Ernährungsberatung & Gesundheitsblog
Sie lesen gerade
So essen wie ein Fitness-Influencer? Warum das bei Jugendlichen schiefgehen kann
0
Baby,Kind & Familie Kinderernährung Kindergesundheit Pubertät

So essen wie ein Fitness-Influencer? Warum das bei Jugendlichen schiefgehen kann

Liebe Eltern, liebe Erwachsene, die Jugendliche begleiten,

Fitness, Ernährung und Körperbilder sind für viele Jugendliche heute ganz selbstverständlich Teil ihres Social-Media-Alltags. Zwischen Trainingsvideos, „What I eat in a day“-Clips, Proteinprodukten und Vorher-Nachher-Bildern ist jedoch nicht immer leicht zu erkennen, welche Tipps wirklich sinnvoll sind und wo aus einem zunächst harmlosen Interesse an Fitness langsam Druck entstehen kann.

Dieser Artikel richtet sich deshalb ganz bewusst direkt an Jugendliche. Sie werden im folgenden Text mit „du“ angesprochen. Nicht, weil Erwachsene außen vor bleiben sollen, sondern weil Jugendliche selbst verstehen sollen, was in ihrem Körper passiert, warum sie andere Bedürfnisse haben als erwachsene Fitness-Influencer und woran sie erkennen können, dass Ernährung oder Training gerade zu viel Raum einnehmen. Später im Artikel finden Sie zusätzlich einen eigenen Abschnitt für Eltern und andere Bezugspersonen mit Hinweisen, worauf Sie achten können und wie Sie das Gespräch suchen können, ohne sofort Streit über Essen oder Fitness auszulösen.

Wenn dein Feed plötzlich bestimmt, was auf deinen Teller gehört

Du öffnest TikTok, Instagram oder YouTube und eigentlich wolltest du nur kurz schauen, was es Neues gibt. Ein paar Minuten später siehst du ein Frühstück mit Proteinpudding, ein Workout, einen „gesunden“ Snack und ein Video darüber, wie man möglichst schnell Muskeln aufbaut oder Körperfett verliert. Vielleicht wird dir gezeigt, welche Lebensmittel angeblich „clean“ sind, wie viele Kalorien du essen solltest oder warum Brot, Zucker oder Nudeln plötzlich schlecht sein sollen.

Vieles davon sieht überzeugend aus. Die Person im Video ist sportlich, wirkt selbstbewusst und erzählt, dass genau diese Ernährung für ihren Körper funktioniert. Vielleicht denkst du irgendwann: Wenn ich auch so esse, sehe ich vielleicht auch so aus.

Genau hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Denn dein Körper ist kein fertiger Erwachsenenkörper. Wenn du 13, 15 oder 17 Jahre alt bist, wächst und verändert sich dein Körper noch. Knochen werden aufgebaut, Muskeln entwickeln sich, Hormone verändern sich und dein Gehirn befindet sich ebenfalls mitten in der Entwicklung. Dazu kommen Schule, Freunde, Sport, Lernen, Schlaf und all die Dinge, für die dein Körper jeden Tag Energie braucht.

Ein Ernährungsplan, den ein erwachsener Fitness-Influencer für sich selbst erstellt hat, muss deshalb überhaupt nicht zu dir passen. Das gilt auch dann, wenn der Plan auf den ersten Blick sehr „gesund“ aussieht.

Dein Körper soll gerade nicht möglichst wenig brauchen

Vielleicht kennst du Videos, in denen jemand gerade „cutten“ möchte. Damit ist meistens gemeint, dass die Person weniger Energie isst, um Körperfett zu verlieren und Muskeln sichtbarer zu machen.

Bei Erwachsenen im Leistungssport oder Bodybuilding gibt es dafür bestimmte Phasen. Das heißt aber nicht, dass ein Jugendlicher dieselbe Strategie übernehmen sollte.

Dein Körper arbeitet gerade an ziemlich vielen Baustellen gleichzeitig. Er wächst, baut Knochen und Muskeln auf und entwickelt sich hormonell weiter. Dafür braucht er Energie. Wenn du gleichzeitig viel Sport machst, steigt dieser Bedarf zusätzlich.

Deshalb ist Hunger in deinem Alter nichts, was du möglichst gut „wegdisziplinieren“ musst.

Du kennst vielleicht Tage, an denen du nach der Schule gefühlt den halben Kühlschrank leer essen könntest. Besonders in Wachstumsschüben oder nach viel Bewegung kann dein Appetit größer sein. Das ist nicht automatisch schlecht und sagt auch nichts darüber aus, ob du „genug Willenskraft“ hast.

Dein Körper meldet sich nicht ohne Grund.

Ein „What I eat in a day“ ist nicht dein Ernährungsplan

Ein beliebtes Format bei Fitness-Influencern heißt „What I eat in a day“. Du siehst Frühstück, Mittagessen, Snack und Abendessen und bekommst das Gefühl, einen kompletten Tag mitzuerleben.

Aber du weißt nicht, was hinter diesem Video steckt.

Vielleicht ist die Person 28 Jahre alt und du bist 15. Vielleicht trainiert sie für einen Wettkampf. Vielleicht wurde an diesem Tag anders gegessen als normalerweise. Vielleicht fehlen Snacks, die nicht gefilmt wurden. Vielleicht verdient die Person Geld mit einem Proteinprodukt, das besonders deutlich im Bild steht.

Und selbst wenn alles genau so gegessen wurde, bleibt es die Ernährung dieses einen Menschen.

Du musst nicht genauso frühstücken, genauso viele Kalorien essen oder dieselben Produkte kaufen.

Dein Körper kennt dein Alter, deinen Alltag und deinen Hunger besser als irgendein fremder Account.

Dein Feed kann dir ein falsches Gefühl dafür geben, was „normal“ aussieht

Wenn du jeden Tag dieselbe Art von Körpern siehst, verändert sich irgendwann dein Blick darauf.

Sehr schlanke Körper, sichtbare Bauchmuskeln, breite Schultern, schmale Taillen und perfekt geformte Beine können nach einiger Zeit völlig normal wirken. Dabei siehst du online meistens nicht den Durchschnitt.

Du siehst ausgesuchte Bilder.

Vielleicht wurde direkt nach dem Training fotografiert, weil Muskeln dann voller wirken. Vielleicht wurde besonders gutes Licht benutzt. Die Person stellt sich so hin, dass der Körper möglichst definiert aussieht. Filter und Bildbearbeitung kommen manchmal noch dazu.

Außerdem zeigt niemand freiwillig 40 schlechte Fotos und danach das eine perfekte. Du siehst meistens nur dieses eine.

Das kann dazu führen, dass du deinen ganz normalen Körper mit einem Körper vergleichst, der im perfekten Moment aufgenommen wurde.

Und plötzlich findest du deine Beine zu dick, deine Arme zu dünn, deinen Bauch zu weich oder deine Schultern zu schmal.

Dabei hat dein Körper gar nichts falsch gemacht.

Mädchen und Jungen bekommen oft unterschiedliche Botschaften

Bei Mädchen heißt es häufig: schlank, aber bitte gleichzeitig sportlich. Dünne Taille, trainierter Bauch, runder Po und bloß nicht zu viel Körperfett.

Bei Jungen lautet die Botschaft oft anders: mehr Muskeln, breitere Schultern, größere Arme, sichtbarer Bauch.

Das sieht zunächst unterschiedlich aus, kann aber im Kopf sehr ähnlich werden.

Du schaust in den Spiegel und suchst immer nach dem nächsten Punkt, der noch nicht „gut genug“ ist.

Vielleicht trainierst du deine Arme und kurz darauf erscheinen sie dir trotzdem zu klein. Du nimmst ab und findest anschließend, dein Bauch müsse noch definierter werden. Du erreichst ein Ziel und statt zufrieden zu sein, verschiebt sich das Ziel einfach ein Stück weiter.

Das kann ziemlich anstrengend werden.

Fitness sollte dir eigentlich etwas geben: Kraft, Bewegung, Spaß, vielleicht Gemeinschaft oder Selbstvertrauen. Wenn dein Körper dagegen zu einem Projekt wird, an dem ständig etwas verbessert werden muss, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Protein ist wichtig, aber du musst nicht alles in High-Protein verwandeln

Protein begegnet dir im Fitnessbereich überall.

Proteinpudding. Proteinriegel. Proteinmilch. Proteinbrot. Proteinpulver. High-Protein-Pizza.

Fast könnte man meinen, dein Körper hätte nur eine einzige Aufgabe: Muskeln bauen.

Natürlich brauchst du Eiweiß. Gerade wenn du wächst und Sport machst, gehört es zu einer guten Ernährung. Protein bekommst du aber aus ganz normalen Lebensmitteln.

Dazu gehören zum Beispiel Joghurt, Milch, Käse, Eier, Fisch und Fleisch. Auch Linsen, Bohnen, Erbsen, Tofu, andere Sojaprodukte, Nüsse und Getreide liefern Eiweiß.

Du brauchst deshalb nicht automatisch Proteinpulver, nur weil du Krafttraining machst.

Und ganz wichtig: Mehr Protein bedeutet nicht automatisch mehr Muskeln.

Deine Muskeln brauchen Training, Erholung, genügend Energie und eine insgesamt passende Ernährung. Du kannst nicht beliebig viel Eiweiß essen und erwarten, dass daraus automatisch größere Muskeln entstehen.

Bitte hab keine Angst vor Brot, Nudeln und Kartoffeln

Kohlenhydrate haben in manchen Fitnessvideos einen erstaunlich schlechten Ruf.

„Carbs machen dick.“
„Keine Kohlenhydrate am Abend.“
„Brot macht deinen Bauch weich.“
„Nudeln ruinieren deine Definition.“

So einfach funktioniert Ernährung nicht.

Kohlenhydrate liefern deinem Körper Energie. Gerade wenn du zur Schule gehst, lernen musst und gleichzeitig Sport machst, kannst du diese Energie ziemlich gut gebrauchen.

Haferflocken, Brot, Kartoffeln, Reis oder Nudeln können deshalb ganz normal zu deinem Essen gehören.

Natürlich musst du nicht den ganzen Tag Süßigkeiten und Softdrinks zu dir nehmen. Aber daraus folgt nicht, dass du Pasta plötzlich behandeln musst, als hätte sie dir persönlich etwas getan.

Besonders widersprüchlich wird es, wenn du hart trainierst und gleichzeitig immer weniger isst. Dein Körper soll dann Leistung bringen, bekommt aber immer weniger Energie dafür.

Das funktioniert irgendwann nicht mehr besonders gut.

Zu wenig essen macht dich nicht automatisch fitter

Vielleicht denkst du: Weniger Körperfett bedeutet mehr Fitness.

Das stimmt nicht automatisch.

Du kannst sehr schlank sein und trotzdem zu wenig Energie aufnehmen. Gerade bei Jugendlichen, die viel Sport machen, kann das problematisch werden.

Dein Körper braucht Energie nicht nur für dein Training. Er braucht sie auch für Wachstum, Knochen, Hormone, Immunsystem, Konzentration und Erholung.

Bekommt er über längere Zeit deutlich zu wenig, versucht er Energie zu sparen. Du kannst müder werden, deine sportliche Leistung kann sinken und Verletzungen können häufiger auftreten. Auch die Knochen können darunter leiden. Bei Mädchen kann sich die Menstruation verändern oder ausbleiben. Das Problem kann genauso Jungen betreffen.

Wenn du also ständig erschöpft bist, im Training immer schlechter wirst, häufig verletzt bist oder dir oft schwindelig ist, ist die Antwort nicht automatisch: noch weniger essen und noch härter trainieren.

Manchmal ist genau das Gegenteil nötig.

„Clean Eating“ klingt gesund und kann trotzdem ungesund werden

Vielleicht hast du schon gehört, dass man möglichst „clean“ essen soll.

Mehr Gemüse, selbst kochen und weniger stark verarbeitete Lebensmittel zu essen, kann natürlich sinnvoll sein.

Schwierig wird es, wenn du irgendwann fast jedes Lebensmittel in zwei Schubladen steckst:

gut oder schlecht.

Vielleicht beginnt es ganz harmlos. Erst möchtest du weniger Süßigkeiten essen. Dann isst du kein Weißbrot mehr. Danach keine Nudeln. Zucker ist komplett verboten. Pizza geht nicht mehr. Beim Essen mit Freunden wirst du nervös, weil du nicht weißt, was genau darin steckt.

Am Ende denkst du viel mehr über Essen nach als früher, obwohl du eigentlich „gesünder“ leben wolltest.

Genau das ist ein Warnzeichen.

Gesunde Ernährung soll dir guttun. Sie soll nicht dafür sorgen, dass du Angst vor einer Geburtstagsfeier bekommst, weil dort Kuchen steht.

Ein Eis ist kein Versagen. Pizza ist keine Strafe. Und du musst Essen nicht erst durch Sport verdienen.

Ein „Cheat Day“ ist auch nur ein Tag mit Essen

In Fitnessvideos werden normale Lebensmittel manchmal zu etwas Besonderem gemacht.

Sechs Tage „clean“, am siebten Tag der „Cheat Day“.

Schon der Name ist merkwürdig. Denn „cheaten“ bedeutet betrügen.

Wen genau betrügst du, wenn du mit Freunden Burger essen gehst?

Eine ausgewogene Ernährung muss nicht jeden Tag perfekt aussehen. Es ist völlig normal, dass mal Gemüse auf dem Teller liegt und an einem anderen Tag Pommes. Gesundheit entscheidet sich nicht an einer einzelnen Mahlzeit.

Problematisch wird es eher, wenn du nach einem Stück Kuchen denkst, du müsstest am nächsten Tag weniger essen oder eine zusätzliche Stunde Sport machen.

Essen und Sport sollten nicht zu einem System aus Strafe und Belohnung werden.

Kalorien zählen kann dein Gefühl für Essen verändern

Vielleicht benutzt du eine App, in die du jede Mahlzeit einträgst.

Dann steht dort plötzlich ganz genau:

noch 347 Kalorien übrig.

Und was passiert, wenn du trotzdem Hunger hast?

Für Erwachsene kann Kalorientracking in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Bei Jugendlichen kann daraus sehr schnell Kontrolle werden, weil dein Energiebedarf nicht jeden Tag gleich ist.

Du wächst nicht nach einer App.

Vielleicht hattest du heute Sport. Vielleicht befindest du dich gerade in einem Wachstumsschub. Vielleicht hast du schlecht geschlafen oder warst besonders aktiv.

Dein Körper verändert seinen Bedarf ständig.

Wenn du beginnst, Hunger zu ignorieren, weil eine Zahl auf dem Smartphone etwas anderes sagt, stimmt irgendwann die Richtung nicht mehr.

Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn du nervös wirst, sobald du etwas nicht genau eintragen kannst, oder wenn Essen ohne Kalorienangabe plötzlich unangenehm wird.

Proteinpulver, Kreatin, Pre-Workout: Nur weil Fitness draufsteht, brauchst du es nicht

Fitness-Influencer zeigen nicht nur Essen. Irgendwann tauchen meistens Dosen, Pulver und bunte Getränke auf.

Proteinpulver, Kreatin, Aminosäuren, Vitaminpräparate, Pre-Workout-Booster und manchmal auch Produkte, die Fettverbrennung versprechen.

Vielleicht gibt es direkt darunter einen Rabattcode.

Das ist ein wichtiger Moment.

Wenn jemand Geld damit verdient, dass du ein Produkt kaufst, solltest du eine Empfehlung besonders kritisch anschauen.

Das Produkt muss deshalb nicht automatisch schlecht sein. Aber du solltest wissen, dass du gerade nicht nur einen Tipp bekommst. Du siehst auch Werbung.

Für Jugendliche sind viele Nahrungsergänzungsmittel außerdem gar nicht notwendig. Eine abwechslungsreiche Ernährung kann normalerweise sehr viele Nährstoffe liefern.

Bitte nimm deshalb nicht einfach alles, was dir jemand im Gym oder auf TikTok empfiehlt.

Besonders bei hoch dosierten Produkten lohnt sich vorher ein Gespräch mit deinen Eltern, einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.

Energy und Pre-Workout können deinen Körper stärker treffen, als du denkst

Pre-Workout-Produkte sollen dich vor dem Training wach und leistungsfähig machen. Viele enthalten viel Koffein.

Vielleicht fühlst du dich danach tatsächlich fitter. Dein Körper ist aber nicht automatisch erholter.

Wenn du eigentlich müde bist, weil du zu wenig geschlafen oder gegessen hast, löst ein Wachmacher das Problem nicht.

Koffein kann bei Jugendlichen unter anderem Herzklopfen, Herzrasen, Kopfschmerzen und Schlafprobleme verursachen. Gerade Energydrinks können größere Mengen enthalten.

Und Schlaf brauchst du nicht nur, damit du morgens weniger schlecht gelaunt bist.

Im Schlaf erholt sich dein Körper. Du brauchst ihn für Lernen, Stimmung, Konzentration und sportliche Regeneration.

Wenn du abends wegen Koffein schlechter schläfst und am nächsten Tag noch mehr Koffein brauchst, entsteht ziemlich schnell ein Kreislauf, den kein Fitnessvideo besonders attraktiv aussehen lässt.

Frag dich nicht nur: Sehe ich fitter aus?

Es gibt Fragen, die manchmal wichtiger sind als Körperfett und Muskelumfang.

Hast du noch Spaß am Training?

Kannst du einen Trainingstag ausfallen lassen, ohne dich schlecht zu fühlen?

Kannst du mit Freunden spontan etwas essen?

Denkst du ständig darüber nach, wie dein Körper aussieht?

Musst du mehr Sport machen, nachdem du etwas gegessen hast, das du für „ungesund“ hältst?

Schaust du immer wieder in den Spiegel, ob sich dein Bauch, deine Arme oder Beine verändert haben?

Das sind Fragen, die dir etwas darüber sagen können, ob Fitness noch ein Teil deines Lebens ist oder langsam dein ganzes Leben bestimmt.

Du darfst gerne Muskeln aufbauen wollen. Du darfst Sport lieben. Du darfst Trainingsziele haben.

Aber du musst nicht jeden Tag an deinem Körper arbeiten, als wäre er eine Hausaufgabe, die niemals fertig wird.

Woran du erkennst, dass ein Fitness-Tipp vielleicht Quatsch ist

Du musst nicht jedes Reel wissenschaftlich überprüfen. Ein paar einfache Fragen helfen schon.

Verspricht dir jemand sehr schnelle Ergebnisse?

Sagt die Person, du dürftest bestimmte Lebensmittel niemals essen?

Behauptet sie, Brot, Obst, Milch oder andere normale Lebensmittel seien grundsätzlich schlecht?

Musst du für den angeblichen Erfolg ein bestimmtes Pulver kaufen?

Gibt es direkt einen Rabattcode?

Tut jemand so, als würde sein eigener Körper beweisen, dass seine Ernährung für alle funktioniert?

Oder erzählt dir jemand, du könntest deinen Stoffwechsel „reparieren“, deinen Körper „entgiften“ oder deine Hormone mit wenigen Lebensmitteln „resetten“?

Dann darfst du skeptisch werden.

Ein seriöser Ernährungstipp klingt oft viel weniger spektakulär. Er verspricht dir keinen völlig neuen Körper in vier Wochen und macht dir auch keine Angst vor ganz normalen Lebensmitteln.

Du brauchst kein Fitness-Menü. Du brauchst genug gutes Essen

Eine gute Ernährung für Jugendliche kann ziemlich normal aussehen.

Zum Frühstück vielleicht Haferflocken mit Joghurt und Obst oder Brot mit Käse und Gemüse.

Nach der Schule ein belegtes Brot, Obst, Joghurt oder ein anderer Snack, auf den du Lust hast.

Zum Abendessen Kartoffeln, Reis oder Nudeln mit Gemüse und einer Eiweißquelle wie Fisch, Ei, Linsen, Bohnen, Tofu oder Fleisch.

Auch Nüsse und Samen können dazugehören.

Und ja, Schokolade, Eis oder Pizza ebenfalls.

Deine Ernährung muss nicht aussehen, als wäre sie gerade für Instagram fotografiert worden.

Du brauchst Kohlenhydrate. Du brauchst Eiweiß. Du brauchst Fette. Du brauchst Vitamine und Mineralstoffe.

Und du brauchst genug davon.

Ein Abschnitt für Eltern und andere Erwachsene

Eine problematische Entwicklung lässt sich nicht zuverlässig daran erkennen, ob ein Jugendlicher dünn aussieht. Auch normalgewichtige oder kräftige Jugendliche können bereits ein stark belastetes Verhältnis zu Essen, Training und Körper entwickeln. Deshalb lohnt es sich, weniger auf die Zahl auf der Waage und stärker auf Veränderungen im Alltag zu achten.

Vielleicht hat Ihr Kind früher selbstverständlich mitgegessen und beginnt plötzlich, jede Zutat zu prüfen. Immer mehr Lebensmittel gelten als ungesund, gemeinsame Mahlzeiten werden vermieden und Restaurantbesuche lösen Stress aus. Kalorien oder Proteinwerte nehmen zunehmend Raum ein. Auch beim Sport kann sich etwas verändern: Training macht nicht mehr einfach Freude, sondern wird zu einer Pflicht. Krankheit, Schmerzen, Müdigkeit oder Familienfeiern reichen plötzlich nicht mehr aus, um eine Einheit ausfallen zu lassen.

Auffällig kann außerdem sein, wenn Gespräche immer häufiger um Gewicht, Körperfett, Muskelumfang oder bestimmte Körperstellen kreisen. Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsprobleme, ein deutlicher Leistungsabfall oder häufige Verletzungen sollten ebenfalls ernst genommen werden. Bei Mädchen kann sich eine zu geringe Energieversorgung unter anderem durch Veränderungen oder das Ausbleiben der Menstruation zeigen. Jungen können ebenso betroffen sein, auch wenn das Problem dort manchmal weniger schnell auffällt.

Kommentieren Sie Veränderungen des Körpers lieber zurückhaltend

Sätze wie „Du hast aber schön abgenommen“, „Du bist richtig schlank geworden“ oder „Du bist wirklich diszipliniert“ sind meistens freundlich gemeint. Sie können aber anders ankommen, als Sie es beabsichtigen.

Ein Jugendlicher, der bereits zu wenig isst, hört möglicherweise vor allem: Das funktioniert. Ich sollte weitermachen.

Hilfreicher ist es, den Blick stärker auf Fähigkeiten und Wohlbefinden zu richten. Vielleicht ist Ihr Kind kräftiger geworden, hat beim Sport etwas Neues gelernt, bewegt sich gern oder hat Freude an einer bestimmten Sportart. Solche Dinge lassen sich anerkennen, ohne den Körper ständig zu bewerten.

Machen Sie Social Media nicht sofort zum Gegner

Wenn Sie einen Fitness-Account problematisch finden, müssen Sie den Influencer nicht vor Ihrem Kind lächerlich machen. Für Jugendliche kann eine solche Person ein Vorbild sein. Ein Angriff auf den Account fühlt sich dann schnell wie ein Angriff auf den eigenen Geschmack an.

Versuchen Sie lieber herauszufinden, was Ihr Kind daran fasziniert.

Was gefällt dir an diesem Account?
Was möchtest du erreichen?
Warum soll dieses Lebensmittel plötzlich schlecht sein?
Woher hat die Person ihre Informationen?
Verdient sie an dem Produkt, das sie empfiehlt?

Solche Fragen eröffnen eher ein Gespräch als ein Verbot.

Das Ziel ist nicht, Jugendlichen jede Fitness-Inspiration zu nehmen. Sie sollen lernen, Werbung von Information zu unterscheiden und zu verstehen, dass ein sichtbares Sixpack keine Ausbildung in Ernährungsmedizin ersetzt.

Wann Unterstützung sinnvoll wird

Nicht jede neue Fitnessphase ist ein Grund zur Sorge. Viele Jugendliche interessieren sich eine Zeit lang besonders für Training oder Ernährung und behalten trotzdem ein entspanntes Verhältnis dazu.

Hilfe sollte aber nicht unnötig lange hinausgezögert werden, wenn sich das Verhalten deutlich verändert. Dazu gehören regelmäßig ausgelassene Mahlzeiten, eine immer kleinere Auswahl erlaubter Lebensmittel, heimliches Essen, selbst herbeigeführtes Erbrechen, auffällige Toilettengänge nach Mahlzeiten oder zwanghaftes Training.

Auch starke Angst vor Gewichtszunahme, sozialer Rückzug, ständiges Wiegen oder eine sehr intensive Beschäftigung mit Muskeln und Körperfett verdienen Aufmerksamkeit.

Der erste Ansprechpartner kann die Kinder- und Jugendärztin beziehungsweise der Kinder- und Jugendarzt sein. Bei deutlicher Belastung rund um Essen, Körperbild oder Sport kann zusätzlich psychotherapeutische oder kinder- und jugendpsychiatrische Unterstützung sinnvoll sein. Qualifizierte Ernährungsfachkräfte können ebenfalls helfen, gerade wenn ein Jugendlicher viel Sport treibt und nicht mehr sicher ist, wie eine passende Ernährung aussehen kann.

Sprechen Sie Veränderungen möglichst ruhig an. Vorwürfe führen häufig dazu, dass Jugendliche sich zurückziehen. Interesse, Zuhören und die Botschaft „Ich mache mir Gedanken, weil du mir wichtig bist“ öffnen meist eher eine Tür.

Und jetzt wieder an dich: Dein Feed darf sich verändern

Du musst nicht alle Fitness-Accounts löschen.

Es gibt gute Trainer, Sportler und Ernährungsfachkräfte, die vernünftige Inhalte machen und nicht so tun, als müssten alle Menschen gleich aussehen.

Aber du darfst Accounts entfolgen, nach denen du dich regelmäßig schlechter fühlst.

Das ist keine Schwäche.

Wenn dir ein Account ständig vermittelt, dein Bauch sei nicht flach genug, deine Arme nicht groß genug oder dein Essen nicht „clean“ genug, musst du diesem Menschen nicht jeden Tag Platz in deinem Kopf geben.

Du kannst deinen Feed verändern.

Schau dir auch andere Sportarten an. Folge Menschen mit unterschiedlichen Körpern. Suche Inhalte, bei denen es um Leistung, Technik, Spaß und Gesundheit geht und nicht nur um möglichst sichtbare Muskeln oder einen möglichst niedrigen Körperfettanteil.

Der Algorithmus lernt schließlich auch aus dem, was du nicht mehr sehen möchtest.

Dein Körper muss nicht aussehen wie der eines Fitness-Influencers

Du darfst dich für Fitness interessieren.

Du darfst stärker werden wollen. Du darfst Muskeln aufbauen. Du darfst gerne gesund essen.

Aber du bist nicht weniger gesund, weil du Brot isst. Du bist nicht undiszipliniert, weil du Hunger hast. Du hast nicht „versagt“, weil du mit Freunden Pizza gegessen hast.

Und dein Körper muss nicht jeden Monat definierter werden.

Gerade in deiner Jugend verändert er sich sowieso. Manchmal wirst du wachsen, manchmal zunehmen, manchmal breiter werden. Dein Körper kann sich innerhalb weniger Monate ganz anders anfühlen. Das gehört zu deiner Entwicklung.

Ein Fitness-Influencer kann dir Übungen zeigen oder Ideen geben.

Er kennt aber deinen Körper nicht.

Er weiß nicht, was du für Wachstum, Schule, Sport und Entwicklung brauchst.

Deshalb darfst du dich inspirieren lassen, ohne alles zu kopieren.

Gute Fitness macht dein Leben größer. Sie gibt dir Kraft, Energie und Freude an Bewegung. Sie sollte dir nicht immer mehr Lebensmittel, Freunde, spontane Essen und gute Gedanken über deinen eigenen Körper wegnehmen.

Wissenschaftliche Quellen

American Academy of Pediatrics: Digital Ecosystems, Children, and Adolescents – Technical Report, 2026
https://publications.aap.org/pediatrics/article/157/2/e2025075321/206128/Digital-Ecosystems-Children-and-Adolescents

Bonfanti RC et al.: The association between social comparison in social media, body image concerns and eating disorder symptoms – Systematic Review and Meta-Analysis
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39721448/

Vintró-Alcaraz C et al.: Idealized Body Images and Fitness Lifestyles on Social Media – Systematic Review, 2026
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40836642/

From social media exposure to disordered eating: mechanisms, risks and protective factors in children and adolescents, 2026
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41842834/

International Olympic Committee: 2023 IOC consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs)
https://bjsm.bmj.com/content/57/17/1073

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für Protein
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ernährung und Sport sowie Nahrungsergänzungsmittel im Sport
https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gezielte-ernaehrung/ernaehrung-und-sport/

Bundesinstitut für Risikobewertung: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder – (k)eine gute Idee?!
https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/nahrungsergaenzungsmittel-fuer-kinder-keine-gute-idee/

Bundesinstitut für Risikobewertung: Energydrinks – gesundheitliche Risiken für Kinder und Jugendliche, aktualisierte Bewertung 2026
https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/energydrinks-bfr-aktualisiert-bewertung-der-gesundheitlichen-risiken-fuer-kinder-und-jugendliche-bei-akutem-und-chronischem-verzehr/

Bundeszentrum für Ernährung: Ernährungstipps auf Instagram – So gelingt der Durchblick im Ernährungsdschungel
https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/ernaehrungstipps-auf-instagram

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Informationen und Beratung zu Essstörungen
https://essstoerungen.bioeg.de/weitere-informationen/haeufig-gestellte-fragen/

Hinweis

Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Gesundheitsbildung. Sie ersetzen keine individuelle kinder- und jugendärztliche, ernährungsmedizinische, psychotherapeutische oder psychiatrische Beratung.

Wenn du selbst merkst, dass Essen oder Training immer mehr deinen Alltag bestimmt, du Mahlzeiten vermeidest, Angst vor bestimmten Lebensmitteln bekommst, ständig über Kalorien oder deinen Körper nachdenkst oder trotz Schmerzen und Erschöpfung weitertrainierst, sprich bitte mit einem Erwachsenen, dem du vertraust. Das können deine Eltern, eine andere vertraute Person, deine Kinder- und Jugendärztin beziehungsweise dein Kinder- und Jugendarzt oder eine Beratungsstelle sein.

Für Eltern gilt: Deutliche Veränderungen des Essverhaltens, Schwindel, Ohnmacht, starke Erschöpfung, Wachstumsauffälligkeiten, häufige Verletzungen, ein erheblicher Leistungsabfall oder Veränderungen beziehungsweise Ausbleiben der Menstruation sollten medizinisch abgeklärt werden.

Medizinische Einordnung

Dieser Beitrag orientiert sich an aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit sowie an aktuellen Untersuchungen zu Social Media, Körperbild und problematischem Essverhalten bei Jugendlichen. Für sportlich aktive Jugendliche wurden außerdem internationale Empfehlungen zur ausreichenden Energieversorgung im Sport berücksichtigt.

Soziale Medien verursachen nicht automatisch eine Essstörung. Sie können jedoch vorhandene Unsicherheit, starken Körpervergleich und problematische Ernährungs- oder Trainingsgewohnheiten verstärken. Gerade deshalb ist es sinnvoll, früh darauf zu achten, wie Jugendliche über Essen, ihren Körper und Fitness sprechen.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell ausgewählt bzw. bearbeitet.

Wissenschaftlicher Stand

Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen einschlägiger Fachgesellschaften, Gesundheitsorganisationen und medizinischer Institutionen.

Stand: August 2026

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

https://www.instagram.com/ernaehrungsberatung.jennyorth/