leben passt.
Wenn Sie auf einer Geburtstagsfeier Kuchen essen, ist Ihre Therapie nicht gescheitert. Wenn Sie wegen eines Infektes eine Woche nicht spazieren gehen können, verlieren Sie nicht sämtliche gesundheitlichen Fortschritte. Und wenn Ihr HbA1c trotz Ihrer Bemühungen höher bleibt als gewünscht, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie zu wenig Disziplin haben.
Dann lohnt sich vielmehr die Frage, warum das vereinbarte Ziel nicht erreicht wurde.
Vielleicht passt ein Medikament nicht mehr ausreichend.
Vielleicht verhindern Gelenkbeschwerden regelmäßige Bewegung.
Vielleicht schlafen Sie aufgrund einer Schlafapnoe schlecht.
Vielleicht ist ein Ernährungsplan so kompliziert, dass er im normalen Familienalltag überhaupt nicht funktioniert.
Eine gute Behandlung sollte solche Hindernisse berücksichtigen, statt einfach immer neue Regeln hinzuzufügen.
Was Sie selbst verändern können, ohne Ihr gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen
Wenn Sie nach der Diagnose etwas verändern möchten, suchen Sie sich zunächst ein oder zwei Bereiche aus, die realistisch erscheinen.
Wenn Sie täglich zuckerhaltige Getränke trinken, kann ein Wechsel zu Wasser oder ungesüßtem Tee bereits ein sinnvoller Schritt sein. Wenn Sie beruflich viel sitzen, kann ein Spaziergang nach dem Abendessen eine gute neue Gewohnheit werden. Wenn Gemüse bisher selten auf dem Teller liegt, können Sie zunächst eine Mahlzeit am Tag gemüsereicher gestalten.
Wenn Sie deutlich übergewichtig sind und bereits viele erfolglose Diäten hinter sich haben, holen Sie sich professionelle Unterstützung, anstatt die nächste radikale Diät auszuprobieren.
Und wenn Medikamente notwendig werden, betrachten Sie sie nicht als Zeichen dafür, dass Ihre eigenen Bemühungen nichts gebracht hätten.
Diabetesbehandlung funktioniert am besten, wenn Lebensstil und Medikamente sich ergänzen.
Merkkasten
Sie müssen nach der Diagnose nicht innerhalb einer Woche Ihr gesamtes Leben verändern. Typ-2-Diabetes ist eine langfristige Erkrankung, deshalb dürfen auch Ihre Veränderungen Schritt für Schritt entstehen.
Fazit: Typ-2-Diabetes ist ernst, aber Sie können sehr viel beeinflussen
Typ-2-Diabetes entwickelt sich normalerweise über einen langen Zeitraum. Die Körperzellen reagieren zunehmend schlechter auf Insulin, während die Bauchspeicheldrüse zunächst versucht, diesen Nachteil durch eine höhere Insulinproduktion auszugleichen. Irgendwann reicht dieser Ausgleich nicht mehr aus und die Glukosewerte steigen zunehmend an.
Dass diese Entwicklung so lange unbemerkt bleiben kann, macht die Erkrankung tückisch. Gleichzeitig bedeutet eine frühe Diagnose, dass Sie jetzt die Möglichkeit haben, gezielt gegenzusteuern.
Dabei brauchen Sie keinen perfekten Gesundheitsplan.
Sie müssen nicht sämtliche Kohlenhydrate aus Ihrer Ernährung streichen, nicht jeden Tag Sport treiben und auch nicht innerhalb weniger Wochen ein bestimmtes Gewicht erreichen.
Viel sinnvoller ist ein Weg, der dauerhaft zu Ihrem Leben passt. Regelmäßige Bewegung, eine abwechslungsreiche Ernährung, eine nachhaltige Gewichtsabnahme bei vorhandenem Übergewicht, der Verzicht auf Rauchen sowie eine gute Behandlung von Blutdruck, Blutfetten und Glukose können gemeinsam sehr viel bewirken.
Wenn zusätzlich Medikamente notwendig sind, ergänzen sie diese Maßnahmen. Einige moderne Diabetesmedikamente werden heute außerdem bewusst danach ausgewählt, ob sie neben dem Zuckerstoffwechsel auch Herz oder Nieren schützen können.
Wenn irgendwann Insulin benötigt wird, ist auch das keine Niederlage. Es bedeutet lediglich, dass Ihre Bauchspeicheldrüse Unterstützung benötigt.
Vielleicht können sich Ihre Werte sogar so deutlich verbessern, dass eine Remission erreicht wird. Vielleicht brauchen Sie langfristig Medikamente. Beides sagt nichts darüber aus, ob Sie Ihren Diabetes „gut“ oder „schlecht“ behandeln.
Entscheidend ist vielmehr, dass die Behandlung zu Ihrem Körper, Ihren Begleiterkrankungen und Ihrem Alltag passt.
Typ-2-Diabetes lässt sich nicht auf eine einzelne Zahl, ein bestimmtes Lebensmittel oder Ihr Körpergewicht reduzieren. Eine gute Behandlung bedeutet, Ihren gesamten Stoffwechsel, Ihr Herz, Ihre Nieren, Ihre Gefäße und Ihr persönliches Leben gemeinsam im Blick zu behalten und einen Weg zu finden, den Sie nicht nur einige Wochen, sondern dauerhaft gehen können.
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes
Aktuelle deutsche Empfehlungen zu Diagnostik, individuellen Therapiezielen, Behandlung und Verlaufskontrolle.
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Aktuelle Praxisempfehlungen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, Ernährung, Bewegung, medikamentöser Therapie und Folgeerkrankungen.
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)
Aktuelle Informationen zum Disease-Management-Programm Diabetes mellitus Typ 2 und zur strukturierten Versorgung.
Gesundheitsinformation.de / IQWiG
Unabhängige Patienteninformationen zu Typ-2-Diabetes, Prädiabetes, Behandlung und Möglichkeiten der Vorbeugung.
Diabetesinformationsportal diabinfo.de
Informationen zu Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz, Diagnose, Prädiabetes, Behandlung und möglichen Folgeerkrankungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle medizinische Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Persönliche HbA1c-Ziele, Medikamentenauswahl, Gewichtsziele und Kontrollintervalle sollten gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin beziehungsweise Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrem Diabetes-Team festgelegt werden.
Verordnete Diabetesmedikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden.
Bei extrem hohen Glukosewerten mit starker Schwäche, ausgeprägtem Flüssigkeitsverlust, zunehmender Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen sollte rasch medizinische Hilfe gesucht werden. Bei einem akut bedrohlichen Zustand rufen Sie 112.
Bildquelle
Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert
Stand
August 2026

