Ein Piercing kann ein kleines Schmuckstück sein, das kaum jemand bemerkt, oder ein sichtbarer Teil deiner Persönlichkeit, der sofort ins Auge fällt. Vielleicht möchtest du schon lange einen Helix-Ring, vielleicht gefällt dir ein Nasenpiercing oder du interessierst dich für Brustwarzen- beziehungsweise Intimschmuck. Ganz gleich, welche Stelle du auswählst: Ein Piercing ist nicht einfach nur Schmuck, denn dafür wird ein Kanal durch Haut, Knorpel oder Schleimhaut gestochen, der anschließend in Ruhe heilen muss. Bei sauberer Durchführung, geeignetem Erstschmuck und geduldiger Pflege verläuft das meistens ohne größere Probleme. Die wichtigsten Entscheidungen triffst du allerdings schon vor dem Termin, denn Studio, Körperstelle, Anatomie, Schmuckmaterial und Hygiene haben einen großen Einfluss darauf, ob du lange Freude an deinem Piercing hast.
Eine im wörtlichen Sinne vollständige Liste aller denkbaren Piercingstellen kann es kaum geben, weil Surface Piercings und Dermal Anchors an zahlreichen geeigneten Hautflächen platziert und bekannte Piercings immer wieder neu kombiniert werden können. Die folgende Übersicht erfasst deshalb die etablierten klassischen, modernen und seltenen Varianten sowie problematische Angebote, die du kennen solltest. Bezeichnungen können sich zwischen den Studios etwas unterscheiden.
Bevor du dich für eine Stelle entscheidest
Ein Bild im Internet kann dir zeigen, wie ein Piercing aussehen könnte, aber nicht, ob deine Anatomie dafür geeignet ist. Ein Bauchnabel braucht beispielsweise eine ausreichend ausgeprägte Hautfalte, ein Industrial benötigt zwei passend zueinander liegende Knorpelstellen und auch für viele Intimpiercings muss genügend geeignetes Gewebe vorhanden sein. Eine verantwortungsvolle Fachperson schaut sich die gewünschte Stelle deshalb vorher genau an und lehnt ein Piercing ab, wenn der Schmuck unter Spannung stehen, ständig drücken oder sehr wahrscheinlich herauswachsen würde. Das ist keine schlechte Dienstleistung, sondern ein Zeichen dafür, dass dein Körper wichtiger genommen wird als ein schneller Auftrag.
Geh ausgeschlafen zum Termin, iss vorher eine vernünftige Mahlzeit und trink ausreichend Wasser. Alkohol, Drogen und andere berauschende Mittel haben dort nichts verloren, weil du klar entscheiden können musst und dein Kreislauf ohnehin genug zu tun bekommt. Die Haut sollte frei von Sonnenbrand, Ausschlägen, offenen Stellen und akuten Entzündungen sein. Wenn du eine Blutgerinnungsstörung, einen schlecht eingestellten Diabetes, eine geschwächte Abwehr, schwere Allergien, eine chronische Hauterkrankung oder eine ausgeprägte Neigung zu wulstigen Narben hast, besprichst du den Wunsch vorher mit deiner behandelnden Praxis. Verschriebene Medikamente setzt du für einen Piercingtermin niemals eigenständig ab.
Woran du ein gutes Piercingstudio erkennst
Ein ordentliches Studio beantwortet deine Fragen zu Hygiene, Material und Ablauf freundlich und verständlich. Der Behandlungsraum sollte sauber und von Essen, Getränken, Tieren und dem normalen Wartebereich getrennt sein. Die piercende Person reinigt oder desinfiziert ihre Hände, trägt frische Einmalhandschuhe und wechselt sie, wenn zwischendurch unreine Gegenstände berührt wurden. Die sterile Einwegnadel wird unmittelbar vor dir aus einer unbeschädigten Verpackung genommen. Wiederverwendbare Instrumente müssen fachgerecht aufbereitet und sterilisiert werden, während benutzte Nadeln anschließend in einem dafür vorgesehenen Behälter entsorgt werden.
Piercingpistolen sind insbesondere für Knorpelstellen keine gute Wahl. Sie drücken einen vergleichsweise stumpfen Stecker mit Kraft durch das Gewebe, lassen sich je nach Bauart nicht vollständig sterilisieren und verwenden häufig sehr kurze Standardstecker. Eine sterile Einwegkanüle ermöglicht dagegen einen kontrollierten Stichkanal und eine bessere Anpassung an die Körperstelle. Auch das Selbststechen mit einer Nähnadel, Sicherheitsnadel oder einem günstigen Set aus dem Internet ist keine vernünftige Sparmaßnahme, denn dabei fehlen sichere Hygiene, anatomische Erfahrung und geeigneter Erstschmuck.
Der passende Schmuck für ein frisches Piercing
Der Erstschmuck muss zur Körperstelle passen und genügend Raum für die anfängliche Schwellung lassen. Zu kurzer Schmuck kann einschneiden oder in die Haut einsinken, während ein sehr langer Stab leichter hängen bleibt und den Wundkanal ständig bewegt. Für viele neue Piercings eignet sich hochwertiges, implantatgeeignetes Titan. Je nach Stelle können auch bestimmte geprüfte Stahlsorten, Niob, Platin, geeignetes massives Gold oder ausgewählte Glassorten infrage kommen. Vergoldeter beziehungsweise lediglich beschichteter Schmuck, Silber, raue Oberflächen, unbekannte Metallmischungen und billiger Modeschmuck gehören nicht in eine frische Wunde. Die Bezeichnung „chirurgischer Stahl“ allein reicht ebenfalls nicht aus, wenn niemand sagen kann, um welche genaue Qualität es sich handelt.
Nach dem ersten Abschwellen kann es notwendig sein, einen längeren Stab professionell zu kürzen. Diesen sogenannten Downsizing-Termin solltest du nicht mit einem beliebigen Schmuckwechsel verwechseln. Dabei wird die Länge angepasst, damit der Schmuck weniger hängen bleibt und Zähne, Zahnfleisch oder umliegendes Gewebe nicht dauerhaft belastet. Ob und wann das nötig ist, hängt von der Körperstelle und deinem Heilungsverlauf ab.
Welche Piercings gibt es am Ohr?
Am Ohr lässt sich Schmuck sehr unterschiedlich anordnen, doch nicht jeder Knorpel besitzt die gleiche Form oder Dicke. Ein Piercing kann deshalb auf einem Foto wunderbar aussehen und an deinem Ohr trotzdem nicht sinnvoll möglich sein. Besonders bei Industrial, Snug, Rook und mehrfachen Knorpelpiercings muss vorher geprüft werden, ob Winkel, Falten und Abstände wirklich passen.
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| Lobe | Klassisches Piercing durch das weiche Ohrläppchen | etwa 6 bis 8 Wochen oder länger |
| Upper Lobe | Sitzt höher im Ohrläppchen und eignet sich für mehrere Schmuckstücke | etwa 6 bis 12 Wochen |
| Transverse Lobe | Verläuft waagerecht durch ausreichend dickes Ohrläppchengewebe | etwa 2 bis 6 Monate |
| Helix | Äußerer oberer Knorpelrand; einzeln, doppelt oder mehrfach möglich | etwa 6 bis 12 Monate |
| Low Helix | Tiefer sitzende Variante am äußeren Knorpelrand | etwa 6 bis 12 Monate |
| Forward Helix | Vorderer Knorpelansatz nahe am Kopf; auch doppelt oder dreifach möglich | etwa 6 bis 12 Monate |
| Hidden Helix | Oberer Knorpel, bei dem der Schmuck unter der Ohrkante hervorschaut | etwa 6 bis 12 Monate |
| Flat oder Scapha | Flache Knorpelfläche im oberen Ohrbereich | etwa 6 bis 12 Monate |
| Conch | Innere oder äußere große Ohrmuschel; Inner oder Outer Conch | etwa 6 bis 12 Monate |
| Tragus | Kleiner Knorpel unmittelbar vor dem Gehörgang | etwa 6 bis 12 Monate |
| Anti-Tragus | Knorpel gegenüber dem Tragus oberhalb des Ohrläppchens | etwa 6 bis 12 Monate |
| Daith | Innere Knorpelfalte oberhalb des Gehörgangs | etwa 6 bis 12 Monate |
| Rook | Dickere innere Knorpelfalte im oberen Ohr | etwa 6 bis 12 Monate |
| Faux Rook | Optisch ähnliche Variante auf einer flacheren Knorpelstelle | etwa 6 bis 12 Monate |
| Snug oder Anti-Helix | Verläuft durch die innere Knorpelkante und steht häufig unter Druck | etwa 6 bis 12 Monate oder länger |
| Industrial oder Scaffold | Zwei Knorpelkanäle werden durch einen langen Stab verbunden | häufig 9 bis 12 Monate oder länger |
| Orbital | Zwei Einstichstellen werden mit einem gemeinsamen Ring verbunden | etwa 6 bis 12 Monate |
| Ear Constellation | Geplante Zusammenstellung mehrerer Ohrpiercings | abhängig von den gewählten Stellen |
Ohrknorpel heilt erheblich langsamer als das gut durchblutete Ohrläppchen. Haare, Kopfhörer, Telefone, Mützen, Brillenbügel und Schlafdruck können die Stelle immer wieder reizen. Ein Reisekissen mit einer Öffnung kann nachts helfen, damit dein frisches Ohr frei liegt.
Piercings an Nase und Gesicht
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| Nostril | Klassisches Piercing durch einen Nasenflügel | etwa 3 bis 6 Monate |
| Double Nostril | Zwei Piercings an einem oder verteilt auf beide Nasenflügel | etwa 3 bis 6 Monate |
| High Nostril | Höher liegender Stichkanal im Nasenflügel | etwa 6 bis 12 Monate |
| Mantis oder Forward Nostril | Zwei nach vorn gerichtete Piercings an der Nasenspitze | etwa 6 bis 12 Monate |
| Septum | Verläuft durch geeignetes weiches Gewebe unterhalb des festen Nasenknorpels | etwa 2 bis 3 Monate |
| Septril | Seltener Schmuckausgang an der unteren Nasenspitze, meistens nach Septumdehnung | mehrere Monate |
| Bridge oder Erl | Waagerechtes Oberflächenpiercing über dem Nasenrücken zwischen den Augen | etwa 3 bis 6 Monate |
| Rhino | Senkrechter Verlauf durch die Nasenspitze | etwa 6 bis 12 Monate |
| Austin Bar | Waagerechter Verlauf durch die Nasenspitze, ohne in die Nasenhöhle einzutreten | etwa 3 bis 6 Monate |
| Nasallang | Durchquert beide Nasenflügel und den Bereich der Nasenscheidewand | häufig 6 bis 12 Monate oder länger |
| Augenbraue | Meist senkrecht am äußeren Bereich der Augenbraue | etwa 2 bis 4 Monate |
| Horizontale Augenbraue | Oberflächenpiercing oberhalb oder unterhalb der Braue | etwa 3 bis 6 Monate |
| Anti-Eyebrow oder Teardrop | Oberflächenpiercing unterhalb des äußeren Auges | etwa 3 bis 6 Monate |
| Third Eye | Surface Piercing oder Dermal Anchor auf der Stirn | mehrere Monate |
| Cheek oder Dimple | Durchquert die Wange im Bereich eines Grübchens | häufig 6 bis 12 Monate |
| Kinnpiercing | Surface Piercing oder Dermal Anchor im Kinnbereich | mehrere Monate |
Bridge, Anti-Eyebrow und andere oberflächlich verlaufende Piercings besitzen ein höheres Risiko zu wandern oder abgestoßen zu werden. Nasallang, Septril und Rhino sind anspruchsvolle Varianten und gehören nur in Hände, die nachweislich Erfahrung damit haben.
Piercings an Lippen, Mund und Zunge
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| Labret | Mittig unterhalb der Unterlippe; der Schmuck endet im Mund | etwa 2 bis 3 Monate |
| Side Labret | Seitliche Variante unterhalb der Unterlippe | etwa 2 bis 3 Monate |
| Vertical Labret | Verläuft senkrecht durch die Unterlippe, ohne im Mund zu enden | etwa 2 bis 3 Monate |
| Ashley | Beginnt im Mund und tritt sichtbar in der Mitte der Unterlippe aus | etwa 2 bis 4 Monate |
| Medusa oder Philtrum | Mittig oberhalb der Oberlippe im Philtrum | etwa 2 bis 3 Monate |
| Jestrum | Senkrechte Variante durch Philtrum und Oberlippe | etwa 2 bis 4 Monate |
| Monroe | Seitlich oberhalb der Oberlippe | etwa 2 bis 3 Monate |
| Madonna | Entsprechende Variante auf der anderen Oberlippenseite | etwa 2 bis 3 Monate |
| Dahlia | Piercing am Mundwinkel; häufig paarweise getragen | etwa 3 bis 6 Monate |
| Cheek oder Dimple | Verläuft durch die Wange und endet im Mund | häufig 6 bis 12 Monate |
| Zunge | Meist senkrecht durch die Zungenmitte | etwa 4 bis 8 Wochen |
| Venom | Zwei einzelne senkrechte Zungenpiercings nebeneinander | etwa 1 bis 3 Monate |
| Zungenbändchen | Durch das dünne Bändchen unterhalb der Zunge | etwa 4 bis 8 Wochen |
| Smiley | Durch das Bändchen zwischen Oberlippe und Zahnfleisch | etwa 4 bis 8 Wochen |
| Frowny | Durch das Bändchen hinter der Unterlippe | etwa 4 bis 8 Wochen |
| Uvula | Sehr seltenes Piercing am Gaumenzäpfchen mit besonderen Risiken | stark unterschiedlich |
| Snake Eyes | Waagerecht durch die Zungenspitze | wegen möglicher Schäden häufig abgelehnt |
| Scoop | Waagerecht beziehungsweise oberflächlich durch die Zunge | gesundheitlich problematisch |
Snake Bites, Spider Bites, Shark Bites, Dolphin Bites, Angel Bites, Cyber Bites, Canine Bites, Dahlia Bites, Vertical Snake Bites und Angel Fangs sind keine zusätzlichen Körperstellen, sondern verschiedene Kombinationen aus Lippenpiercings. Schmuck, der im Mund endet, kann Zähne beschädigen und Zahnfleisch zurückdrängen. Sorgfältige Mundhygiene, ein rechtzeitiges professionelles Kürzen des Erstschmucks und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind deshalb besonders wichtig. Eine starke Zungenschwellung, Atemnot oder deutliche Schluckprobleme sind ein medizinischer Notfall.
Piercings an Brust, Bauch, Rücken und anderen Körperstellen
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| Brustwarze horizontal | Waagerechter Verlauf durch geeignetes Brustwarzengewebe | etwa 6 bis 12 Monate oder länger |
| Brustwarze vertikal | Senkrechter Verlauf durch die Brustwarze | etwa 6 bis 12 Monate oder länger |
| Brustwarze diagonal | Schräger Verlauf durch die Brustwarze | etwa 6 bis 12 Monate oder länger |
| Doppelte oder gekreuzte Brustwarze | Zwei Kanäle; nur bei ausreichender Anatomie | häufig länger als 12 Monate |
| Bauchnabel | Meist durch die obere geeignete Hautfalte | etwa 6 bis 12 Monate oder länger |
| Inverse Navel | Durch die untere Bauchnabelfalte | etwa 6 bis 12 Monate |
| Floating Navel | Angepasste Variante mit flacherem Schmuckende | etwa 6 bis 12 Monate |
| Seitlicher oder mehrfacher Navel | Ein oder mehrere Kanäle an geeigneten seitlichen Falten | etwa 6 bis 12 Monate |
| Sternum oder Cleavage | Surface Piercing oder Dermal Anchor zwischen beziehungsweise oberhalb der Brüste | mehrere Monate |
| Madison | Oberflächenpiercing am vorderen unteren Halsansatz | mehrere Monate |
| Nape | Oberflächenpiercing im Nacken | mehrere Monate |
| Clavicle | Oberflächenpiercing im Bereich des Schlüsselbeins | mehrere Monate |
| Hip | Oberflächenpiercing oder Dermal Anchor an der Hüfte | mehrere Monate |
| Lower Back | Oberflächenpiercing beziehungsweise Hautanker am unteren Rücken | mehrere Monate |
| Hand, Finger oder Handgelenk | Meist Dermal Anchor oder Surface Piercing an stark belasteten Stellen | hohe Gefahr des Hängenbleibens |
| Korsettpiercing | Mehrere paarige Surface Piercings, durch die Bänder gezogen werden | meist nur vorübergehend geeignet |
Brustwarzengewebe, Bauchnabelfalten und alle Oberflächenstellen müssen vor dem Stechen genau geprüft werden. Ein Bauchnabel, der beim Sitzen stark zusammenklappt, kann beispielsweise besser mit einer Floating-Navel-Variante zurechtkommen. Bei Händen, Fingern, Gürtelbereich und Rücken entsteht häufig so viel Bewegung oder Druck, dass eine dauerhafte Heilung schwierig wird.
Surface Piercings, Dermal Anchors und gedehnte Piercings
Ein Surface Piercing verläuft mit einem dafür geformten Stab flach unter der Haut und besitzt zwei sichtbare Enden. Ein Dermal Anchor beziehungsweise Microdermal hat dagegen eine kleine Basis unter der Haut, während nur ein Aufsatz sichtbar bleibt. Skin Diver funktionieren ähnlich, sind jedoch häufig einteilig. Solche Schmuckstücke können an Stirn, Schläfe, Wange, Brustbein, Nacken, Rücken, Hüfte und anderen ausreichend flachen Bereichen platziert werden. Theoretisch ist vieles möglich, praktisch scheitern stark beanspruchte Stellen oft an Kleidung, Bewegung oder ständigem Hängenbleiben.
Auch das Dehnen eines vollständig abgeheilten Piercings ist eine eigene Form der Körpergestaltung. Am häufigsten wird das Ohrläppchen gedehnt, möglich sind je nach Anatomie aber auch Septum, Conch oder bestimmte Intimpiercings. Eine Dehnung darf nicht erzwungen werden und sollte in kleinen Schritten mit langen Ruhezeiten erfolgen. Schmerzen, Einrisse, Blutungen und herausgedrücktes Gewebe sind keine normalen Zeichen einer gelungenen Dehnung.
Intimpiercings an Vulva und Klitorisbereich
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| VCH | Senkrecht durch die Klitorisvorhaut, nicht durch die Klitoris selbst | häufig 4 bis 8 Wochen |
| HCH | Waagerecht durch eine ausreichend ausgeprägte Klitorisvorhaut | etwa 6 bis 12 Wochen |
| Princess Diana | Seitliche Form des VCH, häufig paarweise getragen | etwa 4 bis 12 Wochen |
| Triangle | Verläuft hinter beziehungsweise unter dem Klitorisschaft durch geeignetes Gewebe | etwa 3 bis 6 Monate |
| Christina | Oberflächenpiercing am oberen Zusammentreffen der äußeren Vulvalippen | häufig 6 bis 12 Monate |
| Nefertiti | Längerer Verlauf, der Bereiche von Christina und VCH verbindet | häufig 6 bis 12 Monate |
| Innere Vulvalippen | Durch eine oder beide inneren Vulvalippen | häufig 4 bis 8 Wochen |
| Äußere Vulvalippen | Durch eine oder beide äußeren Vulvalippen | etwa 2 bis 6 Monate |
| Fourchette | An der unteren hinteren Verbindung der Vulvalippen | etwa 2 bis 4 Monate |
| Klitoris | Verläuft tatsächlich durch die Klitoris und ist nur selten möglich | stark unterschiedlich |
| Princess Albertina | Sehr seltene Variante im Bereich der Harnröhre | nur in hoch spezialisierten Händen |
| Isabella | Sehr tiefer Verlauf am Klitorisschaft | wegen möglicher Nerven- und Gefäßverletzungen nicht zu empfehlen |
Intimpiercings an Penis, Hodensack und Damm
| Piercing | Stelle und Besonderheit | Grobe Heilungszeit |
| Prince Albert | Von der Unterseite der Eichel in die Harnröhre | häufig 4 bis 8 Wochen |
| Reverse Prince Albert | Von der Harnröhre durch die Oberseite der Eichel | etwa 3 bis 6 Monate |
| Ampallang | Waagerecht durch die Eichel | häufig 6 bis 12 Monate |
| Apadravya | Senkrecht durch die Eichel | häufig 6 bis 12 Monate |
| Magic Cross | Kombination aus Ampallang und Apadravya | häufig länger als 12 Monate |
| Dydoe | Durch den Rand der Eichel; benötigt ausreichend geeignetes Gewebe | etwa 3 bis 6 Monate |
| King’s Crown | Mehrere kranzförmig angeordnete Dydoe-Piercings | mehrere Monate |
| Frenum | Durch geeignetes Gewebe an der Unterseite des Penisschaftes | etwa 2 bis 4 Monate |
| Frenum Ladder | Mehrere Frenum-Piercings in einer Reihe | jedes Piercing heilt einzeln |
| Lorum | Am Übergang zwischen Penisschaft und Hodensack | etwa 3 bis 6 Monate |
| Hafada | Durch die Haut des Hodensacks, ohne den Hoden zu berühren | etwa 3 bis 6 Monate |
| Scrotal Ladder | Mehrere Hafada-Piercings in einer Reihe | mehrere Monate |
| Vorhaut | Durch geeignetes Vorhautgewebe | etwa 2 bis 3 Monate |
| Pubic | Oberflächenpiercing im Schambereich über dem Penisansatz | etwa 3 bis 6 Monate |
| Guiche | Durch die Haut des Damms zwischen Genitalbereich und After | etwa 3 bis 6 Monate |
Intimpiercings gehören ausschließlich in ein Studio, das nachweislich Erfahrung mit der gewünschten Variante besitzt. Die Anatomieprüfung muss respektvoll erfolgen, jeder Schritt muss erklärt werden und du darfst deine Zustimmung jederzeit zurückziehen. Fotos sind nur mit deiner ausdrücklichen Einwilligung erlaubt. Während der Heilung sollten Reibung und Kontakt mit Körperflüssigkeiten möglichst vermieden werden; je nach Stelle können Kondome, Lecktücher und frisches wasserbasiertes Gleitmittel sinnvoll sein. Ein sogenanntes transskrotales Piercing ist keine normale Piercingtechnik, sondern eine extreme Körpermodifikation mit erheblichen Risiken. Starke Blutungen, zunehmende Schwellung, Fieber, Probleme beim Wasserlassen, anhaltende Taubheit oder ausgeprägte Schmerzen gehören medizinisch abgeklärt.
So pflegst du dein neues Piercing
Wasche deine Hände gründlich, bevor du ein frisches Piercing berührst, und lass es ansonsten möglichst in Ruhe. Für viele äußere Piercings eignet sich sterile Kochsalz-Wundspüllösung mit 0,9 Prozent Natriumchlorid ohne Duft-, Pflege- oder antibakterielle Zusätze. Lass feste Ablagerungen erst weich werden und entferne nur bereits gelöste Reste vorsichtig mit sauberer Einmalgaze. Anschließend wird die Umgebung behutsam getrocknet. Drehen, Schieben oder Kreisen des Schmucks ist nicht erforderlich und kann den jungen Wundkanal immer wieder aufreißen.
Alkohol, Wasserstoffperoxid, Jod, aggressive Seifen, dicke Salben und reizende Ohrlochlösungen können die Haut stören. Auch übermäßiges Reinigen ist keine besondere Fürsorge, denn dadurch kann die Stelle austrocknen und dauerhaft gereizt werden. Selbst gemischtes Salzwasser ist kein gleichwertiger Ersatz für sterile Wundspüllösung: Die Konzentration stimmt leicht nicht und über Gefäß, Wasser, Löffel oder Hände können Keime hineingelangen. Teebaumöl, Kamille, Zahnpasta, Aspirinpaste, Essig und andere Hausmittel gehören ebenfalls nicht an den frischen Wundkanal.
Während der Heilung solltest du Schwimmbad, Whirlpool, Badesee, Sauna und langes Einweichen vermeiden. Schütze die Stelle vor Kosmetik, Haarspray, Reibung und schmutzigen Händen. Bettwäsche, Handtücher und Kleidung sollten sauber sein, Haustiere dürfen nicht an der Wunde lecken und dein Erstschmuck bleibt an seinem Platz, sofern eine Fachperson oder ärztliche Praxis nichts anderes empfiehlt.
Schwangerschaft, Stillzeit, Operationen und Blutspende
Eine Schwangerschaft ist kein günstiger Zeitpunkt für ein neues Piercing. Der Körper verändert sich, eine zusätzliche Wunde kann sich entzünden und manche Körperstellen stehen zunehmend unter Spannung. Besonders neue Bauchnabel- und Brustwarzenpiercings können dadurch Schwierigkeiten bekommen. Bereits vollständig verheilter Schmuck ist anders zu beurteilen. Wenn er drückt, einzuwachsen beginnt oder für Geburt, Stillen, Untersuchung beziehungsweise Operation entfernt werden soll, besprichst du das frühzeitig mit Hebamme, Praxis, Klinik und einem qualifizierten Studio. Beim Stillen muss Schmuck an der Brustwarze vor dem Anlegen entfernt werden, weil er das Trinken behindern, den Mund des Kindes verletzen oder verschluckt werden könnte.
Vor Operationen und bestimmten Untersuchungen kann das medizinische Team verlangen, dass Schmuck entfernt wird. Tausche ihn nicht eigenständig gegen irgendeinen Kunststoffstab aus, sondern frage, ob und welche Alternative erlaubt ist. Bei einer MRT informierst du das Team über sämtlichen Körperschmuck, auch wenn er laut Hersteller nicht magnetisch sein soll.
Ein Piercing schließt dich nicht dauerhaft von der Blutspende aus. Nach einem frischen Piercing, neuen Ohrlöchern oder einer anderen Körpermodifikation gilt in Deutschland jedoch normalerweise eine Wartezeit. Der DRK-Blutspendedienst nennt aktuell vier Monate, weil eine mögliche Infektion sicher ausgeschlossen werden soll. Da zusätzlich deine persönliche Gesundheit und die jeweils aktuellen Vorgaben zählen, erkundigst du dich vor der Spende beim zuständigen Blutspendedienst.
Was normal sein kann und welche Zeichen nicht warten sollten
Ein frisches Piercing darf zunächst druckempfindlich, leicht geschwollen oder etwas bläulich sein und kurzzeitig ein wenig bluten. Später kann eine helle, weißlich-gelbe und geruchsarme Flüssigkeit austreten, die am Schmuck zu einer Kruste trocknet. Das ist nicht automatisch Eiter. Entscheidend ist, dass die Beschwerden insgesamt allmählich abnehmen.
Medizinische Hilfe ist wichtig, wenn Schmerzen, Wärme, Schwellung oder Rötung deutlich zunehmen, sich die Rötung ausbreitet, rote Streifen entstehen oder unangenehm riechender gelber beziehungsweise grüner Eiter austritt. Auch Fieber, Schüttelfrost, geschwollene Lymphknoten und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl sind Warnzeichen. Infektionen im Ohrknorpel sollten besonders schnell beurteilt werden. Entferne den Schmuck bei Infektionsverdacht nicht eigenständig, weil sich der Kanal außen schließen und Flüssigkeit im Gewebe eingeschlossen werden könnte. Ob der Schmuck bleiben, gewechselt oder entfernt werden muss, entscheidet eine medizinische Fachperson.
Ein kleiner Knubbel ist nicht automatisch eine Infektion. Mögliche Ursachen sind Druck, Reibung, ein ungünstiger Winkel, zu langer Schmuck, eine Materialreaktion oder verdicktes Narbengewebe. Wird die Haut über einem Piercing immer dünner oder ist zunehmend mehr vom Stab sichtbar, kann das Schmuckstück wandern beziehungsweise abgestoßen werden. Behandle solche Veränderungen nicht mit Säure, Öl oder starkem Druck, sondern lass Schmuck, Position und Haut fachgerecht beurteilen.
Fazit: Ein gutes Piercing braucht mehr Geduld als Mut
Für einen kurzen Stich musst du vielleicht ein paar Sekunden mutig sein, für eine gute Heilung dagegen mehrere Wochen oder Monate geduldig. Wähle deine Körperstelle nicht nur nach einem Foto aus, sondern lass prüfen, ob sie zu deiner Anatomie und deinem Alltag passt. Ein sauberes Studio, eine sterile Einwegnadel, hochwertiger Erstschmuck und verständliche Pflegehinweise sind wichtiger als ein besonders günstiger Preis. Danach gilt: Hände waschen, sparsam reinigen, Schmuck in Ruhe lassen und Warnzeichen ernst nehmen. Wenn die Heilung ziemlich unspektakulär verläuft, ist das meistens genau das Ergebnis, das du dir wünschen solltest.
Wissenschaftliche und fachliche Quellen
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Tätowieren und Piercen
- UK Health Security Agency: Tattooing and body piercing
- Association of Professional Piercers: Piercing FAQ
- Association of Professional Piercers: Pflege eines neuen Piercings
- Association of Professional Piercers: Schmuck für neue Piercings
- Association of Professional Piercers: Hinweise zu Piercingpistolen
- American Dental Association: Oral Piercing and Jewelry
- NHS 111 Wales: Infected Piercings
- Michigan Department of Health and Human Services: Piercing Aftercare
- DRK-Blutspendedienst: Blutspende nach Tattoo und Piercing
Hinweis
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Gesundheitsbildung. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche, hautärztliche, zahnärztliche oder professionelle Piercingberatung, Untersuchung und Behandlung. Bei zunehmenden Schmerzen, ausbreitender Rötung, starker Wärme oder Schwellung, übel riechendem Eiter, roten Streifen, anhaltender Blutung, Fieber, Schüttelfrost, geschwollenen Lymphknoten, eingewachsenem Schmuck oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl lassen Sie die Stelle bitte zeitnah medizinisch beurteilen. Atemnot sowie eine starke Schwellung von Zunge, Mund oder Hals sind ein medizinischer Notfall. Entfernen Sie Schmuck bei Infektionsverdacht nicht ohne ärztliche Anweisung und behandeln Sie die Wunde nicht eigenständig mit Antibiotika oder aggressiven Hausmitteln.
Bildquelle
Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert. Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell ausgewählt beziehungsweise bearbeitet.
Wissenschaftlicher Stand
Die Inhalte dieses Beitrags beruhen auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Informationen von Gesundheitsbehörden, zahnmedizinischen Fachorganisationen sowie Einrichtungen für Infektionsschutz und professionelles Piercen. Pflegeempfehlungen können sich je nach Körperstelle, Schmuck, Vorerkrankung und persönlichem Heilungsverlauf unterscheiden. Stand: Juli 2026.
weitere interessante Artikel:
Tattoos, die bleiben dürfen – dein verständlicher Ratgeber von der Motividee bis zur Langzeitpflege
Das Gesundheitssystem fährt gegen die Wand

