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Wenn Gicht plötzlich zuschlägt: Was Harnsäure, Ernährung und Alltag damit zu tun haben
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Wenn Gicht plötzlich zuschlägt: Was Harnsäure, Ernährung und Alltag damit zu tun haben

Ein Gichtanfall kann Sie vollkommen unvorbereitet treffen. Vielleicht war am Abend noch alles in Ordnung und einige Stunden später wachen Sie auf, weil der große Zeh heftig pocht. Das Gelenk ist heiß, gerötet, geschwollen und so empfindlich, dass schon eine leichte Berührung unangenehm sein kann. Häufig beginnt Gicht tatsächlich am Großzehengrundgelenk, doch sie kann ebenso das Sprunggelenk, Knie, Handgelenk, Finger oder andere Gelenke betreffen. Die Schmerzen entwickeln sich oft innerhalb weniger Stunden und können ausgesprochen stark werden. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie beschreibt den typischen ersten Anfall ebenfalls als plötzlich einsetzende, stark schmerzhafte Gelenkentzündung, häufig am großen Zeh.

Vielleicht geht Ihnen in diesem Moment sofort das Essen vom Vorabend durch den Kopf. War es das Fleisch? Das Bier? Das große Abendessen? Diese Gedanken sind verständlich, greifen aber zu kurz. Gicht entsteht nicht durch eine einzelne Mahlzeit. Dahinter steckt meist ein über längere Zeit erhöhter Harnsäurespiegel. Aus der Harnsäure können sich Kristalle bilden, die sich in und um Gelenke ablagern. Werden diese Ablagerungen vom Körper als Störfaktor erkannt, kann eine heftige Entzündungsreaktion entstehen. Ernährung kann diesen Prozess beeinflussen, aber sie ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Nierenfunktion, Veranlagung, Körpergewicht, Alter, bestimmte Erkrankungen und Medikamente spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Gerade nach einem ersten Anfall taucht deshalb schnell die Frage auf: Was darf ich jetzt überhaupt noch essen? Muss Fleisch komplett verschwinden? Sind Linsen und Bohnen plötzlich problematisch? Darf man noch Kaffee trinken, und was ist mit einem Glas Wein am Wochenende? Die gute Nachricht ist, dass eine gichtfreundliche Ernährung keine immer länger werdende Verbotsliste sein muss. Viel sinnvoller ist es, zu verstehen, welche Gewohnheiten Ihren Harnsäurehaushalt besonders beeinflussen können und welche Veränderungen tatsächlich einen Unterschied machen.

Was Harnsäure mit Gicht zu tun hat

Harnsäure ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. Sie entsteht jeden Tag in Ihrem Körper beim Abbau sogenannter Purine. Purine sind natürliche Bestandteile unserer Zellen und kommen gleichzeitig in Lebensmitteln vor. Selbst wenn Sie sich ausgesprochen purinarm ernähren würden, würde Ihr Körper also weiterhin Harnsäure bilden. Normalerweise gelangt ein großer Teil davon über die Nieren in den Urin und wird ausgeschieden. Wird allerdings mehr Harnsäure gebildet, als der Körper loswerden kann, oder scheiden die Nieren zu wenig davon aus, steigt der Harnsäurespiegel im Blut.

Bleibt dieser Wert über längere Zeit erhöht, können sich Harnsäurekristalle bilden. Sie können sich zunächst unbemerkt in Gelenken und anderen Geweben ablagern. Das erklärt, warum Gicht manchmal scheinbar aus heiterem Himmel kommt, obwohl der zugrunde liegende Prozess bereits länger besteht. Ein reichhaltiges Essen am Samstagabend kann einen Anfall möglicherweise begünstigen, es hat die Erkrankung aber nicht innerhalb einiger Stunden entstehen lassen. Auch Alkohol, Flüssigkeitsmangel, eine fieberhafte Erkrankung, eine Verletzung, eine Operation oder bestimmte Medikamente können bei entsprechender Veranlagung einen Anfall auslösen.

Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig übersehen: Ein erhöhter Harnsäurewert ist noch keine Gichtdiagnose. Manche Menschen haben über längere Zeit erhöhte Werte und bekommen niemals einen Gichtanfall. Umgekehrt kann die Harnsäure während einer akuten Attacke vorübergehend weniger auffällig sein. Ärztinnen und Ärzte beurteilen deshalb nicht nur einen Laborwert, sondern betrachten Ihre Beschwerden, den Gelenkbefund, Ihre Vorgeschichte und bei Bedarf weitere Untersuchungen.

Warum Gicht nicht nur eine Frage des Essens ist

Es wäre verlockend, Gicht ausschließlich über den Speiseplan zu erklären. Dann müsste man nur die „falschen“ Lebensmittel streichen und hätte das Problem gelöst. In Wirklichkeit entscheidet jedoch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren darüber, wie viel Harnsäure sich im Körper ansammelt. Manche Menschen scheiden über ihre Nieren von Natur aus weniger Harnsäure aus. Bei anderen kommen Übergewicht, Bluthochdruck, eine chronische Nierenerkrankung oder bestimmte Medikamente hinzu. Auch eine familiäre Veranlagung kann eine wichtige Rolle spielen.

Gicht ist bei Männern häufiger, betrifft aber selbstverständlich auch Frauen. Vor den Wechseljahren tritt sie bei Frauen vergleichsweise seltener auf, später steigt das Risiko. Das ist gerade deshalb erwähnenswert, weil Gicht bei Frauen manchmal nicht sofort vermutet wird und Beschwerden deshalb zunächst anderen Ursachen zugeschrieben werden können.

Wenn Sie also trotz vernünftiger Ernährung Gicht bekommen haben, bedeutet das nicht, dass Sie etwas grundlegend falsch gemacht haben. Ernährung ist eine Stellschraube, die Sie beeinflussen können. Sie ist aber nicht die einzige.

Fleisch darf weiterhin vorkommen, nur vielleicht anders als bisher

Fleisch enthält Purine und kann deshalb zur Harnsäurebildung beitragen. Besonders größere Mengen rotes Fleisch und häufige Fleischmahlzeiten sind für Menschen mit Gicht eher ungünstig. Das bedeutet allerdings nicht, dass nach der Diagnose jedes Stück Fleisch für immer vom Teller verschwinden muss. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt vielmehr eine pflanzenbetonte, purinreduzierte Ernährung, bei der Fleisch und Wurst deutlich weniger Raum bekommen.

Vielleicht sieht Ihr gewohntes Mittagessen bisher so aus: ein großes Stück Fleisch, dazu Kartoffeln oder Nudeln und etwas Gemüse. Dann kann eine Veränderung ganz praktisch aussehen, indem Sie die Größenverhältnisse verschieben. Gemüse, Salat, Kartoffeln oder Vollkornprodukte werden zum größeren Bestandteil der Mahlzeit und das Fleisch zur kleineren Ergänzung. An anderen Tagen übernehmen Eier, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte die Rolle der Eiweißquelle. Das ist meistens wesentlich alltagstauglicher als ein abrupter kompletter Verzicht.

Besonders zurückhaltend sollten Sie bei Innereien wie Leber, Niere oder Bries sein. Sie gehören zu den besonders purinreichen tierischen Lebensmitteln und werden von der DGE ausdrücklich zu den Lebensmitteln gezählt, die bei Gicht gemieden beziehungsweise deutlich eingeschränkt werden sollten.

Fisch ist gesund, aber nicht jede Sorte ist bei Gicht gleich günstig

Bei Fisch wird es etwas differenzierter. Grundsätzlich kann Fisch Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. Einige Arten enthalten jedoch besonders viele Purine. Dazu gehören beispielsweise Sardinen, Sardellen, Hering und bestimmte andere Fischarten sowie Schalentiere. Sowohl die DGE als auch das American College of Rheumatology raten bei Gicht dazu, besonders purinreiche Fisch- und Meeresprodukte deutlich einzuschränken.

Müssen Sie deshalb vollständig auf Fisch verzichten? Nein. Eine gelegentliche normale Portion Fisch innerhalb einer insgesamt ausgewogenen Ernährung ist etwas anderes als große Mengen sehr purinreicher Meeresprodukte. Auch hier hilft der Blick auf die Gewohnheit mehr als der auf eine einzelne Mahlzeit.

Spinat, Spargel und Hülsenfrüchte müssen nicht unnötig gestrichen werden

Vielleicht haben Sie schon einmal eine Purintabelle gesehen und waren überrascht, dort neben Fleisch und Fisch auch Linsen, Bohnen, Spinat, Pilze oder Spargel zu entdecken. Daraus entsteht schnell die Sorge, nun auch noch zahlreiche pflanzliche Lebensmittel meiden zu müssen.

Genau das ist in der Regel nicht sinnvoll. Eine pflanzenbetonte Ernährung wird von Fachgesellschaften gerade bei Gicht ausdrücklich empfohlen. Gemüse, Getreideprodukte, Kartoffeln und andere pflanzliche Lebensmittel bilden eine gute Grundlage. Auch Hülsenfrüchte müssen nicht grundsätzlich gestrichen werden.

Das ist praktisch wichtig, denn wenn Fleisch seltener gegessen werden soll, brauchen Sie gute Alternativen. Linsen, Bohnen und Kichererbsen liefern Eiweiß und Ballaststoffe und können sehr gut in normale Mahlzeiten eingebaut werden. Ein Linseneintopf, ein Kichererbsensalat oder Bohnen in einer Gemüsesuppe müssen deshalb nicht aus Angst vor Gicht vom Tisch verschwinden.

Beim Alkohol lohnt sich besondere Aufmerksamkeit

Wenn es einen Bereich gibt, bei dem eine Veränderung oft besonders sinnvoll ist, dann ist es Alkohol. Besonders Bierkann bei Gicht ungünstig sein, weil Alkohol die Harnsäureausscheidung beeinträchtigen kann und Bier zusätzlich Purine enthält. Die DGE empfiehlt Menschen mit Gicht einen weitgehenden Verzicht auf alkoholische Getränke und weist ausdrücklich darauf hin, dass auch alkoholfreie Biersorten Purine enthalten können.

Ist Wein dann die bessere Lösung? Auch das wäre zu einfach. Alkohol selbst ist ein möglicher Auslöser von Gichtattacken, unabhängig davon, ob er als Bier, Wein oder Spirituose getrunken wird. Hinzu kommt, dass die DGE ihre allgemeine Alkoholbewertung inzwischen verschärft hat und keinen gesundheitlich unbedenklichen Alkoholkonsum mehr angibt. Sie empfiehlt grundsätzlich, auf alkoholische Getränke zu verzichten beziehungsweise bei weiterem Konsum besonders hohe Mengen zu vermeiden.

Wenn Sie nicht vollständig auf Alkohol verzichten möchten, kann es dennoch hilfreich sein, Ihre bisherige Gewohnheit ehrlich anzuschauen. Geht es tatsächlich um ein gelegentliches Glas oder ist das Bier am Abend längst zur täglichen Routine geworden? Gerade solche regelmäßigen Gewohnheiten sind häufig der sinnvollere Ansatzpunkt als die Frage, ob eine bestimmte Portion Gemüse zu viele Purine enthält.

Auch alkoholfreies Bier verdient einen genaueren Blick

Alkoholfreies Bier klingt zunächst nach einer unkomplizierten Alternative. Der Alkohol ist stark reduziert oder fehlt weitgehend, doch die aus den verwendeten Rohstoffen stammenden Purine können weiterhin enthalten sein. Deshalb ist alkoholfreies Bier bei Gicht nicht automatisch dasselbe wie Wasser oder ungesüßter Tee.

Das bedeutet nicht, dass ein gelegentliches alkoholfreies Bier grundsätzlich verboten wäre. Als täglicher Durstlöscher ist es jedoch nicht die beste Wahl.

Süße Getränke können den Harnsäurespiegel ebenfalls belasten

Bei Gicht schauen viele Betroffene zuerst auf Fleisch und Bier. Cola, Limonade, Energy-Drinks oder stark gesüßte Eistees bekommen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Dabei können gerade fruktosehaltige Getränke ungünstig sein. Beim Abbau größerer Mengen Fruktose kann die Harnsäurebildung steigen. Die DGE empfiehlt deshalb, mit Fruktose oder Fruktosesirup gesüßte Erfrischungsgetränke sowie Fruchtsaftgetränke und Nektare bei Gicht zu vermeiden beziehungsweise deutlich einzuschränken.

Vielleicht ist das für Sie sogar ein einfacher erster Schritt. Wenn täglich zwei oder drei süße Getränke dazugehören, müssen Sie nicht gleichzeitig den gesamten Kühlschrank umorganisieren. Beginnen Sie damit, einen Teil davon durch Wasser oder ungesüßten Tee zu ersetzen. Kleine Veränderungen, die tatsächlich bleiben, sind meist wertvoller als eine besonders strenge Ernährung, die nach zwei Wochen wieder aufgegeben wird.

Obst ist etwas anderes als ein großes Glas Saft

Die Rolle der Fruktose führt schnell zur nächsten Frage: Muss ich nun auch mit Obst vorsichtig sein? Ganze Früchte müssen nicht grundsätzlich vom Speiseplan verschwinden. Im Gegenteil, die DGE empfiehlt bei Gicht eine pflanzenbetonte Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst.

Anders sieht es mit größeren Mengen Fruchtsaft aus. Ein Glas Saft ist schnell getrunken und liefert relativ viel Zucker, während die sättigenden Ballaststoffe ganzer Früchte weitgehend fehlen. Wenn Sie Durst haben, sollte deshalb Wasser das Hauptgetränk bleiben. Ein gelegentliches kleines Glas Saft ist etwas anderes als eine große Flasche, die jeden Tag nebenbei getrunken wird.

Wasser hilft vor allem den Nieren bei ihrer Arbeit

Die Nieren sind ein Schlüsselorgan bei Gicht, weil sie einen großen Teil der Harnsäure ausscheiden. Ausreichend Flüssigkeit kann diese Ausscheidung unterstützen und verhindert, dass der Urin unnötig stark konzentriert wird. Die DGE rät Menschen mit Gicht zu reichlicher Flüssigkeitszufuhr, sofern medizinisch nichts dagegenspricht.

Wie viel für Sie persönlich passend ist, hängt allerdings von Ihrer gesundheitlichen Situation ab. Wenn Sie eine Herz- oder Nierenerkrankung haben und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen eine bestimmte Trinkmenge empfohlen hat, sollten Sie nicht eigenständig deutlich mehr trinken. Für viele andere Menschen reicht zunächst eine einfache Gewohnheit: Wasser sichtbar bereitstellen und regelmäßig trinken, statt erst am Abend festzustellen, dass den ganzen Tag kaum Flüssigkeit zusammengekommen ist.

Kaffee und Tee dürfen meistens bleiben

Wenn Sie morgens gern Ihren Kaffee trinken, müssen Sie sich von dieser Gewohnheit wegen Gicht nicht automatisch verabschieden. Die DGE bewertet Kaffee, Tee und Kakao in diesem Zusammenhang als unproblematisch.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob Sie schwarzen Kaffee oder Kaffee mit etwas Milch trinken oder ob das Getränk große Mengen Zucker, Sirup und Sahne enthält. Dann wird nicht der Kaffee selbst zum Thema, sondern der hohe Zucker- und Energiegehalt.

Milchprodukte und Eier machen eine Ernährungsumstellung leichter

Wenn Fleisch seltener gegessen werden soll, stellt sich schnell eine praktische Frage: Womit werde ich dann eigentlich satt? Hier können Milchprodukte und Eier hilfreich sein. Die DGE nennt eine ovo-lakto-vegetarisch ausgerichtete, also überwiegend pflanzliche Ernährung mit Milchprodukten und Eiern ausdrücklich als günstige Orientierung bei Gicht.

Naturjoghurt mit Beeren, Kartoffeln mit Kräuterquark, Vollkornbrot mit Frischkäse oder ein Gemüseomelett sind keine exotischen Diätgerichte. Sie sind normale Mahlzeiten, die dabei helfen können, Fleischportionen zu verkleinern, ohne dass Sie das Gefühl haben, bei jeder Mahlzeit auf etwas verzichten zu müssen. Stark gezuckerte Milchdesserts sind natürlich eine andere Kategorie, hier lohnt sich wiederum der Blick auf den Zuckergehalt.

Wie ein gichtfreundlicher Teller im Alltag aussehen kann

Sie brauchen keine besonderen Gichtprodukte. Stellen Sie sich Ihren Teller eher so vor: Gemüse oder Salat bekommen viel Platz, dazu kommen Kartoffeln, Reis oder Vollkornprodukte. Als Eiweißquelle können beispielsweise Eier, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte dienen. Fleisch oder Fisch darf gelegentlich dazukommen, spielt aber nicht bei jeder Mahlzeit die Hauptrolle.

Beim Frühstück könnten Haferflocken mit Naturjoghurt und Beeren passen, alternativ Vollkornbrot mit Ei und Gemüse. Mittags wären Kartoffeln mit Kräuterquark, ein Linsengericht, eine Gemüsesuppe oder Reis mit Gemüse mögliche Varianten. Abends können Vollkornbrot, Salat, Gemüse, Ei oder etwas Käse auf dem Tisch stehen. Wasser oder ungesüßter Tee wird zum normalen Getränk.

Das Entscheidende daran ist nicht, dass jeder Tag perfekt aussieht. Es geht darum, was Sie meistens essen und trinken. Ein besonderes Essen im Restaurant oder bei einer Familienfeier entscheidet nicht allein über Ihre Gicht.

Körpergewicht ist wichtig, aber bitte ohne Crash-Diät

Übergewicht gehört zu den Faktoren, die das Risiko für Gicht und wiederkehrende Anfälle erhöhen können. Wenn Sie deutlich über Ihrem persönlichen gesunden Gewicht liegen, kann eine langsame Gewichtsreduktion dabei helfen, den Harnsäurespiegel zu verbessern. Regelmäßige Bewegung unterstützt gleichzeitig Gewicht, Kreislauf und Stoffwechsel.

Was Sie vermeiden sollten, sind radikale Fastenkuren und schnelle Gewichtsverluste. Solche starken Stoffwechselveränderungen können Gichtattacken sogar begünstigen. Eine Ernährung, die über Monate funktioniert, ist deshalb wesentlich sinnvoller als eine sehr strenge Diät für einige Tage.

Bewegung darf ebenfalls dazugehören. Wenn Sie gerade keinen akuten Anfall haben, sind regelmäßige Aktivitäten wie Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen oder andere gelenkschonende Bewegungsformen eine gute Unterstützung für Gewicht und allgemeine Gesundheit. Während eines akuten, stark schmerzenden Anfalls darf das betroffene Gelenk dagegen geschont werden.

Warum ein Gichtanfall manchmal nach einer Feier kommt

Vielleicht erinnern Sie sich genau an den Abend vor Ihrer letzten Attacke. Es gab reichlich Fleisch, vielleicht Meeresfrüchte, mehrere alkoholische Getränke und am Ende des Tages kaum Wasser. Dann treffen mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig zusammen.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass dieses Essen die Gicht über Nacht „gemacht“ hat. Die Kristallablagerungen waren wahrscheinlich schon vorhanden. Eine solche Situation kann lediglich dazu beitragen, eine Attacke anzustoßen. Ebenso können Flüssigkeitsmangel, eine fieberhafte Erkrankung, eine Operation oder eine Verletzung mögliche Auslöser sein.

Wenn Sie Ihre persönlichen Auslöser besser verstehen möchten, kann ein einfaches Ernährungstagebuch sinnvoll sein. Notieren Sie für einige Wochen grob, was Sie gegessen und getrunken haben, ob Alkohol dabei war, ob Sie ausreichend getrunken haben und wann Beschwerden aufgetreten sind. Sie müssen dabei nicht jedes Gramm dokumentieren. Interessant sind vielmehr wiederkehrende Muster.

Kirschen können auf den Teller, aber sie ersetzen keine Behandlung

Kirschen und besonders Sauerkirschen werden im Zusammenhang mit Gicht häufig empfohlen. Sie können selbstverständlich Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein. Es gibt Hinweise darauf, dass sie möglicherweise einen günstigen Einfluss auf den Harnsäurehaushalt haben können, die vorhandenen Daten reichen jedoch nicht aus, um daraus eine verlässliche eigenständige Gichttherapie abzuleiten.

Wenn Sie Kirschen mögen, essen Sie sie gern. Ein notwendiges harnsäuresenkendes Medikament sollten Sie deswegen aber nicht ersetzen. Bei konzentrierten Sauerkirschsäften lohnt sich außerdem wieder ein Blick auf den Zucker.

Auch Vitamin C ist kein Ersatz für eine notwendige Therapie

Vitamin-C-reiches Gemüse und Obst gehört selbstverständlich zu einer ausgewogenen Ernährung. Hoch dosierte Vitamin-C-Präparate sind dagegen nicht automatisch sinnvoll, nur weil bei Gicht über Harnsäuresenkung gesprochen wird.

Gerade wenn Sie Nierenprobleme haben oder regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel nicht einfach zusätzlich verwenden. Das gilt ebenso für Kräuterpräparate und Produkte, die versprechen, Harnsäure „auszuleiten“ oder die Gelenke zu „reinigen“. Für viele solcher Produkte fehlt ein überzeugender Nutzen, während Neben- und Wechselwirkungen durchaus möglich sind.

Manche Medikamente können die Harnsäure erhöhen

Nicht immer liegt der wichtigste Einfluss auf Ihre Harnsäure im Kühlschrank. Bestimmte Medikamente können den Harnsäurespiegel erhöhen. Dazu gehören insbesondere manche Entwässerungsmedikamente, sogenannte Schleifen- und Thiaziddiuretika. Auch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure und einige andere Arzneimittel können eine Rolle spielen.

Bitte setzen Sie solche Medikamente nicht selbst ab. Ein Entwässerungsmittel kann beispielsweise für eine Herz- oder Blutdruckerkrankung wichtig sein. Wenn Ihre Gicht neu aufgetreten ist oder trotz Behandlung häufig wiederkehrt, sollte die Ärztin oder der Arzt prüfen, ob Medikamente einen Beitrag leisten und ob geeignete Alternativen vorhanden sind. Auch die aktuelle deutsche rheumatologische Empfehlung rät dazu, harnsäuresteigernde Medikamente nur bei klarer Notwendigkeit einzusetzen.

Die Nieren sollten bei Gicht nicht vergessen werden

Weil so viel über Fleisch und Alkohol gesprochen wird, geraten die Nieren beim Thema Gicht manchmal erstaunlich schnell aus dem Blick. Dabei entscheiden sie maßgeblich darüber, wie gut Ihr Körper Harnsäure ausscheiden kann. Eine chronische Nierenerkrankung erhöht deshalb das Gichtrisiko. Auch Bluthochdruck, Übergewicht und andere Stoffwechselprobleme treten bei Menschen mit Gicht häufiger auf.

Wenn Gicht neu diagnostiziert wird, kann es deshalb sinnvoll sein, nicht nur das schmerzende Gelenk anzuschauen. Wie steht es um Nierenfunktion, Blutdruck, Blutzucker und Gewicht? Gibt es Medikamente, die den Harnsäurespiegel beeinflussen? Haben Sie möglicherweise bereits Nierensteine bemerkt? Ein solcher Gesamtblick ist langfristig häufig hilfreicher als die ausschließliche Beschäftigung mit einzelnen Lebensmitteln.

Gicht kann unbehandelt mehr als einzelne Schmerzattacken verursachen

Zwischen zwei Anfällen kann es Ihnen vollkommen gut gehen. Gerade deshalb wird Gicht manchmal unterschätzt. Bleibt der Harnsäurespiegel dauerhaft zu hoch, können sich weitere Kristalle ablagern. Bei fortgeschrittener Erkrankung können sogenannte Tophi entstehen. Dabei handelt es sich um sicht- oder tastbare Ablagerungen von Harnsäurekristallen, beispielsweise an Fingern, Ellenbogen oder Ohren. Diese Ablagerungen können Gelenke langfristig schädigen.

Auch die Niere kann betroffen sein, etwa durch Harnsäuresteine. Genau deshalb besteht die langfristige Behandlung nicht nur darin, den Schmerz eines einzelnen Anfalls zu beseitigen. Ziel ist es, neue Attacken, Kristallablagerungen und dauerhafte Gelenkschäden möglichst zu verhindern. Die aktuelle deutsche Fachinformation nennt die Verhinderung von Gichtanfällen und langfristigen Gelenkschäden ausdrücklich als zentrales Therapieziel.

Wie Gicht diagnostiziert wird

Ein typischer Gichtanfall kann aufgrund von Vorgeschichte und Gelenkbefund bereits sehr verdächtig sein. Trotzdem gibt es Situationen, in denen genauer hingeschaut werden muss. Neben der körperlichen Untersuchung wird meist die Harnsäure im Blut bestimmt. Je nach Situation werden weitere Blutwerte und die Nierenfunktion kontrolliert. Ein hoher Harnsäurewert allein beweist allerdings keine Gicht.

Ist die Diagnose nicht eindeutig, kann Flüssigkeit aus dem entzündeten Gelenk entnommen werden. Unter dem Mikroskop lassen sich dort charakteristische Harnsäurekristalle nachweisen. Auch Ultraschall oder andere bildgebende Verfahren können in bestimmten Fällen zusätzliche Hinweise liefern.

Gerade beim ersten stark entzündeten Gelenk ist diese medizinische Einschätzung wichtig. Denn nicht jede rote, heiße und schmerzhafte Schwellung ist automatisch Gicht.

Ein heißes Gelenk mit Fieber ist ein Warnzeichen

Eine bakterielle Gelenkinfektion kann zunächst ähnlich aussehen wie eine Gichtattacke. Sie muss jedoch schnell behandelt werden. Haben Sie ein stark schmerzendes, geschwollenes und heißes Gelenk und kommen Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl hinzu, sollten Sie deshalb nicht darauf vertrauen, dass es „nur wieder die Gicht“ ist. Eine schnelle medizinische Abklärung ist wichtig.

Auch wenn Sie Ihren ersten vermeintlichen Gichtanfall erleben und die Diagnose noch nie ärztlich gestellt wurde, ist eine Untersuchung sinnvoll.

Was während eines akuten Gichtanfalls wirklich hilft

Bei einer akuten Attacke besteht das wichtigste Ziel darin, die Entzündung und die Schmerzen möglichst schnell zu kontrollieren. Je nach persönlicher Situation können Colchicin, entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR oder Glukokortikoide eingesetzt werden. Welche Variante für Sie geeignet ist, hängt beispielsweise von Ihrer Nierenfunktion, Magenproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen Medikamenten ab. Die aktuelle deutsche rheumatologische Empfehlung nennt genau diese drei Medikamentengruppen als wichtige Möglichkeiten für den akuten Gichtanfall.

Zu Hause kann es angenehm sein, das Gelenk zu schonen, hochzulagern und vorsichtig zu kühlen. Einen Kühlakku sollten Sie nicht direkt auf die Haut legen, sondern beispielsweise in ein dünnes Tuch wickeln.

Eine besonders strenge Diät wird den akuten Anfall dagegen nicht innerhalb weniger Stunden beenden. Natürlich ist es sinnvoll, Alkohol wegzulassen, ausreichend zu trinken und sehr üppige Mahlzeiten zu vermeiden. Die Entzündung selbst benötigt jedoch eine geeignete Behandlung.

Wenn Gicht wiederkehrt, sollte die Harnsäure langfristig betrachtet werden

Nach dem ersten Anfall wünschen sich viele Menschen vor allem eines: dass so etwas nie wieder passiert. Genau deshalb sollte nicht nur der aktuelle Schmerz behandelt werden. Wenn Attacken wiederholt auftreten, Tophi bestehen oder die Erkrankung bereits deutlicher ausgeprägt ist, kann eine dauerhafte harnsäuresenkende Behandlung erforderlich sein. Lebensstiländerungen allein reichen bei häufigen Anfällen oder Tophi in der Regel nicht aus.

Die aktuelle deutsche Fachgesellschaft empfiehlt bei behandelter Gicht grundsätzlich eine gezielte Senkung der Harnsäure. Häufig wird dabei ein Serumwert von unter 6 mg/dl angestrebt, wobei der passende Zielwert und die Behandlung immer individuell festgelegt werden sollten.

Dieser Zielwert ist keine reine Laborzahl. Sinkt die Harnsäure dauerhaft ausreichend ab, können sich weniger neue Kristalle bilden und vorhandene Ablagerungen können sich nach und nach zurückbilden. Damit sinkt langfristig das Risiko weiterer Attacken und Gelenkschäden.

Warum Allopurinol nicht nur bei Schmerzen eingenommen wird

Allopurinol gehört zu den häufig eingesetzten Medikamenten zur dauerhaften Senkung der Harnsäure. Es ist kein klassisches Schmerzmittel und deshalb nicht dafür gedacht, nur dann genommen zu werden, wenn gerade der Zeh schmerzt. Seine Aufgabe besteht darin, langfristig die Harnsäurebildung zu reduzieren.

Gerade zu Beginn einer solchen Behandlung können paradoxerweise noch Gichtanfälle auftreten. Das kann sehr verunsichern, bedeutet aber nicht automatisch, dass das Medikament nicht wirkt. Häufig wird zu Beginn zusätzlich für eine gewisse Zeit eine entzündungshemmende Vorbeugung eingesetzt. Ändern oder beenden Sie eine harnsäuresenkende Behandlung deshalb nicht auf eigene Faust.

Wenn während der Einnahme von Allopurinol ein neuer Hautausschlag entsteht, sollte dieser wegen der selten möglichen allergischen Reaktionen rasch mit der behandelnden Praxis besprochen werden.

Ernährung und Medikamente sind keine Gegenspieler

Manche Betroffene möchten verständlicherweise möglichst ohne Medikamente auskommen und versuchen deshalb, besonders streng zu essen. Andere verlassen sich vollständig auf Medikamente und verändern ihre Gewohnheiten kaum.

Meist ist es sinnvoller, beides nicht gegeneinander auszuspielen. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung, ein günstiges Körpergewicht, ausreichend Flüssigkeit und wenig beziehungsweise kein Alkohol können die Behandlung unterstützen. Wenn der Harnsäurespiegel damit allein aber nicht ausreichend sinkt oder immer wieder Attacken auftreten, kann eine medikamentöse Behandlung der entscheidende zusätzliche Schritt sein.

Sie müssen also nicht immer mehr Lebensmittel streichen, wenn die Gicht trotz vernünftiger Ernährung wiederkommt. Dann ist vielmehr die Frage wichtig, ob die Erkrankung insgesamt ausreichend behandelt wird.

Welche Veränderungen im Alltag wirklich sinnvoll sind

Wenn Sie jetzt überlegen, wo Sie anfangen sollen, müssen es nicht zehn Dinge gleichzeitig sein. Vielleicht ist Ihr erster Schritt, das regelmäßige Bier wegzulassen. Vielleicht trinken Sie künftig Wasser statt täglicher Limonade. Vielleicht verkleinern Sie Fleischportionen und lassen Gemüse häufiger die Hauptrolle übernehmen. Oder Sie möchten ein vorhandenes Übergewicht langsam reduzieren.

Achten Sie dabei auf Veränderungen, die zu Ihrem wirklichen Leben passen. Eine Ernährungsweise muss auch an einem normalen Dienstag funktionieren, nicht nur in einer perfekt geplanten Woche.

Und gönnen Sie sich Zeit. Gicht ist eine Erkrankung, die sich über längere Zeit entwickelt. Auch ihre Vorbeugung ist eher eine langfristige Aufgabe als eine kurzfristige Diät.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Ein erstmalig plötzlich auftretendes, stark schmerzendes, heißes und geschwollenes Gelenk sollte ärztlich abgeklärt werden. Das gilt ebenfalls, wenn bekannte Gichtattacken häufiger werden, mehrere Gelenke betroffen sind, Beschwerden zwischen den Anfällen bestehen bleiben, sich Knoten unter der Haut entwickeln oder Nierensteine beziehungsweise eine eingeschränkte Nierenfunktion bekannt sind.

Besonders schnell sollten Sie medizinische Hilfe suchen, wenn zu einem stark entzündeten Gelenk Fieber, Schüttelfrost oder ein deutliches Krankheitsgefühl hinzukommen. Hinter solchen Beschwerden kann auch eine Gelenkinfektion stecken.

Fazit: Bei Gicht zählt nicht nur das letzte Essen

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Artikels: Gicht lässt sich nicht auf Fleisch und Bier reduzieren.Ernährung beeinflusst den Harnsäurehaushalt, aber ebenso wichtig sind Ihre Nieren, Veranlagung, Körpergewicht, Begleiterkrankungen und Medikamente.

Sie können dennoch einiges selbst tun. Innereien und große Mengen rotes Fleisch dürfen deutlich seltener werden. Bei besonders purinreichen Fisch- und Meeresprodukten lohnt sich Zurückhaltung. Alkohol, insbesondere Bier, und stark gezuckerte beziehungsweise fruktosereiche Getränke sollten möglichst wenig Raum bekommen. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Kartoffeln, Milchprodukte, Eier und ganze Früchte dürfen dagegen selbstverständlich Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein.

Achten Sie außerdem auf ausreichendes Trinken, vermeiden Sie radikale Fastenkuren und reduzieren Sie Übergewicht, wenn nötig, lieber langsam. Wenn Gicht trotz dieser Veränderungen wiederkehrt, sollte Ihre Lebensmittelauswahl nicht immer eingeschränkter werden. Dann ist es wichtig, gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu prüfen, ob die Harnsäure langfristig ausreichend gesenkt wird.

Es geht also nicht darum, jede Mahlzeit mit Sorge zu betrachten. Viel hilfreicher ist ein Alltag, in dem mehrere günstige Entscheidungen ganz selbstverständlich zusammenkommen.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis

Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und Gesundheitsbildung. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche, ernährungsmedizinische oder pharmazeutische Beratung.

Ein erstmalig stark schmerzendes, heißes und geschwollenes Gelenk sollte ärztlich untersucht werden. Treten zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auf, sollte die Abklärung rasch erfolgen. Verordnete Medikamente zur Harnsäuresenkung, gegen Bluthochdruck oder für andere Erkrankungen sollten Sie nicht eigenständig verändern oder absetzen.

Medizinische Einordnung

Gicht entsteht durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in und um Gelenke. Neben der Ernährung beeinflussen unter anderem Nierenfunktion, genetische Veranlagung, Alter, Körpergewicht, bestimmte Erkrankungen und Medikamente das Risiko. Bei wiederkehrenden Gichtanfällen kann eine langfristige medikamentöse Senkung der Harnsäure erforderlich sein.

Bildquelle

Bildquelle: Jennifer Orth Gesundheitsblog, KI-generiert

Einige Illustrationen und Beitragsbilder auf dieser Website wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend redaktionell ausgewählt beziehungsweise bearbeitet.

Stand

August 2026

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