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Meine Geschichte
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Meine Geschichte

Wenn mir vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich einmal Ernährungsberaterin werde, hätte ich vermutlich so laut gelacht, dass man mich noch zwei Straßen weiter gehört hätte. Nicht, weil ich Ernährung langweilig fand. Sondern weil ich damals selbst das wandelnde Sammelalbum sämtlicher Diäten war.

FDH? Probiert. Low Carb? Natürlich. Kalorien zählen? Bis zur letzten Mandel. Kohlsuppe? Leider ja. Punkte sammeln? Auch das. Und wenn ich ehrlich bin, blieb es leider nicht bei Diäten. Ich probierte alles aus, was mir damals Hoffnung machte. Diätshakes, Fatburner, Appetitzügler, entwässernde Mittel, Abführmittel und alles, was irgendwo versprach, die Waage endlich nach unten zu bewegen. Rückblickend schüttle ich manchmal selbst den Kopf darüber, wie verzweifelt ich damals war. Nicht, weil ich leichtgläubig war, sondern weil ich mir nichts sehnlicher wünschte, als endlich gesund abzunehmen. Dabei habe ich meinem Körper mehr geschadet als geholfen. Einige gesundheitliche Probleme begleiten mich bis heute und erinnern mich immer wieder daran, dass schnelle Lösungen oft einen hohen Preis haben.

Rückblickend glaube ich, ich habe mehr Zeit damit verbracht, Diäten zu beginnen, als sie tatsächlich durchzuhalten. Mein persönlicher Rekord bestand darin, montags hochmotiviert einzukaufen, dienstags stolz Gemüse zu schneiden und mittwochs festzustellen, dass in der Arztpraxis irgendjemand Geburtstag hatte und Schokokuchen bekanntlich keine Kalorien hat, solange man ihn im Stehen isst. Also… das habe ich mir zumindest eingeredet.

Das Verrückte ist: Ich war nie bequem. Ich war auch nicht undiszipliniert. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich unheimlich angestrengt. Immer wieder. Nur leider kämpfte ich ständig gegen meinen Körper, ohne überhaupt zu wissen, wie er funktioniert. Ich dachte, mit mir stimmt etwas nicht. Dass andere Menschen irgendeinen geheimen Stoffwechsel besitzen mussten, den ich bei der Geburt offensichtlich verpasst hatte. Heute weiß ich, dass das völliger Unsinn war. Die meisten Menschen kämpfen genauso. Nur reden die wenigsten darüber. Über den Kühlschrank, der einen abends plötzlich magisch anzieht. Über die Schokolade, die angeblich „nur für schlechte Tage“ gekauft wurde und erstaunlicherweise jeden Dienstag ein schlechter Tag ist. Oder über den berühmten Satz: „Heute ist es sowieso egal, morgen fange ich wieder an.“ Dieses Morgen hatte übrigens eine bemerkenswerte Eigenschaft. Es kam einfach nie.

Mein Alltag war damals ungefähr so entspannt wie eine Notaufnahme an einem Montagmorgen. Drei Kinder, ein Vollzeitjob in einer Arztpraxis, Haushalt, Termine, Elternabende, Wäsche, Einkäufe und ständig das Gefühl, dass irgendjemand meinen Tag heimlich um sechs Stunden gekürzt hatte. Während andere von Me-Time sprachen, war ich schon glücklich, wenn ich meinen Kaffee trinken konnte, bevor er kalt wurde. Selbstfürsorge? Klang großartig. War aber ungefähr so realistisch wie ein Wellnesstag mit drei Kindern in den Sommerferien. Abends gewann deshalb meistens nicht der Salat. Es gewann das Sofa. Und weil das Sofa bekanntlich nicht gern allein ist, gesellten sich Schokolade, Chips oder irgendetwas dazu, das ganz sicher „nur heute“ sein sollte.

Dabei wollte ich nie aussehen wie ein Fitnessmodel. Ehrlich gesagt hätte es mir völlig gereicht, Treppen zu steigen, ohne oben erst einmal unauffällig so zu tun, als würde ich die Aussicht genießen. Ich wollte mich auf Familienfotos anschauen können, ohne automatisch den Blick auf mein Gesicht zu vermeiden oder mich möglichst geschickt hinter meinem ältesten Sohn zu platzieren. Ich wollte Kleidung kaufen, weil sie mir gefällt und nicht, weil sie möglichst viel kaschiert. Vor allem wollte ich wieder das Gefühl haben, dass mein Körper und ich auf derselben Seite stehen.

Und dann kam dieser Nachmittag, der alles veränderte. Mein jüngster Sohn kam aus der Schule nach Hause. Er war still. Für einen kleinen Jungen, der sonst mehr Wörter pro Minute schaffte als ein Nachrichtensprecher, war das ungewöhnlich. Ich fragte ihn, was passiert sei. Er schaute mich an und sagte ganz leise: „Mama, ich möchte keine dicke Mama.“Andere Kinder hatten ihn wegen meines Gewichts aufgezogen.

Viele denken wahrscheinlich, dass ich in diesem Moment angefangen habe zu weinen.

Habe ich aber nicht.

Ich wurde wütend.

Nicht auf meinen Sohn. Nicht einmal auf die anderen Kinder. Kinder sagen manchmal Dinge, ohne zu wissen, wie tief sie treffen. Ich war wütend auf mich selbst. Nicht, weil ich übergewichtig war. Sondern weil ich seit Jahren darauf wartete, dass sich irgendwann ganz von allein etwas verändert. Dass der perfekte Zeitpunkt kommt. Der perfekte Montag. Der perfekte Plan. Die perfekte Motivation.

Die Wahrheit ist: Dieser perfekte Moment kommt nie.(Danach habe ich geweint wie ein Schlosshund)

Und genau das war mein Wendepunkt.

Ich dachte: Jetzt reicht’s.

Nicht wegen einer Kleidergröße.

Nicht wegen irgendeiner Zahl auf der Waage.

Nicht, damit andere Menschen mich toll finden.

Sondern weil ich für meinen Sohn die Mama sein wollte, die überall mitmacht. Die rennen kann, ohne vorher nach der nächsten Bank Ausschau zu halten. Die auf dem Spielplatz nicht automatisch zur Jackenwächterin wird. Die Achterbahn fährt, schwimmen geht und das Leben nicht ständig auf „später“ verschiebt.

Zum ersten Mal ging es nicht darum, weniger zu essen.

Es ging darum, mehr Leben zurückzugewinnen.

Also hörte ich auf, nach der nächsten Wunderdiät zu suchen, und fing stattdessen an zu lernen. Ich verschlang Bücher über Ernährung, Stoffwechsel und Medizin, las Studien bis spät in die Nacht und machte Ausbildungen. Mit jedem Kapitel verstand ich meinen Körper ein bisschen besser. Und plötzlich ergab so vieles Sinn. Nicht mein Körper hatte gegen mich gearbeitet. Ich hatte jahrelang versucht, ihn mit Verboten, Schuldgefühlen und ständig neuen Diäten zu steuern. Kein Wunder, dass wir keine besonders gute Beziehung hatten.

Heute, über 60 Kilogramm leichter, weiß ich, dass die größte Veränderung niemals auf der Waage stattgefunden hat. Sie fand im Kopf statt. Ich musste aufhören, perfekt sein zu wollen, und anfangen, konsequent kleine Dinge zu verändern. Genau diese Erfahrung prägt meine Arbeit heute. Als Ernährungsberaterin, Primary Care Managerin, Praxisleitung und vor allem als Mama weiß ich, dass Gesundheit nicht im Labor oder in einem Ernährungsplan beginnt. Sie beginnt mitten im Alltag. Zwischen Brotdosen, Wäschebergen, Geburtstagskuchen und völlig chaotischen Wochen. Genau dort muss sie funktionieren. Alles andere ist für mich Theorie.


Und dann begann eigentlich erst die spannende Reise

Falls Sie jetzt glauben, ich wäre am nächsten Morgen aufgewacht, hätte einmal tief durchgeatmet und plötzlich wären über Nacht 60 Kilogramm verschwunden, muss ich Sie leider enttäuschen. Glauben Sie mir, ich hätte gegen diese Variante überhaupt nichts einzuwenden gehabt. Ehrlich gesagt hätte ich wahrscheinlich sogar einen Freudentanz aufgeführt. Mein Körper hatte allerdings andere Pläne und beschloss offenbar, dass wir das Ganze lieber langsam und mit einer ordentlichen Portion Geduld angehen. Rückblickend bin ich ihm dafür sogar dankbar. Damals fand ich das allerdings deutlich weniger lustig.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich eine ganz besondere Begabung entwickelt: Ich war ständig auf der Suche nach Abkürzungen. Irgendwo musste es doch diese eine Lösung geben. Die eine Diät, die endlich dauerhaft funktioniert. Das Lebensmittel, das Fett praktisch im Vorbeigehen schmelzen lässt. Den geheimen Stoffwechseltrick, von dem alle reden, den aber offenbar niemand so richtig erklären kann. Rückblickend muss ich über mich selbst schmunzeln. Wahrscheinlich hätte ich auch Selleriesaft bei Vollmond getrunken, wenn mir jemand überzeugend erklärt hätte, dass dadurch zehn Kilo verschwinden. Das Verrückte ist ja: Wenn man unbedingt etwas verändern möchte, glaubt man erstaunlich viele Dinge. Hauptsache, irgendwo steht das Wort „einfach“ davor.

Irgendwann war ich diese ewige Suche einfach leid. Nicht, weil ich aufgegeben hatte. Ganz im Gegenteil. Ich hatte keine Lust mehr auf halbe Wahrheiten und schnelle Versprechen. Ich wollte endlich verstehen, was in meinem Körper eigentlich passiert. Warum bekomme ich ständig Hunger, obwohl ich doch gerade gegessen habe? Warum ruft mein Gehirn nach einem stressigen Arbeitstag nicht nach Gurkenscheiben, sondern ausgerechnet nach Schokolade? Und warum funktioniert eine Diät am Anfang scheinbar hervorragend, bis der Alltag irgendwann höflich anklopft und fragt, ob man denn jetzt wieder mitmachen darf? Vor allem fragte ich mich, warum jeder Ernährungsexperte etwas anderes erzählt. Der eine verteufelt Kohlenhydrate, der nächste Fette, der dritte Zucker und irgendwann sitzt man völlig verwirrt vor einem Teller Haferflocken und fragt sich ernsthaft, ob man den überhaupt noch essen darf oder ob Hafer neuerdings auch zu den sieben Todsünden gehört.

Je tiefer ich mich mit Ernährung, Stoffwechsel und Medizin beschäftigte, desto häufiger legte ich ein Buch zur Seite oder schloss eine wissenschaftliche Studie und dachte nur: Warum erklärt einem das eigentlich niemand früher? Stattdessen wachsen wir mit dem Gedanken auf, wir müssten uns einfach nur mehr zusammenreißen. Mehr Disziplin. Weniger Willenskraft verschwenden. Bloß nicht schwach werden. Heute weiß ich, dass genau dieser Gedanke so viele Menschen völlig unnötig unter Druck setzt. Unser Körper ist schließlich kein störrischer Esel, der uns absichtlich ärgern möchte. Er versucht jeden einzelnen Tag, uns am Leben zu halten. Wenn wir ihm ständig zu wenig Energie geben, reagiert er nicht beleidigt. Er macht genau das, wofür er gemacht wurde: Er spart. Ehrlich gesagt finde ich das inzwischen ziemlich clever. Damals hätte ich ihn dafür allerdings manchmal gerne auf den Mond geschossen.

Mit jedem Buch, jeder Fortbildung und jeder neuen Erkenntnis änderte sich etwas in mir. Nicht nur mein Wissen wuchs. Zum ersten Mal veränderte sich auch die Beziehung zu meinem eigenen Körper. Ich hörte auf, ihn als Gegner zu betrachten, den ich jeden Morgen aufs Neue besiegen musste. Stattdessen begann ich zu verstehen, warum er tat, was er tat. Und plötzlich musste ich gar nicht mehr ständig kämpfen. Das war wahrscheinlich die größte Überraschung überhaupt. Ich hatte jahrelang geglaubt, gesund leben müsse sich schwer anfühlen. Dass man ständig verzichten, kämpfen und sich zusammenreißen müsse. Dabei wurde vieles plötzlich erstaunlich leicht, sobald ich verstand, warum ich bestimmte Dinge tat.

Natürlich lief trotzdem nicht alles perfekt. Das wäre auch eine ziemlich langweilige Geschichte. Es gab stressige Tage, an denen in der Arztpraxis gefühlt alles gleichzeitig passierte. Drei Telefone klingelten, Patienten warteten, zu Hause brauchten drei Kinder gleichzeitig irgendetwas und natürlich beschloss genau an diesem Tag auch noch die Waschmaschine, ihre Zusammenarbeit einzustellen. Und wissen Sie was? An solchen Tagen gab es manchmal trotzdem Pizza. Oder Schokolade. Manchmal sogar beides. Der Unterschied war nur: Früher hätte ich danach gedacht „Jetzt ist sowieso alles egal.“ Heute wusste ich, dass ein einzelnes Stück Pizza weder über meine Gesundheit entscheidet noch all das zunichtemacht, was ich in den Wochen zuvor erreicht hatte. Gesundheit entsteht nicht an einem einzigen Tag. Sie entsteht durch die vielen kleinen Entscheidungen, die wir über Monate und Jahre treffen. Und genau dieser Gedanke hat unglaublich viel Druck aus meinem Leben genommen.

Mit der Zeit passierte etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ich verlor natürlich Gewicht. Am Ende waren es über 60 Kilogramm. Aber das Beeindruckendste war etwas völlig anderes. Ich dachte plötzlich kaum noch über mein Gewicht nach. Jahrelang hatte sich gefühlt jeder Tag darum gedreht. Wie sehe ich aus? Was esse ich? Was darf ich nicht essen? Passt die Hose noch? Kann ich dieses Foto anschauen oder lösche ich es lieber sofort wieder? Irgendwann verstummte dieser ständige innere Kommentator einfach. Statt darüber nachzudenken, was mein Körper alles nicht konnte, bemerkte ich plötzlich, was er wieder konnte. Ich lief Treppen hoch, ohne vorher nach einem Geländer Ausschau zu halten. Ich spielte mit meinen Kindern, ohne nach fünf Minuten auf die nächste Bank zu schielen. Ich kaufte Kleidung, weil sie mir gefiel, und nicht, weil sie möglichst geschickt etwas verstecken sollte. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte ich mich nicht leichter, weil die Waage weniger anzeigte. Ich fühlte mich leichter, weil ich aufgehört hatte, jeden einzelnen Tag gegen mich selbst zu kämpfen.

Genau in dieser Zeit wurde mir klar, dass ich dieses Wissen weitergeben möchte. Nicht noch eine Diät. Davon gibt es wirklich mehr als genug. Ich möchte Menschen erklären, warum ihr Körper so reagiert, wie er reagiert. Denn wenn wir unseren Körper verstehen, treffen wir plötzlich ganz andere Entscheidungen. Nicht aus schlechtem Gewissen. Nicht aus Angst vor Kalorien. Sondern weil wir endlich erkennen, was uns wirklich guttut. Heute verbinde ich genau diese persönliche Erfahrung mit meinem medizinischen Fachwissen als Ernährungsberaterin, Primary Care Managerin und Praxisleitung. Und vielleicht ist genau das meine größte Stärke: Ich kenne beide Seiten. Die wissenschaftlichen Hintergründe genauso wie die ganz normalen Mittwoche, an denen wieder jemand Kuchen in die Arztpraxis mitbringt. Und wissen Sie was? Heute esse ich manchmal sogar ein Stück davon. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn Gesundheit hat nichts mit Perfektion zu tun. Sie hat mit Balance zu tun. Und die schmeckt, ehrlich gesagt, viel besser als jede Diät.


Irgendwann merkte ich, dass sich nicht nur mein Körper verändert hatte

Je länger ich meinen neuen Weg ging, desto häufiger ertappte ich mich dabei, dass ich plötzlich überall Fragen stellte. Nicht nur bei mir selbst. Auch in der Arztpraxis, im Supermarkt oder wenn ich wieder einmal eine Werbung sah, die versprach, innerhalb von vier Wochen den Stoffwechsel komplett auf links zu drehen. Früher hätte ich wahrscheinlich neugierig weitergelesen. Heute musste ich oft schmunzeln. Manchmal fragte ich mich ernsthaft, ob unser Stoffwechsel inzwischen genauso überfordert von all den Versprechen ist wie wir selbst.

Mir fiel immer stärker auf, wie unglaublich kompliziert Gesundheit gemacht wird. Ständig tauchte irgendwo die nächste Regel auf. Erst durfte man nach 18 Uhr nichts mehr essen. Dann hieß es plötzlich, das sei völlig egal. Butter war jahrelang der Bösewicht schlechthin und kurze Zeit später wieder völlig in Ordnung. Eier waren gefährlich, dann gesund, dann wieder gefährlich und irgendwann wieder ein Superfood. Ganz ehrlich? Wäre ich ein Ei gewesen, ich hätte irgendwann selbst nicht mehr gewusst, ob ich jetzt gut oder schlecht bin.

Je mehr ich mich mit Medizin, Prävention und Ernährungswissenschaft beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass gar nicht die Menschen das Problem sind. Das Problem sind oft die Informationen. Wer jeden Tag etwas anderes hört, verliert irgendwann das Vertrauen. Nicht nur in Experten, sondern auch in den eigenen Körper. Genau das hatte ich jahrelang erlebt. Ich hatte immer gedacht, ich müsste nur endlich disziplinierter werden. Heute weiß ich, dass Wissen oft viel wichtiger ist als Willenskraft.

Irgendwann kamen dann die ersten Menschen auf mich zu. Erst Freunde.  Später Bekannte aus dem Umfeld. Aus einem kurzen „Du hast doch so viel abgenommen… wie hast du das eigentlich geschafft?“ wurden plötzlich Gespräche von einer Stunde. Ich erklärte, zeichnete kleine Skizzen auf Schmierzettel, redete über Stoffwechsel, Blutzucker, Hormone und warum ein Stück Kuchen nicht automatisch alles zerstört. Und jedes Mal passierte etwas, das mich unglaublich glücklich machte. Irgendwann sagte fast jeder denselben Satz:

„Warum hat mir das eigentlich noch nie jemand so erklärt?“

Genau dieser Satz begleitet mich bis heute.

Denn darum geht es mir.

Nicht darum, Menschen zu sagen, was sie essen sollen.

Das können Diätbücher schon seit Jahrzehnten ziemlich gut.

Mir geht es darum, dass Menschen verstehen, warum ihr Körper so reagiert, wie er reagiert. Denn in dem Moment, in dem etwas verständlich wird, verliert es seinen Schrecken. Plötzlich wird Ernährung nicht mehr zu einem Berg voller Verbote, sondern zu etwas, das man tatsächlich beeinflussen kann.

Aus diesen Gesprächen entstand irgendwann eine Idee. Erst ganz klein. Dann immer größer. Warum sollte dieses Wissen nur in der Arztpraxis oder in persönlichen Gesprächen bleiben? Warum nicht einen Ort schaffen, an dem jeder verständliche, wissenschaftlich fundierte Informationen findet, ohne sich durch komplizierte Fachliteratur kämpfen zu müssen? Einen Ort ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Wunderdiäten und ohne das hundertste Versprechen, in zwei Wochen zehn Kilo zu verlieren.

So entstand mein Gesundheitsblog.

Und wenn Sie sich hier ein wenig umsehen, werden Sie schnell merken, dass ich Dinge gerne verständlich erkläre. Ich liebe medizinische Studien. Wirklich. Ich kann mich stundenlang darin verlieren und finde das sogar spannend. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass die wenigsten Menschen nach einem langen Arbeitstag Lust haben, sich durch 180 Seiten Leitlinie zu lesen. Deshalb sehe ich meine Aufgabe ein bisschen wie die einer Dolmetscherin. Ich übersetze Wissenschaft in Alltag. So, dass sie zwischen Brotdosen schmieren, Arztterminen, Wäschebergen und Geburtstagskuchen funktioniert.

Denn genau dort findet Gesundheit statt.

Nicht in einer perfekten Welt.

Nicht im Wellnesshotel.

Nicht bei Menschen, die jeden Morgen um fünf Uhr freiwillig einen Sellerie-Smoothie trinken und danach lächelnd zehn Kilometer joggen. Falls es diese Menschen wirklich gibt: Ich bewundere sie. Ich gehöre allerdings nicht dazu.

Ich lebe genau wie Sie in einem Alltag, der manchmal völlig verrückt ist. Drei Kinder, eine verantwortungsvolle Tätigkeit als Praxisleitung, meine Arbeit als Primary Care Managerin, Ernährungsberaterin und gefühlt immer irgendwo eine Brotdose, die noch geschmiert werden möchte. Genau deshalb weiß ich, dass Gesundheit alltagstauglich sein muss. Sie muss auch dann funktionieren, wenn das Leben mal wieder Kopf steht und die To-do-Liste länger ist als der Einkaufszettel vor Weihnachten.

Heute darf ich jeden Tag Menschen auf ihrem Weg begleiten. Das empfinde ich nicht als Beruf, sondern als großes Privileg. Denn ich weiß genau, wie es sich anfühlt, ganz am Anfang zu stehen und zu denken: „Ich schaffe das sowieso nicht.“ Ich kenne diese Gedanken. Ich kenne diese Zweifel. Und genau deshalb weiß ich auch, dass Veränderung möglich ist.

Nicht von heute auf morgen.

Nicht perfekt.

Aber Schritt für Schritt.

Wenn ich Ihnen also eines mit auf den Weg geben dürfte, dann wahrscheinlich das:

Hören Sie auf, gegen Ihren Körper zu kämpfen.

Fangen Sie an, ihn zu verstehen.

Denn glauben Sie mir: Er arbeitet viel öfter für Sie als gegen Sie.

Und genau dort beginnt Gesundheit.


Ernährung ist viel mehr als das, was auf dem Teller liegt

Je länger ich im Gesundheitswesen arbeite, desto häufiger denke ich mir, dass unser Körper manchmal einen ziemlich schlechten Ruf hat. Kaum funktioniert etwas nicht so, wie wir es gerne hätten, bekommt er die Schuld. „Mein Stoffwechsel ist kaputt.“ „Mein Körper arbeitet gegen mich.“ „Ich nehme schon zu, wenn ich ein Stück Pizza nur anschaue.“ Ehrlich gesagt musste ich über manche dieser Sätze inzwischen selbst schmunzeln. Nicht, weil sie lustig wären, sondern weil ich sie früher wahrscheinlich genauso gesagt hätte.

Dabei macht unser Körper meistens genau das, was er tun soll. Er versucht Tag für Tag, uns gesund zu erhalten, Energie bereitzustellen und mit allem zurechtzukommen, was wir ihm anbieten. Mal bekommt er ausreichend Schlaf, mal nur fünf Stunden. Manchmal gibt es frisches Gemüse, manchmal bleibt zwischen zwei Terminen nur ein belegtes Brötchen oder der Schokoriegel aus der Handtasche. Und dann wundern wir uns, warum er irgendwann ein wenig durcheinandergerät. Wenn ich ehrlich bin, finde ich es fast erstaunlich, wie geduldig unser Körper mit uns ist.

Genau deshalb betrachte ich Ernährung heute völlig anders als noch vor einigen Jahren. Essen ist für mich längst nicht mehr nur eine Frage von Kalorien oder der berühmten „richtigen“ Lebensmittelwahl. Ernährung ist ein Teil eines großen Ganzen. Schlaf, Stress, Hormone, Bewegung, Medikamente, Erkrankungen, unsere Gewohnheiten und sogar unsere Gedanken beeinflussen sich gegenseitig. Wer versucht, nur an einem dieser Stellschrauben zu drehen, wundert sich oft, warum sich nichts verändert. Gesundheit funktioniert eben nicht wie ein Lichtschalter. Man kann nicht einfach auf „gesund“ drücken und erwarten, dass plötzlich alles perfekt läuft.


Was mir die Arbeit in der Arztpraxis jeden Tag zeigt

Mein Arbeitsplatz ist wahrscheinlich einer der spannendsten Orte, wenn man verstehen möchte, wie unterschiedlich Menschen sind. Kein Tag gleicht dem anderen. Jede Patientin und jeder Patient bringt eine eigene Geschichte mit, eigene Sorgen, Hoffnungen und Erfahrungen. Genau das macht meine Arbeit so besonders.

Was mich dabei immer wieder fasziniert, ist, dass viele Menschen ähnliche Fragen haben, obwohl ihre Diagnosen völlig unterschiedlich sind. Der eine möchte endlich seinen Blutzucker besser in den Griff bekommen, die nächste wünscht sich mehr Energie, jemand kämpft seit Jahren mit seinem Gewicht und ein anderer fragt sich, warum er trotz aller Bemühungen ständig erschöpft ist. Hinter all diesen Fragen steckt eigentlich derselbe Wunsch: Ich möchte verstehen, was mit meinem Körper los ist.

Und genau dort beginnt für mich gute Beratung. Nicht mit einer Liste von Verboten und schon gar nicht mit erhobenem Zeigefinger. Ganz ehrlich, davon gibt es im Internet bereits mehr als genug. Wenn man dort zehn Minuten nach Ernährung sucht, soll man gleichzeitig weniger Kohlenhydrate essen, mehr Kohlenhydrate essen, intermittierend fasten, intuitiv essen, vegan leben, glutenfrei essen und möglichst jeden Morgen Selleriesaft trinken. Kein Wunder, dass viele Menschen irgendwann völlig verwirrt sind und sich fragen, ob Leitungswasser wenigstens noch erlaubt ist.


Warum SALUS entstanden ist

SALUS ist deshalb auch nicht an einem einzigen Wochenende entstanden. Es gab keinen Moment, in dem ich plötzlich mit einer perfekten Idee aufgewacht bin und dachte: „Heute entwickle ich ein eigenes Konzept.“ So romantisch läuft das echte Leben leider selten. SALUS ist vielmehr über viele Jahre gewachsen. Aus Gesprächen mit Patientinnen und Patienten. Aus meiner eigenen Geschichte. Aus wissenschaftlichen Studien, Fortbildungen und unzähligen Stunden, in denen ich Zusammenhänge hinterfragt habe.

Immer wieder fiel mir auf, dass Menschen selten an fehlendem Wissen scheitern. Die meisten wissen längst, dass Gemüse gesund ist und Bewegung guttut. Das Problem liegt meistens woanders. Es fehlt an Orientierung. Es fehlt an einem roten Faden. Und vor allem fehlt oft ein Konzept, das sich nicht nur in der Theorie gut anhört, sondern auch an einem völlig normalen Mittwoch funktioniert, wenn die Kinder Hausaufgaben machen, die Einkaufsliste noch unangetastet auf dem Küchentisch liegt und in einer Stunde schon wieder der nächste Termin wartet.

Genau daraus entstanden die fünf Säulen von SALUS: Stoffwechsel, Aktivität, Lebensstil, Unterstützung und Selbstkompetenz. Sie greifen wie Zahnräder ineinander. Fehlt eines davon, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht. Genau deshalb konzentriere ich mich nicht auf einzelne Lebensmittel oder kurzfristige Diäten, sondern auf den Menschen als Ganzes. Denn Gesundheit besteht nicht aus Verboten. Sie besteht aus vielen kleinen Entscheidungen, die jeden Tag aufs Neue getroffen werden.


Warum ich Menschen heute anders begleite

Wenn ich eines auf meinem eigenen Weg gelernt habe, dann dieses: Niemand verändert sein Leben dauerhaft, weil ihm jemand sagt, was er alles falsch macht.

Ganz im Gegenteil.

Die meisten Menschen wissen erstaunlich gut, was grundsätzlich gesund wäre. Dass Gemüse keine schlechte Idee ist, Bewegung guttut und Schlaf irgendwie auch wichtig sein soll, überrascht heute wahrscheinlich niemanden mehr. Das eigentliche Problem ist ein anderes. Zwischen diesem Wissen und dem ganz normalen Alltag liegen oft Welten. Denn das Leben fragt leider nicht höflich nach, ob diese Woche gerade in den Ernährungsplan passt.

Es gibt Wochen, in denen läuft alles wunderbar. Man kocht frisch, bewegt sich mehr und denkt plötzlich: „So schwer ist das ja gar nicht.“ Und dann kommt diese eine Woche. Das Kind wird krank, in der Arztpraxis überschlagen sich die Termine, das Auto beschließt spontan, eine Warnleuchte einzuschalten, und bevor man sich versieht, besteht das Abendessen aus einem belegten Brötchen, weil einfach nichts anderes mehr in den Tag gepasst hat. Genau dort scheitern die meisten Konzepte. Nicht weil Menschen zu wenig Motivation haben, sondern weil viele Empfehlungen für das echte Leben schlicht nicht gemacht sind.

Vielleicht ist genau das der größte Unterschied in meiner Beratung.

Ich arbeite nicht mit einem Plan, der auf dem Papier perfekt aussieht. Ich arbeite mit Menschen. Mit Familien. Mit Schichtdienst. Mit Großeltern, die ihre Enkel betreuen. Mit Berufstätigen, die morgens um sechs Uhr das Haus verlassen und abends völlig erschöpft wiederkommen. Mit Frauen in den Wechseljahren, Männern mit Bluthochdruck, jungen Eltern, Menschen mit Diabetes, Reizdarm, Übergewicht oder einfach dem Wunsch, sich endlich wieder wohlzufühlen. Und wissen Sie was? Keiner dieser Menschen lebt wie der andere. Warum also sollte ausgerechnet ein einziger Ernährungsplan für alle funktionieren?

Genau deshalb höre ich wahrscheinlich mehr zu als viele erwarten.

Bevor wir überhaupt über Ernährung sprechen, interessiert mich erst einmal Ihr Leben. Wie sieht ein ganz normaler Dienstag bei Ihnen aus? Wann essen Sie? Wann bleibt überhaupt Zeit zum Essen? Wo wird es schwierig? Was klappt schon richtig gut? Und vor allem: Was wünschen Sie sich eigentlich? Denn manchmal geht es gar nicht in erster Linie ums Abnehmen. Manchmal geht es darum, endlich wieder Energie zu haben. Besser zu schlafen. Weniger Schmerzen zu haben. Sich wieder gern im Spiegel anzuschauen oder einfach morgens aufzuwachen und nicht schon erschöpft zu sein, bevor der Tag überhaupt begonnen hat.

Ich bin überzeugt davon, dass gute Beratung nicht darin besteht, möglichst viele Regeln aufzustellen. Sie besteht darin, gemeinsam Lösungen zu finden, die auch noch funktionieren, wenn das Leben einmal völlig aus dem Takt gerät. Denn genau dann zeigt sich, ob eine Veränderung wirklich nachhaltig ist. Gesundheit muss nicht beweisen, dass sie an perfekten Tagen klappt. Sie muss sich an den chaotischen beweisen. Und glauben Sie mir, von chaotischen Tagen verstehe ich inzwischen eine ganze Menge.

Vielleicht werden Sie bei mir deshalb auch keine Sätze hören wie: „Das dürfen Sie nie wieder essen.“ Ganz ehrlich? Dieses Wort „nie“ hat mich schon immer ein bisschen nervös gemacht. Ich glaube nicht daran, dass Menschen ein Leben lang gegen sich selbst kämpfen sollten. Ich glaube vielmehr daran, dass man verstehen darf, warum bestimmte Entscheidungen sinnvoll sind. Denn wenn wir den Sinn dahinter erkennen, brauchen wir viel weniger Disziplin. Dann treffen wir viele Entscheidungen plötzlich ganz selbstverständlich. Nicht, weil wir müssen. Sondern weil wir uns damit einfach besser fühlen.

Und genau das wünsche ich mir für jeden Menschen, der zu mir kommt. Dass Gesundheit irgendwann kein täglicher Kampf mehr ist. Dass Essen wieder Freude machen darf. Dass Bewegung nicht als Strafe empfunden wird und der Blick auf die Waage nicht mehr darüber entscheidet, ob der Tag gut oder schlecht beginnt. Denn wir sind so viel mehr als eine Zahl.

Wenn Sie sich also für eine Zusammenarbeit mit mir entscheiden, bekommen Sie keinen Menschen, der behauptet, alles perfekt zu machen. Sie bekommen jemanden, der weiß, wie sich Zweifel anfühlen. Der den berühmten Satz „Ab Montag fange ich wirklich an.“ selbst oft genug gesagt hat. Jemanden, der medizinisches Wissen mit Alltag verbindet, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich erklärt und nie vergisst, dass hinter jeder Diagnose, jedem Ernährungsprotokoll und jedem Beratungsgespräch vor allem eines steht:

Ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich meine Arbeit so liebe. Es geht am Ende nicht um Kalorien, Kohlenhydrate oder den perfekten Speiseplan. Es geht um Menschen. Um ihre Geschichten, ihre Ziele und um die kleinen Momente, in denen plötzlich etwas klick macht.

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